Mali: Französischer Soldat im Südosten des Landes gefallen (Nachtrag & Korrektur)

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Im Einsatz in Mali ist ein französischer Soldat bei Kämpfen mit Rebellen gefallen. Das teilte der Elyseepalast, das Büro von Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande, am (heutigen) Donnerstag in Paris mit. Einzelheiten wurden in der Mitteilung nicht genannt:

Le Président de la République a appris avec une grande tristesse la mort la nuit dernière au Mali d’un caporal-chef du 6ème régiment du génie d’Angers à la suite d’un accrochage avec des terroristes lors d’une opération dans le sud-est de ce pays. (…)
Le Président de la République exprime sa confiance et sa fierté aux militaires français qui combattent avec courage les groupes armés terroristes au Sahel. Il réitère le soutien de la France au Mali et à la force des Nations Unies pour la mise en œuvre de l’accord de paix.

Auffällig ist dabei, das von Auseinandersetzungen im Südwesten Südosten des westafrikanischen Landes die Rede ist: Vor allem der Norden Malis gilt als gefährliches Gebiet.

Die französische Armee gab den Namen des Gefallenen mit Julien Barbé an, ein caporal-chef (vergleichbar einem Stabsgefreiten?):

(Korrektur zur vorherigen Angabe, dass der Name nicht veröffentlicht wurde)

Am (morgigen) Freitag wird der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel zusammen mit seinem französischen Kollegen Jean-Marc Ayrault in Gao im Norden des Landes erwartet. Die Bundeswehr ist dort mit rund 800 Soldaten im Rahmen der UN-Mission MINUSMA im Einsatz. Frankreichs Truppen gehören nicht zu der UN-Mission, sondern führen dort im Rahmen der Operation Barkhane gesondert ihre Einsätze durch, die die gesamte Sahel-Zone betreffen und nicht auf Mali begrenzt sind.

Nachtrag: Der französische Verteidigungsminister Yves Le Drian nannte laut Reuters Einzelheiten zu dem Vorfall:

Defence Minister Jean-Yves Le Drian said the soldier, the 19th to be killed since Paris‘ intervention, had died during a joint operation with Burkinabe and Malian forces on Wednesday afternoon near Hombari on Mali’s southwestern border. He said the troops were attacked after an explosive device blew up an armoured vehicle, with the soldier killed in the ensuing clash.

(Archivbild März 2016: Französische Soldaten der Operation Barkhane auf Quads in der Wüste Malis – Foto defense.gouv.fr)

19 Kommentare zu „Mali: Französischer Soldat im Südosten des Landes gefallen (Nachtrag & Korrektur)“

  • Dirk Hamann   |   06. April 2017 - 15:20

    Korrektur: der Kamerad ist nicht im Südwesten, sondern im Südosten des Landes gefallen. Das ist nicht verwunderlich, da das Länderdreieck Burkina Faso, Mali, Niger seit mehreren Monaten als Rückzugsgebiet terroristischer Gruppen gilt. Die drei Länder beabsichtigen, dagegen mit einer eigenen Truppe vorzugehen, die auch grenzüberschreitende Operationen führen soll. Ähnliches funktioniert an Tschad-See mit gutem Erfolg gegen Boko Haram.

  • T.Wiegold   |   06. April 2017 - 15:40

    Ups, so ein dummer Fehler. Vielen Dank. Ist berichtigt.

  • Jay   |   06. April 2017 - 22:14

    Rip

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   08. April 2017 - 11:24

    Verlagsseite?
    https://www.heise.de/tp/features/Libyen-Italien-schliesst-Abkommen-zur-Sicherung-der-Suedgrenze-3678660.html
    Italien hat mit Stammesführern in Libyen ein Abkommen zur Sicherung der Südgrenze getroffen (Innenminister Marco Minniti), die EU/FRONTEX offenbar nicht am Deal beteiligt.
    Demnach wurde mit 60 Stammesführern verhandelt, um Flüchtlingsbewegungen hauptsächlich aus Niger, dem Sudan und Algerien zu unterbinden.
    Die 60 Stämme rivalisieren, geht es doch in Gadaffi-Manier um finanzielle Fleischtöpfe. Italien setzt insbesondere auf die großen Stämme der Tuareg, die die Grenze mit Algerien kontrollieren und die Tebu (oder auch Tubu), die an der Grenze zum Tschad und zum Sudan eine wichtige Rolle spielen. Unklar, ob/wie die konkurrierenden libyschen Regierungen anteilig mit am Verhandlungstisch saßen.

