Die nächsten Puzzle-Steinchen: Das neue BMVg

Die meisten Bundeswehr-Interessierten dürften zwar auf den 26. Oktober warten – an dem Tag will Verteidigungsminister Thomas de Maizière die Planung für die Stationierung und die Standorte der deutschen Streitkräfte bekannt geben. Aber schon vor dieser Entscheidung tut sich ja was: bereits im September gab’s die Grobstruktur der neuen Bundeswehr, und jetzt  ist auch die Struktur des (um im Sprachduktus zu bleiben) neuen Verteidigungsministeriums klar.

Die Zielstruktur BMVg, die zum 1. April kommenden Jahres in Kraft treten soll, sieht also so aus:

(Weil’s doch arg klein ist so: BMVg_Zielstruktur als .pdf)

Der Laden soll vor allem deutlich kleiner werden: zwölf statt bislang 16 Abteilungen und Stäbe – neun Abteilungen, daneben der Leitungsstab, der Presse- und Informationsstab und der Stab Organisation und Revision. 26 statt 40 Unterabteilungen, 161 statt 267 Referate – und am Ende: rund 2.000 statt bislang gut 3.000 Dienstposten. Eine Reduzierung, rechnet das Ministerium vor, um 35 Prozent.

Das Ziel ist, sagt der Organisations-Architekt und Staatssekretär Stéphane Beemelmans, dass wir uns hier nur auf die ministerielle Tätigkeit konzentrieren. Hier wird die Unterstützung des Ministers als Mitglied der Bundesregierung, als Ressortchef und als Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt abgebildet. Nicht mehr und nicht weniger.

Die Kenner werden beim detaillierten Blick in die Kästchen (ich hänge das Gesamtpaket unten an) sicherlich viel mehr Einzelheiten entdecken als ich. Deshalb nur ein grober Überblick: Wie schon bekannt, sind die Inspekteure der Teilstreitkräte und Organisationsbereiche künftig nicht mehr Teil des Ministeriums, und der Generalinspekteur wird truppendienstlicher Vorgesetzter und damit auch tatsächlich Deutschlands oberster Soldat. Angesichts des Primats der Politik wird er allerdings der politischen Führung unterstellt, zugleich wird aber festgelegt: Der Generalinspekteur ist Teil der Leitung des BMVg.

Damit kommt es praktisch zu einer organisatorischen Aufteilung des Ministeriums in drei Säulen (auch wenn, streng genommen, der Generalinspekteur in der Struktur unterhalb der Ebene der Staatssekretäre angesiedelt ist): Die Abteilungen Politik, Haushalt und Controlling und Recht unter dem Staatssekretär Rüdiger Wolf; die Abteilungen Planung, Führung Streitkräfte und Strategie und Einsatz unter dem Generalinspekteur Volker Wieker, die Abteilungen Personal, Ausrüstung Nutzung und Informationstechnik sowie Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen unter dem Staatssekretär Stéphane Beemelmans.

Alle Abteilungen sollen, auch das war schon als Absicht bekannt,  sowohl mit Soldaten als auch mit zivilen Mitarbeitern besetzt werden: Es wird eine sehr viel größere Durchmischung geben, sagt Beemelmans. Dabei gebe es nur sehr wenige Grenzen – zum Beispiel, dass der Generalinspekteur ein Soldat, ein Staatssekretär  ein Zivilist sein müsse. Im Übrigen gibt es grundsätzlich keine Grenzen, die Stellen werden nach Eignung, Befähigung und Leistung besetzt.

Die Zusammenfassung der Abteilungen folgt auch der ebenfalls bereits bekannten Grobstruktur, auffällig ist das Verschwinden des Planungsstabes – bisher immer als Arbeitsmuskel des Ministers angesehen: Er geht in der neuen Abteilung Politik auf, und deren voraussichtlicher Leiter (und bisheriger Planungsstabschef) Ulrich Schlie führt künftig den Titel Politischer Direktor – bewusst als Gegenpart, auf Augenhöhe, zur entsprechenden Position im Auswärtigen Amt angelegt.

Verschwinden wird auch der noch gar nicht so alte Einsatzführungsstab. Dessen strategische Aufgaben landen überwiegend in der Abteilung Strategie und Einsatz, und ein Teil der Aufgaben wird voraussichtlich in das Einsatzführungskommando der Bundeswehr abgeschichtet – so wie manche Tätigkeit, die bislang im Ministerium angesiedelt war, künftig in nachgeordneten Behörden wahrgenommen wird.

