Wo sind die Helmkameras?

Im vergangenen Sommer hatte ich mir verwundert die Augen gerieben: Helmkameras für die Bundeswehr? Im Afghanistan-Einsatz? Ganz offiziell? Nun, es wurde damals bestätigt. Allerdings habe ich auch ein halbes Jahr später noch kein einziges der damals angekündigten Videos gesehen – und das, obwohl es sogar eine offizielle Weisung für den Einsatz dieser Geräte und den Umgang damit gibt…

Mir fiel das wieder ein, als ich zufällig auf dieses kanadische Video stieß. Jetzt frage ich mich natürlich erst recht, wo die deutschen Bilder sind. Weiß jemand mehr?

28 Gedanken zu „Wo sind die Helmkameras?

  1. Vielleicht hat der Datenschutzbeauftragte sein Veto eingelegt, denn man könnte ja Persönlichkeitsrechte verletzen…

    Oder die Nachbearbeitung der Filme dauert einfach zu lange, damit sie in die Corporate Identity passen, so von wegen Sprache (gaaaanz wichtig), Handlung inkl. zumutbarem Gewaltlevel (wenn unbedingt nötig), Political Correctness, Gender und Tierschutz :-D

  2. In dem ursprünglichen ZAPP-Bericht heißt es vom Sprecher EinsFüKdo bezüglich der Beschaffung der Kameras ja: „… in einem offiziellen Beschaffungsgang…“. Das Zauberwörtchen Einsatzbedingter Sofortbedarf fällt beispielsweise nicht. Von daher gehe ich mal davon aus, dass diese Kameras noch irgendwo in einer Wehrtechnischen Dienststelle auf Herz und Nieren getestet werden.

  3. Ketzerische Vermutungen:

    entweder 1. sind die Vorschriften zur Nutzung noch nicht geschrieben bzw. befinden sich im Ministerium zur Mitzeichnung

    oder 2. sie sind so restriktiv, dass sich eine Nutzung gar nicht erst ergeben kann

    oder 3. die Filme liegen irgendwo zur Prüfung durch vorgesetzte Dienststellen . . .

    :-)

  4. Die Kameras sollen einer ausführlichen Dokumentation und zur EInsatzauswertung und operationellen Kritik im Debriefing dienen.

    Sie sind deutlich keine(!) Anschaffung für die Öffentlichkeitsarbeit und ich sehe auch keinen Grund warum das teilweise doch intensive Bild- und Tonmaterial unkommentiert (d.h. auch geschnitten und oder verändert) an die Öffentlichkeit getragen werden soll. Sind sie bearbeitet so ist es als Bericht, bzw. Report zu verstehen und Berichterstattung bleibt Aufgabe der Presse und als Trooper soll mir die Kamera für meinen Dienst Nutzen bringen und mich vll. auch mal vor Gericht retten.

    Innerhalb der Truppe gibt es ein schier unendliches Sammelsurium an Ton und Videomaterial, da auch ja vor der Beschaffung nicht wenige mit Helmkameras unterwegs waren.

    Ich kann ja das spezielle Interesse hier von dem doch eher eingrenzbaren Publikum des Blogs nachvollziehen möchte aber allerdings wirklich die Persönlichkeitsrechte des einzelnen hier als Hemmungsgrund ansetzen. Wenn ich mir meine persönlichen Aufnahmen anguck möchte ich nichtmal das meine Familie das sieht, hört wie ich nicht gerade christlich fluche und rumschrei. Geschweige denn die Öffentlichkeit…

    Schuster bleib bei deinen Leisten – ich wüsste auch nicht welchen Informationswert es jetzt für die Öffentlichkeit hat, ein Feuergefecht von einer deutschen oder kanadischen Helmkamera zu sehen. Wichtig ist: Es wird gekämpft so siehts da unten ungefähr aus – analog für alle Truppen. Unsere Kameraden versorgen uns ja mit genug Videomaterial für die Öffentlichkeit….

  5. @Jas

    Ich bin voll bei Ihnen – grundsätzlich.

    Allerdings reicht bei der Deutschen Öffentlichkeit keine Ansage, dass „da unten gekämpft“ wird. Das interessiert und beeindruckt keinen.

    Es braucht, nach meiner Auffassung, Bilder um die Menschen von den Umständen des Einsatzes und den Leistungen der Soldaten zu überzeugen.

    Ganz abgesehen davon, dass „Freaks“(bitte nicht persönlich nehmen) wie wir aus diesem und anderen Blogs, ein Tänzchen machen würden und monatelang Diskussionsmaterial hätten.

