Neuer Anlauf in Libyen: Was ist das?

Eine Frage an die Experten: was ist das? Nach Angaben der Facebook-Seite Change in Libya sollen diese Systeme jetzt überall in Tripolis auftauchen.

Welchen Einfluss hat das möglicherweise auf die NATO-Operationen?

(Foto: „changeinlibya“ via Facebook – if there should be a copyright problem, pls let me know, photo will be removed immediately)

Nachtrag: ok, bin ich jetzt auch durch die Kommentare bei Facebook drauf gekommen: Vermutlich das russische Flugabwehrsystem SA-6 Gainful.

SA-6Gainful

Captured Iraqi SA-6 Gainful low-to-medium altitude surface-to-air-missiles (SAM) on their transporter-erector-launcher (TEL) (Offizielles US-Foto 2006 via Wikimedia Commons)

25 Kommentare zu „Neuer Anlauf in Libyen: Was ist das?“

  • NonTopo   |   25. Juli 2011 - 14:31

    Scheint eine Startrampe Typ 2P25 für das Flugabwehrraketensystem SA-6 „Gainful“ zu sein: http://de.wikipedia.org/wiki/SA-6_Gainful

  • Rado   |   25. Juli 2011 - 14:35

    Erinnert an das russische TOR1 Flugabwehrsystem. Das schlecht erkennbare blaue Emblem mit den gelben Symbolen an der Seite des Vehikels erinnert an die kasachische Fahne (ohne Gewähr).

  • Kluge   |   25. Juli 2011 - 14:36

    Das ist glaube ich eine SA-6 Gainful, Ausführung 2P25, zur Flugabwehr.
    http://de.wikipedia.org/wiki/SA-6_Gainful (zur 2P25 runterscrollen).

  • J.Doe   |   25. Juli 2011 - 14:39

    Das sind Flugabwehrraketen vom Typ SA-6 Gainful. Die Raketen sind radargelenkt, das System ist mobil und reicht bis in die Flughöhen, in denen sich westliche Kampfflugzeuge bei Operationen wie in Libyen sonst so tummeln. Falls die Systeme in Tripolis tatsächlich gehäuft zu sehen sind, bedeutet das:

    -Dass die NATO-SEAD-Operationen wesentlich weniger effektiv waren als angenommen. Wie 1999 im Kosovo hat man wohl fast alle stationären SAM-Systeme erwischt, die mobilen aber nicht vollständig, da sie leichter zu verstecken sind.

    -Die Zerstörung der Systeme in Tripolis könnte schwierig sein, falls die Raketen mitten in bebautem Gebiet stehen. Stichwort: Kollateralschäden.

  • T.Wiegold   |   25. Juli 2011 - 14:49

    @all

    Danke für den input.

    Interessant ist ja die Frage, was dieses – relativ alte – System nicht nur für Kampfjets bedeutet, sondern vor allem für Kampfhubschrauber…

  • Student   |   25. Juli 2011 - 15:02

    Das wär doch mal die große Stunde für die HARM-Raketen der Luftwaffe. Radargestütze Flugabwehr fällt ja in das Beuteschema und eine auf dem Radarstrahl geleitete HARM findet auch einen direkten Weg und verursacht somit sicherlich weniger Kollateralschäden als andere Maßnahmen

  • jakob   |   25. Juli 2011 - 15:04

    Sofern der o.g. Wikipedia Artikel stimmt, scheint es ja keine Sache von 5 Minuten zu sein, eine SA-6 Stellung aufzubauen. Wenn die NATO relativ wach ist, schalten die Lybier das Radar an, eine ALARM/HARM/Tomahawk/etc kommt geflogen und das wars. Aber gut möglich das ich mir das zu einfach vorstelle…

  • Rado   |   25. Juli 2011 - 15:08

    Die Tarnbemalung könnte auch chinesisch sein. Farbe und Muster sind dort ziemlich ähnlich.

