Munition ist das Mindeste

Dass Stéphane Beemelmans, Staatssekretär im Verteidigungsministerium und ein enger Vertrauter von Minister Thomas de Maizière, am Dienstagabend vor vollem Haus in der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) schon mal Details der anstehenden Neuausrichtung der Bundeswehr verraten würde, hat vermutlich niemand erwartet. Und wenn, enttäuschte der Redner die Erwartung gleich zu Beginn: Vielleicht erfahren Sie noch was Geheimes dabei – das wird dann grob fahrlässig sein.

Deshalb war die Rede des Staatssekretärs auch wenig überraschend – auch wenn ich vermute, dass man manche seiner Aussagen vielleicht erst retrospektiv, nach Bekanntgabe der ganzen Details später im Herbst, wird richtig einordnen können. Wie zum Beispiel die Ansage von der Begrenzung der Ressourcen auf das, was für den Einsatz nötig ist. Oder, noch mal genauer: Das Notwendige ist der Einsatz und die Übung, und das ergibt immer noch 70 Prozent dessen, was wir jetzt haben. Oder, auf die Nachfrage eines Industrievertreters: Wir werden nicht jedes Bataillon mit Dingos ausstatten, und wir werden weniger Bataillone haben.

Da wird man dann irgendwann im Oktober sehen, was es nun wirklich bedeutet, dass in einer Einheit nicht mehr alles vorgehalten wird, was für einen Einsatz nötig ist. Wenn also der Umfang des Einsatz-Materials, nicht die Zahl der Soldaten die Einsatzumfänge bestimmt – wenn ich das denn so richtig verstanden habe.

Auch bei der – zu erwartenden – Frage nach der Zuordnung der Hubschrauber zu den Teilstreitkräften blieb der Staatssekretär hinreichend kryptisch mit der Antwort: Da greifen Sie zu tief in die Überlegungen ein, die zur Zeit noch im Hause sind. Aber das Problem sei der Betrieb einer Vielzahl von Modellen, nicht, wer sie führt. Und wenn ein Admiral sage, er wolle andere Helikopter als ein General.

Für die spätere Retrospektive hebe ich deshalb den kompletten Redemitschnitt mal auf; aber einen kleinen Ausschnitt stelle ich schon jetzt hier ein: Die Antwort Beemelmans‘ auf die Frage, wie denn künftig Munitionsengpässe vermieden werden könnten. Da zeigt sich, scheint mir, im Kleinen, wie der Laden im Großen umgebaut werden soll.

Beemelmans DGAP 13.9.2011: Munition (mp3)

(Direktlink: http://audioboo.fm/boos/469330-beemelmans-dgap-13-9-2011-munition)

Und als Nachtrag noch Beemelmans‘ Antwort auf die Frage, warum nicht alle Hubschrauber der Bundeswehr unter einheitlicher Führung zusammengefasst werden, um Synergien zu nutzen:

Beemelmans DGAP 13.9.2011: Hubschrauber (mp3)

(Direktlink: http://audioboo.fm/boos/469429-beemelmans-dgap-13-9-2011-hubschrauber)

Nachtrag: Der Verband der Beamten der Bundeswehr läuft nicht nur gegen die vorgesehene Reduzierung der zivilen Mitarbeiter Sturm, er wirft Beemelmans auch die Planung verfassungswidrigen Auslagerns von Aufgaben aus dem BMVg vor.

38 Gedanken zu „Munition ist das Mindeste

  1. Und dieses Mindeste (Mun für Handwaffen) ist seit Jahren Mangelware…
    Richtig, da ist schon vor Jahren mehrfach – und nicht nur einmal – falsch geplant worden und alle Hinweise hierauf wurden weggewischt… Am Ende muss ein HG dem Staatssekretär sagen was Sache ist – auch bezeichnend.
    Diese Probleme kamen 2008 auf – nicht erst 2010 – man hätte es also schon viel früher wissen können… eine Bankrotterklärung einer Armee….
    Eine Armee die Munition für die kämpfende Truppe für unwichtig erachtet ist keine Armee. Konsequenzen bei B6 aufwärts?
    Und: Ist der Mangel wirklich abgestellt? Ich habe nicht den Eindruck.

