Notfall-Reserve für Afghanistan? FDP gegen automatische Entscheidung des Ministeriums

Die Interpretation einer Aussage des Verteidigungsministeriums zur so genannten nationalen Rückfallposition für eine möglicherweise nötige Truppenaufstockung in Afghanistan hat am (heutigen) Dienstag zu ein wenig Verwirrung im politischen Berlin geführt. Es würden Vorbereitungen für den Fall getroffen, dass US-Präsident Donald Trump tatsächlich, wie er per Twitter angekündigt hatte, die Hälfte der rund 14.000 US-Soldaten aus Afghanistan abziehe, hatte eine Berliner Tageszeitung gemeldet (Link aus bekannten Gründen nicht). Die Bundeswehr stelle sich dann darauf ein, die US-Truppen zu ersetzen. (Die Ursprungsfassung dieser Meldung ist inzwischen verändert worden.)

Tatsächlich, und das ist wohl die Grundlage der Verwirrung, hatte das Verteidigungsministerium in der Antwort auf eine FDP-Anfrage auf die seit Jahren vorgehaltene Reserve der Bundeswehr verwiesen – rund 350 deutsche Soldaten stehen bereit, gegebenenfalls die Lücken zu füllen, die durch einen Ausstieg anderer Nationen im deutsch geführten Train-Advise-Assist Command North (TAAC-N) der NATO-geführten Resolute Support Mission entstehen könnten. Das wären zum Beispiel Mongolen oder Armenier, die die Sicherung des Camps Marmal in Masar-i-Scharif stellen. Oder Georgier, die als schnelle Eingreiftruppe (Quick Reaction Force, QRF) eingesetzt werden und in der Funktion auch die ersten Kräfte vor Ort beim Anschlag auf das deutsche Konsulat im November 2016 waren. weiterlesen

Bundeswehr in Afghanistan: Naive Fragen an den Kommandeur

Und noch ein Video zum Wochenende: Kollege Tilo Jung ist derzeit in Afghanistan und hat sich in Masar-i-Scharif mit Wolf-Jürgen Stahl, dem Kommandeur TAAC-North, unterhalten. Natürlich vor allem über die naive Frage: Was macht die Bundeswehr (immer noch) dort?

RC N Watch: Blick auf Kundus

Noch sind knapp 1.800 deutsche Soldaten im ISAF-Einsatz – aber das Interesse an der Afghanistan-Mission hat in Deutschland spürbar nachgelassen. (Vielleicht auch, weil die ganzen aktuellen Krisen von Ukraine bis Irak vergessen lassen, dass es am Hindukusch auch alles nicht so rosig aussieht). Zum Blick auf die aktuelle Lage im Norden Afghanistans deshalb ein Blick auf Kundus, einst der Schwerpunkt der deutschen Aktivitäten:

With the support of local residents, the Afghan National Security Forces (ANSF) were successful in driving the Taliban insurgents away from two districts of Kunduz province, local officials said.
According to Sarwar Hussaini, the spokesman for the Kunduz police chief, residents of Chahar Dara and Khan Abad districts of the province have started uprisings against the Taliban, helping the ANSF take control of the province. weiterlesen