„Wir können der internationalen Gemeinschaft nicht vertrauen“

Um die Kosovo-Lage im Blick zu behalten: Der serbische Minister für den Kosovo, Goran Bogdanović, hat sich heute im serbischen Sender B92 zu der Krise im Nord-Kosovo geäußert – und schwere Vorwürfe gegen die internationale Gemeinschaft, auch gegen KFOR-Kommandeur Erhard Bühler erhoben. Der internationalen Gemeinschaft, die sie als Kriminelle sehe, könnten die Serben nicht vertrauen. Und Bühler habe in Interviews mit deutschen Medien leichtfertig die Serben im Norden des Kosovo als Kriminelle, Söldner und Menschen dargestellt, die zur Gewalt greifen wollten. Dabei wollten die Bürger des Nord-Kosovo nur rechtmäßig ihre Interessen verteidigen.

Das gesamte Interview im Wortlaut hat B92 (auf Englisch in der Übersetzung des Senders) auf seiner Webseite veröffentlicht:

Minister on Kosovo crisis, lack of trust in intl. community

Am (morgigen) Dienstag steht die Entscheidung der Serben im Kosovo über die Räumung der Barrikaden und Straßensperren an. Und auch das – überwiegend von der Bundeswehr gestellte – Operational Reserve Forces-Bataillon verlegt seine letzten Kräfte morgen , ehe in der Nacht zum Mittwoch die Full Operational Capability hergestellt sein soll.

Italien und Somalias Piraten: Kein Lösegeld, aber Entwicklungshilfe

Es ist schon gut zwei Jahre her, und nur ein paar Interessierte erinnern sich noch, dass der italienische Schlepper Buccaneer im Jahr 2009 vier Monate lang in der Hand somalischer Piraten war. Die Freilassung des im April 2009 gekaperten Schiffes im August jenes Jahres war von widersprüchlichen Meldungen umrankt – mal hieß es, die Piraten hätten lediglich 270.000 US-Dollar für Auslagen und Verpflegung erhalten, mal war von vier Millionen US-Dollar Lösegeld die Rede. Die italienische Regierung beharrte immer darauf, dass kein Lösegeld geflossen sei.

Technisch gesehen hatte die Regierung in Rom damit wohl recht. Eine kürzlich veröffentliche Depesche der US-Botschaft in Rom, enthalten in dem umfangreichen Cablegate-Paket von Wikileaks, lässt das ganze jedoch in einem etwas anderen Licht erscheinen. (Mein Dank gilt den Kollegen von Defenceweb, die die vor gut einer Woche veröffentlichte Depesche publik gemacht haben.)

Nach den Informationen der Amerikaner, die von den Italienern um logistische Hilfe für eine mögliche militärische Befreiung des Schleppers gebeten worden waren und deshalb auch Informationen bekamen, wollte Rom jeden Anschein einer Zahlung an die Piraten vermeiden – was auch im ausdrücklichen Interesse der USA war. Die Italiener bemühten sich jedoch, die international anerkannte Übergangsregierung Somalias für die Freilassung der Buccaneer einzuspannen. Und dafür, so zeichnet die Depesche nach, stellte Rom den Somalis nicht nur eine Wiedereröffnung der italienischen Botschaft in Mogadischu in Aussicht. Sondern zahlte auch – mindestens 13 Millionen Euro für somalische Institutionen und den Friedensprozess.

Aus der Depesche (GOI steht für Government of Italy, TFG für Transitional Federal Government, die somalische Übergangsregierung):

Ransom Paid?
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7. (C) Andrew Mwangura, of the Mombasa-based East African Seafarer’s Assistance Programme was quoted in the press as saying that the pirates received a four million euro ransom. Sometimes described as an intermediary between pirates and those who pay ransom, his role, if any, in the release of the Buccaneer crew is not clear. D’Antuono stated that the MFA is „familiar with“ Mwangura, but dismissed his claims of a paid ransom as „a marketing technique.“ He reasoned that releasing a crew without receiving a ransom would set anunprofitable precedent. He assessed claims of having received a ransom as a necessary strategy to protect theeconomic value of the pirates‘ illicit activities.

