Brieffreunde im OP North

Das ist ein Hammer, was gerade unter Berufung auf einen Brief des Wehrbeauftragten durch die Medien läuft: Feldpostbriefe aus Afghanistan sollen systematisch geöffnet worden sein. Unklar ist, ob die Schreiben der Soldaten aus dem Einsatz zensiert wurden oder werden sollten – und wenn ja, durch wen und auf wessen Befehl.

Und eins fällt noch auf: Es sollen ausschließlich Briefe aus dem OP North, dem Beobachtungspunkt im Norden der Provinz Baghlan, geöffnet worden sein. Wo Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg schon mal demonstrativ einen Besuch im Kampfgebiet machte. Nach Angaben von Spiegel Online vermuteten Soldaten, damit sollte verhindert werden, dass taktische Details weitergegeben würden.

Kriminell ist eine solche Brieföffnung allemal.

Vielleicht kann einer meiner Leser, es gibt da ja ein paar Experten, mal was zum Weg der Feldpost aus dem Einsatz sagen – vor allem für Briefe von den Soldaten, die nicht im Camp Marmal sitzen, sondern irgendwo draußen im Einsatz stehen? Natürlich ohne taktische Details…

AFG_aug2010_Feyzabad_Feldpost

Archiv- und Symbolbild: Feldpostamt im PRT Faisabad

Übrigens, in einem Bericht der Streitkräftebasis über die Feldpost steht: für jede Feldpostsendung gilt das Briefgeheimnis des Grundgesetzes.

35 Gedanken zu „Brieffreunde im OP North

  1. Ohne wirklich mehr zu wissen: Ich würd ja eher auf einen trivialen, kriminellen Hintergrund tippen – für Zensur scheint das schlicht zu stümperhaft und ineffektiv. Würde mich nicht wundern, wenn da einer in der Postkette seiner Langeweile/Neugier/Sammelwut/Gier/… nachgegeben hat.

    Den eigentlichen Skandal sehe ich eher darin, dass die Bundeswehr es wohl nicht geschafft hat, dergleichen schnell abzustellen (drei Monate!), und es erst publik werden musste bis sich was tut.

  2. Passend dazu:
    ->

    Feldpost: Briefe deutscher Soldaten aus Afghanistan

    (…)Bestürzende Einblicke in einen unbekannten Krieg

    Seit fast zehn Jahren kämpfen deutsche Soldaten in Afghanistan in einem zermürbenden Krieg. Und bis heute haben Politiker und die Führung der Bundeswehr es nicht verstanden, den Menschen in Deutschland zu erklären, warum. Im Gegenteil: [b]Als die Bundeswehr vom Vorhaben des SZ-Magazins erfuhr, Feldpostbriefe von deutschen Soldaten zu veröffentlichen, tat sie alles, um dieses Projekt zu verhindern.[/b] (…)

    http://soldatenglueck.de/2011/01/08/49212/feldpost-briefe-deutscher-soldaten-aus-afghanistan/

  3. Eine Zensur der Feldpost würde ins Bild passen, das die Informationspolitik der Bundesregierung/Verteidigungsministerium abgibt.

  4. Sollte das wirklich der Fall gewesen sein, werden hoffentlich viele Dienstposten mit Eichenlaub frei…

  5. Und bei uns „Kleinen“ hagelt es dauernd an „Diszis“, wegen den kleinsten Verstößen im Dienst, auch wenn es auftraggebunden war. Der Feind im Inneren halt, der wird immer schlimmer.

    herrje,…ich hoffe die werden weggesperrt, die gegen das Grundgesetz in höchstem Maße verstoßen haben! KTzG sollte wirklich mal die Bude aufräumen und die ganzen KalterKriegs-Stasi-Nazi-Bürokraten-Desaster-Opportunisten Mentalitäten kündigen und in das Ordnungsamt versetzten….egal welches. Denn da passen sie ja perfekt hin.

    MfG

  6. Wenn ihr wüßtet – oder vielleicht besser der Wehrbeauftragte – was an Bord unserer Schiffe abgeht … da behalten sich die Kommandanten vor, jede private E-mail – die im übrigen auch nur als „Begleiterscheinung“ der dienstlichen E-mails empfangen und gesendet werden (!) – lesen zu dürfen, um den Inhalt auf einsatzwichtige Details zu prüfen.

