Südkorea stürmt gekapertes Schiff, erschiesst Piraten

Das dürfte die erste gewaltsame Befreiungsaktion eines von Piraten entführten Handelsschiffes gewesen sein: Spezialkräfte Südkoreas haben heute im Indischen Ozean den gekaperten Chemikalientanker Samho Jewelry gestürmt und freigeschossen. Der Kapitän  wurde zwar dabei verletzt, habe aber wie alle Besatzungsmitglieder die Aktion überlebt, berichtet die koreanische Nachrichtenagentur Yonhap. Acht Piraten seien dabei ums Leben gekommen.

Die Samho Jewelry war am 15. Januar entführt worden, und Südkorea hatte sehr schnell den Zerstörer Choi Young hinterhergeschickt. Offensichtlich wollte das Land keine Neuauflage – das Schwesterschiff Samho Dream war nicht nur über Monate in der Hand der Piraten, sondern wurde auch als Mutterschiff für weitere Überfälle benutzt. Ähnlich lief es wohl auch schon mit der Samho Jewelry, jedenfalls ist in dem Bericht davon die Rede, dass das Schiff als Plattform für den Angriff auf den mongolisch-vietnamesischen Frachter Hoang Son Sun diente.

Die Aktion der Marine-Spezialkräfte ist die erste Aktion dieser Art – bisherige Befreiungsaktionen galten höchtens Jachten mit wenigen Geiseln an Bord, nicht aber einem großen Handelsschiff mit seiner Vielzahl an Gängen, Kammern und Schotten. Die Südkoreaner haben damit einen Präzedenzfall geschaffen – der allerdings in anderen Ländern Begehrlichkeiten wecken dürfte. Und das Vorgehen wird bestimmt in Fachkreisen sehr genau analysiert: weil die Marine Südkoreas das Ganze offensichtlich allein gestemmt hat (obwohl ein Küstenwachboot Omans dabei war, dessen Unterstützung aber noch unklar ist).

Interessant ist auch die Timeline, die Yonhap veröffentlicht. Unter anderem, weil es vor der Befreiungsaktion schon Schusswechsel mit Piraten gab und zwischendurch auch ein iranisches Schiff durchsucht wurde…

Nachtrag: Der südkoreanische Präsident sagt, sein Land werde nicht mit Piraten verhandeln. Also eine klare Kampfansage. Die Operation Morgenröte im Golf von Aden war vielleicht nur der Anfang…

Nachtrag2: Jetzt wird’s unübersichtlich – anscheinend haben auch die Malaysier eine Kommandoaktion zur Befreiung eines Schiffs durchgeführt.. Leider fehlt in der Meldung die Angabe, welcher Chemikalientanker da befreit wurde. Bei dem Schiff soll es sich um den Chemikalientanker Bunga Laurel handeln.

16 Gedanken zu „Südkorea stürmt gekapertes Schiff, erschiesst Piraten

  1. Das zeigt mal wieder den strategischen Wert von Spezialkräften. Daran sollte man sich erinnern, wenn in wenigen Wochen die neue Bundeswehrstruktur steht. Die Weise-Kommission hat hier ja sehr vernünftige Vorschläge gemacht. Auch hieran wird sich zeigen, ob es KTG ernst meint mit einer echten Reform der Bundeswehr.

    Denn bisher sind Spezialkräfte für das militärische Establishment der Bundeswehr nur nervige kostenträchtige Spinner.
    Daher bedarf es hier eines starken politischen Impulses von KTG. Wenn er überhaupt mehr will als Schaum zu schlagen.

  2. Glückwunsch an die Koreaner.

    Geschieht ja so allerlei Merkwürdiges in Somalia:

    Marines ‘land near Somali town’

    Reports emanating from Central Somalia yesterday indicate that a unit of United States forces descended in an area called Gaan, 18 kilometres north of Haradhere, a former base of the notorious Somali pirates and a current stronghold of Al-Shabaab, the Somali Islamist movement opposing the government.

    The marines are said to have used a helicopter to reach the remote location.

    According to Shabelle, a broadcaster in Mogadishu, five armed soldiers descended from the chopper and immediately handcuffed three Somali youth that were next to a vehicle being repaired following a breakdown.

    Ich vermute das waren Söldner von Blackwater/Saracene: Blackwater Founder Said to Back Mercenaries

    Erik Prince, the founder of the international security giant Blackwater Worldwide, is backing an effort by a controversial South African mercenary firm to insert itself into Somalia’s bloody civil war by protecting government leaders, training Somali troops, and battling pirates and Islamic militants there, according to American and Western officials.

