Neue Grundausbildung: „Der Soldat soll Sport als Spaß empfinden“

Hochbetrieb in der Sporthalle des Panzergrenadierbataillons 401 in Hagenow, südlich von Schwerin: Überall Soldaten im hellblauen Sportdress, die durch die Halle sprinten oder am Reck hängen. Draußen auf der Tartanbahn ziehen kleine Gruppen ihre Runde für den 1000-Meter-Lauf. Sie alle absolvieren den so genannten Basis Fitness Test (BFT) der Bundeswehr, mit dem die körperliche Leistungsfähigkeit überprüft wird.

Der BFT ist Standard in der Bundeswehr, das Trainingsgeschehen in Hagenow ist es nicht – darauf deutet schon der Container mit Fitnessgerät hin, der neben der Laufbahn steht. Soldaten hüpfen über Hindernisse, heben zu zweit schwere Trecker-Reifen oder ziehen Gewichte an einem Seil: Bei den Panzergrenadieren in diesem mecklenburgischen Standort erprobt die Truppe eine neue Form der Grundausbildung für ihre Rekruten. Fitness steht dabei in den ersten sechs Wochen für die neuen Soldaten an erster Stelle.

Das Pilotprojekt beim Panzergrenadierbataillon 401 soll ein Problem angehen, dass die Bundeswehr belastet:

Unter den Freiwilligen, die sich zum Dienst melden, gibt es inzwischen zu viele, die den Anforderungen des militärischen Dienstes körperlich (noch) nicht gewachsen sind. Und sei es nur, weil sie in ihrem bisherigen Leben wenig Wert auf Sport gelegt haben und lieber vor dem Computer saßen.

Das hatte auch schon drastische Folgen: Im vergangenen Jahr starb ein Offizieranwärter bei einem Marsch in Munster, mehrere seiner Kameraden klappten zusammen, weil die körperliche Anstrengung bei sommerlichen Temperaturen einfach zu viel war. Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen gegen zwei Ausbilder.

Im März kündigte Heeresinspekteur Jörg Vollmer Konsequenzen für die gesamte Truppe an: Die gesamte Grundausbildung der neuen Soldaten wird umgestellt – zunächst in einem Pilotversuch in Hagenow, der bei Erfolg aufs ganze Heer und später vielleicht auch auf die ganze Bundeswehr übertragen werden soll. Die ersten sechs Wochen der Grundausbildung dienen nur der Fitness, Sport bestimmt den Alltag der Soldaten – auch wenn dafür die Schieß- und die Gefechtsausbildung gekürzt und zunächst zurückgestellt werden müssen.

Von bisher 70 Stunden Sport stieg im Pilotprojekt der Anteil der körperlichen Ausbildung auf 110. Die Gefechtsausbildung wurde von zuvor rund 120 Stunden auf 88 Stunden reduziert, unter anderem durch den Wegfall der Ausbildung an der Pistole P8. Defizite für die Soldaten befürchtet der Heeresinspekteur nicht: Die Verpflichtungszeit der Mannschaftssoldaten betrage inzwischen durchschnittlich zehn Jahre, da bleibe noch genügend Zeit nach der Grundausbildung.

Die Umstellung folgt einem ausgeklügelten System: Es ist nicht einfach mehr vom gleichen. Neben die Klassiker Laufen und Liegestütz treten Übungen an Geräten, die eher ans Fitnesstudio als an die Kaserne erinnern. Bewegungsabläufe sollen eingeübt, Muskelpartien gezielt gestärkt werden. Und vor allem: Der dienstliche Sport soll nicht als stumpfe Notwendigkeit angesehen werden.

Der Soldat soll Sport als Spaß empfinden, sagt Oberstleutnant Alexander Radzko. Und ein bisschen stolz verweist der Kommandeur des Hagenower Bataillons auf die Erfolge nach den ersten sechs Wochen dieses Pilotversuchs: Im Basic Fitness Test steigerten die 46 Rekruten, die für diesen Versuch ausgewählt wurden, in dieser Zeit ihre Leistung um zehn bis 20 Prozent. Die schwächsten Soldaten bei der ersten Prüfung schnitten nach der gezielten Sportausbildung besser ab als diejenigen, die anfangs im Mittelfeld gelegen hatten.

Die Erwartungen, sagt Radzko, wurden auch noch in anderen Punkten übertroffen: Einen so niedrigen Krankenstand habe die Truppenärztin des Bataillons noch nie bei Rekruten in der Grundausbildung erlebt. Und außer zwei Abbrechern, die bereits in den ersten 48 Stunden wieder ihren Abschied von der Bundeswehr nahmen, habe von den jungen Soldatinnen und Soldaten niemand in den bisher eineinhalb Monaten Grundausbildung die Absicht geäußert, wieder auszusteigen – im Gegenteil: Alle würden inzwischen über eine längere Verpflichtungszeit nachdenken.

Aber warum stellt die Bundeswehr nicht an ihre Bewerber den Anspruch, gleich mit entsprechender Fitness zum Dienst anzutreten? Die Truppe brauche den Einser-Abiturienten genauso wie den Leistungssportler und den Schulabgänger mit Spitzennoten in Mathematik oder Naturwissenschaften auch dann, wenn er nicht gleich mit der nötigen körperlichen Leistungsfähigkeit komme, sagt Heeresinspekteur Vollmer . Und die könne man nicht nach verpatztem Eingangstest mit einem Trainingsplan nach Hause schicken: Wen wir einmal verloren haben, der kommt nicht wieder.

Der Heereschef zeigte sich bei seinem Besuch in Hagenow am (gestrigen) Mittwoch begeistert von den bisherigen Ergebnissen des Pilotversuchs – und will, eine positive wissenschaftliche Auswertung im Herbst vorausgesetzt, die neue Form der Grundausbildung im gesamten Heer einführen. Und natürlich werde er auch bei Generalinspekteur Eberhard Zorn dafür werben, dass das neue Fitness-First-Konzept in der ganzen Bundeswehr Bestandteil der Grundausbildung werde.

