Nachwuchswerbung: Abenteuercamp in Uniform

Die Bundeswehr ist dringend auf neue Formen der Nachwuchswerbung angewiesen, nicht nur wegen des faktischen Wegfalls der Wehrpflicht, sondern auch angesichts der demographischen Entwicklung. Und da ist klar, dass auch mal was ausprobiert werden muss. Allerdings: geht’s nur mir so, dass ich stutze, wenn 15- bis 18-jährige Kinder (na gut, Heranwachsende) in Uniform ein Abenteuercamp bei der Truppe absolvieren? Und macht man sie damit mit dem (tödlichen) Wirken von Streitkräften vertraut, das Militär über den Abenteueraspekt hinaus ausmacht? Ich frag ja nur.

Nachtrag: Jetzt gibt’s auch Teil 2, incl. Action pur auf dem Panzerübungsgelände:

29 Gedanken zu „Nachwuchswerbung: Abenteuercamp in Uniform

  1. Um es etwas drastisch zu formulieren: In Uniform in einem Ferienlager? Gibt´s bei den Pafdfindern auch und keinen regt´s auf.
    Um es etwas weniger drastisch zu formulieren: Ich sehe da absolut kein Problem. Worin soll es bestehen? Es ist jedem bewusst, was eine Armee macht. Wenn man mit Kindern zu einem Stand der Polizei geht und die dort in Polizeiwagen sitzen können etc., dann macht sich auch niemand gedanken, dass Polizisten körperliche Gewalt im Einsatz bis hin zum Einsatz von Schusswaffen einsetzen und ertragen müssen.

  2. „Und macht man sie damit mit dem (tödlichen) Wirken von Streitkräften vertraut, das Militär über den Abenteueraspekt hinaus ausmacht?“

    @T.W.: Fragen sie doch mal beim PresseOffz in Marienberg nach? Sollte ja kein Geheimnis sein was außer San-Ausbildung und Klettergarten gemacht wurde.

    Apropos Nachwuchswerbung: Die Karriereseite der Bw ist nach wie vor offline, inszwischen dürfte das seit mindestens einem Monat so sein.

  3. Ich habe damit auch kein Problem. Ist vielleicht garnicht so schlecht die Jungend an die BW heranzuführen.
    Wofür ich allerdings weniger Vertändniss habe ist, das es die BW bisher komplett versäumt im großen Stil mit Ihren erfolgreichen Sportsoldaten Werbung zu machen.
    Es wäre doch ein einfaches, schon vorhandenes (Werbe-)Kapital der großen breiten Öffentlichkeit positv zu verkaufen.
    In Großteil der deutschen Bevölkerung hat keine Ahnung von der Förderung der Sportler durch die BW als Sportsoldaten. Eigentlich schade….aber die BW lernt ja noch

  4. Leider wird eine soche Ausbildung/Camp viel zu wenig angeboten. Da wir ja keine Cadetenausbildung haben, was in anderen Ländern ganz selbstverständlich ist, muß man sich halt so behelfen. Als ich im letzten Jahr einen meiner Söhne zum Cadetenaustausch beim Bundeswehrverband anmelden wollte, hat man mir mitgeteilt, dass man diesen Austausch mit Cadeten z.B. Kanada, USA vorerst aus Kostengründen eingestellt hat. Ich war entsetzt und kann es einfach nicht glauben, das eine Organisation, die vorgibt die Soldaten der Bundeswehr zu vertrten an diesem völlig falschen Ende spart.

  5. Zu Hekto’s Vergleich mit den Pfadfindern:
    Die Pfadfinder haben zwar Uniformen, diese sind aber nicht zur Tarnung tauglich. Auch schmieren sie sich keine Tarnfarbe ins Gesicht, und insgesamt wirkt ein Pfadfinderlager weit weniger martialisch. Aus meiner Pfadfinderzeit kann ich mich auch erinnern, daß immer ein paar Jungs und Mädels ihre Uniformen vergessen hatten, was gar kein Problem war.

  6. In Russland lernen sie in den Ferien auch gleich den Umgang mit den AK-Varianten.

    Weiß nicht wo das Problem dabei sein soll, finde das ist eine gute und gelungene Aktion, hätte sofort mitgemacht!