  3. @b
    Die Meldung trägt alle Kennzeichen eines Gerüchts. Von einer in sich nicht schlüssigen und unplausiblen Behauptung auf ein offenbar noch in Planung befindliches Vorhaben zu schließen, halte ich für etwas gewagt.

    Es gibt tatsächlich glaubwürdige Meldungen über amerikanisches Vorgehen an Land, die sich aber bislang gegen wesentlich höherwertige Ziele in ganz anderem Kontext richteten und auch anders abliefen. So ist es z.B. sehr unwahrscheinlich, dass ein einzelner Hubschrauber eingesetzt würde, der an einem Ort landet, an dem zahlreiche Kämpfer über Maschinengewehre und automatische Waffen verfügen.

  4. @Stefan2
    Ja, aber das war eben der entscheidende Unterschied: Die Besatzung saß in der Zitadelle, und den stürmenden Soldaten war klar, dass jeder, der da rumlief, ein Pirat war. Genau das ist ja das Problem einer solchen Aktion – wenn man das Leben der Geiseln nicht gefährden will.

  5. @Orontes – das ist mehr als Gerücht.

    Das Saracen (Ableger der ehemaligen südafrikanischen Executive Outcome Söldnerfirma) „on the ground“ ist, ist laut Associated Press Bericht belegt und von der Firma bestätigt.

    Saracen hat angeblich auch die McArthur gechartert. Das Schiff ist vor einigen Jahren von Blackwater ausgerüstet worden, u.a. mit einem Hubschrauber, und wurde dann für die Piratenjagd angeboten. Es war laut einem U.S. Cable (Wikileaks) Anfang 2009 in Djibouti.

    Shabelle, der Radiosender der über den Hubschrauber und die Entführung aus Somalia berichtet hat, gilt zudem als seriös. Er ist oft leider die einzige Quelle aus Somalia aber wird fast immer später bestätigt.

    Für mich passt das ganz gut zusammen. Da haben sich die Saracen Leute wohl einfach ein paar Einheimische abgegriffen und zur Informationsgewinnung verhört.

    Alternativ sind es tatsächlich die Amerikaner, aber dann ist das Vorgehen doch etwas merkwürdig.

    Wer es noch nicht gelesen hat: The Pirates Are Winning! – letzten September im NYRB.

  6. Spezialkräfte SIND nervtötende und kostenträchtige Spinner!

    Besondere Aufgaben verlangen besondere Qualifikationen und erfordern letztendlich auch eine besondere Entlohnung. Die findet bei uns aber nicht so richtig statt, zumindest auf der finanziellen Ebene. Also dann über andere „Freiheiten“ wie Bekleidung, Haarschnitt und dem Auslegen von zum Teil doch recht sinnvollen Vorschriften. Zudem sind die Spezial- und spezialisierten Kräfte dann doch deutlich unterbesetzt, so dass das Aussortieren von ungeeigneten Personal nicht konsequent durchgeführt wird.

    Bei den Hemmschwellen in der deutschen Politk, solche Verbände einzusetzen, der miesen Bezahlung, der schlechten Ausrüstung, dem obskuren Ansehen im Inneren ist jedes Mitglied solcher Einheiten dann doch als „Spinner“ zu bezeichnen.^^

  7. Mit der Aktion der Koreaner dürften jetzt einige (auch deutsche) Verweigerungs-Mantras a la „Befreiung von Schiffen mit Geiseln ist ein sicheres Blutbad“ etc. auflösen.

    Piraten sind in der Masse eben keine Elitekämpfer, sondern einfache Kriminelle (und mitunter auch ganz einfach Familienväter) – welche den Spezialkräften der Streikräfte einfach unterlegen sind.

    Das Restrisiko ist bei einem Willen zum Eingreifen offensichtlich beherrschbar.

  8. Südkorea macht beim Einsatz seine Stretikräfte keine halben Sachen. Im Vietnamkrieg hatten die Südkoreaner ebenfalls einen deutlich höheren Einsatzwert als die Amerikaner gehabt.

    Somalia mit seinen Piraten könnte sich bald als erste asiatische Operation ausweiten. Die Länder verstehen jedenfalls wie mit Piraten umgegangen werden muss. Russen, Chinesen, Südkoreaner und Inder sind deutlich mehr bei der Sache als Atalanta und TF 151 von denen schon längere Zeit nichts produktives mehr gekommen ist.

    Seit Kenia keine Piraten mehr aufnimmt ist bei uns ziemlich die Luft raus.