Eine Frage, die sich angesichts der verschlankten neuen Struktur sofort aufdrängt, ist natürlich die nach dem künftigen Haupt-Standort des um mehr als ein Drittel geschrumpften Ministeriums. Und die Bonn-Protagonisten in allen Parteien werden sehr argwöhnisch darauf schauen, wie es denn künftig mit dem ersten Dienstsitz des Bundesministeriums der Verteidigung (derzeit laut Gesetz: Bonn) praktisch aussieht. Das ist erst einmal eine Standort-neutrale Struktur, sagt Staatssekretär Beemelmans.

Derzeit hat das BMVg in Berlin 500 Dienstposten, weitere knapp 500 können künftig nach der genehmigten (und finanziell abgesicherten) Planung für die Erweiterung des Bendlerblocks untergebracht werden. Nach unserer Lesart, rechnet Beemelmans vor, sind im Rahmen des geltenden Berlin-Bonn-Gesetzes bis zu 1.250 Dienstposten in Berlin möglich. Das wären nämlich die 25 Prozent der Mitarbeiter, die ein Kabinettsbeschluss aus dem Jahr 1994 dem Ministerium für den zweiten Dienstsitz in der Hauptstadt zubilligt – berechnet nach der damaligen Gesamtzahl von 5.000 Dienstposten. In nächster Zukunft dürfte aber eine Erhöhung auf mehr als 1.000 Leute in Berlin schon an den fehlenden Büros scheitern – selbst wenn ein Teil des Einsatzführungsstabes in das Einsatzführungskommando wechselt. Die Inspekteure der Teilstreitkräfte zum Beispiel dürften nicht nur ihre Zugehörigkeit zum Ministerium verlieren, sondern auch ihre Räume im Bendlerblock. Weil kein Platz da sein wird.

Die vorgesehene Neugliederung des Ministeriums geht jetzt in die vorgeschriebenen Beteiligungs- und Informationsrunden – in Kraft setzen wird sie de Maizière voraussichtlich ungefähr zusammen mit der Bekanntgabe der Standortplanung Ende Oktober. Aber auch wenn die neue Struktur zum 1. April 2012 gilt: bis diese Zielstruktur auch personell eingenommen worden ist, dürfte es noch eine Weile dauern.

Zum Herunterladen und Nachlesen: Sachstand zur Neuorganisation des Bundesministeriums der Verteidigung

 

 

38 Kommentare zu „Die nächsten Puzzle-Steinchen: Das neue BMVg“

  • politisch inkorrekt   |   10. Oktober 2011 - 6:08

    Montag morgen 0600 Uhr. Alles schläft.

    Weit gefehlt. TW arbeitet bereits. Für ihr Engagement kann man sie bewundern.

    pi

  • J. König   |   10. Oktober 2011 - 6:20

    Ähnelt es nicht eher einem Verschiebebahnhof zwischen Bonn und Berlin?
    Alles was nicht mehr in Berlin sein soll findet es sich in Bonn wieder?
    Und was wird eigentliche eingespart? Da werden der FüS und die FüTSK eine Bundesoberbehörde – was wird da eingespart? Die Ministerialzulage? Das Personal bleibt doch und kriegt ein neues Namensschild?

  • SchreckStarr   |   10. Oktober 2011 - 8:29

    @ J. König

    Man muss mal abwarten, inwieweit sich die Veränderungen im BMVg in der Realität auswirken und ob tatsächlich die Ziele erreicht werden, die der BM im Mitarbeiterbrief vom 10.10.11 genannt hat.

    Ich gebe Ihnen allerdings Recht, dass die allgemeine Reduzierung des Dienstpostenumfanges im BMVg von 35 % und die besondere ab A16 aufwärts von über 35 % (S. InfoPaket Neuausrichtung) auch durch Abschichtungen in den nachgeordneten Bereich erzielt werden.
    De facto werden „keine Köpfe“ eingespart, sondern ausgelagert. So klar wird das allerdings nicht gesagt. Undiplomatisch könnte man dies „Augenwischerei“ nennen.

