Die Straße von Kertsch als neuer Hotspot Ukraine/Russland (mit Updates)

Der Konflikt im Osten der Ukraine bleibt ein ungelöstes Problem, und auch die Krim rückt jetzt wieder als möglicher Hotspot in Europa in den Blick: Seit dem (heutigen) Sonntag hat offensichtlich Russland die Straße von Kertsch, die das Schwarze Meer und das Asowsche Meer verbindet, für zivile Schiffe gesperrt.

Die Meerenge ist oben auf der Karte markiert, die Lage kurz und knapp: Vor der Annexion der Krim durch Russland trennte die Straße von Kertsch ukrainisches und russisches Territorium. Jetzt betrachtet Russland diese Meerenge als innerstaatliches Gebiet – und das hat Auswirkungen auf den Schiffsverkehr vom Schwarzen Meer ins Asowsche Meer, wo ja auch ukrainische Häfen liegen.

An diesem Wochenende gab es zunächst einen Zwischenfall, an dem Boote ukrainischer und russischer Behörden beteiligt waren: Schiffe der russischen Küstenwache, so der Vorwurf aus Kiew, hätten einen Schlepper der ukrainischen Marine gerammt, als die Ukrainer die Straße von Kertsch auf dem Weg nach Mariopol passieren wollten. Als Folge des Vorfalls, aus russischer Sicht eine Provokation der Ukraine,  sperrte Russland die Meerenge für den Schiffsverkehr.

Aus der Zusammenfassung von Radio Free Europe

Ukraine says a Russian coast guard vessel has rammed one of its navy tugboats off the Moscow-annexed Crimean Peninsula in „openly aggressive actions,“ resulting in damage to the ship.
The Ukrainian Navy said the incident took place on November 25 as three of its ships including two small warships were transiting from the Black Sea port of Odesa to Mariupol in the Sea of Azov approached the Kerch Strait between Crimea and Russia.
Russia’s Federal Security Service (FSB), which oversees the country’s border guard service, accused Kyiv of illegally entering its waters and deliberately provoking a conflict.

… und die Darstellung russischer Staatsmedien:

Die russischen Behörden haben am Sonntag die Straße von Kertsch, die das Schwarze Meer mit dem Asowschen Meer verbindet, vorübergehend gesperrt. Das Verbot betrifft nur die zivile Schifffahrt. Der Beschluss ist aus Sicherheitsgründen getroffen worden. Zuvor hatten drei ukrainische Kriegsschiffe die russische Seegrenze verletzt.

Die Lage in der Ukraine ist hierzulande in den vergangenen Monaten eher am Rande wahrgenommen worden. Mal sehen, wie sich dieser zusätzliche Hotspot entwickelt.

Nachträge (in loser Folge):

Von der russischen Nachrichtenagentur TASS die erste Meldung vor der Kollision:

Three Ukrainian warships have illegally crossed Russia’s state border entering its territorial waters, and are carrying out dangerous maneuvers, the Federal Security Service’s Border Service in Crimea said on Sunday. „This morning at around 7:00 a.m. Moscow Time three ships of Ukraine’s Navy violated Articles 19 and 21 of the United Nations Convention on the Law of the Sea, which define the right of a coastal state to ensure maritime security, crossed the Russian state border and illegally entered the temporarily closed waters of the Russian territorial sea,“ the statement said.The Ukrainian warships continue heading to the Kerch Strait, where the traffic is regulated under a schedule approved by the captain of the Russian sea port.

Update: Als vorerst letzter Stand am Sonntagabend: Russische Kräfte haben die drei ukrainischen Boote gestürmt. Aus der Zusammenfassung von Al Jazeera:

The Ukrainian navy has accused Russia of firing on and capturing three of its ships near the Kerch Strait, a narrow sea passage close to the Crimean peninsula that separates the Black Sea and the Sea of Azov.Two sailors were injured when the Russian ship fired on Ukraine’s vessels, the Ukrainian navy said on Sunday, amid rising tensions between the two countries over a standoff that started earlier in the day.In a Facebook post, the Ukrainian navy said three of its vessels were forced to stop and captured by the Russian forces.

