Jetzt auch von der U.S. Army: Neues Social Media Handbook

Ende Juli hatte ich darauf hingewiesen, dass die U.S. Navy eine Neuauflage ihres Social Media Handbook herausgegeben hat. Jetzt kommt auch die Army mit einer neuen Auflage ihres Handbuchs.

Ich würde mal sagen: so lange es kein deutsches Social Media Handbuch fürs Militär gibt (warum eigentlich nicht?), lohnt sich bestimmt die Lektüre.

 

(Zur Egänzung: die NATO hat einen Hinweis auf ihre social media-Aktivitäten hier.)

25 Gedanken zu „Jetzt auch von der U.S. Army: Neues Social Media Handbook

  1. Warum? Weil: “Wenn Sie nen Schokoriegel bewerben, dann sacht Ihnen auch keiner, dass sie davon fett werden können.”

  2. CMS trifft es schon auf den Punkt.

    Als mein Oberstleutnant, immerhin Pressesprecher im Wehrbereich, damals aus dem Spiegel erfuhr, dass es mittlerweile eine Taschenkarte für den Umgang mit den Medien gebe, und wir Wehrdienstler ihm die aus der AGA zeigen konnten, ist der vor Zorn und Lachen fast an die Decke gegangen.

    Sagen Sie nichts geheimes, sagen Sie nichts falsches, fragen Sie im Zweifel ihren Vorgesetzten, sagen Sie am besten gar nichts. Im Ernst: DAS kann man sich auch schenken.

    Insbesondere hier in Dtl steht starken Einschränkungen ohnehin schnell die Meinungsfreiheit entgegen. Wir haben ja schließlich keine Soldaten, sondern nur Staatsbürger in Uniform, und so ein Quark.

  3. Hmmm… einfache Ableitung. Wenn ich kein Social Media mache, brauche ich auch kein Handbuch für SM. Einfach, oder?

  4. Social Media Handbook ist ja cool aber bei uns würde es ja schon an der technischen Umsetzung als App scheitern. IT Amt, BSI etc. und ein Smartphone vom Dienstherrn nee
    geht ja wohl garnicht ;-) Also doch wieder eine Taschenkarte, diesmal aber als Taschen-buch und man ist auch das leidige Problem der Kameras im Handy los, macht ja so unschöne Bilder und Videos vom „Real War“.

  5. Ein Scherzkeks hat den Twitter-Account: http://twitter.com/bundeswehr_de registriert. Dort heißt es in der Beschreibung: Bundeswehr – Wir laufen nicht jedem Trend hinterher.

    Hat bei 0 Tweets immerhin 150 Follower, darunter einen ehemaligen Panzergrenadier.

  6. @all Danke für die Erklärungen, so muss ich nicht mehr meinen Satz erklären. Er sollte in der Tat nur auf die bis jetzt wohl stark suboptimale Pressearbeit und -Beratung hinweisen, weshalb solch ein Handbuch mit dem aktuellen (Führungs-)Personal wohl nicht machbar ist.

    @Sascha Stoltenow: Erwähnenswert in diesem Zusammenhang finde ich vor allem, dass in dem VS-NfD klassifizierten Bericht ja nun wirklich _nichts_ steht, was man nicht hätte schon veröffentlichen können. Warum die Bundeswehr als eine Pressemeldung herausgibt, in der nur steht „das“ ein Soldat verletzt wurde und das die Ermittlungen andauern verstehe ich nicht. Ein Halbsatz, der besagt, dass es kein Attentat war, wäre wohl problemlos möglich gewesen. Zumal sich das sowieso verbreitet – durch Soldaten siehe @enno im entsprechenden Artikel sowie eben auch durch Medien. Damit kann, ja muss man rechnen in den heutigen Zeiten.

  7. *heul!* Ich kann es bald nicht mehr hören, wie megaschlecht die Bw angeblich in der Pressearbeit oder im Netz oder sonstwo überall ist. Dafür finden sich ständig 10hoch10 Leute die das alles viiiiiiel besser können und schon immer besser gewusst haben.
    Ja, da mag es noch Verbesserungsbedarf geben – an der einen Stelle mehr an der anderen weniger – aber es laufen hunderte, wenn nicht tausende von guten Dingen in diesen Feldern. Da arbeitet kein Haufen XXXXX (you name it)! Also ehrlich, wenn ich manche Diskussionen in den Foren oder den SM verfolge, dann „freue“ ich mich immer wieder über die Froschperspektive Einzelner.

