Die größten Waffenimporteure: Asien vorn

Wir haben uns daran gewöhnt, die internationalen Waffenexporte aus der Sicht der größten Exporteure zu sehen (vielleicht auch, weil Deutschland in dieser Statistik inzwischen einen Spitzenplatz einnimmt). Der niederländische Journalisten- und Bloggerkollege Hans de Vreij hat sich die aktuelle Statistik des Stockholmer SIPRI-Instituts mal andersrum angesehen: Wer sind eigentlich die größten Importeure von Rüstungsgut?

Seine Übersicht hier: New SIPRI data: rise in international arms transfers is driven by Asian demand –  an der Spitze steht Indien. Das in der deutschen Diskussion immer wieder angeführte Griechenland hat seine Einkäufe, wen wundert es, deutlich reduziert: Greece’s arms imports decreased by 18 per cent between 2002–2006 and 2007–11. In 2007–11 it was the 10th largest arms importer, down from being the 4th largest in 2002–2006. Greece placed no new order for major conventional weapons in 2011.

11 Gedanken zu „Die größten Waffenimporteure: Asien vorn

  1. Ich habe eine kurze Diskussion dazu heute morgen bei mdr-info verfolgt.

    Ich meine in DEU haben wir seitens der Kritiker dessen, dass DEU die drittgrößte Rüstungs-Exportnation ist, zwei sich widersprechende Karten auf dem Tisch:

    1. Die eine wird gern ausgespielt, weil sie das Argument trägt: „Die Rüstungsindiustrie in DEU trägt so wenig zum BSP bei, dass man sie nicht unterstützen bzw. indirekt subventionieren muss“.

    2. Die andere trägt das Argument: Deutsche Waffen töten in der Welt und darum muss die Rüstungsindustrie mit generellem Exportverbot belegt werden.

    Mit der Umkehrung, wie sie Hans de Vreij vornimmt, gelingt natürlich der Blick aus der anderen Richtung. Damit gelingt es Rüstungsexport als politisches Stilmittel begreifen zu lernen.

  2. Indien auf der einen Seite und Griechenland auf der anderen Seite markieren wahrscheinlich genau die beiden Haupt-Exportmärkte für die Industrie. Das eine sind Konfliktherde (Indien/Pakistan liefern sich ja seit Langem ihren eigenen kalten Krieg), das andere sind korrupte Regime, wo der Waffeneinkauf wahrscheinlich nur dazu dient, irgendwelchen „Vermittlern“ die Taschen zu füllen. Griechenland hat immer noch eine überdiemnsionierte Armee wie zu Zeiten, als das Ländchen noch als „unser“ Vorposten an der südosteuropäischen Flanke gegen den Ostblock alimentiert und hoch ausgesattet wurde. Vermutlich sind die griechischen Soldaten auch nur eine Form von Harz IV für junge Männer.
    Bei den Zahlen darf man im übrigen nicht vergessen, dass die Binnenmärkte außer Acht bleiben. Die Marktanteile weltweit relativieren sich, wenn die „Selbstversorger“ wie insbesondere die USA in den Markt hineingerechnet werden. Anderseits ist Rüstungspolitik gerade für USA, Russland und China Teil der geopolitischen Militärstrategie (z.B. sind die Lieferungen an die Saudis nichts anderes als die Ausstattung einer Armee, damit man die eigenen Interessen nicht selbst verteidigen muss).

  3. Man kann das auch auf die technische Ebene herunterbrechen:
    Welche Art von Rüstungsgütern exportiert Deutschland im Vergleich zu Russland?

    Man wird feststellen:
    Deutschland exportiert hightech Rüstung für Industrienationen. U-Boote, Korvetten, Kampfflugzeuge, sehr teure Gefechtsfahrzeuge usw…
    Also Rüstung die nur eingesetzt wird, wenn sich große Nationen zum Krieg anschicken.

    Russland hingegen exportiert alles was man auf den Schlachtfeldern der 3 Welt gebrauchen kann. Ak Sturmgewehre, RPG`S, (schwere) Maschinengewehre, Mörser, billige Raketen usw…

  4. @Bang50

    Dieses „wir gut die böse“ schema funktioniert heute so nicht mehr. Das war zu kalten Kriegszeiten. RPGs und AKs usw sind entweder bereits vorhanden oder werden heute lokal hergestellt.
    Die einzigen größeren Verkäufe russischer Handfeuerwaffen in den letzten Jahren waren AK 101 an Venezuela.
    Russland exportiert High Tech Waffen oder Waffen- und Munitionsfabriken, wie Deutschland auch, nur halt nach Kuba/Venezuela und nicht nach Saudi-Arabien/Pakistan.

  5. Es geht mir nicht um „gut und böse“ sondern darum das wir ausschließlich ein Kundesspektrum ansprechen das ein „funktionierendes“ Staatswesen vorraussetzt. Schon alleine weil die Anforderungen unserer Rüstung so hoch sind, das die meisten Nationen dieser Welt gar nicht in der Lage sind, diese Rüstung einzusetzen (selbst wir haben da so unsere Schwierigkeiten). Saudi Arabien rangiert hier am untersten Rand. Was wiederum dazu führt, das z.b die Eurofighter ohne die Hilfe der Briten nicht einsetzbar sind. Wir haben also den Finger darauf.