  • Benjamin   |   25. Juli 2011 - 15:13

    Dank meines ausgeprägten Wikipedia-Wissens frage ich mich jetzt: Gibt es hier eine echte „News“? Anscheinend hatten die Libyer das gleiche System doch schon in den 1980ern gegen westliche Flugzeuge eingesetzt. Damit dürfte man doch diesmal fest gerechnet haben, oder?

  • Jester   |   25. Juli 2011 - 15:17

    @ Student:

    Die Lw HARM ARM´s sind nicht mehr wirklich State of the art und die Fähigkeit wird inzwischen anderweitig ebenfalls auch abgebildet! Von daher gibt es keinen Grund in Lechfeld unruhig zu werden.

  • M.Broschart   |   25. Juli 2011 - 15:17

    Nur hier der Hinweius: Die Startstation 2P25 ist ohne die Aufklärungs- und Leitstation 1S91 relativ nutzlos. Radarsuchende Raketen ala HARM etc dürften wohl hauptsächlich letztere ausschalten da das TEL-Fahrzeug über kein eigenes Radar verfügt.

  • JCR   |   25. Juli 2011 - 15:38

    Gefühlte 800 Jahre nach dem Kalten Krieg könnte man sich mal angewöhnen, die inzwischen gut bekannten russischen Bezeichnungen für solche Systeme zu verwenden. :)

    2K12 Kub ist nicht sooo schwer…
    Das Problem ist, diese Startrampe 2P25 ohne das dazugehörige Radar- und Führungsfahrzeug 1S91 („Straight Flush“ im NATO Code) nichts nützt.

    Das ist kein selbständiges System, sondern wie Patriot oder HAWK auf ein Such- und Beleuchterradar (welches aber immerhin auf ein und demselben Fahrzeug installiert ist) angewiesen.
    Das heißt ohne ein Führungsfahrzeug sind diese Startrampen eindrucksvoll anzusehen aber letztlich völlig nutzlos. Vielleicht kann man die Raketen von der Startrampe selbst manuell starten und irgendwie optisch lenken, aber das dürfte nicht effektiv sein.

  • Voodoo   |   25. Juli 2011 - 15:46

    Zumal die Dinger hoffnungslos veraltet sind und nicht wirklich gut gegen ECM „performen“… Das Radar dieser Einheiten ist auch eher gegen Ziele in mittlerer bis großer Höhe entworfen worden, somit ist es mWn nicht so wirklich wirksam gegen tieffliegende Hubschrauber. Dafür hat(te) man z.B. die SA-8.

  • J.Doe   |   25. Juli 2011 - 15:51

    @JCR:

    Es scheint inzwischen tatsächlich auch optisch gelenkte Varianten der SA-6 zu geben, wie schon bei der SA-3.

  • TF47   |   25. Juli 2011 - 15:57

    ist es inzwischen eigentlich gelungen die HARMs der Luftwaffe auf Block D hochzurüsten oder feuern wir immer noch Block B wie im Kosovo?

  • JCR   |   25. Juli 2011 - 16:08

    Man kann anscheinend den Flugkörper als Alternative zum Radar vom Führungsfahrzeug aus mittels eines Visiers optisch lenken, das sieht dann wohl ähnlich aus wie bei einer MILAN oder so, aber wie gesagt, nur von Führungsfahrzeug, nicht von der Startrampe aus. Der Wikipediaartikel (anscheinen von einem NVA- oder russ. Fla-Rak Offizier geschrieben, ich hab das Gefühl ich kann das System bedienen wenn ich den durchgelesen hab;)) gibt eine Reichweite von 45 km optisch an, aber das ist wohl optimistisch.
    Und die Führungsfahrzeuge dürften wohl schon von der NATO bekämpft worden sein, und selbst wenn nicht, ein Führungsfahrzeug kann man nicht hinter einer Moschee verstecken, da es ja freie Rundumsicht für das Radar und die optischen Instrumente braucht.
    Interessanterweise funktioniert die Datenübertragung schon bei einem System aus den 60ern drahtlos, Kabel sind optional.
    Insgesamt ist Kub immernoch ein Leistungsfähiges System, aber die Version, die Libyen hat dürfte der NATO sehr gut bekannt sein. Gerade die drahtlose Kommunikation zwischen Führungsfahrzeug und Startrampen und der Datenlink zwischen Führungsfahrzeug und Flugkörper dürten gut störbar sein, vor allem weil die NATO das ja am echten System testen konnte.
    Jeder Warschauer-Pakt Staat hatte das System (auch die NVA) und zwar in einer noch leistungsfähigeren Exportversion als die libysche.