  2. Ausgesprochen schade, dass nur der Ausschnitt eingestellt wurde. Es wäre sicher interessant gewesen, im O-Ton zu hören, was er sonst so gesagt hat. Der Hinweis mit den Hubschraubern scheint ja wohl gegen die Marine zu gehen, die den MH 90 nicht will. Darüber hinaus scheint ein Prozess des Nachdenkens begonnen zu haben, der ihn immerhin zu der Aussage verleitete, dass nicht das Problem sei, wer die Hubschrauberverbände führt, sondern die Vielzahl von Modellen. Wenn es denn kein Problem ist, wer sie führt, dann ist der Weg zur Unterstellung unter ein gemeinsames Kommando recht kurz, denn das spart Geld, was immer auch die militärische Führung dagegen behaupten mag. Nimmt man noch die Rede des Ministers hinzu, in der er der Industrie anbot neue Aufträge zu erteilen, wenn diese nicht auf alte Liefervereinbarungen besteht,dann spricht eigentlich Vieles gegen die in der Priorisierungsliste für Materialinvestitionen geplanten querschnittlichen Kürzungen beim Großgerät. Vielleicht gibt es doch drei NH 90 Verbände und die betagten CH 53 laufen in den Standorten aus. Auf Nachfolgemuster zu planen scheint mir wenig zukunftsträchtig. Schaun mer mal.

  3. Hm. 90 Minuten. Da habe ich mich gegen entschieden…

    Schaue mal, was ich die Tage noch als Ausschnitte vielleicht einstelle. Ist halt auch bisschen zeitintensiv, so was zu machen.

  4. Wo liegt das Problem, eine 90 minütige MP3 Datei zur Verfügung zu stellen?
    Die Leserschaft würde das sicherlich brennend interessieren.

  5. @Schleppi

    Na gut, siehe oben.

    @Michael
    Dass audioboo keine 90min am Stück zulässt. Ich müsste es halbwegs sinnvoll aufteilen und war heute verdammt lange unterwegs… (Meinen Sie wirklich, dass sich viele 90 Minuten StS anhören wollen?)

  6. Interessant erschien mir die Reaktion der verschiedenen Stabsoffiziere im Saale, als das Thema der Straffung der Kommando- und Stabsstrukturen angesprochen wurde sowie die Verkleinerung des BMVg. Insbesondere die Abschaffung der vielen Strukturen, die nebeneinander laufen und das Aufklaren des Organigramms des BMVg mit einer Versammlung von Kompetenzen für jeweils einen Aufgabenbereich in eine Hand erweckte bei manchen doch Kopfschütteln und Entsetzen. Im Übrigen fand ich die Metapher des Ballspiels des Herrn Staatssekretärs dafür sehr schön.

    Auch wenn keine neuen Daten oder Fakten präsentiert wurden, kann man meines Erachtens dennoch das Fazit ziehen, dass Herr Beemelmans ein Mann der klaren Worte ist. „Die Befähigung zum Kampf muss der oberste Maßstab der Bundeswehr sein.“ „Das Notwendige ist der Einsatz und die Übung.“ „Wir wollen besser werden, also muss die Rüstungsindustrie auch besser werden.“ Ich bin zuversichtlich, dass auch klare Taten folgen werden.

    Ein wenig beängstigend bewerte ich dennoch den etwas lockeren Umgang mit dem Konzept der Inneren Führung. Ich hoffe, dass bei einer Verschärfung des Mottos „Vom Einsatz her Denken“ die normativen, ethischen und politischen Unterrichtsinhalte auf den Schulen und Akademien nicht zu Gunsten von Militärtaktik und -handwerk gänzlich in den Hintergrund treten. Die Gefahr einer sog. Kriegermentalität bewerte ich bei einer Freiwilligen- und Einsatzarmee als realistisch.

  7. Wenn sich die anderen 86 min so ähnlich anhören, wie die hier reingestellten Ausschnitte, kann ich mir nicht vorstellen, dass diese wesentlich zu einem Erkenntnisgewinn beitragen würden. Politsprech und Um-den-heißen-Brei-Gerede, gepaart mit dem verweifelten Versuch nichts zu verraten, was da denn so kommen könnte.
    Apropos MH 90: Würde die Firma Eurocopter der Marine einen brauchbaren Hubschrauber auf den Hof stellen, würde dieser sicher nicht abgewiesen werden. So ganz ohne Not wurden andere Hersteller sicher nicht nach Angeboten abgefragt, oder sehe ich das falsch?