    Wenn jetzt Griechenland und die Türkei (beides gute Kunden von uns) meinen sie müssten sich bekriegen, dann ist das eben so.
    Ob man das will oder nicht, ist diskussionfähig.
    Es schlägt aber nicht in die selbe Kerbe.

    Ein U-Boot für 500 Millionen macht nun mal wesentlich weniger Schaden in den Händen von Warlords, als 500 Millionen für Mörser, schwere MG`s, Minen usw…diese Dinge exportieren Russland, USA usw… auch heute noch.

  6. Ich bin mir nicht sicher ob Russland nach dem Chaos der frühen 90er jemals größere Mengen an Handfeuerwaffen exportiert hat.
    Das meiste ex-Soviet Zeugs weltweit wurde früher produziert und stammt aus Überschussbeständen anderer Nachfolgestaaten, vor allem der Ukraine.
    Russland exportiert Panzerabwehrwaffen, die aber wohl kaum „low tech“ darstellen.

    Es macht sich natürlich in der Welt gut wenn „russische Waffen in Syrien töten“ aber das meiste davon stammt aus dem kalten Krieg. Ausnahmen sind Panzerabwehrwaffen (die wurden wirklich viel exportiert) und einige wenige Flugabwehrsysteme.

  7. Was ist den Südkoreanern vorzuwerfen, wenn sie sich gerne mit modernen Waffen verteidigen würden, bzw. was ist dem deutschen Unternehmen vorzuwerfen, das ihnen (oder Indern, Saudis und Türken etc.) die dafür nötigen Mittel liefert? Nicht Waffen führen Krieg, sondern Regierungen, die sich zum Kriegführen entscheiden, und wie die innerdeutsche Grenze, die innerkoreanische Grenze oder China/Taiwan gezeigt haben, nimmt die Kriegswahrscheinlichkeit in instabilen Regionen mit dem Grad der Bewaffnung der Konfliktparteien ab. Wirklich gefährlich sind nur Machtungleichgewichte, die z.B. entstehen würden, wenn man den über weniger einheimische Rüstungsindustrie als ihre Gegner verfügenden Südkoreanern oder Taiwanesen keine Waffen liefern würde.

  8. Dumm nur, dass die Waffenlieferungen an funktionierende Staaten sich ihren Weg doch immer wieder zu den Brennpunkten dieser Welt bahnen…

    Hoffen wir mal, dass die Saudis genug political correctness aufbringen, den syrischen Aufständischen keine deutschen G3 oder gar G36 zu vermachen.

    @Orontes:
    Die Abnahme der Kriegswahrscheinlichkeit in Korrelation zum Grad der Bewaffnung zu setzen, dürfte kaum eine empirische Kontrolle überstehen (wobei ich mich da gerne eines besseren belehren lasse).
    Mindestens genauso wichtig wie eine gesunde Abschreckung (einst Nachrüstung) ist ein System vertrauensbildender Maßnahmen (einst KSZE).
    Nur an letzterem hapert es in den meisten Konfliktregionen, insbesondere in Ost- und Südostasien.

    @Bang50:
    Natürlich dürfen sich Griechen und Türken bis auf Ewigkeiten in der Ägäis behaken. Nur man könnte ja im Sinne der Stabilität an der EU-Grenze und dem Einsparen recht sinnloser Verteidigungsausgaben hier vertrauensbildende Maßnahmen durchführen (Überwachung des Luftraumes durch unbeteiligte NATO-Staaten unter Anwesenheit beider Seiten, etc.).

    Rein rational betrachtet stellt sich die Frage: Was nützt uns?

    Derzeit scheint unser Interesse an hoher Rüstungsnachfrage zum Erhalt unserer Rüstungsindustrie größer zu sein als unser Einsatz zur Stabilisierung latent konfliktträchtiger Regionen durch diplomatische Initiativen.

  9. @K.B.
    „Die Abnahme der Kriegswahrscheinlichkeit in Korrelation zum Grad der Bewaffnung zu setzen, dürfte kaum eine empirische Kontrolle überstehen (wobei ich mich da gerne eines besseren belehren lasse).“

    Die Fähigkeiten müssen dabei noch gleich verteilt sein. Der Extremfall tausender aufeinander gerichteter Atomwaffen verhinderte z.B. in Europa über Jahrzehnte zuverlässig jeden gegenseitigen Angriff. Wenn aber eine Seite stärker aufrüstet als die andere (wie aktuell die Chinesen), müssen die Taiwanesen nachziehen, damit die Situation stabil bleibt. Sie haben aber weniger eigene Möglichkeiten der Rüstungsproduktion, weshalb es stabilisierend wirkt, ihnen Waffen zu liefern. Ähnlich sieht es am Golf aus: Wenn der Iran wegen hoher Ölpreise und Wegfall des irakischen Herausforderers relativ stärker wird, destabilisiert dies die Situation, und Waffenlieferungen an die Saudis können dazu beitragen, ein stabiles Gleichgewicht zu erhalten. Rüstungslieferungen und Stabilisierungsbemühungen müssen sich somit nicht ausschließen.

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