Gorch Fock bleibt Schulschiff ohne Schatz

Jetzt taucht er an verschiedenen Stellen auf, Bericht der Havariekommission zur Gorch Fock. Beim NDR, bei der Welt, bei Spiegel Online, bei Reuters, bei dpa,  bei der Financial Times Deutschland. (Ich hab‘ ihn leider noch nicht. Nachtrag: Jetzt hab‘ ich ihn auch, mal sehen, ob das Update noch heute abend oder morgen kommt.)

Kernaussage: Der Segler soll Schulschiff bleiben. Und Kapitän Norbert Schatz geht endgültig von Bord.

Die endgültige Entscheidung trifft dann doch wahrscheinlich der Verteidigungsminister.

5 Gedanken zu „Gorch Fock bleibt Schulschiff ohne Schatz

  1. Dass die Gorch Fock das Segelschulschiff der deutschen Marine bleiben soll, war abzusehen. Noch in Ushuaia soll der Leiter der ersten Untersuchungskommission, KAdm Dr. Kolletschke, angeblich gefordert haben, die Fock solle spätestens wieder an der „Hanse Sail“ in Rostock teilnehmen. Mag man dem Glauben schenken, verwundern zwei Tatsachen nicht: Zum einen hat KAdm Dr. Kolletschke seinen Amtssitz in Rostock, zum anderen wurde sein Untersuchungsbericht heftig kritisiert.
    Selbst der Wehrbeauftragte, der von Amtswegen die Affäre ins Rollen gebracht hat, äußerte sich zuletzt gegenüber und abseits der Medien zustimmend für einen Erhalt der weißen Dreimastbark. Schließlich sollen bei der Befragung der Offizieranwärter der Crew VII/10 im Zusammenhang mit den Vorwürfen erhebliche Widersprüche zutage gekommen sein.

    Sofern man den Medien, die den jetzigen Untersuchungsbericht veröffentlicht haben, glauben schenken darf, wird es einige grundlegende Erneuerungen geben. Anscheinend hat man dabei kräftig bei den Seestreitkräften befreundeter Nationen abgeschaut (z.B. Italien und Portugal). Einige Fragen bleiben jedoch ungeklärt:
    • Aufstellung eines Übungsmastes
    => Da es sich bei der Marine um eine Regierungsinstitution handelt, muss der Auftrag europaweit ausgeschrieben werden und das dauert
    • Begleitung der Rekruten durch Kadettenoffizieren
    => Wo sollen diese untergebracht werden? Als Offiziere stünden ihnen Zwei-Mann-Kammern zu. Davon gibt es nicht genug. Müsste eine Laufbahngruppe (z.B. PUOs) umziehen? Oder quartiert man die Kadettenofffiziere ins 16-Mann-Deck ein?
    • Ausbildung zu einem späteren Zeitpunkt
    => Wird die komplette Offizierausbildung umgestellt oder werden nur einige Module vertauscht?

    Abzuwarten bleibt jedoch der Bericht der Pommerin-Kommission. Ich gehe davon aus, dass diese sich vor allem für neue Sicherheitsmaßnahmen und eventuell auch zu einer anderen Bordorganisation äußern wird – gerade in Rückblick auf das nicht immer konfliktfreie Miteinander zwischen Lehrgang und älteren Mannschaftsdienstgrade (Toppsgasten und Alte Segelcrew).

    Dass KzS Schatz nicht mehr an Bord zurückkehren wird und er selbst um eine Ablösung von diesem Dienstposten gebeten hat, ist verständlich, aber dennoch schade. Im Offizierkorps der Marine und insbesondere bei denen, die ihn kennen bzw. kannten, herrscht Unverständnis und Zorn gegenüber dem Inspekteur der Marine, dem man Farblosigkeit vorwirft.