    Nun unterliegen – meines Wissens – grundsätzlich ja E-mails nicht dem Postgeheimnis, aber besser macht es das auch nicht!

    Wenn man es hinterfragt, bekommt man die launische Antwort, dass wir ja streng genommen gar keinen Anspruch haben, dass unsere E-mails überhaupt empfangen/ gesendet werden und man es ja einfach sein lassen kann, wenn man Bedenken hat – so viel zu dem Thema Innere Führung sowie Betreuung im Einsatz bei der Marine!!!

  7. Es gibt bei der Post / DHL einen Feldpostbeauftragten. Der kann sicher einiges zum Transportweg beitragen. Wobei ich persönlich davon überzeugt bin, dass das Problem – und da gibt es ja wohl eins – an anderer Stelle sitzt. Ob da ein im Lariam-Wahn handelnder MAD-Mann oder Intel-Offizier zu viele BMVg-Beiträge der Bundespressekonferenz des verkannten Kapitän zur See Dienst gelesen hat? Denn schließlich dürfte ja kein Soldat nach Hause schreiben, was der Dienst da in Berlin immer abstreitet (oder verleugnet, je nach Sichtweise)…
    Kurzum: Zensur fängt in den ganz kleinen Dingen an. Und wenn die jetzt so anfangen, würde Deutschland nicht am Hindukush verteidigt, sondern es würden unsere Grumd(rechts)werte verraten.
    Vielleicht muss der Wehrbeauftragte Königshaus noch etwas mehr Fuß fassen – aber das hier ist ein Thema, was er aufbringen muss – und nur er aufbringen kann. Andere finden ja wohl kaum Gehör. Wobeiich denke, dass das Problem nicht an der Spitze sitzt, sondern knapp darunter.

  8. Jaja, sicher, Zensur! Wer will denn ernsthaft wissen, was die Jungs nach Hause schreiben, das ist doch lachhaft. „Taktische Details“, jaja, da wird aber vor gezittert, was Hauptgefreiter Müller und Oberfeldwebel Meier so alles Tolles wissen… Und sofort wird hysterisch erstmal möglichst allen Vorgesetzten (natürlich erst bei Offizieren beginnend) ein entsprechendes Verhalten unterstellt. Tatsache ist, dass immer wieder in den Umschlagplätzen alles Mögliche aufgebrochen und gezockt wird, was so geht… und zwar eher nicht vom „Eichenlaub“…
    Die Feldpost läuft dort so wie immer: Schreiben – Brief beim Spieß oder wem auch immer abgeben – Feldlager Kunduz oder Mazar – Feldpoststelle – Deutschland, fertig. Es hapert da wohl eher, wie so oft, an der Dienstaufsicht und fehlendem Charakter des ein oder anderen Kameradenbeklauers…

  9. Bzgl. Zensur: Bei den Telefonaten hört doch auch niemand mit / die Emails liest doch auch keiner, oder?
    Was soll denn an geheimen operativen Details verraten werden können, per Brief?
    Erschließt sich mir nicht…

  10. Man hat schon Pferde vor der Apotheke kotzen sehen, aber ich kann mir schlecht vorstellen, dass der J2 bei Nacht und Nebel in die Poststelle eindringt und dort den Brief von HG Dosenkohl, ASB Kunduz, z.Zt. OP North öffnet und nachschaut, ob taktische Geheimnisse verraten wurden. Noch weniger vorstellbar ist, dass dort eine ganze Verschwörung gelaufen sein soll, ohne dass irgendjemand es mitbekommen hat, gerade wenn mehr Leute zwangsläufig daran beteiligt waren… Aber warten wir mal das Ergebnis der Untersuchung ab.
    @UmPp
    „Und bei uns “Kleinen” hagelt es dauernd an “Diszis”, wegen den kleinsten Verstößen im Dienst, auch wenn es auftraggebunden war. Der Feind im Inneren halt, der wird immer schlimmer.“
    Ist das gefühlte oder bewiesene Ungerechtigkeit. Definieren Sie bitte „uns“, „dauernd“ und „kleinste Verstöße“, bevor Sie Ihre(n) Vorgesetzten (zu Unrecht) in die Pfanne hauen…

