RC N Watch: Niebel in Afghanistan

For the record: Entwicklungsminister Dirk Niebel ist heute zu einem Afghanistan-Besuch in Masar-i-Scharif eingetroffen. Und auch wenn die deutsche zivile Wiederaufbauhilfe für Afghanistan auf 430 Millionen Euro angehoben und damit deutlich erhöht wurde, bleibt ein Wermutstropfen: Der militärische Einsatz Deutschlands am Hindukusch kostet mit mehr als einer Milliarde Euro pro Jahr mehr als das Doppelte.

Nachtrag: hier mehr vom Niebel-Besuch.

13 Kommentare zu „RC N Watch: Niebel in Afghanistan“

  • Tim292   |   29. März 2011 - 10:18

    http://www.spiegel.de/spiegel/vorab/0,1518,753316,00.html

    Na dann, willkommen in Afghanistan Herr Niebel.

  • dallisfaction   |   29. März 2011 - 10:18

    Ich weiss nicht ob es OT ist, aber ich habe gerade letzte Woche irgendwo gelesen, dass sich die Truppe hinter vorgehaltener Hand darüber beschwert, dass wegen der ewigen Besuche aus Berlin und anderswo, die halbe zur Verfügung stehende Hubschrauberflotte auf Dauer out of order ist.

    Irgendwann ist mal gut. Es werden mehr Hubschrauber gebraucht. Doch, wem erzähl‘ ich da was Neues?:D

    edit: Tim! Gleicher Gedanke, gleiche Minute:)

  • Securityfreak65   |   29. März 2011 - 11:03

    FWIW. Der Regionalkommandeur RC N hat angeordnet, dass die CH 53 Flotte nicht mehr für VIP-Transporte genutzt wird. Damit erfolgt der Transport innerhalb Afghanistan über die Transall oder halt die Amerikaner. Die CH 53 werden für MEDEVAC vorgehalten.

  • Orontes   |   29. März 2011 - 11:36

    @T. Wiegold
    „…bleibt ein Wermutstropfen: Der militärische Einsatz Deutschlands am Hindukusch kostet mit mehr als einer Milliarde Euro pro Jahr mehr als das Doppelte.“

    Fundierte Überlegungen darüber, wie ein strategisch sinnvolles Verhältnis dieser Zahlen aussehen würde, gibt es m.E. nicht. Der Einsatz von Streitkräften ist davon abgesehen zwangsläufig kostenintensiv, während der Erhöhung von Hilfsgeldern Grenzen gesetzt sind bzw. die Effektivität des Mittelansatzes nicht primär mit der Höhe des Ansatzes verbunden ist. Man spricht in diesem Zusammenhang von begrenzter Absorptionsfähigkeit. Mit anderen Worten: Wäre das Zahlenverhältnis umgekehrt, wäre dies nicht automatisch eine gute Nachricht.

    Praktisch überhaupt nicht in der deutschen Diskussion thematisiert werden bislang auch Beobachtungen über kontraproduktive Wirkung von Hilfe. Die Korrelation zwischen deutscher Entwicklungszusammenarbeit und gemessener Entwicklung ist z.B. in den vergangenen Jahrzehnten auf globaler Ebene negativ, und in Afghanistan besteht z.B. ein direkter Zusammenhang zwischen Hilfe und Inflation, Abwerbung von Fachkräften für den Verwaltungsbetrieb der NROs und Förderung von Korruption. Strategisch ist der Großteil der Hilfe zudem irrelevant oder ineffektiv, weil der Großteil der Organisationen sich beharrlich weigert, ihr Vorgehen in einen strategischen Rahmen zu stellen.

  • Orontes   |   29. März 2011 - 12:30

    P.S. Anbei ein m.E. guter Artikel über den Sinn und Unsinn von „Hilfe“.

    http://www.brusselsjournal.com/node/4713
    Solange man in Deutschland und anderswo schon geistig nicht den Schritt von der „Hilfe“ hin zur strategischen Einflussnahme schafft, ist es auch relativ egal, wieviele hundert Millionen Euro man ohne Strategie ausgibt.

  • Thomsen   |   29. März 2011 - 14:28

    Immer diese sch*+ß Wchtigtuerei. Wir lernen aus anderen Einsätzen nichts dazu hinsichtlich Besuchstourismus. Je ruhiger es wird desto mehr VIP flattern ein.

  • Voodoo   |   29. März 2011 - 18:18

    Bleibt zu hoffen, das jetzt damit Schluss ist. Allerdings glaube ich da nicht wirklich dran, denn irgendein plärrender Abgeordneter wird sich bestimmt bitter beschweren, das er nicht nach Faizabad oder zum OP N geflogen worden ist, um dort ein Photo für Facebook / Twitter / Whatever für seine private Wahlwerbung zu ergattern. Oder er wittert gar eine Verschwörung,“weil die Bundeswehr keine politischen Beobachter zulässt“!

    Alternativ könnte man ihnen auch einen Platz auf einem Jingletruck sichern, dann könnten die Grünen o.ä. ja dabei auch während der Fahrt den Plausch mit den einheimischen Agrarökonomen pflegen.

  • SchreckStarr   |   29. März 2011 - 18:33

    Überbordender Besuchstourismus als großes Übel wird schon seit ewigen Zeiten denen ins Buch diktiert, die insbesondere in die Einsatzländer reisen, um neutral zu erfassen, was dort gut und was schlecht läuft und verbessert werden müsste.

