Wie sieht’s aus mit Frauen in den Streitkräften? Fragen an einen norwegischen Zweisterner

Frauen als Zwei-Sterne-General sind in den NATO-Streitkräften (aber auch in anderen Nationen) vergleichsweise selten, und deshalb habe ich am (heutigen) Donnerstag die Chance für ein Gespräch mit Generalmajor Kristin Lund genutzt: Die Norwegerin, die erste – und weiterhin einzige – Frau auf einem Zwei-Sterne-Posten in dem skandinavischen Land, war zu einer Podiumsdiskussion anlässlich des Internationalen Frauentags am (morgigen) 8. März nach Berlin gekommen.

Derzeit ist Lund Kommandeur der UN Truce Supervision Organisation (UNTSO), der ältesten Friedensmission der Vereinten Nationen (und merkwürdigerweise auch eine der am wenigsten bekannten). Sie hat eine Vielzahl von Auslandseinsätzen hinter sich, war aber auch Kommandeur der norwegischen Heimwehr. Also die Person, die man fragt, wie das mit Frauen in den norwegischen Streitkräften läuft und warum es anteilmäßig deutlich mehr davon gibt als in der Bundeswehr.

Spoiler: die kurze Antwort ist: Allgemeine Wehrpflicht auch für Frauen – und Jahrzehnte lange Erfahrung mit Auslandseinsätzen. Die längere Version hier im Audio meines Gesprächs mit Kristin Lund:

NOR Lund 07mar2019     

 

 

(Archivbild Februar 2016: UN Peacekeeping Force in Cyprus (UNFICYP) Force Commander Major General Kristin Lund speaks at a Medal Parade for UNFICYP Sector One troops on 11 February 2016 – Foto UNFICYP/Juraj Hladky )

30 Gedanken zu „Wie sieht’s aus mit Frauen in den Streitkräften? Fragen an einen norwegischen Zweisterner

  1. Leiterin und Stabschefin der United Nations Truce Supervision Organization (UNTSO) zur Überwachung des Waffenstillstnadsabkommens zwischen Israel und seinen (früheren) Kriegsgegnern.
    Warum bei uns weitgehend unbekannt? Weil wenig bis nichts spektakulär, im Vergleich zu anderen UN-Einsätzen, vermeldet werden kann.
    Frau Generalmajor wird also auf einem eher unbedeutenden Dienstposten verwendet, nach Führungsfunktionen bei Heimwehr und Veteranen, damit der Frauenanteil stimmt?
    Um gerecht zu urteilen sollte gewusst werden, wieviel „DP GenMaj“ kennen die Norwegischen Streitkräfte in Heer, Lw, Marine und Heimwehr?
    Ein Blick in Wikipedia zeigt, die Branches, einschließlich SOF, werden gleichfalls jeweils von GenMaj/Konteradmiral geführt, was die Annahme nahe legen kann, Quotengeneral weiblich mit aber durchaus verdienstvoller Karriere in Friedensmissionen.

  2. Interessanter Beitrag.
    Sollte es in D eine Wiedereinführung der Wehrpflicht geben, halte ich es für unumgänglich, sie auf beide Geschlechter auszuweiten. Anders wäre sie im heutigen gesellschaftlichen Klima nicht zu rechtfertigen, auch wenn zu befürchten steht, dass nicht alle dies so sähen; immerhin regte sich erstaunlich wenig (genau genommen: kein) Protest, als das Verfassungsgericht vor nicht allzu langer Zeit urteilte, Frauen leisteten ihren Dienst an der Gesellschaft dadurch, dass sie Kinder in die Welt setzten.

  3. Schönes Interview. Bezeichnend die Aussage, das man als Frau mehr als ein Mann beweisen muss, das man für den Job geeignet ist.
    Solange es noch immer etwas besonderes ist, das Frauen in Führungspositionen sind, solange sind wir nicht dort, wo wir hin müssen.

  4. Geht ja gut los…

    Frau Generalmajor wird also auf einem eher unbedeutenden Dienstposten verwendet, nach Führungsfunktionen bei Heimwehr und Veteranen, damit der Frauenanteil stimmt?

    Ich denke, wir müssen die Debattenstandards hier nicht mit Gewalt nach unten drücken.

    Sollte es in D eine Wiedereinführung der Wehrpflicht geben, halte ich es für unumgänglich, sie auf beide Geschlechter auszuweiten.