  11. Mal langsam beim Fischeschmeissen.

    In der freien Wirtschaft ist es sehr wohl so daß eine angekündigte(!!!) Überwachung der Kommunikation erlaubt ist. Bei beruflichen Vorgängen sowieso und ein Anrecht auf private Kommunikation während der Arbeitszeit oder mittels Arbeitsmitteln existiert ohnehin nicht. Ja, das ist Scheisse.

    Warum sollte das im Staatsdienst anders sein? Warum soll ein Staatssektretär besser wie ein Soldat oder besser wie ein Schornsteinfeger in seiner Privatsphäre geschützt werden?

  12. Ich hab‘ nicht ohne Grund auf die Seite der Streitkräftebasis und das Zitat verwiesen, dass für jede Feldpostsendung das Briefgeheimnis des Grundgesetzes gilt…

  13. @Ash

    „Zensur“ klingt hart, aber nicht undenkbar. Warum sollten „Abzocker“ Briefe öffnen? Da steht Aufwand und Risiko in keinem Verhältnis zum erwarteten Gewinn!

    Und nach meinen Erfahrungen ist eine „Zensur im vorauseilenden Gehorsam“ durchaus möglich. Der „Täter“ kann als allen Ebenen kommen. Angefangen beim nervösen Gruppen- und Zugführer, über Spieß und Chef bis hin zum Kommandeur. Oder auch die „gut gemeinte Bitte“ aus Potsdam ist denkbar.

    Aber bis dato sind das alles Spekulationen. Nur lassen die bisherigen veröffentlichten Meldungen leider auf einen realen Hintergrund der Spekulationen schließen.

  14. Aus eigener Einsatzerfahrung:

    Auch bei SFOR wurde schon das Thema Briefgeheimnis vs. OPSEC diskutiert. Natürlich gibt es Möglichkeiten in das Briefgeheimnis einzugreifen und zu recht sind die Grenzen dafür aber sehr eng und bedürfen entsprechender Anordnung durch ein Gericht. Diese einzuholen ist bei der kurzen Anbindung der Kontingente nach Potsdam sicherlich kein Problem, wäre aber mit Sicherheit eine Ausnahme in wenigen Fällen, die dazu eine glasklare einschlägige Begründung bräuchte.

    Aus der Diskussion damals weis ich, dass Rechtsberater, Kommandeure, J2 und MAD sich dessen sehr wohl bewusst waren und entsprechend das auch klar stellten. Die lautesten Forderungen „sowas“ auch einfacher haben zu wollen kamen aus den Reihen der Kompaniechefs, Einsatzoffiziere, aber auch altgedienter Feldwebel (ohne Erfahrung als Kompaniefeldwebel, die hätten das nie mitgemacht) und anderen Teilen der Etappe (die selten aus dem Lager rauskamen und zuviel Zeit für dumme Ideen hatten).
    Die Motivation bestand dabei hauptsächlich aus Übereifer und Geltungsdrang, man wollte sich beweisen um es noch auf diesen oder jenen Lehrgang zu schaffen, insbesondere in die Generalstabsausbildung. Zum Glück hat es keiner dieser zweifelhaften „Kameraden“ geschafft sich mit diesen Ideen durchzusetzen und auch die erhofften Karriereeffekte traten nicht ein.

    Mein Tipp: In dieser Ecke nach den Tätern zuerst suchen.

    Das Schlimme an all dem ist der Vertrauensverlust, zumal es geeignetere Methoden gibt um die mil. Sicherheit aufrecht zu erhalten. Die „vorne“ und „draussen eingesetzten Soldaten wissen in der Regel sehr genau was sie schrieben oder auch am Telefon sagen können. Sie kennen das Risiko, dass ihnen droht, wenn viele verteilte Infoschnipsel zusammengesetzt werden können und wissen, dass sie es im Zweifel mit ihrer Gesundheit auszubaden haben.

