Die USA in Afghanistan nach 2014: Counter-Terrorism noch vor Unterstützung

US-Verteidigungsminister Leon Panetta (l.) bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Israels Verteidigungsminister Ehud Barak im Pentagon (Foto: U.S. Department of Defense)

US-Verteidigungsminister Leon Panetta hat die (militärischen) Ziele der USA in Afghanistan nach dem Ende der ISAF-Mission 2014 beschrieben: Couter-Terrorism steht für die USA da offensichtlich vor der Ausbildung, Beratung und Unterstützung (Train, Advise, Assist) der afghanischen Streitkräfte. Panetta äußerte sich dazu in der vergangenen Nacht bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem (scheidenden) israelischen Verteidigungsminister Ehud Barak:

SEC. PANETTA:  The fundamental mission in Afghanistan is to establish an Afghanistan that can secure and govern itself and ensure that Al Qaida never again finds a safe haven within Afghanistan from which to conduct attacks on the United States or any other country.
The goal here is an enduring presence, therefore, that will direct itself towards, you know, three important missions.
One is obviously CT, counterterrorism, to ensure that we continue to go after whatever Al Qaida targets remain in Afghanistan.  And although, you know, we clearly have had an impact on their presence in Afghanistan, the fact is that they continue to show up and intelligence continues to indicate that, you know, they are looking for some kind of capability to be able to go into Afghanistan, as well. That’s something we just have to be continually vigilant in terms of protecting against.  So that’s going to be the fundamental thrust of the CT effort in the enduring presence.  We also are going to continue to have a train-and-assist mission to help develop the capability of the Afghan army.  And the third mission will be to continue to provide some enabling capability so that we can provide the support needed for our forces, as well.
Q:  Does that suggest any size of force that would be adequate for that mission?
SEC. PANETTA:  That’s exactly what’s being discussed.

(Transkript der Pressekonferenz beim US-Verteidigungsministerium.)

Konstante Wachsamkeit gegen ein mögliches Wieder-Erstarken von Al Qaida – das ist, nach Panettas Aussagen, die Kern-Mission. Und über Zahlen will er (bislang) noch nicht öffentlich reden.

16 Kommentare zu „Die USA in Afghanistan nach 2014: Counter-Terrorism noch vor Unterstützung“

  • zog   |   30. November 2012 - 10:57

    Passenderweise ziemlich genau 10 Jahre nachdem OEF zunächst Erfolge vorweisen konnte. Verschenkte 10 Jahre?

  • KeLaBe   |   30. November 2012 - 11:33

    Einerseits: Ja, zum Teil verschenkte Jahre. Man hätte mehr draus machen können. Andererseits: Niemand durfte erwarten, man könne das Problem des international wirksamen Terrorismus innerhalb nur eines Jahrzehnts erfolgreich lösen. Es wird uns noch lange begleiten. Die Frage ist allenfalls: Zeigt der Trend in die richtige Richtung?

  • iltis   |   30. November 2012 - 11:33

    @zog: Vor 10 Jahren war OEF beim Aufräumen mit groben Gerät und das Wort Kollateralschaden war noch nicht erfunden (zumindest noch nicht in aller Munde). Inzwischen haben sich die Dinge geändert. Niemand hat mehr den Anspruch aufräumen zu wollen, alle wollen nur noch raus, so schnell es geht. Notfalls auch unter Gesichtsverlust. Da Begriffe wie Ehrenvoll oder Gesichtswahrung im Westen höchstens noch etymologische Bedeutung haben, darf uns das auch nicht wundern.

    Vor allem der Fokus unseres führenden Personals hat sich verändert. Wirklich wichtig ist das nächste Vierteljahr oder vielleicht noch der nächste Wahltermin. Eine Planung, die Effekte in 10, 20 oder mehr Jahren zumindest berücksichtigt, gibt es nicht mehr.

  • Orontes   |   30. November 2012 - 11:56

    @KeLaBe
    “Niemand durfte erwarten, man könne das Problem des international wirksamen Terrorismus innerhalb nur eines Jahrzehnts erfolgreich lösen. ”

    Dieses Problem wäre Ende 2001 sogar innerhalb weniger Wochen lösbar gewesen, wenn man sich denn auf den militärischen Schwerpunkt konzentriert und die paar hundert Leute getötet oder gefangengenommen hätte, die dieses Problem darstellten. Statt dessen hat man das Problem so umdefiniert, dass diese Chance vergeben wurde.

