Kein Aprilscherz: Wenn das Gewehr heißläuft

Da vermuteten doch schon einige hier in den Kommentaren, der Spiegel habe sich mit der Meldung über das nicht mehr so treffgenaue G36 bei Hitzeentwicklung einen Aprilscherz erlaubt… Dazu ein paar Anmerkungen:

Diese Meldung (die ich jetzt entgegen meiner üblichen Praxis als Autor verlinke) stammt von mir, und sie gibt in der Knappheit die Geschichte natürlich recht gerafft wieder. Ein bisschen ausführlicher erläutert das eine Weisung, die vom Einsatzführungskommando am 22. März an die Truppe im Einsatz ging:

Auf Grund von Beschädigungen (Verschmorter Handschutz) an zurückgelieferten Waffen des Typs G36 wurden durch den Nutzungsleiter weiterführende Untersuchungen veranlasst. In Ergebnis teilt LogABw mit, dass beim schnellen Verschuss einer großen Menge von Munition ZDv 3/136 RN 136 zu beachten ist:
,Nach dem Verschießen von Patronen im schnellen Einzelfeuer oder in kurzen Feuerstößen (150 Schuss Dauerfeuer Gefechtsmunition bzw. max. 100 Schuss Manövermunition) muss bei starker Rohrerhitzung das Rohr (bei offenem Verschluß) auf Handwärme abkühlen, bevor weitergeschossen werden darf.
Aufgrund des Wärmestaus in der Waffe nach schnellem Verschuss einer großen Menge von Munition (s.o.) muss zudem von einer erheblich größeren Streuung ausgegangen werden.
Dadurch wird die zuverlässige Bekämpfung von Zielen bei Kampfentfernungen über 100 Metern mit zunehmender Entfernung deutlich erschwert. Die Trefferwahrscheinlichkeit sinkt dann bei Entfernungen von 300 Metern allein aufgrund der Streuung auf circa ein Drittel.
Nach dem Abkühlen ist die Funktionalität des Gewehrs wieder voll gegeben.
Ist in einer taktischen Situation das Abkühlen des Gewehrs nicht möglich, und muss weitergeschossen werden, ist zu berücksichtigen, dass bei weiterem Feuerkampf Waffen komplett ausfallen können und/oder dauerhaft beschädigt werden.
Kontingent zur Kenntnisnahme und Beachtung.

Schon Ende Dezember vergangenen Jahres hatte es eine Weisung gegeben, die auf die zitierte Regelung aus der ZDV3/136 verwies, allerdings ohne Details aus den Untersuchungen zu nennen.

Nun ist das, das wissen die Kenner, zwar eine aktuelle Untersuchung, aber keine ganz neue Erkenntnis. Vermutlich nicht ohne Grund schreibt die ZDV 3/136 die nötige Abkühlung spätestens nach 150 Schuss Gefechtsmunition vor. Aufgeschreckt wurden aber wohl alle durch die – quasi unter Laborbedingungen – gewonnene Erkenntnis, dass die Streuung bei einer Kampfentfernung von 300 Metern die Trefferwahrscheinlichkeit um zwei Drittel senkt.

Ich habe daraufhin auch mit Praktikern gesprochen, die als Kampftruppe in Afghanistan waren, und deren Antwort: Im Einsatz ist ihnen das nicht als Problem aufgefallen. Zum einen, weil – inzwischen wieder? – das G36 in der Tat für gezieltes Feuer eingesetzt wird, nicht für Deckungsfeuer – dafür gibt es Maschinengewehre. Und zum anderen, weil Staub und Hitze sich auf Visier/Zieloptik auswirken und so schon die Treffergenauigkeit senken, vor allem aber: weil als Hauptproblem des G36 das zu kleine und wenig durchschlagsstarke Kaliber angesehen wird. Deswegen greife die Truppe im Einsatz ja auch zunehmend auf das alte G3 mit seinem größeren Kaliber zurück.

Nun ist das G36 vor fast 20 Jahren so bestellt worden und war ja auch nie für Dauerfeuer bestimmt, wie eine andere Regelung in der ZDV 3/136 deutlich macht:

Mit dem Gewehr schießt der Soldat
– Einzelfeuer als Präzisionsschuss, Schnellschuss und beim Sturmschießen im abgesessenen Einsatz,
– kurze Feuerstöße in der Sturmabwehr, im Nahkampf, beim Kampf von Fahrzeugen, beim Deutschießen und gegen Luftfeind

Also: Einzelfeuer und Feuerstöße. Für anderes ist das G36 nicht gedacht. Wie man die Untersuchung bewertet – darüber können sich dann die Experten streiten. Aber als Problem scheint es wohl schon gesehen zu werden.

