Das Funk-Netzwerk der Taliban?

Eigentlich, dachte ich, habe ich die (militärische) Entwicklung in Afghanistan halbwegs im Blick. Aber eine heutige Pressemitteilung der ISAF belehrt mich eines Besseren:

United Arab Emirates Army Aviation Task Force 14 pilots flew an AH-64D Apache Longbow helicopter, and pilots from Troop A, Task Force Palehorse, 7th Squadron, 17th Cavalry Regiment, flew an OH-58D Kiowa Warrior helicopter over mountainous terrain in a combined effort to destroy insurgent communication towers.
The towers, which resemble radio antennas, were strategically placed along mountainsides for maximum reception and were difficult to see from a distance.
“We were able to locate the repeaters through deliberate reconnaissance and other forms of intelligence gathering,” said Maj. Matthew Chambers, the fire support officer for Task Force Thunder.
A repeater is a tower that collects information sent to it from one radio and sends the information to another radio, allowing a flow of long-range communication.

Mit anderen Worten: die Taliban haben offensichtlich in Teilen Afghanistans ein eigenes Kommunikationsnetzwerk aufgebaut – über Funk, mit Verstärker-Stationen. Es kommt mir komisch vor, aber davon habe ich noch nichts gehört bisher. Weiß jemand von meinen Lesern mehr?

19 Kommentare zu „Das Funk-Netzwerk der Taliban?“

  • Roland   |   09. Juli 2011 - 11:37

    Diese Informationen sind korrekt. Der Einsatz von „Relaisstatione“ gehoert inzwischen zu den bekannten TTP’s (Tactics, Technics and Procedures) der INS, um die Kommunikationsmoeglichkeiten in diesem schwierigen Gelaende zu verbessern.

  • Voodoo   |   09. Juli 2011 - 11:51

    „United Arab Emirates Army Aviation Task Force 14 pilots flew an AH-64D Apache Longbow helicopter,[…]“
    Das hat mich mehr gewundert ;)

    Die Kommunikation der INS war seit jeher schon gut, streckenweise besser als die der Koalitionskräfte. Das dazu auch Sendemasten gehören müssen, war ein offenes Geheimnis.

  • TomTom   |   09. Juli 2011 - 12:22

    Wenn man das schon länger weiß bleibt doch die Frage, warum man erst jetzt darauf reagiert. Militärisch kann es bei der vorhandenen völligen Luftüberlegenheit kein Problemnsein, diese Masten zu zerstören.
    Sofern man das will und nicht etwa die Kommunikation des Feindes abhören kann.

  • Alex   |   09. Juli 2011 - 12:29

    Die Triangulierung der Masten sollte doch auch kein großes Problem darstellen? Oder ist das Terrain hier ein sehr großer Faktor?

  • T.Wiegold   |   09. Juli 2011 - 12:42

    ok, wieder was gelernt (und aus einer ganz offenen Quelle!).

    Passt nicht so ganz zum gern vermittelten Bild der hochmotivierten, aber schlecht ausgerüsteten Badelatschenkrieger…

  • klabautermann   |   09. Juli 2011 - 13:04

    @ Herr Wiegold ;-)

    das von Ihnen als „gern vermitteltes“ Bild angesprochene Phänomen ist eben Teil des ‚war on perceptions‘. Die ‚perceived truth‘ ist immer anders als die ‚ground truth’……wie kann man denn von den Haushältern 100e von Millionen Dollar für Tactical SATCOM mit Mb/sec Bandbreite fordern, wenn man andererseits zugeben muß, dass es auch mit guter alter (analoger) comms geht ? ;-)

  • b   |   09. Juli 2011 - 13:48

    CSM, März 2010: Afghanistan war: How Taliban tactics are evolving
    Often portrayed as mindless fanatics, the sophistication of Taliban military tactics in the Afghanistan war have impressed US military officials.

