Die Straße von Kertsch als neuer Hotspot Ukraine/Russland (mit Updates)

Der Konflikt im Osten der Ukraine bleibt ein ungelöstes Problem, und auch die Krim rückt jetzt wieder als möglicher Hotspot in Europa in den Blick: Seit dem (heutigen) Sonntag hat offensichtlich Russland die Straße von Kertsch, die das Schwarze Meer und das Asowsche Meer verbindet, für zivile Schiffe gesperrt.

Die Meerenge ist oben auf der Karte markiert, die Lage kurz und knapp: Vor der Annexion der Krim durch Russland trennte die Straße von Kertsch ukrainisches und russisches Territorium. Jetzt betrachtet Russland diese Meerenge als innerstaatliches Gebiet – und das hat Auswirkungen auf den Schiffsverkehr vom Schwarzen Meer ins Asowsche Meer, wo ja auch ukrainische Häfen liegen.

An diesem Wochenende gab es zunächst einen Zwischenfall, an dem Boote ukrainischer und russischer Behörden beteiligt waren: Schiffe der russischen Küstenwache, so der Vorwurf aus Kiew, hätten einen Schlepper der ukrainischen Marine gerammt, als die Ukrainer die Straße von Kertsch auf dem Weg nach Mariopol passieren wollten. Als Folge des Vorfalls, aus russischer Sicht eine Provokation der Ukraine,  sperrte Russland die Meerenge für den Schiffsverkehr.

Aus der Zusammenfassung von Radio Free Europe

Ukraine says a Russian coast guard vessel has rammed one of its navy tugboats off the Moscow-annexed Crimean Peninsula in „openly aggressive actions,“ resulting in damage to the ship.
The Ukrainian Navy said the incident took place on November 25 as three of its ships including two small warships were transiting from the Black Sea port of Odesa to Mariupol in the Sea of Azov approached the Kerch Strait between Crimea and Russia.
Russia’s Federal Security Service (FSB), which oversees the country’s border guard service, accused Kyiv of illegally entering its waters and deliberately provoking a conflict.

… und die Darstellung russischer Staatsmedien:

Die russischen Behörden haben am Sonntag die Straße von Kertsch, die das Schwarze Meer mit dem Asowschen Meer verbindet, vorübergehend gesperrt. Das Verbot betrifft nur die zivile Schifffahrt. Der Beschluss ist aus Sicherheitsgründen getroffen worden. Zuvor hatten drei ukrainische Kriegsschiffe die russische Seegrenze verletzt.

Die Lage in der Ukraine ist hierzulande in den vergangenen Monaten eher am Rande wahrgenommen worden. Mal sehen, wie sich dieser zusätzliche Hotspot entwickelt.

Nachträge (in loser Folge):

Von der russischen Nachrichtenagentur TASS die erste Meldung vor der Kollision:

Three Ukrainian warships have illegally crossed Russia’s state border entering its territorial waters, and are carrying out dangerous maneuvers, the Federal Security Service’s Border Service in Crimea said on Sunday. „This morning at around 7:00 a.m. Moscow Time three ships of Ukraine’s Navy violated Articles 19 and 21 of the United Nations Convention on the Law of the Sea, which define the right of a coastal state to ensure maritime security, crossed the Russian state border and illegally entered the temporarily closed waters of the Russian territorial sea,“ the statement said.The Ukrainian warships continue heading to the Kerch Strait, where the traffic is regulated under a schedule approved by the captain of the Russian sea port.

Update: Als vorerst letzter Stand am Sonntagabend: Russische Kräfte haben die drei ukrainischen Boote gestürmt. Aus der Zusammenfassung von Al Jazeera:

The Ukrainian navy has accused Russia of firing on and capturing three of its ships near the Kerch Strait, a narrow sea passage close to the Crimean peninsula that separates the Black Sea and the Sea of Azov.Two sailors were injured when the Russian ship fired on Ukraine’s vessels, the Ukrainian navy said on Sunday, amid rising tensions between the two countries over a standoff that started earlier in the day.In a Facebook post, the Ukrainian navy said three of its vessels were forced to stop and captured by the Russian forces.