  7. Andererseits ist ein Militärcamp bei dem das Wort „Waffe“ wahrscheinlich nicht mal ausgesprochen wird etwa so was wie ein Kochkurs ohne Kochen

  8. Das sieht schon arg nach Ferienlager aus, wobei die Uniformteile m.E. schon aus praktischen Gründen bzw. wegen der praktischen Anteile erforderlich sind. Würde man den bewaffneten Aspekt aber zwecks Realitätsbezug mit Aufnehmen, hätte man wohl die gleichen Probleme wie vor einiger Zeit bei einer Gebirgsjägerveranstaltung und der anschließenden Hysterie. Ein Gespräch mit einsatzerfahrenen Infanteristen wäre aber mehr als angemessen, zumal die jungen Nachwuchskameraden irgendwann ja auch solche Situationen meistern müssen und wissen sollten, was auf sie zukommt.

    Hier übrigens die russische Variante. Als 17-jähriger hätte ich dort lieber mitgemacht als bei der Astrid-Lindgren-Version der Bundeswehr.
    http://www.youtube.com/watch?v=6cPYqjw5WFo

  9. Ich finde sowas sollte es viel mehr geben.
    Es gibt viel zu viele Soldaten mit falscher Einstellung.

  10. Die Werbung dafür lief schon vor einiger Zeit in der BRAVO: http://www.bravo.de/specials/bw/adventure-camps bzw. auf https://www.facebook.com/BwAdventureCamps und noch bei anderen mehr

    Nur zum Verständnis: Es ist keine Aktion von Karriere sondern von treff.bundeswehr.de und damit Jugendmarketing (voll in der Zielgruppe). Hintergrund – wie dort zu lesen: Jubiläum 10 Jahre Community treff.bundeswehr.de.

    Zitat:
    Schon seit 2005 laden treff.bundeswehr.de und die BRAVO jedes Jahr sportbegeisterte Jugendliche zu den „Bw Adventure Games“ ein.
    Zitat Ende.

    Und ja, ich finde es okay!

  11. Grundsätzlich finde ich ja Nachwuchswerbung ok – auch wenn ich das Thema Girls Day nicht so prickelnd finde – aber der letzte … nennen wir es mal Besuch waren 12-14jährige, die sich über Verwendung in meinem Bereich informieren lassen … sollten. Da bin ich dann doch sehr skeptisch, was das bringen soll….

  12. Ich sehe da überhaupt gar kein Problem. Gerade wenn man die BW als einen Job wie jeden anderen sieht, dann sollte es auch solche Camps, sprich Schnupperpraktika geben. Das gibt’s auch bei der Polizei. (An meinem Gymnasium mussten damals alle Schüler Praktika in der 10. Klasse (15 oder 16) machen. Da waren zwei Jungs bei der BW, einer beim Zoll und ein Mädel (!) bei der BW. Mit Schießstand und allem Pipapo. Insofern also völlig korrekt.
    Wenn man im Gegenzug die BW als einen außergewöhnlichen Arbeitgeber (so denn überhaupt als AG) sehen will, dann darf man ruhig mal anmerken, dass die grob 30 Jahre ohne wirkliche Bedrohung ein Wimpernschlag der Geschichte sind und alle Statistik und alle Logik dafür sprechen, dass eine Nation/Staatengemeinschaft gut daran tut, das Volk (partiell und doch repräsentativ) an den Waffen zu wissen. Man schaue sich im Vergleich nur an, wann die Schweizer das letzte mal wirklich bedroht waren, und wie deren Verhältnis zur Miliz resp. zum Militär ist.

  13. Einladungen für Jugendliche gibt es seit langem. Ich hatte vor Jahren die Bundeswehrzeitschrift für Jugendliche „Infopost“ abonniert und wurde in diesem Rahmen für ein Wochende bei der Marine eingeladen, ich war damals 16.

  14. Na ja meiner Meinung sollte man das aufteilen, ein Angebot für jüngere bis 17 Jahre und eins für Ältere ab 18 dort kann es dann auch „russisch“ zugehen, wenn es nach mir ginge.

    An sich finde ich die Aktion ja gut, aber dieses Familiäre anbiedern, sowie diese Soft Adventure Atmosphäre, so das bloß nichts passieren kann kotzt mich an, damit macht sich die BW nur unglaubwürdig, in ihrer Rolle als Streitkraft. Und es sieht tatsächlich nur nach Propaganda und Ködern aus.