Die EU rief Russland dazu auf, die Freiheit der Schiffahrt in der Straße von Kertsch wieder herzustellen:

Die Meldung des englischen Dienstes von TASS am Sonntagabend (bzw. frühen Montagmorgen Moskauer Zeit):

All three vessels of the Ukrainian Navy, which violated the Russian border, have been detained in the Black Sea, weapons were used to force them to stop, the Public Relations Center of the Russian Federal Security Service (FSB) reported.
„The Ukrainian Navy’s vessels the Berdyansk, the Nikopol and the Yany Kapu, which violated Russia’s state border this morning, made another attempt of committing illegal activities in Russia’s territorial sea at 19:00 Moscow time on November 25,“ the FSB said. „They did not respond to legitimate demands of the ships and boats of Russia’s FSB Border Guard Service escorting them to stop immediately and made dangerous maneuvers.“ According to the FSB, „weapons were used to force the Ukrainian warships to stop.“

Und als vorerst letzter Nachtrag hier (das dürfte sich am Montag weiterentwickeln…) die Nachricht aus der Ukraine, dass Präsident Petro Poroschenko dem Parlament die Verhängung des Kriegszustands empfiehlt:

(Vorsorglich der Hinweis: Mit dem Begriff Annexion der Krim verwende ich die Diktion des Auswärtigen Amtes; eine – erneute – Debatte darüber ist hier nicht sinnvoll. Ebenso die Bitte, hier nicht die Grenzziehung auf der oben eingebunden Karte von OpenStreetMap zum Thema zu machen – ich weiß, das ist heikel, aber nichts, worauf ich Einfluss hätte.)

(Karte: OpenStreetMap)

71 Gedanken zu „Die Straße von Kertsch als neuer Hotspot Ukraine/Russland (mit Updates)

  1. Mutmaßlich eine weitere Operation zur Erprobung, wie sich der Westen verhält, wenn Russland mal wieder Tatsachen schafft. Schritt, für Schritt, für Schritt.

    Man kann nur hoffen, dass die Ukraine nicht denselben Fehler wie Georgien damals unternimmt, und stattdessen alles unternimmt, eine weitere Eskalation zu vermeiden. Andernfalls ist ein politisch-strategischer Sieg aussichtslos.

  2. Das Hauptproblem ist, dass die Seeverbindung zu den Ukrainischen Häfen, insbesondere Mariupol, mit den auf Export orientierten Stahlwerken, mehrfach von Russland blockiert wurde.

    Das Hauptziel der Ukraine ist das Recht auf freie Seefahrt durchzusetzen.

    Das man im Westen dieses sich immer akuter werdende Problem kaum beachtete, ist ein großer Fehler.

  3. Die Angelegenheit hat unmittelbare ökonomische Auswirkungen auf die Versorgung der Ostukraine bis hin nach DONEZK. Alle Seehäfen westlich (RUS) TAGANROG fallen aus.
    Mit Sperrung des auch im Winter weitgehend eisfreien Seeweges durch das Asowsche Meer bleibt nur der Landweg, eine logistische Vorbereitung des ukrainischen Transportwesens unter demnächst tief winterlichen Bedingungen dürfte nicht gegeben sein. Beeinträchtigt wird ebenfalls der bescheidene Kohleexport aus dem Donez-Becken.
    Alle logistischen Vorteile auf Seiten der Russen, zumal seit Mai die Krimbrücke über die Straße von Kertsch nutzbar ist und den KUBAN unmittelbar mit der KRIM verbindet.
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Krim-Br%C3%BCcke
    Viel unerwartete Arbeit für Heiko Maas im AA: https://t.co/GAhg0JXJOr?amp=1
    Der Fall könnte völkerrechtlich in Hamburg landen: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Internationaler_Seegerichtshof

  4. Die Briten haben vor einigen Tagen angekündigt, ein Forschungsschiff zu entsenden und ihre Ausbildungshilfe fortzusetzen. Sind die betreffenden Boote der Ukrainer diejenigen, die von den USA übergeben wurden?

  5. Russland greift die ukrainischen Schiffe nun an.

    gleiche Quelle

    [Vorsicht bitte und auf eine saubere Quellenlage achten. Es wird nun vermutlich die Debatte losgehen, wer zuerst geschossen hat – und aus der Ferne ist das derzeit kaum zu beurteilen:

    T.W.]

  6. Die Boote werden oder wurden nach nichtoffiziellen ukrainischen Meldungen nun gestürmt.

    @Alex
    es sind 2 Patrouillenboote (ukrainische Neubauten), welche gegen echte Kriegsschiffe oder Flugzeuge chancenlos sind und ein alter Schlepper.