Die EU rief Russland dazu auf, die Freiheit der Schiffahrt in der Straße von Kertsch wieder herzustellen:

Die Meldung des englischen Dienstes von TASS am Sonntagabend (bzw. frühen Montagmorgen Moskauer Zeit):

All three vessels of the Ukrainian Navy, which violated the Russian border, have been detained in the Black Sea, weapons were used to force them to stop, the Public Relations Center of the Russian Federal Security Service (FSB) reported.
„The Ukrainian Navy’s vessels the Berdyansk, the Nikopol and the Yany Kapu, which violated Russia’s state border this morning, made another attempt of committing illegal activities in Russia’s territorial sea at 19:00 Moscow time on November 25,“ the FSB said. „They did not respond to legitimate demands of the ships and boats of Russia’s FSB Border Guard Service escorting them to stop immediately and made dangerous maneuvers.“ According to the FSB, „weapons were used to force the Ukrainian warships to stop.“

Und als vorerst letzter Nachtrag hier (das dürfte sich am Montag weiterentwickeln…) die Nachricht aus der Ukraine, dass Präsident Petro Poroschenko dem Parlament die Verhängung des Kriegszustands empfiehlt:

(Vorsorglich der Hinweis: Mit dem Begriff Annexion der Krim verwende ich die Diktion des Auswärtigen Amtes; eine – erneute – Debatte darüber ist hier nicht sinnvoll. Ebenso die Bitte, hier nicht die Grenzziehung auf der oben eingebunden Karte von OpenStreetMap zum Thema zu machen – ich weiß, das ist heikel, aber nichts, worauf ich Einfluss hätte.)

(Karte: OpenStreetMap)

Russland,Ukraine · 17:38h ·  

71 Kommentare zu „Die Straße von Kertsch als neuer Hotspot Ukraine/Russland (mit Updates)“

  • Jürgen   |   26. November 2018 - 15:52

    @Klaus-Peter Kaikowsky | 26. November 2018 – 14:22

    „Die Maße der Krim-Brücke begrenzt in der Durchfahrt die nutzbare Höhe auf 33m. Viele UKR Transporte können damit die Kertsch-Enge nicht passieren, clever.“

    Ich vermute mal die geringe Durchfahrtshöhe entspring eher einem Zufall, sprich Planungsfehler, sprich Dummheit, die erst mal einen Vorteil für die Russen darstellt.

    Andere Frage, weiß denn jemand, was für Schiffe gerade den Hafen von Rostow am Don anfahren? Nicht dass dort nun ebenfalls keine größeren Schiffe vom Asowschen Meer kommend anlegen können. Das wäre dann erst mal ein Eigentor der Russen.

    Weitere Frage, weiß denn jemand, ob das Thema Durchfahrtshöhe bereits seit Beginn der Planung der Brücke über die Enge von Kertsch thematisiert wurde?

  • Stefan Büttner   |   26. November 2018 - 16:10

    Den Hafenbetrieb von Genitschesk, Berdjansk und Mariupol kann man wohl zukünftig vergessen. Mehr als Ausflugsdampfer sind da demnächst nicht mehr drin.

  • Mitleser   |   26. November 2018 - 16:35

    Die deutsche Politik ist nach dem vom damaligen Außenminister Steinmeier ausgehandelten Vertrag über die Beilegung der Krise in der Ukraine erneut auf dem Stand der Dinge. Der amtierende Außenminister Maas forderte von Rußland ein Ende der Blockade der Straße von Kertsch.

    5 Stunden, nachdem Rußland die Blockade bereits beendet hat.

    Details sind der deutschen Presse zu entnehmen. Kein Link wegen wissenschon.

    Die Ukrainer scheinen inzwischen auch schon im Karnevalsmodus zu sein. Der ukrainische Botschafter in Deutschland forderte im Gespräch mit BILD: „Wir erwarten von unseren deutschen Partnern, dass Marineschiffe der EU und NATO in das Schwarze und Asowsche Meer schnellstens auf verstärkte Patrouillen entsandt werden, um solchen Kriegshandlungen Moskaus vorzubeugen.“

    Wußte garnicht, daß die Ukrainer so viel Humor haben. Einsatzbereite deutsche Kriegsschiffe; und dann noch mal eben ins Schwarze und Asowsche Meer. Köstlich!

  • Anubiswaechter   |   26. November 2018 - 17:48

    @Stefan Büttner | 26. November 2018 – 16:10

    Den Hafenbetrieb von Genitschesk, Berdjansk und Mariupol kann man wohl zukünftig vergessen. Mehr als Ausflugsdampfer sind da demnächst nicht mehr drin.

