RC N Watch: KSK jagt Bin Laden-Komplizen?

Es ist gestern (verständlicherweise) völlig untergegangen: Der tödliche Anschlag auf deutsche Soldaten in Baghlan war nur ein kleiner Teil dessen, was in den vergangenen Tagen im deutschen Kommandobereich in Nordafghanistan passiert ist.

Nicht wahrgenommen wurde hier zu Lande auch, was ISAF bereits am Donnerstagmorgen mitgeteilt hatte: In der Provinz Balkh wurde ein früherer Komplize des getöteten Al-Qaida-Chefs Osama bin Laden gestellt.

A combined Afghan and coalition security force captured an al Qaida facilitator during an overnight security operation in Nahr-e Shahi district, Balkh province, yesterday. The facilitator was a Pakistan-based attack planner and a close associate of senior al Qaida insurgents. He is a former associate of Osama Bin Laden and it’s suspected he was with Bin Laden in Afghanistan in 2001.

Über die Details solcher Operationen erfährt man gemeinhin wenig mehr als das, was ISAF von sich aus mitteilt. Interessant ist deshalb eine Einzelheit, die der britische Mirror heute meldet:

The night-time raid on a compound at Nahri Shahi in the northern province of Balkh is believed to have been carried out by European commandos, mainly German, and newly-trained Afghan special forces liaising with US officers.

Ob wirklich die Task Force 47, also das deutsche Kommando Spezialkräfte an diesem Einsatz beteiligt war, werden wir vermutlich so schnell nicht erfahren. (Übrigens, auch wenn dabei kein Schuss fiel: Es war einer dieser Night Raids, die von der afghanischen Regierung immer wieder verdammt werden – weil dabei, vor allem im Süden Afghanistans, auch Zivilisten zwischen die Fronten geraten.)

Auch sonst passiert im Norden einiges – eine sicherlich unvollständige Übersicht der jüngsten Tage:

A combined Afghan and coalition security force detained numerous suspected insurgents during a security search for a Taliban leader in Mazar-e Sharif city, Balkh province, yesterday. The targeted leader plans, coordinates and conducts explosive device and suicide vest attacks against Afghan government officials and Afghan National Security Forces.

Members of the 5th Commando Kandak, partnered with U.S. Special Operations Forces, recovered a remote controlled improvised explosive device at a possible RCIED training facility, Khanabad district, June 2.

A combined Afghan and coalition security force killed two insurgents and detained several suspected insurgents during a nighttime security operation to search for a Taliban leader in Baghlan-e Jadid district, Baghlan province, yesterday.

20 Kommentare zu „RC N Watch: KSK jagt Bin Laden-Komplizen?“

  • Orontes   |   03. Juni 2011 - 10:56

    Auch frühere bekanntgewordene Festnahmen (ich weiß, juristisch heisst das anders) standen m.E. oft im Zusammenhang mit der Diskussion in Deutschland und weniger im Zusammenhang mit der Lage vor Ort. Will da vielleicht jemand durch eine einzelne Festnahme den Eindruck erwecken, die Bundeswehr würde entschlossen handeln?

    Sehr auffällig finde ich bei der Darstellung des „Mirror“ zudem, dass die Amerikaner hier nicht selbst gehandelt haben, falls die Festnahme tatsächlich im Zusammenhang mit ihren Aktivitäten in Pakistan stand und solche Fälle außerhalb von ISAF möglicherweise besser nachbereitet werden können.

  • chickenhawk   |   03. Juni 2011 - 10:59

    Gesamtgesellschaftlich ist der Einsatz des KSK sicherlich umstritten:

    Auf dem Evangelischen Kirchentag verkündete Margot Käßmann, dass man für die Taliban beten solle:

    http://www.focus.de/politik/ausland/afghanistan/kirchentag-beten-fuer-die-taliban_aid_633533.html

    Ob die jüngst gefallenen deutschen Soldaten und ihre trauernden Angehörigen nach Meinung der Alt-Bischöfin auch ins Gebet eingeschlossen werden sollen, geht aus dem Bericht nicht hervor.

  • Orontes   |   03. Juni 2011 - 11:06

    @chickenhawk
    Die Zielgruppe von Frau Käßmanns Geschäftsmodell sind esoterisch angehauchte postmenopausale Frauen auf Suche nach Sinn. Was Frau Käßmann zu sicherheitspolitischen Themen meint bzw. fühlt, sollte man vor diesem Kontext verstehen. Was sie zu sagen hat, ist sicherheitspolitisch genauso relevant wie der Inhalt anderer Produkte für die gleichen Zielgruppen, z.B. Horoskopen in einschlägigen Zeitschriften.