    Mit Beteiligung der Tuareg rückt MALI mit MINUSMA ins Blickfeld. Die BAMAKO-Regierung hatte zuletzt einigen Erfolg in Befriedung des Wüstenstammes erzielen können. Durch Verhandlungen mit ITA und Veranwortungsübernahme in der Zentral-Sahara steigt die überregionale Bedeutung des Stammes, er „kontrolliert“ Flüchtlingsströme und hat somit auch ein Faustpfand Mali gegenüber in Händen.
    Bei erfolgreicher Umsetzung der südlichen Grenzsicherung werden Migranten mit Ziel libysche Mittelmeerküste im Sahel abgeriegelt, was sich auf die Sicherheitslage im AOR MINUSMA auswirken kann.

    [Heise ist prinzipiell ok, aber mir ist schleierhaft, warum Sie bewusst nicht die unproblematische Quelle nehmen, die Heise ja auch verlinkt hat?

    http://derstandard.at/2000055516893/Fluechtlinge-Europa-nimmt-Libyens-Suedgrenze-ins-Visier

    T.W.]

  • Memoria   |   09. April 2017 - 9:04

    In Mali wird erneut eine neue Regierung gebildet:
    http://m.dw.com/de/malis-pr%C3%A4sident-tauscht-regierungschef-aus/a-38357260

    Zudem steckt der viel gerühmte „vernetzte Ansatz“ auch in Gao weiter in den Kinderschuhen.
    Dies zeigte sich diese Woche auch durch Einsichten von BM Gabriel in GAO:
    „Ich habe mitgenommen, dass zur weiteren Entwicklung vor allem der Ausbau der Infrastruktur nötig ist, auch damit Einheiten die Sicherheit nicht nur in einer relativ nahen Umgebung um ihre Lager garantieren können, sondern auch schnell an andere Orte kommen müssen und ich glaube, dass wir hier die Infrastruktur ausbauen müssen“
    http://m.dw.com/de/au%C3%9Fenminister-gabriel-in-mali-hier-m%C3%BCssen-wir-helfen/a-38348146

    So wird das sicher nichts.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   10. April 2017 - 22:44

    Ein erfolgreicher Einsatz nigerianischer Truppen gegen BOKO HARAM stellte auch eine Entlastung der malischen Kräfte und von MINUSMA selbst, im Osten und Südosten des Landes dar.
    Der Verkauf von Zwölf „Embraer A-29 Super Tucano“ durch die USA als CAS Einsatzmittel wäre das geeignete Mittel, die afrikanischen Daesh-Verwandten in den Weiten Nordnigerias zu fassen. Die Super Tucano hat ihre Eignung als Luftnahunterstützer in Afghanistan regelmäßig bewiesen.
    https://www.washingtonpost.com/news/checkpoint/wp/2017/04/10/u-s-looks-to-sell-ground-attack-aircraft-to-nigeria-report-says/?utm_term=.f70636e87d00

  • closius   |   12. April 2017 - 14:01

    Die BW-HP meldet, daß eine deutsche Patrouille in Goa mit Handfeuerwaffen beschossen worden sei, das Feuer erwidert habe und ausgewichen sei.