8. (SBU) In terms of what the GOI did offer the TFG, if not the pirates, an MFA statement describes financial support in 2009 dedicated to „“Somali institutions and to the peace process““ totaling 13 million euros. Additional money has been disbursed through the Italian Development Cooperation. weiterlesen

Doch eine neue Taliban-Waffe gegen Hubschrauber?

Nach dem – vermutlichen – Abschuss eines Hubschraubers in der afghanischen Provinz Wardak, bei dem am vergangenen Samstag 38 Menschen ums Leben kamen, läuft die Untersuchung der möglichen Abschussursache auf Hochtouren. Die Bloggerkollegen von Danger Room spekulieren nun über umgebaute 107mm-Raketen, so genannte Improvised Rocket-Assisted Mortars (IRAM). Diese Art von fliegender Bombe wurde im Irak beobachtet – für einen Einsatz am Hindukusch gibt es, so scheint mir, bislang keine Belege.

Solche Dinger wären in der Tat Chopper Killer. Allerdings wird ISAF-Sprecher Carsten Jacobson heute mit der Bemerkung zitiert, bei dem Zwischenfall seien keine neuen Waffen benutzt worden.

Archivbild: As the Chinook come in closer the dusts get kicked up in the rotor wash…The Joint Helicopter Force made up of the Royal Navy, Army and RAF provides a fleet of helicopters that support the troops on the ground…These pictures were taken on a recent visit that saw the Chinook travel from Camp Bastion, to Lashkar Gah into a small village in Nad Ali then all the way up north to Sangin. (Photo by Maj. Paul Smyth MOD/ Crown Copyright 2010 via ISAFmedia/flickr under CC license)

Kosovo-Serben deuten Einlenken an

Zur Lage im Nord-Kosovo ein kurzer Hinweis auf den aktuellen Bericht des serbischen Senders B92 (in der englischen Fassung): Serbs in north „to work to implement agreement“

Damit scheinen die Chancen für das Nothing Hill-Agreement wieder zu steigen. Zur Erinnerung die wesentlichen Punkte:

– At Gate1 (ABL Crossing Point Jarjine) and at Gate DOG 31 (ABL Crossing Point Brnjak/Bernjak) the present system of control will continue unchanged until the middle of September 2011. If necessary this time frame could be extended. KFOR retains command and control of the crossing points;

– Cars, lorries up to 3,5 tons of weight and trucks with humanitarian goods including food may pass after an identity check and a search for weapons;

– Road blocks will be removed and freedom of movement will be reestablished.

Das ist offensichtlich als Interims-Lösung ausgelegt, und KFOR dürfte auf einige Zeit mit der Kontrolle ausgelastet sein. Knackpunkt bleibt natürlich die Begrenzung von Transporten über die Administrative Boundary Line, die völkerrechtlich umstrittene Grenze zwischen Serbien und dem Nord-Kosovo.

Offen bleibt ja noch, welche roadblocks eventuell bestehen bleiben und wie KFOR damit umgeht.

Ein Foto von der Grenze, pardon, Administrative Boundary Line im Juli: Der Willkommensgruß auf Serbisch, dobro došli, wurde zur weitgehend gestrichen. (Foto: Lena Kilkka/Berlin goes Balkan)

Update: Die Kollegen von Middle East&Balkan News sind vor Ort und berichten: Tensions Reduced after succesful Talks

Mogadischu: Die Milizen gehen, die Probleme bleiben

Unbedingte Leseempfehlung: Der Bericht von Thomas Scheen mit Fotos von Helmut Fricke aus Mogadischu in der FAZ:

Somalia: Die Frucht des Hungers

mit dem Stossseufzer eines ugandischen AMISOM-Generals: Ich wünsche mir, ich hätte einen Bruchteil der Summe zur Verfügung, die jeden Monat für die Anti-Piraten-Mission vor der somalischen Küste ausgegeben wird.