  • Orontes   |   03. Juni 2011 - 11:15

    OT: Die „Islamische Bewegung Uskistans“, die nach Ansicht einiger „Experten“ in Afghanistan ja angeblich nicht präsent ist, vermeldet den Tod eines ihrer Kämpfer aus Deutschland im Norden Afghanistans:

    https://www.ansar1.info/showthread.php?t=33845

    Hinter dem im Video auftretenden „Yassin C.“, wie deutsche Medien ihn verschämt nennen, verbirgt sich übrigens Yassin Chouka aus Bonn, der als GWDL in der Bundeswehr diente.

  • b   |   03. Juni 2011 - 11:19

    @ chickenhawk – Auf dem Evangelischen Kirchentag verkündete Margot Käßmann, dass man für die Taliban beten solle:

    @Orontes – Die Zielgruppe von Frau Käßmanns Geschäftsmodell sind esoterisch angehauchte postmenopausale Frauen auf Suche nach Sinn.

    Da zählt dann wohl auch der derzeitige BMVg zu?

    De Maizière findet Gebete für Taliban sinnvoll

    „Das Beten für Täter und Opfer – für Opfer gleich welcher Nation – ist gut und richtig. Insoweit ist auch ein Gebet für die Taliban nötig und sinnvoll.“

  • Orontes   |   03. Juni 2011 - 11:23

    @b
    „Da zählt dann wohl auch der derzeitige BMVg zu?“

    Ja. Die CDU versucht offenbar, den Grünen diese Zielgruppe streitig zu machen, siehe auch seine „Verantwortung statt nationale Interessen“-Rede.

    Es gäbe übrigens zahlreiche tatsächlich sinnvolle Maßnahmen, die Herr de Maiziere treffen könnte, anstatt esoterisch daherzureden.

  • Feldmaus   |   03. Juni 2011 - 12:08

    @ chickenhawk:

    Für den Feind zu beten ist eine christliche Tugend der Feindesliebe. Dagegen gibt es nichts zu sagen. TDM hat sich in dieser Richtung auch schon geäußert. Allerdings habe ich mir auch den ganzen Focusbericht durchgelesen und er bestärkt mich in meiner Haltung, die ich schon früher eingenommen habe.

    Nichts ist gut an Käßmann.

    Ich als gläubiger Christ möchte mich an dieser Stelle auch von Käßmann distanzieren. Nicht, daß die Soldaten nachher noch auf die Idee kommen, Käßmanns Meinung ist der Standpunkt der Christen in Deutschland. Ich habe jedenfalls mit der realitätsfernen, längst überkommenen Ideologie, daß alles mit Dialog und Geld zu regeln wäre nichts zu tun. Und ich begrüße auch das härtere durchgreifen der deutschen Soldaten. Meines Erachtens sollten den Soldaten auch ein konsequenterer Einsatz gestattet werden (solange er sich im Rahmen des Grundgesetzes bewegt), damit sich die Afghanen auf die Seite des Stärkeren schlagen können und es langsam vorwärts geht mit diesem Land.

  • J.S.   |   03. Juni 2011 - 12:28

    @Feldmaus:

    Der Begriff der Feindesliebe ist vor allem aufgrund der schwammigen Definition des Wortes „Feind“ (in der deutschen Sprache) Ursache vieler Legenden. Im lateinischen Text ist an entsprechender Stelle (Matth. 5,44; Luk 6,27) die Rede von „diligite inimicos vestros“ (privater Feind), nicht von „diligite hostes vestros“ (politischer Feind). Den Feind im politischen Sinne muss man nicht persönlich hassen, und erst im Bereich des Privaten hat es einen Sinn, seinen „Feind“ zu lieben.

  • Feldmaus   |   03. Juni 2011 - 12:28

    Auf SPON hat Matthias Matussek eine sehr guten Kommentar zu den Äußerungen Käßmanns geschrieben.

    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,766381,00.html

  • Orontes   |   03. Juni 2011 - 12:49

    Aus einer anderen weltanschaulichen Perspektive dazu ein zeitlos aktueller Kommentar von Ernst Jünger.