70 Kommentare zu „Kein Aprilscherz: Wenn das Gewehr heißläuft“

  • Hohenstaufen   |   02. April 2012 - 21:55

    Wieso erwähnt denn hier niemand, dass auch beim Maschinengewehr (MG3) nach 150 Schuss Dauerfeuer mit Gefechtsmunition (bz.w. 100 Schuss Manövermunition) das Rohr heißgeschossen ist und gewechselt werden muss? Dies ist kein Mangel, das MG3 b.z.w. sein Vorgänger ist bewährt und gilt als besonders robust und langlebig .

    Wenn also beim G36 nach 150 Schuss in schneller Folge das Rohr abkühlen muss so ist dies völlig unspektakulär und bei anderen Sturmgewehren sicher nicht viel anders. (Bei Tests der Schweizer Armee zur Dauerhaltbarkeit des schweizer Sturmgewehrs 90 wurden beispielsweise immer nach 100 Schuss Pausen eingelegt um den Lauf abkühlen zu lassen.)
    Erst wenn man diese Fakten kennt kann man die Meldung einordnen.
    Sorry Herr Wiegold, ihre Meldung im Spiegel ist zwar nicht völlig falsch aber wesentliche Erläuterungen zur Einordnung der Schusszahl 150 fehlen.
    Somit ist die Meldung nach meiner Ansicht für einen militärischen Laien missverständlich und klingt zu dramatisch (wie eben so oft in der Presse).

  • markus   |   02. April 2012 - 22:50

    weil das der berühmte äpfel mit birnenvergleich ist.

    ein MG (jaja nicht alle, ist schon gut … ) hat ja kunstruktionsbedingt die fähigkeit den lauf zu schnell zu wechseln. ein sturmgewehr hat dies idr nicht bzw es wird kein Ersatzlauf mitgeführt, mit dem sich der Feuerkampf fortsetzen ließe.

    Wichtig für die Einordnung der Information ist nicht, was MGs können, sondern was andere Sturmgewehre in dieser Hinsicht leisten (oder auch nicht) und ob das Problem auch unter Gefechtsbedingungein eins ist …

    Zumindest letzteres ist ja ansatzweise von TW verwirklicht worden. Das so ein Boulevardblättchen wie Sp0n auch ein eine gewisse skandalisierung benötigt … nuja ist halt nicht die FAZ …

  • TheDude   |   02. April 2012 - 22:59

    Das mit den 3500 Joule stimmt so auch nicht ganz.. Die G28 Konfiguration mit kürzerem Lauf erzielt nach den bisherigen Quellen knapp 3000 Joule. Die Grendel ist aerodynamisch einer 7,62*51mm überlegen konzipiert und trifft auf 800 m nicht notwendigerweise schlechter.

  • Voodoo   |   02. April 2012 - 23:15

    „Wieso erwähnt denn hier niemand, dass auch beim Maschinengewehr (MG3) nach 150 Schuss Dauerfeuer mit Gefechtsmunition (bz.w. 100 Schuss Manövermunition) das Rohr heißgeschossen ist und gewechselt werden muss? Dies ist kein Mangel, das MG3 b.z.w. sein Vorgänger ist bewährt und gilt als besonders robust und langlebig .“

    Weil ich, gerade beim MG3, auch länger schießen kann, wenn es notwendig ist. 150/100 Schuss sind Vorschrift, ja – wesentlich mehr geht aber auch (und ist bei baugleichen Blenden-MG eigentlich auch eher die Regel und nicht die Ausnahme). Ich muss mir dabei nur im Klaren darüber sein, das mir irgendwann die Patrone im Patronenlager um die Ohren fliegen könnte. Aber ich werde nicht am Schießen gehindert, weil mir die Waffe auseinanderschmilzt…

  • Pleased to meet you...   |   02. April 2012 - 23:33

    Diese Debatte hier ist zwar nett, jedoch hochtheoretisch: Die Wehrmacht war mit Masse lediglich mit dem K98 ausgerüstet, der 1898 eingeführt worden ist.

    Der Afghane arbeitet mit einem Klon des StG 44.

    Synthese:
    Wenn der Bauer nicht schwimmen kann, ist die Badehose schuld…

  • Ziege   |   02. April 2012 - 23:34

    Warum soviel herum lamentieren?
    Die Frage die Aufgeworfen wird ist doch ob das G36 eine gute Waffe ist oder nicht.
    Diese Frage lässt sich wohl zweifelsohne mit ja beantworte, ich welche Streitkraft in vergleichbarer Größe besitzt eine bessere Waffe, ich kenne keine.

    Das G36 wohl einer der zuverlässigsen Sturmgewähre überhaupt; es ist enorm präzise und einfacher in der Handhabung als ein AR15, was will man mehr?