    Dennoch: Positiv gestimmt zusehen, ob jetzt wirklich Zug in den Bendlerblock und auf den Hardtberg kommt.
    (kann gar nicht glauben, dass ich sowas schreiben kann ;)

  • Sascha Stoltenow   |   10. Oktober 2011 - 9:06

    Mit Blick auf die Kommunikationsarbeit erwähnenswert:
    – der ehemalige Arbeitsbereich 3 der Pr-/Infostabes entfällt, stattdessen gibt es den Bereich ÖA/Internet
    – der GI bleibt dem StS unterstellt und hat keine eigene ausgewiesenen Kommunikationsressource für die interne Kommunikation/Truppeninformation
    – Personalmarketing wird nicht zentral geführt, die Personaler dürfen also weiter dilletieren

  • T.Wiegold   |   10. Oktober 2011 - 9:06

    @pi
    (um ehrlich zu sein: vorgeschrieben und auf terminierte Veröffentlichung gesetzt…)

  • Voodoo   |   10. Oktober 2011 - 9:41

    Nichts Neues im Westen… Rüstung bleibt bei einem der Staatssekretäre, die in der Hierarchie über dem GI stehen. Personal und -entwicklung ebenso, es sind also zwei wesentliche Säulen in poilitischer Hand und somit „polititischen Interessen“ unterworfen.
    Das o.a. Konzept wird an den Grabenkriegen innerhalb des Hauses nicht großartig viel ändern.

  • hans schulz   |   10. Oktober 2011 - 12:24

    Sascha Stoltenow
    präzise beobachtet!

    beginnt hier der abschied von der truppeninformation?
    nicht nur der arbeitsbereich 3 „fällt“ komplett , nein auch in der arbeitsbereichsbezeichnung für den neuen AB 2 findet truppeninformation nicht mehr statt.
    nomen est omen.
    die truppeninformation, vielleicht einfach nur vergessen, vielleicht wird damit auch der zunehmende fließende übergang zwischen presse, öa, nwg, truppeninformation vorweg genommen?

  • Sascha Stoltenow   |   10. Oktober 2011 - 13:12

    @hans schulz: Warum das ÖA/Internet heißt, ist mir nicht so klar, denn der AB 2 war ja früher u.a. für die gesamte Veranstaltungskommunikation sowie Jugendoffiziere verantwortlich. Internet als eigenständige Bezeichnung ist auch völlig gaga. Die „Wahrheit“ ist vermutlich, dass man sich das nicht so genau überlegt hat, denn wie will ich bspw. die Abstimmungen zwischen Internet und P-Marketing und der „Kampagne“ Wir dienen Deutschland“ regeln. Das ist einfach nicht sauber durchdacht und soll sich wohl ausmendeln.

    Der eigentliche Fehler ist, dass es immer (noch) keinen Kommunikationschef BW gibt, der dem GI zugeordnet ist und sich für die TrInfo verantwortlich erklärt. Das könnte, nach der neuen Vorgabe, ja auch ein Ziviist sein.

  • Memoria   |   10. Oktober 2011 - 20:22

    Der neue Politikbereich ist wirklich kein Gegengewicht mehr zum Apparat – was ja der Grund für die Gründung des Planungsstab zu Helmut Schmidts Zeiten war.
    Die spätestens seit dem Weggang von Borkenhagen zu beobachtende Niedergang des Planungsstabes wird nun institutionalisiert: Planung ist Redenschreiben und Schöngeisterei ohne Praxisbezug (=Streitkräfteplanung) – siehe Weißbuch. Der Bereich „Strategische Grundlagen und politische Analsysen“ ist hier wohl kein Gegengewicht.
    Wichtiger war wohl mit „Augenhöhe“ mit dem Auswärtigen Amt auf diplomatischem Parkett zu agieren – somit paßt auch die Benennung des Politischen Direktors. Der Planungsstab soltte aber kein Mini-AA für Sicherheitspolitik sein, sondern der „Hausmeister“ des Ministers.
    Die neue Grobtruktur der Bundeswehr ist ja bereits Zeugnis von der Stärke des Apparates.
    Dank der neuen BMVg-Struktur ist der Minister endgültig dem Apparat (mit und ohne Uniform)ausgeliefert („Yes, Minister“). Somit verfehlt die sog. Neuausrichtung – auch hier – das Kernziel: Sie hilft eben nicht dabei den Minister in seiner Arbeit zu unterstützen.

