NATO übernimmt nach Unruhen Grenzübergänge im Kosovo

Nach den gewaltsamen Auseinandersetzungen an den Grenzübergängen vom Kosovo nach Serbien hat die NATO gestern abend die Kontrolle über diese Grenzübergänge übernommen und sie zum militärischen Sicherheitsbereich erklärt – was den Einsatz militärischer Mittel bis hin zu letalen Wirkmitteln ermöglich, also auch tödliche Schüsse.

Die aktuelle Meldung von AP: NATO in Charge of Kosovo border crossings

Die jüngste Pressemitteilung von KFOR:

After a day of demonstration, the situation deteriorated at the Customs Post at Jarinje (Gate 1), and it was confirmed that an act of arson was committed against that position by unknown persons. There have also been confirmed reports of shots fired at KFOR personnel in the vicinity. KFOR Forces there will be reinforced during the evening in order to prevent further escalation of the situation. This will be an ongoing process and KFOR expects that after this reinforcement order will be quickly restored.

At the Customs Post in Bernjak/Brnjak (DOG 31) KFOR has increased its security measures and its personal protection at that location.

Commander of KFOR, General Erhard Bühler today part icipated in several meetings with political leaders from both sides in order to negotiate a solution along the lines of yesterday’s three-point statement:

–                      All NjSO (ROSU) units will return to the South;
–                      Serbian roadblocks will be removed;
–                      At Jarinje Customs Post “normal” Kosovo Police Officers of both ethnicities will be posted.

Major General Bühler, appeals to all peaceful peopl e of Kosovo to abstain from violence and to support a peaceful solution to the current crisis.

Der (deutsche) KFOR-Kommandeur Bühler hat auch beim zuständigen NATO-Kommando in Neapel die Freigabe des so genannten Operational Reserve Force (ORF) Bataillon beantragt – was allerdings noch nicht heißt, dass diese zusätzlichen Kräfte auch tatsächlich eingeflogen werden. Derzeit stellt das Raketenartilleriebataillon 132 aus Sondershausen den Großteil dieser Eingreifkräfte.

Dazu Update vom Donnerstagabend: Nach Angaben aus dem HQ KFOR wird das ORF-Bataillon erst mal nicht aktiviert.

Update von KFOR am Donnerstagmittag:

Commander of KFOR, General Erhard Bühler thanks all the citizens of Kosovo and from the all Regions. The vast majority of the citizens in every Region of Kosovo had been peaceful, calm and disciplined.

”I am very proud on the people of Kosovo because they haven’t been led into violence or aggression”. On Commander’s KFOR Command, KFOR has taken over Command and responsibilities of the Border Boundary Border Crossing at the Customs Post at Jarinje (Gate 1) and in Bernjak/Brnjak (DOG 31).

GATE1 at Jarinje is closed. Infrastructures are heavily damaged and it could collapse; for security reasons there is high risk for the people. Small private cars may cross the boundary on their own risk. However they will be checked by KFOR and searched for weapons and other prohibited goods.

Trucks are not allowed to enter. At Dog 31 in Bernjak/Brnjak controls are very strict as well, because of security reasons.

KFOR continues to deploy troops everywhere in the North, in order to maintain the Safe and Security Environment and Freedom of Movement. Especially Freedom of Movement has strictly to be respected by all civilians in Kosovo, especially in the North.

Yesterday criminal, violent, arson attack and shootings will be investigated. Commander of KFOR, General Erhard Bühler, with the full support of the NATO authorities and the international organizations will still be strongly committed to maintain peace and security in Kosovo, especially in the North.

General Erhard Bühler expressed his own appreciatio n for the well accomplished job conducted by all KFOR soldiers. He pointed out their readiness and the prompt reaction to any threat.

KFOR soldiers are highly motivated and ready to accomplish their tasks.

Und jetzt auch bei bundeswehr.de: Sachstand: Spannungen im Nordkosovo

Nachgetragen von gestern: Die Bilder von der Gewalt an den Grenzübergängen

30 Gedanken zu „NATO übernimmt nach Unruhen Grenzübergänge im Kosovo

  1. Na, dann sind wir also wieder auf dem Status von 2008. Leider reicht das Gedächtnis der NATO nicht allzu weit zurück, denn die Aktionen der Hardliner sind grundsätzlich vorhersehbar und in der Regel durch geeignete präventive Maßnahmen zu verhindern.

  2. Die ORF besteht laut dem Artikel aus 580 deutschen und 120 österreichischen Soldaten. Wobei die Deutschen, wenig überraschend, u.a. die Logistik stellen und der kleinere Partner die Kampftruppen …..