  8. Bei den Hubschraubern geht es auch darum, das jede Teilstreitkraft ihre eigene Version des selben Hubschraubers haben will. Eine vom Heer unterschiedliche Version der Luftwaffe vom NH90, hätte man sich echt sparen können.

  9. Wenn man einen 40jährigen Hubschrauber ersetzt dann möchte man sich auch verbessern und nicht verschlechtern. Nur schick aussehen und Hochglanzprospekte reichen da nicht.
    Und nicht nur der Admiral sondern auch die Truppe ist mit dem dargebotenen nicht zufrieden. Wenn auf dem Weltmarkt was besseres zur Verfügung stehen sollte dann sollte das auch in Betracht gezogen werden, auch wenn es nicht von der Firma mit den vier Buchstaben kommt und mit amerikanischen Dollars bezahlt werden müsste.

  10. Die ersten 45 Minuten wären dann auch im Kern eine Wiederholung der VPR, Eckpunkte, des Weise Berichts… kein Muss. Ein paar Ausschnitte aus der 2. Hälfte sollten doch reichen. Interessant fand ich, dass er zur Frage des Haushalts – bedenkt man, dass die Veranstaltung „mehr leistung für weniger geld?“ – recht wenig gesagt hat: Die Sparvorgaben werden eingehalten. Der einzige Unterschied ist, dass wir 1 Mrd. im EP60 bekommen, die uns erlauben Personalkosten aus dem EP14 auszulagern & dieses Geld in Beschaffung zu investieren. Wie dann die Sparvorgaben eingehalten werden verstehe ich noch nicht so ganz. @TW Falls Sie über die Stelle stolpern, wäre das ein Mitschnitt, der mich doch interessieren würde.

  11. Ab ~3min10sec: „Der Besteller von Gewehrmunition ist rangmäßig nicht so wichtig gewesen wie der Stratege der irgendwie die Spitzenposten zu besetzen hatte“

    Da haben wir doch den Grund, weshalb das mit der Beschaffung von Gewehrmunition nicht geklappt hat(te). Der Besteller hatte einfach einen zu niedrigen Dienstgrad und konnte aufgrund von Geldsorgen und Minderwertigkeitsgefühlen gegenüber den anderen „Strategen“ und „Beschaffern“ nicht optimal handeln.
    Einfache Lösung: Der Beschaffer für Gewehrmunition wird einige Dienstränge und Besoldungsgruppen hochgestuft und schon läufts. Ist ja fakt und bewiesen, dass jeder UmP oder Offz mehr schafft als der gemeine Mannschafter…

    Außerdem steigen mit dem Dienstgrad die Anweisungs-/Befehlsbefugnisse – die Entscheidungsfreude nimmt allerdings ab. Im Heeresamt darf dann halt nur der Offz&Gruppenleiter entscheiden; sein HptFw bzw. StFw darf keine eigenen Entscheidungen treffen wenn „Cheffe“ mal eine Woche Urlaub hat. Da entscheidet die Truppe (StUffz/OFw/HptFw) halt selbst…

  12. Offtopic: Den NH-90 würde ich auch nicht wollen…

    Zum Thema Munition & Ausbildung: Noch weniger? Da ist jetzt schon nicht genug. Ich habe in meiner (leider) ausnehmend kurzen Zeit als aktiver Soldat in zwei Grundausbildungskompanien zweier verschiedener Truppengattungen des Heeres (in zwei verschiedenen Strukturen, was die Einsatzparameter angeht) an zwei Standorten in zwei Bundesländern Dienst getan. In beiden Fällen wurden die Stammsoldaten mit Masse an der MP2-A1 (ja, das ist die alte Uzi, die in der Bundeswehr tatsächlich noch in den WaKas rumliegt) ausgebildet, wenn die P8 nicht ohnehin ihre StAN-Waffe war. Der Grund: Die MP2 nutzt, ebenso wie die P8, das Parabellum-Kaliber. So bleibt die ganze 5.56x45mm Mun für die G36-Ausbildung der Rekruten übrig (die Gefreiten und Dienstgrade haben die Waffe ja auch in ihrer AGA gesehen…), die dafür einfach kaum mit der P8 schießen. Bedauerlicherweise unterscheidet sich die Anzahl abgegebener (scharfer) Schüsse G36/P8 bei einem Rekruten meiner Erfahrung nach nicht maßgeblich…