    Das ist ein interessanter (natürlich rein theoretischer) strategischer Ansatz. Was wohl mit der Brücke passieren würde, wenn ein über 33 Meter hoher alter Dampfer durch die Enge wollen würde?! Ein paar bald abzuwrackende Schiffe wird man wohl irgendwo schon finden. Natürlich wäre das kein kriegerischer Akt. Menschliches Versagen von Zivilisten kommt gelegentlich eben vor. Richtig problematisch würde es nur werden, wenn der Dampfer unter der einstürzenden Brücke sinken würde. Hmm. Ups.

    Wenn schon „hybride Seekriegsführung“, dann kann die UKR ja das Spiel mitspielen. Motto: Wenn schon Blockade, dann richtig. Und als Bonus obendrauf, wäre die Versorgung der Krim über die Brücke wahrscheinlich auch erst einmal gestört.

    Wenn man das Spiel der Kremlins gewinnen will, dann nur auf ihre Art. Aufgrund der momentanen Entwicklungen und Maßnahmen der UKR sehe ich leider ein Georgien 2.0.

  • justanick   |   26. November 2018 - 17:50

    @Peter Maier
    danke für Ihre Meinung. Aber sind 10 m Tiefgang nicht etwas viel für ein flaches Gewässer, dessen tiefste Stelle 14 m tief ist? Es wird ja wohl kaum so sein, dass es da einen konstant tiefen Kanal von der Straße von Kertsch bis zum Hafen gibt. Und ausbaggern wird man das auf diese Länge wohl auch kaum, zumal es mit Odessa einen richtigen Hafen gibt. Schließlich möchte man ja auch noch ein bissel Wasser unterm Kiel haben.

    Da es dort auch mehrere russische Häfen (Rostov, Taganrog) gibt, glaube ich nicht so recht, dass die geringe Höhe der Brücke (politisch/wirtschaftich) gegen die Ukraine gerichtet ist und man diese nämlichen (wirtschaftlichen) Verluste auch für die eigenen Häfen billigend in Kauf nimmt. Eher scheint die Höhe ein Abbild der realen Schifffahrt auf dem Asowschen Meer zu sein.

    Zudem hat man wahrscheinlich bei jeder Brücke eine Abwägung zu treffen, zwischen den Kosten für den Bau und den Möglichkeiten der Nutzung. Wenn man nur sehr gelegentlich ein hohes Schiff hat, kommt Umladen wohl billiger als der höhere Bau der Brücke. Man mag die Stadt seiner Wahl in Deutschland nehmen und wird feststellen, dass Brücken Kennzeichnungen haben, zwecks zulässiger Masse obendrüber und zwecks Höhe, Breite untendurch – und für jede Brücke wird man einen Schwerlasttransporter finden, der da nicht langkommt. Vermutlich wurden die Brücken nicht so gebaut, nur weil man die Schwerlastfirmen boykottieren will, oder?

    Und weil das so ist, interessiert mich konkret, welches Schiff liegt jetzt im Asowschen Meer fest, und welches Schiff (Typ/Klasse), das vorher regelmäßig Marijupol anlief, kann dies jetzt nicht mehr. Unbenommen, dass man solche Fälle theoretisch konstruieren kann.

  • justanick   |   26. November 2018 - 18:12

    Hafen Mariupol laut englischer Wikipedia „mit Tiefen bis 9,75 m“. Die gleiche Zahl erscheint auch in der ukrainischen Version – hier jedoch klar als „Projekt“ bezeichnet. Die tatsächliche Tiefe betrug im Mai 2018: „7,7 m“ (laut ukrainischer und russischer Version der WP, nebst genannten Quellen) – soweit ich das verstehe, ist damit nicht die gemessene Wassertiefe gemeint, sondern bereits der maximal abzufertigende Tiefgang. Und damit zurück an die Seeleute: welche Aufbauhöhe haben Schiffe dieser Kategorien?

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   26. November 2018 - 18:14

    @Jürgen
    Leider sind für Planungsfehler seit einem Dutzend Jahren speziell deutsche Ingenieure und Bauleiter unter politischer “ Kontrolle“ bekannt: Berlin, Stuttgart, Hamburg, …
    Nehmen Sie sich Zeit und forsten das Netz durch. Stichworte, Brücke von Kertsch, ~Krim, Krimbrücke, Seebrücke Taganrog-Kertsch usw. -:Ggf. Mediathek-phoenix von heute.
    Die geplante lichte Durchfahrthöhe mit geringen Schwankungen je nach Tide und Wind entspricht strategischem RUS Ansatz, den Ukrainer nicht kontern können.
    Die smart boys des Gebrauchs asymmetrischer, bzw. hybrider Mittel sitzen im Kreml.