  • Sun Tzu   |   25. Juli 2011 - 16:15

    Ich denke, man sollte sich mal die Raketen näher ansehen.

    Das sind meiner Meinung Typ 3M9M3, also uralt, moderne Verteidigungssysteme neutralisieren die Dinger. Wenn Hubschrauber keine Anfängerfehler machen, sind die nicht wirklich gefährlich.

    Sorgen müsste man sich machen, wenn da 9M317- Flugkörper draufmontiert wären. Soll ja derart modernisierte 2K12 im Wüstensand gegeben haben. Zudem funktionieren diese Startrampen nur im Verbund mit anderen Fahrzeugen dieses Waffensystems. Es wäre nicht verwunderlich, wenn die zugehörige Aufklärungs- und Leitstation bereits zerbombt ist und die Libyer nun die Reste der Batterie für Volkspropaganda einsetzen und dafür durch die Straßen rollen lassen.

    So dient das der Propaganda. Allein die Tatsache, dass man die Dinger tagsüber verlegt, deutet darauf hin, dass man gesehen werden will – was ja funktioniert hat, wie man am Bericht dieses Blogs sieht.

    Auswirkungen/Einfluss? Nun, ein paar Klimaschützer könnten sich über den nicht mehr zeitgemäßen Spritverbrauch dieser Fahrzeuge aufregen … Claudia Roth könnte sich empört und auch ein Stück weit traurig zeigen ob dieser unnötigen Verpestung der Atmosphäre.

  • T.Wiegold   |   25. Juli 2011 - 16:33

    @all

    Da ist doch einiges zusammengekommen:

    In Tripolis wurden nach unbestätigten Berichten zahlreiche mobile Startrampen des Flugabwehrsystems 2K12 Kub (NATO-Bezeichnung SA-6 Gainful) gesichtet. Allerdings sind diese Systeme offensichtlich älterer Bauart, nicht wirklich wirkungsvoll gegen elektronische Gegenmaßnahmen und vor allem ohne die dazu gehörigen Radar/Führungsfahrzeuge nicht oder nur sehr begrenzt einsetzbar.

    Das zusammen mit der Tatsache, dass diese Fahrzeuge sichtbar bei Tageslicht verlegt wurden, deutet vor allem auf Propagandazwecke hin.

    (Und damit wären wir schon ein Stück weiter als die simple Propaganda.)

  • b   |   25. Juli 2011 - 17:57

    Mit den $100 Millionen die unsere Regierung gerade den Rebllen in den Hinter schiebt können die sich dann auch solches Spielzeug leisten.

  • Feldmaus   |   25. Juli 2011 - 19:15

    Warum verkaufen wir denen nicht unsere alten Gepards?

  • Thomsen   |   25. Juli 2011 - 20:09

    Weil dann eine gesamte Fraktion nach kollektiver Schnappatmung kollabiert.

  • Voodoo   |   25. Juli 2011 - 20:42

    Genau, denn mit dem Radar kann man Demonstrationen schnell auffinden und dann mit den Maschinenkanonen die armen, freiheitsliebenden Menschen unterdrücken. Womöglich kann man ein Räumschild nachrüsten! :wall:

  • Roman   |   25. Juli 2011 - 20:59

    Propagandazwecke hin oder her. Ohne nachvollziehbare Meldungen über Abschüsse bringt das doch gar nichts. Selbst der blödeste Wüstensohn kann das Donnern der Nato-Jets jede Nacht hören.
    Man kann höchstens damit Angriffe auf die Stellungen der Geräte provozieren, vielleicht so einen Kollateralschaden provozieren.