    —-Trennung—

    Interessant wird – mit Blick auf die Verschlankung – auch auf welcher Ebene die AbtLtr unter dem GI eingestuft werden (B9? B6?). Bisher waren sie B6er, aber man muss doch auf Augenhöhe….

  • Klausmüller   |   10. Oktober 2011 - 20:47

    Kann jemand sagen wer in Bonn bleibt und wer nach Berlin muss. Gerüchte sagen
    1000 Berlin und 1000 Bonn und der erste Dienstsitz bleibt natürlich Bonn, weil es Madame so will.
    Nach dem Reförmchen und der Entmachtung der Uniformen kann ja wieder Zivil im BMVg eingeführt werden, damit die Verteidigungsbeamten nicht durch Sterne und Streifen geweckt werden.
    Oh !! mal sehen was der Hugenotte uns zum vorgeschobenen Weihnachten am 26.10 wie schöne Geschenke macht.
    Die Landesfürsten sollen schon alles wissen aber beim Barte von Angie geschworen haben Ihre Landeskinder (Soldaten) nicht vorher zu beschenken!!
    Guttenberg warum hast Du uns alleine gelassen und wie sollen wir den Kampf gegen den Verschlimmbesserer gewinnen???

  • T.Wiegold   |   10. Oktober 2011 - 20:51

    @Klausmüller

    Oben steht doch: Derzeit hat das BMVg in Berlin 500 Dienstposten, weitere knapp 500 können künftig nach der genehmigten (und finanziell abgesicherten) Planung für die Erweiterung des Bendlerblocks untergebracht werden. – also klar ist: 1000 Berlin, 1000 Bonn. Wer wo bleibt, ist vermutbar, aber noch nicht bestätigt.

  • Historiker   |   10. Oktober 2011 - 20:58

    @Memoria: Die Abteilungsleiter unterhalb des GI werden m.E. sicher B9, wie bisher auch (vgl . TSK Insp). Das sieht man auch an den derzeit verantwortlichen Akteuren. Die B6 sind sicher die Unter- oder Stabsabteilungsleiter, wie auch immer sie heissen werden.

  • Memoria   |   10. Oktober 2011 - 20:59

    @klausmüller:
    „… nach der Entmachtung der Uniformen kann ja wieder Zivil im BMVg eingeführt werden, damit die Verteidigungsbeamten nicht durch Sterne und Streifen geweckt werden.“

    Nach meiner Erfahrung tragen die Vertedigungsbeamten nicht nur zivil, sondern auch Sterne und Streifen. Genau die müsste man eben (auch) wecken. Denn die wecken auch niemand, sondern machen jeweils das „mit den Fähnchen“.

    Aber wer weckt den nun den zivilen und militrischen Apparat?
    Der Verschlimmbesserer (sehr treffend!) offensichtlich nicht (siehe neue Struktur).

  • Honkthehorn   |   11. Oktober 2011 - 10:51

    @Memoria
    Ich muss Ihrer Bewertung zustimmen. Dazu passt auch, das der BEAGenInsp aus dem BMVg verschwindet. Zukünftig wird es also nur noch sehr begrenztes, unmittelbares und ungeschöntes Feedback aus der Truppe an den GI geben.

  • Polybos   |   11. Oktober 2011 - 14:11

    @Sascha Stoltenow:

    Die Zusammenlegung des AB2 und AB3 zu einer Abteilung macht durchaus Sinn, wenn man das Internet als Mittel der Öffentlichkeitsarbeit begreift. Schon jetzt wirken Jugendoffiziere (und Wehrdienstberater) auf facebook und im Forum von bundeswehr-karriere.de mit. In der Community von treff.bundeswehr.de fehlt dieser Ansatz allerdings – dort baut man hauptsächlich auf das Engagement der „(Junior-)Experten“, zu denen ich auch gehöre.