  8. @Sascha

    a) danke für die Erläuterung. Jetzt fiel es mir auch wie Schuppen aus den Haaren

    b) der Link zu Bild gehört wohl eher in den Schiessunfall-Thread? (Obwohl ich dem als einzig bislang Unbekanntes das Alter und den Dienstgrad des Verletzten entnehme; ansonsten scheint die Bundeswehr den Abgeordneten nicht mehr mitgeteilt zu haben als der Öffentlichkeit. Und Bild weiß sogar, dass in der offiziellen Mitteilung die Uhrzeit 18.20 steht!)

  9. @Tränendrüse
    „… aber es laufen hunderte, wenn nicht tausende von guten Dingen in diesen Feldern“

    Entschuldigung, aber genau diesen Eindruck habe ich NICHT.

    Pressearbeit oberhalb der Ebene der Großverbände läuft schlecht, Nutzung moderner Medien läuft schlecht, Werbekampagnen laufen KATASTROPHAL und Nutzung social media läuft gar nicht

    Was bitte läuft hier gut?!

  10. @ to whom it may concern: Ich hab hier egern mal ein Problem mit der Logik. Wann immer das Thema eines Threads aus dem Kernbereich der BW stammt, gibt es heftige Kritik an
    der Führung
    der Ausstattung
    dem Stand der Ausbildung . . .
    Wehe aber irgend so ein Ströbele wagt es Ansichten zu äußern, die sich irgendwie kritisch mit der BW befassen. Dann geht Flecktarn in die Igelstellung und feuert aus allen verfügbaren Rohren auf alles, was sich irgendwie bewegt. Dann ist alles toll, was da in den Kasernen, Truppenübungsplätzen und Einsatzgebieten der BW so kreucht und fleucht – und jeder ein Linksterrorist (mindestens aber Bewohner des Sympathisantensumpfes), der irgend einen kleinen Verbesserungsbedarf beim Niveau von –
    der Führung,
    der Ausstattung oder
    dem Stand der Ausbildung
    bei der BW sieht. Die Logik ist schon eine ziemlich geile Schwester. Ich liebe sie. Aber was sagt uns das über den Stand der Dinge? Any suggestions from inside of the dark matter?

  11. Damit kein Missverständnis entsteht: Nach meiner festen Überzeugung geht es hier um die Frage, warum die Flecktarn-Community so wenig Wirkung nach außen erzielt. Deshalb würde ich ich freuen, wenn Orontes oder StFWdR oder wer auch immer von den direkt Betroffenen (vermisse ich hier allein Herrn König?) antworten könnten.

  12. @Zivi a.D.
    Provokante These! ;-) Ich bin gespannt auf das nun anstehende Gemetzel….

    Aber es ist tatsächlich so. Dieser Schutzpanzer „Der kommt von draussen, der kann ja gar keine Ahnung von der Materie haben“ ist sehr ausgeprägt. Damit meine ich nicht unbedingt die Einsatzerfahrungen, Gefechte, und was noch so dazu gehöhren mag. Das ist etwas spezielles was sich nur schwer erfassen und vergleichen lässt.
    Aber bspw. auf die Bewertung von Einsatzgrundsätzen und -verfahren trifft dieser Schutzpanzer aber nur bedingt zu. Denn das ist nun wirklich keine Raketenwissenschaft die nur Auserwählte verstehen können und dürfen! Gerade im angelsächsischen Bereich gibt es genug verfügbare Papiere (Manuals, Doctrines you name it…) die einem den Zugang zu der Materie ermöglichen. Ausgenommen davon natürlich Sachen die einen Sperrvermerk Vertraulich und höher haben. Das macht einen nun nicht zu einem ausgewiesenen Experten, aber es geht um das gemeinsame diskutieren und mitreden. Bewertungen mitunter auch.
    Es ist ja unter anderem in der Ströbele-Diskussion und der letzten Oberst Klein Diskussion hier im Forum, teilweise angeklungen die Kirche doch etwas mehr im Dorf zu lassen (durch cynic2 und andere). Genutzt hat es ja dann doch nichts….
    Daher gebe Ich Ihnen Recht, der Schutzpanzer/Beissreflex ist sehr ausgeprägt. Warum ist das so? Ich kann mir für den Moment keine umfassende Meinung bilden. Daher wäre ich gespannt und vor allem angewiesen auf weitere Beiträge, die sich sachlich mit der These auseinander setzen. Ich selber muss darüber noch mal nachdenken so früh am Morgen…

    P.S. @Zivi a.D.hatten Sie Zeitverschiebung oder nichts zu tun die Nacht???;-))

  13. Vielleicht doch kein Zivi und er schiebt Wachdienst? Ach ne, dann würde er ja gegen die Social Media Rule of de glory federal bundeswehr verstoßen.