    The Taliban also must communicate with one another, however, and their devices — VHF radio-relay networks that use hundreds of small antennas linked to big solar panels — have impressed Western militaries. The basic equipment is bought off the shelf in Pakistan or stolen from NATO trucks and assembled in the field.

    „It’s extremely sophisticated,“ the general, who couldn’t be identified under the terms of the briefing, told McClatchy. On the other hand, he said, Taliban codes are „pretty easy to break.“

  • Sun Tzu   |   09. Juli 2011 - 14:09

    Nun ja, dass die Aufständischen Kommunikationsinfrastruktur haben, weiß man seit langem. Warum liegen in den Feldlagern wohl so viele IMSI-Catcher rum? Es wurden ja schon ehemalige Mitarbeiter eines großen deutschen Unternehmens aufgegriffen, die ihr Wissen einbrachten und teilweise auch den Materialeinkauf organisierten.

    Es stellt sich bei so was immer die Grundfrage: Anzapfen oder abschalten? Weiß man nicht genug über den Feind, ist anzapfen klüger. Hat man genug herausgefunden, macht man das ganze platt. Die Pressemeldung deutet darauf hin, dass dieser Wechsel gerade stattfindet. Mit dem gesammelten Wissen der letzten Jahre kann/konnte man halt sehr praktikabel Hochwertziele identifizieren. Das ist nun aber wirklich alles kein Geheimnis.

  • JCR   |   09. Juli 2011 - 14:15

    Daß Longbows der UAE in Afghanistan im Einsatz sind ist mir auch neu.
    Es ist schon bezeichnend, daß dies bisher das einzige und erste muslimische Land ist, daß in Afghanistan an Kampfhandlungen beteiligt ist.

  • chickenhawk   |   09. Juli 2011 - 14:40

    Zwei Anmerkungen zum Artikel:

    In einem asymmetrischen Krieg sieht sich die traditionell-militärische Kriegspartei mit allen möglichen, kaum lösbaren, Problemen konfrontiert. Aber in Sachen Fernmeldeaufklärung und elektronische Kampfführung sollte sich die – grundsätzliche – technologische Überlegenheit des Westens ohne weiteres durchsetzen.

    Vor einiger Zeit war zu lesen, dass Mobilfunkanbieter in Afghanistan von Taliban-Sympathisanten unterwandert seien bzw. wirksam unter Druck gesetzt werden; beim Suchen stieß ich eben auf diesen Artikel:

    http://vityokr.livejournal.com/479122.html

  • Hans Frommer   |   09. Juli 2011 - 17:26

    die Ausrüstung mit dem entsprechenden Equipment erfolgte schon zu der Zeit als die Taliban noch Muhjaheddin hiessen, natürlich auch von westlicher Seite, im Kampf gegen die Sowjets. Damals wurde ihnen geraten leistungsstarke Sender nicht zu nutzen um sich vor Fernmeldeaufklärung zu schützen (ELOSM). Dass die Ausrüstung noch existent ist und offensichtlich auch genutzt wird (werden kann ) lässt die Vermutung zu, dass man an Ersatzteile ran kam. Die Rolle des pakistanischen ISI ist ja bekannt.

  • Tobias Schwarz   |   09. Juli 2011 - 17:49

    Ich habe zumindest von einem zivilen Projekt gehört, wie sich Afganen aus Schrott ein eigene Open-Source-Netzwerk aufbauen. Dies kann natürlich auch von Aufständigen anchgebaut bzw. übernommen werden. Mehr Infos in meinem Post und Verweis auf die Quelle: http://isarmatrose.com/2011/06/27/afghanen-bauen-aus-schrott-ein-funktionierendes-open-source-netzwerk/.

  • Niklas   |   09. Juli 2011 - 17:55

    Ich bin kein Experte, aber ohne haufenweise Relais kann man das Funken in dem Gelände doch eh vergessen.
    Deshalb zapf ISAF ja auch an. Schon seit Jahren wird der Funk mitgehört, kein Geheimnis.