Vollmers Aussagen zum Nachhören:

Vollmer_Hagenow_18jul2018     

 

Der zivile Bundeswehr-Sportlehrer Reiner Butz, ein begeisterter Unterstützer des Projekts, erläutert, warum das Konzept mit Sport als Spaßfaktor sich auf die Soldaten so positiv auswirkt:

Butz_Hagenow_18jul2018     

 

Auch wenn die Vorfälle in Munster und Pfullendorf, wo Soldaten wegen körperlicher Überforderung zusammenbrachen, von Vollmer wie den Projektverantwortlichen in Hagenow nicht direkt angesprochen werden: Sie wirken sich auf die Truppe aus, nicht nur bei der Betonung des Sports zur Leistungsförderung. Bestandteil der Übungsbegleitung ist auch immer ein merkwürdig anmutendes Messgerät:

Das Hitzestress-Messgerät TC1000 erfasst neben der Lufttemperatur die Luftfeuchte, die Windgeschwindigkeit und die Wärmestrahlung und errechnet daraus ein Klimasummemaß, nach dem englischen Begriff Wet Bulb Globe Temperature Index abgekürzt als WBGT. Und diese Kenngröße bestimmt, wie lange unter welchen Bedingungen mit welcher Ausrüstung in der Sonne gearbeitet werden soll – für Helm oder Schutzweste gibt es jeweils Zuschläge. Die Arbeits- und Pausenzeiten abhängig von dem ermittelten Klimasummenmaß sollen in einer Taschenkarte Hitzenotfälle zusammengefasst werden, deren Entwurf das Heer in Hagenow zeigte:

Und noch etwas könnte künftig zum Standard werden: Ein Leistungstest, der nicht wie der BFT unter recht unmilitärischen Bedingungen wie Sporthalle und Sportkleidung abläuft. Das Soldaten Grundfitness Tool  (SGT) übersetzt die körperlichen Anforderungen in typisch militärische Bewegungen.

Dafür müssen die Soldaten zunächst im Gefechtsanzug mit Schutzweste und Helm einen kurzen Laufparcours absolvieren, anschließend einen 50 Kilogramm schweren Sack über eine festgelegte Entfernung hinter sich herschleifen, mit zwei vollen Kraftstoffkanistern erneut auf den Laufparcours und zum Schluss diese Kanister mehrfach auf eine simulierte Ladefläche hieven. Noch ist dieses SGT nicht Bestandteil der Sportausbildung im Heer. Könnte es aber bald werden.

Natürlich zog sich durch die Gespräche in Hagenow immer wieder die Frage: Sind die jungen Frauen und Männer der heutigen Generation körperlich weniger fit als die früherer Generationen – und vor allem weniger leistungsfähig als zu Zeiten der Wehrpflicht? Oberfeldwebel Jens Pommerehnke, der als Ausbilder mit den Rekruten im Panzergrenadierbataillon 401 arbeitet, will das so nicht gelten lassen. Die Lebensweise gerade in Städten habe sich verändert, und zunehmend sei er auch mit Rekruten konfrontiert, die in ihren letzten Schuljahren kaum noch oder gar keinen Sportunterricht hatten. Der eigentliche Unterschied sei aber ein ganz anderer:

Pommerehnke_Hagenow_18jul2018     

 

(Mehr Fotos, nicht zuletzt von der Hindernisbahn, hier.)

 

66 Kommentare zu „Neue Grundausbildung: „Der Soldat soll Sport als Spaß empfinden““

  • closius   |   19. Juli 2018 - 7:40

    Mehr Sport ist sicher richtig in der Grundausbildung, aber den Gefechtsdienst zu reduzieren halte ich für falsch, weil für FWL hat man keine 10 Jahre zur weiteren Ausbildung.

    Da hätte man besser die innere Führung reduziert und auf später verschoben, als die Ausbildung mit G 36 zu reduzieren und mit P8 ganz zu streichen.

    Und eine andere einfache Alternative wäre, die Grundausbildung auf 4 Monate zu verlängern, damit die Heeressoldaten die Panzerbekämpfung wieder in der Grundausbildung lernen.

  • Rheinländer   |   19. Juli 2018 - 8:19

    Grundsätzlich begrüße ich es sehr wenn junge Soldaten/innen künftig tatsächlich mit einer verbesserten körperlichen Leistungsfähigkeit und insbesondere Robustheit in der Truppe ankommen. Nur muss man leider konstatieren und dies deckt sich mit der vorangegangenen Diskussion im vorherigen Thread zur Thematik, dass hier der Sport deutlich zu Lasten anderer Teilbereiche geht.

    Schon jetzt kommen die Menschen in ihrer Stammeinheit an und es fehlt an grundlegenden Kenntnissen, insbesondere in den Bereichen Gefechtsdienst und der adäquaten (vor allem auch sicherheitsrelevanten) Bedienung und Handhabung an den Standard-Handwaffen. Jetzt wird zusätzlich die Pistole komplett aus der Ausbildung getilgt. Eben jene Waffe mit der nach meiner Kenntnis die meisten Schießunfälle geschehen. Da das Personal gleichzeitig eher tröpfchenweise, denn regelmäßig eintrifft ist entweder eine Ausbildung im Kleinstgruppenprinzip (gut für den Ausbildungserfolg, aber bindet sonstiges Personal über alle Maße) nötig, oder man wartet ab, sammelt und die jungen Soldaten werden weiter verzögert zum Ausbildungsstand ihrer Kameraden aufschließen.

    Nach meinem Verständnis ist es doch der Auftrag einer Allgemeinen Grundausbildung, die „grundlegenden“ soldatischen Tätigkeiten zu vermitteln. Ich meine zu erinnern, dass im Zuge der damaligen Verkürzung der Wehrdienstzeit von 9 auf 6 Monate die Grundausbildung von 3 auf 2,5 Monate verkürzt wurde. Mit der Einführung der SAZV ist der reale Stundenansatz dieser 2,5 Monate weiter gesunken. Nun erhöht man den Sportanteil. Weiterhin zu Lasten anderer Bereiche!

    Wie soll denn dabei kein eklatantes Delta zu dem Stand entstehen, den wir zu Zeiten der Wehrpflicht 9 Monate+ als Maßstab angelegt haben? Und zwar für Wehrpflichtige, nicht Zeitsoldaten! Letztlich wird die Truppe mit zusätzlicher Ausbildung belastet, die in die AGA gehört! Es bleibt folglich weniger Zeit für andere Ausbildungen. Ergebnis: Der allgemeine Ausbildungsstand sinkt!

    Für mich wäre es dringend geboten gewesen, entweder insgesamt eine Verlängerung der allgemeinen Grundausbildung auf bis zu vier Monate zu erwägen, oder aber eine Nichtanwendung der SAZV innerhalb der ersten Dienstmonate (ähnlich, wie es früher bei der früheren Regelung zum Zeitausgleich galt). Besser aber gleich beides!

  • Trevor Faith   |   19. Juli 2018 - 9:29

    Die Bundeswehr hat ein Problem … und es ist nicht unbedingt im sportlichen Bereich zu suchen (oder bei der Ausrüstung). Das Problem, das die Bundeswehr hat, ist mentaler Art. Die haben schlichtweg vergessen, wofür die eigentlich da sind.

    Wenn ich mir ansehe, welche Ausbildungsabschnitte für mehr Sport gekürzt wurden, fühle ich mich mehr als bestätigt. Vielmehr frage ich ich mich, wer diese Sporttests entwickelt hat. Der Divisionsrechtsberater oder Beauftragte für Arbeitssicherheit?