  14. @Zivi a.D.
    Gute Beobachtung. Erklären kann ich es selbst auch nur schwer (dazu müßte man vielleicht mal eine qualifizierten Militärsoziologen – von den in Deutschland nur leider sehr wenige gibt ;) – zu Rate ziehen).

    Aber es ist eine altbekannte Tatsache.

    Es gibt eine nette Anekdote aus Preussens Zeiten (die ich leider nur inhaltlich und nicht im sprachlichen Original wiedergeben kann):

    Mehre Soldaten aus einem der Potsdamer (Garde-) Regimenter sitzen abends in der Kneipe zusammen und unter dem Einfluss von Alkohol diskutieren über den Barass, das Regiment, die Führung und den König. Hierbei werden auch teilweise sehr kritische Stimmen laut. Ein in der Nähe sitzender Bürger schaltet sich nach einer Weile in diese bis dahin sehr defätistische Diskussion ein und will in die gleiche Kerbe schlagen.

    Und von diesem Moment sind sich alle Soldaten plötzlich einig: Er, dieses ungediente und zivile Subjekt, möge sich doch um seine eigenen Dinge kümmern und den König und diejenigen die des Königs Rock trügen in frieden lassen, denn von solchen Dingen verstünde er ja wohl offensichtlich nichts.

    ;)

    Mag etwas mit dem Gefühl von den ersten Tagen des Soldat seins eingeimpfte Gefühl der Kameradschaft zu tun haben, der jeden „Angriff“ von außen alle in Uniform zusammenstehen läßt.

    Mag etwas damit zu tun haben, dass gerade heutzutage man sich als Soldat häufig von der Öffentlichkeit falsch verstanden, missachtet und schlecht behandelt fühlt.

    Ist allerdings (natürlich in deutlich schwächerer Form) in allen Berufen erkennbar die ein „Standesdenken“ (auch wenn es im Militär seit ’56 offiziell nicht mehr so heißen darf) haben: Vergleichbare Reflexe findet man ja auch bei Juristen und Medizinern (und ich glaube bei Polizisten und Lehrer?!).

  15. Zunächst muss ich zum öffentlichen Auftreten der Bundeswehr sagen, dass es in der Tat wenig koordiniert erscheint und ein sehr ambivalentes und unrealistisches Bild zeichnet. Grundsätzlich gilt bei Informationsoperationen, dass diese über die gesamte Organisation abgestimmt sein müssen, um Aussagen und Handlungen in Einklang zu bringen. Bei der Organisation Bundeswehr ist so eine Abstimmung nicht erkennbar und während die Aussagen grundsätzlich sehr schönfärbend sind, stehen sich die Handlungen verschiedener Organisationselemente teilweise diametral gegenüber. Bestes Beispiel ist hier die Nachwuchsgewinnung: Man verspricht Bewerbern viel, von dem das meiste durch die Truppe kaum gehalten werden kann und fordert so die Enttäuschung der Bewerber in der Truppe heraus. Während Millionen für die Nachwuchswerbung investiert werden, fehlt gleichzieitg das Geld zur Weiterverpflichtung kampferfahrener Soldaten. Aussagen und Handlungen widersprechen sich ganz klar, da sie nicht abgestimmt sind.

    Zum Beißreflex gegenüber Stimmen von Außen sehe ich zwei mögliche Gründe dafür:
    1. Es gibt eine interne und eine externe Diskussion
    Die Mehrheit der Soldaten ist es gewohnt, sich über interne Vorgänge zu unterhalten und entwickelt dabei einen hohen Differenzierungs- und Detailgrad. Beispielsweise mag er von einer Ausrüstungsausstattung einzelne Komponenten für unzweckmäßig erachten oder bei einem Genehmigungsverfahren einzelne Abläufe unzweckmäßig bewerten. Tritt nun ein externer Beobachter mit weniger Detailwissen auf und beschreibt, dass „diese gesamten Ausrüstungsausstattung“ unzweckmäßig sei oder „der gesamte Genehmigungsablauf zu bürokratisch ist“, lehnt der Soldat mit Detailwissen dies als zu pauschal ab, da auch funktionierende Komponenten angesprochen werden; umgangssprachlich: „Sie haben doch keine Ahnung!“
    In der externen Diskussion wird häufig undifferenziert von „der Bundeswehr“ gesprochen, wobei die meisten Menschen darunter all diese Leute in Uniform verstehen. Für einen Zugführer der Kampftruppe ist diese Nennung in einem Atemzug mit einem Stabssoldaten aus einem Amt bereits annähernd eine Beleidigung und entsprechend „bissig“ reagiert er.