    Was man mehr will ist : Wumms, d.h. einen Kampf auf höhere Distanz und gegen Feinde hinter Deckung gewinnen.

    Was will man nicht: mehr Gewicht, weniger Muniton am Mann, weniger Präzision, größeres Waffenformat.

    Was bedeutet dass: es giebt keine Waffe die all diesen Anforderungen gerecht wird. aber es giebt ein System, welches sich Spezialisierung nennt, das heißt man hat Verschiedene Systheme für verschiedene Aufgaben.

    Daraus folgt moderen Streitkräfte verfügen nicht nur über ein standart Gewehr sondern über eine Palette an Wirkmitteln. Schon heute Vefügt die BW über ein Mittleres MG ein Leichts MG ein Assault rifle und ein wenn auch veraltetes Battelrifle sowie neuerdings über ein DMR.

    Diese Systheme sind bewährt und habe bewiesen was sie können, das Mittelkaliber ist hingegen noch nichts anderes als eine reine Hypothese für ein Universalsturmgewehr, welches Allenfalls beim Sturm gegen die Roten horden geholfen hätte. Heute kämpft man in Afg auf dem Lande auf Distanz und Schreit nach Mittelkaliber. Morgen Steht man in Theran oder Damaskus und möchte am liebsten ein HK416c im Kaliber der MP7 mit 200 Schuss Beta Magazienen.

  • markus   |   03. April 2012 - 0:11

    sie vergessen den pkt „ausbildung“. Wer soll all die Spielzeuge sicher zur Wirkung bringen können ?

    eine so missionspszifische Auswahl der Wirkmittel ist etwas, was (sich) nur hochspezialisierte Infanterietruppen leisten können. Für die Standardkampftruppen wäre das doch eindeutig zu viel des guten … „nahkampftaucherscharfschützengrenadierfallies“?

    Special Forces aller art könne auch guten gewissens zur Battlerifle greifen. deren ausbildungsstand und Disziplin garantiert, dass sie die auch wirkungsvoll einsetzen können.

    schauens sich dochma an wie oft die SaZ 2/4 seine Standardwaffe in die Hand bekommt (und wie miserabel sie z.T. damit umgehen (können) … )

  • Mitwisser   |   03. April 2012 - 0:17

    @Bang50:
    Ich bin beeindruckt. Als belesener Laie mit Einsatzerfahrung kann ich hier mit solchen Details nicht mitbieten. Ich hoffe, dass Sie mit dieser Fachkunde irgendwo an wirksamer Stelle sitzen, um das auch „auf die Straße“ zu bringen. Wenn nicht: vergebene Mühe, denn die Resultate bestimmen offenkundig andere.

    Das Grundproblem bleibt doch aber, dass Deutschland seine Soldaten in einen Einsatz schickt, für den nach aktuellen Erkenntnissen nicht einmal die Standardwaffe passend ist. Was wurde eigentlich 1996 oder 1995 spezifiziert, als man das G36 beschaffte? Wenn es das bis heute einhält, dann ist das Problem auf Ebene des Fähigkeitsmanagements zu lösen. Wenn es das heute nicht mehr einhält, dann ist das wohl eher Sabotage von Wehrmaterial. Oder hat man es sich damals zu einfach gemacht und einfach was in .223 vom Lokalmatador bestellt? Kundige bitte das Wort ergreifen!

  • Privateer   |   03. April 2012 - 7:39

    @Mitwisser:

    Die Frage ist, was gab es denn Anfang der 1990er Jahre auf dem Markt, was „besser“ als das G36 (bzw. HK50) gewesen wäre? Vielleicht noch am ehesten das schweizer Stgw 90.

    Ansonsten:
    Das Steyr AUG? Eine Bullpup-Waffe, mit all den damit verbundenen Nachteilen. Immerhin kann man beim G36 eine neue verstellbare Schulterstütze anbauen (für die Verwendung der Waffe mit Schutzweste), das funktioniert bei einem Bullpup-Gewehr so nicht. Von den Macken des britischen SA80 und den Eigenheiten des französischen FAMAS ganz zu schweigen…

    Aus Standartisierungsgründen hätte einiges für das kanadische Diemaco C7 (eine Variante des M16) und dessen Varianten gesprochen, welches später auch von den Niederländern, Dänen, Norwegern und dem britischen SAS beschafft wurde.

  • Mitwisser   |   03. April 2012 - 11:23

    Nicht falsch verstehen: ich schätze das G36 und halte die damalige Entscheidung nicht für falsch. Die Frage muss aber sein, wann und warum die Verantwortlichen im Bereich Fähigkeiten und Nutzung bzw. Weiterentwicklung bei der Truppe zwischen 1996 und 2012 diese und die Tauglichkeit des Systems „Standardwaffe“ hätten überprüfen, hinterfragen oder weiterentwickeln müssen.