    „Wie furchtbar muß es doch sein, Menschen zu töten, die man nie gesehen hat.“ Das hört man auf Urlaub oft von Leuten, die weit vom Schuß gefühlvolle Betrachtungen lieben. „Ja, wenn sie einem wenigstens etwas getan hätten.“ Das sagt alles. Sie müssen hassen, sie müssen einen persönlichen Grand zum Töten haben. Daß man den Gegner achten kann und ihn trotzdem bekampfen, nicht als Menschen, sondern als reines Prinzip, daß man für eine Idee einstehen kann mit allen Mitteln des Geistes und der Gewalt bis zum Flammenwurf und zum Gasangriff, das werden sie nie verstehen. Darüber kann man sich nur mit Männern unterhalten.

    Ernst Jünger hätte Frau Käßmann jedoch nicht nur die biologisch-charakterliche Qualifikation abgesprochen, sondern vor allem die aus der Erfahrung gewachsene:

    Wer darf vom Kriege reden, der nicht in unserm Ringe stand?

  • Feldmaus   |   03. Juni 2011 - 12:58

    @ J.S:

    Der ursprünglichen Bedeutung des Wortes Feind kommt man näher, wenn man den Grundtext nimmt und der ist beim NT in Griechisch. Das Latein ist auch nur eine Übersetzung. Allerdings ist das nicht nötig, da aus dem Kontext ersichtlich wird, was gemeint ist. Ich denke, es ist auch nicht nötig das Thema zu vertiefen, weil es zu weit vom eigentlichen Thema führt.

  • J.S.   |   03. Juni 2011 - 13:54

    @Feldmaus:

    Auch der griechische Text spricht vom „Echthros“ (ἐχδρόϛ), dem persönlichen Feind und nicht vom „Polemios“ (πολέμιος), dem politischen Feind. Das Christentum rechtfertigt ganz sicher nicht die Liebe zum politischen Feind.

  • Georg   |   03. Juni 2011 - 13:58

    @ b

    „Das Beten für Täter und Opfer – für Opfer gleich welcher Nation – ist gut und richtig. Insoweit ist auch ein Gebet für die Taliban nötig und sinnvoll.“ Allerdings ersetze das Gebet nicht die praktische Politik. „Es kann die Basis dafür sein, es kann eine große Hilfe sein, aber es kann nicht alles sein“, so de Maizière.

    Wenn man das Zitat im Zusammenhang liest, ergibt es allerdings eine andere Aussage !

  • Heiko Kamann   |   03. Juni 2011 - 14:05

    @ Orontes
    „Ernst Jünger hätte Frau Käßmann jedoch nicht nur die biologisch-charakterliche Qualifikation abgesprochen, sondern vor allem die aus der Erfahrung gewachsene:

    Wer darf vom Kriege reden, der nicht in unserm Ringe stand?“

    Das gilt dann ja wohl für die gesamte Bundesregierung, Bundeswehrführung (ziv und militärisch) und für uns hier auch …! Denn, „kriegsgediente“ sind dort nicht mehr dabei …

  • Orontes   |   03. Juni 2011 - 14:36

    @Heiko Kamann
    „Das gilt dann ja wohl für die gesamte Bundesregierung, Bundeswehrführung (ziv und militärisch) und für uns hier auch …! Denn, “kriegsgediente” sind dort nicht mehr dabei …“

    Das ist wohl wahr. Aber immerhin gibt es in Deutschland einige Personen, die etwas näher am Geschehen dran waren als andere, und insbesondere näher als Frau Käßmann. Über Krieg und Einsatz kann sie ungefähr so fundierte Beiträge liefern wie ich über Baustatik oder Neurochirugie, mit dem Unterschied, dass ich mich deshalb auch nicht zu letzterem äußere. Ist Bescheidenheit nicht auch eine christliche Tugend?

    Hier ein Bestseller, den Frau Käßmann leider nicht geschrieben hat: http://www.amazon.de/Einfach-mal-die-Klappe-halten/dp/3869361131/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1307104420&sr=8-1

    Was die Bundesregierung angeht, so liegt der Fall anders, weil das Thema ja zum Berufsbild dazugehört. Dann ist es peinlich, wenn man z.B. als Abgeordneter im Verteidigungsausschuss für Nebenstehende hörbar nachfragen muss, wie genau noch mal der Dienstgrad des alten Mannes mit den komischen gelben Sternen auf der Schulter heisst. Ja, solche Personen entscheiden hierzulande über Krieg und Frieden.

