Bundeswehr nimmt Ausbildung von Kurden im Nordirak wieder auf

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Nach einwöchiger Unterbrechung hat die Bundeswehr die Ausbildung kurdischer Peshmerga-Kämpfer im Nordirak wieder aufgenommen. Die Ausbildungsunterstützung, vor allem in Erbil, der Hauptstat der autonomen Kurdenregion im Irak, war am 13. Oktober ausgesetzt worden, nachdem ein Referendum für die Unabhängigkeit der Kurden zu Spannungen mit der irakischen Zentralregierung in Bagdad geführt hatte.

Die Wiederaufnahme der Ausbildung teilte die Bundeswehr knapp auf ihrer Webseite* mit:

Am Sonntag, den 22. Oktober 2017, hat das deutsche Einsatzkontingent die Ausbildung im Rahmen der Ausbildungsunterstützung Nord-Irak wieder aufgenommen.

Das Verteidigungsministerium hatte bereits am vergangenen Freitag angekündigt, dass die unterbrochenen Kurse für die Peshmerga im Kampf gegen ISIS ab Sonntag weitergeführt werden sollten. Nach Informationen von Ministerium und Bundeswehr habe sich die Lage in der Region wieder beruhigt; beide Seiten bemühten sich um eine politische Lösung.

Allerdings gab es auch am Wochenende weitere Berichte über Auseinandersetzungen zwischen Kurden und der Zentralregierung, die nicht auf eine Beruhigung der Lage hindeuten. Zum Beispiel von der New York Times:

Military operations in Iraq this past week were one-sided, with Iraqi government forces using superior numbers and firepower to reclaim disputed areas that had been controlled by separatist Iraqi Kurds since 2014.
But in the public relations war, the two American allies are vying on a more level battlefield to win international support and sympathy just days after Iraq drove Kurdish fighters from almost all of the contested areas.
The Kurds and Baghdad traded accusations after a battle on Friday in which Iraqi government forces reclaimed the last Kurdish-held area in oil-rich Kirkuk Province.

Dabei gab es auch Meldungen über angebliche konkrete Hinweise, dass die Peshmerga von Deutschland für den Kampf gegen ISIS gelieferte Waffen, insbesondere Panzerfäuste und Milan-Panzerabwehrlenkraketen, gegen irakische Kräfte eingesetzt hätten. Einen Beleg dafür gibt es allerdings bislang nicht.

*Um die Mitteilung der Bundeswehr im Original dauerhaft zu sichern, hier die pdf-Datei: 20171022_Bw_Nordirak_Kurden-Ausbildung

(Archivbild März 2015: Bundeswehr-Ausbilder mit Peshmerga im Nordirak – Foto mit freundlicher Genehmigung von Matt Cetti-Roberts)

16 Kommentare zu „Bundeswehr nimmt Ausbildung von Kurden im Nordirak wieder auf“

  • Klauspeterkaikowsky   |   22. Oktober 2017 - 13:57

    Mutige politische Entschlussfassung, für deutsche Verhältnisse. Bin nur erstaunt, dass aus Kreisen der „Kleinen“ innerhalb „Jamaikas“ nichts dazu vernommen wird.

  • T.Wiegold   |   22. Oktober 2017 - 15:03

    Das ist so nicht richtig.

  • yeay   |   22. Oktober 2017 - 15:27

    Der IS ist noch keine 5 Minuten besiegt, schon soll die Ausbildung beendet werden?
    Diese Ausbildung dient doch dem Aufbau einer soliden Streitmacht, die auch für zukünftige Konflikte gegen Islamisten gerüstet sein muss. Der IS könnte jederzeit wieder aufflammen.
    Mal sehen, ob sich bei der Diskussion im Bundestag eine Koalition aus linken und rechten Kräften bildet, die diese kurzfristige Ansicht teilt.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   22. Oktober 2017 - 15:51