  13. Nochmal zum Hubschrauber: Hat sich der StS mal Gedanken darüber gemacht, warum der Admiral einen anderen Hubschrauber fordert als der General?
    Sicherlich nicht, weil er unbedingt sein eigenes Ding drehen will, sondern weil die von der Industrie angebotene Lösung nichts taugt.
    Wer den Einsatz der Hubschrauber über Land mit dem über See vergleicht, tut Selbiges mit Äpfeln und Birnen. Beide kann man essen, das war es dann aber auch schon.
    War nicht die Ansage, dass der Auftrag sich nicht nach den finanziellen Möglichkeiten definieren soll? Müsste es nicht eigentlich genau anders herum sein? Hat man sich davon schon wieder verabschiedet? Sicherlich soll kein Geld verschleudert werden, aber die Prämisse der Betriebswirtschaft kann bei einer Armee nur zu kurz greifen.
    Fehlt nur noch eine Einschätzung zur Gewinnerwartung….

  14. bzgl MH vs. NH … es geht hier nicht um den „gleichen“ hubschrauber sondern die gleiche Flugzelle. der große NATO-partner fliegt ja auch den Blackhawk auf dem trockenen und den Seahawk auf See.
    man kann so eine adaption natürlich auch grandios verkacken, aber ganz ausschließen sollte man solche Modelle auch nicht.

  15. @ TomTom
    „Fehlt nur noch eine Einschätzung zur Gewinnerwartung….“ Aber Hallo! Auch bei der Bundeswehr muss sich so mancher (der mit Controlling befasst ist) über Wertschöpfungsketten und ähnlichen Gedanken machen … das ist kein Witz; sondern beschäftigt Offiziere und Stabsoffiziere ungemein.

  16. Solange es über 2000 RKs (Reservistengemeinschaften) und RAGs (Reservistenarbeitsgemeinschaften) des VdRBw landauf und landab jede Woche möglich ist auf irgendeiner Standortschießanlage oder gar Truppenübungsplatz möglich ist in ihrer beorderungsunabhängigen, freiwilligen Reservistenarbeit ihres eingetragenen Vereins ( VdRBw e.V.) Unmengen an Munition zu verschießen, solange kann es doch mit Meldungen über zu wenig Munition für Übung und Einsatz der aktiven Truppe doch nur eine Zeitungsente sein oder?

  17. Haben Reservisten Möglichkeiten, so oft schießen zu gehen?
    Wenn ja, sollte ich mich darauf irgendwie freuen – dann schieße ich weitaus öfters als derzeit!!!

  18. @McKenzie

    Was haben die Verbandsveranstaltungen des VdRBw e.V. mit den Reservistenschießen als dienstliche Veranstaltungen der Bundeswehr (unter Aufsicht der Landeskommandos) zu tun?

    Auch ohne Mitglied in einer RK zu sein, kann jeder Reservist sich zu einem Schießen in der freiwilligen, beorderungsunabhängigen Reservistenarbeit über den Feldwebel, Reservistenangelegenheiten im Landeskommando zu den ausgeschriebenen Terminen anmelden.

    Für Sachsen gab es dieses Jahr 2!! reguläre Schießen mit geringem Munitionsansatz (1000 Schuss) und ein Landesschießwettkampf. Im nächsten Jahr ist nur noch der Wettkampf geplant. Auch dazu ist der Munitionsansatz eher gering. Falls dies in anderen Bundesländern besser aussieht, freut es mich für diese. Meiner Meinung nach ist aber das Üben von Schießfertigkeiten für die allgemeine Reserve noch eine sinnvolle Verwendung. Ich profitiere von diesen Erfahrungen auch bei den Schießen mit meinem Beorderungstruppenteil. Sonst gerät man ja völlig aus der Übung und kann gleich wieder mit der Grundeinweisung „Gutes Ende, Böses Ende“ beginnen.

  19. Meine diesjährige Erfahrung als Reservist ist, dass ich um dreimal im Jahr schiessen zu können, alle (un-)möglichen Hebel in Bewegung setzen und (sehr) viel Fahrerei auf mich nehmen musste. Danke an die, die es mir dennoch ermöglichten.