    Die Soldaten, welche mit zwei geschützten Fahrzeugen unterwegs waren, sind ohne Personen- oder Sachschäden ins Camp zurück gekehrt.

    https://www.bundeswehr.de/portal/a/bwde/start/aktuelles/aus_dem_einsatz/!ut/p/z1/hY_NCoMwEITfyE0C1njUSosQbOmPbXIpQYO12ERCKj304ZtQ8Cbdw8DuNzvLgoArCC2nvpOuN1oOvudidcspOzGSEsLOFKGSVXQXE4TRdgU1XP5ZhMdooTIEx1YB9xnJYgb1JhAgWhU1RisX1Cnteq-dlc7YaDTWDYG8rPUk6lvgCBc5TuZT-JOxdVpTQuKizA8h8CEn-Z53ZROeBn6Xuh3U3jTZbzA-N7Sq4u4L5qpsEQ!!/dz/d5/L2dBISEvZ0FBIS9nQSEh/#Z7_B8LTL2922LU800ILN8O5201080

  • Memoria   |   12. April 2017 - 14:43

    @closius:
    Vielen Dank furchtbar den Hinweis.
    Furchtbar mich die Kernfrage:
    Was ist die tiefere Motivation des Angriffs?
    Schutz der Aktivitäten im Bereich OK?
    Schutz der Aktivitäten im Bereich INS?
    Oder beides?

    Oder ein Testen des Verhaltens der Deutschen?

    So oder so kein gutes Zeichen?
    Und was machen wir nun?
    Weniger Patrouillen in dem Bereich oder mehr?

  • JanLPunkt   |   12. April 2017 - 14:58

    @KPK 10.04.17 2244

    Zeigen Sie mir bitte eine seriöse Quelle, dass Boko Haram in Mali aktiv ist/war.

  • closius   |   12. April 2017 - 15:18

    @Memoria: Wir wissen nicht, was der Hintergrund des Angriffs war, aber es macht mir Sorge, daß man selbst in Gao dann ausweicht, statt Verstärkung zu rufen und zu versuchen die Angreifer auszuschalten.

    Denn wie soll die Bevölkerung Vertrauen zu uns haben, wenn wir bei Angriffen, selbst in der Stadt unseres Lagers, dem Angriff ausweichen, statt die Täter zu jagen?

    Die Patrouille kann nicht wissen, wie stark der Gegner ist, nur zwei Angreifer könnten auch eine Falle sein, aber unter Sicherheit schaffen würde ich die Jagd auf die Angreifer, durch Verstärkungskräfte verstehen und nicht den Rückzug, der den Gegner nur zu neuen Angriffen ermuntern könnte.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   12. April 2017 - 15:24

    @JanLPunkt
    Boko Haram kämpft für einen islamischen Gottesstaat im Norden Nigerias und in den angrenzenden Nachbarländern Kamerun, Tschad und Niger.
    Ein Blick auf die Geographie Westafrikas zeigt die gemeinsame Grenze NIGER – MALI auf.
    Wiki verstehe ich nun durchaus nicht als hochwissenschaftlich, aber immerhin:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Boko_Haram
    Die Zusammenarbeit mit Ansar Dine bei der Besetzung Timbuktus, Gaos und Kidals in Mali dürfte Ihnen nicht entgangen sein: Timbuktu wurde am 1. April 2012 zuerst von der AQMI (Alqaida au Maghreb Islamique) und später von Ansar Dine besetzt. Der Staat Azawad wurde ausgerufen.
    Keinesfalls unterstelle ich MALI als ständiges Operationsgebiet für BOKO HARAM, allerdings hat es die Qualität eines Rückzugsraumes für Teile, die im NIGER operieren. Damit wird eine permanente Bedrohung für Ost-Mali bis in den Raum GAO generiert.
    Erfolgreiche nigerianische Operationsführung hat damit die Wertigkeit der Entlastung malischer Kräfte im Osten.

  • T.Wiegold   |   12. April 2017 - 15:35

    @all

    Danke für den Hinweis auf die aktuelle Meldung zum Angriff in Gao – ich mache daraus sinnvollerweise einen gesonderten Eintrag.

    Und ebenso sinnvoll: Die Links zu verkürzen und nicht wie oben in dieser epischen Länge hier reinzukleben. Aber wem sage ich das ;-)

  • Memoria   |   12. April 2017 - 15:39

    @closius:
    Ich will hier ha auch nicht spekulieren, sondern darstellen, dass es wichtig ist im Nachgang zu verstehen warum es den Angriff gab. Das zeigt auch die Erfahrung.

