Bundeswehr und Social Media: Viel Nachwuchswerbung, sonst zurückhaltend

Die Bundeswehr und das Verteidigungsministerium sind in den sozialen Medien wie Facebook und YouTube, gemessen an ihrem Umfang und im Vergleich zu anderen Ressorts der Bundesregierung, recht zurückhaltend vertreten. Ein Großteil der Accounts auf solchen Plattformen dient zudem der Nachwuchswerbung und nicht der Informationsarbeit – und sowohl die Auslandseinsätze als auch die Teilstreitkräfte, Organisationsbereiche und Einheiten tauchen dort gar nicht erst auf.

Das geht aus der Antwort der Bundesregierung (Bundestagsdrucksache 19/4796) auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion hervor. Darin sind für alle Ministerien samt ihrem nachgeordneten Bereich die Auftritte in sozialen Medien einzeln aufgelistet. Für das Verteidigungsministerium sieht das so aus (mit dem Hinweis: Social Media-Profile, die außerhalb der Auflistung existieren, sind keine offiziellen Profile der Bundeswehr. Darunter fallen beispielsweise private Auftritte von Angehörigen oder Einheiten der Bundeswehr):

Facebook „Bundeswehr“
Facebook „Bundeswehr Karriere“
Facebook „Bundeswehr Exclusive“
Facebook „Radio Andernach / bwtv“
Facebook 16 regionale Facebook-Seiten („Die Bundeswehr in Bayern“;
Die Bundeswehr in Berlin“ etc.)
Facebook „Militärhistorisches Museum der Bundeswehr – MHM Dresden“
Facebook „Militärhistorisches Museum der Bundeswehr – Flugplatz Berlin Gatow“
Facebook „Universitäten der Bundeswehr Hamburg“
Facebook „Universitäten der Bundeswehr München“
Instagram „Bundeswehr“
Instagram „Bundeswehr Karriere“
Instagram „Bundeswehr Exclusive“
YouTube „Bundeswehr“
YouTube „Bundeswehr Exclusive“
Snapchat „BundeswehrJobs“
Twitter „Bundeswehr“

Ein genauerer Blick zeigt: Der Information dienen in erster Linie der Facebook-Auftritt von Bundeswehr, ihren Landeskommandos, dem Militärhistorischen Museum und den Bundeswehr-Universitäten. Die übrigen Facebook-Accounts sind inhaltlich eher der Nachwuchswerbung zuzuordnen. Eine Besonderheit ist der Auftritt des Betreuungssenders Radio Andernach, der sich primär an Soldaten und deren Angehörige richtet.

Ähnlich sieht es bei YouTube und Instagram aus:  Zwar bedienen die als allgemeine Bundeswehr-Accounts gekennzeichneten Auftritte das allgemeine Informationsinteresse. Die mit den Begriffen Karriere oder BundeswehrJobs bezeichneten Kanäle dienen jedoch allein der Nachwuchswerbung; auf Snapchat gibt es nur einen Kanal ausschließlich dafür.

Der Twitter-Account @bundeswehrinfo wiederum gibt lediglich Hinweise auf neu eingestellte Texte auf den Internetseiten der Bundeswehr und wird nicht als interaktiver Account betrieben.

Auffällig ist, dass keine Teilstreitkraft und kein Organisationsbereich – weder Heer, Luftwaffe, Marine, Streitkräftebasis, Sanitätsdienst, Cyber- und Informationsraum – mit eigenen Auftritten in den sozialen Medien vertreten ist.

Auch fehlen Auslandseinsätze völlig: So ist beispielsweise das unter deutscher Führung stehende NATO-Bataillon der enhanced Forward Presence (eFP) in Litauen die einzige der vier eFP-Battle Groups ohne eine eigene Facebook-Präsenz (die Bataillone in Estland, Lettland und Polen, unter Führung einer anderer NATO-Nation, haben dagegen jeweils ihren eigenen Auftritt).