    Nur als Hinweis: last time I checked galt das Grundgesetz noch. Und dabei sollten wir es auch belassen.

  5. Es wäre interessant gewesen zu hören, was General Lund zur norwegischen Diskussion bzgl. des Helge Ingstad-Vorfalls zu sagen gehabt hätte. Dort wurde nach dem Vorfall ja durchaus lebhaft diskutiert, ob es sinnvoll ist, die Frage des Einsatzes von Frauen in den Streitkräften ausschließlich unter dem Aspekt der Gleichstellung zu diskutieren.

    [Den Zusammenhang mit dem Untergang der Fregatte müssen Sie mir erklären.

    /edit
    Gefunden: https://www.strategic-culture.org/news/2018/11/22/gender-politics-and-sinking-of-knm-helge-ingstad.html

    Es wäre interessant, was die dort angedeuteten dunklen Spekulationen und angeblichen Verbindungen zwischen hohem Frauenanteil in bestimmten Funktionen an Bord und dem Unfallhergang nun tatsächlich waren. So ist das ja geradezu lächerlich.

    /edit 2: Bei weiterem Nachverfolgen der Links auf der angegebenen Seite stößt man als Quelle auf eine norwegische Webseite, die als rechtsradikal und populistisch zu bezeichnen schon ein Euphemismus wäre. Nein, auf der Ebene hier nicht. T.W.]

  6. @T.W.
    Einen der norwegischen Debattenbeiträge zu dem Thema finden Sie hier:
    https://www.aftenposten.no/meninger/debatt/i/MglJAM/Voldsomt-raseri-over-nodvendig-debatt-om-flere-kvinner-i-Forsvaret–Helge-Luras
    Der Autor, ein norwegischer Verteidigungsexperte kritisiert hier im Zusammenhang mit dem Vorfall, dass zur Erreichung von Gleichstellungszielen mutmaßlich Anforderungen bei der Einstellung von Frauen reduziert worden seien. Er kritisiert auch, dass die Erhöhung des Frauenanteils durch die Regierung als Selbstzweck verstanden werde und die Frage nach den Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit der Streitkräfte im Zusammenhang mit der Reduzierung von Standards vernachlässigt worden sei. Anlass dafür war, dass kurz vor dem Untergang der hohe Frauenanteil unter dem Navigationspersonal der Helge Ingstad als positives Beispiel für den steigenden Frauenanteil in den Streitkräften dargestellt worden war. Das Thema wurde in Norwegen sehr lebhaft diskutiert.

    [Verlinkter Text ist hinter Paywall und nicht zugänglich. Es handelt sich um einen Kommentar von einem Redakteur der zuvor erwähnten, nun, zurückhaltend gesagt sehr rechtspopulistischen Webseite. Genug getrickst. T.W.]

  7. „Die Norwegerin, die erste – und weiterhin einzige – Frau auf einem Zwei-Sterne-Posten in dem skandinavischen Land“ – Ist nicht ganz richtig!!!

    Tonje Skinnarland – Generalmajor und Inspekteuer der norwegischen Luftwaffe.

    [Sorry, mein Fehler bzw ein Missverständnis auch im Gespräch mit Lund.T.W.]

  8. @T.W.
    Was bitte ist daran als „nicht mit Gewalt nach unten drücken“ einstufbar?
    Da macht eine Frau aus der Logistik kommend Karriere, unbestritten verdienstvoll, unübersehbar aber über Soft -Verwendungen in UN-Stabsfunktionen, der NOR Heimwehr und im Veteranenverband.
    Jedenfalls weist ihr (mil) Curriculum Vitae Truppenverwendungen, wenigstens ab Kp aufwärts, nicht auf. Sollte ich mich täuschen, ziehe ich alles zurück.

  9. @T.W: Nichts für ungut, aber da kann man die Kommentarfunktion auch gleich wieder zu machen – das wird eh nichts

  10. Ich verstehe gerade die Diskussion nicht.

    Ja, GenMaj Lund hat keine Karriere als Troupier gemacht. Dennoch hat sie eine beeindruckende Karriere gemacht.

    Auch nicht jeder Mann, der Karriere macht, macht diese nur über Führungsverwendungen in der Kampftruppe.

    Warum auch? Es gibt unterschiedliche Formen von herausgehobenen Dienstposten mit unterschiedlichen Aufbauten. GenMaj Lund hat den ihrigen gewählt und er ist beeindruckend.