  • J. Münster   |   11. Oktober 2011 - 15:13

    @ Honkthehorn u. Memoria

    In dem zur Reform des BmVg enthaltenen Informationsschreiben in der Anlage 1, Pkt 4. kann der GI sich weiterer Gremien bedienen, kann also heißen die ungeschminkte Wahrheit eines BEA hören. Mit den Wehrbematen in Uniform haben sie allerdings recht, hier muss jeder in der Lage sein – wie eigentlich gelernt – klar und deutlich sich zu äußern und auch unbequemes mitunter zu melden… aber das ist eben eine Wiedererlangung der mFähigkeiten, die die Bw in den letzten Jahren echt verlernt hat ;-)

  • Echo   |   11. Oktober 2011 - 17:43

    Einige interessante Details offenbart das Organigramm schon (und damit meine ich nicht die Fragestellung, ob die Abteilungsleiter B9 und die Stabs- bzw. Unterabteilungsleiter B6 sind; in beiden Fällen eindeutig ja):
    Der IT-Direktor des Wehrressorts wird zkünftig von einem Unterabteilungsleiter wahrgenommen (und nicht von einem Abteilungsleiter wie bisher vom Abteilungsleiter Modernisierung). Die Frage ist, ob das den designierten Unterabteilungsleiter stärken, den designierten Abteilungsleiter entlasten soll (der wohl auch der Nationale Rüstungsdirektor ist) oder ob das die Bedeutung widerspiegelt, die dieser Funktion im BMVg beigemessen wird.
    Des Weiteren dürfte, gerade vor dem Hintergund der neu befeuerten Debatte „Export deutscher Leo 2-Kampfpanzer nach Saudi Arabien“, interessant sein, wie das Zusammenspiel der Unterabteilung, die in der neuen Abteilung Politik „Rüstungspolitik“ betreibt, mit den „Aus-Rüstern“, dem Wirtschaftsministerium und dem Auswärtigen Amt funktioniert. Es wird interessant sein zu beobachten, ob sich in diesem Zuge auch zeitnah die Politischen Leitlinien der Bundesregierung zu Rüstungsexporten ändern (siehe auch aktuelle Debatte).
    Es fällt weiterhin auf, dass nur 2 von 9 Abteilungen explizit einen „Stellvertretenden Abteilungsleiter“ ausgeworfen haben (und beim Generalinspekteur). Entlastung des Abteilungsleiters oder Begründung für eine B7-Besoldung (es gibt durchgängig keine „Chefs der Stäbe“ mehr, die bisher mit B7 dotiert waren)? Ich vermute eher Letzteres.

  • Memoria   |   11. Oktober 2011 - 18:22

    @Historiker:
    Ich komme auch zu dem Schluß dass man die militärischen Abteilungen als vollwertige Abteilungen behandelt.
    Bisher waren die Inspekteure aber nicht die AbtLtr des GI.
    Der GI stand dem Fü S als Haupabteilungsleiter vor und der wiederum hatte eben seine Stabsabteilunsgleiter (StAL).
    Nun wird aus dem StAL Fü S VI ein AbtLtr (Planung) mit B 9 und er bekommt natürlich 3 Unterabteilungen bzw. Stabsabteilungen.
    Also der Bereich des GI wird dadurch nicht wirklich schlanker, sondern wird erheblich aufgebläht.. äh… aufgewertet. Das mag ja aber für das Gesamtgefüge im BMVg sogar positiv sein.

    @Echo:
    Der Bereich (Unterabteilung, Gruppe, Arbeitsbereich?) Rüstungspolitik in der Abteilung Politik ist wohl der Nachfolger des entsprechenden Arbeitsbereiches im Planungsstab (der war bisher halt nur nicht so bekannt), die prominente Bezeichnung hat mich auch überrascht.
    Es aus meiner Sicht hier jedoch bei den gleichen Spielern (BKAmt, BMVg, AA, BMWi) geblieben.

  • Stefan   |   11. Oktober 2011 - 22:13

    Der Chef des Generalstabes (Generalinspekteur) gehört dem IBuK direkt unterstellt. Damit ist er einem Politiker (der Politik) unterstellt und nicht einem Berufsbeamten in Person eines ungewählten zivilen Staatssekretärs.

  • Roman   |   11. Oktober 2011 - 22:50

    @ Stefan

    Verstehe ich nicht. Der IBuk ist genauso ungewählt und zivil. Ist das was schlechtes? Muss man daran sterben oder ist man deswegen dümmer? Zudem ist der Staatssekretär, zumindest einer davon auch der bevollmächtigte Vertreter des IBuk in dessen Abwesenheit. Wollen Sie das wirklich in die Hand eines Soldaten legen? Desweiteren ist dies auch eine politisch durchaus gewollte Sicherungslinie um den IBuk vor einem Sturz zu schützen. Klappt nicht immer, schließlich konnte Kossendey (der im übrigen gewählt ist) nicht so wirklich glaubhaft mit der Doktorarbeit in Verbindung gebracht werden. Aber zumindest bei internen Krisen klappt das.