Den großen Gegensatz dazu bietet das Auswärtige Amt: In der Auflistung wird fast jede Botschaft und jedes Konsulat mit einem eigenen Facebook-Auftritt genannt, hinzu kommen Auftritte in den anderen sozialen Medien – wohlgemerkt zusätzlich zu den Accounts des Ministeriums, das allein 16 Twitter-Accounts auf Deutsch und Englisch beschickt. Minister Heiko Maas ist mit seinem Facebook- und Twitter-Auftritt da noch nicht mal mitgezählt.

Nachtrag: Was mir gerade auffällt: Den Flickr-Account haben die doch in der Liste glatt vergessen.

(Foto: Screenshot der Bundeswehr-Seite auf Facebook)

20 Gedanken zu „Bundeswehr und Social Media: Viel Nachwuchswerbung, sonst zurückhaltend

  1. In der Tat „Auffällig ist, dass keine Teilstreitkraft und kein Organisationsbereich – weder Heer, Luftwaffe, Marine, Streitkräftebasis, Sanitätsdienst, Cyber- und Informationsraum – mit eigenen Auftritten in den sozialen Medien vertreten ist“.
    Ein Blick zu NATO-Partnern, auch kleinen zeigt, dort wird der mediale Raum intensiv beackert.
    Beispiel, in den NLD sind die Brig bei „twitter“ aktiv. Chance direkter Ansprache Interessierter, hier: https://mobile.twitter.com/11Luchtmobiel .
    Einzige NLD LLBrig. Hat dies andere Gebaren mit (fehlendem) Vertrauen in den unterstellten Bereich zu tun, trotz „Auftragstaktik“?

  2. Die Bundeswehr betreibt Kanäle auf Facebook, Youtube, Instagramm, Twitter, Snapchat, Google+, Flickr, Xing, und kununu.

    Und dies bindet alles Personal, das leider nicht in ausreichender Anzahl vorhanden ist. Und „Facebook Regional“ bindet Personal ständig über die rahmenarbeitszeit hinaus – auch am Wochenende.

    Hier müsste isngesamt ein strategisches Ziel formuliert und auch mit Personal (DP) und Material hinterlegt werden.

  3. Der entscheidende Punkt wurden leider gar nicht abgefragt: Nämlich welche Reichweite die Social Media Aktivitäten haben.

    Und wenn man exemplarisch die Youtube-Klicks von „Bundeswehr“ mit „Bundesministerium des Innern“ oder „Auswärtiges Amt“ vergleicht, dann liegt die Bundeswehr ganz weit vorn.

    Selbst bei der expliziten Online-Kampagne „Stark für dich. Stark für Deutschland.“ des BMI kommen die Videos kaum über 5000 Klicks (ausgenommen ein THW-Beitrag).
    Videos mit nur vierstelligen Klick-Zahlen sind bei der Bundeswehr dagegen die absolute Ausnahme. Natürlich, da ist viel „Boah, geil, Bundeswehr“ dabei und wenig Sicherheitspolitik, aber warum soll es beim Bw-Youtube-Kanal anders sein, als in der allgemeinen deutschen Presselandschaft? (Das mit der wenigen Sicherheitspolitik, nicht mit Boah, geil, Bundeswehr. ;-) )

    Ein paar Links:
    https://www.youtube.com/channel/UCEj9_d1bBphisn1KSv96TZA/videos (BMI)
    https://www.youtube.com/user/AuswaertigesAmtDE/videos
    https://www.youtube.com/user/Bundeswehr/videos

  4. @Klaus-Peter Kaikowsky | 16. Oktober 2018 – 17:12
    „Hat dies andere Gebaren mit (fehlendem) Vertrauen in den unterstellten Bereich zu tun, trotz „Auftragstaktik“?“

    Jepp. Leider :(

    @Zapfenstreich | 16. Oktober 2018 – 17:33
    „Die Bundeswehr betreibt Kanäle auf Facebook, Youtube, Instagramm, Twitter, Snapchat, Google+, Flickr, Xing, und kununu.“

    Außer kununu (kein eigener Kanal) sind das alles mit DP hinterlegte Auftritte. Die „großen“ durch „Hauptamtliche“ bei Pr/InfoSt, RedBw und BAPersBw. Die „kleinen“ nebenamtlich, aber insofern auch DP-hinterlegt weil ja ÖA ausdrückliche Aufgabe der LKdo ist. Wenn man das hinterfragt, dann muss man die Sinnhaftigkeit des einen oder anderen LKdo komplett hinterfragen.