  7. Fraglich, wer zuerst geschossen hat. Fraglich, ob dem verschiedene Eskalationsstufen vorausgingen, zB. Anrufe über Funk, Flaggen, Licht- und Sichtzeichen, und ob Warnschüsse abgegeben wurden, ob zuerst auf das Ruder geschossen wurde, ob es (weitere) Ramm-Manöver gab, etc. pp. Und jeweils: von wem jede neue Stufe ausging. Lagen die Boote an Ort und Stelle? Versuchten sie, auszubrechen? Konnte bei eingesetzter Dunkelheit (*welch’ Zufall*) von den Booten nicht erkannt werden, was es für Hubschrauber sind? Haben RUS Kräfte vor dem Sturm die Waffenwirkung der Boote niedergehalten?

    Und, imho besonders wichtig: Hatten die UKR Kräfte auf den Booten eine Verbindung zur übergeordneten Führung? Oder wurde diese gestört? (was militärisch jedenfalls üblich wäre)

    Russland hat soviele Kräfte vor Ort, dass man alles aus allen Perspektiven im Blick hat. Sollten jene Aufnahmen rechtlich/politisch unangemessen erscheinen, werden diese unter Verschluss bleiben. Und Aufnahmen von Bord der UKR Boote werden, soweit sie von RUS Kräften genommen wurden, vernichtet bzw. anderweitig ebenfalls nicht zur Verfügung stehen.

    Es fällt mir auch schwer anzunehmen, dass Putin und die höchste militärische Führung keine Live-Verbindung zu den Kräften vor Ort hätte … das war schon zur Kuba-Blockade Stand der Technik (und Strategie).

    Welche westlichen bzw. UKR Aufklärungsmittel sind hier vor Ort? Wo befinden sich RUS / westliche U-Boote (mehr eine rhetorische Frage)? Welche Erkenntnisse hat man durch Funk- und Satellitenaufklärung?

    Vermutlich heißt es morgen von russischer Seite „keine Ahnung, wer die grünen Männchen“ auf diesen Booten … und Hubschraubern … und in den Flugzeugen waren. Aber selbst wenn, wir haben nur unser Hoheitsgebiet verteidigt. Und die Reaktion des Westens …nun, man braucht dafür weder Kaffeesatz, noch Glaskugel.

  8. Die Situation köchelt bereits seit einigen Monaten vor sich hin, etwa seitdem Russland im Mai die Kertsch-Brücke eröffnet hat, hat die russische Küstenwache begonnen, Schiffe anzuhalten und zu durchsuchen. Wie bereits von anderen Kommentatoren angesprochen, trifft es vor allem die Häfen von Mariupol und Berdjansk.
    In dem Kontext stehen auch angekündigte Lieferungen ausgemusterter amerikanischer Fregatten (Oliver Hazard Perry-Klasse) und Küstenwachboote:
    https://korrespondent.net/ukraine/politics/4023911-usyliat-vms-kakye-frehaty-ssha-khotiat-dat-ukrayne (auf Russisch)

    Auch dem ukrainischen Wunsch, Patriots zu erwerben, dürfte die Situation Auftrieb gegeben haben.

    Gleichzeitig hat Lawrow explizit die USA vor „freedom of navigation“-Operationen im Asowschen Meer gewarnt.
    https://korrespondent.net/world/russia/4023269-lavrov-rf-ne-pustyt-korably-nato-v-azovskoe-more (auf Russisch)

  9. Die nächsten Tage wird die 2 Runde der US Skripal Hoax Russland Sanktionen in Kraft treten. In der 1 Runde wurden alle Sanktions Ausnahmen verboten, in der 2 Runde sollen die Sanktionen die gegen den Russischen Staat gelten auch für die Russischen Privatwirtschaft gelten. Die EU hat wohl schon beschlossen sich den neuen US Sanktionen anzuschließen. Die Sanktionen gelten auch für Russische Töchter Deutscher Firmen. Der Ukraine Russland Handel kann dann auch nicht mehr mit Devisen oder über Briefkastenfirmen von Ukrainischen Oligarchren im Westen abgewickelt werden.

    Vielleicht deswegen diese Show. Handelsschiffe für Ukrainische Häfen hatte Russland bisher die Durchfahrt gewährt.

  10. Ich halte irgendwelche Feuergefechte oder Enteraktionen für Fake News.
    Außer im Ukrainischen Twitter gibt es dafür bisher keine Bestätigung.
    Bisher sind die Ukrainer ohne Probleme durch die Straße von Kertsch gefahren, wenn sie sich an die von den Russen aufgestellten Regeln hielten. Es handelt sich also um bewußtes Schlagzeilenprovozieren.