  • Niklas   |   03. Juni 2011 - 14:40

    Mal zurück zum Kernthema.

    Die Vermutung, dass in dem Artikelausschnitt vom KSK die Rede ist, dürfte zutreffend sein.
    Das KSK ist permanent vor Ort, wie wir wissen, und ist im Grunde das einzige „German commando“, welches solche Aufgaben erledigen soll (und auch tut).

    Es ist kein Geheimnis, dass das KSK in Form der Task Force ein Hauptinstrument im Kampf gegen die Feindkräfte ist. Auch wenn sich das nicht immer in einem Zeitungsartikel oder einer spektakulären Aktion äußert. Immerhin versucht man sehr sehr diskret zu bleiben, was meistens auch gelingen sollte.

    Eigentlich will ich gar nicht drauf eingehen:

    Zu Käßmann. Voll am Steuer und Lebensratschläge verteilen? Passt nicht recht zusammen. Ich für meinen Teil habe diese ganze Pfaffenbande abgeschrieben. Ausgestattet mit der Erkenntnis, dass es Richtig und Falsch meist nicht gibt, ein paar Individuen niemals in der Lage sein können auch nur annähernd darüber zu urteilen und der Tatsache, dass ich nicht an Dinge wie den Weihnachtsmann glaube, erlaube ich mir, jegliche religiösen und pseudo-religiösen Bewegungen und Prediger zu ignorieren oder ihnen kontra zu geben, wenn sie versuchen eine Herde aus willigen Schäfchen zu formen und ihre Macht zu mehren. ^^

    @ Orontes
    „Die Zielgruppe von Frau Käßmanns Geschäftsmodell sind esoterisch angehauchte postmenopausale Frauen auf Suche nach Sinn.“

    Harhar. Der war gut :) Die kenn ich auch.

    @ Kamann
    Das stimmt. Aber ich wette, die meisten Käßmännchen dieser Welt haben sich in Wirklichkeit auch noch nie ehrlich mit einer Kriegsrealität oder seiner allzu menschlichen Entstehung beschäftigt, wodurch sie leider meist nur naiv an der Oberfläche kratzen und ein paar dröge Binsenweisheiten abgeben. Die menschliche Natur ist leider, wie bei allen Tieren, brutal und ungerecht. Das ignorieren die Heiligkeiten aber gerne.

  • Steiner   |   04. Juni 2011 - 23:34

    @ Niklas: Wenn die menschliche „Natur“ noch wäre wie bei „allen Tieren“, ginge es diesem Planeten besser. Für Tiere gilt: Du darfst töten. Wenn Du Hunger hast.

    Das ist wenigstens ein vernünftiger Grund. Dagegen ist alles, was uns zu dem Thema einfällt in der Tat oberflächlich und naiv.

  • Orontes   |   05. Juni 2011 - 0:04

    @Steiner
    „Für Tiere gilt: Du darfst töten. Wenn Du Hunger hast.“

    Na ja. Viele Tierarten jagen und töten nicht nur wenn sie Hunger haben, und einige quälen ihre Beute zum Vergnügen. Die Frage nach dem „dürfen“ stellen nur Menschen. Und wieder andere Tierarten kämpfen ständig untereinander (auch mit Todesfolge), um z.B. Rangordnungen zu bestimmen, und Eugenik wird von Tieren fleissig praktiziert. Angesichts dieser Eindrücke scheint mir der Mensch weder ein besseres noch ein schlechteres Tier zu sein.

  • SchreckStarr   |   05. Juni 2011 - 0:30

    @ Orontes

    Ohne nun zu weit vom Thema abzuweichen:

    Der Mensch verfuegt im Grundsatz ueber Intelligenz, eine ziemlich hoch entwickelte sogar – bei Tieren bestimmt zumeist der Instinkt deren Handeln.

    Wenn ich mir nun so ansehe, was der hochentwickelte Mensch mit seiner Intelligenz im grossen, weiten Weltenlauf so alles anfaengt und vor allen Dingen nicht zustande bringt … naja, also ich meine zu ahnen, wer das „schlechtere Tier ist“.

  • jugendoffizier   |   05. Juni 2011 - 1:06

    Also die Antwort auf die Rede Käßmanns im Spiegel durch Matthias Matussek ist ja wohl mal mehr als gelungen! Ich konnte mir ein breites Grinsen einfach nicht verkneifen beim Lesen. :-)