    Zum taktischen Verhalten empfehle ich bei der Bewertung sehr starke Zurückhaltung. Alles leichter gesagt als getan.

    Interessant ist eher wie MINUSMA auf derlei reagiert.

  • Fux   |   12. April 2017 - 15:48

    @Closius 15:18

    MINUSMA ist eine UN Mission als Stabilisierungseinsatz zur Friedenssicherung (Peace Keeping). Wenn Sie also nicht verstehen, warum hier durch (unsere) UN Truppen nicht „Jagd / Nachsetzen“ auf irgendwelche Angreifer gemacht wurde, empfehle ich Ihnen, sich einmal mit den Rechtsgrundlagen dieses speziellen Einsatzes sowie Auftrag und Aufgaben der eingesetzten Kräfte vertraut zu machen. http://bit.ly/2osImIC

    Für eine tiefere Befassung empfehle ich Ihnen, sich die Wesensmerkmale der unterschiedlichen Arten von UN Missionen (Chaper 2) zu verinnerlichen: http://www.un.org/en/peacekeeping/documents/capstone_eng.pdf

  • Memoria   |   12. April 2017 - 15:56

    Nach einem Bericht bei welt.de („Bundeswehr-Soldaten in Mali beschossen“) wurde ein geplanter Transportflug aus der Hauptstadt Bamako nach Gao gestrichen. Es wird der Eindruck erweckt dies stehe im Zusammenhang mit dem Angriff.

    Naja.

  • Memoria   |   12. April 2017 - 16:03

    @fux:
    Nicht nur die Meldung selbst, sondern auch Ihre Reaktion ist ein déja-vu in die Jahre 2005ff.

    Es gibt eben gerade bei Kap. VII-Einsätzen einen Bereich des Eigenschutzes, der auf taktischer Ebene offensive Elemente haben kann.

    Da hilft auch nicht der Blick in das Mandat weiter, sondern nur in die ROE und deren Interpretation in der Ausbildung.

    Die Diskussion um den Fliehenden bei ISAF lässt deutlich grüssen.

  • T.Wiegold   |   12. April 2017 - 16:11

    @all

    Schlage vor, die Diskussion im neuen Thread fortzuführen und dabei einfach sachlich zu bleiben und nicht persönlich zu werden…

  • Fux   |   12. April 2017 - 16:31

    @Memoria 16:03

    Ich gebe Ihnen grundsätzlich Recht, was den zwingenden Blick in die ROE betrifft.

    Jedoch dürfen Sie einen UN mandatierten Einsatz bewaffneter Streitkräfte (gefleckter Hut) ala‘ ISAF nicht mit einem UN Einsatz (blauer Hut) verwechseln. Schon gar nicht, wenn es sich nicht um einen friedenserzwingenden (Peace Enforcement) oder friedensschaffenden (Peace Making) Einsatz handelt.

    In MALI gibt es ein bestehendes gültiges Friedensabkommen von Juni 2015 und damit die Zuweisung von Verantwortlichkeiten auf reguläre Sicherheits- und Justizkräfte.
    Damit haben sich UN Truppen in einer friedenssichernden Mission den früheren Konfliktparteien gegenüber zwingend neutral zu verhalten. Davon lebt die Reputation der UN. Der Waffeneinsatz zur Selbstverteidigung in zur Abwehr eines gegenwärtigen unmittelbaren Angriffs ist unbenommen. Ist dieser jedoch vorbei (nicht mehr gegenwärtig) oder kann man sich diesem durch Einsatz eines weniger belastenden/schädigenden Mittels – Verhaltensgrundsatz – (z.B. Ausweichen) entziehen, ist finito.

    Danach erfolgt Meldung an die regulären in Verantwortung stehenden Sicherheitsorgane des jeweiligen Staates / Gebietes und diese walten ihres Amtes. (Wie gut und erfolgreich sie darin auch immer sein mögen).

  • Fux   |   12. April 2017 - 16:32

    @T.W. 16:11

    Sorry, ich war zu langsam mit der Tipperei. Wenn gewünscht, bitte in den neuen Faden verschieben.