Bundeswehr stellt sich auf Kampfeinsatz in Afghanistan auch nach 2014 ein

Die Bundeswehr stellt sich auf einen Kampfeinsatz in Afghanistan auch nach dem Auslaufen des Mandats für die internationale Schutztruppe ISAF im Jahr 2014 ein. Nach ISAF werde die internationale Gemeinschaft zwar den Schwerpunkt auf Ausbildung und Unterstützung legen müssen, sagte Bundeswehr-Generalinspekteur Volker Wieker am Dienstagabend in Berlin. Für diese neue Mission sei aber neben einer Einladung der afghanischen Regierung ein neuer Beschluss des UN-Sicherheitsrats erforderlich, der voraussichtlich nach Kapitel VII der UN-Charta gefasst werden würde.

Die Charta der Vereinten Nationen sieht im Kapitel VII robuste Einsatze zur Friedenserzwingung vor, für deren Durchsetzung der Sicherheitsrat militärische Gewalt erlauben kann. Mit einer solchen Ermächtigung erhielte eine ISAF-Nachfolgemission neben dem Schwerpunkt „Train, Advise, Assist“ (Trainieren, Beraten, Unterstützen) die ausdrückliche Ermächtigung zu Kampfeinsätzen. Bislang legten die Äußerungen der Bundesregierung nahe, das nach einem weitgehenden Abzug der internationalen Truppen vom Hindukusch bis Ende 2014 Trainer und Berater bleiben sollten, die nur zum eigenen Schutz militärisch gesichert würden.

Wieker räumte ein, dass die Planung der NATO-Partner und anderer truppenstellender Nationen in Afghanistan für die Zeit nach 2014 noch am Anfang stehe. „Viel wird dabei von den USA abhängen“, deren Präsident im November neu gewählt wird. Auch die Präsidentenwahl in Afghanistan im Jahr 2014 werde Auswirkungen auf die Reichweite eines neuen Mandats für eine Nachfolgemission haben. Alle Zahlen für die Stärke des langfristigen deutschen wie internationalen militärischen Engagements am Hindukusch seien deshalb „lediglich Hausnummern – daher sollten wir uns in Geduld üben“, sagte Deutschlands ranghöchster Soldat.

29 Gedanken zu „Bundeswehr stellt sich auf Kampfeinsatz in Afghanistan auch nach 2014 ein

  1. @T.W.:
    Vielen Dank dafür, dass Sie die absurde Diskussion Kampf vs. Ausbilder nochmals aufgreifen.

    Ich bin weiterhin der Meinung, dass die militärische Führung die neuen Aufgaben in AFG erheblich unteschätzt.

  2. Das würde auch Erklärer warum 1000 Leo s mit Klima und führungssystem Umgebaut werden

  3. @T.W.:
    Wenn man assist ernst nimmt, dann ist schon dies aus meiner Sicht in Teilbereichen „Kampf“ (in extremis). Daher ist es ja auch konsequent, dass es ein Kap VII-Einsatz sein soll. Der Politik und der Generalitàt fallen bald die eigenen Parolen vom „völlig andersartigen Einsatz“ vor die Füße.
    Denn auch nach 2014 braucht es im Einsatz „robuste Anteile“ und nicht nur Beratung, Logistik, Aufklärung, etc.
    Es ist nun aber höchste Zeit -aufbauend auf den bekannten Eckdaten – ein Kontingent zu planen. Die Ausrede USA hilft da nur bedingt.

  4. @alarich:
    Auf welche Nation beziehen Sie sich, die im Besitz von 1000 Leopard Panzern ist?

  5. @Memoria: „Der Politik und der Generalität fallen bald die eigenen Parolen vom “völlig andersartigen Einsatz” vor die Füße. …“.

    Also, wenn man den Essay „UN-Friedensoperationen und Menschenrechte“ von Dr. phil. habil. Wolfgang S. Heinz und der Referendarin am Kammergericht Berlin, Joanna Ruszkowska des „Deutschen Instituts für Menschenrecht“ nach Kapitel VII der UN-Charta durchforstet, fällt da der Generalität ein ganze Menge an heißen Eisen vor die Füsse.