  11. Ok, das scheint noch nicht beendet. Nach der Meldung aus Kiew (keine russische Bestätigung bisher), dass die drei ukrainischen Boote geboardet wurden, gibt es jetzt Meldungen, dass offizielle ukrainische Webseiten wie z.B. der Marine nicht erreichbar sind. Das ist alles mit Vorsicht zu sehen und so schnell nicht zu bewerten. Die EU, übrigens, hat Russland aufgerufen, die Freiheit der Schiffahrt in der Straße von Kertsch wieder herzustellen:

  12. @kaengurufan

    „Gleichzeitig hat Lawrow explizit die USA vor „freedom of navigation“-Operationen im Asowschen Meer gewarnt.“

    Ob die Amerikaner sich darauf einlassen werden? Schließlich setzen sie das ggü. China ja auch durch.

    Eigentlich können die USA da nicht stillhalten, höchstens noch ein paar Tage warten.

    Und: stimmt, neu ist das nicht.

    https://jamestown.org/program/ukraine-struggles-retain-presence-azov-sea-plans-new-canal-around-crimea/

  13. Das russische Vorgehen ist sehr gut geplant und hat das Ziel die Ukraine wirtschaftlich weiter unter Druck zu setzen:

    Man hat die Brücke bei Kertsch ohne guten Grund so niedrig gebaut daß keine grossen Schiffe mehr in die ukrainischen Asow-Seehäfen gelangen können. Alle anderen Schiffe werden teilweise wochenlang inspiziert und blockiert um erkennbar mutwillig den Druck zu erhöhen. Das ist eine Seeblockade durch die Hintertür und Putin macht das nicht weil er den Westen testet sondern weil er gesichert durch seine riesige Armee einen unterlegenen Gegner wirtschaftlich in die Knie zwingen will.

    Für die ukrainischen Häfen am Asow-Meer ist das eine finanzielle Katastrophe und für andere Betriebe in der Region eine schwierige Lage da alternative Verkehrsmittel den verlagerten Bedarf nicht decken können.

    Das ganze erfolgt seitens Rußland sehr elegant entlang Grauzonen. Eigentlich ist völkerrechtlich geregelt daß alle Anreiner des schwarzen Meeres freie Fahrt zum Bosporus haben. Aber naja, man baut eine zu niedrige Brücke, macht Bummel-Inspektionen und schon hat man defakto eine Blockade.

  14. Zwischen Saporischschja und Nowa Kachowka gibt’s noch in Energodar Europas größtes Kernkraftwerk. Netter „Beifang“ …

    PS: Für einen Teil der ukrainischen Handelsschiffe ist diese neue Brücke nicht hoch genug, die liegen daher im Asowschen Meer fest.

  15. Hm, ich sehe schon, dass selbst die Fakten hier sehr unterschiedlich wahrgenommen werden (Bisher sind die Ukrainer ohne Probleme durch die Straße von Kertsch gefahren, wenn sie sich an die von den Russen aufgestellten Regeln hielten. vs. Alle anderen Schiffe werden teilweise wochenlang inspiziert und blockiert um erkennbar mutwillig den Druck zu erhöhen.). Ich bitte sehr darum, den auch in dieser Debatte hier absehbaren Konflikt nicht anzuheizen.

  16. Glaubhafte Warnung.
    @russia_watch
    From sources within Russian MoD; „Any attack on Russia from Ukraine or it/s allies will result in a dangerous situation…Russia warns Western allies to not interfere in crimes committed by Ukraine or there will be consequences.“

    https://mobile.twitter.com/russia_watch/status/1066778506804236288/photo/1

    Im Zusammenhang muss der Vertrag von Montreux beachtet werden. Die Aufenthaltsdauer der Schiffe von Nicht-Anrainern im Schwarzen Meer ist auf 21 Tage begrenzt.

    [Wollen Sie mit der Verlinkung des Fotos eines Raketenabschusses von einem Boot ohne jegliche weitere Info dazu eine Nachricht vermitteln, und wenn ja welche? T.W.]