    Wenn diese Rakten mit optischen Instrumenten gelenkt werden können, kann man sie dann auch als SSM einsetzen? Man bräuchte ja auch keinen Zünder sondern könnte so schön einen Straßenzug in Brand setzen, in dem sich gerade so viele „Freiheitskämpfer“ befinden.

    @ b

    Wir versuchen uns da gerade einzukaufen, warum auch immer. Wir sollten lieber Gas-Gerd und seinen Kumpels das Geld geben.

    @ Feldmaus

    Weil gerade Sommerpause ist und die Exportanträge nicht rechtzeitig bearbeitet werden.

    @ Voodoo

    So einige Geparden da unten, das wäre schon was. Damit könnte jeder Ansturm dieser tollen, freiheitsliebenden Wüstendemokraten schnell und menschenfreundlich beendet werden.

  • JCR   |   25. Juli 2011 - 21:07

    Die S-75 (SA-2) hatte einen „Verteidigungsmodus“ gegen Bodenziele.
    Ich nehme an daß das wohl ein Standardfeature russischer SAMs ist.
    Mit der optischen Lenkung über TV-Kamera dürfte das gehen.
    Allerdings hat man bei vielen Exportversionen das TV-System weggelassen.

    Aber wie gesagt, nur vom Führungsfahrzeug aus.
    Die Startrampe hat einen „Kommandanten“, der aber im Prinzip nur eine Art Elektriker ist und dessen Aufgabe lediglich die Sicherstellung der Funktion von Schwenkwerk und Flugkörper ist (der Wiki-Artikel ist echt Klasse, interessant wie so was alles funktioniert;))
    Anscheinend kann er die Raketen nicht selber abfeuern.
    Schon die lokale Suche über das Führungsfahrzeug der Batterie gilt übrigens als suboptimal, eigentlich sollen die im Regimentsverband eingesetzt werden.

  • Georg   |   25. Juli 2011 - 21:59

    Propaganda hin oder her, Fakt ist, dass die SA 6 der Serben die Piloten der Nato anläßlich des Luftkrieges gegen Serbien 1999 ganz schön ins Schwitzen gebracht haben. Nun waren die Serben sicherlich besser ausgebildet und hatten vermutliche eine bessere Version der SA 6 als die Libyer. Falls die zugehörigen Radargeräte und Feuerleitstationen noch nicht zerstört sind, dann hat die Nato ein Problem.
    Im Fall Kosovo bzw. im Luftkrieg gegen Serbien haben die Serben die SA 6 in einem Gebirgstal auf und ab fahren lassen. Wenn die Nato-Piloten über die Gebirgskette kamen, wussten sie nie von wo aus sie erfasst wurden. Meistens haben die Serben die Radaranlage nur kurz eingeschaltet und einen HARM Verschuss provoziert. Der HARM Flugkörper hat das Ziel des öfteren nicht zerstört, weil es erstens beweglich war und zweitens während der Flugphase der HARM sein Ziel Lock-on verloren hat weil das Radargerät abgeschaltet wurde. Trotzdem war die SEAD sehr erfolgreich, weil die Serben gezwungen waren ihre radargebundene FlaRak abzuschalten, bzw nicht einzusetzen.
    Das Problem war nur, das die SA 6 Batterien überlebten. Also vermutlich ist dies jetzt 10 Jahre später besser zu handeln gewesen. Gebirgstäler gibt es in der Wüste ebenfalls nicht und die Libyer sind nicht so gut ausgebildet wie die Serben.
    Vermutlich eben doch Propaganda, aber ganz sicher kann man wohl nicht sein.