  • JeffCostello   |   11. Oktober 2011 - 22:56

    @ Stefan
    Sie irren sich: Die Unterstellung unter einen politischen Beamten bedeutet die Chance Kontinuität und Verantwortung im GI zu bewahren. Ohne StS als Puffer, würde er selbst politisiert und bei einem Wechsel ausgetauscht.
    Für die Personalpolitzik bedeutet das die Chance einen echten Fachmann nach vorne ztu bringen.
    Im übrigen bin ich nicht der Meinung dass einer nur gut ist wenn er Uniform trägt.
    Immerhin haben die Deutschen Militärs neben Moltke und Clausewitz auch einen Keitel und einen Jodl hervorgebracht.

  • Roman   |   11. Oktober 2011 - 23:06

    @ JeffCostello

    Ohne jetzt einen Nebenkriegsschauplatz zu eröffnen und ohne die Kriegsverbrechen der beiden zu vergessen waren beide Negativbeispiele durchaus solide mititärische Fachmänner, also keine Deppen oder überalterte Adlige ohne Können. Selbst um das Böse zu planen, durchzuführen und zu kontrollieren muss man was auf dem Kasten haben.

  • JeffCostello   |   11. Oktober 2011 - 23:17

    @ Roman
    Sie unterliegen der Propaganda:
    Beide haben an verantwortlicher Stelle klassisch versagt. Keitel hatte seinen Spitznamen LaKeitel nicht ohne Grund; Jodl war mit der Koordination der Kriegsschauplätze überfordert. Die Zusammenarbeit OKW/OKH ist ein klassisches Bild von Organisationsversagen.

  • Roman   |   11. Oktober 2011 - 23:23

    Können wir uns auf zwei gute Beispiele des Peter-Prinzips einigen? Den Titel GröFaZ konnte schließlich nicht irgendwer vergeben.

  • Stefan   |   12. Oktober 2011 - 3:24

    @Roman | 11. Oktober 2011 – 22:50
    Der Verteidigungsminister (IBuK im Frieden) und der Bundeskanzler (IBuK im Krieg) sind im Gegensatz zu einem Staatssekretär (Berufsbeamten) demokratisch legitimiert und im Gegensatz zu einem Berufsbeamten „Angehörige der Politik“. Der Stabschef (Chef des Generalstabes / Generalinspekteur) ist immer dem Kommandeur (IBuK) direkt unterstellt.

  • SchreckStarr   |   12. Oktober 2011 - 8:04

    @ Honkthehorn

    Die Wertschätzung des BEAGenInsp durch denjenigen, für den die Berichte der Beobachtungsbesuche geschrieben werden, zeigt sich seit einiger Zeit an vielen kleinen Details (u. a. seit wie vielen Monaten ist der DP des BEA selbst nun nicht nachbesetzt? Erste Abschichtung aus dem Bendlerblock heraus in die Peripherie Berlins. Zweite Abschichtung wohl nun ganz aus dem BMVg heraus).

    Ein klares Bekenntnis des GenInsp zu „seinem“ BEAGenInsp und ein deutliches Zeichen, dass ungeschönte, direkte Truppenmeinung in den Führungsebenen auch weiterhin wirklich gefragt ist, sehen meiner Meinung nach anders aus.
    Vom Zeichen, dass durch die Abschichtung in die Truppe gesendet wird, spreche ich erst gar nicht.

    Sie haben also leider wohl Recht.