    Nehmen wir mal als gegeben an, dass das G36 für echten Kampf im Sinne der seit einigen Jahren bei ISAF laufenden „Begegnungen“ nicht oder nur sehr eingeschränkt geeignet ist und unter einsatzrealer Belastung „streut“. (Die diversen Sonderfälle oder Labor-Szenare können andere durchprüfen.)

    – Vertraglich gegenüber dem Auftragnehmer Heckler&Koch ist bis heute wohl nur relevant, was 1996 gefordert war und ggf. wenn zwischendurch was neu gefasst wurde. AUSSER sie haben eigenmächtig Materialien oder Beschaffenheiten geändert.

    – Technisch – und auch politisch – ist aber sehr relevant, dass man nun mit einer Waffe da steht, die so nicht voll belastbar ist bzw. den realen Bedingungen nicht genügt. Das würden die Hardtberg-Technokraten dann wohl als „Fähigkeitslücke“ bezeichnen. Die müsste man schließen und davor aufgrund der Eilbedürftigkeit (ein Hinweis auf die ZDv 3/160 hilft dem Soldaten im Feld gar nichts) auch auf dem Markt oder in den eigenen Depots suchen. Dann geben sie halt übergangsweise wieder G3 mit leichten marktverfügbaren Zubehörteilen aus und beschaffen ein paar tausend ordentliche Gewehre oder modifizierte G36, die es aushalten. Welches Modell ist mir eher egal, da ich nicht mehr aktiv bin. Da sind andere berufener, das zu wählen.

    Also: es geht wieder um die Fehlerkultur dieser Armee. Eine aktuelle Lage ist negativ und vielleicht hat irgendwer irgendwann einen Fehler gemacht oder eine Unterlassung begangen. Vielleicht auch mehrere. Aber das darf doch nun nicht davon abhalten, von jetzt bis in die absehbare Zukunft das Problem abzustellen, oder?

  • Niklas   |   03. April 2012 - 18:28

    Ist ein modernes Sturmgewehr immer das Optimum oder spielt der Preis eine Rolle und vermeitliche technische Vorteile?

    Keine Frage, das mechanische Grundprinzip im G36 ist ne gute Sache, die Bedienung kann einfacher nicht sein. Aber wenn ich versuche eine möglichst leichte Waffe zu bauen, welche beispielsweise durch ihre standardisierte Visierausstattung möglichst multifunktionell sein soll (definitiv eine Idee des Massenheeres, damals durchaus logisch), muss ich wohl damit leben, dass an gewissen Stellen Kompromisse einzugehen sind.

    Bei der Frage der Hitzeresistenz, bzw. -ableitungsfähigkeit spielt natürlich auch eine Rolle, wie geschossen wurde. Ein MG, da es als Vergleich genutzt wurde, „funktioniert“ im Grunde eh anders und kann so nicht als Referenz genutzt werden. Ein Sturmgewehr wird nomalerweise meist halbautomatisch geschossen und sollte so eigentlich nicht an Grenzen gelangen.

    Das wichtigste an einer Waffe ist:
    Sie muss – a) vorhanden sein, b) zuverlässig sein (ups), c) ihrem Zweck einigermaßen entsprechen. Diese Prioritäten stammen natürlich nicht von mir.

    Wir sehen also, dass das Sturmgewehr was da betrieben wird, in jedem Fall eine Gefechtsbelastung und etwas mehr durchhalten muss. Ist das nicht gegeben, ist das Ziel verfehlt und die Waffe sollte nicht ins Gefecht geführt werden.
    Da sich die Anforderungen und aber auch die Ausbildungsmöglichkeiten und -tiefe deutlich geändert haben, ist es eigentlich nicht nötig einen Kompromiss weiter zu betreiben, bei dem eventuell einige sekundäre Parameter überbewertet wurden, was negative Folgen hat. Manchmal ist ein etwas nüchternes Basissystem besser.

    Natürlich darf man auch gerne die Kaliberfrage stellen. Ich schätze, sollte es irgendwann mal so weit sein, ein neues Sturmgewehr einführen zu können, bietet sich die Gelegenheit einer kompletten Neuorientierung.