  5. @K.B. | 16. Oktober 2018 – 20:11
    „Der entscheidende Punkt wurden leider gar nicht abgefragt: Nämlich welche Reichweite die Social Media Aktivitäten haben.

    Und wenn man exemplarisch die Youtube-Klicks von „Bundeswehr“ mit „Bundesministerium des Innern“ oder „Auswärtiges Amt“ vergleicht, dann liegt die Bundeswehr ganz weit vorn.“

    Guter Punkt und das sowohl bei Kanälen in die viel Werbegeld gesteckt wird (Nachwuchsgewinnung), als auch bei den Kanälen, die sich selbst „tragen“ müssen (ÖA Auftritte).

  6. Entschuldigung, aber das halte ich für eine zu oberflächliche Analyse. Was Informationsgehalt, Produktionswert und Reichweite bei den relevanten Zielgruppen anbelangt, sehe ich die Bundeswehr ganz klar sehr weit vorne – und das durchaus weltweit. Das zeigen auch – es wurde schon erwähnt – die hohen Klickzahlen.

    Den Grund hierfür sehe ich gerade in der nicht vorgenommenen Aufteilung in kleine und Kleinstkonten. Die Bundeswehr kann durch das auf wenige Auftritte gebündelte Informationsangebot die dort vorhandene große Basis an Followern auch auf „Nischenthemen“ aufmerksam machen, die auf sich gestellt einfach im Netz untergingen.

    Dass die Bundeswehr auf Twitter erst seit kurzem und auch nur sparsam aktiv ist, ist sicherlich auch der Tatsache geschuldet, dass dieser Dienst in deutschland doch eher im Schatten von Facebook, YouTube und Instagram steht. Außerdem passen Kurznachrichten nicht zu den hochinformativen und aufwändig produzierten Inhalten, die die Webpräsenz der Bundeswehr sonst auszeichnen. Ich vermute, die Social-Media-Strategie der Bundswehr umfasst eher den Aufbau und Erhalt einer echten Community als den Abwurf sozialmedialer Streubomben auf das Internet.

  7. @koffer

    „Außer kununu (kein eigener Kanal) sind das alles mit DP hinterlegte Auftritte. Die „großen“ durch „Hauptamtliche“ bei Pr/InfoSt, RedBw und BAPersBw. Die „kleinen“ nebenamtlich, aber insofern auch DP-hinterlegt weil ja ÖA ausdrückliche Aufgabe der LKdo ist. Wenn man das hinterfragt, dann muss man die Sinnhaftigkeit des einen oder anderen LKdo komplett hinterfragen.“

    Gerade die Nebenamtlichkeit hatte aber leider zu einigem Unmut in den Landeskommandos geführt, weil man die dortigen Kolleginnen, Kollegen, Soldatinnen und Soldaten nicht richtig mitgenommen hatte. Wenn man aus einem Regeldienst von Montag bis Freitag plötzlich einen Dienst von Montag bis Sonntag, auch abends, im Nebenamt einführt, dann ist das eine wesentliche Änderung. Hier hätte eine ensprechende zusätzliche personelle Ausstattung – besonders der „kleinen“ Landeskommandos – besser funktioniert. Bis heute klappt dies nur, weil teilweise Personen auf DPäK sitzen und junges Personal neu eingestellt wurde.

    Zurück zum Kern der Kritik des Artikels:

    Die großen Kommandos haben nach wie vor keinen Auftritt in den derzeit wichtigsten sozialen Medien. Vielleicht liegt dies daran, dass so ein Auftritt tatsächlich Kräfte bindet ;-)

  8. Nur kleiner Hinweis zum Thema Klicks insb auf YouTube: es bringt wenig, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Hauptkanäle des Auswärtigen Amts sind in Deutschland Twitter und Facebook, YouTube ist reine Nische. Auch kleiner Fun fact: die BW/BMVg hat for die letzte YouTube Kampagne zu dem Einsatz in Mali allein 6 Mio Euro ausgegeben. Das gesamte weltweite Social Media Budget des Auswärtigen Amts für über 350 Kanäle liegt dagegen im unteren fünfstelligen Bereich pro Jahr, einzelne Kampagnen liegen teilweise im unteren dreistelligen Bereich.