    Wer Freiwillig Wehrdienstleistende haben will erreicht das nicht durch „Karriere“. sondern Mann muss Professionalität und einen gewissen Pathos ausstrahlen, etwas das scheinbar auf direktem und indirektem Wege konsequent versucht wird zu vermeiden.

    Falls es die Herren interessiert, wieso ich nicht zur BW gegangen binn:

    -Negativer Rückhalt der Bevölkerung in gewissen immer bedeutender werden Lagern( Sprich den linken Fraktionen)
    Nicht zu verwechseln mit dem „Freundlichen Desinteresse“, welches heutzutage ja durchaus nachzuvollziehen ist.
    – Verhöhnung der Soldaten als Hilfslegionäre für das „Imperium“, von rechts und links.
    -Ständig sinkender Verteidigungsetat — Jetzt 1,2-1,3% des BIP soll Richtung 1% BIP( von Nato empfohlen 2% )
    -Ungeeignete und veraltete querschnittliche Ausrüstung im Verhältnis zu dem real Verfügbaren.
    -Zu geringe Bezahlung (heißt nicht schlechte Bezahlung)
    -Ständige Verkleinerung der Streitkräfte - brachiale Hackordnung über das Militärische Maaß hinaus, denn wer kündigt sich schon selbst?
    -Mediale Präsentation als Karriere, Bauunternehmung , Klettergarten, Karriere, Großküche, Krankenhaus, und ich hätte es bald vergessen Karriere.
    – Darstellung der( gut lesen) der WAHRSCHEINLICHKEIT des Einsatzes , des Töten und Sterbens, als etwas total sonderbares bzw Besonderen am Soldatenberuf, meiner Meinung nach sollte man dazu als Soldat Stehen sowie professionelle Begründen und nicht im kollektive darum herum Eiern, so kommt es mir persönlich jedenfalls vor.

    Man sieht vieles hat mit Geld zu tun. Dazu stellt sich wohl die Frage: was fördert dieser Staat, Sicherheit, Infrastruktur, und Bildung oder das persönliche Glück jeder einzelnen Existenz zum Stimmenfang?

    Es gibt wohl wesentlich mehr Gründe wohl zur BW zu gehen, nur dies braucht man wohl hier nicht darzustellen.

  15. @ David Ermes:
    Die Schweizer als Beispiel?

    Ich weiss schon nicht, ob das Milizsystem auf D übertragen (rein hyothetisch) eine glorreiche Idee wären. Hochgerechnet wäre die Stärke der Bundeswehr dann aber so mit 2 Mio. anzusetzen, davon 1,2 Mio im aktiven Dienst.
    Weiterhin bestünde eine enge informelle Verquickung (Netzwerk) zwischen AdA auch ausserhalb der Armee, was in der Zivilgesellschaft tw. äusserst kritisch gesehen wird, sich aber eher als Nepotismus denn als „Staat im Staate“ auswirkt.

    Ach ja, nicht zu vergessen eine politische Bewegung, die die Abschaffung dieser Armee fordert – mit durchaus erstaunlich breitem Zuspruch.

  16. War dieses Lager speziell fuer Ostdeutsche?

    An und fuer sich zwar eine gute Idee, allerdings erscheint mir die Ausfuehrung noch ein bisschen zu nicht-militaerisch. Man braucht es zwar nicht so uebertreiben wie die Russen, diese Weichspuelversion ist allerdings wohl wirklich eher „Abenteuerurlaub in Flecktarn“ bzw „Ferien in Flecktarn“, wie das Video treffenderweise auch benannt ist.

  17. Das österreichische Bundesheer hat in Kooperation mit dem „RennbahnExpress“ (dem AT-Äquivalent zu „BRAVO“) 2004 eine ähnliche Aktion realisiert. Zwei Dutzend Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren erlebten zwei Tage lang, was Militärdienst in Österreich bedeuten kann: „Gefechtsmarsch light“ mit SPz „Kürassier“, Schiessen mit dem StG 77 (in einem temporär zur SchAnl umgewidmeten Steinbruch), Orientierungsmarsch mit 15kg Gepäck (und hilfreichen Wachtmeistern = Feldwebeln als Begleiter), Überwinden Gewässer mittels Seilrutsche, Biwak im 2-Mannzelt mit Lagerfeuer und Feldküchenverpflegung, Übersetzen Donau mit nicht-mot. S-Booten (bei hoher Stromgeschwindigkeit auf Höhe Dürnstein), Aufstieg zur Burgruine Dürnstein und Abseilen vom alten Burgfried, Luftmarsch mit „Blackhawk“.