  • b   |   10. Juli 2011 - 11:28

    Ich habe mir gerade mal die ganze Pressemeldung der ISAf durchgelesen. Wer verfasst den solchen jugendlichen Schmalz:

    June 28 marked the first day of a series of missions that enabled pilots from Australia, the United Arab Emirates and the United States to embrace the ISAF dream as they combined forces to destroy insurgent repeater towers in southern Afghanistan.

    „Embrace the ISAF dream“ – ISAF hat jetzt feuchte Träume?

  • Voodoo   |   10. Juli 2011 - 11:55

    Das hat in der Tat wenig mit einer militärischen Operation und deren Pressemeldung zu tun…

  • JCR   |   10. Juli 2011 - 11:57

    Bei dem was da in Afghanistan produziert wird kann man schon Träume bekommen;)
    Die Pressemitteilungen werden, wie alle Pressemitteilungen weltweit, wohl von 19 jährigen Praktikanten zusammengeschustert.

  • Butter bei die Fische   |   10. Juli 2011 - 13:49

    Im Norden ist das Stören bzw. Abhören von VHF Funk zwar möglich, allerdings funkt offiziell keiner außer ISAF, OEF und ANSF auf VHF. Siehst du am Straßenrand einen Muguffen mit Funkgerät, krallst du ihn dir. Ganz einfach. So hätten wir das gerne – aber das wäre zu einach.

    Viel cleverer ist das Führen über das GSM-Netz. Grundsätzlich schwer zu überwachen. Schwer zu erkennen, dass das da ein Indianer ist. Leicht zu beschaffen. Unbegrenzt verfügbar. Darum arbeiten unsere ELOKA Kräfte z.B. mit dem EMU auch im Schwerpunkt über GSM.

    Funk ist immer dann Führungsmittel Nr. 1 wenn das Gelände, wie z.B. der Hindukush, dass Nützen von zivilen Kommunikationsmitteln nicht zulässt.
    Ihr könnt auch Brief und Siegel drauf geben, dass die SMS und Anrufe die von Afgh Nummer nach DEU gemacht werden, irgendwo gespeichert und gegen euch verwendet werden.

    Man kann quasi sagen, dass das Handy hier die gute alte Motorola Quetsche, die du vorher bei jedem besseren Bauern gefunden hast ausgedient hat. Zumal telefonieren unglaublich günstig im Inland ist.
    Bzgl. der Unterwanderung von Telefongesellschaften kann man definitiv spüren, dass Roshan auf jeden Fall Pro-Taliban ist – die schalten hier ja jeden Tag ab.
    Ok Ok, die letzten Wochen waren ganz gut, da haben die bist 19:30 laufen lassen, oder noch länger.
    Etisalat und AWCC sind eher neutral bzw. Gewinnorientiert.

    Ist aber vollkommen egal, was die Typen jeden Tag telefonieren. Die füllen sich gegenseitig die Taschen, was sie nicht für große Krieger wären und wo sie nicht überall IED’s hingelegt haben… Dann fährste da hin und es liegt nichts da….

  • T.Wiegold   |   10. Juli 2011 - 19:45

    @Butter bei die Fische

    Danke für die Aufklärung (und möglichen Aufgeregten wg. des Begriffs Muguffen begegnen wir mit dem Hinweis, dass das Truppensprech ist…)

    Sehe allerdings nicht unbedingt die größere Taliban-Nähe bei Roshan – die haben einfach das dichtere Netz und sind damit evtl. Angriffen mehr ausgesetzt. Nach meiner Erinnerung gab’s Anfang des Jahres mal einen Angriff auf eine Mobilfunkstation, mit am Ende 17 Toten, davon knapp zehn Wachmänner des Unternehmens. So was steckt man nicht einfach weg.

  • vera   |   11. Juli 2011 - 18:27

    Korinthenkackerei, ‚tschuldjung: Funkanlagen für alle Bänder oder nur für bestimmte? Überwiegend Daten- oder Sprachübertragung?