  20. Für den Bereich Thüringen kann ich für die freiwillige unbeorderte Reservistenarbeit feststellen, dass hier fast keine Gefechtsmunition verschossen wird.
    1. wird überwiegend am AGSHP geübt
    2. wird wegen der unbezahlbaren Überstunden beim (notwendigen) Regiepersonal auf Schießen meist verzichtet.
    3. DIe 7,62mm ist knapp, nicht weil zuwenig da ist, sondern weil erst händisch sortiert werden muß wegen Lagerungsschäden. Dafür wurden unlängst sogar Reservisten über den VdRBw gesucht.

  21. @phillrt
    Wenn es zu wenig Munition gibt, dann liegt es wohl an den mangelhaften Finanzressourcen der Bw. Also stellt sich die Frage wie ich die wenigen Ressourcen sinnvoll (zielführend) verteile. Eine kleine ABC-Analyse (BWL-Grundstudium) würde da schon mal weiterhelfen. A=Einsatz, B=Einsatzvorbereitung … XYZ= beorderungsunabhängige, freiwillige Reservistenarbeit.
    Will damit sagen, dass diese Bedarfsträger doch am Ende der Nahrungskette stehen, da diese nicht einmal mittelbar für die Kernfähigkeiten der Bw zur Verfügung stehen.
    Bsp.: Stand Ende 2010 hatte der VdRBw über 122.000 Mitglieder. Bei der Bw gibt es ca. 95.000 Beorderungsdienstposten für Reservisten, von denen bis heute nur etwa 50% (~ 48.000) besetzt sind. Von diesen ca. 48.000 beorderten Reservisten ist ein erheblicher Teil noch nicht einmal Mitglied im VdRBw).
    Außer dem parlamentarischen Auftrag der Mittlerfunktion des VdRBw zwischen Bw und Gesellschaft bringt dieser Verein an Personal zur unmittelbaren Unterstützung der aktiven Truppe also recht wenig und wenn ich bekanntermaßen zu wenig Ressourcen habe, dann muss ich eben diese intelligent verteilen. Für die Schießausbildung (Betonung liegt auf Ausbildung) über den VdRBw bleibt dann immer noch Waffendrill, Schießlehre, AGSHP, aber eben keine scharfe Munition mehr. Eventuell für viele Resis bitter, aber das wäre Prioritätensetzung in Zeiten knapper Kassen.

  22. @McKenzie
    Da man als Verbandsmitglied keine Waffen der Bundeswehr benutzen darf, ist es dem Verband auch nicht möglich, diese Ausbildungen außer Schießlehre zu leisten. Für alles andere muss meiner Meinung nach eine DVag eingerichtet werden, da Bw-Waffen in die Hand genommen werden. (So zumindest die Faktenlage in Sachsen)

    Ich wollte nur darauf hinweisen, dass der VdRBw e.V. und die beorderungsunabhängige Reservistenarbeit eigentlich zwei vollkommen getrennte Organisationen sind.

    Ich stimme zu, das die Mittelverwendung im Rahmen der Reservistenarbeit (beordert und unbeordert) auf den Prüfstand gehört. (Dazu nur der Hinweis auf die Deutsche Reservistenmeisterschaft nächstes Wochenende, dort wird mehr Geld verbraucht als bei mehreren Schießen)
    Für weitere Informationen wie es mit der Reserve weitergeht ,warte ich aber immer noch auf ein Konzept aus dem BMVg. Zur Zeit ist dort mMn kein Konzept erkennbar.