  9. Ron | 17. Oktober 2018 – 11:08

    @Gastkommentator:
    Die Bundeswehr ist seit 2010 bei Twitter, so kurzzeitig ist das nicht.

    … mal davon abgesehen gehört Twitter bei jedem ernstzunehmenden Social Media Mix einfach dazu – auch in Deutschland. Es gibt so gut wie keine Marke, die dort nicht vetreten ist. Der Laie mag sich von auf den ersten Blick geringeren Followerzahlen als bei anderen Plattformen täuschen lassen – der Kenner/Profi weiß: Hier sind die Multiplikatoren, die Kommunikatoren und Nachrichtenmacher unterwegs.

    Da genügen vermeintlich kleine Zahlen, um schnell zu streuen (um mal den unzweckmäßigen Streubomben-Vergleich aufs Korn zu nehmen). Man schaue sich einfach mal die Fallstudie zur Polizei München und den Amoklauf in München an, um etwas über die Mechaniken dort zu lernen …

  10. Nur ein paar kurze Infos zur „Klarstellung“.

    Die regionale Facebook-Kanäle der Bundeswehr sind nicht die Kanäle der entspr. Landeskommandos (LKdo). Die Kanäle werden durch das hauptamtliche Personal der Informationsarbeit im Sinne der Auftragstaktik betrieben.

    Anbieter ist BMVg PrInfoSt, Verantworltich im Sinn des Presserechtes PIZ SKB, redaktionelle Bearbeitung: LKdo ###.

    Alle TSK/OrgBer dürfen und sollen regionalen Content zuliefern, wenn sie diese Kanäle nutzen wollen. Welche TSK-spezfischen Regelungen gelten ist in der A-1/600/5-1 Die regionalen Facebook Kanäle der Bundeswehr – aufgeführt.

    Ja, das Communitymanagement bindet Personal. Socialmedia ohne CM ist für eine Institution wie unsere unverantwortlich. Das CM findet außerhalb der Kernarbeitszeit zentral statt (Nord und Süd), um Ressourcen zu sparen. Das CM wird eindeutig durch die A600/5 gefordert.

    Ich beantworte gerne alle Fragen diesbezüglich.

  11. Zunächst einmal möchte ich dem Gastkommentator sowie K.B. zustimmen, dass der Informationsgehalt und die Reichweite bei so einer Analyse keinesfalls außer Acht gelassen werden dürfen. Auch ich sehe die Bundeswehr in diesen Bereichen ganz klar sehr weit vorne.

    Die Aussage „Ein Großteil der Accounts auf solchen Plattformen dient zudem der Nachwuchswerbung und nicht der Informationsarbeit …“ ist nicht korrekt. Allein von den 24 Facebook-Auftritten dienen (Besonderheit Radio Andernach mal rausgenommen) 21 in erster Linie der Information.
    Diese sind der Facebook-Auftritt von der Bundeswehr, die 16 regionalen Facebook-Auftritte, sowie die Auftritte des Militärhistorischen Museums (MHM + Gatow) und der Bundeswehr-Universitäten.

    Die 16 regionalen Facebook-Auftritte („Die Bundeswehr in Bayern“, „Die Bundeswehr in Berlin“ etc.) sind keine Auftritte der Landeskommandos. Diese werden zwar durch das hauptamtliche Personal der Informationsarbeit der Landeskommandos bzw. des Kommandos Territoriale Aufgaben der Bundeswehr redaktionell betrieben, stehen aber teilstreitkraft- sowie organisationsbereichsübergreifend ALLEN Dienststellen der Bundeswehr in dem jeweiligen Bundesland zur Verfügung: Sowohl als Informations-Plattform, zur Darstellung der Bw-Themen als auch für den Dialog zur Bevölkerung.

