Geplanter schwerer Transporthubschrauber: Vergabeverfahren jetzt auch offiziell verschoben

Die Beschaffung des geplanten neuen Schweren Transporthubschraubers (STH) für die Bundeswehr wird sich auf unbestimmte Zeit verzögern. Das ist zwar keine Überraschung, aber jetzt auch offiziell, wie das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) mit Schreiben vom (gestrigen) Montag an die Industrie mitteilte:

Den Hintergrund hatte ich hier schon mal erläutert: Das Vorhaben, entweder den neuen CH-53K von Sikorsky (Foto oben) oder den CH-47F Chinook von Boeing als neue schwere Transportmaschine für die Truppe zu kaufen, ist bislang nicht im Bundeshaushalt hinterlegt – und ohne diese Verankerung im Etat kann es auch kein offizielles Vergabeverfahren geben.

Nun ist der Verteidigungshaushalt fürs kommende Jahr noch in der Beratung, im November gibt’s die so genannte Bereinigungssitzung der Haushälter und dann die abschließende Entscheidung im Bundestag. Ob sich bis dahin noch was ändert, bleibt abzuwarten.

Ab Ausschreibungsbeginn dürfte es etwa ein Jahr bis zu einem Ergebnis dauern. Ein Vertragsschluss Mitte 2020 war zwar schon vergangenes Jahr erwartet worden, inzwischen ist aber unklar, ob diese Planung zu halten ist.

(Foto: Sikorsky/Lockheed Martin)

28 Kommentare zu „Geplanter schwerer Transporthubschrauber: Vergabeverfahren jetzt auch offiziell verschoben“

  • Obibiber   |   26. September 2018 - 9:34

    Tja…was soll man da sagen…ein Paradebeispiel für die aktuelle Misere :-(
    Auch wenn von allen Seiten betont wird das man hier besser werden will und es am Geld nicht scheitern soll (Zitat spd Mann bei Haushaltssitzung)
    Die aktuellen Vorgehensweisen stehen einer schnellen Verbesserung der Lage massiv im Weg…hier gilt es kurz bis mittelfristig kreative Lösungswege zu finden (Ausbau EbSb!, schnelles Leasing, dann Kauf!?)) bis die langfristigen Prozesse verbessert/erneuert sind

  • Der Realist   |   26. September 2018 - 9:39

    Es ist wirklch unglaublich, wie in Deutschland Zeit verschenkt wird.

    Einer der ersten Artikel über die Beschaffung inklusive Entscheidungszeiten ist von Januar 2016 aus der Flight Global:

    https://www.flightglobal.com/news/articles/germany-to-choose-between-chinook-and-ch-53k-for-hea-420964/

    Dieser Artikel ist jetzt 2 Jahre und 8 Monate alt…Vermutlich gibt es noch ältere…

    Es hat sich an der Ausgangslage nichts verändert. Es gibt nach wie vor nur 2 mögliche Muster, die beide in der Lage wären, die CH-53 zu ersetzen.

    Ich vermute, daß mehr dahinter steckt, als eine einfache Verschiebung der Entscheidung.

  • Dante   |   26. September 2018 - 9:46

    Nicht dass das Projekt nach und nach versandet und irgendwehr denk t“naja der NH90″ reicht ja auch fürs wesendliche. Wozu das Geld ausgeben?“
    Wäre nicht das erste Projekt.

  • Raimund   |   26. September 2018 - 11:03

    Den könnte man gut und gerne in Penzing stationieren, dort ist die erforderliche Infrastruktur bereits vorhanden und auf aktuellem Stand gehalten. (Abstellplätze; 3 große Flugzeughallen; NATO-Pipeline; Unterkünfte usw.)

    [Ich nehme das mal zum Anlass, darauf hinzuweisen, dass es in diesem Thread um Beschaffung geht, nicht um den Schönheitswettbewerb möglicher Stationierungsorte. T.W.]

  • Voodoo   |   26. September 2018 - 12:26

    Es scheint Konsens in den meisten Beiträgen zu diesem Thema zu sein, dass wir bei den Drehflüglern aktuell die meisten Probleme und Engpässe (materieller und personeller Art) haben. Mit dieser Verzögerung und der damit verbundenen Unfähigkeit, Projekte richtig zu priorisieren, schießt sich die Ministerin deswegen das erste Mal ein Eigentor, welches Sie vollumfänglich selbst zu verantworten hat – es wäre ihre Aufgabe gewesen, diesen Engpass mit Nachdruck zu beseitigen. Zudem handelt es sich bei den STH um Großgerät, welches nicht nur der Bw zugute kommt, wenn wir mal die Katastrophenfälle der letzten Jahre zusammenzählen. Es ist mir schleierhaft, warum man hier nicht aus dem Quark kommt…

    Ggf. nimmt man die Verzögerungspraktik, um dem Produkt von Sikorsky mehr Zeit zu geben, aber warum kommuniziert man dies nicht einfach?