    Das neue UN-Mandat soll ein robustes Mandat nach Kapitel VII der UN-Charta sein. „Robuste“ Friedendurchsetzungsmissionen sind aber alles andere als Friedenseinsätze! Da sollte man sich nichts vorgauckeln.

    Zwar können sich in Afghanistan auch zukünftige UN-Sicherheitsratsresolutionen auf die Zustimmung der afghanischen Regierung stützen, aber eine interne Versöhnung der Konfliktparteien hat bislang nicht stattgefunden und von Frieden mit den Taliban ist man ganz weit weg. Es soll aber – ohne vorgenannte Voraussetzung – der Frieden gegenüber allen Interessengruppen durchgesetzt werden, auch gegenüber der Zentral-Regierung, die allerdings von weiten Teilen der Bevölkerung bzw. den verschiedenen ethnischen Gruppierungen nicht als solche anerkannt wird. Damit werden die UN-mandatierten Truppen einerseits als Kriegspartei, anderseits als Besatzungsmacht weiterhin angesehen.

    Karsai versucht zwar, einzelne Talibanführer für sich zu gewinnen, dies wird aber nicht von konsequenter Politik und Strategie getragen, sondern von Geld und Korruption. Karsai ist als von den Alliierten installierte Marionette kein Machtfaktor und kein politisch zuverlässiges und zukunftsträchtiges Potential. In dem Land der Warlords und Stammesfürsten ist Karsai einer von vielen seiner Gleichen und Korruption ist in Afghanistan aufgrund der ethnischen Strukturen als Ersatz für Loyalität historisch existent.

    Deshalb taugt Demokratie nicht für Afghanistan als Staatssystem und hat dort auch keine Tradition. Das Land muss seine eigenen Regierungsstrukturen finden und diese können die Alliierten nicht erzwingen. Schon gar nicht funktioniert das mehr mit den Argumenten „Al-Qaida“ oder „der Frieden des Westens bzw. Deutschlands wird am Hindukusch verteidigt“. „Al-Qaida“ ist längst in Pakistan, in der Kaschmirregion, in Nord-Jemen, im Libanon, in Syrien, im Tschad, in Eritrea, in Mali und evt. auch in Somalia und Libyen etabliert sowie im Westen subversiv vertreten, aber nicht mehr bzw. kaum noch in Afghanistan. Hinzukommt, dass „Al-Qaida“ als zentral gesteuerte Organisation zunehmend in Frage zu stellen ist, was die Bekämpfung der weltweit disloziierten und sich verselbständigenden Splittergruppen und Sympathisanten nur noch zusätzlich erschwert.

    Bereits diese Entwicklung bestätigt die Forderung nach einem möglichst schnellen Abzug aus Afghanistan, egal was unsere Politiker auch immer sagen, um ihre Fehler der Vergangenheit zu kaschieren und um Wahlkämpfe nicht zu verlieren. Die „russische Endlösung“ wird letztlich als eine der ganz wenigen Alternativen überbleiben und die hieß totaler Abzug.

    Die politische Bedeutung Afghanistans wird für uns und den Westen (Europa) immer geringer, aber umso schädlicher, die strategische Bedeutung als „Pufferstaat“ tendiert mit dem Fall der Sowjetunion und der Abkopplung vom Westen sowie der Radikalisierung des IRAN, für Europa gegen Null. Wirtschaftspolitisch ist Afghanistan für sich betrachtet bedeutungslos. Der beabsichtigte Unterhalt von langfristigen US-Stützpunkten und US-Militärbasen ist eher eine schwierige Frage des außenpolitischen Verhältnisses zwischen USA und Russland.