  3. Das ORF Battaillon besteht mittlerweile im Schwerpunkt aus 3 Kompanien, die aber nicht mehr mit KPz und SPz ausgestattet sind, sondern mit Wölfen und Füchsen/Dingo 1. Bzw. den pendants unserer AUT-Kameraden.

    Also keine Kampftruppen sondern Mobile-Checkpointtruppen.
    Aber keine zu unterschätzende Anzahl an Manpower, wenn ich mir die STäbe bei KFOR anschaue, so ist das ORF-BTL dann doch einer der stärksten Verbände, was die „Boots on the Ground“ außerhalb der Lager betrifft…

  4. Ist es schlimm, dass die Bundeswehr die Logistik stellt? Immerhin stellt Deutschland auch das fünffache an Personal…übrigens auch 2 Einsatzkompanien und den Stab.

  5. Aber diese Mobile-Checkpointtruppen müssen doch auch kämpfen können!?
    Warum nimmt man dafür Soldaten eines Raketenartilleribataillons?
    Inf., PzGren wären dafür doch besser geeignet.

  6. Das ORF Btl ist nicht für den Schießkrieg gedacht, sondern als Reserve für eine robuste „Riot Controll“…

  7. Jedoch wurde gestern vom serbischen Mob, Milizen? geschossen…
    Ich weiss nicht viel über die Lage im Kosovo. Aber Waffen und Männer die damit umgehen können gibt es sicher zuhauf…

  8. Wo sollen denn noch die ganzen Infanteristen herkommen? Die werden woanders dringender gebraucht. Bei KFOR werden Checkpoint- und CRC-Kräfte gerbaucht. Das können Artilleristen genauso gut wie Infanteristen, dafür werden sie ja vorher ausgebildet ;)
    Die Dingos sind für ORF übrigens nicht mehr verfügbar.

  9. Weil die Inf und PzGrenVerbände mittlerweile am oder sogar über dem Limit operieren – Vorbereitung Afghanistan -> Einsatz -> Nachbereitung, Wunden lecken, und langsam wieder vorbereiten. Was meinen sie, warum man wieder mehr JägerTr haben will?

  10. Robuste „Riot Controll“ schließt die Anwendung von Waffen ja nicht aus – im Gegenteil. Man sollte sich aber Eskalationsstufen bewahren.

  11. Ich kann auch einem Kampfunterstützer beibringen, wie er Crowd and Riot Control macht und wie er Checkpoints betreibt. Und das machen die sogar seit Jahren sehr gut. Um eine Auto zu kontrollieren brauche ich keinen im Jagdkampf ausgebildetetn Soldaten. Grundsätzlich offenbart das aber mal wieder das alte Problem, dass die Bw nicht in der Lage ist, alle Anforderungen der Einsätze mit primär geeignetem Personal zu befüllen.

    Die Jäger und PzGrenKräfte (die wenigen die noch da sind), werden im Schwerpunkt ISAF benötigt.

    Und solange die Stäbe im Einsatz im Vergleich zu DEU so aufgebläht sind, werden wir es auch nie schaffen, ein ganzes Bataillon in den Einsatz zu schicken.

  12. Ich denke auch dass es mit der überlastung der Inf und PzGrenVerbände zusammenhängt dass man Artilleristen im ORF Bataillon einsetzt. Denn wenn die Lage wirklich eskaliert und es zu Kämpfen hoher Intensität kommt ist ein Inf oder PzGren sicher besser auf die Lage vorbereitet und ausgebildet als ein Artillerist.

  13. Es soll ja sogar „arme irre“ Kampfunterstützer geben die sich eigene Züge für CRC halten. Wie war der Name noch…ach ja…Feldjäger…aber richtig, das ist ja keine Kampftruppe…

    Entschuldigung aber ich reagiere mitunter etwas gereizt, wenn ich diese Anwandlungen über Abwertung der verschiedenen Fähigkeiten von Truppenteilen lese. Alles unter dem Tenor: Nur Kampftruppe ist das einzig Wahre im Soldatentum…
    Dieses immer wieder aufkeimende Thema geht mir mittlerweile echt auf die Nerven.
    Scheuklappenmentalität und Angst vor dem Verlassen des Tellerrands…

    Daher danke an @FNU SNU für die ersten beiden Absätze. Wobei das CRC Geschäft aber nicht von der Kampftruppe in Eigenregie entwickelt wurde, um es dann den Unterstützern beizubringen. Stichwort CRC-Züge Feldjäger wie oben bereits angemerkt.