  23. Leider erst jetzt, da ich gestern dann doch müde war :-). Danke für den Mitschnitt. Es sind schon einige Aspekte genannt worden. Heimlich hatte ich gehofft, dass der Staatssekretär inzwischen erkannt hätte,dass es in der Tat nicht darauf ankommt, welche Uniform derjenige trägt, der die Kräfte führt, es aber einen ganz erheblichen Unterschied macht, ob alle in einer TSK/Org Bereich oder zersplittert in einigen vorhanden sind. Dazu braucht man den Rat von Fachleuten. Und die einseitige betriebswirtschaftliche Betrachtungsweise ist sicherlich auf mangelnde militärische Expertise zurückzuführen. Es ist eine Binse, dass es in vielerlei Hinsicht günstiger ist nur ein „Modell“ in großer Stückzahl zu betreiben, als mehrere in kleiner Stückzahl. Ob es nun wirklich günstiger ist mit dann 250 Chinook Schulung, Weiterbildung und das komplette Einsatzspektrum zu fliegen ( auch seegestützt), wage ich genau so zu bezweifeln, wie es mit 250 EC 135 tun zu wollen. Mich erinnert diese Betrachtungsweise an Loriots „Papa ante portas“ : zwei Paletten Senf für den Privathaushalt. War ein echtes Schnäppchen.
    @phillrt:
    Apropos kein Konzept. Ich würde gern einmal mit jemandem sprechen, der selbst davon überzeugt ist und mir dann auch noch erklären kann, wie diese Neuausrichtung funktionieren soll.
    Und für die Freunde der Marine:
    ich stehe hinter der Forderung nach einem anforderungsgerechten, bordgestütztem, fliegenden Waffensystem. Vielleicht sollte man auch zukünftig die Anforderung spezifischer fassen:
    z.B. Fernseher , MIT Bild UND Ton.

  24. @ Nachtrag

    Warum sollte es verfassungswidrig sein, wenn die Gehaltsabrechnungen für die Soldaten und Zivilbeschäftigten zukünftig vom Innenministerium kommen ?

    Viel bedenklicher finde ich, dass trotz anderweitiger pressewirksamer Aussagen immer noch knapp 100000 Zivilbeschäftigte aus dem Verteidigungshaushalt bezahlt werden. Wenn man die ganzen ausgelagerten Funktionen wie Fuhrpark GmbH, LHD, BWI usw zusammenrechnet, wo die Personalkosten in Betreibermodellen versteckt sind und die Vorruhestandskosten für beurlaubtes Zivilpersonal (Härtefallregelung und 58er Regelung) dazuaddiert, dann kommt man auf diese Gesamtzahl von knapp 100 000 de facto vom Haushalt 14 bezahlten zivilen Bediensteten der Bw.

    Vom Einsatz her denken und Zivilpersonal reduzieren ? Kampftruppe oder Verwaltungspersonal ?
    Dann lieber Gehaltsabrechnungen vom Innenministerium erstellen lassen !

  25. @Georg
    Ironie an:
    Na dann wird sich die Erreichbarkeit und Hilfestellung in Angelegenheiten bzgl. des Gebührniswesen bestimmt auf ein Höchstmaß von Service entwickeln und das derzeitige etablierte System der Serviceorientierung perfekt auf eine neue Ebene der Zufriedenheit hieven….
    Ironie aus

    Ich sehe darin keinen Vorteil. Vor allem nicht für die Soldaten. Diese sind lediglich aus „Zufall“ (man könnte auch Bequemlichkeit dazu sagen…)den Besoldungsstufen des A- und B-Bereichs zugeordnet. Wenn es aber bspw. um eine entsprechende Vergütung der ganzen zusätzlichen Leistungen (Überstunden gibt es ja nicht…Beamte haben so etwas aber…)dann sind Soldaten wieder etwas anderes. Betrachtet man nur diesen Aspekt dann habe ich meine Zweifel, dass diese mögliche Zuordnung an das Inneministerium Vorteile bringt. Von meinem obigen „bösen“ Sachverhalt mal ganz abgesehen.
    Zustimmung zu dem Problem der ausgelagerten Funktionen. Da sind es aber wieder die Vorteile des Beamten….

  26. Aber innerhalb der Bw funktionieren diese Besoldungsunterschiede zwischen Soldaten und Beamten (z.B. Überstunden) bei der Abrechnung?!
    Warum sollte das beim BMI dann nicht funktionieren?

    Und Munition gibt es eigentlich auch gar nicht so wenige, z.B. in MES, aber das Wort Lagerschäden fiel ja schon und zurückgeschickt wird ja auch nix…
    Ist halt suboptimal, wenn jemand die MunKisten in eine Pfütze stellt..