    Afghanistans Schicksal dürfte diesseits und jenseits der zu britischen Kolonialzeiten geschaffenen künstlichen bzw. willkürlichen Grenze zu den FATA-Gebieten Pakistans entschieden werden und im Nuklearwaffenstaat Pakistan leben 175 Mio. Menschen. Pakistan und dessen Geheimdienst ISI spielen mit der Unterstützung der Taliban die zentrale politische Rolle in Afghanistan. Damit betreibt Pakistan als Verbündeter der NATO ein gefahrenträchtiges Doppelspiel. Genau das sollte uns außen- und weltpolitisch deutlich mehr Sorgen machen, weil letztendlich nur durch die USA gestalltbar und selbst durch diese nur bedingt beherrschbar.

    Afghanistan ist von den Anrainerstaaten Iran, Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan, der Volksrepublik China und Pakistan völlig eingeschlossen. Genau diese Staaten sind betroffen, wenn die Taliban und/oder radikale Islamische Kräfte wieder ans Ruder kämen und in diese Länder der radikale Islam überschwappen würde. Nicht Deutschland und unsere Demokratie werden am Hindukusch verteidigt, sondern die Sowjetunion und deren Machtansprüche wurden dort verteidigt (… bis zu deren Zusammenbruch) sowie fortan die Interessen der USA versus Iran, Pakistan, China und Russland!

    Dennoch, ein radikales Raus auf Afghanistan erscheint nicht mehr möglich, der Westen hat einerseits zu viele Schäden verursacht, andererseits wurden zu große Verpflichtungen eingegangen. Hier gilt es den Kompromiss zu finden und der hat allerdings die Bandbreite vom „Dauerbürgerkrieg unter westliche Beaufsichtigung“ über „UN-Protektorat“ bis zur „Komplettzerschlagung“ (sprich Aufteilung und Parzellierung des Landes entsprechend der Ethnien).

  6. Der Herr Wieker hat die Signale aus den USA wohl nicht verstanden. Da wird von allen politischen Seiten auf ein Ende des Einsatzes gedrängt. In zwei Jahren sind wieder Kongresswahlen und kein Abgeordneter wird weiterhin die Kosten für einen Afghanistaneinsatz verteidigen können/wollen.

    Ein Chapter 7 Artikel 42 Einsatz bekommt im UNSC auch mal nicht so eben. durch. Es kann durchaus sein das z.B. China da nicht mitspielen wird und ein Veto ausspricht.

    Die Bundeswehr sollte froh sein wenn sie aus Afghanistan abziehen kann und sich wieder der eigentlichen Aufgabe witmen darf. Kann jemand erklären warum der Herr Wieker jetzt meint in die andere Richtung zu drängen.

  7. Leicht OT

    Ein australischer General berichtet von sein PTSD das ihn nach dem Einsatz in Afghanistan und an anderen Orten überwältigt hat.

    Sehr persönlcih und detailliert: Casualty of war

  8. Noch zwei Links:

    Zwei interessante Zitate aus der NYT zum Thema Green on Blue: Training Afghan Allies, With Guard Firmly Up

    “They come here and they look like they are going to fight us,” said Sgt. Abdul Karim Haq, 25, an Afghan soldier at the outpost. “They are always talking down to us like we are little children.”

    Abdul Hanan, 20, a soldier also based in the east, was blunt. “We would have killed many of them already,” he said, “but our commanders are cowards and don’t let us.”
    .
    He said the Americans treat the Afghans roughly, cursing at and bullying them. “We like the Americans’ heavy weapons, but we don’t like their soldiers,” he said.

    DER Afghanistan Experte Gilles Dorronsoro in einem neuen Papier über die voraussichtliche Entwicklung: Waiting for the Taliban in Afghanistan

    Key Themes

    The Afghan political system’s center of gravity—the east and the Kabul region—is gravely threatened by a Taliban advance that will take place in the spring of 2013 following the winter lull in fighting.

    The Afghan regime will most probably collapse in a few years.

    Political fragmentation, whether in the form of militias or the establishment of sanctuaries in the north, is laying the groundwork for a long civil war—a dangerous scenario for Western interests.

    Though negotiations with the Taliban are unlikely before the troop withdrawal, the United States will not be able to pursue its longer-term interests in and around Afghanistan if it is not willing to deal with the Taliban.