  11. Lieber @Thomas Melber
    Gleich wird’s OT, daher nur kurz:
    Schon haben Sie mich rechts&frauenfeindlich eingestuft, folgt der Leser/Schreiber nicht dem Gender-Mainstream und dem Quotengedanken!
    Haben wir uns schon selbst soweit gemaßregelt, dass nicht frei gedacht werden darf, wenn eine Frau betroffen ist?

  12. @ Klaus-Peter Kaikowsky | 07. März 2019 – 19:39

    Hmm, ich will Sie nicht ungerecht angreifen, aber ganz nachvollziehen kann ich Ihre Einschätzung auf Basis der folgenden Lebensläufe ehrlich gesagt auch nicht.

    a) https://de.wikipedia.org/wiki/Kristin_Lund

    b) https://www.un.org/sg/en/content/sg/personnel-appointments/2017-10-06/major-general-kristin-lund-norway-head-mission-and

    Ich weiß ja auch nicht, was die Dame bei Desert Storm gemacht hat, aber jedenfalls war das doch ein Einsatz, den die Bundeswehr von zu Hause aus verfolgt hat (aus ggf guten Gründen, aber dennoch), von diesem Pseudo-Einsatz von ein paar Minenräumbooten fernab des Geschehens mal abgesehen. Auch sonst ist der Durchschnitt der Bundeswehr-Auslandseinsätze von Mali und phasenweise Afghanistan sicher abgesehen meist nicht im Zentrum des Geschehens angesiedelt. Und da verlassen 2/3 in der Regel der Presse nach ja auch eher selten das geschützte Camp, was die Mehrzahl der Offiziere einschließen dürfte, da diese ja vermutlich nicht den Hauptteil der Patrouillen stellen. Viele Bundeswehr-Generäle dürften daher ihre norwegische Kollegin im Hinblick auf die von Ihnen angesprochenen vermuteten Defizite nicht unbedingt ausstechen. Ich lasse mich aber auch gerne vom Gegenteil überzeugen.

  13. Wenn die Angaben bei Wikipedia stimmen, sind das sechs Einsätze. Vermutlich braucht sie sich damit auch vor einem NOR Generalmajor nicht verstecken.
    Ganz im Gegensatz zu so einigen Generälen der Bundeswehr.

    Zum Rest würde ja bereits alles gesagt.

  14. OT:
    Herr Wiegold. Eine wahre Demokratie muss auch deutlich Andere Meinung aushalten können.
    Wir erleben zur Zeit eine Art von Zerstörung solcher, auf Grund von political correctness,
    Gender etc. Zu oft erlebe ich im Dienstkreis/Freundeskreis, wo lieber keiner mehr etwas sagt, als dass er etwas „Falsches“ sagt. Und genau hier haben wir eine Grenze überschritten.
    Zwischen Demokratie und meiner Meinung nach, eines aufkommenden neo-Faschismus.
    Mit solchen Sachen wird die freie Meinungsäusserung deutlich unterdrückt. Überall lässt sich dieses festestellen.

    OnTopic:
    In der NOR Armee habe ich die Erfahrung gemacht (aber nur bei eFP), dass die Soldaten zusammen schlafen, duschen, kämpfen. Also so, wie es sein soll. Unisex sozusagen. Hat super geklappt. Keiner beschwerte sich.

    [In der Tat wird die Grenze überschritten. Nämlich da, wo mit erkennbaren Tricks versucht wird, eine andere Nachricht reinzudrücken und ein Thema zu kapern, also den demokratischen Diskurs zu missbrauchen. Dagegen wehre ich mich natürlich, und natürlich wird dann behauptet, das sei – noch so ein Kampfbegriff – „political correctness“. Demokratie heißt nicht, dass ich denen eine Plattform bieten muss, die dagegen arbeiten. Und damit sollten wir diesen OT beenden. T.W.]

  15. @T. Wiegold

    Zitat: „Nur als Hinweis: last time I checked galt das Grundgesetz noch. Und dabei sollten wir es auch belassen.“

    Nichts für ungut, aber ich verstehe Ihren Hinweis nicht. Das Grundgesetz kann man ändern; und vor dem Hintergrund der veränderten Sicherheitslage in Europa wird die Wiedereinführung der Wehrpflicht von Teilen von CDU/CSU, FDP und AfD ja auch rege diskutiert.