  • Klawitter   |   03. April 2012 - 19:21

    Ich zitiere mal aus dem Ausbildungsreglement zumn STGW 90 der CH-Armee Seite 81 Punkt 123;
    ZITAT
    „Zur Vermeidung von Selbstentzündungen im Patronenlager dürfen höchstens sechs Magazine hinereinander verschossen werden, gleichgültig welche Feuerart gewählt wurde. Die Waffe darf erst wieder mit 5,6 mm Gw Pat 90 geladen werden, wenn sie soweit abgekühlt ist, dass der Lauf von blosser Hand angefasst werden kann. Nach Möglichkeit wird die Waffe zur Kühlung in Wasser eingetaucht. Bei Kälte und Schnee darf sie jedoch nicht in den Schnee oder Wasser eingetaucht werden (siehe Ziffer 49, Absatz).“

    Anmerkung von mir, das Standadmagazin des Sturmgewehr 90 so wie es in der CH-Armee allgemein gebräuchlich ist hat eine Fassungskapazität von 20 Schuss. Vielleicht erinnert sich der einte oder andere an eine Folge von die Spezialisten Feuerfest und kugelsicher (Son of guns) wo man sah wie ein AR 15 bzw. M16 nach 300 Schuss im Vollautomodus heiss gelaufen ist, u.a. glühendes Rohr, herausspringende Zündhütchen die an die Sicherheitsbrille spickten.

    (aus dem Forum waffen-online )

  • Rado   |   04. April 2012 - 23:17

    Das G36 scheint eine ganz brauchbare Waffe zu sein. Heißschießen mit 150 Schuss bedeutet normalerweise, dass man Temperaturen erreicht, in denen sich der Laufstahl zu verändern beginnt. Ab ca. 200 Grad beginnt Stahl auszuglühen, dann ist der Lauf ruiniert. Bei 150 Schuss glüht ein Lauf schon beinahe. Wenn hinterher sich angeblich wieder normale Trefferbilder erzielen lassen, kanns nur gutes Matereal sein.

  • Someone   |   07. April 2012 - 23:56

    Grad beim Stöbern gefunden: Man kann sich für das G36 einen Handschutz aus Aluminium besorgen; der schmort sicherlich nicht wie Kunststoff.

  • Privateer   |   08. April 2012 - 15:57

    Stellungnahme von Heckler & Koch:

    http://www.heckler-koch.com/de/unternehmen/news/detail/article/stellungnahme-aktuelle-medienberichte-zum-gewehr-g36.html

    (…)
    Die Heckler & Koch GmbH sieht diese jüngsten medialen Publikationen als Teil einer mittlerweile über zwei Jahre andauernden und äußerst vielschichtigen Kampagne gegen das Unternehmen, welche bisher primär die Instrumentalisierung verschiedener Ermittlungsbehörden insbesondere mit Bezug auf wettbewerbs- und exportrechtliche Vorwürfe zum Gegenstand hatte.

    Nun wird mit der aktuellen Berichterstattung erstmals auch die technische Reputation und die Qualität der Produkte der Heckler & Koch GmbH angegriffen und suggeriert, Heckler & Koch würde Produkte vertreiben, welche für den Gefechtseinsatz nur bedingt oder gar nicht tauglich seien. Auch wird insofern von interessierten Kreisen offensichtlich ganz bewusst ein Zusammenhang mit kämpfenden Truppenteilen der Bundeswehr in Afghanistan hergestellt.

    In Anbetracht der Tatsache, dass sowohl Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, aber auch die verbündeter Nationen täglich Leib und Leben in Afghanistan und anderen gefährlichen Orten riskieren, ist eine inhaltlich derart unsachliche und in vielen Details falsche Darstellung zynisch und geschmacklos.
    (…)

    Ganz schön starker Tobak…

  • Prediger   |   08. April 2012 - 16:26

    „Die Aufstellung oder Verbreitung der Behauptung, dass das Gewehr G36 hinsichtlich der Treffleistung einen „Mangel“ aufweise ist folglich rechtswidrig und wird durch die Heckler & Koch GmbH zivil- und strafrechtlich vorbehaltlos verfolgt werden.“

  • Someone   |   08. April 2012 - 16:38

    @ Prediger | 08. April 2012 – 16:26

    Etwas aus dem Zusammenhang gerissen, so wie zitiert wurde.

    „2.) Die Technischen Lieferbedingungen (TL) für das Gewehr G36, welche Bestandteil des Liefervertrages zwischen der Heckler & Koch GmbH und dem BWB sind, sehen einen Präzisionsbeschuss vor, welchen alle o. g. Waffen nachweislich erfüllt haben. Diese TL enthält kein Abnahme-/Prüfkriterium, welches eine spezifizierte Treffleistung in extrem heißgeschossenem Zustand (z. B. nach mehren hundert Schuss) vorsieht, so dass das Gewehr G36 auch insofern vertragsgemäß geliefert wurde und kein Mangel im Rechtssinne vorliegt. Die Aufstellung oder Verbreitung der Behauptung, dass das Gewehr G36 hinsichtlich der Treffleistung einen „Mangel“ aufweise ist folglich rechtswidrig und wird durch die Heckler & Koch GmbH zivil- und strafrechtlich vorbehaltlos verfolgt werden. „

  • T.Wiegold   |   08. April 2012 - 16:40

    Nun, in den von mir verantworteten Texten – sowohl im gedruckten Spiegel als auch hier im Blog – wird der von dem Unternehmen bemängelte Begriff nicht verwendet.