    Poised to take power after the Afghan regime’s likely collapse, only the Taliban can potentially control the Afghan border and expel transnational jihadists from Afghanistan.

  9. Lt. Gen. David Barno war Kommandeur der U.S. Kräfte in Afghanistan von 2003 bis 2005.

    Hier plädiert er für einen beschleunigten Abzug:

    The United States perversely finds itself today in the long-sought position of having achieved its broad strategic objectives connected to the attacks of September 11, 2001: Osama bin Laden is dead, al Qaeda is disrupted and diffused, and the Taliban no longer dominate Afghanistan. Yet eleven years on, the United States now finds itself implacably at war with the Taliban, a local insurgency with no discernible global objectives. The strategic logic of this costly effort in a world where U.S. military power is stretched thin is painfully elusive. It is time to put President Karzai and his troops in the lead and more rapidly draw down U.S. military forces to a sustainable, modest level of support. It is now time — finally — for Afghans to take full ownership of their conflict with the Taliban.

  10. @Vtg-Amtmann

    Zustimmung, aber dann müssten doch ein Teil der Terroristen als Partisanen gelten und genau so behandelt (nach deutscher Vorschrift) werden?

    Wieker überblickt die Reform schon im Groben nicht, wie soller dann die weltweite mili. SiPo verstehen? Er macht das, was TdM will und zwar ohne Kritik! Das ist das Verständnis unseres IBUG! Er findet den Streit um die Sache als nicht angebracht! Auch eine Art von Demokratie!

    „Wir müssen die Bürger frühzeitig informieren, das hilft bei der Meinungsbildung“

    Soldaten sind keine Bürger sondern Untergebene und Beteiligung ist mit der Mitteilung von Ergebnissen vollbracht.

    Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ein positives Fazit ihres im vergangenen Jahr angestoßenen Zukunftsdialogs gezogen. Die Beteiligung über eine Online-Plattform und an den drei Diskussionsveranstaltungen sei „wirklich beachtlich“ gewesen. Fast alle Vorschläge habe sie als „sehr, sehr konstruktiv“ empfunden. Sie habe gemerkt, „dass es den Menschen sehr, sehr am Herzen liegt, dass es gerecht zugeht in unserem Land“.

    „Ein Dialog über die Zukunft der Bw“ will der Minister nicht, denn er will vor der Wahl vollendete Tatsachen schaffen, koste es was es wolle! Wir werden zum Rückzug aus AFG auch eine neue Reform bekommen! Das grenzt an Sabotage!

  11. @Elahan:
    Nur blöd, dass wir – nach bisheriger Planung – 2014 gar nicht abziehen, sondern einen der anspruchvollsten Einsätze bevor steht.

    Auch diese Botschaft kommt in der Bundeswehr nicht an. Sogar BtlKdr sind der Meinung, das Ende 2014 alle deutschjen Soldaten abgezogen sind.
    Der GI scheint die qualitative Dimension der „Ausbildungs-, Beratungs- und Unterstützungsmission“ nicht zu verstehen. Aber damit ist er in der Bw und in der NATO ja nicht allein.

    Auch in der Politik ist man durch die eigenen Parolen verwirrt: Sogar Herr Steinmeier vertrat nneulich im SPIEGEL die Ansicht, dass 2014 alle ausländischen Soldaten AFG verlassen haben.

    Zum neuen ISAF-Mandat wollte TdM auch was zu 2014+ sagen, mal schauen was das wird.

  12. @Memoria

    Stimmt,……..wir ziehen schon jetzt ab und der IBUG (wer auch immer es sein wird) entscheidet dies nicht! Es wird im Pentagon und Langley entschieden!