  • Honkthehorn   |   12. Oktober 2011 - 10:33

    @SchreckStarr

    Um Ihre Frage zu beantworten:
    Der Dienstposten des BEAGenInsp ist meines Wissens nach wie vor besetzt. Der Dienstposteninhaber wurde nur vor rund 12 Monaten zum Beauftragen für Posttraumatische Belastungsstörungen gemacht und nimmt diese Aufgabe seit dieser Zeitpunkt ausschließlich wahr. Will sagen, einen neuen BEAGenInsp kann es augenblicklich gar nicht geben.
    Die Wertschätzung der Arbeit des BEA steigt und fällt zwangsläufig personenabhängig von jeweiligen GI. Um die Funktion als Pulsmesser an der Schlagader der Truppe zu den Themenbereichen Erziehung, Ausbildung, Führung und Führungskultur sowie Rahmenbedingungen des Dienstes (ein weites Feld) wirklich unabhängig ausüben zu können war aber die bisherige Unterstellung direkt und ohne Zwischenvorgesetzte unter den GI essentiell. Nebenbei bemerkt, der BEAGenInsp wurde in der Vergangenheit schon einmal aus dem BMVg erfolglos abgeschichtet, damals ins Streitkräfteamt.
    Das der BEAGenInsp mit diesem Aufgabengebiet und den daraus gewonnenen Erkenntnissen und Berichten vermutlich im restlichen BMVg das eine oder andere Mal nicht sonderlich beliebt gewesen sein mag, liegt für mich auf der Hand.
    Wenn er seine Aufgabe gewissenhaft wahrgenommen hat (und davon gehe ich mal aus) waren diese Berichte wahrscheinlich oftmals eher ……. unschön für die Vorgesetzten ?!
    Jetzt erschien die Gelegenheit wohl günstig und wenn der GI nicht die Hand über „seinen“ BEA hält auch einfach. Aber bei der Bundeswehr ist Outsourcing seit Jahren ein grosses Thema, wie wir alle wissen.
    Warum also diese ungeschönten Erkenntnisse und den Orginalton Truppe also nicht an den Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages outscourcen?

  • SchreckStarr   |   12. Oktober 2011 - 13:25

    @ Honkthehorn

    Eine Frage hatte ich eigentlich nicht gestellt, sondern festgestellt. Aber das nur am Rande …

    Mit geht es um die Außenwirkung in die Truppe hinein mit der tatsächlichen Nähe des BEA zum GenInsp (immer wieder während der Beobachtungs- u. Informationsbesuche genannt) und darum, dass viele Jahre – durchaus mit Erfolg – das Referat BEAGenInsp mit B6 und B3 besetzt war.
    Nun geht es seit Ende 2010 auch „nur“ mit einem B3er. Die räumliche Nähe zum GenInsp wurde ebenfalls aufgeweicht und bald geht es nun vielleicht „ganz raus aus dem BMVg“.
    Die Arbeit des BEA zu SKA-Zeiten war qualitativ genau so gut wie jetzt.

    Mich lassen die Signale, die nun im Rahmen der neuen Struktur durch eine eventuelle Abschichtung ausgesendet werden könnten, dennoch rätseln und genau das wollte ich anmerken.

    Aber ich weiche sicher zu sehr vom Hauptthema des Blogs „Das neue BMVg“ ab. Sorry.

  • Soenke Marahrens   |   12. Oktober 2011 - 18:33

    Man kann es aber auch so sehen;

    Da der GI nun Vorgesetzter aller Soldaten ist, braucht er keinen BEA mehr!

    In Zukunft heisst es, der GI kommt zur Dienstaufsicht!

  • Historiker   |   12. Oktober 2011 - 18:40

    @ Soenke Marahrens

    Danke, genau so sollte man es vielleicht sehen. Der BEA nahm, über Umwege, da der GI nicht Vorgesetzter nach § 1 VorgVO war, ein Inspektionsrecht wahr. Das kann der GI jetzt direkt machen. Ob er es aufgrund der Aufgabenvielfalt u.a. Berater der Regierung, usw. auch wirklich kann, werden wir sehen.

  • Honkthehorn   |   12. Oktober 2011 - 20:49

    Das Inspektionsrecht über die Streitkräfte hatte der GI vorher auch schon. Der BEAGenInsp unterstützt ihn dabei dieses Recht wahrzunehmen. Das alles wird sich wahrscheinlich auch nicht ändern. Ich teile nur die SchreckStarrs Befürchtung bezüglich der Signal- und Auswirkung bei der Truppe. Direktes Vorspracherecht ist in den Augen eines Soldaten eben nicht das gleiche wie direkte Unterstellung unter den GI.

  • MFG   |   12. Oktober 2011 - 21:21

    @Honkthehorn
    Weiß die Truppe denn überhaupt, wem der BEAGenInsp unterstellt ist? Ich habe den Herrn mal in einem (für ihn) artfremden Einsatz auf Besuch erlebt, und es hieß nur, dass der BEA kommt. Und der war bzw. ist eben General. Das reicht der Truppe eigentlich.