    @T.W.
    Oh, danke (!!!) für den Nouripour. Er ist grüner Teil der JM-Sondierungsgruppe, ggf. mit welchem Einfluss/Funktion/SiPO-Sprecher?
    Seiner o.g. Aussage stimme ich weitgehend zu, noch deutlicher ist allerdings die politische Dimension hervorzuheben.
    Den angeblichen Nutzen auf Seiten ISIS, also Daesh, hingegen sehe ich nicht. Das „Kalifat“ ist zerschlagen, besonders im Irak.
    Ich hatte versucht, dies mit wahrscheinlichen Folgen darzustellen.
    http://augengeradeaus.net/2017/10/berlin-plant-wiederaufnahme-der-kurden-ausbildung-im-nordirak/#comment-279820

  • AoR   |   22. Oktober 2017 - 17:11

    @yeay: Zustimmung

    @KPK: Wer hat die Mannschaften um überall zu jeder Tages und Nachtzeit präsent zu sein? Mit schiitischen Milizen auf sunnitischen Territorium? Assads Armee? Wer?

    Sobald das Blending In Daeshs geschehen ist gilt die alte Formel 1:100. Nach Liddel Hart macht ein Guerilla 100 Soldaten das Leben schwer.

    Hier werden hohle Begriffe in den Raum geworfen. Der Irak existiert auf dem Papier. Oder wie erklären wir uns die letzten Jahre?

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   22. Oktober 2017 - 17:14

    Und sage niemand, im Orient geht es gemütlich im Rhythmus des Wiegeschrittes der Wüstenkamele zu.
    http://www.deutschlandfunk.de/riad-irak-und-saudi-arabien-starten-koordinationsrat.1939.de.html?drn:news_id=806666
    Kaum ist Daesh im Irak nicht mehr präsent, und die irakische Armee hat im kurdischen Autonomiegebiet die Machtverhältnisse zurecht gerückt, treffen sich König Salman, der irakische Ministerpräsidenten al-Abadi sowie auch US-Außenminister Tillerson zu einem ersten Koordinierungsgespräch.
    Neben wirtschaftlichen Interessen im Zusammenhang mit (evtl) Öltransporten aus den kurdischen Fördergebieten, stehen sicherlich Fragen der Nachkriegsordnung im Vordergrund.
    Süffisant,
    – Ministerpräsident Haider al-Abadi, libanesischer Herkunft und schiitischen Glaubens,
    – trifft den Hüter der heiligen Stätten, seit Saladin der Titel des Herrschers über die Städte Mekka und Medina; ab 1932 ist dies der König von Saudi-Arabien.
    Diese offenbar einvernehmliche Kooperation führt in Teheran zu Kopfschmerzen?

  • b   |   22. Oktober 2017 - 17:53

    @yeah – IS wurde nicht von den Kurden besiegt. Die Kurden hatten den kleinsten Anteil daran. Die Einheiten der irakischen Regierung haben in etwa zehnmal so hohe Verluste erlitten (ca. 18,000), die der syrischen Regierung nochmal ein mehrfaches davon.

    Ausbildung und Waffenlieferungen an Kurden werden, wie gesehen, gegen die Nachbarländer des Autonmiegebietes eingesetzt werden oder im nächsten inner-kurdischen Bürgerkrieg zur Anwendung kommen.

    Ich verstehe nicht was man sich in Berlin von diesem Unsinn verspricht..

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   22. Oktober 2017 - 19:52

    AoR | 22. Oktober 2017 – 17:11
    Das ist DAS nahe militärische Zukunftsproblem, Bekämpfung der Guerilla, der Reste von Daesh; wenn „sämtliche Daesh-Gegner“ annehmen sollten, mit dem operativen Sieg sei es das gewesen, irren sie. .

    Wahhabitische und salafistische Kernelemente werden natürlich ihrer IDEOLOGIE, ausdrücklich nicht ihrem Glauben, verbunden bleiben und um mit dem Vietcong-General Giap zu sprechen, auf die unterste Stufe der Guerillakriegführung zurückfallen, dem Hinterhalt und dem Handstreich gegen politisch/militärische Führungszirkel und Verkehrsinfrastruktur im Interessengebiet.

