Kampfhubschrauber Tiger kann wieder fliegen (Nachtrag: erster Start 15. August)

Die Kampfhubschrauber Tiger der Bundeswehr dürfen wieder fliegen, wenn bei jeder Maschine ein möglicherweise defekter Bolzen überprüft wurde. In nächster Zeit sollen aber alle diese eventuell mangelhaften Bauteile ausgetauscht werden.

Zu diesem Ergebnis kam der Flugsicherheitsausschuss aus Experten von Bundeswehr und  Industrie, wie das Heer am (heutigen) Freitag in einer Information an die Abgeordneten im Verteidigungsausschuss und in einer Presseerklärung mitteilte. Seit knapp einer Woche waren die 53 Tiger-Kampfhubschrauber des Heeres am Boden geblieben, weil an Titanbolzen in der Rotorsteuerung eine Materialversprödung festgestellt wurde.

Nach Informationen aus der Bundeswehr soll an jedem der Hubschrauber zunächst mit einer Sichtprüfung festgestellt werden, ob der betreffende Bolzen Schäden aufweist. Spätestens nach 50 Flugstunden oder nach drei Monaten sollen aber alle diese Befestigungen ausgetauscht werden, egal ob der jeweilige Bolzen als mangelhaft erkannt wird oder nicht.

Mit der schrittweisen Wiederaufnahme des Flugbetriebs der Tiger rechnet das Heer in der kommenden Woche:

Am 8. August wurde im sogenannten Flugsicherheitsausschusses festgelegt, dass die bemängelten Bolzen an sicherheitsrelevanten Stellen im Kampfhubschrauber Tiger zu überprüfen und zeitnah auszuwechseln sind. Die für den Austausch notwendigen Ersatzbolzen sind ausreichend verfügbar. Die Austauscharbeiten haben bereits begonnen, sodass voraussichtlich in der nächsten Woche der Flugbetrieb mit dem Kampfhubschrauber Tiger sukzessive wiederaufgenommen werden kann.
Der sichere Flugbetrieb unserer Luftfahrzeuge war zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Weitere baugleiche Bolzen, die nicht an sicherheitsrelevanten Stellen des Kampfhubschraubers Tiger und beim NH90 verbaut sind, werden nach und nach ersetzt. Dies wird im Zuge der routinemäßigen Wartungs- und Inspektionsmaßnahmen erfolgen.

Nachtrag 15. August: Eine Woche nach der Entscheidung des Flugsicherheitsausschusses hob der erste Tiger wieder ab:

Der Kampfhubschrauber Tiger der Bundeswehr fliegt wieder. Nachdem in der ersten Maschine die Bolzen mit möglichen Mängeln ausgetauscht worden sind, ist sie am 15. August für den Flug freigegeben worden.
Der reguläre Flugbetrieb mit allen weiteren Kampfhubschraubern Tigern wird ab 19. August nach und nach wiederaufgenommen werden.
Die Industrie hatte der Bundeswehr am 2. August mitgeteilt, dass bestimmte Bolzen, die im Kampfhubschrauber Tiger verbaut sind, einen Mangel aufweisen könnten. Da Sicherheit für die Bundeswehr oberste Priorität hat, war der Flugbetrieb mit dem Kampfhubschrauber Tiger vorübergehend ausgesetzt worden.

(Archivbild Januar 2018: Kampfhubschrauber Tiger  auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz – Marco Dorow/Bundeswehr)

4 Gedanken zu „Kampfhubschrauber Tiger kann wieder fliegen (Nachtrag: erster Start 15. August)

  1. Ist die Überschrift nicht falsch? Bei uns in Deutschland ist es doch ein Unterstützungshubschrauber.
    Zumindest war das doch ein Weg das fehlende Kinn-MG zu „erklären“. ;)

    [Och nee. Die Debatte wurde hier schon zur Genüge geführt. Bisweilen reicht es einfach, mal vorangegangene Kommentare zu lesen, ehe man einen Kommentar loslässt… T.W.]

  2. Wie neulich schon von mir geschrieben: Die Sache war eigentlich kaum eine Schlagzeile wert und rasch abgetan. Hätten die Medien nicht die Sau durchs Dorf zu treiben, wonach bei der Bundeswehr gar nichts mehr geht, hätte sich auch niemand mit dem Thema befasst.

  3. Hydrogen Embrittlement ist sehr gut verstanden (siehe z.B. NASA/TM-2016–218602). Alle Einflußparameter für diesen Effekt sind bekannt. Zu treffende Vorkehrungen und Kontrollmethoden sind etabliert. Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung sind Standard in der Luftfahrtindustrie. All dies macht sich insbesondere im hohen Preis für Luftfahrtteile bemerkbar. Und da fällt keinem auf, dass da was nicht gestimmt hat in der Produktion? Und keiner stört sich daran und alle nehmen das Gott gegeben hin?
    Normteile sind nicht serialnummerpflichtig, aber die Chargenrückverfolgbarkeit muss ein Luftfahrtbetrieb sicherstellen, um eine Genehmigung zu erhalten. Und keiner weiß in welchem Luftfahrzeug die betroffenen Chargen verbaut waren, so dass die ganze Flotte stillgelegt werden musste? Und das soll kein Problem sein?

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