  27. Hinsichtlich der Neuausrichtung der Bw ist in jedem Fall (utner Sicherheitsaspekten) positiv anzumerken, dass die Bw es wieder gelernt hat Informationen unter Verschluss zu halten. Das permanente Durchsickern halbgarer Infromationsschnipsel wurde bisher vermieden. Dies mag auch hinsichtlich des Zeitansatzes nicht motivationsfördernd sein, solche Details scheinen aber ohnehin nicht mehr im Fokus der handelnden Personen zu liegen. Es scheint sich jedoch abzuzeichen, dass eine Option vermehrt ins Auge gefasst wird, die Auslagerung von Funktionen und Nicht-Kernkompentenzen an Dienstleister ausserhalb der Bundeswehr. Die werden jedoch eines garantiert nicht vorrangig tun: Vom Einsatz her denken.

  28. @ Mckenzie
    Ich will ja hier keine Diskussion über die Reserve vom Zaun brechen, aber man könnte sich auch mittels „ABC“ überlegen warum es überhaupt lohnt einen „Grundbetrieb“ aufrecht zu erhalten, wenn man nur max 8.000 in den Einsatz schicken kann und will .
    Mit dem politischen Willen dazu ließe sich diese Veranstaltung auch als Miliz mit der Hälfte der Kosten realisieren.

  29. @ all.

    Zum Thema Gehaltsabrechnung vom BMI:

    Also im BMF dauern Reisekostenanträge max. 2 Wochen, Beihilfeanträge je nach Faktenlage 1-4 Wochen.
    Bearbeiter sind mehr als 60 MInuten am Tag erreichbar und das ganze mit deutlich weniger Personal…
    So manche Veränderung ist auch gut.

    Solange das BMVg nicht in der Lage ist, einen Großkundenrabatt bei der Bahn zu verhandeln und dementsprechend 25+% Resiekosten einzusparen (Herr Wiegold, das müssten doch im EP 14 mehrere Millionen sein, oder?), wird sich wenig Ändern.
    Standardaussage bei KVP etc: Das wurde schon alles vorgeschlagen , kann aber nicht umgesetzt werden.
    Wenn das andere Behörden mit deutlich weniger Personal schaffen, dann muss das auch im BMVg möglich sein.

    Dazu sollten mal die Entscheidungsträger eben nicht alle 2 Jahre versetzt werden…

    Gruß aus einer BEhörde, die in der Lage ist, jedem Auszubildenden und Anwärter einen dienstlichen Laptop mit sämtlichen Vorschriften in der Ausbildung zur Verfügung zu stellen…
    Mit lebenslanger dienstlicher Emailadresse.

    Gruß

  30. Amen. Ich denke, da ist eine Menge Wahrheit drin, das BMVg ist nun mal in den eigenen ranzigen Strukturen gefangen, die man nahtlos in die 50er verfolgen kann. Zumindest die Bahnen, die noch etwas bewegen wollen, werden am langen Arm ausgehungert, weil sie sich nicht gegen den „Muff aus 50 Jahren“ behaupten können. „Geht nicht.“, „Können wir nicht.“ etc. ist leider die Standardantwort geworden, was auch verzugslos auf den unterstellten Bereich der hohen militärischen Führung abfärbt.

  31. Kleiner Nachtrag zum „Admiralshubschrauber“:

    Wie korrekterweise schon von einigen Beitraegen oben erfasst, weichen doch die Anforderungen an einen Marinehubschrauber von denen an einen Heeres-/Lw-Hubschrauber ab – mal davon abgesehen, dass beide Modelle fliegen muessen.
    Ich kann mich des Eindrucks NICHT erwaehren, dass man seitens der Leitung BMVg versucht, hier v.a. unter dem Vorwand der Synergie einen MH-90 gesund zu beten, um ihn entgegen der Empfehlung der deutschen Marine zu bestellen.
    Ein StS sollte eigentlich frei sein von jeglicher Polemik („[…] denn ich bin ja Admiral […]“) und abweichende Gruende fuer die Bestellung eines anders gearteten Hubschraubers anerkennen – Herr Sts hat es nicht verstanden, worum es eigentlich geht, schade.

    Das Hochglanzprospekt MH-90 blendet nach wie vor die Verantwortlichen, die m.E. eher der Versuchung eines „Kuhhandels“ mit dem Landesfuersten erliegen werden, als der Truppe dasjenige Hubschraubermuster zukommen zu lassen, welches sie als insgesamt deutlich geeigneter erachtet und mit den notwendigen Reserven auch fuer zukuenftige Missionen berechtigterweise fordert.
    Ein MH-92 (o.oa.) wird leider auf der „falschen“ Seite des Atlantiks gebaut.
    Sollte es ein MH-90 werden, wird der Katzenjammer nicht lange auf sich warten lassen.
    Man stellt der Truppe (mal wieder) etwas auf den Hof, was sie nicht (mehr) braucht.