  14. Ich wollte hier Niemandem auf den Schlips treten, geschweige denn Truppenteile abwerten.
    Selbstverständlich sind ALLE Teile einer Armee wichtig.
    Aber die Spezialisierung die es in Armeen schon seit Jahrhunderten gibt, existiert ja nicht umsonst.
    Wobei moderne Feldjäger sicher eine Sonderstellung zwischen Kampftruppen und Unterstützern einnehmen.

  15. Die „Artilleristen“ machen nach der Einsatzvorbereitung, bestimmt einen besseren Infanteristen, als es umgekehrt der Fall wäre :)

    Das Rakartbat 132 ist unser einzigstes, so nebenbei bemerkt. Als nächstes schicken wir dann ein ganzes Musikkorps darunter, von denen haben wir mehr.

  16. „Die “Artilleristen” machen bestimmt einen besseren Infanteristen, als es umgekehrt der Fall wäre“
    Davon bin ich überzeugt;-)

  17. @Urlauber:
    Wir stellen derzeit nur 1 Einsatzkompanie, die taktisch durch die Amerikaner in FC Bondsteel geführt wird. Der Stab ist Multinational besetzt, aber wir stellen einen beträchtlichen Anteil, was der Tatsache geschuldet ist, das der COM KFOR Deutscher ist…

    @FNU SNU
    Volle Zustimmung was die Aufblähung der Stäbe angeht…Man Bedenke: 1 (In Worten: EINE) Einsatzkompanie, der Rest ist Inst, Log, Stabspersonal…die machen mit Masse einen super Job, ich weiß das, aber das Verhältnis, „Zähne-zu-Schwanz“ stimmt dort genausowenig wie in der gesamten Bw….
    Nochmal zu den Stäben: Leider geht es hierbei häufig um das „Gewicht auf der Schulter“ an der Spitze des jeweiligen Stabes um multinational mitreden zu können…Und dafür möchte/benötigt der A16er/B3er eben den entsprechenden Unterbau, die sich dann mit Masse selbst beschäftigen / verwalten und permanent auf dumme Ideen kommen…

    Ich stimme Dir im übrigen zu, das die CRC eine Kernkompetenz der FJgTr ist, aber haben wir genug FJgKr um einen CRC-Zg durchhaltefähig (d.h. Schichtfähig, Reserve plus Personalersatz) in den Einsatz zu bringen?? Ich glaube kaum, denn das würde bedeuten, das du zwei bis drei FJgDstKdos komplett dicht machen musst, um das Personal dafür freizusetzen…Mal abgesehen davon das Du dann noch kein Personal in der Vorbereitung für das Folgekontingent hast, Personal was dieses wiederum ausbildet etc…..es läuft immer wieder aufs gleiche hinaus:

    Champions League spielen wollen, aber nur auf dem Ascheplatz trainieren können funktioniert auf Dauer nicht…man bedenke: Das „K“ in „Transformation“ steht für Kompetenz.

  18. Auf einmal ist Deutschland in ein einem aktuellen Konflikt, der dieses mal tatsächlich im eigenen Interessengebiet liegt, Haupttruppensteller. Das wäre doch die Chance, verlorenes Vertauen zurück zu gewinnen und -einmal ganz ohne Eiertanz – eine klare politische Linie mit professionellem militärischen Einsatz zu verbinden.

  19. Die Damen und Herren mit den roten Litzen haben übrigens, wie auch die mit den rosa Litzen, schon länger in Zweitrolle infanteristische Aufgaben. Die wollen ja schließlich auch mal in den Einsatz. ;-)

  20. @henner
    ironie an:
    Pfui aus. Wir sind doch garantiert Haupttruppensteller weil wie wieder zu lange gebraucht haben, unsere Kräfte zurückzufahren. Und auch noch Interessengebiet, das klingt doch böse!
    Ironie aus.

    Meiner Kenntnis nach sind ein Grpßteil der Kräfte immer noch der San-Bereich, da das Einsatzlazarett mittlerweile das einzige (neben Bondsteel (?) ist, das existiert.

    Das Alte ORF-BTL sah ja noch 1 StKp und 4 Einsatzkompanien vor.

    Und die DEU Kräfte wurden ja massiv reduziert, um Kräfte bei ISAF freizubekommen…
    Weil wir es nicht hinbekommen, die Wasserköpfe zu reduzieren.