  • Ukrop   |   26. November 2018 - 18:40

    Mit dem Ausrufen des Kriegszustandes versucht Poroschenko meiner Ansicht nach das Heft des Handels wieder in seine Hand zu bekommen.

    Innenpolitisch will er sich entschlossenes Staatsoberhaupt darstellen und seine Wahlkampfstrategie „Sprache, Kirche und Armee“ untermauern.
    Er stößt hierbei auf erheblichen Widerstand in der Politik, ohne klare Einschränkungen (nur 30 Tage, bestätigen des Wahltermins) wird es wohl keine Parlamentsmehrheit geben.

    Außenpolitisch könnte er aber durchaus Erfolg haben, da der Westen das Schifffahrts-Problem nun nicht mehr ignorieren kann und sich nun ernsthaft für eine Lösung einsetzen muss.

    Läuft es gut für Poroschenko werden die Schiffe und Soldaten freigelassen und eine freie Schifffahrt durch internationale Verhandlungen gesichert.

    Er könnte sich als Staatsoberhaupt darstellen, welches mittels militärischen und politischen Maßnahmen Russland zurückdrängen kann und hätte somit eine realistische Chance, das er wiedergewählt wird.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   26. November 2018 - 18:52

    Wiki nennt als lichte Durchfahrthöhe 35m, auch nicht besser. Der Eintrag wurde HEUTE aktualisiert.
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Krim-Brücke

  • Thomas Melber   |   26. November 2018 - 18:53
  • Ottone   |   26. November 2018 - 19:05

    Bei der Planung der Brücke gab es die Wahl zwischen schnell und gut. Schnell war wichtiger, was dann zu Lasten der Höhe ging.

  • Thomas Melber   |   26. November 2018 - 19:07

    Nachtrag: beim Nord-Ostsee-Kanal (Kaiser-Wilhelm-Kanal) beträgt die max. Höhe ü. WL. 42m.

    PANAMAX und SUEZMAX liegen allerdings deutlich darüber.

  • Stefan Büttner   |   26. November 2018 - 19:59

    Russland hat keine Häfen im Asowschen Meer in den Schiffe einlaufen die höher als 33 Meter sind. Deren Häfen können nur Schiffe nutzen mit Abmessungen (relevant ist der Tiefgang dieser Häfen) die unter 33 Meter Höhe liegen. Daher hat Russland eine Brücke gebaut die sich an Schiffen orientiert die in ihre eigenen Häfen einlaufen können.
    Damit waren die Ukrainer raus. Die haben Schiffe die bis zu 40 Meter hoch waren. Die kommen entweder in das Asowsche Meer nicht mehr rein oder raus.
    Russland hat mindestens schon die letzten Monate dem Schiffsverkehr in der Region Probleme bereitet. Kann man als Vorspiel betrachten. Russland will das Asowsche Meer für sich alleine haben um der Ukraine Schaden zuzufügen.

  • Ukrop   |   26. November 2018 - 20:37

    Das Kriegsrecht (begrenzt auf Oblaste, die an russische bzw. prorussische Gebiete grenzen) wurde soeben vom Parlament bestätigt

    [Deshalb gibt’s dazu jetzt auch einen neuen Thread… der für die weitere Debatte sinnvoller sein dürfte. T.W.]

  • Hohenstaufen   |   26. November 2018 - 22:08

    Boris Reitschuster zitiert auf facebook die Abendnachrichten des russischen „1. Kanals“.:
    Präsident Putin habe „von der Annäherung der ukrainischen Schiffe schon in der ersten Minute erfahren“ – das war gerade von Putins Pressesprecher Dmitrij Peskow in den Abendnachrichten des russischen „Ersten Kanals“ zu erfahren.

    Das lässt sich so interpretieren, dass die Ereignisse direkt von Putin mitbeeinflusst wurden.
    Original der Abendnachrichten:
    https://www.1tv.ru/news/issue/2018-11-26/18:00?fbclid=IwAR0bjkLRiMTdFRIRLXFwQLscvnJ_CKVXcJqBb2F442IRh-R7z0QoXBhRPto#1

  • AoR   |   26. November 2018 - 22:17

    @Ukrop: Zwo/Drei Fragen, welche sich mir aufdrängen:

    – Wie weit ist der „Westen“ bereit zu gehen, um Poroschenko auf Kosten des Verhältnisses zu RU zu stützen?
    – Eine wie weit Verschlechterung der diplomatischen Beziehungen zum „Westen“ kann sich RU in den Augen des Kreml noch leisten?
    – Was ist dem Kreml eine Destabilisierung Kiews wert?