  • Boots on the Ground   |   19. Juli 2018 - 9:32

    Man muss sich die prozentuale Verteilung anschauen, um zu sehen, wo die Bundeswehr ihre Schwerpunkte legt: 40% Sport, 32% Gefechtsausbildung, 14% Innere Führung, 11% Schießausbildung, 3% ABC-Abwehrausbildung. Insgesamt also weniger als 50% originär militärische Ausbildungsinhalte. Das sagt viel aus. Dass der Heeresinspekteur das so verkündet, ohne sich zu schämen, und dass er das verkünden kann, ohne dass kritische Nachfragen kommen, sagt auch einiges aus.

    PS: Wenn man in der Ausbildung unter außereuropäischen Verhältnissen/unter den Klimabedingungen wahrscheinlicher Einsatzgebiete ein Verhältnis von Ausbildung zu Erholung von 1:2 bis 1:5 vorschreibt, wie bereitet sich die Truppe dann auf Einsätze vor und wie operiert sie dort?

  • T.Wiegold   |   19. Juli 2018 - 9:47

    Mal ein Hinweis für die „Früher war alles besser“-Fraktion: Da wird die Grundausbildung in den ersten sechs Wochen (!) umgestellt, und schon ist es der Untergang militärischer Ausbildung, das Ende des Abendlandes und ähnliches.

    Ich finde ja eine kritische Debatte gut, aber vielleicht dann bitte auf sachlicher Ebene und nicht unter der Prämisse, dass die Gummistiefel früher aus Holz waren.

  • Bear   |   19. Juli 2018 - 9:48

    @ Rheinländer 1+

    Ich kann diesen absolut zutreffenden Aussagen nur zustimmen.
    Natürlich gibt es die Notwendigkeit auf die mangelnde körperliche Leistungsfähigkeit zu reagieren. Auch ist es richtig, dies am Anfang der GA zu machen. Aber dafür Schießen, Waffen- und Gefechtsausbildung zu lasten der späteren Stammeinheiten zu kürzen kann doch nicht zielführend sein. Dort muss nämlich meist sofort mit der Spezialausbildung begonnen werden, da Einsätze oder einsatzgleiche Verpflichtungen ins Haus stehen.
    Richtig wäre es gewesen, den (meine Meinung) Fehler der verkürzten GA abzustellen.
    Wie schon gesagt: eine vollständige GA mit wenigstens vier Monaten Dauer wäre, auch aus Gründen der SAZV, besser gewesen als soldatisches Handwerkzeug preiszugeben. Der fitte Soldat hilft im Gefecht auch nicht weiter, wenn er seine Waffen und die Grundlagen des Gefechtsdienstes nicht beherrscht.

  • Mitlesender   |   19. Juli 2018 - 9:57

    Also bei uns kam die neue Weisung? bezüglich Versorgung bei Mehrbedarf mit Getränken letzte Woche an und schon ging in der TE wieder die Diskusion los. Geschiebes steht dort, dass der „Verpflegungsteilnehmer“ Anspruch hat.
    So, wer ist jetzt Verpflegungsteilnehmer? Alle grundsätzlich und es kann über den ReFü jetzt Mehrbedarf bestellt werden? Oder bedarf es einer besonderen Teilnehmermeldung namens 10B?
    Früher bist du in die Küche gegangen und hast ne Thermosphore von deinem Küchentrupp bekommen.
    Auch bei nem 20 oder 30km Marsch. Mit Obst und Energiespendern.
    Heutzutage kämpfst du das du überhaupt irgendwas an Getränken bekommst. Bei einem Appell muss der Spieß der antretenden Formation uns „Sani‘s“ irgendwie „schwarz“ hintenrum Getränke zur Verfügung stellen.
    Ist wie mit allen, das System ist krank!
    Bei uns haben die USArmy die letzten Wochen Zwischenstopp gemacht.
    Da gibt es keine Diskussion über Verpflegung und Getränke!
    Bei uns kommt ne neue Weisung und schon geht es wieder los.
    Wer darf wann wie mit wem was trinken und von welchen Titel und Kapitel geht das ab?
    Interessant übringens, nur noch dem KSK (und anderen spez. Kräften) stehen Getränkeflaschen zu. Der Rest bekommt Tee aus Thermosphären.
    In der Kaserne grundsätzlich im Wirtschaftsgebäuden bei den Hauptmahlzeiten zu beziehen *ich lach mich kaputt*.
    Mal schauen wie es wirklich wird. Vielleicht besser….

  • Pio-Fritz   |   19. Juli 2018 - 10:22

    Die Idee und das Konzept finde ich gut, ich bin schon auf die ersten Erfahrungsberichte gespannt. Da wird dann sicher auch die militärische Ausbildung und der Ausbildungsstand der Rekruten im Vergleich zum alten Konzept betrachtet. Das sollte man abwarten.

    Wenn es jetzt auch noch eine Initiative zum Abbau von in typisch deutscher Pingeligkeit selbst errichteten bürokratischen Hindernissen und Hemmnissen innerhalb der Bw gibt, könnte sogar ein Erfolg daraus werden.

  • ThoDan   |   19. Juli 2018 - 10:25

    Das Problem der überladenen AGA hat doch Tradition!

    An der Inneren Führung zu kürzen halte ich für eine ganz, ganz schlechte Idee
    AFAIK hat in der US Army während WWII Fitness von ganz oben eine 1 A Priorität bekommen, d.h. Sport durfte nicht hinten runter fallen.

    Und das war nicht nur stumpf laufen, Liegestütze, fertig.

    @Rheinländer

    Wollen sie die SAZV auch für die Ausbilder und sonstiges Stammpersonal aussetzen?

    Selbst bei 12 Monaten gab es ein Delta, da wurde manches nur pro forma behandelt oder ineffektiv(spez. G3) ausgebildet – hätte man sich sparen können diese Zeit zu verschwenden.

    @Boots on the Ground

    Das ist Grundausbildung, nicht Einsatzausbildung.

    Die kommt später und ggf. muss bewertet werden ob den ganzen Schamott mitzuschleppen wirklich Sinn macht.