    Das ORF-TV sendete eine zweiteilige Reportage im damaligen Jugendformat „25 – Das Magazin“. Quote gut, Teilnehmerresonanz kritisch reflektierend und durchweg positiv, Zuschauer-Reaktionen (Anrufe, Mails an die Redaktion) im Trend eher positiv.

    Fazit des Bundesheeres: „Deutlich besser als reine „Messe-Events“, Kasernen-TdOTs oder Schnupper-Besuche einzelner Jugendlicher. Team-Herausforderungen werden von Jugendlichen begrüsst.“

  18. Wenn die Vermittlung von Militärischem konkreter und realistischer wird, kommen sofort die üblichen Reflexe zum Vorschein: „Wehrsport“ (hat in der Schweiz übrigens eine lange demokratische Tradition…), „Kindersoldaten“, „problematisch“….
    http://zivil.evangelisch.de/importiert-roh/kindersoldaten-deutschland-469

    @Moxy
    „Ach ja, nicht zu vergessen eine politische Bewegung, die die Abschaffung dieser Armee fordert – mit durchaus erstaunlich breitem Zuspruch.“

    Ich habe auf Anhieb keine Informationen darüber gefunden, wann die kleine aber reiche Schweiz als Staat im Herzen des vielleicht kriegerischsten Kontinents der Welt das letzte Mal angegriffen wurde. Das scheint auf jeden Fall sehr lange her zu sein. Leider haben angesichts dieses langen bewaffneten Friedens anscheinend manche Schweizer vergessen, welcher Tatsache sie ihr historisches Glück zu verdanken haben.

  19. @ Frank
    Ich gebe Ihnen in so ziemlich allem eigentlich recht. Die mediale/oeffentliche Selbstpresentation der Bundeswehr ist unter aller Sau und scheint eher auf (moeglichst zivile) Karrieregeier ausgerichtet zu sein. Dieses dumme Geschwaetz von der Post-Pathetischen Gesellschaft zeugt davon dass die Werbeverantwortlichen keine Ahnung von ihrem Job haben und/oder wahrscheinlich von oben blockiert werden.

    Solche Abenteuerlager sehen schlecht aus, egal von welchem Winkel. Fuer die Antimilitaristen sieht es raubtierhaft aus und liefert da insofern Propagandafutter, fuer Militaristen schwaechlich und beschaemend.

    @Orontes
    Ich glaube Napoleon war der letzte der sich mit der Schweiz angelegt hat. Allerdings wollte er glaube ich auch nur durchmarschieren, nicht erobern.

  20. Bin ich der Einzige (aktive Soldat) hier, der damit ein Problem hat? Gerade Russland sollte, angesichts seiner sehr im Argen liegenden militärischen Professionalität, nicht als Beispiel hergenommen werden. Hinsichtlich des dort vermittelten archaischen Menschenbildes ohnehin nicht. Manchmal drängt sich mir der Verdacht auf, dass die Europäische Aufklärung an dem einen oder anderen Kommentator spurlos vorüber gegangen ist. Eigentlich hätte nur noch ein Beitrag gefehlt, in dem die Vorteile der DDR Gesellschaft für Sport und Technik angepriesen würde, samt ideologischer „Einweisung“ in den Sozialismus. Jeder Dresdner Busfahrer weiss schließlich, dass die NVA die letzte „richtige“ deutsche Armee war, richtig?

    D’Accord: Es liegt vieles im Argen beim Bund und die Nachwuchslage ist bitter. Allerdings sollten mündige Menschen freiwillig die Entscheidung treffen zur Bundeswehr zu gehen (die auch andere sehr nötige Tätigkeitsfelder, als die des Infanteristen anzubieten hat). So lange wir Deutschen aber im Jahr 64 dieser Republik grundsätzlich ein Problem mit der eigenen Identität haben und demokratischen Diskurs (auch polemischen) nicht als Einladung zum verbalen Schlagabtausch verstehen, sondern in lamoryantem Geheule über vermeintliche Verbote von Links uns selbst bemitleiden wird diese Bundeswehr nie genügend Attraktivität entwickeln, um jungen Menschen anzuziehen.

