Leider eine Ente: Jetzt wehren sich die Crews gegen somalische Piraten

Update: Die Meldung, auf der dieser Eintrag basiert, scheint leider im Khat-Rausch entstanden zu sein. Die Webseite Somalia Report hat ihren Bericht über den angeblichen Kampf auf dem Tanker Liquid Velvet kommentar- und ersatzlos zurückgezogen, die Links dazu gehen ins Leere. Auch von anderer Seite ist für einen solchen Vorfall keine Bestätigung zu bekommen.

Da bin ich – wie der Somalia Report selbst – wohl einer Ente aufgesessen. Um das noch mal klar zu stellen: Dass die Besatzung des taiwanesischen Fischerboots Chin Yi Wen die Piraten über Bord geworfen hat, scheint unstrittig. Aber ein weiterer Fall des erfolgreichen Kampfs gefangener Seeleute gegen die Seeräuber ist offensichtlich nur eine Khat-Phantasie.

Ich entschuldige mich bei meinen Lesern – und werde diese Quelle, die in den vergangenen Monaten immer sehr zuverlässig aus Somalia berichtet hat, jetzt etwas skeptischer beobachten…

Es gibt einige Meldungen zu den Piraten aus Somalia heute, und die vorerst letzte (wenn sie sich bestätigt) deutet auf einen neuen Trend hin: Nach einem Bericht des Somalia Reports haben die Seeleute des Chemikalientankers MT Liquid Velvet, der Ende Oktober gekapert wurde, die Seeräuber überwältigt und sechs von ihnen getötet. Diese Nachricht kommt kurz nachdem bekannt wurde, dass offensichtlich der ebenfalls gekaperte taiwanesische Fischtrawler Chin Yi Wen dadurch befreit wurde, dass die Besatzung die Piraten über Bord warf.

Falls das alles so stimmt, ist das eine neue Entwicklung: Unbewaffnete Seeleute, bereits in der Hand ihrer Kidnapper, setzen sich zur Wehr und sind dabei auch bereit, die Piraten zu töten. Neben der zunehmenden Bereitschaft, bewaffnete Sicherheitsteams an Bord zu nehmen, dreht sich damit auch bei den ganz normalen Crews die Spirale der Gewalt am Horn von Afrika weiter. Andererseits haben die Seeleute das Schicksal ihrer Kollegen vor Augen, die nicht nur über Monate als Geiseln ausharren mussten und müssen – sondern auch zunehmender Gewalt und Misshandlung ausgesetzt sind.

Unterm Strich keine fröhlich stimmend Entwicklung. Zumal die Piraten darauf vermutlich mit noch gewalttätigerem Vorgehen reagieren dürften. We will retaliate against our enemy, zitiert der Somalia Report einen Seeräuber.

Nachtrag: Jetzt gibt es dann doch Zweifel an der Version von der Befreiung der Liquid Velvet. Da könnte, räumt der Somalia Report ein, ein wenig Khat im Spiel gewesen sein…

 

Für’s Archiv: Der KFOR-Sprecher im TV-Interview

Das ist zwar schon von vergangener Woche, aber zur Dokumentation: Im Norden des Kosovo hatte KFOR am 4. Oktober in Handarbeit eine Barrikade beseitigt, die den Grenzübergang nach Serbien blockierte – und die Kosovo-Serben bauten wenige Meter weiter eine neue auf. Allerdings auf serbischem Territorium. An dem Abend nahm der deutsche Oberstleutnant und KFOR-Sprecher Uwe Nowitzki im serbischen Programm der Voice of America (Glas Amerike) dazu Stellung:

Nun hat Nowitzki zwar Englisch gesprochen, aber seine Aussagen wurden mit der serbischen Übersetzung belegt… und auch das Transkript des Interviews ist nur auf Serbisch verfügbar.

Eine befreundete Serbisch-Übersetzerin hat dankenswerterweise mal die wichtigsten Aussagen zusammengefasst:

Nowitzki sagt zunächst, die Räumung der Barrikade sei mit Belgrad abgesprochen gewesen. Auf die Frage des Interviewers, mit wem denn, antwortet er, darüber könne er keine Auskunft geben. KFOR sei aber in ständigem Kontakt mit der Regierung in Belgrad.
Dann wird der KFOR-Sprecher darauf angesprochen, dass die Serben aber direkt eine neue Barrikade errichtet hätten. Die sei aber auf serbischer Seite, sagt Nowitzki. Warum sie ausgerechnet diese Blockade geräumt hätten? Damit die Straße wieder frei passierbar wird. Auf die Frage, ob es eine Frist zur Räumung aller Barrikaden gäbe, sagt Nowitzki nein.  Darauf  fragt der Moderator, aber dann könnten ja die Serben immer wieder neue Barrikaden bauen? Die Antwort des Sprechers:  Ja, aber die werden dann immer näher an Belgrad sein.

Mit der Privatmarine im piratensicheren Konvoi: 30.000 Dollar pro Schiff

Die in den vergangenen Monaten immer wieder auftauchenden Pläne für eine Privatmarine, die Handelsschiffe mit bewaffnetem Geleit vor somalischen Piraten schützen soll, scheinen Gestalt anzunehmen: Innerhalb der nächsten fünf Monate, berichtet die Wirtschafts-Nachrichtenagentur Bloomberg, will eine britische Gesellschaft diesen Schutz anbieten. Die Frachter und Tanker sollen in kleinen Konvois von den bewaffneten Booten begleitet werden. Die Kosten für dir drei- bis viertägige Reise durch den Golf von Aden: 30.000 US-Dollar pro Schiff.