  • Mackiavelli   |   19. Juli 2018 - 10:45

    @ TW: Ich muss hier den Kameraden beispringen, die Sie als „Früher war alles besser-Fraktion“ bezeichnen:

    Das Ausbildungsniveau, dass die jungen Kameraden heute in der Grundausbildung erreichen ist jetzt schon bisweilen katastrophal. Diese Soldaten sind nicht einmal „wachfähig“. Und man sollte sich zumindest darauf einigen können, dass es das absolute Minimum ist, dass Soldaten sich und ihre Kaserne selber bewachen können.
    Schon dieses Ziel wird nicht mehr erreicht!
    Von grundlegenden Kenntnissen im Gefechtsdienst ganz zu schweigen.
    Dieses fehlende Wissen kann nicht querschnittlich in allen Einheiten nach der Grundausbildung aufgefangen werden. Nirgendwo stehen dafür Kapazitäten an Ausbildern etc. bereit. Eine Ausbildung in den Stammeinheiten, wo jedes Quartal kleckerweise ein paar einzelne neue Kameraden aufschlagen, erzeugt einen ungleich höheren Aufwand und wird nicht flächendeckend stattfinden.
    Das weiß jeder, auch unser verehrter Inspekteur des Heeres (dem man übrigens in den letzten Monaten beim Zulegen an Gewichtsmasse geradezu zusehen konnte). Dieser Abbau an militärischen Grundfertigkeiten deutlich unter das akzeptable Minimum wird sehenden Auges hingenommen.
    Meiner Meinung nach ist das ein Skandal!

    Dabei wäre doch gerade bei den geringen Ausbildungsstärken heutzutage und den langen Verpflichtungszeiten (und den neuen bürokratischen Einschränkungen vor allem durch die EUAZR) eine längere Grundausbildung so einfach durchzuführen und zu begründen, wie niemals zuvor.

  • Insider   |   19. Juli 2018 - 11:05

    Gibt es hier jemanden, der was zu diesem Hitzestress Meßgerät sagen kann?
    Muss ich demnächst bei jeder Art von Außendienst ein solches Gerät mitnehmen, im Vorfeld den Wetterbericht auswerten und während der Übung stündlich kontrollieren und protokollieren? Bekomme ich die kalkulierten Getränke schon vor Beginn der Übungen auch wenn es dann noch nicht warm ist?

    Ich könnte darauf wetten, das dieses Gerät im Nachgang von Hitzeunfällen zur Auswertung herangezogen wird um ggf. jemanden in der Verantwortung zu haben. Schöne neue Welt…

  • Winrich Germann, Hptm. d. Res.   |   19. Juli 2018 - 11:14

    Das „Hitzestress-Messgerät“ ist der Witz des Tages! M.E. hat ein Soldat immer noch eine Eigenverantwortung für sich selbst. Schließlich wird niemand gezwungen, weiterzumarschieren, wenn es nun mal nicht mehr geht. Wir Ausbilder haben und hatten keinerlei Zwangsmittel, um einen Soldaten zu zwingen, an die Grenze seiner körperlichen Leistungsfähigkeit zu gehen. Das war übrigens vor 30 Jahren schon so.

    Also liebe RekrutInnen: Verantwortung für den eigenen Körper übernehmen und bei Überlastung einfach selbständig hinsetzen und auf den Sani-Bus warten.

  • LauseKrause   |   19. Juli 2018 - 11:37

    Ich finde die Sportübungen und den neuen Test vom anschauen und lesen ganz passabel. Muss man mal sehen auf lange Sicht.

    Dass in den ersten 6 Wochen der Schwerpunkt auf Sport gelegt wird, ist auch in Ordnung. Sind ja nur die ersten 6 Wochen.
    Erschreckend für mich ist allerdings, dass es danach keine weiteren 6 Wochen Grundausbildung mehr gibt (Gesamt 3 Monate), sondern nur noch 4 Wochen (Gesamt 2,5 Monate).
    Und dann der Wegfall der Pistolenausbildung.
    Nach der Grundausbildung ist man nicht mal mehr grundausgebildet. Es wurde doch nur vieles angeschnitten oder komplett weggelassen.

    Grundausbildungszeit verlängern, aber das neue Sportsystem ruhig komplett auf die Bundeswehr ausdehnen.

    Und zum Thema „Verpflichtungszeit beträgt durchschnittlich 10 Jahre, da bleibt noch genügend Zeit“.
    In den ersten Monaten muss man als „Arbeitgeber Bundeswehr“ zeigen was man so alles bieten kann. Und es reizt nun mal sehr viele Freiwillige gerade das Militärische um zur Bundeswehr zu gehen. Und dazu gehört natürlich auch alles was mit Waffen zu tun hat.

    Ich hätte auf SaZ verlängert, wenn man 1 mal im Monat in jeder Einheit zum Schießen gefahren wäre. Meine Gesamtabgabe an Schuss in 9 Monaten waren 17 Schuss P8, 65 Schuss G36 und 0 Schuss MG3.
    Das nSAK soll jetzt ganz anders sein, aber liest sich in den Kommentaren nicht so.

  • Daniel Lücking   |   19. Juli 2018 - 11:53

    Hitzestress-Messgerät TC1000 – wo ist eigentlich die Fähigkeit bei Ausbildern hin verschwunden, ihre Rekruten angemessen zu belasten? Ausbilder, die am Ende eines Ausbildungstages hohe Ausfallquoten produziert haben, haben ihren Job nicht verstanden.
    2002 marschierten wir gut 10 Kilometer mit Offizeranwärtern zu Beginn des dritten Dienstmonats durch den Sand in Lehnin. Bei Ankunft am Lagerplatz war klar: Belastung auf das allernötigste für den Rest des Tages reduzieren.

    Im Hitzesommer 2003 haben wir unsere Ausbildungsinhalte durchgezogen und die Anweisung vom Zugführer war klipp und klar, niemanden zu überlasten… Pausen einzuplanen und Schatten zu nutzen, wo es nur geht.

    Da Problem liegt – aus meiner Sicht – eher darin, dass die Ausbilder zu häufig in der Grundausbildung tätig sind. Dadurch entwickelt sich die Leistungsfähigkeit gegenüber den Rekruten zu sehr fort. Nach vier Grundausbildungen am Stück geht dann das Gespür dafür verloren, wie sich die erste Grundausbildung angefühlt hat.

    Im Gegensatz zu den anderen Kommentatoren vertrete ich die Ansicht: Grundausbildung ist keine „anhaltende Belastung, die das Mindestniveau vorgibt“. Grundausbildung ist physischer und psychischer Ausnahmezustand – besonders für Soldat_innen im regulären Dienst.

    Daher sollte aus meiner Sicht mehr auf die Zusammensetzung des Ausbildungspersonals geachtet werden. Zugführende sollten gegenüber Rekrut_innen keinen all zu großen Erfahrungsvorsprung haben und primär eine methodische Kompetenz mitbringen. Das schließt nicht aus, Schießlehrende und Gefechtsfeldexpert_innen mit zu integrieren. Erfahrung ist gut, aber wenn die methodische Kompetenz fehlt und körperliche Überlegenheit zu groß ist, dann muss nur noch ideologische Verbohrtheit dazu kommen, damit es zu Fällen von „übertriebener Härte“ kommt. Die unsägliche Gruppendynamik lässt sich ja regelmäßig im Jahresbericht des Wehrbeauftragten nachlesen.

