Grimmige Zahlen: Die britische Verwundeten-Statistik für Afghanistan

Bislang wusste ich nicht, dass es so etwas (öffentlich zugänglich) gibt: Das britische Verteidigungsministerium hat heute eine aktualisierte Statistik zu den Verwundeten im Afghanistan-Einsatz vorgelegt. Wer sich Zahlen und die dahinter stehende grimmige Realität ansehen möchte (Operation Herrick bezieht sich auf den Afghanistan-Einsatz):

Tracking Op HERRICK (Afghanistan) VSI/SI Operational Casualties

Quarterly Op HERRICK and Op TELIC Amputation Statistics

Monthly Op TELIC and Op HERRICK UK Patient Treatment Statistics

UK Armed Forces Mental Health Report – Annual Summary

Besonders bedrückend – und das deckt sich mit den Erfahrungen zum Beispiel der US-Truppen – ist die steigende Zahl der Soldaten, denen Gliedmaßen amputiert werden mussten, in der Regel als Folge eines Anschlags mit IED (Improvised Explosive Devices, Sprengfallen):

  1. During the latest quarter, 1 January 2011 to 31 March 2011, there were 17 surviving UK Service personnel from Op HERRICK whose injuries included a traumatic or surgical amputation, partial or complete, for either upper or lower limbs.
  2. 2010: Over the 12 month period 1 January 2010 to 31 December 2010, there were 79r surviving UK Service personnel from Op HERRICK whose injuries included a traumatic or surgical amputation, partial or complete, for either upper or lower limbs.
  3. During 2010, 39r UK Service personnel were identified as significant multiple amputees.
  4. 2009: Over the 12 month period 1 January 2009 to 31 December 2009, there were 55 surviving UK Service personnel from Op HERRICK whose injuries included a traumatic or surgical amputation, partial or complete, for either upper or lower limbs.
  5. During 2009, 26 UK Service personnel were identified as significant multiple amputees.
  6. 2008: Over the 12 month period 1 January 2008 to 31 December 2008, there were 30 surviving UK Service personnel from Op HERRICK whose injuries included a traumatic or surgical amputation, partial or complete, for either upper or lower limbs.
  7. During 2008, six UK Service personnel were identified as significant multiple amputees.

Die Verwundeten-Zahlen der Bundeswehr dürften, wie auch bei den Gefallenen, deutlich unter denen der britischen Streitkräfte liegen. Diese Statistik würde mich auch interessieren – aber sie scheint nicht öffentlich. Oder habe ich was übersehen?

14 Gedanken zu „Grimmige Zahlen: Die britische Verwundeten-Statistik für Afghanistan

  1. Ich stimme zu, das ist bedrückend. Die hohe Anzahl der Amputierten ist auf insgesamt besseren Schutz und eine effektivere Rettungskette zurückzuführen. Noch vor wenigen Jahren haben viel mehr Soldaten Sprengfallen gar nicht überlebt. Heute kann man immerhin mehr Soldaten das Leben retten, wenn auch oft nicht deren Gliedmaßen.

    Noch ist die Berichterstattung der Bundeswehr wohl nicht offen genug, um auch die Zahlen deutscher Verwundeter mit diesen Details zu veröffentlichen.

  2. @Alexander
    Da geht’s aber vor allem um PTSB und bei Verwundung/Verletzung um Dienstgrad und Herkunftsbundesland. Aber keine Aufschlüsselung der Schwere der Verwundung?

  3. @T.Wiegold
    Stimmt, diese Details sind nur in der Tabelle der Polizisten genannt. Was sagen denn Ihre Kontakte an den BWKs bzw. beim PIZ San?

  4. Die Deutschen werden wohl eher verwundet, wenn sie während ihrer Patrouillen vom Transportpanzer fallen….

  5. @Vitali Ban
    Beziehen sie sich auf die RTL-Doku von dieser Woche oder haben sie einfach keine Ahnung bzw. wollen sie grundlos poebeln?

  6. Nachdem das BMVg schon damals etwas Starthilfe brauchte, um den Absturz der CH-53 über Kabul aufzuklären, scheinen sie nun das Datum der 7 Todesfälle vorverlegt zu haben. Nach meinen Unterlagen geschah es am 21.12.2002 und nicht am 20.12. wie in der Antwort der Anfrage verzeichnet ist.

  7. @ Alexander; @ Ben @ T. Wiegold
    Wenn Medizin nur immer so einfach wäre…
    So eine Statistik ist ja nicht ganz ohne Probleme aufzustellen.
    Hier mal ein paar bedenkenswerte Aspekte am Beispiel Amputation:
    Seltens wird direkt nach dem IED amputiert. Sondern regelmäßig wird versucht, die Gliedmaßen zu retten. Zu einer Amputation kann es dann jedoch dennoch aus anderen Gründen (bspw. Infektion, schlechte Wundheilung, o.ä.,) kommen. Vielleicht musste aber auch durch falsche Anwendung eines Tourniquet amputiert werden. Sollen dann diese Amputationen auch in die Statistik aufgenommen werden – besteht die Kausalkette zum IED wirklich noch.
    Und was zum Teufel heißt eigentlich schwere der Verwundung. Man tut sich ja schon massig schwer, leicht, mittel, schwerverletzt zu kategorisieren.
    Ganz vergessen – was ist mit dem Datenschutz und vor allem der Schweigepflicht der Ärzte. Die dürften eigentlich (ohne Zustimmung des Patienten) nicht einmal sagen, dass sich ein Patient bei ihnen in Behandlung befindet. Die statistische „Anonymisierung“ ist wohl eher eine Pseudonymisierung, denn wie man der Antwort aus der Anfrage entnehmen kann, haben wir doch eher wenige Verwundete zu beklagen. Wenn die Zahlen einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden, ist wohl zu erwarten, dass sich die Identität der Verwundeten vergleichsweise unproblematisch feststellen ließe. Vor allem durch einschlägige Journaillen. Und dann möchte ich nicht Verwundeter sein wenn Julian Reichelt auf der Suche nach einer tollen Story bei mir klingelt.

    Aber vielleicht sind das alles Ausflüchte und eigentlich steht da nur die „German Gruendlichkeit“ im Wege…

  8. Anfragepunkt 7 ist interessant. Eine kleine Ungeschicktheit bei der Formulierung und schon bekommt man ein anderes Ergebnis.

  9. @CtKnopp
    Äh, ja (der Link tut übrigens so nicht, dafür sind die Bw-Links immer zu lang).

    Ich schrieb oben was von Verwundeten.

  10. Punkt 7: Das waren doch 3 Tote… Achso… Vermutlich außerhalb des Polizeiaufbaus? Merkwürdige Art und Weise der (Des-) Information.

    Mal zurück zu den Verwundeten. Anlage 1 zeigt da ja wenigstens etwas.
    Ansonsten mal laienmäßig folgendes:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Zwischenf%C3%A4lle_der_Bundeswehr_in_Afghanistan

    Dabei werden in den Situationsbeschreibungen auch Angaben zu den Ausmaßen der Verwundungen gemacht, welche als Quellen BUndesbwehrberichte oder Zeitungsartikel herangezogen werden.

    Bemerkung: Zu dem jüngsten Vorfall habe ich so nichts vernommen! Immerhin soll es 7 WIA gegeben haben.

Kommentare sind geschlossen.