  • Bang50   |   08. April 2012 - 17:24

    Wollte ich gerade schon verlinken

    Zu dem von Privateer zitierten Absatz:
    Über die Verschiebung der Trefferpunktlage des G36 unter größerer Hitzeentwicklung gibt es schon seit Jahren „urban legends“ aus der Truppe und von Anwendern.

    Die ständigen Durchsuchungen von HK sind ehr durch bestimmte Interessengruppen geleitet, die im Zusammenhang zu „motivierten“ pazifistischen Gruppen stehen.

    Schade das HK deshalb hier alle in den selben Topf wirft.

    2.) Die Technischen Lieferbedingungen (TL) für das Gewehr G36, welche Bestandteil des Liefervertrages zwischen der Heckler & Koch GmbH und dem BWB sind, sehen einen Präzisionsbeschuss vor, welchen alle o. g. Waffen nachweislich erfüllt haben. Diese TL enthält kein Abnahme-/Prüfkriterium, welches eine spezifizierte Treffleistung in extrem heißgeschossenem Zustand (z. B. nach mehren hundert Schuss) vorsieht, so dass das Gewehr G36 auch insofern vertragsgemäß geliefert wurde und kein Mangel im Rechtssinne vorliegt. Die Aufstellung oder Verbreitung der Behauptung, dass das Gewehr G36 hinsichtlich der Treffleistung einen „Mangel“ aufweise ist folglich rechtswidrig und wird durch die Heckler & Koch GmbH zivil- und strafrechtlich vorbehaltlos verfolgt werden.

    Das hier kein Mangel im Rechtssinn vorliegt hat auch niemand bestritten. Es geht darum was ein bestimmtes Produkt unter bestimmten Bedingungen (ob sachgerecht oder nicht) leistet. Niemand bestreitet, das HK die vertraglichen Anforderungen nicht erfüllt.

    5.) Dass die o. g. TL kein Abnahmekriterium vorsieht, welches eine Treffleistung im heißgeschossenen Zustand vorsieht, ist in mehrfacher Hinsicht schlüssig, da es sich um eine waffentechnische „Binsenweisheit“ handelt, dass aus physikalischen Gründen – und somit herstellerunabhängig – bei entsprechend hoher Schusszahl oder extremen Beschusszyklen (extrem hoher Anteil von Dauerfeuer und/oder kurzer Zeitraum) sich die Treffleistung jeder Waffe verändert, d.h. in der Regel die Streuung zunimmt. Insofern verwundert es auch nicht, dass das einschlägige NATO-Regelwerk für die Erprobung von Handwaffen AC225/D14 keine Testprozedur für die Treffleistung in heißgeschossenem Zustand normiert, geschweige denn, dass das Bestehen einer solchen (nicht existenten) Prüfung Voraussetzung für die Einführung eines Sturmgewehres in einem NATO-Mitgliedsstaat wäre. Darüber hinaus ist der Heckler & Koch GmbH in ihrer über 60-jährigen Tätigkeit im behördlichen Handwaffenbereich, insbesondere in der NATO, kein einziger Kunde bekannt geworden, welcher ein derartiges Prüfkriterium je aufgestellt hätte. Es verwundert vor diesem Hintergrund umso mehr, dass angebliche waffentechnische Experten das o. g., mindestens seit Ende des 19. Jahrhunderts bekannte, Phänomen der Streukreisvergrößerung bei extrem heißgeschossener Waffe überhaupt thematisieren.

    Wenn diese Streukreisvergößerung durch konstrukive Eigenheiten bei bestimmten Waffentypen wesentlich größer ausfällt als bei anderen unter den selben Bedingungen, so ist das zumindest ein diskussionswürdiges Thema. Da ist es auch erstmal egal ob diese Thematik außerhalb der vom Auftraggeber spezifizierten Kriterien liegt.

    6.) Sofern sich Medienberichte auf aktuelle Untersuchungen der Bundeswehr mit dem Gewehr G36 beziehen, ist festzustellen, dass Heckler & Koch weder die Dokumente hierzu bisher vorliegen, noch bekannt ist, auf welcher internen Rechtsgrundlage die Bundeswehr diese Untersuchungen durchgeführt hat. Vielmehr muss Heckler & Koch aufgrund verschiedener Indizien davon ausgehen, dass derartige Informationen in schriftlicher und/oder mündlicher Form rechtswidrig und zumindest unvollständig von Einzelpersonen aus dem Bereich der Bundeswehr an die Medien weitergegeben wurden.