  2. @ Polybos

    Nochmals, die schwerwiegenden Vorwürfe des Untersuchungsberichtes bezüglich der mangelnden Dienstaufsicht durch den Kommandanten und die Offiziere des Segelschufschiffes. Alles kein Thema ? Einfach ein weiter so mit kleinen Korrekturen ?

  3. @ Polybos + Georg
    Also ich bin auch der Meinung das der Bericht eine klare Sprache spricht. KzS Schatz mag ein netter Mensch und guter Kamerad sein, aber als Kommandant hat er scheinbar versagt. Das haben ja nicht Journalisten, sondern Marineoffiziere im Auftrag des Inspekteurs der Marine festgestellt!

  4. @Georg:

    Meiner Meinung nach müsste die komplette Offizierausbildung der Marine neugeordnet werden. Das jetzige Modell, das 2006 eingeführt wurde, taugt offensichtlich wenig. Die „Seemännische Basisausbildung“ auf der Gorch Fock ist nur ein kleiner Teil. Eine kosmetische Korrektur wird die bestehenden Probleme nicht lösen. Dazu gehört meiner Ansicht vor allem der Einstieg der Kadetten:
    Die sechswöchige „Soldatische Basisausbildung“ versucht aus jungen Menschen, zumeist frischgebackene Abiturienten, Soldaten zu machen. Dass das nicht funktioniert, sieht man spätestens beim Gelöbnis. Ich halte ebenfalls das Konzept, Seekadetten als Ausbilder einzusetzen, für fragwürdig, denn diese müssen ebenfalls beaufsichtig werden. Dass die Rekruten in komfortablen Zwei-Mann-Stuben eines Schlossen hausen, wirkt sich dahingehend negativ aus, wenn sie plötzlich an Bord der Gorch Fock oder einem Grauschiff in kleinen Kammern „zusammengepfercht“ werden. Die Entbehrung von Privatsphäre muss man in meinen Augen ganz am Anfang einer Militärkarriere erlernen und nicht Wochen oder Monate später.
    Kurzum: Eine dreimonatige Allgemeine Grundausbildung mit infanteristischen Elementen – wie es sie seit Gründung der Marine bis 2005 gab – muss wieder her.

    @ Heiko:
    Ich denke, Sie haben genauso wenig wie ich den Bericht gelesen. Das, worauf wir uns berufen, sind von den Medien zusammengestellte Ausschnitte. Es wäre demnach zu einfach, sich darauf zu verlassen.
    Vor dem Hintergrund des Havarieberichts sollte man wissen, dass dieser unter Federführung von KzS Brühn erstellt wurde. Er war der Vorgänger von KzS Schatz. Es heißt, beide Stabsoffiziere hätten nicht das beste Verhältnis zueinander.
    Des Weiteren ist nicht der Kommandant, sondern der I. Divisionsoffizier (DO) für die Ausbildung verantwortlich. Er sowie die restliche Besatzung unterstehen wiederum dem Ersten Offizier (IO). Merkwürdigerweise ist von diesen Personen nie die Rede. Der Kommandant hat zwar das letzte Wort an Bord eines Schiffes und ist in diesem Fall der Vorgesetzte des IO, doch es kommt mir so vor, als wird seiner Funktion und in diesem Fall auch Person mehr Beachtung geschenkt als dem System. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Dienstzeit von KzS Schatz kurz vor dem Zwischenfall ein zweites Mal verlängert worden ist!
    Ich kann es zwar nachvollziehen, dass sowohl die Marine als auch er selbst eine Rückkehr an Bord ablehnen, dennoch finde ich es von der Marineführung schlimm, wie mit seiner Person umgegangen ist. Der Tod der Kadetten im Herbst 2011 war sicherlich schlimm, doch formal handelte es sich um einen Betriebsunfall. Selbst die Vorwürfe gegen die Schiffsführung konnten sich nicht erhärten. Die genannten Mängel, mit denen sich jetzt mehrere Kommissionen befassen, gab es schon vor Schatz und seinen Vorgängern.

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