  • KeLaBe   |   30. November 2012 - 12:12

    @Orontes

    Na ja, eine stramme Behauptung ist vielleicht manchmal besser als ein schwacher Beweis – der hier auch nicht zu erbringen ist. Ich bezweifle jedenfalls, das Phänomen des internationalen Terrorismus sei ausschließlich auf Afghanistan begrenzt. Da müssen wir schon ein bisschen ganzheitlicher denken.

  • politisch inkorrekt   |   30. November 2012 - 12:22

    Dazu passend auf bundeswehr.de:
    Afghanistan: Verantwortungsvolle Kräfteanpassung im Regionalkommando Nord

    http://tinyurl.com/ckeorhb

    pi

  • T.Wiegold   |   30. November 2012 - 12:32

    @pi

    Neuer Thread dazu ist in Arbeit.

  • Orontes   |   30. November 2012 - 13:09

    @KeLaBe
    Dass man 2001 vom “Problem des internationalen Terrorismus” gesprochen hat, war ein Fehler, der das Problem entgrenzt hat. Die ETA stellte z.B. keine strategische Bedrohung für die USA oder auch für Deutschland.
    Die Vernichtung des Kerns der Al-Qaida, um den es eigentlich ging und der sich damals in Afghanistan befand, hätte sicherlich nur einen Teil der Lösung des Problems gebildet, den diese Art militanter Islamisten darstellt, aber dieser Beitrag wäre strategisch wichtig gewesen, schon aus psychologischen Gründen. Man hätte damals demonstrieren, dass man sich nirgendwo verstecken kann und jeder, der solche Herausforderungen wagt, dies nicht überlebt (zumindest nicht als freier Mann). Leider hat man sich nicht auf diese für die Amerikaner militärisch machbare Aufgabe konzentiert, sondern wollte das Problem unbedingt zu einem Problem von Nation Buildung und Entwicklungshilfe umdefinieren.

  • Elahan   |   30. November 2012 - 13:13

    @Orontes

    “Dieses Problem wäre Ende 2001 sogar innerhalb weniger Wochen lösbar gewesen, wenn man sich denn auf den militärischen Schwerpunkt konzentriert und die paar hundert Leute getötet oder gefangengenommen hätte, die dieses Problem darstellten.”

    Wer und wo waren ihrer Meinung nach diese Leute?

    Ich hoffe nicht, dass sie die Technischen Universität in Hamburg-Harburg meinen, denn dort waren die Attentäter Atta, Jarrah, Alshehhi und Ramzi Binalshibh als Studenten eingeschrieben! Kollateralschäden kommen in der BRD nich wirklich gut an!

  • iltis   |   30. November 2012 - 13:16

    Sieht halt besser aus als Bundestagsdrucksache. So eine Jagdstrecke, wie sie die Mannen des Herrn Dostum zuweilen hinterließen, machte sich einfach nicht gut auf den Pressefotos. Außerdem wußten wir/ der Westen ja gar nicht, was wir überhaupt erreichen wollten. Die USA wollten einen schönen medienwirksamen Feuerzauber sehen und und der Rest wollte nicht untätig herumstehen. Also passierte eben irgendwas. Hauptsache es war für den Herrn Ströbele nicht juristisch angreifbar.

  • Georg   |   30. November 2012 - 14:05

    @KaLaBe, @Elahan

    Zitat:“Dieses Problem wäre Ende 2001 sogar innerhalb weniger Wochen lösbar gewesen, wenn man sich denn auf den militärischen Schwerpunkt konzentriert und die paar hundert Leute getötet oder gefangengenommen hätte, die dieses Problem darstellten.”

    Das Problem des internationalen islamistischchen Terrrorismus konnte nicht innerhalb von 10 Jahren gelöst werden. Dazu hat der Irakkrieg und auch der AFG-Einsatz den Terror noch angheizt.

    Die Vertreibung und die weitgehende Vernichtung der Al-Kaida Kämpfer in AFG, die hätte man bei konsequenterer Vorgehensweise allerdings tatsächlich erreichen können.