    Man hat sich ganz bewusst gegen Auftritte der einzelnen Teilstreitkräfte entschieden, da alle Themen, Teilstreitkräfte, Organisationsbereiche und Einheiten auf den bereits vorhandenen Kanälen entweder überregional oder nach regionaler Zugehörigkeit ausgespielt werden können – und auch ausgespielt werden.

    Übrigens auch Auslandseinsätze sind regelmäßig Thema. Erst am 4. Oktober gab es beispielsweise auf dem Facebook-Auftritt „Die Bundeswehr im Saarland“ einen Beitrag über „Teckel 3“, die jüngste Aufklärungsoperation auf der Nigerinsel Goussouri, südlich von GAO.

    [Ich habe ja nicht gesagt, das Auslandseinsätze kein Thema sind – sondern dass sie keinen eigenen social media-Auftritt haben. Bei den NATO-Battlegroups im Baltikum und in Polen besonders auffällig, weil die Battlegroups unter Führung anderer Nationen präsent sind. T.W.]

  12. @Gastkommentator

    Das ist grundsätzlich richtig, aber:
    Bis vor einigen Monaten (seit 2010) wurden über den Twitter-Kanal lediglich Artikel der Webpräsenzen der OrgBer – bereitgestellt durch deren RSS-Feed, ausgespielt. Daher auch der tolle Name: @bundeswehrinfo ;-)

    Mittlerweile werden dort auch SoMe-Posts publiziert.

  13. Zur Einordnung der Kanäle haben Jan Portugall und Beate Schöne alles gesagt. Gegenfrage an den Autor: Wo wäre der Nährwert, über die bereits vorhandenen Kanäle noch weitere für die Auslandeinsätze zu pflegen? Warum mehrfache Berichterstattung über die gleichen Themen? Dann wäre zu Recht Kritik an überflüssiger Vernichtung von Ressourcen fällig.

  14. Interessante Diskussion, und vielen Dank an Jan und Beate, dass Ihr hier die Fahne Eures Arbeitgebers hochhaltet. Dennoch ein Impuls: Verwechselt nicht die Karte mit dem Gebiet, sprich, die durchaus erfreulichen Zahlen mit den kommunikativen Anforderungen in der Fläche. Die befriedigt ihr nämlich nicht mit der Zentralredaktion.

    Glaubt Ihr nicht? Dann sage ich mal: Moorbrand. Der unerträgliche Dilettantismus ist es, der das Bild der Bundeswehr in der Öffentlichkeit prägt. Daran ändert sich auch nichts, wenn die Inhalte noch so hochwertig produziert werden, denn es fehlt die Substanz abseits des Hochglanz.

    Wirklich fatal ist die Einschätzung, dass die TSKen und Standorte (oder auch Truppengattungen) keine eigene Präsenz brauchen. Jeder, der sich nur 5 Minuten damit befasst, wie sich soldatische Identität ausprägt, muss einfach wissen, dass eine wesentliche Identifikation über die Truppengattung erfolgt. Das zeigen nicht zuletzt die erfolgreichen Miniserien über Springer und Gebirgsjäger.

    Und abschließend der Gesamtblick: Put your money where your mouth is. Wer den sicherheitspolitischen Diskurs befördern will, muss da Knete rein stecken.

  15. @Sascha Stoltenow  
    „Wirklich fatal ist die Einschätzung, dass die TSKen und Standorte (oder auch Truppengattungen) keine eigene Präsenz brauchen“.
    Exakt so ist es, Ergänzung: Standorte sicher nicht, die TSK und m.E. wichtiger, die TrGtg. Junge Bewerber, die sich verpflichten wollen, suchen Bilder. Über Marine und auch noch Lw s grünt das vergleichsweise einfach. Bilder/Informatioen zur GF ein Eutofighter, fasst fertig. Das Riesen Angebot an TrGtg muss sich darstellen können. Zum Heer will, geht zur Instandsetzung, zur Infanterie oder will Panzerpionier werden und muss „sich finden“.
    Weshalb bleibt die Deutschen eigentlich einzige Streitkraft, die sich des entsprechenden Instrumentariums entsagen? Ich hatte es oben eingangs dargestellt, die NLD Gesamtstreitkräfte von ~ 45.000 leisten sich eigenständige Auftritte der Brigaden. Nebenbei, seit letzter Woche sukzessive beginnend, eigene „Werbebüros“ in ihren Hauptstandorten, geöffnet 16:30 – 22:00.