    Fur Personen mit Intranetzugang: Wer sich mal anschaut, in welchen Ländern welche Personen zu finden sind, wirds mir schlecht. Gefühlte 50 StOffz der Marine weltweit.
    Von den anderen Dienstposten die da noch so rumdümpeln garnicht zu reden.

    Sicher hat das alles irgendeine Begründung. Nur muss ich endlich:
    a) Die gesamte Papierwut und Meldpflicht reduzieren und dann
    b) Wasserköpfe und doppelkompetenzen oberhalb der Brigaden abschneiden.

    dann bekommen wir auch mal wieder Divisionsstäbe, die nicht nur 2 Brigaden führen..
    Und Brigaden, die mehr als 2 Kampftruppenbataillone haben…

  21. Kleines Zwischen-Update: Wohl kein ORF-Bataillon – aber die Bestätigung dafür habe ich noch nicht.

  22. @T.W.: Wurde der Antrag das ORF-Btl einzusetzen abgelehnt oder wurde er – entgegen der ersten Informationen – gar nicht offiziell gestellt? Wenn ma das ORF-Btl jetzt nicht einsetzt, dann weiß ich endgültig nicht mehr wofür diese operative Reserve da ist.
    Verstehen muß man es nicht.

  23. @FNU SNU

    DEU hat das EInsLaz als sog. „Theatre Asset“ (Einer für Alle vor Ort) in der Role 3 zugesagt und stellt das auch sicher…Bondsteel (US SanKr) stellt lediglich die Role 2+ dar… Und natürlich die AirMedEvac-Kapazität…

    Das Brigade-Combat-Team-Konzept der Ami’s hat schon was für sich…auch wenn ich der Meinung bin das wir ganzheitlich betrachtet viele Dinge besser können und machen (mit weniger Geld und Personal) ist der Grundgedanke durchaus sinnig und stimmig..es scheitert in dieser Struktur mE erneut daran, dass keine klare Zielsetzung von Seiten der Politik erfolg:

    Was soll die Bundeswehr alles können?
    In welcher Intensität soll sie es können?
    Wo soll sie es können?
    Wie lange will ich „stand-alone“ durchhaltefähig sein?

    Diese Fragen gehören von politischer / militär-strategischer Seite beantwortet, um dann mit einem weißen Blatt Papier die Streitkräfte auszuplanen…

    Aber dann sind wir wieder bei Napoleon (???), der schon bemerkte man rüstet immer für den vergangenen Krieg (i.d.F. Konflikt)…

    @ Urlauber

    Ich bin davon ausgegangen dass sich Deine Aussage auf die derzeite EinsKp bezog, im ORF haben wir mehr. In welcher Intensität diese dann (durchhaltefähig) wirksam werden können lasse ich dahingestellt…

    Ist aber ohnehin ja wieder vom Tisch (wäre vermutlich auch das falsche „politische“ Signal) schließlich ist KFOR ja eine Erfolgsgeschichte (PErsonen mit Intranetzugang wissen was ich meine…)

  24. @Interessierter

    Eine Lernfrage: Nachdem ich in MeS gesagt bekam, das Einsatzlazarett dort sei Role 2+, scheint mir die Zuordnung des deutschen in 3 und des amerikanischen in 2+ nicht so schlüssig? (Die Argumentation war, das Role 3 auch Rehab facilities beinhalte, die es aber i.d.R. im Einsatz nie gebe…)

  25. @T.Wiegold

    Leider bin ich im Bereich SanDst auch nur begrenzt auskunftsfähig, deswegen kann ich zur generellen Klassifizierung ad hoc nichts sagen was über dieses Hinaus geht (da ich mich mit der dezidierten Unterscheidung bisher nicht befasst habe):

    http://www.nato.int/docu/logi-en/1997/lo-1610.htm

    Ich gehe jedoch davon aus, das die Role 3 im KOS auf die „besonderen Diagnosefähigkeiten“ (MRT, CT, Mikrobiologie, etc.) und die „Präventivmedizin“ (Lebensmittelhygiene, -labor) abzielt.
    Ich weiß nicht in wieweit dies in AFG als „National Asset“ der jeweiligen truppenstellenden Nationen bereitgehalten wird und die Unterscheidung daher rührt.

    Grundsätzlich ist solch eine Einstufung an gewisse Parameter geknüpft die wieder in irgendeinem STANAG fixiert sind.

    Lange Rede, garkein Sinn: Ich hoffe ich konnte ein wenig Licht ins Dunkel bringen auch wenn ich eine handfeste und belastbare Antwort schuldig bleiben muss…

    OT:
    Danke für den Tollen Blog, weiter so!!

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