    Die Auswertungen werden auch weitergeleitet an die, die was bewirken können. Scheinbar aber ist das so schwierig wie Hexenwerk, da mal etwas zu verändern … Leider.

  • Thomsen   |   29. März 2011 - 18:50

    Wobei es bei ISAF noch harmlos ist. Könnte ja dem ein oder anderen Wichtigtuer tatsächlich was passieren. Hach waren das noch Zeiten auf dem Balkan, vier Generäle mit individuellem Programm in drei Tagen, den Verteidigungsminister auf Englisch begrüßen müssen weil MNBG… Ein Gekaspere….

  • J.R.   |   29. März 2011 - 19:07

    @ Orontes

    Auch gerade hinsichtlich Afghanistans gibt es einen ähnlichen Text auf dem AfPak-Channel, „Ailing Aid“ (Teil 1: Allgemein, Teil 2: Afghanistan). Und auch sehr anschaulich: „Afghanistan war: How USAID loses hearts and minds“

    Nur sollte man da auch fair sein: Die Kritik richtet sich vor allem an unkontrollierte Geldspenden an Regierungen, Projekte bei denen nur ein Bruchteil vor Ort ankommt oder gleich Wirtschaftsförderung unter dem Deckmäntelchen der Entwicklungshilfe.

    Allerdings ist es genau das, was unter Niebels Führung wohl verstärkt geschieht.
    – Von den 430 Mio. € geht mehr als die Hälfte (250 Mio. €) an die Regierung in Kabul. Nur zum Vergleich: an NGOs in Afghanistan gehen gerade mal 10 Mio €* im Jahr; für den Ankauf von Impfstoff gegen die Schweinegrippe für Deutschland hat das Entwicklungshilfeministerium 17 Mio. € ausgegeben.
    – Statt Entwicklungshilfe auf lokaler Ebene auszubauen werden deutsche Unternehmen verstärkt gefördert. (Da freut sich der BDI…)

    Es fehlt nicht nur an Konzepten, es geht auch noch genau in die falsche Richtung.

    Zum Verhältnis des Mittelansatzes:
    Bisher kann einem das BMVg ja auch nicht sagen, was bei der guten Milliarde für den Bundeswehr-Einsatz bei rumkommt, oder nach welchen Kriterien die Kontingentsstärken festgelegt werden. Schenkt sich also nicht viel. ;)
    (Ok, das ist schon etwas unfair: Die Wirkungsanalysen der GTZ sind dann doch etwas solider als die der Bundeswehr.)

    Dass es mit der strategischen Einflussnahme nicht weit her ist, ist wohl leider wahr.
    Aber es ist jetzt auch nicht so, als wäre das Militär da eine Vorreiterrolle inne hätte. Da jammert man über fehlende taktische Soforthilfe, und das wars dann.

    Eine „echte“ Drei-Säulen-Strategie (Sicherheit, Wirtschaft, Regierungsführung) zur langfristigen Stabilisierung ist von deutscher Seite nicht in Sicht, ja nichtmal im Gespräch.
    Gerade im Bereich Regierungsführung ist es selbst für Laien offensichtlich, dass man da nicht einfach Geld aufs Problem werfen kann. Und wohl deshalb tut sich da auch so wenig.
    Ernstgemeintes ziviles Mentoring ist nicht sexy, liefert kurzfristig keine tollen Zahlen, und die nötigen Experten hat’s derzeit auch nur sehr begrenzt.

    —-
    * Zu den NGOs: Die leisten vielleicht kein State Building im strategischen Sinne. Aber humanitäre Hilfe, und das durchaus nachhaltig. Von einem ähnlichen Ausländer-Afghanen-Verhältnis kann man bei den Sicherheitskräften derzeit nur träumen. ;)

    Und mit Verlaub, humanitäre Hilfe ist kein rausgeschmissenes Geld. Auch wenn es durchaus unterschiedliche Wirkungsgrade gibt. (Trotzdem würde sich wohl kaum jemand direkt gegen die Bundeswehr-Projekte aussprechen…)

  • J.R.   |   29. März 2011 - 19:13

    Zu den Abgeordneten-Flüge:
    Wenn die Abgeordneten mal nicht im Weg rumstehen gibt’s aber auch Kritik: Welt

    Zwischen „VIP-Tourismus“ und „Desinteresse“ können die’s glaub auch gar nicht richtig machen.

    Gibt es eigentlich irgendwo eine Übersicht über die Besuche?

  • Voodoo   |   29. März 2011 - 19:56

    Ich war zu dieser Zeit im Land und es gab dort (MeS) keine mir bekannte Kritik in Richtung „fehlende Anteilnahme“. Zumindest der SanEinsVbd hätte in diesen Tagen auch nicht noch mehr (Katastrophen-)Touristen gebraucht, die im EinsLaz rumlungern…

  • Rio Amazoco   |   31. März 2011 - 17:20

    Zumal es sich bei Niebel genau um jenen Mann handelt, der a) das Entwicklungshilfeministerium abschaffen wollte, bis es ihm selber auf dem Silbertablett angeboten wurde, und der b) letzte Woche unsere Verbündeten (oder sollte ich lieber sagen Ex-Verbündeten?) auf das übelste angepöbelt und beschimpft hat. Gottlob hat dieser Strolch ebensowenig eine Zukunft wie die Fast-Drei-Prozent-Partei.