  16. Durch die Zentralisierung der gesamten Präsenz im öffentlichen Raum auf das Ressort des Beauftragten für die Arbeitgebermarke Bundeswehr (ich glaube so heißt es) haben wir eine gewisse Einheitlichkeit und in vielen Bereichen auch erheblich an Professionalität gewonnen. Das hat uns und der Wahrnehmung im öffentlichen Raum sehr gut getan.

    Jetzt ist es meiner Meinung nach aber an der Zeit, diese Expertise in die Truppe zu spielen und z.B. für das Heer, den Brigaden mehr Freiheiten einzuräumen. Hier sitzt das hauptamtliche Pressepersonal auf der untersten Ebene (Bataillon nur im Nebenamt) und nach meiner Einschätzung arbeiten hier viele gute Leute mit einer Menge guter Ideen.

    Ich denke jeder BrigKdr ist in der Lage abzuschätzen, ob der Content der z.B. auf der Facebookpräsenz seiner Brigade geteilt werden würde, gut oder schlecht ist.

    Gerade mit Blick auf die sich abzeichnende schlechter werdende Nachwuchslage und den Rückgang unserer FWD’s müssen wir mit dem, was die Jungs und Mädels interessiert, in den sozialen Medien vertreten sein.
    Natürlich findet man Beiträge über z.B. die Gebirgsjäger auf der FB-Seite der Bw oder „Die Bundeswehr in Bayern“, aber da muss man ja suchen und das will der „Kunde“ nicht.
    Der „Kunde“ will Facebook.de/Gebirgsjäger ansurfen und will Bilder von Bergen und Gebirgssoldaten sehen.

    Das können unsere Presseoffiziere und deren Teams…da bin ich mir zu 100% sicher.
    Und sie haben dafür auch die Zeit!

    Also gebt ihnen mehr Freiheiten.

    „Am Ende muss der Wurm dem Fisch schmecken, nicht dem Angler!“

  17. @DiplomAAt | 17. Oktober 2018 – 10:59
    „Auch kleiner Fun fact: die BW/BMVg hat for die letzte YouTube Kampagne zu dem Einsatz in Mali allein 6 Mio Euro ausgegeben. Das gesamte weltweite Social Media Budget des Auswärtigen Amts für über 350 Kanäle liegt dagegen im unteren fünfstelligen Bereich pro Jahr, einzelne Kampagnen liegen teilweise im unteren dreistelligen Bereich.“

    Sorry, aber jetzt machen Sie einen inhaltlichen Fehler und vergleichen Äpfel mit Birnen.

    Die insgesamt fast 35 Mio (ich glaube das ist die Zahl) für Nachwuchswerbung (und dazu gehört auch die YouTube Serie Mali zzgl. der flankierenden Maßnahmen) dienen den Zahlen der Auftritte des Personalmarketings.

    In der Tat wäre es hier unfair diese Zahlen mit denen z.B. des AA zu vergleichen.

    Man könnte bösartig sagen hier wird teilweise Reichweite „erkauft“. Dies wäre sicherlich eine im Ergebnis unzutreffende Bewertung, denn wenn der „Content“ nicht stimmen würde, dann wären die phantastischen Zahlen der letzten Jahre trotzdem nicht zustande gekommen.

    Aber was Sie meinen sind die ÖA Auftritte und die haben alle zusammen nicht soviel Finanzvolumen zur Verfügung wie alleine die Mali Kampagne.

    @Aus der Truppe | 18. Oktober 2018 – 20:46
    „Durch die Zentralisierung der gesamten Präsenz im öffentlichen Raum auf das Ressort des Beauftragten für die Arbeitgebermarke Bundeswehr (ich glaube so heißt es) haben wir eine gewisse Einheitlichkeit und in vielen Bereichen auch erheblich an Professionalität gewonnen. Das hat uns und der Wahrnehmung im öffentlichen Raum sehr gut getan.“

    Der Beauftragte (Pr-/InfoStab 3) und sein „nachgeordneter Bereich“ (Personalwerbung im BAPersBw und den KarrC) ist ausschließlich für die Auftritte des Personalmarketings zuständig.