    Meint HK damit wirklich Rechtsgrundlage oder Versuchskriterien? Die BW darf ihre G36 mit dem LKW überfahren und danach feststellen das die Waffe nicht mehr funktioniert solange die BW danach nicht HK verklagt. Das ein solcher Test außerhalb der vertraglich zugesicherten Leistungen liegt, würden die Anwälte von HK schon äußerst schnell klar machen.

    8.) Das G36 ist ein Sturmgewehr mit den Feuerwahlmöglichkeiten Einzel- und Dauerfeuer, wobei das G36 – wie alle Sturmgewehre weltweit – bestimmungsgemäß überwiegend im Einzelfeuer bzw. in kurzen Feuerstößen zu nutzen ist. Die Anweisung an die Soldaten Dauerfeuer bzw. (längere) Feuerstöße weitgehend zu vermeiden, dient nicht der Schonung des Gewehres G36, sondern ist den Tatsachen geschuldet, dass einerseits – bedingt durch den Waffenrückstoß – im Dauerfeuer/Feuerstoß kein präziser Waffeneinsatz mehr möglich ist und in der Folge taktisch nutzlose Munitionsverschwendung eintritt. So kamen u. a. im August 2008 in Afghanistan mehrere französische Soldaten ums Leben, weil ihnen nach mehrstündigem Feuergefecht mit Taliban-Kräften einfach die Munition ausging. Das Haushalten mit Munition im Gefecht (Fachbegriff sog. „Feuerzucht“), konkret die Vermeidung von taktisch unnötigem Dauerfeuer, ist somit für unsere Soldaten eine zwingende Notwendigkeit zur Erhaltung der sog. „Durchhaltefähigkeit“ und in vielen Fällen schlicht eine Frage des Überlebens. Dies gilt insbesondere dann, wenn unsere Truppen länger in Kampfhandlungen verwickelt sind oder sich die Unterstützung durch schwere Waffen verzögert bzw. ganz unterbleibt, etwa um Kollateralschäden durch Bomben oder Artillerie zu vermeiden.

    Andersrum wird ein Schuh draus. Natürlich ist ein Sturmgewehr ein primär auf Einzelfeuer ausgelegte Waffe. Für Dauerfeuer gibt es schließlich MG`s. Dennoch kann niemand vorhersagen wie sich eine Gefachtssituation entwickelt und ob „Feuerzucht“ (welch herliches Wort) noch möglich ist. Es könnte genausogut die Erfahrung einer Armee sein, das Nahkampfsituationen es erforderten dem Feind die Waffe über die Rübe zu ziehen. Das die Waffe dafür nicht ausgelegt wurde, macht niemand dem Hersteller zum Vorwurf. Die Diskussion darüber kann jedoch zur Folge haben, das man dieses Kiterium in spätere Beschaffungen aufnimmt.

    9.) Das Gewehr G36 ist ein Sturmgewehr und kein Präzisionsgewehr, weist jedoch für ein Sturmgewehr eine sehr gute Treffleistung auf. Unabhängig hiervon erhöht Dauerfeuer das Risiko von Kollateralschäden – gerade auf größere Entfernungen ab 100m – unter der Zivilbevölkerung durch die erhöhte (rückstoßbedingte) Waffenstreuung massiv und kann daher für Soldaten entsprechende strafrechtliche Konsequenzen (z. B. wg. fahrlässiger Köperverletzung bzw. Tötung etc.) nach sich ziehen. Für Einsatzentfernungen jenseits der 300m hat die Bundeswehr in den vergangenen beiden Jahren besondere Präzisionsgewehre vom Typ G3ZF-DMR und G28 im leistungsstärkeren Kaliber 7.62mm NATO beschafft. Darüber hinaus ist es nach Kenntnis der Heckler & Koch GmbH inzwischen gängige Einsatzpraxis der Bundeswehr, Waffen in Kaliber 5.56mm NATO (wie das G36) bis maximal 300m Kampfentfernung einzusetzen. Es ist somit gleich in mehrfacher Hinsicht sachlich vollkommen verfehlt, die Treffleistung des G36 auf Entfernungen über 300m zu thematisieren.