    In Anbetracht des von Ihnen qua Fragestellung aufgeworfenen Aspekts (Norwegen hat Wehrpflicht auch für Frauen), wagte ich zu erwähnen, dass ein Ausschluss der Frauen im Falle einer Wiedereinführung der Wehrpflicht in Deutschland mir unverständlich und rechtlich-moralisch zweifelhaft erschiene. Umso mehr, als das Verfassungsgericht zur Rechtfertigung der Wehrpflicht nur für Männer Argumentationsmuster heranzog, die nicht im Grundgesetz, sondern in gesetzgeberischen Absichten von einer Art gründeten, die der Gesetzgeber heute (verführe er konsequent) als obsolet verwerfen sollte.

    Laut meinem Dürig-Grundgesetzkommentar wurde Art.12a (1) 2 GG eingeführt, um eine Zwangsverpflichtung von Frauen nach NS-Vorbild zu unterbinden und somit einer gesellschaftlichen Gleichschaltung vorzubauen. Diese Problematik stellt sich heute nicht mehr.

  16. Wir hatten in der letzten Zeit nicht viele Interviews mit Offizieren oder Generalen in AG, nach meinem subjektiven Gefühl. Der Einleitungssatz von Herrn Wiegold „nach langer Zeit wieder ein Audio-Interview“ scheint mir also zu stimmen.

    Statt hier die Arbeit des Hausherren zu loben für einen Einblick in die norwegischen Streitkräfte, in der Hoffnung, daß es vielleicht wieder mehr Interviews in Zukunft gibt, hier durch durch die Hintertür Polemik gegen Frauen in den Streitkräften hier zu verbreiten, ist schon ärgerlich!

    In der BW dienen 22.000 Frauen, ohne diese würde die BW nicht mehr funktionieren, weil diese Stellen von Männern gar nicht mehr besetzt werden können, jedenfalls nicht ohne Wehrpflicht.

    Und keine ernsthafte Partei in Deutschland will bisher die Wehrpflicht wieder einführen, zumal wir alle wissen, daß die notwendigen Strukturen für die Wehrpflicht längst abgewickelt sind.

    Und weibliche Generale gibt es in der BW kaum, weil die BW erst durch ein Gericht gezwungen werden musste sich für Frauen zu öffnen, weil die BW sich zu lange hinter dem Grundgesetz versteckt haben, obwohl die GG Kommentare schon viel früher gesagt haben, daß nur der Zwangsdienst der Frauen mit der Waffe verboten sei, nicht aber der freiwillige Dienst.

    Und die BW hat bei der Wiedervereinigung die Chance verpasst sich für Frauen zu öffnen, als man die NVA-Soldatinnen hätte übernehmen können und den freiwilligen Dienst von Soldatinnen in den Einigungsvertrag hätte schreiben können. Dann gäbe es sicher mehr weibliche Generale in der BW.

    Stattdessen wurde von der NVA verlangt, daß die Soldatinnen dort schnell zu Zivilbeschäftigten werden.

    Von den Erfahrungen anderer Streitkräfte mit Frauen, können wir also noch was lernen.
    Statt hier wild zu spekulieren, das ein norwegisches Kriegsschiff angeblich wegen Frauen gesunken sei. PS: Die Militärgeschichte ist voll von Kommandanten und Kapitänen, alles Männer, die ihre Kriegsschiffe leichtfertig verloren haben oder versenken haben lassen.

  17. @ Klaus-Peter Kaikowsky | 07. März 2019 – 19:39:

    „Da macht eine Frau aus der Logistik kommend Karriere, unbestritten verdienstvoll, unübersehbar aber über Soft -Verwendungen in UN-Stabsfunktionen, der NOR Heimwehr und im Veteranenverband.“

    Fairerweise sollte man an dieser Stelle darauf hinweisen, dass General Lund 1979 in die Streitkräfte eintrat, Norwegen aber „erst“ 1985 den Großteil aller Verwendungen für Frauen öffnete.* Dass sie vor allem abseits der Truppe Karriere gemacht hat, ist also nicht verwunderlich.

    *Quelle: https://www.nato.int/docu/review/2002/issue4/english/interview.html

    Zum eigentlichen Thema: Sehr interessantes Interview. Überhaupt bin ich ein großer Fan davon, dass Sie, Herr Wiegold, nicht immer nur das Gespräch mit Politikern, sondern auch mit Soldatinnen und Soldaten suchen.