    Alle anderen Auftritte laufen durch die normalen Bereich der ÖA (ich glaube das ist Pr-/InfoStab 2) bzw. des „nachgeordneten“ Bereichs (also RedBw), bzw. bei den LKdo s.o.

    Einfache Unterscheidung: Personalmarketing hat ein EK auf blauem Grund und grünes Polygon-Flecktarn sowie kein Motto oder max „Mach was wirklich zählt“. ÖA hingegen hat ein EK mit „Wir.Dienen.Deutschland“ und normalerweise blau auf weißem Grund (es gibt Ausnahmen).

    „Ich denke jeder BrigKdr ist in der Lage abzuschätzen, ob der Content der z.B. auf der Facebookpräsenz seiner Brigade geteilt werden würde, gut oder schlecht ist.“

    Hier bin ich aber im Ergebnis bei Ihnen! Die ÖA (sic! muss in die Breite gehen.

    Nicht aber die Personalwerbung, die muss weiter aus einem Guss und aus einer Hand sein. Bzw. wo zwingend zu regionalisieren, da aber unter Fachaufsicht.

    „Das können unsere Presseoffiziere und deren Teams…da bin ich mir zu 100% sicher.
    Und sie haben dafür auch die Zeit!“

    Jepp und wenn sie es noch nicht können, dann muss man sie halt qualifizieren!

    Aber wie gesagt: ÖA, nicht Nachwuchswerbung. Presseoffiziere haben nichts mit Nachwuchswerbung zu tun!

    „Am Ende muss der Wurm dem Fisch schmecken, nicht dem Angler!“

    Naja, das ist ein Kalauer, darauf kann man auch antworten: …aber der Angler muss entscheiden können, welchen Fisch er haben will!

    @Beate Schöne | 17. Oktober 2018 – 17:32
    „Diese werden zwar durch das hauptamtliche Personal der Informationsarbeit der Landeskommandos bzw. des Kommandos Territoriale Aufgaben der Bundeswehr redaktionell betrieben […]“

    Danke für die Klarstellung, dass (entgegen hier behaupteten Dingen) es sehr wohl hauptamtliche DP für die ÖA in diesem Bereich gibt.

  18. Ich folge einer dieser „Die Bundeswehr in Bundesland XY“-Seiten und muss sagen, dass der Content dort – vor allem für Bundeswehr-Maßstäbe – interessant, abwechslungsreich und einigermaßen hochwertig ist.
    Insofern finde ich, dass dort gute Arbeit geleistet wird.

    Auf der anderen Seite sehe ich aber auch, was bei den NL-Streitkräften geleistet wird und das ist einfach um Welten besser. Die besten Fotos von deutschen Kampfpanzern (abseits von privaten Seiten) findet man bei Facebook auf der Seite der niederländischen Brigade, die über das DEU/NL PzBtl 414 berichtet. Und die Berichte und Fotos von dieser Brigade sind wirklich prima und nah dran an der Truppe: Bataillonsübergaben, Übungsplätze usw. werden dort begleitet und es entsteht toller und werbewirksamer Content aus dem Truppenalltag.
    Ich sehe keinen Grund dafür, warum unsere Brigaden das nicht auch können sollen. Wir haben da hauptamtliches Presse-Personal, dass momentan eher unterfordert ist, wir haben da Fotografen und vor allem noch ganz viel weiteres Personal, dass in allen möglichen Abteilungen vor sich hindümpelt und nicht mit sinnvollen Aufgaben ausgelastet ist. Und kurze Textbeiträge mit ein paar schönen Fotos produzieren, ist wirklich leicht. Für schöne Videos braucht man schon etwas mehr Expertise, aber man kann ja klein anfangen und lernen. Ich fände es jedenfalls toll, mehr direkten Content aus der Truppe zu sehen. Einzelne Bataillone betreiben (ohne dass sie dafür eigentlich ausgestattet sind) mit überschaubarem Aufwand und guten Ergebnissen bereits ihre eigenen Facebook-Seiten.

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