  • Matthias Hake   |   26. September 2018 - 12:28

    vielleicht doch ein Grund über die Bell-Boeing V-22 nachzudenken – insbesondere in der verbesserten Ausführung und bei rückläufigen Produktionszahlen beim Hersteller, eine Begründung für gute Preisverhandlungen, insbesondere wenn als bisherige Option ebenfalls nur zwei amerikanische Produkte im Raum stehen

  • Zimdarsen   |   26. September 2018 - 13:28

    Nun müsste die Unterstützung in AFG durch CH 53 sofort abgebrochen werden, Mar und Pers zurück nach DEU, alle CH auf gleichen Stand gebracht werden. Weiter muss die Logistik für CH53 gefestigt und alle benötigten Ersatzteile bestellt werden.

  • Dieter   |   26. September 2018 - 13:32

    So langsam verstehe ich die Regierung nicht mehr. Nicht nur dass es mit NH90 und Tiger nicht voran geht, jetzt werden auch noch die letzten Reserver CH-53 ausgenutzt um einigermaßen die Einsätze zu bestücken. Und dann wird noch nicht mal über ein Nachfolgemuster nachgedacht? Bin mal gespannt wie sich die Lage entwickelt. Plötzlich sind keine Transporter mehr da. Huch, ist schon wieder Weihnachten oder was?

  • moth   |   26. September 2018 - 15:10

    Nächste Woche beginnt Q4 2018. Wenn man bedenkt, was die nächsten sechs Jahre alles ansteht, stellt sich dem außenstehenden Laien die Frage, was und wie priorisiert wird?

    Besonders interessant erscheint zudem die Frage, warum das „Projekt STH“ geschoben wird.

    Traut man sich nicht auf die „K“ zu gehen?
    Liegt es vielleicht daran, dass doch über die F-35 (Reuters: 11.09.2018) nachgedacht wird und ein Paketpreis geschnürt werden soll?

  • Sommerbiwak   |   26. September 2018 - 16:26

    @Matthias Hake|12:28.“vielleicht doch ein Grund über die Bell-Boeing V-22 nachzudenken – insbesondere in der verbesserten Ausführung und bei rückläufigen Produktionszahlen beim Hersteller, eine Begründung für gute Preisverhandlungen, insbesondere wenn als bisherige Option ebenfalls nur zwei amerikanische Produkte im Raum stehen“

    Die V-22 Osprey ist erheblich kleiner vom Innenraum her als der derzeitige deutsche MTH CH-53G*. Auch wenn die Zuladung in Gewicht vergleichbar ist. Erheblich teurer sowohl in Betrieb als auch Wartung ist sie auch.

    Die CH-53K ist ein bisschen sehr groß Meiner bescheidenen Meinung nach, aber was anderes gibt es in NATO kompatibel nicht. Russische Muster (Mi-26) fallen natürlich aus. Und dann war es das so ziemlich. gibt noch die CH-47, aber die ist nicht so wendig. tja.

    aber eine gute Frage ist, warum das jetzt wieder verschoben wird?

  • Zimdarsen   |   26. September 2018 - 17:21

    Ob der STH nun ein Jahr mehr Verspätung hat ist für die nächsten 5Jahre nicht von Bedeutung. Von Bedeutung ist, dass wir für die nächsten 5 Jahre plus unsere CH53 Flotte endlich mit Mar und Pers auf die Beine stellen und zwar schnell.

  • T.Wiegold   |   26. September 2018 - 17:48

    Aus gegebenem Anlass eine Bitte: Es geht hier um die Beschaffung des STH, warum mehrere daraus einen Thread zum Thema F-35 machen wollen, erschließt sich mir nicht direkt. (Auch wenn immer alles mit allem zusammenhängt und all dieses Gerät von Firmen aus dem selben Land kommt.)

  • Ottone   |   26. September 2018 - 17:56

    Ist halt konsequent wenn das Geld nicht da ist – dafür finden die D-NO Uboote nun wohl statt. Was stand noch auf der Kippe wg. Finanzierungsvorbehalt, ich finde den AG post dazu gerade nicht? Das nicht alle Pläne und Wünsche mit dem geplanten Haushalt erfüllbar sind war allen klar, dass es weh tun würde auch.