Noch existiert die Kleinmarine mit ihren bewaffneten Patrouillenbooten, für die das Geld über die Versicherungsindustrie, die maritime Wirtschaft und finanzstarke Investoren aufgebracht werden soll, nur als Plan. Und der Golf von Aden ist nur eines der Gebiete am Horn von Afrika, in denen sie Seeräuber aus Somalia aktiv sind – noch dazu derzeit nicht unbedingt das problematischste, wie die Aktionen der deutschen Fregatte Köln und die – beendete – Kaperung eines taiwanesischen Fischtrawlers im Indischen Ozean in den vergangenen Tagen beweisen.

Deshalb stehen auch die privaten Sicherheitsdienste, die ihre bewaffneten Teams auf den Frachtern selbst einschiffen, in den Startlöchern. Zum Beispiel in Großbritannien, wo Premierminister David Cameron kürzlich ein Ende des Verbots solcher Waffenträger auf Schiffen unter britischer Flagge ankündigte. Und auch in Frankreich wird darüber nachgedacht. In Deutschland ist es ja, der laufenden Diskussion über eine Zertifizierung dieser Dienstleistung zum Trotz, bereits jetzt zulässig.

 

 

German Troops to fight the LRA? Don’t hold your breath.

As this seemed to have the potential for a scoop (and, as it turns out now, it isn’t), this blog post has to be in English: No, Germany is not intending to send troops to Uganda to fight the notorious Lord’s Resistance Army (LRA). Nor is the European Union.

The Uganda daily New Vision broke the story today, (echoed by other online news sites) with a lead that sounded alarm bells in Berlin:

EU ready to join the hunt for Kony

THE European Union (EU) is ready to commit its troops to join the hunt down of Lord’s Resistance Army rebel leader Joseph Kony and other commanders perpetuating violence in the Democratic Republic of Congo (DRC), Central Africa Republic (CAR) and South Sudan.

‘This is not a forgotten conflict, the international community is getting concern with wave of LRA violence now in CAR, DRC and South Sudan,’ the German ambassador to Uganda Klaus Dieter Duxmann revealed.

Klaus said the LRA conflict has taken long and dragged out of northern Uganda because neighboring countries were not coordinating and working together to end the conflict.

‘We in the EU are ready to commit our troops and financial support to join the hunt for Joseph Kony to end this LRA menace,’ said Duxmann.

(update: New Vision is running a correction now on that site.)

Well, obviously Düxmann (spelled with an Umlaut) had been, err, let’s say misunderstood. In fact, the Auswärtiges Amt (foreign ministry) in Berlin explained, the ambassador had offered development assistance – and stressed the willingness of the EU and Germany to support reconciliation efforts. In no way, it seems, are the Europeans willing to follow the U.S. in sending combat-ready soldiers into the jungle.

Here’s the official German statement on this:

Unfortunately Ambassador Düxmann has been misquoted by allegedly saying that „We in the EU are ready to commit our troops and financial support to join the hunt for Joseph Kony to end this LRA menace“.

He didn’t say this.

Hence, the conclusion that „THE European Union (EU) is ready to commit its troops to join the hunt down of Lord’s Resistance Army rebel leader Joseph Kony and other commanders perpetuating violence in the Democratic Republic of Congo (DRC), Central Africa Republic (CAR) and South Sudan“ is wrong.

What he said was that any military action has to be complemented by development efforts and ways and means to promote peace and reconciliation. The German government therefore has decided to support the „Poverty Reduction and Development Plan“ implemented by the Office of the Prime Minister. Among others, German Development Cooperation provides EUR 25 million for renewable energy generation and distribution in West Nile and EUR 20 million in support of the Water and Sanitation Facilities North and East (WSDF). In order to support efforts to strengthen peace and reconciliation, experts are deployed in Northern Uganda under the Civil Peace Service programme .

While supporting the AU regional initiative on LRA financially, the EU does not intend to send military experts.

(There are, however, already some German soldiers in Uganda: With the EU Training Mission in Bihanga, they are part of the EU’s support effort for Somalia’s Transitional Government.)

To my German readers, I recommend today’s edition of Süddeutsche Zeitung with a pretty good piece on an Ugandan girl abducted by the LRA (however, not available online).

Vietnam-Veteranen warfen die Piraten über Bord

Nach und nach kommen ein paar Details der Kaperung des taiwanesischen Fischtrawlers Chin Yi Wen an die Öffentlichkeit – und vor allem Einzelheiten der Selbst-Befreiung des von somalischen Piraten gekaperten Schiffes. Der Besatzung war es ja, wie schon bekannt, gelungen, die Seeräuber über Bord zu werfen. Inzwischen ist klar: nicht der eigentlichen Besatzung gelang das, sondern – angeblich eigens angeheuerten – Vietnam-Veteranen. Nicht in dem Sinne, wie wir es meist verstehen, nämlich als ehemalige US-Soldaten, sondern im Wortsinne: ehemalige Soldaten aus Vietnam.

Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur AFP griffen die fünf – offensichtlich unbewaffneten – Vietnamesen auf dem Fischtrawler die sechs – bewaffneten Piraten an, als sie beim Essen waren. Und kurz danach landeten die Seeräuber im Indischen Ozean. Für sie soll es allerdings glimpflich ausgegangen sein: Sie wurden von ihren Komplizen aufgefischt.

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