    Stichwort Innere Führung:

    Mir wird übel, wenn ich hier lesen muss, dass Innere Führung reduziert werden sollte, um mehr Waffenausbildung zu machen.
    Innere Führung ist das Gebiet, das im Dienstalltag immer präsent ist, während eine Waffe, wie die P8 die meiste Zeit – lästig, bis unbequem – im Holster steckt. Die P8 erst nach der Grundausbildung auszubilden sollte generell keine all zu große Herausforderung sein.

  • Dante   |   19. Juli 2018 - 12:16

    Wir hatten das bei den Leuten mit den Grünen Mützen, wie oben, ohne dass es dafür einen gezielten Trainigsplan gab. Es wurde halt eingestreut. MG mit Mun schleppen, Panzerfaust schleppen, sonstiges „verletzte“ Kameraden über die Sturmbahn (giebt es die heute noch?) schleppen usw.
    Das war 2001. Also alles nicht neu.

  • ThoDan   |   19. Juli 2018 - 12:40

    @Insider

    Na was denn sonst, hoffentlich hat das Ding ne Alarmfunktion.

    @Winrich Germann, Hptm. d. Res.

    Bezüglich der Zwangsmittel habe ich schon anderes gehört.
    Man merkt bei Dehydrierung etc. aber durchaus nicht immer, das es nicht mehr geht – bis es zu spät ist.
    Besonders wenn man es mit ungewohnter Ausrüstung tut

  • Paula   |   19. Juli 2018 - 12:50

    10 Minuten laufen im Feldanzug im Sommer = 50 Minuten Pause? Die Bundeswehr sollte man langsam ganz abschaffen. Es ist nur noch peinlich.

  • Ha-Wa   |   19. Juli 2018 - 12:57

    „Zugführende sollten gegenüber Rekrut_innen keinen all zu großen Erfahrungsvorsprung haben und primär eine methodische Kompetenz mitbringen.“

    Ich kann ihren Ansatz nachvollziehen sie ist auf mehreren Ebenen aber nicht praktikabel. Sie wissens schon dass man als ZgFhr einen erheblichen Teil des Tages mit Anforderungsformularen, Logistik und Dienstplänen zu tun hat. Bei den Männern ist man nur noch in den seltensten Fällen oder zur Dienstaufsicht.

    Erstens: Ich benötige als ZgFhr nicht nur die militärische Befähigung den Zg auch zu führen, sondern auch ein gewisses Know-how wie ich welchen Antrag stelle, den Stab austricksen kann damit meine Anforderung durchgeht etc.

    Zweitens: Es gilt immer noch der Grundsatz „Führen mit Vorbild“. Es wird immer jemanden geben der besser ist als ich, sei es beim Schießen oder beim Sport. Aber man sollte als militärischer Führer immer versuchen im vorderen Drittel dabei zu sein und im Kraftraum nicht die allergrößte Mutti zu sein. Wenn ich natürlich nur 3 Killmzüge schaffe und nicht mal mein eigenes Körpergewicht beim Bankdrücken drücken kann wirds natürlich lächerlich. (Ja, der Dienstsport fällt dann meistens 1-2 h nach Dienstschluss, aber durch eine private Unfallversicherung ist man dann gut abgesichert)

    Drittens: Was einigen Ausbildern glaube ich ein wenig abgeht ist das Hineinversetzen in die aktuelle Situation der Rekruten.
    Haben bei uns in der Aga die Füße und der Rücken nach dem Marsch geschmerzt? Na sicherlich.
    Waren wir sofort die besten Schützen mit MG3, P8 und G36? Definitiv nicht.
    Haben wir so manch kleine Eskapade auf unserer Stube mit Kameraden gehabt? Niemals. ;)

    Was ich damit sagen will, dass jeder von uns, als auch die Ausbilder und ZgFhr, einmal seine ersten Schritte in dieser Armee gegangen ist. Wenn man sich im Klaren darüber ist was man damals durchgemacht und was man am Ende mitgenommen hat, dann steht einer guten und fordernden Ausbildung nichts mehr im Weg.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   19. Juli 2018 - 13:12

    @T.Wiegold | 19. Juli 2018 – 9:47
    Aus fachlicher Sicht muss ich Ihnen bezüglich „… der Untergang militärischer Ausbildung, …“ deutlich widersprechen. (Sie können Inhaltliches nicht wissen, da nicht erlebt und Folgen nicht erlitten, insofern ok).
    Natürlich, kein „Untergang des Abendlandes“, aber auf lange Sicht, bis weit nach Beendigung der verkürzten Ausbildung, die nur eingeschränkte Verwendbarkeit dieser Soldaten, die trotz aller wohlmeinenden Prognosen des InspH in der Regel nicht ausgleichbar war und sein wird.
    Aus der Historie betrachtet, alles gab es schon ein bis mehrere Male.

    1972 bis 1985/resp. 90 galt die Wehrpflicht von 15 Monaten nach bis dato 18 Monaten.
    Um Soldaten, vorgesehen für Funktionsverwendungen und auch im ZSanDstBw, früh auf benötigte DP zu setzen, wurden sechs Wochen der AGA für Ausb in der künftigen Fachfunktion zulasten der infanterischen und allgemeinen Ausbildungsanteile verwendet.
    Zum Auffang des sechswöchigen Defizits bei Waffen-, SchießAusb und Gefechtsdienst ersann das HA die Krücke „EFA Einführungsausbildung“, vom Umfang her zwei Wochen, die nach Zuversetzung durch die Stammeiheit nachträglich an den Mann zu bringen waren, zur „Begeisterung“ der neuen Fachvorgesetzten in den FGG 1 – 4.
    Praxis dann sehr häufig, nach drei Tagen war Schluss, da fast jeder StOffz/Offz im BtlSt, bzw. in entsprechenden Funktionen der selbständigen Einh dem Kdr/KpChef in den Ohren lag.
    Das Ergebnis dürfte auch Ihnen klar sein. Ein Mangel von sechs Wochen innnerhalb von – theoretisch – vierzehn – Tagen aufholen, unmöglich. In dieser Manier im Stil „Teilzeitsoldat“ angebrüteten Männer hatte folglich über 12 Monate nicht ausgleichbare, erhebliche Mangelkenntnisse.
    In Teilen dieser Zeit war ich Chef einer St/VersKp in einem PzBtl und gab ca 50% des QEB (Quartalsergänzungsbedarfs) in die FGG 1-4 des Btl ab – und gab mich dem Zustand natürlch nicht zufrieden. Ich erhöhte die Ausb der EFA auf vier Wochen einschl NachtAusb und Feuerkampf mit STAN-Waffe bei Nacht.
    Und um Einwürfen zuvor zu kommen (… kalter Krieger) ich leitete die Ausb persönlich, mit den Nachtanteilen. Mein Kdr stärkte mir den Rücken, Offz des Stabes knirschten erheblich mit den Zähnen, zumal ich auf ihre Uffz/Fw als Ausb zurückgriff, denn die nachzuholende Ausb fand nach Dienst und am Samsag statt.
    Nach vier Wochen war es vorbei, die Männer verwendungsfähig in der Funktion UND als Kämpfer.
    Das Motto meiner 1./- lautete – nebenbei –
    – Fördern heißt fordern und
    – beste Innere Führung ist kernige Gefechtsausbildung.
    To make a long story short: Versäumtes zu Ausbildungsbeginn lässt sich mit Routinemaßnahmen NIEMALS nachholen, die systemimmanenten Zwänge schließen das aus! Wer das behauptet, kann auch gleich Valium an Betroffene ausgeben.

