Immer mehr Söldner und Privat-Marinen im Kampf gegen Piraten

Während am Horn von Afrika derzeit die Angriffe somalischer Piraten weitgehend ausbleiben (wobei unklar ist, wie viel das mit dem Wetter oder der Präsenz internationaler Seestreitkräfte zu tun hat) und das Gesetz zur Zertifizierung privater bewaffneter Wachmannschaften auf deutsch geflaggten Handelsschiffen noch im Bundestag dümpelt, kann man sich ja eine lesenswerte aktuelle australische Untersuchung anschauen:

Pirates and privateers: managing the Indian Ocean’s private security boom

Da gibt es interessante Zahlen, zum Beispiel dass inzwischen mehrere tausend Bewaffnete als Angestellte von Private Military Security Companies (PMSC) in dieser Seeregion unterwegs sind, als Wachmannschaften auf Schiffen oder mit schwer bewaffneten privaten Kriegsschiffen. Und eine Betrachtung der damit verbundenen rechtlichen Probleme.

Mich beeindruckt vor allem ein Praxis-Tipp: Warum sich mit den komplizierten Genehmigungsverfahren für Erwerb, Export und Transport von Waffen, oder sogar Beschränkungen (nach dem geplanten deutschen Gesetz bleiben Kriegswaffen verboten) herumschlagen – wenn man für 200 US-Dollar auf einem afrikanischen Schwarzmarkt eine Kalaschnikow erwerben kann, die man vor dem nächsten Hafen einfach über Bord wirft, um Einfuhrprobleme zu umgehen?

7 Gedanken zu „Immer mehr Söldner und Privat-Marinen im Kampf gegen Piraten

  1. Das über-Bord-werfen der Waffen ist bereits gängige Praxis – Hab ich mir von einem „Unternehmer dieser Art“ sagen lassen.

  2. ich durfte mich beim Wirtschaftskreis Mitte mal mit einem Entrepeneur unterhalten, der so eine PMC aufbaune will und dazu schon ordetlich netzwerkt und Lobbyarbeit betreibt. Die nüchterne Darstellung von Notwendigkeit und Gewinnerwartung im Bereich der Handelsschifffahrt in Verbindung mit dem Personal, was er beabsichtigt zu nutzen – ich brauch3 da keinen hochqualifizierten Boardingteams oder einsatzerfahrene Zugreifer – haben mir doch etwas die Nackenhaare aufgestellt.

    Am Ende werden das wahrscheinlich MVG-Persnalkörper werrden, die für den schnellen Euro in einem afrikanischen Camp eingewiesen und ausgerüstet werden und dann Renditen um die 50 Prozent für die ersten am Markt erwirtschaften werden.

  3. Es gibt mindestens zwei schwimmende Waffenhändler im Indischen Ozean, bei denen private VPT sich eindecken können. Einer ist Kenianer und der andere irgendwas osteuropäisches. Genauere Informationen wollten sie aber nicht rausrücken. Was Seiten ist zwar nicht illegal (der Waffenhandel auf [sic!] See), die Beschaffung dagegen könnte ihnen reichlich Ärger bereiten. Bei PiraT gibt’s dazu mWn auch eine Studie…

  4. Man muss sich doch nicht gar nicht bei dubiosen örtlichen, ggfls. »schwimmenden«, Händlern bedienen.

    Es reicht doch aus, wenn es die Sicherheitsunternehmen so organisieren, dass die Teams Waffen und Ausrüstung auf See übernehmen, sobald das zu schützende Schiff den Hafen (in einem Land, in dem restriktive Bestimmungen gelten) verlassen hat.

    Entsprechendes wurde meiner Erinnerung nach auch schon berichtet.

  5. Hier ein Artikel zu der Thematik: Civilian Gun Ships Off Somalia:

    To get around laws in many ports that forbid weapons aboard merchant ships, security companies operating off the Somali coast have equipped small ships to serve as floating arsenals. The security guards board, in port, the merchant ships they are guarding, then meet up with the gun ship in international waters so the guards can get their weapons and ammo. The process is reversed when the merchant ships approach their destinations or leave pirate infested waters (and put the armed guards off onto the gun ship).

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