    Und vor allem dieser BEA dürfte dabei mit seiner menschlichen Art und der Fähigkeit, einfach mal durch die Gegend zu wandern und den Soldaten zuzuhören, sehr gut angekommen sein und auch viel erfahren haben.

  • Roman   |   12. Oktober 2011 - 21:40

    Naja, manchmal war der BEA auch schon ein komischer Kauz, allerdings hat sein Besuch immer schön für Angst bei den Vorgesetzten, insbesondere bei den Kommandeuren geführt.

  • Roman   |   12. Oktober 2011 - 21:45

    Kleine Frage nebenbei:

    Da ich vermute, das TW nicht der Ersteller des Schaubildes ist: Ist der Verweis in diesem Wikiartikel hier in das Blog als Quelle legitim oder sollte nicht eher die ursprüngliche Quelle, also vmtl. das BMVg genannt werden. :http://de.wikipedia.org/wiki/Generalinspekteur_der_Bundeswehr

  • SchreckStarr   |   12. Oktober 2011 - 21:55

    @ MFG

    Die Soldatinnen und Soldaten, die an den Gesprächskreisen teilnehmen und somit – unmittelbar – mit dem BEA oder dem StvBEA sprechen, werden in einer Einleitung informiert, wie es sich mit der Nähe zum GenInsp verhält. Und das kommt eigentlich immer gut an …

    Es ist tatsächlich ein Unterschied, ob ein Dienstaufsichts-Besuch durch einen Vorgesetzten durchgeführt wird oder ob „der BEA kommt“ und beim „in der Gegend rumwandern und während der Gesprächskreise ein paar Fragen stellt“.
    Die Informationen, die der BEA dadurch erhält, sind schon ziemlich gehaltvoll, breit in die Tiefe gehend und mit manchmal durchschlagender Wirkung.

  • T.Wiegold   |   13. Oktober 2011 - 0:43

    @Roman

    Im Prinzip ja. Sagt jemand Wikipedia Bescheid?

  • Schraubendrehn   |   14. Oktober 2011 - 20:04

    Ein Aspekt, der noch nicht gebloggt wurde, ist das Eindampfen der Ruestung, insbesondere beim Management (inkl. Nutzung) der grossen WaSys. Es gab dereinst Zeiten, als milliardenschwere Projekte im BMVg gefuehrt wurden. Es gab StALs in den Fue TSK und Rue Projekte, die dann zu Rue Management fusioniert wurden. Hier waren auch integrierte OrgElem ziv / mil. Seltsam, die Uniformierten waren spaeter in der Masse verschwunden (Art 87b). Zuletzt gab es in der Rue immerhin je eine Unterabteilung fuer Luft, Land etc. Neue Struktur: Alle Systeme (See, Land, Luft) aus einer einzigen Unterabteilung – inklusive Nutzung. Z.B ein einziges Referat zur Fachaufsicht Eurofighter, A400, NH90, TIGER etc. Dafuer jede Menge Querschnittswasserkopf an anderer Stelle, um z.B. dem AA paroli zu bieten? Fazit: Beim Mat scheint nur Ruestungspolitik relevant wahrgenommen zu werden. Es ist also erklaerbar, dass wir bei den Systemen da stehen, wo wir stehen. Die Politik nimmt Systemmanagent – sichtbar in OrgEntscheidungen – nicht hinreichend ernst.

  • Memoria   |   14. Oktober 2011 - 20:36

    @Schraubendrehn:
    Das Eindampfen der Rü ist auf jeden Fall bemerkenswert: Da bleibt wohl nur noch eine Unterabteilung – wo bisher gerade die UAL Rü V, VI, VII beinah nach Belieben schalten und walten konnten.
    Aber anderherum gedacht: Warum muss Rü-Mikromanagment im BMVg stattfinden? Einen sachlich-fachlichen Grund kann ich hierfür nicht erkennen. Zumal die Ämterebene ja auch nach der Neuausrichtung recht großzügig bemessen sein wird. Bisher haben sich die Ebenen nach meinem Eindruck eher blockiert als geholfen. Und der Bereich Rüstungspolitik in der Politikabteilung ist n.m.E. nicht überzubewerten, den gibt es bisher ja auch nur nicht so klar benannt.