  • Anachronist   |   19. Juli 2018 - 13:18

    Ich bin Ausbilder in einem Ausbildungszentrum.
    Ich habe erlebt, dass Feldwebelanwärter im Eingangstest, auf 3000 m, 28:07 min gelaufen sind.
    Warum gibt es keine Sportnoten mehr auf Laufbahnlehrgängen? Warum wurde der vor Laufbahnlehrgängen zu erbringende Nachweis als Voraussetzung zur Teilnahme abgeschafft?
    Das hat aus meiner Sicht bis zum „freiwilligen Eintritt in die Bw“ nur bedingt mit dieser zu tun. Wie im Artikel richtig dargestellt fallen Sportstunden in der Schule zu oft aus, „Sportausbildung“ in der Schule findet so gut wie nicht mehr flächendeckend statt.
    Vater Jahn mag etwas angestaubt sein, jedoch habe ich selbst erlebt, wie der Versuch einen Purzelbaum rückwärts, mit abschließendem Strecksprung, auf einer Matte in der Sporthalle durchzuführen, bei dem einen oder anderen Feldwebelanwärter im besten Fall mit einer Körperverknotung endete.
    „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“
    Die Ausbilder in der Bundeswehr können meiner Meinung nach nur Schadensbegrenzung in Bezug auf den Sport, der Umgangsformen, und anderen gesellschaftlichen Versäumnissen anstreben. Nichts zu tun ist fatal. Alles so weiter laufen lassen auch.
    Von daher hat es das neu AGA Model, meiner Meinung nach, verdient es mit „mehr“ Sport zu versuchen.
    Festhalten muss ich jedoch auch.
    In die Köpfe aller Soldaten, aber gerade auch der angehenden Führer und Vorgesetzten, muss sich wieder die Erkenntnis/Überzeugung festsetzten, dass Sport nicht immer nur angeordnet, im Dienst, unter Anleitung stattfinden muss. Die Bereitschaft, die erkannten eigenen Schwächen, in Bezug auf die körperliche Leistungsfähigkeit, selbst und aus eigenem Antrieb anzugehen, kann ich beim Gros zurzeit nicht ausreichend erkennen.
    „Sport? – Ich werde auch so Offizier/Feldwebel denn man braucht mich.“

  • Trevor Faith   |   19. Juli 2018 - 13:43

    @Daniel Lücking
    Keine Ahnung, wie alt Sie sind und ob Ihnen das vielleicht bekannt ist, aber vor nicht all zu vielen Monden, wurde in der AGA ausgebildet am: G3, P1, MG3 lePzFst plus Gefechtsdienst UND Sport (zu dem üblichen Kram wie Dienstkunde und InFü).

    Ich habe keine Ahnung, warum das heutzutage nicht mehr möglich sein soll und wo die Höheren KdoBehörden das Problem sehen. Wahrscheinlich sitzen in den Stäben zuviele Manager und zu wenige Truppenführer.

  • wacaffe   |   19. Juli 2018 - 13:49

    irgendwie ist diese ausbildungsnovelle doch konsequent.

    Seit Jahren wird die Bundeswehr von einer Armee mit Gefechtsaufrag hin zu einer oliv lackierten Bundesbehörde deformiert.

    Schwerpunkt bilden folgerichtig selbstverwaltung und social engineering Umerziehung a la Gleichstellung/Leistungserosion/Gesinnungnshexenjagt.

    Gefechtsdienst ist da doch nur ewiggestriger Ballast dessen man sich schnellstens entledigen muss.

    (Wer ernsthaft glaubt die durch mangelnden Gefechtsdienst in der AGA entstehenden Defizite könnte im völlig überlasteten Grundbetrieb ohne Schießbahnen/Material/Ausbilder/Zeiträume usw. usw. aufgefangen werden kennt die Bundeswehr schlicht nicht von innen oder gehört zu den professionellen Realitätsverweigerern der Besoldungsstufen A16 aufwärts)

  • Pio-Fritz   |   19. Juli 2018 - 13:53

    @Daniel Lücking | 19. Juli 2018 – 11:53

    Grundausbildung ist physischer und psychischer Ausnahmezustand – besonders für Soldat_innen im regulären Dienst.

    Grundausbildung ist mit Sicherheit eine intensive Zeit, vor allem weil nahezu alles neu ist.
    Aber das als „Ausnahmezustand“ zu bezeichnen halte ich für völlig übertrieben. Wir sprechen hier von Grundbetrieb in einem geschützten Raum.
    Ausnahmezustand haben Sie im Einsatz auf Patrouille, IED aber auf jedem Fall im Gefecht.

    Was Ihre Einlassungen zu den Ausbildern angeht, natürlich muss ein Ausbilder besser sein als der Rekrut, und zwar in allen Belangen. Alles andere ist Quatsch.
    Aber es war schon immer so, das in den Ausbildungseinheiten nicht immer die Besten waren, oftmals wurden unliebsame Dienstgrade dorthin „abgeschoben“. Man muss eben Anreize schaffen, diese Besten dorthin zu bekommen. Z.B. gewisse Verwendungsreihen gibt es nur, wenn man einen Turn (3-4 Jahre) in einer Ausbildungseinheit abgeleistet hat.

  • Aufklärer   |   19. Juli 2018 - 14:25

    @T.W.: Die Text-Bild-Schere im Zusammenhang mit dem ersten Foto und der Überschrift ist sicherlich so gewollt – oder …??? ;-)

  • reinerels   |   19. Juli 2018 - 14:48

    hallo,

    das den Rekruten mehr Fitness verordnet wird, finde ich gut. Das aber zu Lasten grundlegender militärischer Tätigkeiten, wie dem Gefechtsdienst, zu tun, halte ich für falsch.