  • Memoria   |   26. September 2018 - 18:02

    @Zimdarsen:
    Richtig, wobei hier wohl Pers das größere Problem werden wird (siehe auch: https://augengeradeaus.net/2018/09/drehfluegler-ein-paar-sach-und-wasserstaende/#comment-300275).

    Das BMVg hat heute heute – laut Reuters: https://de.reuters.com/article/deutschland-r-stung-transporthubschraube-idDEKCN1M621F – bestätigt, dass eine Beauftragung weiterhin von Entscheidungen im Rahmen der laufenden HH-Beratungen abhängt.

    Auch wenn die Beauftragung nochmals verschoben wird, ist für eine Ablösung der Gedsmtflotte bis 2030 eine Beauftragung spätestens 2021 notwendig.

    Es fehlen jedoch offenbar weiterhin die Verpflichtungsermächtigungen. Entweder der Haushaltsausschuss hebt diese insgesamt an oder schichtet im EPl 14 zu Gunsten des STH um. Das BMVg hofft wohl auf ersteres. Sollte es zu einem Umschichten kommen, werden andere Themen verdrängt.

    Wenn das BMVg nicht wirklich gute Argumente vorbringt, dann wird der Haushaltsausschuss der Ministerin diesen Gefallen nicht tun. Schon gar nicht in der aufkommenden Diskussion um freihändig vergebene Beraterverträge.

  • Hubi   |   26. September 2018 - 19:09

    Im Augenblick lassen die nicht abgeschlossenen Haushaltsverhandlungen 2019 keinen Spielraum.

  • Navales   |   26. September 2018 - 19:35

    Mal ein blöde (Verfahrens-)Frage:
    Ist es nicht möglich, das technische Auswahlverfahren ganz oder weitestgehend auch ohne Verankerung im Haushalt durchzuführen? Quasi mit dem Ziel, zwei unterschriftsreife Angebote / Vertragsentwürfe + deren Bewertung vorliegen zu haben, wenn die Verankerung im Etat erfolgt?

  • Ruprecht   |   26. September 2018 - 19:37

    In den Niederlanden dürften sich die Piloten ihre Helikopter jetzt vermutlich selber bestellen.

  • BS   |   26. September 2018 - 19:40

    Herr Wiegold hat im kurzen Beitrag erklärt, warum sich das Projekt verzögert. Es ist nicht im Haushalt. Und da ist es nicht, weil derzeit zu viele Großprojekte konkurrieren. Es wurde halt in allen Ressorts davon ausgegangen, dass genug HHM für alles da sein wird. Ist es halt doch nicht. Auch nicht mit 1,5% als Ziel…
    Hinter der (Nicht-)Priorisierung mag sogar Kalkül dahinterstecken, aber nicht das, was der geneigte Verschwörungstheoretiker da hineininterpretiert. Da ist Memorias Gedankengang wohl dichter dran.

    Ein Abzug aus Afghanistan ist nicht erst jetzt dringend nötig, dass weiss aber bis zur Leitung jeder. Weitere Investitionen in die CH wird es jenseits der Obsoleszenzbeseitigung nicht geben. Und geoptimiert und gelean-managed wird und wurde in allen Bereichen. Aus dem system ist in den nächsten Jahren keine Steigerung mehr zu erwarten… Meine Meinung.
    „Wenn du merkst, dass Du ein totes Pferd reitest, sorge dür einen bequemen Sattel – es könnte ein langer Ritt werden.“ (Frank Menzel)

  • Der Realist   |   26. September 2018 - 20:53

    https://uk.reuters.com/article/uk-germany-defence/germany-to-buy-six-c-130-hercules-transport-aircraft-source-idUKKCN1M62BH

    Nachdem jetzt die 6 Hercules endlich genehmigt wurden, wird es hoffentlich nur eine Frage der Zeit sein, bis auch die CH-53K bestellt werden darf.

    [Mal stellvertretend hier für die zahlreichen Kommentare zum Thema C-130: Die geplante Beschaffung ist vom Haushaltsausschuss gebilligt; das Thema habe ich aus verschiedenen Gründen heute nicht gesondert aufgreifen können, und ich wäre dankbar, wenn’s jetzt nicht deshalb hier zum Thread für alles fliegende Gerät würde. T.W.]

  • Nachhaltig   |   26. September 2018 - 21:39

    Wir reden hier doch von einem 4 Mrd. Euro Projekt bei dem der wesentliche Zulauf der Hubschrauber in der zweiten Hälfte der 20er Jahre erfolgen wird. Da kann die Finanzierung ja nicht an den Haushaltsverhandlungen für das Jahr 2019 hängen. Vielmehr muss doch die Gesamtfinanzierung für die komplette Projektdauer gesichert werden, oder? Dafür gibt es keinen Bundeshaushalt. Muss da nicht dem Bundestag das Projekt zur Genehmigung vorgelegt werden? Und würde nicht diese Genehmigung dann den Handlungsspielraum des Ministeriums sichern?