    Toll, das Europa wieder vom militärischen Engagement fremder Mächte profitiert.

    pi

  9. Zu der asiatischen Operation siehe den 2. Nachtrag oben: Offensichtlich hat Malaysia so eine ähnliche Kommandoaktion durchgeführt.

  10. @b
    Es kommt mir immer noch seltsam vor. Auf der McArthur ist den Bildern und Beschreibungen nach ein MH-6 etc. eingesetzt, und für etwas größeres scheint auf dem Schiff kein Platz zu sein. Ein MH-6 kann aber kaum die acht Personen transportieren, die laut Meldung mindestens an Bord des Hubschraubers gewesen sein müssten. Die Zuschreibungen „Marines“ und „Navy“ wären zudem in jedem Fall hinfällig. Und wenn es um Nachrichtengewinnung und Aufklärung ginge, würde man ohnehin ganz anders vorgehen.
    Vielleicht ist tatsächlich irgendwo ein Hubschrauber gelandet, und jemand hat die Geschichte weitergesponnen oder über sehr viele Umwege gehört. Ich kenne so etwas aus Afghanistan, wo z.T. nach ein paar Wochen nach einer Operation die abenteuerlichsten Gerüchte auftauchen, deren wahrer Kern z.T. nur noch entfernt erahnbar ist.

  11. @asiatische Operation

    Das ist ja eine erhebliche Eskalation. Ich bin gespannt ob wir uns an einem Wendepunkt der Geschichte befinden, bzw. ob das Beispiel Schule macht und wie die Piraten darauf reagieren.

    Auf welcher Ebene wurde die Entscheidung zum Angriff eigentlich gefällt? Ging das von Atalanta oder nationaler Ebene aus?

    Und wer hat den Kapitän verwundet?

  12. Ich möchte der Ansicht „SF sind Spinner!“ mal ganz entschieden widersprechen.

    Wenn man real mit denen zu tun hatte, gewinnt man fix ein anderes Bild. Klar, sie sehen zugegeben manchmal recht wüst und exzentrisch aus, aber ich hatte in AFG genau mit diesen Gestalten die intelligentesten Gespräche. Hochgradig professionell, hochgebildet und eben nicht mit der Auslegung von (Sicherheits-)Vorschriften beschäftigt. Es wäre nahezu traumhaft, wenn jeder Soldat ein Stück weit von dem Verantwortungsbewusstsein in sich hätte, was ich bei diesen Kräften bemerkt habe.

    Ich weiß nicht, was sie als SF bezeichnen oder erlebt haben, aber „richtige“ Vertreter scheinen das nicht gewesen zu sein, die sie trafen. Und die von Ihnen beschriebene Unterbesetzung ist eine direkte Folge des von Ihnen vermissten Aussiebens, nur mal so am Rande…

  13. @b
    Es kommt mir immer noch seltsam vor. Auf der McArthur ist den Bildern und Beschreibungen nach ein MH-6 etc. eingesetzt, und für etwas größeres scheint auf dem Schiff kein Platz zu sein. Ein MH-6 kann aber kaum die acht Personen transportieren, die laut Meldung mindestens an Bord des Hubschraubers gewesen sein müssten. Die Zuschreibungen „Marines“ und „Navy“ wären zudem in jedem Fall hinfällig. Und wenn es um Nachrichtengewinnung und Aufklärung ginge, würde man ohnehin ganz anders vorgehen.
    Vielleicht ist tatsächlich irgendwo ein Hubschrauber gelandet, und jemand hat die Geschichte weitergesponnen oder über sehr viele Umwege gehört. Ich kenne so etwas aus Afghanistan, wo z.T. nach ein paar Wochen nach einer Operation die abenteuerlichsten Gerüchte auftauchen, deren wahrer Kern z.T. nur noch entfernt erahnbar ist.

    @pi
    „Seit Kenia keine Piraten mehr aufnimmt ist bei uns ziemlich die Luft raus.“

    Die Ostasiaten finden den westlichen Ansatz mit seinem maximalen Täterschutz („Menschenrechte“) und seiner ganzen Passivität und Verklärung von Schwäche vermutlich amüsant. Es wäre schön wenn beide Ansätze einmal in direkte Konkurrenz treten würden, damit auch der letzte Europäer erkennt, welche Ansätze sinnvoll sind und welche nicht.

  14. Bei der Einschätzung der „Südkoreanische Härte“ sollte man vielleicht nicht die Geiselkrise 2007 in Afghanistan vergessen, als Südkorea letztlich auf die Forderungen der Taliban einging und seine 200 Soldaten aus Afghanistan abzog.
    (Disclaimer: Seit 2009 sind wieder 350 südkoreanische Soldaten in Afghanistan)

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