    2. Es gibt keine intellektuelle Diskussionskultur
    Traurig aber wahr, Themen der Streitkräfte, der Sicherheitspolitik oder Strategie und Taktik werden nur in sehr kleinen Zirkeln professionell und fundiert diskutiert. Während es die breite Öffentlichkeit nicht interessiert und die Politik einen Bogen um das ganze Thema macht, wird die Truppe nicht dazu angehalten, sich außerhalb von Lehrgängen professionell dazu Gedanken zu machen und den intellektuellen Austausch zu suchen. Der Vielfalt an professionellen Magazinen, Forschungsgruppen und Monographien im englischsprachigen Raum, kann man in Deutschland überspitzt das Reservistenblatt, die Gewerkschaftszeitung, die Alles-wird-gut-Blätter für die Truppe, die Werbezeitschrift der Rüstungsindustrie und verschiedene Truppengattungsblätter entgegensetzen. Eine kritische Auseinandersetzung, geschweige denn Diskussion findet hier nicht statt, sondern maßgeblich wird der Selbstdarstellung mit unterschiedlicher Zielrichtung gefrönt. Dementsprechend ist die Truppe auf die sachliche Auseinandersetzung mit anderen Meinungen von außen nicht vorbereitet und reagiert häufig mit der Disqualifikation des Gegenübers.

    Während es also in der Tat einen übertriebenen Beißreflex der uniformierten Teile gibt, gibt es andererseits auch genügend selbsternannte zivile Experten, die glauben kritisches Infragestellen ersetze Fachwissen. Beide Seiten geben sich da teilweise wenig…

  16. Ob man so ein „social network“ wirklich benötigt und wie es aussehen sollte/ könnte, ist wohl eine generationenabhängige Fragestellung. Die Generation, die es bejaht soll ran, soll es umsetzen.

    Mich persönlich würde es stören, wenn stets „häppchenweise“ und dann natürlich auch unter starkem „politischen Druck“ hier Informationspolitik betrieben würde.

    Wir kennen das alle: Eien große dt Boulevardzeitung brüllt: „Skandal“-irgendein General als Einleitungsbehörde, nun politisch unter Druck: beweist „Handlungssouveränität“ in dem er verlautbaren lässt: sofort alle Vorgesetzten abgelöst und ein Truppendienstgerichtsverfahren eingeleitet zu haben…und man fragt sich als geneigter Interessierter: Hm, wie hat er das so schnell aufgeklärt, wo es ihn doch „wie ein Schock“ vorkam, davon aus der Presse erfahren zu haben…wo er ja selbst neuerdings nur noch im Nebenverteiler vom Behrbeauftragten informiert wird…

    Letztes Beispiel: Bad Reichenhall http://www.welt.de/politik/deutschland/article13413685/Bundeswehr-Kaserne-laesst-Kinder-Krieg-spielen.html -und was ist bei heraus gekommen? Nichts, gar nichts! Die politischen Gegner mussten dann schon die Assoziation bringen, dass ja das Visier -wie man sich auszudrücken pflegte- der Panzerfaust 3 Teil einer „funktions- und schußbereiten Kriegswaffe“ sei, deren Umgang ab 17 reglementiert (nur Soldaten, aber auch da reglementiert) und unter 16 Jahren verboten ist.

    Und die Bundeswehr?
    aus dem Link: „[…]Dem „Münchner Merkur“ sagte ein Bundeswehrsprecher: „Den dafür Verantwortlichen wird disziplinarisch-juristisch beizukommen sein.[…]“

    Man kann sich aber auch souverän hinzustellen und sagen: Jeder hat das Recht auf ein rechtsstaatliches Verfahren-auch ein Disziplinarverfahren ist ein solches- und dafür: werte Fraktion der Linkspartei haben sicher gerade Sie Verständnis, und das läuft. Nach Abschluss wird berichtet, so wie es in der Geschäftsordnung steht. Man kann.