  • Y-stratege   |   27. November 2018 - 13:47

    Das zuvor ein russiches Schifferboot von der Ukraine gekapert (und verkauft) wurde taucht in den Meldungen nicht auf, warum?

  • Mathias   |   05. Dezember 2018 - 15:48

    Nachtrag
    In meinem Beitrag vom hatte ich geschrieben:
    Mathias | 25. November 2018 – 20:12

    Die Sperrung ist strategisch für RUS vorteilhaft. So können alle Truppen der Miliärbezirkes Süd bis zum Dnepr vorstoßen und die 3 Brücken (Saporischschja, Nowa Kachowka und bei Antonivka) über den Dnepr sichern, um einen Landkorridor zur Krim zu besetzen.

    Nun hat am heutigen Tage Dr. Stefan Meister von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V. ein interessantes Interview gegeben.

    https://www.n-tv.de/politik/Es-geht-vor-allem-um-den-Zugang-zur-Krim-article20752900.html

    Auf die Frage „Es geht also um einen Landzugang zur Krim?“ antwortet er:

    „Das Ziel Russlands ist im Prinzip, das Asowsche Meer zu einem russischen Binnengewässer zu machen. Das ist auch die Eskalation, die wir gerade sehen: Wir beobachten seit Monaten, dass Russland Militär in die Region verlegt und Blasen aufbaut, wo es die militärische Oberhoheit hat. Handelsschiffe werden tagelang aufgehalten und deshalb ist die Ukraine immer weniger in der Lage, ihre eigenen Häfen zu versorgen. Man kann zumindest nicht ausschließen, dass Russland diesen Landweg sucht und dafür Städte wie Mariupol abspalten will von Kiew.“

    Das erhärtet meine These, dass RUS versuchen wird, auch auf Grund mangelnder Handlungsmöglichkeiten der NATO, den Landweg zur Krim zu sichern. Wer sich die Landkarte anschaut wird bemerken, dass der Dnepr eine gute „künstliche Grenze“ bilden kann.

    Die UKR wäre militärisch nicht in der Lage, auf massive Vorstöße aus der Ost-Ukraine UND dem Vorstoß aus dem Raum Taganrog/Rostow in Richtung Mariupol bis zum Dnepr zu reagieren.

  • klauspeterkaikowsky   |   05. Dezember 2018 - 16:46

    @Mathias
    Sehr schön.
    Liest sich wie – KTB HGrpSüd.

  • Thomas Melber   |   05. Dezember 2018 - 17:10

    @Mathias
    Passend zum Thema:

    https://www.nzz.ch/international/der-konflikt-mit-der-ukraine-hat-auch-mit-russlands-suedflanke-zu-tun-ld.1441584?mktcid=nled&mktcval=102&kid=_2018-12-5

    Geopolitisch sehr interessant. An einem offenen RUS-UKR Krieg glaube ich allerdings nicht, und Mariupol und der Raum bis Cherson wird sich nur durch Milizen nicht nehmen bzw. dauerhaft halten lassen.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   05. Dezember 2018 - 19:13

    Einen offenen Krieg, der Putin zweifellos die internationale Isolation einbrächte, nicht zuletzt bei ehemaligen Satellitenstaaten, den der Sowjetunion Entkommenen und auch den verbliebenen Verstehern im Westen, braucht er nicht.
    Das Asymmetrische, das Hybride, die fünfte Kolonne im Donbas und das Ruinöse der Blockade von Häfen im Asowschen Meer werden das Ziel des Kreml erreichen: Zusammenbruch der staatlichen Ordnung der Ukraine im Osten – von ethnischen Russen besiedelt, Bildung der Landbrücke über die Asowschen Höhen zur Krim, Ausfall der Asowschen Häfen für die Versorgung von Bevölkerung und der Schwerindustrie.
    Im Ergebnis fällt der ukrainische Osten Russland fast wie von selbst in die Hände, die Menschen werden froh sein, überhaupt versorgt zu werden. Es wird kein Schuss über die üblichen Scharmützel hinaus im Raum Donezk fallen. Der Westen erkennt das RUS Sicherheitsinteresse auf dessen Glacis stillschweigend an und sanktioniert lustlos weiter vor sich hin, auf dass die Geschäfte demnächst wieder laufen.
    Siehe Nordstream2!