Ausrüstungsmangel? Gerne auch an der Heimatfront.

Über die Informations- und Kommunikationspolitik des Bundesministeriums und der Verteidigung und der Bundeswehr mache ich mich bisweilen gerne mal lustig. Heute habe ich allerdings vor allem professionelles Mitgefühl für die Kollegen, die die Informationen an die Öffentlichkeit bringen müssen: Wer glaubt, nur bei Fahrzeugen, Ausrüstung und Waffen müssten sich die Soldaten zum Teil mit veraltetem Gerät rumschlagen, der irrt. Wenn ein – immer wieder nachgerüsteter – Marder oder eine Transall, nur wenig jünger als ich, ein Problem sind – was für ein Problem ist dann ein mehrere Jahre altes Content Management System angesichts der rasanten Entwicklung des Internets?

Jedenfalls: Das hinter den Webseiten bundeswehr.de und bmvg.de stehende System präsentiert sich nicht nur mit fürchterlichen URLs wie

http://www.bundeswehr.de/portal/a/bwde/!ut//c4/NUzLCsIwEPyWfoDZFgt3iw9qCcRRONtm651oUlKsloQP97k4AzMYV5wh0SHbx5R2Duc4Aba8LZfVL8MpIhdRJIPKcsxpgY5xREfcM3DVDDJkqxCTjjpGFB8ULMPMuXkFUJKFA-gy6prq7r8o_o2-_p4OW3KdXdoz_lwDjhaBO38yqB5EszWNsuuKH4cqIWH/

sondern scheint auch nicht besonders zuverlässig.

Ausgerechnet heute, als der Tod eines deutschen Soldaten im Afghanistan-Einsatz zu melden war, waren die Webseiten über Stunden nicht erreichbar. Da wird wohl derzeit an der Umstellung auf ein System-Update gebastelt – mit zumindest heute verheerenden Folgen. Weil natürlich gerade nach Todesmeldungen in den Medien Angehörige von Soldaten im Einsatz wissen wollen, welche offiziellen Informationen es gibt.

Wer verlangt, dass deutsche Streitkräfte auch in der öffentlichen Kommunikation auf der Höhe der Zeit sind, sollte ihnen auch das nötige Handwerkszeug geben. Das ist nicht anders als bei persönlicher Ausrüstung, Waffen, Fahrzeugen und Fliegern. Wie war das noch mit den modernen und effizienten Streitkräften?

Tod auf Route Cherry

Auf der Versorgungsroute Cherry im nordafghanischen Unruhedistrikt Char Darrah bei Kundus ist am Mittwochmorgen ein deutscher Soldat bei einem Sprengstoffanschlag gefallen. Generalinspekteur Volker Wieker berichtete am Nachmittag in Berlin, etwa 14 Kilometer nordwestlich des Provincial Reconstruction Teams (PRT) Kundus sei eine Routinepatrouille mit mindestens zwei improvisierten Sprengfallen (Improvised Explosive Devices, IED) angegriffen worden. Dabei seien drei geschützte Fahrzeuge getroffen worden – ein Transportpanzer Fuchs, ein Spähwagen Fennek eines Joint Fire Support Teams und ein Patrouillenfahrzeug Dingo. Ein deutscher Soldat wurde tödlich verwundet, ein weiterer leicht, außerdem erlitt ein afghanischer Dolmetscher mittelschwere Verwundungen. Die Patrouille war Teil der Operation Agas-e Bahar (Frühlingsanfang), die die Bewegungsfreiheit im Norden von Char Darrah sicher stellen soll.

(Foto: Bundeswehr/ Andrea Bienert)

Zahlreiche Details des Anschlags sind nach wie vor unklar. Nach Wiekers Angaben steht noch nicht fest, wo sich der tödlich verwundete Soldat zur Zeit der Detonationen aufhielt – deshalb könne aus der Verwundung nicht darauf geschlossen worden, ob der Fuchs, in dem der Getroffene unterwegs war, ausreichend geschützt war. (Zum genauen Typ des Transportpanzers machte der General deshalb auch keine Angaben.) Außerdem dauere die Bergung der angesprengten Fahrzeuge noch an. Die Einsatzkräfte, die zum Anschlagsortfuhren, hätten zudem ein verdächtiges Fahrzeug, das sich ihnen mit hoher Geschwindigkeit genähert habe, erst mit Warnschüssen stoppen müssen.

Der Generalinspekteur und Verteidigungsminister Thomas de Maizière lehnten es ab, Angaben zu Einheit und Dienstgrad des Gefallenen und des Verwundeten zu machen. Zwar seien die Angehörigen inzwischen informiert, er wolle aber, dass seine Kameraden so lange wie möglich von dem Vorfall persönlich erführen und nicht aus dem Radio, sagte der Minister.

De Maiziere, der mit schwarzer Krawatte vor die Journalisten trat, zeigte sich von diesem ersten tödlichen Anschlag in seiner Amtszeit trief betroffen. Dieser Anschlag berührt auch uns alle, er trift auch uns alle ins Herz, sagte der Minister. Ich trauere um diesen gefallenen Kameraden, die ganze Bundeswehr trauert um einen guten Kameraden.

Nachtrag: Jetzt kommt eine ergänzende E-Mail aus dem Ministerium:  Bei diesem Anschlag ist ein ein 33-jähriger Hauptmann, aus dem Bereich der Division Spezielle Operationen, gefallen.

Zum Reinhören: Die (kurze) Pressekonferenz des Ministers und des Generalinspekteurs im O-Ton

(Direktlink: http://audioboo.fm/boos/366791-de-maiziere-wieker-25-mai-2011)

Deutscher Soldat nordwestlich von Kundus gefallen

Bei einem Anschlag mit einer Sprengfalle (Improvised Explosive Device, IED) nordwestlich von Kundus ist am Mittwoch ein deutscher Soldat gefallen. Eine offizielle Bestätigung der Bundeswehr gibt es noch nicht; allerdings unterrichtete nach Medienberichten Generalinspekteur Volker Wieker am Vormittag den Verteidigungsausschuss des Bundestages über den Vorfall (Spiegel Online; Bild).

Es ist der vierte deutsche Gefallene in Afghanistan in diesem Jahr und der erste in der Amtszeit von Verteidigungsminister Thomas de Maizière.

Nachtrag: Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat für heute Nachmittag ein Pressestatement dazu angekündigt. Mich haben inzwischen diverse Detailinformationen erreicht; allerding stelle ich die erst mal zurück – dass es bislang keine offizielle Bestätigung für den Gefallenen gibt, deutet darauf hin, dass die Angehörigen noch nicht informiert werden konnten.