    Darum: Sähe das „Infotool“ so aus, dass KpChef/ Kdr/BefH twittert: 11:00.35: habe Diszi eingeleitet, 12:00.35: Habe Mittagspause verlegt, um schneller ermitteln zu können, 15:30.42: Hauptbeschuldigter psychisch zusammengebrochen, FU 6!, 16:50.23: Habe Dienstzeitverlängerung für die Mitbeschuldigten angesetzt-will heute noch maximale Aufklärungsergebnisse erzielen….und der IBUK twittert zurück: 16:55:22: Halten Sie sich blos ran!…Sähe das also so aus, dann braucht das kein Mensch.

    Aber so soll es ja auch nicht aussehen. Fakt ist: die Bw muss mit der Zeit gehen, auch im Bereich Nachwuchswerbung und informationstechnischer Soldatenbetreuung. Fakt ist aber auch: Der IBUK sagte unlängst, dass Bw-Dienst wieder als „Ehrendienst“ wahrgenommen werden muss und keine Verschleierung der Realitäten des Soldatinnen/ Soldatenberufs stattfinden darf. Dem stimme ich zu. Soldat sein ist kein Spiel, nichts aus einer reinen „virtuellen Erlebniswelt“.

    @ NMWC | 25. August 2011 – 8:42-

    […]Gerade im angelsächsischen Bereich gibt es genug verfügbare Papiere (Manuals, Doctrines you name it…) die einem den Zugang zu der Materie ermöglichen. Ausgenommen davon natürlich Sachen die einen Sperrvermerk Vertraulich und höher haben. […]

    Gleich verhält es sich in Deutschland. Kaum eine Armee in der Welt ist so transparent wie die Bundeswehr. Jede wissenschaftliche Publikation ist frei zugänglich-mit Ausnahmen derer, die Sperrvermerke tragen, was die allerwenigsten tun. Aber das geht immerhin z.B. so weit, dass das Fraunhofer Institut mal eben so nebenbei veröffentlichte, welche Eignung Neptunium/ Americium (kurz: Atomabfall) zur Herstellung nuklearer Sprengstoffe haben, Zusammenfassung: sehr aufwendig, aber man kann und dass man dies doch bitte in die Proliferationsabkommen mit aufnehme. Quelle: http://publica.fraunhofer.de/documents/N-17238.html Aber das ist kompliziert zu lesen, noch schwerer die Gleichungen nachzurechnen, kurz: eignet sich nicht für das schnelle „Mitreden“ oder gar zum Bashing. Aber die Publikation gibt es seit 2002, transparent für alle einsehbar, kein „Geheimnis“.

    […]Das macht einen nun nicht zu einem ausgewiesenen Experten, aber es geht um das gemeinsame diskutieren und mitreden. Bewertungen mitunter auch.[…]

    Dazu gibt es genügend open-source Informationen. Nicht alle sind online zugänglich, das stimmt. Aber wenn Sie sich z.B. weniger an naturwissenschaftlichen Erkenntnissen bzw. ingenieurwissenschaftlichen Erkenntnissen interessiert zeigen sollten: vielleicht ist dann die Verfahrenseinstellung, Wiedereröffnung, Wiedereinstellung gegenüber den Calwer Soldaten im Falle Kurnaz interessant, da können sie nach rechtwirksamer Verfahrenseinstellung alles einsehen. Bei einem laufendem Verfahren nicht, und hier: das wird z.B. nirgends so streng gehandhabt wie im angelsächsichen Raum.

    BTW: Nicht für alle Publikationen ist die Bw zuständig. Ich sage Ihnen ganz klar: Veröffentlichte die Bw ein Dokument, welches nicht aus ihrem Bereich kommt, dann wäre das problematisch-nicht wegen dem UrHG. Das ist im angelsächsischen Raum übrigens genau so. Allerdings kann die Bw verlinken…wenn es denn etwas zu verlinken gibt.

    Insofern ich Ihnen zustimme, dass das „Bw-social-net“ eine Plattform sein muss. Aber eine Plattform für Informationen, nicht für Spekulationen und Halbwissen.