  6. @jas

    Jenseits der Frage, ob ich Ihre Ansicht teile (nein): Die Ansage war doch gerade, dass die Kameras für Videos zur öffentlichen Verwendung angeschafft werden sollten…

    @JSG

    Die Karfreitags-Videos entstanden vorher, mit privaten Helmkameras. Erst danach kam die offizielle Ansage, es werde offizielle Helmkameras und freigegebene Videos geben.

  7. Wie ich hörte, sind Sie nicht der einzige, der auf Helmkamera-Videos hier in Deutschland wartet …

  8. @ T. Wiegold

    ich drücke mich mal etwas detaillierter aus:

    Mit Presse meine ich auch durchaus „unsere“ Presse. Was also nicht geschehen soll (und Gott sei Dank auch fast nicht passiert) ist, dass Soldaten ihre Aufnahmen blindlings auf bekannte Videoplattformen hochladen und womöglich noch mit doller Mucke unterlegen….

    Und zu den Aufnahmen die man nutzen kann. Erstmal ist die schiere Anzahl und Umfang des Materials wahnsinnig. So und nun beauftrage ich also einen Redakteur der Öffentlichkeitsarbeit daraus einen sinnvollen „Bericht“ über Gefechte und/oder Vorfälle zusammenzuschneiden, das sowohl authentisch, werbewirksam und unschädlich für alle Beteiligten ist.

    Diese Last (die eine „externe“ Presse zugegebenermaßen nicht so hat) macht das ganze garnicht so einfach – und eines muss man bedenken. Das ist bitte jetzt ohne Polemik zu verstehen:

    – erstmal muss was „berichtenswertes“ passieren
    – dann muss ne Helm- oder Guncam dabei sein
    – die sollte dann auch noch das Geschehnis auffangen (da haperts meistens – Viele Aufnahmen sind nur rekronstutiv auszuwerten für Personen die in der Materie stehen und sich so ein Gefecht auch virtuell vorstellen könnnen)
    – und dann muss ich auch noch ein Interesse daran haben, dass genau DIESES Geschehen auch berichtet wird.

    Wie gesagt hier soll man ja Soldat UND Berichterstatter sein und das halte ich für immer schwierig.

    Mein Tip: US Reportagen aus Kunduz hier erfährt man am Rande auch mal was über die deutschen Einheiten.

    Ich verstehe schon, dass gerade hier in Deutschland Themen aus Afghanistan nur mit großem Medienaufwand realistisch in den Focus gerückt werden können – aber ich sehe hier den Soldaten nicht in der Pflicht.

  9. @Jas

    Ich sehe die Soldaten eigentlich gar nicht in irgendeiner Pflicht. Die Pflicht auszuwerten und zu veröffentlichen, liegt eindeutig bei der Presse. Die Soldaten liefern lediglich Rohmaterial. Ein Bild kann sich der geneigte Zuschauer ja dann selbst machen.

  10. @Jas: Nur eine kleine Anmerkung. Wenn sie schreiben :

    Viele Aufnahmen sind nur rekronstutiv auszuwerten für Personen die in der Materie stehen und sich so ein Gefecht auch virtuell vorstellen könnnen

    Dann ist das zwar für einen Soldaten richtig (was will der denn auch mit Bildern aus dem Einsatz – da muss er ja nur mal vor die „Tür“ gehen). Für die Presse /Öffentlichkeitsarbeit / Öffentlichkeit ist es aber (fast) völlig egal, ob man „versteht“ was da passiert – die Bilder an sich sind das Entscheidende.

    Und auch ich sehe in Anlehnung an @dallisfaction den Soldaten hier natürlich nicht in der Pflicht. Da schon eher den Dienstherren, der auch die Aufgabe hat den Soldaten zuhause richtig darzustellen.

  11. @ all
    JA sie sind beschafft
    JA sie sind ausgeliefert

    NEIN es wird z zt. KEINE Bilder geben…

    Ich „habe gehört“ das die o.g. Weisung nicht wirklich Praxistauglich sein soll.

    Angeblich wird darin festgelegt, dass die mit den Bereitgestellten Helmkameras gemachten Aufnahmen OHNE eine Sichtung durch das Ktgt. unmittelbar und direkt nach Potsdam zu übermitteln sind.

    Das das weder im Interesse der Soldaten die die Aufnahmen gemacht haben, noch im Interesse der verschiedenen Vorgesetzten Ebenen i. E. vom GrpFhr- Kdr Dt Ktgt sein kann ist wohl nachzuvollziehen.