    Und weil es gerade zum Thema passt: In Slowenien ist mit Generalmajor Alenka Ermenc unlängst die erste Frau zum CHOD eines NATO-Landes aufgestiegen. Ehrlich gesagt fällt mir aber auch außerhalb des Bündnisses keine Nation ein, die schon mal eine militärische Oberbefehlshaberin gehabt hätte.

    https://www.reuters.com/article/us-slovenia-army/slovenia-appoints-first-female-army-chief-idUSKCN1NW1JU

  18. @Bürger:
    Nach meinem Verständnis liegt der Oberbefehl der Bundeswehr gerade bei einer Frau. Und daran würde sich selbst im Kriegsfalls gerade nichts ändern. Ich weiß, keine Soldatinnen, keine militärische Karriere aber wenn hier schon von Oberbefehlshaberinnen (wenn auch militärisch) die Rede ist, ist uns dies vielleicht bereits im positiven Sinne zu selbstverständlich geworden…

  19. @muck: „Laut meinem Dürig-Grundgesetzkommentar wurde Art.12a (1) 2 GG eingeführt, um eine Zwangsverpflichtung von Frauen nach NS-Vorbild zu unterbinden und somit einer gesellschaftlichen Gleichschaltung vorzubauen. Diese Problematik stellt sich heute nicht mehr.“

    Im Gegenteil, diese Problematik stellt sich ganz brandaktuell. Wie war der Slogan einer derzeit mit zweistelligen Wahlergebnissen gesegneten Partei noch gleich? „Neue Deutsche? Machen wir selber!“ Mehr muss man nicht wissen, um zu begreifen, wo da so der Wind herweht…

    Zu den merkwürdigen Urständen, die ansonsten die Thematisierung des Themas „Frauen in den Streitkräften“ in der Kommentarfunktion mal wieder hervorbringt und den sich dann bei (m.E. berechtigter) Zurechtweisung durch den Hausherrn abspielenden Opferritualen à la: „Wird man ja wohl noch sagen dürfen!“ sage ich jetzt mal weiter nichts.

  20. „Closius | 08. März 2019 – 8:44 Und die BW hat bei der Wiedervereinigung die Chance verpasst sich für Frauen zu öffnen,“

    Ob das wirklich im Ermessen der Bundeswehr lag?

  21. Frauen in den Streitkräften, das ist doch schon lange unproblematischer Alltag und auch in Anbetracht der Personalsituation der Bundeswehr bitter notwendig. Mehr gibt es eigentlich dazu in der gegenwärtigen Sachlage nicht zu sagen.

    Sollte mal, – was ich derzeit aber nicht sehe, wieder ernsthaft die Wiedereinführung der Wehrpflicht in Deutschland verfolgt werden, so müsste die, – nach entsprechender Änderung des Grundgesetzes, natürlich selbstverständlich auch uneingeschränkt für Frauen gelten. Alles andere würde doch die lang erkämpfte Gleichstellung/Gleichbehandlung von Mann und Frau, auf die wir ja so stolz in Deutschland sind, schlicht mit Füßen treten. Gleiche Rechte bedeuten nun mal auch gleiche Pflichten. Und wenn man Männer zum Dienst an der Waffe zwingen kann, – dann kann man das ganz im Sinne der Gleichstellung selbstverständlich auch bei Frauen. Wollte man das ernsthaft negieren, müsste man aber ganz tief in uralte Geschlechterklischees und Frauenbilder greifen, – nach dem Motto „Aktive Teilnahme an blutigen und tödlichen Schlachten im Krieg ist Empathie-getränkten Frauen und Mütter eher wesensfremd und darf deshalb nicht aufgezwungen werden“. Nicht mal die hartgesottensten Machos würden sich heutzutage noch trauen, so etwas offen zu behaupten.

    Drollig wird das Thema Frauen in der Bundeswehr erst, wenn wie aktuell in der Politik durchaus Thema, man auch für die Streitkräfte eine 50 % Frauenquote in Führungspositionen (sagen wir mal ab Kompaniechef aufwärts) fordert und erzwingen wollte. Unwahrscheinlich? Also ich schließe in diesem wunderschönen Deutschland gar nichts mehr aus.

  22. Es ist die sich ewig wiederholende Debatte (a la „Murmeltiertag“), dass die Frauen weniger können, weniger leistungsfähig sein sollen, schneller Karriere machen usw.