  13. @Elahan:
    Und wenn man in Washington – und nicht in Langley – entscheidet über 2014 hinaus zu bleiben?? Das ganze Thema wird auf den NATO-Herbsttreffen der Verteidigungs- und Außenminister ein Hauptthema sein. Natürlich kann man das alles „realpolitisch“ für reine PR halten, aber die NATO als Ganze treibt immer mehr einem Post-ISAF-Einsatz zu. Deutschland hat derzeit jedoch keine klare Positionierung vorgenommen (im Gegensatz zu Kanada und den Niederlanden). Vor lauter „wir-machen-es-jedem-recht“ rutscht die Bundeswehr in einen der anspruchvollsten Einsätze seit Gründung der Bundeswehr. Es ist eben nicht „nur“ Ausbildung. Finden unsere Politik da noch rechtzeitig den Ausgang? Daher wird es auch auf die deutsche Politik ankommen – und auch auf den IBuK. Die bisherigen Signale (Kanzlerin, Außenminister, Verteidigungsminister, stv. CDU/CSU-Fraktionsvorsitzender) waren jedoch sehr positiv ggü. einer „Ausbildungs- und Unterstützungsmission“.

    Selbst die Befürworter einer schnelleren Truppenreduzierung – wie GenLt a.D. Barno – sehen erhebliche Aufgaben nach 2015 (bis zu 35.000 Mann/ Frau):

    http://www.foreignpolicy.com/articles/2012/09/25/the_real_pivot?page=0,1

    Daher sollte die Bundeswehr endlich mal die Hausaufgaben machen – rumfabulieren was vielleicht kommt oder nicht kommt können andere schon gut genug.

  14. @Elahan
    „Soldaten sind keine Bürger sondern Untergebene und Beteiligung ist mit der Mitteilung von Ergebnissen vollbracht.“

    Gut gesagt!

  15. Bei SPON ist von einem BND-Bericht „Afghanistan bis zum Jahr 2014 – eine Prognose“ … kennt den schon Jemand hier?

  16. Die von SPON zitierten Aussagen sind ja wenig spektakulär (u.a. Truppensstärke nach 2014 wie von Barno).

    Aus meiner Sicht interessant, dass der BND überhaupt einen Bericht über AFG bis 2014 anfertigt: Zeigt einmal mehr, dass man AFG auf höchsten Ebenen mit 2014 gedanklich abgehakt hat – und damit seine eigene Absicht nicht versteht.

    Hoffentlich bringt der Bericht etwas mehr Realität in die Entscheiderebene, die Bundeswehr und indirekt in die Öffentlichkeit.

  17. nun ja, nach dem guten, alten Adenauer-Spruch „Was geht mich……“ : neue Lage, neuer Entschluß.
    Es ist ganz offensichtlich, dass zZt an einer neuen Lagebeurteilung Afghansitan 2014+ gearbeitet wird in Berlin und Washington, London und Paris, Moskau und Peking……
    Und natürlich ist auch die Lageentwicklung in Nah-Mittel-Ost in diesem Kontext mehr als nur wichtig, dabei insbesondere die Haltung von Rußland und China in Sachen „Eingriffe“.
    Ebenfalls sollte nicht ausgeblendet werden, dass die deutsche Politik sich spätestens nächstes Jahr neu sortiert. So glaube ich z.B. persönlich nicht, dass ohne Chapter VII VN Mandat eine ISAF Follow-On NATO mission im BT durchsetzbar sein wird, und für Chapter VI ist die Lage in Afghanistan viel zu volatil und sie wird es auch bleiben.

  18. @klaubautemann:
    Es wird in den nächsten Wochen sicher interessant zu sehen, ob die NATO noch – mit Blick auf die Gesamtlage -rechtzeitig den Ausgang aus AFG findet.

    Nach meinem Eindruck ist derzeit jedoch in Sachen 2014+ nicht das „ob“, sondern das „wie hinter den Kulissen das Thema. D.h. es gibt aus verschiedenen Gründen keinerlei Anlass jetzt die Vorbereitungen für 2014+ zu verlangsamen – ganz im Gegenteil.

    Stimme Ihnen mit Blick auf die notwendige UN-Resolution uneingeschränkt zu:
    Ohne Kapitel VII-Resolution, kein deutscher Einsatz.