    […]Es ist ja unter anderem in der Ströbele-Diskussion und der letzten Oberst Klein Diskussion hier im Forum, teilweise angeklungen die Kirche doch etwas mehr im Dorf zu lassen (durch cynic2 und andere). Genutzt hat es ja dann doch nichts….
    Daher gebe Ich Ihnen Recht, der Schutzpanzer/Beissreflex ist sehr ausgeprägt. […]

    Der „Schutzpanzer“ ist sehr dünnhäutig so bald es „politisch wird“, meine ich. Er ist auch nicht vergleichbar mit anderen Ländern. Einen „Ströbele“ gäbe es nicht mal in der Kommunistischen Partei Frankreichs.

    Btw: Warum stellt MdB Ströbele keine Anfrage, ob das Amt für Verifikationsaufgaben die wissenschaftlichen Erkenntnisse des Fraunhofer Instituts schon umgesetzt hat bzw. was die Bundesregierung zu tun gedenkt, um das internationale Proliferationsregime anzupassen? Richtig: weil er es gar nicht weiß und wohl auch, weil die Diskussion sich nicht für schnelle publicity eignet. Das ist graue Gremienarbeit, die und das betone ich: aber auch im BT geleistet wird. Jetzt frage ich aber mal: Ist ein Einsatz dt Soldaten auf Grundlage von SOP`s in NATO-Stäben bzgl. Lybien wirklich die wichtigere Frage?

    Vielleicht ist das alles Geschmackssache. Ein anderes Beispiel:

    Als Polen offensichtlich eine Straftat in AFG begingen: http://www.welt.de/politik/article1378947/Sind_polnische_Soldaten_Kriegsverbrecher.html war in Polen nicht etwa die Diskussion entbrannt, wie die sowas machen können -und die polnische Armee gilt im „Volksmund“ als Armee ohne jeglichen Fleck-, was in mehrfacher Hinsicht spannend gewesen wäre; nein alle Medien, von links bis nationalkonservativ debattierten darüber, wie man „ihre Soldaten“ so vorführen könne, und wie man U-Haft anordnen könne-die auch unverzüglich aufgehoben wurde. Mittlerweile sind die Soldaten freigesprochen (Anmerkung: in einem rechtsstaatlichen, fairen und transparenten Verfahren-es gibt keinen Grund zur Kritik). Debatte? Fehlanzeige.

    Ich persönlich würde aber eine solche Debatte in solch einem Fall präferieren: ein demokratischer Diskurs, kein polemisches Gesülze aus politischem Kalkühl heraus, wie es in unsere Debattenkultur längst Einzu gehalten hat.

    Ja richtig, ich schweife ab. Aber ich komme sofort zu Ihrer Frage:

    […] Warum ist das so? […]

    Ich verstehe die Angehörigen innerhalb der Bw. Zu oft wurden und werden sie Jornalisten/ der politischen Opposition gegenüber opportun „geopfert“. Da legt man sich ein dickes Fell zu. Das ist sehr verständlich.

    Dazu kommt die Tatsache, dass die Bw sehr transparent ist in meinen Augen. Und bei aller dieser Transparenz eben nur das „Schlimme“, die „bad news“ interessiert. Mein aktuelles Lieblingsbeispiel: Bzgl. Bad Reichenhall waren die Letter voll, der „kosovarische AM“ wolle sich wegen des Ortsschildes „Mitrovica“ einschalten.

    War das gleiche Medienecho auszumachen, als GM Bühler handelte, wie er handelte?

    Also frage ich nun Sie: Wie soll denn die Bw dazu animiert werden, ihren „Schutzpanzer“ abzulegen, wenn es nicht honoriert würde? Wenn hier „jeder“ einfach mal „meint“ ach so unbekannte Tatsachen „hineininterpretieren“ zu können und zu dürfen, wenn jeder meint, einfach mal zu interpretieren, was man nicht gversteht als Externer anstatt zu fragen, wenn es egal ist, wie offen die Infopolitik ist, man als Ende stets als Verlierer da steht.

    Anmerkung: Wenn sich „Botschafter“ Vilson Mirdita äußert, der kosovarische AM wolle sich des Themas annehmen, dann lasse ich ihn im AA antreten und frage ihn, ob er noch alle Latten am Zaun hat. Dann lasse ich ihn, ohne Kaffeangebot, wieder wegtreten.

    Kurnaz ist auch so ein Beispiel. Haben Sie seine Beweise gesehen? Nein? Ich auch nicht, was irrelevant ist, und die zuständigen Gerichte auch nicht-was relevant war-, aber trotzdem: für ein politisches Bashing des KSK hat es dann doch noch gereicht.