    Die nötige Zahl an Truppen nach Liddl Hart will (und kann meist auch nicht) niemand stellen, abgesehen davon, dass europäische Gesellschaften dies nicht hinnähmen.
    Was bleibt, ist ein politische Lösung, verbunden mit ökonomischer Kontinuität, geeignet ultrakonservative Strömungen innerhalb des Islams zu relativieren.
    Der Westen muss das Momentum der Zerschlagung des Kalifats nutzen. Falls dies misslingt, wird in naher Zukunft der Fall von ar-Raqqa Wurzel andauernder Guerillakriegführung sein, nicht auf das Netz beschränkt.
    Leider verfügt Deutschland derzeit nicht über eine, im Wortsinn, durchsetzungsfähige Regierung, die Führung ausübt. Zu befürchten steht daher, es geht unnötig viel Zeit verloren.

  • AoR   |   22. Oktober 2017 - 19:58

    @b: Wie bitte? Schon die SDF vergessen?

  • AoR   |   22. Oktober 2017 - 21:54

    Einwurf zu Interessen der BRD:

    Unterstützung nachhaltiger Stabilität um Ressourcensicherheit zu garantierten, Exportmärkte zu erschließen wie eine Rückführung von Flüchtlingen in die Region einzuleiten.

    Noch jemand Fragen, warum wir Präsenz zeigen sollten? Ich denke die letzten Jahre haben gezeigt, die Kurden sind überdurchschnittlich verlässlich wie berechenbar.

    Also, warum den Kurden jetzt das Gefühl geben, man würde sie fallen lassen. So überraschend wie Weihnachten: UN Mandat Syrien-Irak?

  • Alex   |   22. Oktober 2017 - 22:40

    @AoR
    Die IS-Kämpfer im Al Omar-Ölfeld sind zu den SDF übergelaufen und haben die SDF-Flagge gehisst. Können Terroristen einfach so überlaufen? Diese Frage sollten wir uns auch im Irak stellen! Was geschieht mit den IS-Gefangenen (zumindest ein Teil Kurden!) der Peschmerga in der derzeitigen Situation?

  • Luxemburger   |   23. Oktober 2017 - 8:53

    @All
    Eine Ergänzung zu deutschen Waffen, welche durch die Kurden eingesetzt werden sollen: in einer Bildstrecke von Reuters ist zumindest eine deutsche Panzerfaust zu sehen. Ob es allerdings zur Verwendung kam, wird nicht genannt. Folgende Bildbeschreibung wurde verfasst: „Kurdish Peshmarga fighters gather north of Kirkuk. REUTERS/Ako Rasheed“, siehe (viertes Bild): https://www.reuters.com/news/picture/iraqi-forces-complete-takeover-of-kirkuk-idUSRTS1HE1W

    @T.W.
    Entschuldigen Sie bitte vorab den Link.

    [Dieser Link ist unproblematisch – siehe die FAQ:

    http://augengeradeaus.net/faq/faq-sind-links-in-den-kommentaren-erlaubt/

    Das Problem sind deutsche Verlagswebseiten. T.W.]

  • Eric Hagen   |   23. Oktober 2017 - 9:57

    @Alex: Was mit IS- Gefangenen, einschl. Ueberlaeufern geschieht, koennen Sie demnaechst in den einschlaegigen Videoportalen nachsehen. Deren Behandlung wird unwesentlich anders sein, als es die IS- Moerderbande mit ihren Opfern gemacht hat. – –

    Gut moeglich, dass sich Barzani mit dem hastig aufgelegten Referendum ueber eine kurdische Unabhaengigkeit verzockt hat.
    U.a. liegt es auch daran, dass die USA in ihrer gegenwaertigen widerspruechlichen Politik unter Trump mutmasslich falsche, zumindest aber inkonsistente Signale an die irakischen Kurden gegeben haben. Durch die international Ust., einschl. der deutschen, wurden die irakischen Kurden aufgewertet – fuer den Kampf gg. den IS-, aber nicht unbedingt fuer eine Losloesung von Bagdad.