    Im Hintergrund spielt da eine männliche Angst mit – von Frauen in der Karriere überholt zu werden. Die Hierarchie der Bundeswehr basierte lange Zeit auf männlichen Verhaltensmustern, auf Seilschaften, auf Zuverlässigkeit, Disziplin und Treue in einer männlich strukturierten dienstlichen Umgebung.

    Mit der Öffnung aller Laufbahnen der Bw für die Frauen im Jahr 2001 / 2002 kam ein Störfaktor in dieses Hierarchiemuster – Kontakte zwischen Männer und Frauen im Dienst über alle Hierarchieebenen, Standorte usw hinweg.

    Das stört bis heute die männlichen „Netzwerker“ in der Truppe und es werden ähnlich schlüssige Argumente vorgetragen wie in der katholische Kirche, die die Machtstrukturen des Männerklerus, erstens nicht durch das Zölibat (da würden ja in dienstlichen Dingen auch die Ehefrauen von Priestern mitreden) und zweitens nicht durch das Priesteramt für Frauen gefährden wollen.

  23. @Georg | 08. März 2019 – 13:42
    „Die Hierarchie der Bundeswehr basierte lange Zeit auf männlichen Verhaltensmustern, auf Seilschaften, auf Zuverlässigkeit, Disziplin und Treue in einer männlich strukturierten dienstlichen Umgebung.“

    Wenn Sie die beiden „männlich“ streichen, bin ich bei Ihnen und prognostiziere, dass sich das auch nicht ändern wird. Frauen werden sich hier genauso durch Netzwerken (geschlechterübergreifend!), durch Zuverlässigkeit, durch Disziplin und durch Treue beweisen. Denn das sind Werte die zeitlos und geschlechterübergreifend für Streitkräfte notwendig sind.

    „Das stört bis heute die männlichen „Netzwerker“ in der Truppe“

    Das bezweifle ich ehrlich gesagt. Die Truppe (!) hat mit Frauen schon seit längerem kein Problem mehr.

    Wie die Statistiken (BS, LGAN) zeigen werden Frauen querschnittlich nicht benachteiligt, sondern angemessen an ihrem Anteil an der Gesamtgruppe gefördert.

    Was emotional natürlich etwas stört sind gelegentliche Versuche der Ministerin einer umgedrehten Diskreminierung (Projekt Tandem etc.), aber auch hier bin ich zuversichtlich, dass das die Gleichstellung und Integration von Frauen durch solche Maßnahmen nicht nachhaltig gefährdet wird und sich dieser (schädliche) Aktionismus mittelfristig auswachsen wird.

    Bei den jungen Soldaten spielt das alles sowieso ja kaum noch eine Rolle. Das sind meistens Diskussionen von älteren Kameraden (und Politikern).

  24. Und dann ist da noch (NOR) Konteradmiral Louise Dedichen mit eindrucksvoller Karriere auf Fregatten und im Attaché-Bereich.
    Ihre Ernennung zum Kdr der (NOR) Verteidigungshochschule erreichte politisch-juristische Dimension über das Parlament bis zum Staatsgerichtshof, weil: der NOR GI wollte einen anderen (männlichen) BrigGen des Heeres.
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Louise_Kathrine_Dedichen

    Thank you for sharing @kadripIt was such a great event @kareaas @julie_rogers
    @DamonMacWilson @JennPeace85 on security, diversity & equality. We need to share, listen, understand, feel and think, thereby keep in mind we are all created equal.
    https://mobile.twitter.com/kadrip/status/1103831890669289475/photo/1

  25. Seltsame Debatte hier.

    1. Danke für das Interview, würde man sich auch von deutschen „Goldsternern“ wünschen

    2. Die Sanität ist an GeneralArzt

    Franke (a.D. in 2016 – n-tv: Erste Zwei-Sterne-Generalin: Ranghöchste Bundeswehrsoldatin tritt ab)

    und Krüger (General-Anzeiger *höhö*: Deutschlands einziger weiblicher General: „Steht dazu, dass ihr Frau seid“)

    auch nicht zugrunde gegangen.

    3. Erinnere an die ersten offen schwulen Soldaten in den 90ern, die Ochsentour durch die Instanzen und Niederträchtigkeiten der „Kameraden“.

    Ob es wohl ähnliche Debatten geben wird wenn der erste General/Admiral öffentlich „Butter bei die Fische macht“?

    Die Hunde bellen doch die Karawane zieht weiter.