    Ich weis jetzt nicht was der Spiegel geschrieben hat, aber Thomas Wiegold hat folgendes zitiert:“Dadurch wird die zuverlässige Bekämpfung von Zielen bei Kampfentfernungen über 100 Metern mit zunehmender Entfernung deutlich erschwert. Die Trefferwahrscheinlichkeit sinkt dann bei Entfernungen von 300 Metern allein aufgrund der Streuung auf circa ein Drittel.“

    11.) Sofern die Treffleistung des G36 auf Kampfentfernungen bis 300m thematisiert wird, sind Aussagen oder einsatztaktische Wunschvorstellungen aus physikalisch bzw. waffentechnisch zwingenden Gründen immer in Abhängigkeit von den Parametern Munitionstyp, Schusszahl und Beschusszyklus zu formulieren. Insbesondere ist die Angabe einer bloßen Schusszahl ohne die gleichzeitige Nennung des Beschusszyklus (Verteilung von Einzel- und Dauerfeuer in Abhängigkeit von einem definierten Zeitraum, in welchem die Schüsse abgegeben werden) technisch verfehlt und somit letztlich auch einsatztaktisch nutzlos, weil jegliche technische Vergleichbarkeit fehlt.

    Ja leider, leider erfährt man immer zu wenig über die Kriterien unter denen diese Aussagen zustande gekommen sind.

    12.) Unabhängig hiervon ist die Thematisierung der Treffleistung eines Sturmgewehres nach Abgabe mehrerer hundert Schuss in kürzester Zeit (wenige Minuten) schon deshalb sinnlos, weil der Soldat dann in der Regel alle Munition verbraucht hat bzw. das Hitzeflimmern (sog. „Eigenmirage“), des Waffenrohres so stark ist dass ihm die Zielerfassung schon rein optisch massiv erschwert bis unmöglich ist.

    Öhm Stichwort Deckungsfeuer bei der Bergung eines Verwundeten auf offenem Feld? In Afg. soll es vorkommen, das Soldaten mehr als 5 Magazine mit sich führen.

    Fazit: Diese Pressmeldung ist etwas trotzig. Wahrscheinlich ist man genervt durch die vielen Hausdurchsuchungen der letzten Zeit, die sich als haltlos herausgestellt haben. Jedoch kommt das so rüber als wolle man einen Maulkorb verpassen und damit schneidet sich HK in das eigene Fleisch, da es so scheint als habe man etwas zu verstecken.
    Niemand macht HK einen Vorwurf wenn eine Waffe das nicht leistet was nicht im Vertrag gefordert wurde. Jedoch ist die Diskussion über den „zero shift“ beim G36 eine alte Diskussion. Hier nun endlich Fakten zu schaffen und eine Versuchsreihe mit exakten Versuchskriterien zu unternehmen, sollte für die Versuchsingenieure von HK kein Problem sein und würde alle Zweifel, Gerüchte und „urban legends“ zum Schweigen bringen. Gerne kann man in einer solchen Versuchsreihe auch zeigen das Waffen von anderen Herstellern hier nicht besser bzw. genauso schlecht abschneiden. Der Verweis das man sich hier außerhalb der spezifizierten Kriterien bewegt entbehrt auch nicht einer gewissen Ironie. War es doch HK welches sein HK416 Piston System mit dem amerikanischen M4 Colt in einem Over the Beach Test außerhalb der amerikanischen Anforderungen verglichen hatte und „explodieren“ ließ.
    Den Gerüchten über das Schmelzen von M4 Rohren wurde wirkungsvoll durch ein Video begegnet, in dem demonstriert wurde das man das Rohr nicht zum schmelzen bringen kann, nach mehreren hundert Schuß die Gasleitung wegschmilzt und man die Waffe nur noch mir Handschuhen anfassen kann. Der Schütze hätte sich also schon lange davor die Finger verbrannt.

  • Koffer   |   08. April 2012 - 19:06

    @all

    Ehrlich gesagt kann ich die ganze Aufregung sowieso nicht verstehen.

    Das ein Gewehr mit heiß geschossenem Rohe unpräzise wird ist eine Binse.

    Das Sturmgewehre eigentlich gar nicht in solche Bereiche kommen sollen, da sie für solche Aufgaben nicht gedacht werden auch.

    Das das G36 grundsätzlich (bei allen Zweifeln am gewählten Kaliber – aber das ist ja keine Entscheidung des Herstellers, sondern eine der Bw) eine hervorragende Waffe ist ebenso.

    Ehrlich gesagt sollte man meiner Meinnung nach eher über die Tatsache sprechen, dass in AFG deutsche Truppen aufgrund von Ausbildungmängeln (oder durchsetzungsschwachen Führern) häufig glauben „viel hilft viel“ und deswegen die gebotene Feuerzucht vernachlässigen.

    Damit bekämpft man zwar seine eigene Unsicherheit ob des unklaren und häufig nicht eindeutig zu bekämpfenden Feindes, aber verschwendet Munition und erfüllt dadurch seinen Auftrag im Regelfall nicht besser – manchmal sogar objektiv schlechter.

    Und ich gebe es zu: „Er hat Jehova gesagt!“

    ;)

    Gesegnete Ostern!