    In SYR ist es aehnlich, nur noch komplizierter, weil auch die Russen durchaus Sympathien fuer die Kurden haben. Hier werden sich die Tuerken als unnachgiebig erweisen, und dies kann eine neue Sollbruchstelle im derzeitigen Buendnis in SYR mit RUS zur Folge haben. In SYR sind die Kurden auch ein Gegengewicht zum IRN und der Hezbollah. Das Verhaeltnis zu Assad ist weitaus weniger zerruettet, als dass man es angesichts des lfd. Krieges erwarten koennte. Eine weitgehende kurdische Autonomie, die ueber das hinausgehen wird, was es in SYR vor dem Krieg bereits schon gab, koennte die Kurden veranlassen, zu Assad zurueckzukehren und somit dessen Rumpfstaat staerken- mit Billigung der Russen und gegen den Willen der TUR.

    Natuerlich fehlt es in Europa an gestalterischer Befaehigung, auf dieses komplexe Bild einzuwirken. Es geht dabei nicht nur um die Integritaet der Kunststaaten IRK und SYR, den sunnitisch- schiitischen Dauerkonflikt und regionale Vorherrschaften, sondern aus europ. und NATO- Sicht zunnehmend um die Frage, ob sich die TUR nicht aus ihren bisherigen Verankerungen in westl. Strukturen herausloesen wird. Die Kurdenfrage ist dabei fuer die TUR dermassen unverhandelbar, dass sie darueber nicht mit Maß, Logik und Verantwortungsbewusstsein agiert, sondern nur in Emotion und Gewaltkulissen.

  • Eric Hagen   |   26. Oktober 2017 - 10:00

    Am 25.10. hat die kurdische Regionalregierung in Erbil die Ergebnisse des Referendums zur Unabhaengigkeit „eingefroren“. Auf weitere Massnahmen zur Umsetzung wird daher verzichtet.

    Offensichtlich Einsicht in die mutmassliche Nichtrealiserbarkeit und der Versuch, die bislang gewonnene Autonomie angesichts vorrueckender Milizen und irakischer Tr nicht zu riskieren.
    Damit reduziert sich fuer die deutsche Ausbildungsmission das beurteilte Sicherheitsrisiko weiterhin, womit der „normale“ Betrieb weitergehen koennte.

    Gleichwohl, „eingefroren“ heisst nicht „revidiert“, sondern bedeutet eher „vertagt“. Unklar, wie Bagdad darauf reagiert. Moeglich, dass Kr dauerhaft und sichtbar dort stationiert bleiben um entsprechende Risikoschwellen zu verdeutlichen.
    Die Lage ist demnach entschaerft, aber nicht geloest.

  • klabautermann   |   26. Oktober 2017 - 12:12

    @Eric Hagen | 26. Oktober 2017 – 10:00

    Einige Medien berichten heute, dass Bagdad das kurdische Angebot ablehnt und auf einer „Nichtigkeitserklärung“ besteht. Das wäre dann das politische „Aus“ für Barzani.
    Kommt nun darauf an, inwieweit Barzani akzeptiert, dass er kein Teil der Lösung sein kann und die Kurden müssen sich fragen, was Ihnen wichtiger ist: Erhalt oder Verlust des Autonomiestatus von 2003.

  • Burkhard Schröder   |   26. Oktober 2017 - 13:20

    Ich wundere mich immer wieder das deutsche Soldaten die Soldaten fremder Länder ausbilden. Im Artikel oben sehe ich ein Foto, welches offenbar die Ausbildung im „Häuserkampf“ darstellt. Wie kann die Bundeswehr das, wo doch bislang kein einziger deutscher Bundeswehr-Soldat jemals den „Häuserkampf“ praktiziert hat?