  17. Das hat sich schon vor zwei Wochen abgezeichnet.
    Aber was will man machen, es lohnt sich einfach nicht deswegen einen Krieg anzufangen.
    Zumal das ganz schnell ganz schlimm werden kann.
    Eventuell sollte einfach (beiderseitig öffentlich) anerkannt werden, das die Ukraine russisches Einflussgebiet ist und das das Baltikum zur Nato gehört.
    Ich halte es für unwahrscheinlich, das die russische Führung die renitenten Balten wiederhaben will.
    Vielleicht einfach mal Klartext reden und sich bei der Durchsetzung der eigenen Interessen nicht immer hinter Menschenrechten und Floskeln wie internationalem Recht verstecken. Bei Saudiarabien (gegen die ist das autokratisch kleptokratische Russland ein Hort der Demokratie berechenbar und rational) und deren Krieg im Jemen ist man ja auch nicht so empfindlich. Einfach sagen das ist meins und das ist deins. Ein Puffer aus Weißrussland und der Ukraine ist eigentlich nicht schlecht um Ärger zu vermeiden.
    Für die betroffenen Länder ist das allemal besser, als das auf deren Gebiet ein Stellvertreterkrieg ausgefochten wird.
    Das die Russen empfindlich auf Ausdehnung der Natoeinflusssphäre an ihrer Grenze reagieren, haben die doch schon vor Jahren an den Georgiern nachdrücklich demonstriert, die so blöd waren gegen die unter russischen Schutz stehenden Volksgruppen (winzig, jedes Tal eine andere und durch Blutrache in Feindschaft verbunden, alles keine Unschuldslämmer) vorzugehen.
    Ich war am Jahresanfang in der Ukraine und die Zustände dort sind eine Katastrophe.
    Erstaunlicherweise hat kaum jemand mit dem ich sprach die Russen als Alleinschuldigen ausgemacht. Die Russen (ein Teil der Ukrainer sieht sich sogar als russischstämmig und unterdrückt, ich kann die nicht auseinanderhalten das müssen sehr sehr feingraduierte Unterschiede sein) sind nicht überall beliebt aber die eigene Regierung scheinen die Leute dort lagerübergreifend noch mehr zu verabscheuen.
    Ja nach Landesteil ist die Regierung regelrecht verhasst. Nicht nur im Osten sondern auch bei der ungarischen und rumänischen Minderheit. Die Krim hätten viele allerdings schon ganz gerne wieder.
    Die rücken die Russen aber mit Sicherheit nicht mehr raus.
    Allso kurz gesagt, mehr Realpolitik und weniger Prinzipienreiterrei.

  18. Das Bild ist Teil des tweets, sollte klar sein, ebenso die beabsichtigte Botschaft.
    Der Vollständigkeit halber habe ich diese Propaganda, denn um mehr zur Unterstreichung der Drohung handelt es sich nicht, dran gelassen.
    Einen Lfk-Schuss gab es sicher nicht.

  19. @T.W.: „Wollen Sie mit der Verlinkung des Fotos eines Raketenabschusses von einem Boot ohne jegliche weitere Info dazu eine Nachricht vermitteln, und wenn ja welche?“

    Stellen Sie die Frage @Russia International News:
    https://mobile.twitter.com/russia_watch/status/1066778506804236288

    Also, ja, eine (politische?) Botschaft ist mit dem Bild verbunden. Und ist der Urheber bekannt, wird Inhalt der Botschaft deutlicher.

    Trennung.

    Die Wahrheit ist bereits nach wenigen Stunden nicht mehr klar erkennbar. Von der Wahrnehmung ganz zu schweigen. Entscheidend ist aber (und bleibt), welche Tatsachen hier wieder geschaffen werden. Eine darauf basierende Betrachtung, was zumindest schlüssig erscheint und substantiiert von allen Seiten vorgetragen wird, wäre aber ein guter Anfang, sich der Wahrheit zu nähern.

    Und daneben hoffe ich, dass alle westlichen Militärstrategen fleißig live mitschreiben, wie der Konflikt eskaliert. Als Sicherheitsvorsorge.

    [Das war nicht meine Frage – der entsprechende Link führt erst mal nur auf das Bild, und die Sinnhaftigkeit dieser Art von Verlinkung habe ich infrage gestellt. T.W.]

  20. RT scheint nun die Ereignisse (von dem Russischen Standpunkt aus gesehen) zu bestätigen

    In Kiew fordert Turchynov, ein evangelikaler Falke und Vorsitzender des Sicherheits und Verteidigungsrates das Kriegsrecht.

  21. NATO reagiert
    https://mobile.twitter.com/NATOpress/status/1066796714672222210/photo/1

    [Der besseren Lesbarkeit halber als eingebetteter Tweet – und ich verstehe immer noch nicht, warum Sie beharrlich auf Fotos und nicht auf den Tweet selbst verlinken:

    T.W.]

