Kein Afghanen-Video in Deutschland – wg. der GEMA

Tja, fast könnte man glauben, der Demokratieexport nach Afghanistan funktioniert: Ein Video auf dem Youtube-Kanal des afghanischen Innenministeriums, Helmets save lives, lässt sich in Deutschland nicht anschauen. Wegen der verwendeten Musik: Die GEMA hat die Verlagsrechte hieran nicht eingeräumt.

(Es scheint, die können mehr durchsetzen als die NATO?)

Zum Glück gibt es auch Videos der afghanischen Regierung, die nicht für Deutschland gesperrt sind.

Ein Buch, ein Buch

Wenn zu dieser Zeit des Jahres der Paketbote die Rezensionsexemplare neu erschienener Bücher heranträgt, drängt sich Journalisten meist der Spruch von Büchern für den Gabentisch auf. Diese Begrifflichkeit mag ich bei den drei Büchern, um die es hier geht, ungern benutzen: nicht, weil sie sie nicht als Geschenk eignen würden (zwei davon sogar sehr), sondern weil ich angesichts der Themen hier, angesichts von Krieg und Waffen ungern von Geschenk-Büchern für Weihnachten reden mag… Obwohl das jeder selbst beurteilen muss. Übrigens, das mag Zufall sein, sind es alles Bücher von Journalistenkollegen.

Das Buch von Marco Seliger Sterben für Kabul (Mittler Verlag) habe ich erst bei der Vorstellung durch den früheren Verteidigungsminister Peter Struck heute morgen in die Hand bekommen und es zwar mal durchgeblättert, aber noch nicht richtig lesen können. Dennoch ist mir schon eines aufgefallen: Auch wenn ich – aus meiner journalistischen Beobachtung des deutschen Afghanistan-Engagements in den vergangenen zehn Jahren – die Entwicklung, die Seliger schildert, in den meisten Fällen mitbekommen habe – ich habe dennoch Details und Informationen gefunden, die ich bislang nicht kannte. Oder Erklärungen zu Ereignissen und Abläufen, die ich bislang nur als Gerücht gehört hatte (aus bestimmten Gründen verzichte ich auf ein Beispiel).

Mit anderen Worten: Wer nachvollziehen will, wie sich die Mission am Hindukusch entwickelt hat, wie sich auch die Wahrnehmung in der Heimat verändert hat, der ist mit Sterben für Kabul sehr gut bedient. Und das gilt für die politisch und militärisch Interessierten, die diesen Einsatz schon lange im Blick haben, ebenso wie für diejenigen, die sich einfach nur fragen: Was machen deutsche Soldaten da eigentlich? Und wie geht Deutschland damit um, mit der Mission genau so wie mit seinen Soldaten, die es in diesen Krieg schickt?

Eindeutig an Fachleute und waffentechnisch Interessierte richtet sich dagegen das ausführliche Werk Handwaffen und Panzerabwehrhandwaffen der Bundeswehr vom Kollegen Jan-Phillip Weisswange (ebenfalls Mittler-Verlag). weiterlesen

RC N Watch: Im Norden schneit’s

Im Norden Afghanistans ist heute Schnee gefallen – etwa 25 Zentimenter werden aus Masar-i-Scharif gemeldet, in Kundus und Maimaneh sieht es nicht viel anders aus.

Für die – westlichen – Soldaten ist das auch ein großer Spaß (obwohl ich vermute, dass es für diejenigen, die auf ohnehin schwierigen Straßen ihre gepanzerten Fahrzeuge auf Patrouille steuern, nicht so lustig ist…):

(Alle Fotos: ISAF RC North)

Für die Bevölkerung allerdings ist der – in dieser Masse – völlig ungewohnte Schneefall eher eine Katastrophe. Wie knappe Twitter-Meldungen des Kabuler Pressebüros Pressistan zeigen:

The unusual snow in mazar, some’d call it fall snow, has kicked the food prices up to almost double: resident

fire-wood&gas prices doubled n Mazar-i-sharif after unseasoned snow overnight. the unusual snowing has also damaged some farming crops

Und Deutschland wird doch am Hindukusch verteidigt

Mit dem früheren Verteidigungsminister Peter Struck ist ein Spruch verbunden, der es in die Reihe deutscher geflügelter Worte geschafft hat: Deutschlands Sicherheit wird auch am Hindukusch verteidigt, sagte der SPD-Politiker zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr. Das ist knapp zehn Jahre her – gilt das aus Sicht des Ministers, der maßgeblich an diesem Einsatz beteiligt war (unter anderem mit der Übernahme von ISAF durch die NATO) noch immer?

Heute, bei der Vorstellung des Buches des Kollegen Marco Seliger Sterben für Kabul (dazu später mehr) hat sich Struck in Berlin auch dazu geäußert: Ich jedenfalls bleibe dabei, dass am Hindukusch immer noch Deutschlands Sicherheit verteidigt wird. Wenn er auch, räumte der Ex-Minister ein, nicht mehr so optimistisch sei, dass der Einsatz den Erfolg haben werde, den wir 2001 erhofft haben.

Natürlich hat Struck nicht nur sein berühmtes Zitat aufgegriffen. Sondern sich auch sehr nachdenklich über die Entwicklung dieser Mission geäußert, vom Bewusstseinswandel in der Öffentlichkeit, die die brunnenbauenden Soldaten gut fand, aber die Terrorismusbekämpfung nicht. Zu dem einstigen Ziel, demokratische Strukturen in Afghanistan zu schaffen: Davon sind wir heute Lichtjahre entfernt. Und darüber, dass eine Entscheidung wie die für den Einsatz am Hindukusch auf Dauer nicht gegen die Bevölkerung in der Heimat durchzuhalten sei.

Die ganze Buch-Laudation von Peter Struck hier zum Nachhören (das Sicherheit-am-Hindukusch-Zitat kommt etwa bei 09:30):

Peter Struck 8. November 2011 (mp3)