  32. @Mittendrin41
    Durch das Teaming mit Rheinmetal hat sich das Argument „falsche“ Seite des Atlantiks eigentlich erledigt. Aber Sie haben Recht…da wir sicher etwas gefunden was den „Wünschen“ der Marine widerspricht. Denn die hatte sich schon sehr mit den Fähigkeiten des MH-92 angefreundet. Selbst im BWB ist der Kreis der „Freunde“ größer geworden, man mag es kaum glauben…
    Wenn es um die Frage nach der Seite des Atlantiks geht dann käme ja auch ein „Merlin“ in Frage. Das ist nun aber wirklich ein „Monster“, das selbst auf britischen Fregatten und Zerstörern das Flugdeck mickrig aussehen lässt….

  33. @ NMWC:

    Ja, ich hoffe, dass der „Freundeskreis“ sich noch erweitert … Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass eine Fa. EC den MH-92 in Lizenz wartet. Aber gedanklich scheint der Sprung für die meisten zu weit.
    Und wie Sie treffend beschrieben haben: der Merlin ist (mtlw.) ein guter Hubschrauber, aber leider zu groß für unsere deutschen Einheiten.

    Sollte man sich wirklich (gegen die Empfehlung der Marine und m.E. politisch motiviert) für den MH-90 aussprechen, erwarte ich ein zumindest ein offenes Eingeständnis eines Fähigkeitsverlustes seitens der Leitung, nicht der Marine.
    Die Marine hat mit ihrer Ablehnung des MH-90 deutlich angezeigt, dass dieser Hubschrauber nicht allen jetzigen und insbesondere nur wenigen zukünftigen Anforderungen gerecht würde.

  34. Zu den Hubis:
    Die Hauptprobleme bei Hubschrauebrn lauten:
    1. Verzug bei der Fertigung (NH90 und TIGER). Gruende: Schieben, Strecken, Streichen im negativ synergetischen Effekt mit QS-Problemen bei Industrie und recht pinkeligem Guetepruefern. Ich spare mir hier betriebswirtschaftliche Betrachtungen. Nur soviel: Personal- und Infrakosten sind bei Geschwadern / Regimentern konstant. Die Hubis erzeugen also keine Flugstunden, weil es zu wenig gibt. Wer war noch fuer Vertraege zustaendig?
    2. Ungenuegende Versorgung mit Ersatzteilen (NH90, TIGER, CH-53) auch im Zusammenhang mit SASPF und nicht vertragskonformen Auslieferungen durch Industrie. Die Depots und LogZBw sowie WaSysKdoLw und Truppe duerfen den Datenschrott aufraeumen.Die Hubis fliegen also nicht, weil die Truppe auf Teile wartet.
    3. Faehigkeitstransfer: NH90 und CH-53 werden ueber Jahre bei schlechtem Klarstand einbrechen, oder die Industrie bekommt womoeglich superbillige In Service Vertraege.

  35. Ach hört doch auf, ihr nervigen Marinemenschen. Was wollt ihr mit nem Merlin/EH101 oder einem MH-92? Die Dinger fliegen ja schon, sind erprobt und unsere Partner haben sie auch oftmals im Bestand. Da könnten sich ja Synergien ergeben, die will gar keiner.

    Wir wollen das neueste Fluggerät, das coole Design, gebaut aus Materialien, die keiner kennt und keiner Langzeiterfahrung besitzt, zudem gebaut mit Teilen aus 37 Zulieferbetrieben, damit die liebe Antje, der Eduard und die Nicci aus dem Finaanzausschuss und geballter Militärerfahrung es mit ihrem Gewissen und ihrem Mandat vereinbaren können, das dieses Wunderwerk der deutschen Wehrwirtschaft, äh französischen, äh, europäischen Vorbildbetriebes auch gekauft wird.

  36. @ Roman:

    Gut auf den Punkt gebracht!
    Den „nervigen Marinemenschen“ fasse ich derweil ‚mal als Lob auf, *grins*

    Schönes WE!

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