  22. @Thomas Melber:
    Die Warnung wirkt jedenfalls jetzt deutlich glaubwürdiger oder nicht? Man demonstriert hier an einem weitestgehend wehrlosen Gegner, dass man bei Bedarf auch vor Schusswaffengebrauch und Boarding nicht zurückschreckt.

    Nebenbei: Dieses Video soll den gezielten Rammstoß eines russischen Schiffes gegen einen ukrainischen Marineschlepper zeigen. http://sprotyv.info/ru/news/kiev/rossiyskiy-kater-umyshlenno-protaranil-ukrainskiy-buksir-yani-kapu-video?_utl_t=fb&fbclid=IwAR3qF3h2gTv_oS_-5TuicDtIOU2CkGq3wyqCvsAN-_2wBriaST7dU-a1YuI

  23. @Thomas Melber:
    Und genau vor dem Hintergrund hat Russland jetzt ein eindeutiges Signal gesendet, dass man auch bereit ist, die Situation eskalieren zu lassen.

    Nebenbei: Beide Seiten beginnen bereits, ihre Versionen mit Videos zu untermauern. http://sprotyv.info/ru/news/kiev/rossiyskiy-kater-umyshlenno-protaranil-ukrainskiy-buksir-yani-kapu-video?_utl_t=fb&fbclid=IwAR3qF3h2gTv_oS_-5TuicDtIOU2CkGq3wyqCvsAN-_2wBriaST7dU-a1YuI
    https://tvzvezda.ru/news/vstrane_i_mire/content/201811251738-dv6e.htm

    Erstere Quelle steht den ukrainischen Streitkräften nahe. Im Video (von der Brücke des russischen Bootes) hört man vor dem Zusammenstoß lautes Fluchen. Im deutlich kürzeren Video des russischen Armeesenders Zvezda hört man nur Meeresrauschen und der Zusammenstoß sowie die Tatsache, dass der ukrainische Schlepper zu dem Zeitpunkt quasi keine Fahrt macht, sind rausgeschnitten.

  24. @kaengurufan

    Ich bin kein „Marinierter“, es sieht aber für mich so aus, daß RUS bewußt die Kiellinie des UKR Verbandes gekreuzt hat, wohlwissend, daß es beinahe unweigerlich zu einer Kollision kommen muß, auch wenn UKR Boote ausweichen – dafür war deren Abstand zu gering, und das hat der RUS Kommandant auch erkennen können.

    Wäre das UKR Boot nicht abgedreht hätte das RUS Schiff es einfach über den Haufen gefahren.

  25. Poroschenko kündigt gerade, live im TV, für Morgen Abstimmung über eine erstmal 60 tägige Einführung des Kriegsrechtes an, eine Teilmobilmachung (Einziehen von Reservisten der 1 Kategorie) soll durchgeführt werden.

  26. Für Interessierte eine Reportage des Deutschlandfunks aus Mitte September zu eben jener russischen Strategie u.a. die ukrainische Industrie in Mariupol durch eine defakto- Blockade empfindlich zu stören:
    https://www.deutschlandfunk.de/russland-und-die-ukraine-zuspitzung-am-asowschen-meer.724.de.html?dram:article_id=428499

    Soviel zu „Bisher sind die Ukrainer ohne Probleme durch die Straße von Kertsch gefahren, wenn sie sich an die von den Russen aufgestellten Regeln hielten“

  27. Um IWF Auflagen zu erfüllen muss die Ukraine die Subvention für Gas einstellen. Tausende können sich keine Heizung leisten. Ab 1. Nov ist der Preis 23% hoch gegangen. Es gibt schon angezündete Reifenstapel. Der Poroschenko braucht das Kriegsrecht um über den Winter zu kommen. Das Geplänkel ist da nur ein Vorwand. Mal als Beispiel ein Link:

    https://www.reuters.com/article/us-ukraine-imf-gas/ukraine-secures-new-39-billion-imf-deal-after-gas-price-hike-idUSKCN1MT2J6

  28. @all

    Eine Bitte: Der Versuch, die Straße von Kertsch mit dem Bosporus gleichzusetzen und den Montreux-Vertrag immer wieder dazu zu zitieren, halte ich für, zurückhaltend gesagt, problematisch. Das unterstellt nämlich, dass diese Meerenge zum Territorium eines Landes gehört, mit anderen Worten: Das erkennt den russischen Anspruch auf die Krim an. Wer will, kann natürlich der Meinung sein, aber diese Hintenrum-Geschichte ist nicht besonders zielführend.