    Um solchen möglichen Leaks vorzubeugen ist ein gesundes Vertrauen innerhalb der Teileinheiten Grundvorraussetzung, weil so ein offenes Gespräch darüber möglich ist, was in Briefen und Telefonaten landen kann und was nicht. Im Zweifel hat dann auch keiner ein Problem damit im Einzelfall mit seinem Zugführer, Kompaniefeldwebel oder Chef offen zu klären, was geht und was nicht oder sogar der Bitte um Einblick nachzukommen. Der entscheidende Unterschied bleibt dabei immer, dass man als Betroffener zumindest weis, wer mitliest oder man zumindest darum bitten kann, dass dies jemand anderes liest, weil man vielleicht sich grad den Frust über den Chef von der Seele geschrieben hat und man dann lieber darum bittet, dass jemand neutrales darüber liest.

    Vertrauen und Freiwilligkeit und respektvoller Umgang miteinander sind der Schlüssel dazu, dass dies funktioniert. Und meiner Erfahrung nach funktioniert das weit zuverlässiger und nachhaltiger als noch so systematische Kontrollen im Nachhinein.

    Bleibt zu hoffen, dass die Täter bestraft und unehrenhaft aus dem Staatsdienst entfernt werden.

  15. Das Ziel der Aktion ist mit der Pressemeldung schon erreicht. Nun hat jeder Soldat Angst, dass die von ihm geschriebenen Dinge nicht vertraulich bleiben und wird zukünftig Selbstzensur betreiben (man kann ja nicht wissen, wer mitliest).

    In Kriegen stirbt nun mal zuerst die Wahrheit.

  16. Wenn’s gestattet ist, gebe ich als Jura-Student mal meinen Senf dazu:

    @Mariner:
    E-Mails mitlesen halte ich zunächst für grundsätzlich rechtswidrig. Auch für E-Mails gilt das Grundrecht des Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnisses (das gilt aber nur für die Beförderung, also den Zeitraum zwischen Absenden und Empfangen des jeweiligen Informationsträgers), im Zeitraum davor und danach sind sie vom (wesentlich schwammigeren) sog. „APR“ (Allgemeines Persönlichkeitsrecht; damit verhindert man dann auch Filmaufnahmen im Fernsehen usw.) geschützt.

    MilSich bzw. OpSecure könnte u.U. einen Rechtfertigungsgrund darstellen, aber da glaube ich nicht dran.

    @UmPp, @mietsch
    Das krasseste, was ich an Diszi miterleben durfte, war ein Fall eines OG (ROA), der auf den Befehl „Halten Sie sich mit Ihren Kameraden im Block X bereit!“ mit jenen in seine im Block X befindliche Stube ging (der konnte seinen ROA danach vergessen), sowie ein StUffz, der seinen UvD Dienst mit Feldmütze statt Barett versah, weil seine kleine Tochter mit seinem Barett am Vorabend gespielt hatte (und es nicht aufzufinden war) und er sich von den Kameraden keins leihen konnte, weil in der gesamten Kp nur Barett getragen wurde.
    Ich kenne leider nicht alle Umstände und auch nicht die entspr. Aktenlage, die Fakten allerdings, die mir bekannt sind, lassen durchaus Rückschlüsse entsprechend denen UmPps zu.

    @Crass Spektakel, @T.Wiegold
    Zunächst einmal ist das Wörtchen „angekündigt“ der Schlüssel für solche „Scherze“ in der freien Wirtschaft. Wenn ich mich im Vorhinnein darauf einstellen muss (wie man das allein zu bewerten hat, sei ‚mal dahingestellt), dass meine Post gelesen wird, so werde ich weniger Privates hineinschreiben und damit u.U. auch geringeren Vertrauensschutz genießen. Ist aber dahingehend Spekulation, die Vorlesungen über Arbeitsrecht habe ich nicht gehört.