    Wie sich China und Rußland am Ende verhalten wird sich wohl nächstes Jahr abzeichnen.

    Wie gesagt: Spannendes Thema – nur leider in Politik und Öffentlichkeit durch z.T. abstruse Abzugsdiskussionen überlagert.

  19. Laut sueddeutsche.de-Artikel („Düstere Prognose für die Bundeswehr“, erscheint wohl morgen in der SZ) denkt man in der Bundeswehr an einen deutschen Beitrag zur post-ISAF-Mission von bis zu 1.500 Mann.

  20. Da mußt du nicht mehr auf Morgen warten
    [in der Tat gibt es diesen Link hier nicht, sorry. Bitte eigenständig beim Focus nach diesem Thema gucken. T.W.]

    Wenn Link so nicht gewünscht ist bitte Löschen

    Das schlimme ist das kein Geld mehr da ist für Dringender Bedarf
    wie es noch unter Gutenberg noch gab wo man schnell 65 Eagle nachbestellte

  21. Auch Belgien geht davon aus, dass nach 2014 Mentoring (einschl. FAC) durch belgische Soldaten erfolgen soll.

    Quelle: http://www.rtbf.be/info/belgique/detail_la-belgique-sans-doute-sollicitee-pour-rester-en-afghanistan-apres-2014?id=7845671

    Wenn man eine Abkehr von den Beschlüssen von Chicago haben will, dann werden die ersten Anzeichen wohl bei den NATO-Herbsttreffen zu beobachten sein.

    @Alarich:
    Geld für einsatzbedingen Sofortbedarf ist schon noch da, aber kein Interesse im Apparat (militärisch und zivil) überhaupt noch was für den Einsatz zu tun.
    Notwendige Beschaffungen werden daher gar nicht mehr angegangen:
    Sinnvolle ESB-Anträge werden vom BMVg abgelehnt – obwohl die dringliche Notwendigkeit und Realisierbarkeit von der Ämterebene betätigt wurden.
    Über für 2014+ notwendige Fähigkeiten wird schon mal gar nicht nachgedacht.
    Ist ja bald 2014 und da ziehen wir doch eh schon komplett ab oder beraten danach noch ein bisschen im afghanischen Verteidigungsministerium (weit verbreitete Ansicht auch bei Entscheidungsträgern).
    Hinzukommt, dass ab 2013 der ESB durch die „Sofortinitiative“ ersetzt wird.

    Das Problem ist nicht der Geldbeutel, sondern liegt zwischen den Ohren.

  22. @ Vtg-Amtmann

    Sie haben da ein gute Gesamtschau hergestellt. Aus meiner Sicht fehlt jedoch der einzige echte Grund für den deutschen ISAF-Einsatz. – Bündnissolidarität mit der Nato und den USA.
    Wenn man den Grund „Bündnissolidarität“ als den ausschlaggebenden Einsatzgrund für Deutschland nimmt, dann macht die abwartende Haltung von GI Wieker Sinn. Erst mal abwarten, was die Amerikaner machen und dann schauen wozu Deutschland bereit ist.

    Ich sehe zwar auch die Notwendigkeit des Kapitel VII-Einsatzes wenn die Nato in AFG bleiben sollte, nur müssen die deutschen ROE auch einem Kapitel VII Einsatz entsprechen, damit unsere Soldaten ihren Auftrag ausführen können.

    Meine persönliche Vermutung über die Zukunft AFG ist Folgende:

    Eine Zentralregierung kann sich mit Mühe und Not ein paar Monate bis wenige Jahre halten, wenn die Nato massiv unterstützt. Letztendlich wird wieder ein Bürgerkrieg zwischen den Ethnien entstehen, von außen unterstützt als Stellvertreterkrieg zwischen Pakistan, Saudi Arabien auf der einen Seite und Indien, Russland und der Nato auf der anderen Seite. Iran als direkter Nachbar wird seinen Einfluss im Westen des Landes und über die schiitischen Hazara wahren. (Immerhin die drittgrößte Bevölkerungsgruppe in AFG mit 5-10 Mio. Menschen)
    Die Zentralregierung wird fallen, genauso wie dies nach dem Abzug und dem Wegfall der Unterstützung durch die Sowjets geschehen ist. Die stärkste Ethnie wird sich die Hauptstadt unterwerfen und ansonsten wird der Staat in Stammesgebiete fragmentiert und nach ethnischen Grenzen von den verschiedenen Stämmen regiert werden.