  29. Der Eingang zum Asowschen Meer war schon vor dem Brückenbau nur durch eine enge Fahrrinne möglich und es bildeten sich regelmäßig Schlangen.
    „Freedom of Navigation“ ist da heutzutage aus technischen Gründen nicht möglich, da die Brücke nur einen Spielraum von 35 Metern zuläßt.
    Anscheinend haben sie die Ukrainer bisher daran gehalten, die Passage anzumelden. Gestern kamen diese Boote dann einfach angefahren ohne sich „anzustellen“. Daß da irgendeine Reaktion der Russen erfolgen würde, war wohl allen Seiten klar.

  30. Herr Wiegold, Sie können mir durchaus zutrauen, dass ich Kertsch NICHT unter Montreux/ Meerengen-Vertrag subsummiere. Aber, er begrenzt die evtl. mil Hilfeleistung selbst logistischer Natur durch Nicht-Anrainer, auf 21 Tage Stehzeit und Tonnagelimitierung im Schwarzen Meer.
    Ganz nebenbei, künftiges Thema, 2023 läuft der Vertrag nach 100 Jahren aus!

  31. @JCR | 26. November 2018 – 10:49

    Anscheinend haben sie die Ukrainer bisher daran gehalten, die Passage anzumelden. Gestern kamen diese Boote dann einfach angefahren ohne sich „anzustellen“. Daß da irgendeine Reaktion der Russen erfolgen würde, war wohl allen Seiten klar.

    Gibt es dafür eine Quelle?

    Die Gegenansicht gibt es von Ukraine Crisis Media Center:

    Around 8:30 a.m.

    […] Russian dispatchers continue to ignore Ukrainian navy messages,trying tonotify on the planned passing through the Kerch strait.

    4:07 a.m. Ukrainian navy intercepts conversation of a dispatcher of “Kerch” port informing the Russian navy ship “Suzdalets” onUkrainian navy ships in the strait. “Kerch” and “Kavkaz” ports continue to totallyignore Ukrainian navy requests in the radio wave.

    3:58 a.m. According to international rules ofthesea navigation safety, small armored artillery boat of Ukrainian navy “Berdyansk” is calling the coastal post of the Russian FSBborder guards, as well as ports “Kerch” and “Kavkaz”dispatchersand informs about its intent to pass the Kerch strait. It receives no answer.

    http://uacrisis.org/69801-russland-greift-im-asowschen-meer-ist-bekannt-live

  32. @Holger: Mit den Problemen der Ukraine haben Sie sicher recht. Allerdings ist das nur die halbe Wahrheit. Ehrlicherweise sollten Sie hier auch die Probleme Russlands und speziell Putins ebenso anführen, schließlich hat seine Rentenreform für viel Ärger gesorgt. Die Stimmung ist schlecht auch wenn die Proteste abgeflaut sind und zudem bleibt der Wachstumstrend in Russland äußerst dünn. Immerhin ist effektive Rentenkürzung durch nackte Not erzwungen, sonst wäre sie nicht so konsequent durchgezogen worden. Kurz: Putin ist mindestens ebenso sehr auf eine Eskalation zur Ablenkung von der alltäglichen Misere angewiesen wie die Poroschenko – was die Sache ja eher noch gefährlicher macht.

  33. Ich hätte da Mal eine Frage an die Seeleute unter den Foristen. Die lichte Höhe der Brücke liegt bei 33 m und das Asowsche Meer ist (laut Wikipedia) nur maximal 14 m tief. Sind die allermeisten Schiffe, die jetzt durch die Brücke behindert werden nicht auch vorher schon durch die Meerestiefe gehindert gewesen? Klar, man kann einen hohen Segler auf Katamaran bauen oder ein Kreuzfahrtschiff – die vorher gekonnt hätten, aber jetzt nicht mehr. Kurz, wie schätzen Sie den Einfluss auf die allgemeine Schifffahrt durch die Brücke ein? Und was für Schiffe sind das, die jetzt nicht mehr aus dem Asowschen Meer herauskommen – so es sie denn gibt?