    Was die Geltung des Art. 10 GG für die Feldpost der Bundeswehr angeht: Ich müsste es jetzt genauer nachlesen, aber die Exekutive ist außerhalb deutschen Hoheitsgebietes (bzw. des Geltungsbereichs des GG) ans Grundgesetz nicht zwingend gebunden. Womit sich auch erklärt, warum gefangene Piraten auf einem Schiff der deutschen Marine auch ‚mal ein paar Tage festgesetzt werden dürfen (ich verweise da v.a. auf Art. 104 II, III GG).
    Wenn die Bw allerdings (per Gesetz oder kraft eigener Wassersuppe, weder kann noch möchte ich das genauer bewerten) die Geltung des Art. 10 GG bejaht, so muss man eigentlich davon ausgehen können, dass man sich auch daran hält…

  17. Ich sehe Probleme auch bei DHL/Poststelle in Speyer, wo die Feldpost von DA aus dann hingebracht wird.

    So viele Päckchen und Briefe, die hier „weggekommen“ sind, habe ich in meinem ganzen Leben so noch nicht erlebt. Und seltsamer weise oft Geschenke und Wertgegenstände…

    Ich vermute, dass hier wieder jemand einen gewissen „vorauseilenden“ Gehorsam praktiziert hatte und vorschnell der MEinung war, hier irgednwelche Briefe aus dem OP North abzufangen und selber „Ermittlungen“ zu starten.

  18. @The Seer
    Der erste Absatz deutet auf „profanen Diebstahl“ hin, der zweite (Stichwort „vorschneller Gehorsam“) eher auf ideologische Gründe (falsch verstandene MilSich etc.).

    Was denn nun? Oder wirken beide Faktoren zusammen (und gelangten die Vorfälle erst durch die dadurch aufgetretene Häufung erst ans Tageslicht)?

  19. Die Sueddeutsche verweist in ihrem Artikel „Das Rätsel der offenen Umschläge“ auf die Diskussion hier:

    Wie dem auch sei – die Bundeswehr scheint ein grundsätzliches Problem damit zu haben, wie sie mit privaten Schreiben ihrer Soldaten umgeht. Aus anderen Truppenteilen wird berichtet, dass dort Zensur zur Tagesordnung gehört.

    In dem unter Soldaten und Verteidigungsexperten anerkannten Blog „Augen geradeaus“ des ehemaligen Focus-Journalisten Thomas Wiegold berichtet ein Soldat unter dem Pseudonym „Mariner“ angesichts der geöffneten Briefe aus Afghanistan: „Wenn ihr wüsstet – oder vielleicht besser der Wehrbeauftragte – was an Bord unserer Schiffe abgeht … da behalten sich die Kommandanten vor, jede private E-Mail lesen zu dürfen, um den Inhalt auf einsatzwichtige Details zu prüfen.“

  20. @ Mariner, Simon
    Ein Blick ins Gesetz hilft. eMail-Versand an Bord von Schiffen erfolgt über die Fernmeldeeinrichtungen dort. Damit unterliegen sie dem Fernmeldegeheimnis gemäß §88 Telekommunikationsgesetz. Ausdrücklich steht dort auch:
    „(4) Befindet sich die Telekommunikationsanlage an Bord eines Fahrzeugs für Seefahrt oder Luftfahrt, so besteht die Pflicht zur Wahrung des Geheimnisses nicht gegenüber der Person, die das Fahrzeug führt oder gegenüber ihrer Stellvertretung.“

    Damit ist der Kommandat eines Kriegsschiffes berechtigt, die eMails zu lesen. In der Praxis wird das auch meist nur stichprobenartig durchgeführt.
    Zum Nachlesen:
    http://www.gesetze-im-internet.de/tkg_2004/__88.html
    MfG

  21. Ich fände es ja wichtiger/sinnvoller, sowas nicht (nur?) in einem Blog als Kommentar zu posten, sondern auch mal unter einem gewissen Herrn Königshaus zur Kenntnis gelangen zu lassen…

    Auch, wenn „Sammelbeschwerden“ nicht zulässig sind, so kann man sich dennoch mit ein paar Kameraden absprechen und den gleichen Sachverhalt zeitnah und ähnlich schildern. Erhöht nicht nur die Glaubwürdigkeit, sondern auch die Aufklärungswahrscheinlichkeit, würde ich doch hoffen.