    Ein Teilnehmer hier sprach von Pathos. Dem möchte ich zustimmen, wenn auch in einem anderen Kontext. Allerdings höre ich nie einen Kameraden die Vorteile dieses Landes anpreisen, welches im globalen Vergleich immer noch recht gut dasteht. Stattdessen werden alltägliche (aber dennoch nötige) Nervfaktoren wie Beteiligung von etlichen Beauftragten (von Arbeitsschutz bis Gleichstellung) als Beispiel für die Funktionsunfähigkeit dieser Armee hergenommen. Gleichzeitig dienen sie als Vorwand, einige Elementare Grundfesten unserer Gesellschaftsordnung infrage zu stellen. Hinter all dieser Kritik steht letztlich nichts Anderes als verstecktes reaktionäres Gedankengut. Da überzeugen mich auch keine JROTC Vergleiche. So geil man einiges an unseren US-Kameraden vielleicht finden mag: Running Cadences, permanenter Gebrauch von Fäkalsprache und Jugendkadettenanstalten passen kulturell nicht zu UNS, der Bundesrepublik Deutschland, deren Recht (ergo Rechtsordnung, also im Kern das Grundgesetz) wir zu verteidigen geschworen haben. Abgesehen davon sollte man fairerweise dann auch Seiten wie die abverlangte Mobilität, Einsatzbelastung etc. der US-Streitkräfte in derartigen Vergleichen gegenüberstellen.

    So lange wir hier sitzen und uns nicht einmal im Klaren sind wofür wir unsere Arbeit machen, wird niemand davon überzeugt werden können, im Zweifelsfall sein Leben in einem derartigen Beruf einzusetzen.
    Wenn wir diese Barriere im Kopf überwunden haben und der DIENST für das Land und dessen Menschen erst einmal aus sich selbst heraus sozial akzeptiert und attraktiv ist, brauchen auch physische Standards nicht mehr gesenkt werden. Erst Recht muss dann auch nicht mit unsäglichen Mammonappellen à la „Du willst studieren“ geworben werden. Unsere Armee wäre dann genuin attraktiv, weil die Menschen endlich wüssten wofür wir stehen. Solange aber Artikel 1 -20, Konzeption Innere Führung und vieles Andere mehr kognitiv nicht ebenengerecht vermittelt wird (weil viele Vorgesetzte es selbst absichtlich nicht verinnerlicht bzw. nicht verstanden haben) werden wir mangelnde Attraktivität im affektiven Bereich nicht durch Gehaltserhöhungen, heimatnahe Verwendungen oder ähnliches ausgleichen können. Analog muss die Vermittlung solcher Werte auch gegenüber Jugendlichen erfolgen, anstatt mit Abenteuerurlaub (ob mit oder ohne Waffe ist das schon fast irrelevant) zu werben. Dazu bedarf es aber auch einer Führung, die nicht sofort zusammenzuckt, wenn mal ein Werbespot kritisiert wird (Stichwort: sich dem Diskurs stellen).

    Kurz gesagt: Wir müssen lernen UNS und DIESES LAND (nicht das Deutschland, das wir uns im stillen Kämmerlein wünschen, während der Plattenspieler „Wacht am Rhein“ mit 45 Umdrehungen spielt) zu lieben. Ein Großteil meiner Offizierkameraden ist nicht einmal in der Lage diese Art von Patriotismus zu leben, sondern klagt vergangenen Zeiten nach oder jammert über die allgemein furchtbare Gesamtsituation.