    Soweit ich das sehe, sind die Russen wegen der Brücke sehr empfindlich, da sie Sabotage befürchten. Wohl auch nicht ganz unbegründet, wenn man etwa die unbestrittene Sprengung der Hochspannungsmasten der Stromleitungen zur Krim in Betracht zieht. Folglich werden die auf jedes Schiff, dass sich einer Brückenstelze nähert, sehr allergisch reagieren, notfalls eben durch Rammen. Ich meine, die Rules of Engagement wurden diesbezüglich deutlich gemacht.

  34. @Zivi a.D.
    Sie haben sicher Recht dass Putin auch einigen Ärger zu verstecken hätte. In der Ukraine ist die Lage aber ungleich schwieriger. Zumal im nächsten Jahr Wahlen sein sollen.
    In der Uraine zerreissen sich ja offenbar schon wieder einige das Hemde vor der Brust und wollen fürs Vaterland abkratzen. Ich hoffe aber dass die Ukrainer ihre Böötchen und die Leute zurück kriegen und für alle die Wogen wieder geglättet werden. Wenn die Russen noch was gutes tun wollen machen sie ihnen noch ein preiswertes Angebot für Gas. Nur die Ukrainer haben erst mal Kriegsrecht. Ich schätze das war das ganze Ziel der Aktion.

  35. Die ersten echten Test im Baltikum sind auch nur eine Frage der Zeit. Russland ist konventionell in Europa überlegen und nutzt dies konsequent aus um die eigenen Interessen durchzusetzen. Die europäischen „soft powers“ schauen hilflos zu und hoffen auf die Amerikaner.

  36. Vergessen? Das Abkommen zwischen der russischen Föderation und der Ukraine über die beiderseitige Nutzung der Straße von KERTSCH, aus 2003, also noch vor dem Maidan-Prozess und der Krim-Annexion.
    Kommentierung des RUß AA von 2009.
    http://www.mid.ru/de/kommentarii/-/asset_publisher/2MrVt3CzL5sw/content/id/285734
    U.a.: „Der Vertrag über die russisch-ukrainische Staatsgrenze von 2003 sieht vor, dass die Staatsgrenze zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine von der Stelle, wo die Staatsgrenzen der Russischen Föderation, der Ukraine und der Republik Weißrussland zusammenlaufen bis zum Punkt, der am Ufer des Golfs von Taganrog liegt, verläuft. Eine andere Linie der Staatsgrenze – weder auf dem Land noch auf dem Meer –  legt dieser Vertrag nicht fest“.
    Zu beachten:
    „Den Vertrag zwischen Russland und der Ukraine über die Zusammenarbeit bei der Nutzung des Asowschen Meeres und der Straße von Kertsch hatten Wladimir Putin und Leonid Kutschma bei ihrem Treffen am 24. Dezember 2003 in Kertsch unterzeichnet. 
    Laut diesem Vertrag sind das Asowsche Meer und die Straße von Kertsch Binnengewässer der Ukraine und Russlands.
    Dabei wird das Asowsche Meer durch die Linie der Staatsgrenze getrennt, und die Straße von Kertsch wird entsprechend der beiderseitigen Vereinbarung genutzt“. 
    http://www.russland.news/rukurz0012/morenews.php?iditem=2182
    Dilemma: Die Ukraine von 2003 entspricht de facto hinsichtlich der Grenzen nicht nicht derjenigen von heute.
    Die Maße der Krim-Brücke begrenzt in der Durchfahrt die nutzbare Höhe auf 33m. Viele UKR Transporte können damit die Kertsch-Enge nicht passieren, clever.
    Oder, hybride Seekriegsführung, Infrastruktur als Mittel der Strategie. Die haben’s einfach drauf!

  37. Kleine Anekdote der aktuellen Entwicklung:

    Kriege mussten schon oft wegen Schlechtwetter verschoben oder unterbrochen werden.
    Nunmehr gilt dies vielleicht auch mal schon für die bloße Erklärung des Kriegszustandes:

    Amazing. @radiosvoboda reporter says there may not be enough support to pass martial law bill because there aren’t enough MPs currently in parliament. Many having trouble getting there because of snowy weather. (If only the roads were better cleared, eh?)

    https://twitter.com/ChristopherJM/status/1067053926606876672

    ;-)

  38. @justanick

    33m Brücke sind schon etwas wenig. Selbst bei einem Frachter mit 10m Tiefgang wird das eng bis wird nichts. Und vorher konnte dort wohl Panamax Klasse fahren (12m Tiefgang, ~55m hoch), dass hat sich dann gleich völlig erledigt.

Kommentare sind geschlossen.