    Gefechtsdienst, also Infantrie Gefechtsdienst, fordert und fördert die körperliche Fitness genauso. Da schlägt man also 2 Fliegen mit einer Klappe.
    Die Ausbildungszeit für die Abc-Abwehr halte ich generell für alarmierend niedrig.

    Warum nicht so: vor Beginn der AGA 4 Wochen körperliche Fitness mit einem abschließenden Test. Wer dann diesen Test besteht, beginnt mit der AGA, die anderen müssen die 4 Wochen wiederholen oder werden nicht genommen.

    Mir ist nach wie vor unverständlich, wie Offiziersanwärter mit so einer schlechten körperlichen Verfassung überhaupt genommen wurden.
    Schließlich sollen die doch später mal durch Beispiel führen. Wie soll das bitte gehen?

    ein sehr nachdenklicher ehemaliger Infanterie Feldwebel

  • Tim K.   |   19. Juli 2018 - 15:26

    Die Bundeswehr ist in der Realität angekommen. Wenn ich Bewerber habe, bei denen alles andere paßt außer der Fitness, dann muß ich dafür sorgen, daß diese Fähigkeit trainiert wird. Unabhängig davon, ob mir das jetzt paßt oder nicht, früher alles besser war, etc. Abwarten und auf andre Zeiten hoffen, macht die Lage nicht besser.

    Und wie man Vater, ehemaliger Wehrleiter einer FFW immer sagte: „Den Nachwuchs mußt Du selber ranziehen. Das macht kein andrer für Dich.“

  • Escrimador   |   19. Juli 2018 - 16:37

    Die körperl. Belastung beim Sport kann sicherlich besser dosiert werden als bei der grünen Ausbildung. Nach Belastung müssen aber Pausen eingehalten werden. Wenn die Grundausb. noch 3 Monate (ca. 12 Wochen) dauert bedeuten 110 Std Sport gut 9 Std Sport pro Woche, also jeden Tag ca. 2 Std, zuzüglich sonstige körperliche Belastungen. Da muss die Belastung gut geplant werden, wenn man Untrainierte nicht überfordern will.

    Es ist aber auch egal, ob es funktioniert. Nach den Unglücksfällen hat man zumindest was unternommen.

  • Werferfehler   |   19. Juli 2018 - 16:47

    @reinerels:
    Zitat: „Warum nicht so: vor Beginn der AGA 4 Wochen körperliche Fitness mit einem abschließenden Test. Wer dann diesen Test besteht, beginnt mit der AGA, die anderen müssen die 4 Wochen wiederholen oder werden nicht genommen.“

    Und in diesen 4 Wochen sind die zukünftigen Soldaten
    a) warum
    b) in welchem Dienstverhältnis
    bei der Bundeswehr? Bitte beachten Sie: Es geht um rechtliche Regelungen die nicht einfach so ausgehoben werden können.

    Werferfehler

  • Carnivora   |   19. Juli 2018 - 17:00

    1.Wir haben den Nachwuchs, den wir haben – es gibt keinen anderen.
    2.Wir haben einen Beruf, der eine dauerhaft vorhandene und immer abrufbare, körperliche Grund-Robustheit fordert – das gilt auch für IT, Stab und alle anderen Uniformträger.
    3.Dieses Delta kann und muss früh innerhalb der SK geschlossen werden.
    4.Das Zeitbudget ist durch Dauer GA und die Regeln der SAZV definiert.
    Daher:
    Der Ansatz InspH ist sachgerecht, weil
    -inhaltlich sicher zielführend,
    -zeitnah die Grund-Robustheit erreicht wird,
    -die verdrängten AusbInhalte nachgeholt werden (können),
    -Überforderung / AusbFehler vermieden werden.
    Aber natürlich hat das Konsequenzen, wie bereits tlw. oben genannt. Und genau dafür gibt es Fhr / Insp, die das abzuwägen haben und in Kenntnis der Preisschilder dann entscheiden (dürfen/müssen).
    Warum das dann aber wieder erst in 2019 erfolgen soll, erschließt sich mir nicht. Vllt. will er bis dahin aber auch selbst ein wenig an sich arbeiten … .

  • Zimdarsen   |   19. Juli 2018 - 17:26

    @reinerels

    „das den Rekruten mehr Fitness verordnet wird, finde ich gut. Das aber zu Lasten grundlegender militärischer Tätigkeiten, wie dem Gefechtsdienst, zu tun, halte ich für falsch.“

    Sinn und Zweck der Grundausbildung ist nicht die abschließende Befähigung zum Kampf im Gefecht. Für unsere Kämpfer gibt es nach der AGA genügend Lehrgänge, Übungen und Dienstzeit sich die benötigten Fähigkeiten anzueignen.

    „Mir ist nach wie vor unverständlich, wie Offiziersanwärter mit so einer schlechten körperlichen Verfassung überhaupt genommen wurden.“

    Das Problem ist nicht, wie Personal in die Bw über kommen wird, denn man muss nehmen was man bekommt. Das Problem ist wann man, was daraus macht. Bildung ist auch bei der Fitness ein Prozess und keine Momentaufnahme.

    „Schließlich sollen die doch später mal durch Beispiel führen. Wie soll das bitte gehen?“

    In dem man Ihnen die Gelegenheit gibt, sich zu ertüchtigen und sie dabei unterstützt.

  • Soenke Marahrens   |   19. Juli 2018 - 18:36

    Zimdarsen +1

  • gast   |   19. Juli 2018 - 18:46

    @zimdarsen

    man bekommt, was man verdient …!

  • T.Wiegold   |   19. Juli 2018 - 18:47

    Ein Fun Fact:

    Sie haben zu viel gefuttert, haben sich zu wenig bewegt, sind einfach zu träge: Viele Bewerber für den Dienst unter der Fahne der Bundeswehr sind für die Armee zu dick. Das ergab eine Studie des Zentralen Instituts des Sanitätsdienstes der Bundeswehr in Koblenz. (…) Die körperliche Leistungsfähigkeit junger Männer sei in den letzten fünf Jahren „gravierend zurückgegangen“, berichtet der Militärarzt zum Jahresausklang.

    Das war eine Geschichte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung – im Dezember 2005, als noch niemand an eine Aussetzung der Wehrpflicht dachte. Scheint also, dass auch mit Wehrpflicht dieses Problem nicht einfach wegfallen würde…

    Da die Geschichte fast 13 Jahre alt ist, ist auch ein Link ok:

    http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/wehrpflicht-zu-dick-fuer-den-bund-1280326.html

    (Noch ein Fun Fact: Der da auf einem dpa-Foto abgebildete Soldat ist Tilo Jung, damals Wehrpflichtiger und heute bekannt durch sein Video-Format Jung&Naiv. Das Foto ist übrigens in mindestens einer Zeitung heute wieder aufgetaucht, zur Illustration des Pilotversuchs in Hagenow…)

  • Zimdarsen   |   19. Juli 2018 - 19:09

    @gast

    „man bekommt, was man verdient …!“

    Welchem Wertegefüge entstammt dieser Satz und wer ist -man-?