    Nachdem am 12.11.2001 Kabul von der Nordallianz mit Unterstützung der Amerikaner erobert wurde, wurde damit für Pakistan sein schlimmster Albtraum wahr.
    Am 15.11.2001 waren im “Kessel von Kunduz” ca 5000 – 7000 Taliban, Al-Kaida-Kämpfer, ISI Offiziere und Offiziere der pakistanischen Grenztruppen eingeschlossen. Die pakistanischen Soldaten waren als “Force Enabler” für die Taliban-Truppen eingesetzt und hatten sich entgegen der Weisung aus Islamabad nicht zurückgezogen, wie die Niederlage absehbar wurden. Auf Bitten der pakistanischen Regierung erlaubten die USA diese Truppen in nächtlichen Evakuierungsflügen aus dem Land zu bringen. Niemand kann sagen wieviel führende Al-Kaida Kämpfer und Taliban- Kommandeure mit ausgeflogen wurden. Fakt ist jedoch, dass am 24.11.2001 nur noch ca. 3300 Kämpfer in dem Kessel von Kunduz kapitulierten.
    Hier wurde unter den Augen der amerikanischen SOF-Soldaten die Gegner von dem angeblichen “Verbündeten” ausgeflogen.

  • iltis   |   30. November 2012 - 14:17

    Pakistan: Wer solche Freunde hat braucht keine Feinde mehr.

    Typisches US- Problem. Wenn ich immer annehme, daß der Feind meines Feindes automatisch mein Freund ist, passiert das eben. Im Kampf gegen die Rote Armee erschien Gulbuddin Hekmatiyar den Amerikanern auch ein Freund zu sein. Es wäre schon gut, gelegentlich aus der Vergangenheit zu lernen.

  • Georg   |   30. November 2012 - 16:15

    @ Orontes

    Zitat:”Leider hat man sich nicht auf diese für die Amerikaner militärisch machbare Aufgabe konzentiert, sondern wollte das Problem unbedingt zu einem Problem von Nation Buildung und Entwicklungshilfe umdefinieren.”

    Die Amerikaner wollten 2001 kein großes Engagement in AFG. Sie wollten kein Nation-Building und keine große Entwicklungshilfe. Sie wollten mit Spezialtruppen und mit der Nordallianz die Al-Kaida und zum begrenzten Teil die staatliche Regierungsmacht der Taliban in AFG beseitigen.
    Wer Nation-Building und Entwicklungshilfe gefordert hat, war der damalige deutschen Aussenminister Fischer in der Petersbergkonferenz.. Die Amerikaner sind dem nur widerwillig gefolgt. Danach wurde in der deutschen Innenpolitik der “böse” OEF-Einsatz hauptsächlich der Amerikaner (und der ausgebremsten KSK-Truppe) sowie der Briten und der “gute” ISAF-Einsatz der Deutschen thematisiert. Das Ergebnis werden wir in 1 – 2 Jahren sehen.

  • Orontes   |   30. November 2012 - 17:47

    @Elahan
    “Ich hoffe nicht, dass sie die Technischen Universität in Hamburg-Harburg meinen, denn dort waren die Attentäter Atta, Jarrah, Alshehhi und Ramzi Binalshibh als Studenten eingeschrieben! Kollateralschäden kommen in der BRD nich wirklich gut an!”

    Ich sprach ja u.a. von “Gefangennahme”, in diesem Fall von Festnahme. Wo es einen funktionierenden oder kooperativen Staat gibt, kann man solchen Feind auf Grundlage des Strafrechts als Straftäter bekämpfen. In Afghanistan konnte man Bin Laden aber aus den bekannten Gründen nicht festnehmen lassen, weshalb eine Behandlung nach Humanitärem Völkerrecht zweckmäßiger gewesen wäre.

  • zog   |   02. Dezember 2012 - 11:51

    @Orontes:

    Mullah Omar hatte den USA die Festnahme Bin Ladens und ein Verfahren vor einem Sharia-Gericht angeboten. ;-)

  • Elahan   |   02. Dezember 2012 - 13:17

    Die Nachrichtenagentur Pashwak meldet, dass fünf Mitarbeiter der Sicherheitskräfte und acht Taliban-Kämpfer am Sonntag bei einem Terrorangriff auf den Flughafen der afghanischen Stadt Dschalalabad ums Leben gekommen sind.