  • Obibiber   |   26. September 2018 - 21:43

    Sehr interessanter Nebenaspekt dabei:
    „Der Grünen-Haushälter Tobias Lindner begrüßte das gemeinsame Projekt mit Frankreich grundsätzlich und nannte den Bedarf der Bundeswehr für die C-130 nachvollziehbar. Er übte aber grundsätzliche Kritik an der Haushaltspolitik des Ministeriums. „Die Beschaffung ist überhaupt nur jetzt schon finanzierbar, weil Mittel im dreistelligen Millionenbereich im Beschaffungskapitel nicht wie geplant abfließen und so hierhin verschoben werden können“, sagte er. „Diese Vorlage macht also auch deutlich, dass weiterhin Probleme bestehen, die die Ministerin zwingend angehen muss, um für einen erfolgreichen Projektverlauf zu sorgen.“

  • Ex-Soldat   |   26. September 2018 - 21:56

    Trendwende Material!!!

  • Harald44   |   26. September 2018 - 22:35

    Wäre es denn möglich, wenn das Haushaltsgeld 2019 doch noch bereitgestellt würde, die geplante Ausschreibung überhaupt ohne weiteren zeitlichen Verzug zu tätigen?

  • K.B.   |   27. September 2018 - 14:08

    @ Voodoo | 26. September 2018 – 12:26
    „Es scheint Konsens in den meisten Beiträgen zu diesem Thema zu sein, dass wir bei den Drehflüglern aktuell die meisten Probleme und Engpässe (materieller und personeller Art) haben.“

    Das sieht sogar der GI so.
    Nur: Während er bei nahezu allen anderen Problempunkten rund um die Bundeswehr recht enthusiastisch und überzeugend Lösungswege darlegt, klingt er an diesem Punkt frustriert und resigniert.

    @ Memoria | 26. September 2018 – 18:02
    „Auch wenn die Beauftragung nochmals verschoben wird, ist für eine Ablösung der Gesamtflotte bis 2030 eine Beauftragung spätestens 2021 notwendig.“

    Und wenn der Auftrag erst 2022 kommt, dann ist die Gesamtflotte halt 2031 da. Einen kontinuierlichen Übergang hinzubekommen, ist bei der angesprochenen Personalsituation doch ohnehin kaum realisierbar. Sollten 2030 wirklich 35 einsatzbereite, gut versorgte, neue Hubschrauber auf dem Hof stehen, können die mehr Transportleistung erbringen als die heutige Flotte. Die letzten 5 Hubschrauber dürfen dann gerne auch ein Jahr später eintrudeln. (Zahlen nur beispielhaft.)

    Aber vielleicht gewinnt vdL ja ihr Pokerspiel mit den HH-Politikern.
    Bleibt dann nur noch die Frage, ob das BAIIN in der Lage sein wird, diese ganzen Mittel auch abfließen zu lassen…

  • Hubi   |   27. September 2018 - 14:30

    @Nachhaltig
    Eine Beschaffung muss vollständig im Haushalt abgebildet sein. Das geht z.B. mit dem Instrument von Verpflichtungsermächtigungen.

  • BS   |   27. September 2018 - 15:55

    @K.B.
    Genau. Danke.

  • Metallkopf   |   27. September 2018 - 16:42

    @K.B.: „Bleibt dann nur noch die Frage, ob das BAIIN in der Lage sein wird, diese ganzen Mittel auch abfließen zu lassen…“

    An der Frage könnte mehr dran sein, als einem lieb sein dürfte. Dem Vernehmen nach sind Juristen mit Vergabeerfahrung gerade sehr gesucht in Koblenz.

  • Zimdarsen   |   27. September 2018 - 22:21

    @K.B.  

    „Es scheint Konsens in den meisten Beiträgen zu diesem Thema zu sein, dass wir bei den Drehflüglern aktuell die meisten Probleme und Engpässe (materieller und personeller Art)“

    Stimmt, doch die werden auch mit einem neuen Lfz oder grundüberholten CH53 nicht besser wenn man keinen Plan hat.
    Die Probleme im Drehflüglerbereich sind hausgemacht und ein Ergebnis der Neuausrichtung. Ersatzteile fehlen ja selbst bei neuen CH53 Avionik- Systemen.