    Ich male mir gerade aus, der kosovarische „Botschafter“ würde beim polnischen oder französischen Außenministerium vorstellig werden, ein Kurnaz würde derlei dort behaupten…

    …nun gut: Es gab mal eine Zeit da legte DER SPIEGEL eine Analyse vor „bedingt abwehrbereit“, die so genau und gut war, dass sie eignetlich nur auf Grundlage von Geheimnisverrat zu Stande gekommen sein konnte…kam sie aber nicht, wie uns die Akten auch heute noch beweisen. Die SPIEGEL-Redakteure waren seinerzeit einfach so gut.

    Und heute? Ich will es nicht ausführen, nur soviel: Es ist gerade im Bereich der Sicherheits- und Militärpolitik auszumachen, wie sehr sich der in Demokratien so wichtige Berufsstand momentan selbst deshavouiert und demontiert. Ausnahmen gibt es.

    Jetzt frage ich Sie: Warum mag wohl kein Soldat mehr mit Journalisten/ Politikern reden, wenn der Soldat nicht gerade der publicitybetrunkene Wichtigtuer ist?

    Es gab mal eine Zeit, da lebten Soldaten unter uns, die sich „zeigten“, als solche erkennbar waren, trotz RAF.

    Und heute? In Zeiten, wo eben auch die potentiellen Gegner „kurze Wege“ und Sympathisanten ins bzw. im eigenen Haus haben, wo sie öffentlich angefeindet werden und an ihnen bzw. ihren Sachen Straftaten verübt werden, die im Beisein der Bundesvorsitzenden einer BT-Fraktion unwiedersprochen legitimiert werden, ziehen sie sich sukzessive in „ihre Familie“ zurück.

    Jetzt frage ich Sie: Warum ziehen sich daraufhin die Soldaten wohl in „ihre Familie“ zurück und halten nicht auch an der medialen Heimatfront ihren „Kopf hin“?

    Es tut mir leid, sollte ich zu sehr gepoltert und „plakatiert“ haben. Aber (auch) mir fällt es schwer bei diesem Themenkomplex sachlich zu bleiben.

  17. @T.Wiegold: Doch, der Link zur Bild war hier schon absichtlich, denn er verweist auf ein grundsätzliches Problem, das im Übrigen auch in der Präsentation „Military Operations and Social Media“ schön herausgearbeitet wird:

    – Die Bundeswehr gibt es nicht, die heißt nur so. Es gibt das Ministerium, das politische Kommunikation und innerhalb dieser vor allem Ministerbeweihräucherung betreibt, und es gibt die Truppe, die kommunikativ bewusst an der kurzen Leine gehalten wird, und es gibt die Wehrverwaltung, deren Stimme wenn über das Ministerium zu hören ist.

    – Dass die Bild direkte Drähte in die Parteien hat, zeigt der oben verlinkte Artikel. Die (politische) Bundeswehrführung hat keinerlei Interesse, sich via soziale Medien noch mit weiteren Irriationen auseinanderzusetzen. Die (militärische) Bundeswehrführung auch nicht. Was passiert, wenn sich dann doch mal wer engagiert, zeigen die Reaktionen auf die Intervention Bühlers.

    @Tränendrüse: Wenn hunderte bis tausende Dinge in der Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr so gut laufen, werden diese ja ganz bestimmt systematisch im Rahmen einer Evaluation dokumentiert. Sowohl hier als auch im Bendler-Blog empfangen wir entsprechende Berichte mit offenen Armen.

  18. @Sascha Stoltenow – Richtig erkannt. Ein gutes Beispiel kann man derzeit bei der Berichterstattung zur Neuausrichtung beobachten. Während es an substantieller Information fehlt, geizt man nicht damit das Problem an sich und in aller Gänze zu beschreiben. Kaum ein Interview das nicht zu berichten weis, dass alles planmäßig läuft. Eine Berichterstattung die so tröge wie im „Neuen Deutschland“ herüberkommt.