    Sollte das Stimmen dann käme dass „Big Brother Potsdam“ gleich. Wer jemals einen Einsatzstab von Innen gesehen hat, weiß, dass jetzt schon so viele unsinnige und teilw. nicht nachvollziehbare Fragen und Auflagen in den Ensatz kommen, die einen Stab unnötig beschäftigen.
    Neben den vielen Fragen wie: Persönlichkeitsrechte, Qualität, geeigntete Soldaten (die müssen ja auch was zum Filmen haben), über rechtlich Fragen im Hinblick auf Dienstvergehen, Verstöße gegen Vorschriften (Anzug/Ausrüstung) oder Einsatzregeln wäre Kein Schutz der Soldaten gewährleistet.
    Daher „finden“ sich auch nicht viele Soldaten, die dieses Projekt unterstützen…

    Ich finde es daher gut, dass (sollte o. g. Weisung bestehen) dass es keine Aufnahmen gibt…

  12. Vielleicht kann mir ja mal jemand dann die Frage beantworten: Was will man in Potsdam denn mit den Bildern machen? Urlaubsvideos ja wohl kaum, und für eine „Lageeinschätzung“ werden die Bilder ja wohl auch nur sehr bedingt tauglich sein.

  13. Es gibt die Helmkameras und es gibt auch eine Weisung aus einem am Fuße des heiligen Hügels residierenden Kommando (also dem in einem Sumpf stationierten Einsatzführungskommando). Da muss wohl beim Schreiben und der Mitprüfung jemand schlecht gefrühstückt haben, denn von einer direkten Vorlagepflicht ohne Dienstweg nach Potsdam hörte ich auch. Wahrscheinlich haben sich drei Dreisterner (Generalleutnant, Presseoberst und Redakteuroffizier) hochgeschaukelt und gedacht, dass man damit direkt total tolles Videomaterial in die Hände bekommt und dann auf dem intern schulterklopftauglichen finanziell gepushten Youtube-Bundeswehrkanal steil aus der Sonne kommt (muss wohl wer von der Luftwaffe dabei gewesen sein).
    Das Ergebnis sehen wir ja – keins. Ob es allerdings an echten Erwägungen oder schlicht an der Trägheit der Einsatzmasse bei der Umsetzung von „tollen“ Vorgaben liegt, weiß wohl niemand so genau. Aber Transparenz sieht anders aus (siehe Bundespräsident, aber das ist hier soooo OT).

  14. Da fällt mir nur der gute alte Götz zu ein:
    Und saget dem König (in Potsdam), er könne mich… usw. :-)

  15. @ direkte Vorlage ohne Beteiligung des örtlichen Kdr?

    WITZIGE Idee, widerspricht glaube ich nicht nur dem Geist deutscher Führungstradition, sondern auch dem WORTLAUT der 100/100 und dem SINN der 10/1!

  16. Die Helmkameras zeigen doch nur Soldaten beim kaffe kochen und Urlaubsfahrten in dingos, wer will sich denn den langweiligen schmonz angucken? Wer kämpfende soldaten sehen will, der muss bei den anderen nationen gucken!

  17. Eine Kamera aus Amerika? Gab es da nichts von EADS? ;)

    @Peter: In der Lage eventuell, aber wie man in der Vergangenheit gesehen hat (Ablehnung von so machen Projekten): Man will nicht.

    @all: Werden (oder wurden) die Kameras denn jetzt schon verwendet? Oder stehen sie irgendwo im Lager und warten auf den Abzug?

    Wäre auch mal eine interessante Frage in einer passenden Pressekonferenz, denn schließlich wurden die Helmkameras auch deshalb beschafft (so die Aussage im Interview aus dem Juni letzten Jahres, ARD), um Öffentlichkeitsarbeit zu machen. Und wir wollen doch nicht, dass wertvolle Investitionen einfach verloren gehen.

  18. Nach den heutigen Vorwürfen gegen Soldaten des US Marine Corps werden die Verantwortlichen im Potsdamer Sumpf wohl noch kältere Füsse bekommen und den Befehl zur Nutzung der Helmkameras noch detaillierter verfassen…^^

  19. Und jeder, der eine solche Kamera trägt oder als Führer seine Soldaten tragen lässt, auch.

    Denn überall gibt es was zu sehen, worüber man sich aufregen oder jemanden anklagen kann. Das Bild, das Magnus gepostet hat, um die Art der Kamera zu belegen, spricht eigentlich für meine These.

  20. Ich hoffe das die Videos, wenn es welche gibt gut versteckt sind.
    Denn diese würden doch sonst von linken und ehemaligen RAF Sympathisanten hoch gespielt werden. Denn für diese Leute ist doch das Leben unserer Soldaten nichts wert.

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