  22. @Ash
    Hier werden keine IP-Adressen ausgelesen. Was hier passiert, steht unter Zeugnisverweigerungsrecht und Informantenschutz. Natürlich kann ich nicht ausschließen, dass jemand mit einer richterlichen Anordnung kommt – aber dafür sind a) die rechtlichen Hürden relativ hoch und b)ist eine Ausforschung von Journalisten und Redaktionen eine Angelegenheit, die dem Urheber sehr viel Publicity beschert…

  23. Kann Mariners Ausführungen vollinhaltlich bestätigen.
    Mittlerweile gibt es zwar auf einigen (vllt. sogar allen?) seegehenden Einheiten ein eigenständiges Mailsystem für die privaten Emails, allerdings unterschreibt man vor Freischaltung des eigenen Accounts eine Menge Papier, wo u.a. drinsteht, dass mal der ein oder andere Blick in die Mails reingeworfen werden könnte, zwecks OPSEC blablabla….
    Vor 5 Jahren war das jedoch noch ganz anders, die Einheit hatte exakt eine (!) Emailadresse, und mindestens die Funker, die die Emails ausdrucken und den Empfängern zustellen sollten, wussten mehr oder weniger über alles Bescheid. Wenn dann Tante Lieschen es nicht auf die Reihe bekommen hat, im Betreff klar und deutlich Name, Dienstgrad des Empfängers reinzuschreiben, blieb den Funkern auch gar nichts anderes übrig, die Emails komplett zu lesen, wenn sie einen Empfänger rausfinden wollten…
    Soviel zu den (mittlerweile auf dem Wege der Besserung befindlichen) Usancen, ob das skandalfähig ist oder nicht, sei mal dahingestellt.

    Weitaus skandalträchtiger ist der Punkt, auch schon hier in der Diskussion angesprochen, was in der Feldpost alles verschütt geht, vor allem bei der Paketbeförderung. Hatte man erst mal zwei „verlorene“ Amazon-Sendungen Lehrgeld bezahlt, hörte man dann auch auf seinen altgefahrenen Kameraden, die alles über zuhause abwickelten, wo der Amazon-Karton in einen zweiten „anonymsierten“ Karton umgepackt wurde. Dies betrifft, nur zur Klarstellung, die Marine-„Feld“post, die von den Flotillen in Eigenregie (und nicht über die Feldpostleitstelle in Darmstadt) abgewickelt wird, und bezieht sich ebenfalls auf Erfahrungen von vor 5 Jahren. Vielleicht ist das heute nicht mehr so.

    Soviel Anekdoten erst einmal. Der Brief an den Wehrbeauftragten ist in Arbeit, nicht, dass ich hier nur haltlose Anschuldigungen verteilen will.
    Ob diese Sache in Mazar-i-Sharif mit dem hinlänglich bekannten Problem zu tun hat, dass einige Soldaten mit ihnen anvertrautem Eigentum (sei es vom Dienstherrn, Stichwort Panzerband, oder von Privatpersonen, Stichwort „verlorene“ Amazon-Pakete) so ihre Probleme haben, müssen die Ermittlungen zeigen.

    Auf jeden Fall ist es gut, dass diese Sachen endlich mal an die Oberfläche gespült wurden.

    MkG,

    Signäler

  24. Was der Wehrbeauftrage in letzter Zeit so herausbekommt. Ein echter Sherlock. Ich verweise mal auf die ansatzartigen Berichte über die Situation auf unserem weißen Dreimaster.

    In beiden Fällen gibt es keine wirklich entgültige Information. Auf was kann man sich verlassen? Wer behandelt die Postsendungen? Wer hat da Interessen?
    Die Bundeswehr hat ein Interesse, die eigene Schönwetterpropaganda fahren zu können, immerhin.

    Dass es überall Leute mit einer Art „Stasi-Gen“ gibt, kennt ja jeder. Das ist nicht nur bei der Bundeswehr so. Sollten die Zustände korrekt sein, ist das Ding mit der inneren Führung (ich verstehe das so, dass sich jeder Soldat quasi von alleine/innen führt und wenig Knute braucht) wohl in Teilen längst passé. Nur wie will ich dann per Auftrag führen? Und wie will ich dann Leute in den Verein bekommen, die was zwischen den Löffeln haben? Wer gibt sich das dann noch? Ich finde es zumindest äußerst befremdlich und nicht „koscher“.