  19. @Sachlicher
    Danke für die umfangreiche Antwort. Zunächst einmal würde ich festhalten, wie liegen gar nicht so weit auseinander wie es auf den ersten Blick den Anschein haben mag. Vielleicht haben Sie mich ein wenig missverstanden. Ich versuche mal etwas spezieller zu werden zu den Bereichen die ich als wesentlich erachte.
    Thema Veröffentlichungen:
    Ich gebe Ihnen Recht, das bezüglich der von Ihnen angesprochenen Quellenlage der Bestand gut und zugänglich ist. Da bin ich bei Ihnen.
    Ich habe aber bewusst das Beispiel Einsatzgrundsätze und Verfahren gewählt. Und damit meinte ich vor allem solche Dinge aus dem Bereich USA wie: Field Manuals (etwas wie COIN habe ich in D noch nicht Offen verfügbar gesehen); Doctrines bspw USMC Sea Basing Konzepte vom USMC Combat Development Center (Haben Sie die KGV Basis See Offen gesehen? Ich nicht. VS-NfD…).
    Diese beiden Beispiele mal so in den Raum geworfen. Die Diskussionen zu Klein gingen vielfach auch um eben solche Einsatzgrundsätze und Verfahren. Vom juristischen Bereich nunmal vollkommen abgesehen. Das überlasse ich den Erfahrungsträgern der Juristerei in diesem Forum. Das muss ich mir nicht auch noch aneignen….

    Thema Schutzpanzer BW-Angehöriger und Rückzug in die „Familie“:
    „Ich verstehe die Angehörigen innerhalb der Bw. Zu oft wurden und werden sie Jornalisten/ der politischen Opposition gegenüber opportun “geopfert”. Da legt man sich ein dickes Fell zu. Das ist sehr verständlich.“

    Richtig. Das sehe ich genau so. Ich habe heute morgen trotzdem nach dem „Warum“ gefragt, denn ich wollte die Meinungen hier aus dem Forum kennen lernen. @cynic2 hat auch eine sehr schöne Antwort gegeben. Meine Meinung wäre heute morgen ohne Belang gewesen und hätte keine Antworten wie die erwähnte oder auch wie die Ihre gebracht.

    „Jetzt frage ich Sie: Warum ziehen sich daraufhin die Soldaten wohl in “ihre Familie” zurück und halten nicht auch an der medialen Heimatfront ihren “Kopf hin”?“

    Manche tun dies und das kann ich gut verstehen. Ich habe es während meiner Dienstzeit nie getan und tue es auch jetzt nicht. Dazu bin ich allein schon aufgrund meiner „Ich schwimme gegen den Strom“-Einstellung nicht der Typ. Und ich denke jeder aus der Truppe der hier bei Augen Geradaus entsprechend qualifizier beiträgt tut dies m.E. auch nicht . Vielmehr lässt er die mediale Heimtfront an seinen Gedanken teilhaben.
    Meine Überzeichnung des Schutzpanzers hat vor allem mit der Oberst Klein und Stöbele Diskussion zu tun gehabt. Dort hat mir dieses „Abwatschen“ anderer Positionen überhaupt nicht gefallen.
    Im Übrigen habe ich von Poltern und Plakatieren in Ihrer Antwort nichts gesehen. Vielmehr hat es zu einer sachlichen Meinungsfindung auf meiner Seite beigetragen.;-)
    Ich hoffe ich konnte auch etwas zur Verdeutlichung beitragen.

  20. Zum von Zivi a.D. angesprochen Thema:

    Ich hab mich mehrmals gefragt warum ich eigentlich als jemand der direkt nicht das Geringste mit der BW zu tun hat mich hier an Diskussionen beteilige. Damit also Riskiere gerade den Beisreflex auszuloesen, oder sogar zu provozieren. Es gibt dazu mehrere Gruende. Als Staatsbuerger bin ich zumindest mittelbar vom Zustand und dem Verhalten der Bundeswehr betroffen (wenn dem nicht so waere, braeuchten wir sie ja nicht) dh, die Allgemeinheit hat ein Mittspracherecht in oeffentlichen Diskusionen zur BW. In der Diskusion veroeffentliche ich nur eine Meinung, diese kann jederzeit ignoriert, verworfen oder abgelehnt werden — es liegt beim Betrachter ob er sie sich ansehen will. Drittens die Sicht aus einer anderen Perspektive mag vieleicht manchmal nuetzlich sein, zumindest Anstoss zu wiederspruch geben. Aus diesem kann ich wiederum etwas lernen.

    Die Bundeswehr hat nicht nur ein Problem mit der Kommunikation nach aussen, sondern auch mit der Wahrnehmung, die Jahrzehnte des Beissreflexes haben mit dazu gefuehrt, dass kaum ein Intellektueller sich auf eine Debatte einlassen will. Dazu kommt auch noch, und dafuer kann die BW nichts, dass es dem eigenen Ansehen sehr abtraeglich sein kann sich oeffentlich mit der BW und Sicherheitspolitik zu beschaeftigen.

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