    Schönes Wochenende

  26. Aus Anlass des Tages meldet Belgian Ministry of Foreign Affairs, zu Wort:
    @BelgiumMFA
    Major General Lutgardis Claes is the first woman as head of our Royal Military Academy. During our #IWD2019 conference, she made clear that, although more women than ever are joining
    @BelgianDefence we must do more to promote #GenderEquality in the face of future challenges.

    [Und warum kein Link?

    T.W.]

  27. Es tut mir leid, aber ich kann die Reaktionen auf meinen Kommentar absolut nicht nachvollziehen. Ich habe mich in keinster Weise über Frauen in den Streitkräften ausgelassen; im Übrigen habe ich den allergrößten Respekt vor jedem Menschen, der sich in solcher Funktion dem Dienst an der Gemeinschaft verschreibt. Ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass wir, sollten wir die Wehrpflicht wieder einführen wollen, eine Debatte darüber führen müssen, ob es eine Dienstpflicht nach altem Muster oder eine allgemeine Dienstpflicht für beide Geschlechter sein sollte. Und persönlich hätte ich null Verständnis dafür, würden Frauen von einer solchen Dienstpflicht ausgenommen.

  28. @ Koffer | 07. März 2019 – 20:53
    Sie umschreiben es exakt.

    @ Klaus-Peter Kaikowsky | 07. März 2019 – 20:54
    Schon haben Sie mich rechts&frauenfeindlich eingestuft, folgt der Leser/Schreiber nicht dem Gender-Mainstream und dem Quotengedanken!

    Nein. Mit Verlaub, Sie haben einfach anmaßenden Unsinn geschrieben. Und ein Mann Ihrer Vita weiß das auch bitte. Und ja: passiert eben mal.

    Sie kennen das individuelle Leistungsbild von GenMaj Lund nicht adäquat.

    Frau GenMaj Lund ist Zweisternegeneral in einer respektierten und anerkannten Armee geworden. Sie hat herausragende internationale Verwendungen absolviert.

    @ Klaus-Peter Kaikowsky | 08. März 2019 – 14:18
    Ihre Ernennung zum Kdr der (NOR) Verteidigungshochschule erreichte politisch-juristische Dimension über das Parlament bis zum Staatsgerichtshof, weil: der NOR GI wollte einen anderen (männlichen) BrigGen des Heeres.

    Zwei Institutionen konnten keinen Konsens finden und rufen ein Gericht an zur Entscheidung, was dann auch entscheidet (und nebenbei institutionelle Spielregeln festlegte) und das soll passiert sein, weil ein weiblicher Offizier zur Auswahl gegenüber eines männlichen Offiziers stand?

    Ich bitte Sie tatsächlich, solche für demokratische Regelsysteme vollkommen normale Sachverhalte nicht in die Richtung „männerunfreundliche“ Gesellschaftspraxis umzudeuten.

    @ UmPp | 07. März 2019 – 22:42
    Herr Wiegold. Eine wahre Demokratie muss auch deutlich Andere Meinung aushalten können.

    Selbstverständlich sind Meinungen des gesamten demokratischen Spektrums zulässig und folglich zu ertragen.

    Aber eine Kehrseite von „Political correctness“, war (und tlw. ist) die Angst der Gesellschaft, wenngleich zulässige, so doch unsinnige Äußerungen nicht mehr als unsinnig zu bezeichnen.

    Sie wissen, so denke ich, so gut wie ich:

    Eignung, Leistung, Befähigung (und Bedarf) – wer nicht exakt nach diesem Kanon beurteilt bzw. einstellt, fördert und befördert, bürdet dem Personalkörper in punkto Leistungsvermögen eine enorme Hypothek auf.

    Wer Frauen, Transgender, usw. innerhalb dieses Kanons beurteilt bzw. einstellt, fördert und befördert, bürdet dem Personalkörper in punkto Leistungsvermögen keine Hypothek auf.

    Und das ist der Punkt. Der Rest sind persönliche Befindlichkeiten und fachfremdes Gerede/Handeln, welches beides in einer professionellen Armee keinen Platz haben.

    Am Ende des Tages gibt es mitunter keine 100%ige Gerechtigkeit. Das wissen wir. Das ist auch nicht neu. Dafür sind also Frauen, Transgender, usw. mit Sicherheit nicht verantwortlich.

    @Th. Wiegold: vielen Dank für das interessante Interview. Vielleicht klappt ja in Folge ein Interview mit Generalmajor Alenka Ermenc.

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