  25. @P.B.
    Danke, war mir nicht bekannt. Aber wenn ich meine Staatsexamen schon hätte, wäre ich nicht immernoch in der Bibliothek. ;)

    @Niklas
    Wer heute noch zur Bundeswehr geht, ist Überzeugungstäter. Am Geld und den Arbeitsbedingungen liegt’s meines Erachtens nach sicher nicht.
    Was die Anekdoten angeht: Ja, die Einstellung mancher Soldaten zu dem ihnen anvertrauten Material wirkt in der Tat auf den denkenden Menschen äußerst befremdlich, um es ‚mal vorsichtig auszudrücken. Habe ich mir interessanterweise über alle Dienstgradgruppen (soweit erlebt, also bis Hptm) einbilden können…

  26. @ T. Wiegold

    Wollte ich auch nicht vermischen :)

    @ Simon

    Nur größtenteils glückliche Soldaten sind gute Soldaten (und jene die vertrauen). Und da spielen die Bedingungen und die Knete sehr wohl eine gewaltige Rolle. Aber ich will da auch nicht wieder drauf schwenken. Die Diskussion ist ja so alt wie die Menschheit.

    Dass es immer wieder etwas begrenzte Elemente (in einer Hierarchie natürlich sehr tragisch) gibt, die ohne echtes Ziel ihre Leute gängeln, dürften ja viele Soldaten schon erlebt haben. Und so gehts eben nicht. Da gehts um gewisse Prinzipien der Achtung und die müssen von oben durchgepeitscht werden.

  27. @Niklas
    Die Leute, „die was zwischen den Löffeln haben“, verlassen jedenfalls in meinem Umfeld den Verein auch reihenweise. Ich auch, ich bilde mir ein, auch was im Kopf zu haben, und freue mich auf die Jahresmitte!

  28. Guten Tag!

    Es scheint mir einleuchtend zu sein, dass Soldaten im Einsatz nicht Briefe schreiben dürfen wie gewöhnliche Staatsbürger – immerhin haben sie Kenntnis von Dingen, die der Feind (wir haben in Afghanistan einen Feind) gerne wissen würde und gegen unsere Soldaten einsetzen könnte.

    In welcher Weise nun die Bundeswehr sich gegen Geheimnisverrat schützt, sollte sicher reflektieren, für welche Werte wir da Soldaten hinschicken – es sollten also nicht Willkür, Gesetzlosigkeit oder dergleichen herrschen.

    Dass aber die Bundeswehr keine bewaffnete Pfadfindergruppe ist, sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben.

    Und irgendwie kann ich auch Denzel Washington als U-Boot-Offizier nicht vergessen: „Wir verteidigen die Demokratie, aber wir praktizieren sie nicht.“ Damit habe ich grundsätzlich kein Problem, solange die Grundsätze „Innere Führung“ und „Staatsbürger in Uniform“ gelten.

    Dass es sich bei dem, was derzeit durch die Medien geht, tatsächlich um eine systematische Zensur handeln soll, kann ich nicht glauben – dafür ist das, was bisher bekannt geworden ist, viel zu dilettantisch und stümperhaft (Weitersenden leerer Umschläge – wozu soll das denn gut sein?!).

    Mir scheint, die ganze „Affäre“ ist wieder mal ein Beispiel dafür, dass viele Menschen in D ein grundsätzlich ablehnendes Verhältnis zu den Streitkräften haben und daher einfach alles Scheiße finden, was die tun.
    Das hilft weder den Soldaten noch denen, die die Soldaten schützen sollen.

    Vielen Dank für die Aufmerksamkeit

    Harald Leinweber

  29. [Es tut mir Leid, aber die Verschwörungstheorien aus dieser Quelle möchte ich hier nicht noch ausbreiten.

    Habe deshalb den Inhalt dieses Kommentars gelöscht. T.W.]

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