Patt in Afghanistan – und ein neues verstörendes Video

Alle (militärischen) Anstrengungen in Afghanistan, so die jüngste Einschätzung der US-Geheimdienste, haben offensichtlich wenig genützt: Von einem Patt, so berichtet die Los Angeles Times heute, sei in der jüngsten, geheimen Einschätzung der Dienste (National Intelligence Estimate) die Rede.

The U.S. intelligence community says in a secret new assessment that the war in Afghanistan is mired in stalemate, and warns that security gains from an increase in American troops have been undercut by pervasive corruption, incompetent governance and Taliban fighters operating from neighboring Pakistan, according to U.S. officials.

Die Nachrichtendienste widersprechen damit mehr oder weniger deutlich den Einschätzungen der Militärs, die eine positive Entwicklung sehen. Entscheidend scheint bei der Einschätzung aber neben der rein militärischen Seite vor allem die anhaltende Korruption und die schlechte Regierungsführung in Kabul zu sein.

Und als wäre das alles noch nicht verstörend genug, taucht heute ein Video auf, das die Position der US-Truppen (und, in der afghanischen Wahrnehmung mitgehangen, mitgefangen) aller internationalen Truppen nicht fördert: Bilder von US-Marines, die anscheinend auf die Leichen getöteter Aufständischer urinieren. Die Verurteilung des Videos ist, erwartungsgemäß, einhellig – welche Auswirkungen es im Propagandakrieg haben wird, lässt sich nur ahnen.

Das Video ist hier bei LiveLeaks eingestellt; ISAF hat das als entehrend auch für die eigenen Truppen verurteilt. Auch US-Verteidigungsminister Leon Panetta hat scharfe Worte gefunden und eine Bestrafung der Verantwortlichen zugesagt.

Nachtrag: Zur Einschätzung der Situation in Afghanistan ein must read: Anthony Cordesmann für das Center for Strategic & International Studies, The Afghan War at the End of 2011: a Status Report

51 Kommentare zu „Patt in Afghanistan – und ein neues verstörendes Video“

  • BausC   |   16. Januar 2012 - 15:41

    @Orontes,
    insofern entsteht PTBS möglicherweise erst bei Vielen, wenn sie in die Heimat zurückkehren. Da mögen sich gerne mal Betroffene äußern. Der Soldat hat in Deutschland einen Beruf, bei dem er sich über Erfolge nicht äußern soll. Bei Mißerfolgen und vielmehr die, die aus linker, lila Pädagogensicht dafür gehalten werden, wird er vor den Verteidigungsausschuss gezerrt.