    Wir können vielleicht daran arbeiten eine ähnliche gesellschaftliche Rolle zu erhalten wie unsere Kameraden in Kanada, den Niedelanden oder Großbritannien. Stichwort: Raus aus der Versenkung! Aber eine derart sozial (auch verklärte) zentrale Rolle wie die US-Streitkräfte wird die Bundeswehr auf absehbare Zeit nicht einnehmen und gesamtgesellschaftlich betrachtet ist das gut so. Andere Staaten, in denen das Militär eine derart zentrale Rolle spielen (freie Assoziazionsliste): Algerien, Kuba, Nordkorea, VR China, Ägypten. Wegen einer Parade im Jahr zähle ich Frankreich nicht hinzu. In welchem dieser Länder mögen Sie gerne leben?
    Von meiner Führung erwarte ich mir mehr Rückgrat und mehr öffentliches Profil (auch Präsenz) in politischen Diskursen. Von meinen Kameraden, gleich welcher Dienstgradgruppe sie angehören, wünsche ich mir mehr öffentliche Präsenz in Uniform, gepaart mit höflichem Verhalten gegenüber der Zivilbevölkerung. Billigere Werbung gibt es nicht. So lange sich ein Großteil von uns aber schon zum dreiminütigen Einkaufen in Zivil umzieht, brauche ich hier keine bundesrepublikanischen GST-Lager mit „russischem Anstrich“ zu fordern.

  21. ich hatte ebenfalls bereits im jugendalter intensiven kontakt mit der BW im Rahmen von Veranstaltungen, die ähnlich strukturiert waren, aber selbst unterhalb des radars der lokalpresse stattfanden (führte zu der paradoxen situation, dass mein Ausbildungsstandard an manchem Gerät weiter war, als bei den Ausbildern in der AGA).

    hat die akzeptanz für den Verein durchaus erhöht, hatte mit der Realität eines längeren Engagements dort aber wenig zu tun. Habe dann auch nach den 9 monaten „vertragslaufzeit“ schnell das weite gesucht und sämtliche Bewerbungsunterlagen für höhere Laufbahnen dem Feuer übergeben.

    abgeschreckt hat mich u.a. auch die hohe Tahl der „wacht am rhein“ freunde und weit dunklerer gestalten. die überbordende bürokratie tat ihr übriges.

    man sollte die positiven reaktionen der teilnehmer auf sowas daher nicht überbewerten.

  22. @Orontes:
    Das Konzept der erfolgreichen bewaffneten Abschreckung ist mE ein verbreiteter Mythos. Im Hinblick auf die Snationale Unversehrheit der Schweiz im WK II jedenfalls war es nmA nicht die Armee, sondern bestenfalls der Finanzplatz bzw. die offene und versteckte Kooperation mit dem Dritten Reich – was wiederum auch heutzutage immer mal wieder Wellen schlägt (zB bei den „nachrichtenlosen Vermögen“).

    Aber der Gedanke war ja, wie die Schweizer Strategie auf D übertragen aussähe: D bekommt ein Milizsystem, tritt aus der NATO aus und erklärt sich für neutral?
    Wenn’s danach mal 200 Jahre friedlich bleiben sollte – warum nicht?

  23. @Ralf
    „…..Als ich im letzten Jahr einen meiner Söhne zum Cadetenaustausch beim Bundeswehrverband anmelden wollte, hat man mir mitgeteilt, dass man diesen Austausch mit Cadeten z.B. Kanada, USA vorerst aus Kostengründen eingestellt hat. Ich war entsetzt und kann es einfach nicht glauben, das eine Organisation, die vorgibt die Soldaten der Bundeswehr zu vertrten an diesem völlig falschen Ende spart……“

    Nachwuchsgewinnung ist nicht die Aufgabe des DBwV und der Verband hat die Maßnahme nicht mehr weitergeführt weil man die Maßnahme für schlecht hielt, sondern da die Regierung ihre finanzielle Förderung eingestellt hat! Also bitte nicht den Boten schlagen!

    Jugendliche mit einem schönen Event zu ködern ist nur dann sinnvoll, wenn im Anschluß ein attraktiver Dienstgeber seiner Verantwortung gerecht wird! Mehr Schein als Sein ist der falsche Weg!

  24. so what. Gibts in vielen befreundeten staaten, nur bei uns muss vermutlich ein volksbegehren fuer so ne selbstvestaendliche sache her. Deutschland nervt…

  25. Vergass, gleich auf der anderen seite der maas gibts kadettenschulen aller tsk, die duerfen bei der parade zum bel nationalfeiertag mitlaufen, dort wird geklatscht. Nochmal: de nervt

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