    So viel besser ist das Ergebnis in Bosnien Herzegowina auch nicht und dies nach 17 Jahren UN-Einsatz. Allerdings schweigen dort wenigstens die Waffen.

  23. Hallo Georg
    Ich bin gespannt wie lange ,( Bosnien )
    es soll eine Spanung nach wie vor da sein
    Ich hoffe wir lassen den Iran in Ruhe, weil sonst gerät da unten alles unter Kontrolle , die wir bestimmt nie unter Kontrolle haben .

  24. @Orontes

    Ja, so denkt TdM und vergisst, dass Innere Führung von der Beteiligung, Einbindung, Widerspruch, Courage und Verantwortung für Mensch und Material abhängig ist.
    Der Staatsbürger bis zum höchsten Amt, hat zu gehorchen und zu dienen, kste es was es wolle!

    Die Strafe bei Widerspruch ist gering, die Bereitschaft Widerspruch zu leisten leider auch!

    Es ist ein Mangel an Größe und an Erkenntnis der Aufgabe,
    wenn ein Soldat in höchster Stellung
    seine Pflicht und Aufgabe nur in dem begrenzten Rahmen
    seiner militärischen Aufträge sieht,
    ohne sich der höchsten Verantwortung vor dem gesamten Volke
    bewußt zu sein. (Generaloberst Ludwig Beck)

    Entscheidend für den Abzug aus AFG sind die USA und die weltweite sicherheitspolitische Lage, diese wird sich in den nächsten Monaten stark verändern! Im Moment destabilisieren die USA gemeinsam mit dem Iran, SA und Bahrain aus dem Irak heraus und Syrien wird durch viele destabilisiert (und jeder mit anderen Interessen). China und Israels Agieren kann ebenfalls plötzliche Wendungen ergeben!

    Keiner kann wissen was passiert, aber der Fall, dass es in AFG ein größeres deutsches Engagement geben wird, den halte ich für sehr unwahrscheinlich und ein kleiners ist nicht absicherbar!

    Man sollte bei einer Vorhersage nicht den Fehler, machen die Vergangenheit einfach fortzuschreiben!

  25. Total unerwartet meldet der Spiegel, dass der BND die Lage in AFG wesentlich dramatischer beurteilt als die Bundesregierung. liegt wohl daran, dass die Mitarbeiter des BND nicht gewählt werden. Der Geheimdienst erwartet nach SPIEGEL-Informationen noch mehr Anschläge von einheimischen Sicherheitskräften auf westliche Soldaten. Auch nach dem Abzug seien noch 35.000 ausländische Militärangehörige nötig.

    The so-called insider attacks are considered one of the most serious threats to the U.S. exit strategy from the country. In its latest incarnation that strategy has focused on training Afghan forces to take over security nationwide – allowing most foreign troops to go home by the end of 2014.

    http://www.cbsnews.com/8301-202_162-57523070/u.s-service-member-dead-in-afghan-insider-attack/

  26. @Memoria
    Interessante Lektüre ist das neue Capstone Concept for Joint Operations: Joint Force 2020 vom 10.09.2012, dass man sich leicht als PDF über http://www.google.com besorgen kann.

    Besonders empfohlen sind die 8 Schlüsselemente S. 4-8, die ein Richtungsschuss 2020 sind. Auszug: „Fourth, globally integrated operations place a premium on partnering.“

    Pkt 1 „Mission command“ – beschreibt ziemlich gut die „Auftragstaktik“, durchaus auch interessant in einem mittelfristig zu realisierenden US-Konzept.

Kommentare sind geschlossen.