    Die Gesellschaft ist wie Sie ist und am wenigsten sind unsere Jungen Menschen dafür verantwortlich. Selbst da wo sie sich in die Obhut und Verantwortung von den so sehr erfahrenen Menschenführern begeben und freiwillig dienen wollen behandeln wir Sie nicht wie wertvolle Menschen welche es zu trainieren und auszubilden gilt. Jedem guten mili Führer ist es möglich seine Truppe zu formen oder haben wir zu wenig gute, erfahrene und anständige Führer?

  • Ungedienter   |   19. Juli 2018 - 19:20

    Wenn der Soldat durchschnittlich 10 Jahre dabei bleibt, warum dann nicht die Grundausbildung um einen Monat verlängert? Bisher sehe ich keine Begründung warum man das nicht tut.

  • Shock   |   19. Juli 2018 - 20:09

    Muss man, wenn man mit Bravour den „Basis Fitness Test (BFT)“ besteht, diese merkwürdigen Übungen auch mitmachen? Wahrscheinlich schon, oder? Warum sollte man dann vor seinem Dienst sich fitmachen?

    In Berlin gibt es einen ziemlich einfachen, aber geeigneten Test bei der Feuerwehr: Hindernislauf in einer bestimmten Zeit und 40mal ein Gewicht „anreißen“ mit 40kg (Verletztenbergungsübung) – geschlechtsunabhängig. Wer den nicht besteht, kann wieder gehen!

    Wenn ich mir das angucke beim BFT, dann bin froh, dass die Feuerwehr sich nicht mit einem „Klimmhang“ zufrieden gibt!

  • Icarus   |   19. Juli 2018 - 21:05

    Die Amerikaner haben lange vor uns begriffen, welche Anforderungen in einer Grundausbildung voller Menschen, deren Heterogenität nicht mehr zu steigern ist, noch gestellt werden können und was das Ziel einer vernünftigen Grundausbildung sein kann. In ein Wort gefasst: Teamgeist. Mehr nicht. Denken und Agieren im Kollektiv ist der einzige gemeinsame Nenner, der erreicht werden kann und Grundlage jedoch weiteren militärischen Ausbildung sein muss. KLF ist das Trittbrett dafür.
    Wir bilden in der Grundausbildung beim Gefechtsdienst einen Haufen Blödsinn aus, der weder zur Teambildung beiträgt, keine Abholpunkte für weiterführende Ausbildung schafft und im seltensten Fall Anwendung findet. Als Beispiele: Alarmposten und geleiteter Feuerkampf in der Verteidigung.
    Auch unser Auftrag in der Grundausbildung muss es daher sein, aus den vielen Individuen Gruppen zu formen, die sich mit Ihrer Teileinheit und den Streitkräften identifizieren. Damit wäre schon eine Menge geschafft. „Wenn einer von uns müde wird, der andere für ihn wacht…“

  • gast   |   19. Juli 2018 - 21:34

    @zimdarsen

    1. Wertegefüge:christlich/biblisch/salomonisch (Sprüche 24,12b)
    2. Wenn man die Besten will muss man eben bestes bieten. Wenn man dies nicht kann „denn man muss nehmen was man bekommt.“.

    Sind auch diese Bewerber keineschlechte Menschen. Fraglich ist nur, ob diese Bewerber die am besten geeignetsten sind für den für wahr körperlich anspruchsvollen Beruf „Soldat“.

    Und ich behaupte nicht, dass es sicher nicht eine steile These ist, dass sich aus der körperlichen Fitness eines Bewerbers die Grundeinstellung zu körperlicher Belastbarkeit abzulesen ist. Aber das Motto „Bedarf schafft Eignung“ ist vielleicht doch nicht der ideale Weg sich seine Mitstreiter auszuwählen. Aber es ist sicher ein vielversprechender Ansatz die Bewerberzahlen zu steigern indem man die Eintrittshürden einfach maximal vertretbar tief ansetzt. Es lässt sich sicher aus jedem Menschen unter optimaler Führung das optimale Herausholen. Wenn das individuell optimal Erreichbare genug ist, ist doch gut. Und dann schaffen wir doch einfach die GNr. 2 ab …. (sarc off)

  • Frank Stümpert   |   19. Juli 2018 - 22:19

    Wenn ich mal aus dem berühmten Nähkästchen plaudern darf: W15 Mitte der 80er Jahre. PzGrenBtl 173, 1. Zug. Zugführer Leutnant Jörg Vollmer. Am Anfang sah ich wie hinein gesch… in den Kampfanzug aus, am Ende auf dem Rollfeld in Winnipeg/Manitoba (3 Wochen Camp (CFB) Shilo), waren aus uns drahtige Kämpfer geworden. Ich habe in den mehrmals wöchentlich durchgeführten Sporteinheiten (u.a. Feld- und Straßenläufe) sowie den Sportwettkämpfen großes Selbstvertrauen gewonnen. Nach gesundheitlichen Problemen treibe ich seit 6 Jahren wieder regelmäßig Sport, auch Kampfsport. Es gibt nichts Besseres für die jungen Rekruten!

  • Unsportlicher   |   19. Juli 2018 - 23:13

    @gast: „körperlich anspruchsvollen Beruf „Soldat““

    Es gibt nicht ‚den Soldaten‘.
    Es gibt viele Soldaten, die körperlich gefordert werden. Täglich.
    Es gibt aber auch sehr viele Soldaten, bei denen die einzige körperliche Tätigkeit der Bürogang ist. Und dies schon seit Jahren.

    Das Problem ist einfach, dass man sich nicht einigen kann (auch hier nicht), ob man wirklich alle 180.000 Soldaten so fit haben muss, dass sie z.B. ohne Probleme am nächsten Tag einen 30km Marsch schaffen würden oder diesen Sporttest bestehen könnten.

    Ich fände es auch schön, wenn alle 180.000 diese Anforderungen erfüllen, glaube aber nicht, dass dies wirklich notwendig ist.
    Nicht einmal alle Soldaten beim Heer.
    Habe selbst Freunde die dicker/unsportlicher wurden, weil sie so wenig im täglichen Dienst gefordert werden.

    Beispiel IT-Feldwebel war ja auch ganz gut von einem Kommentator gewählt. Der kann dick und runzlig sein und trotzdem die Kampfkraft der Kompanie erhöhen.

  • gast   |   20. Juli 2018 - 0:13

    @unsportlicher

    ich war achtmal in AFG – überwiegend im Sommer. Da kommt man auch ohne Belastung schnell an seine Grenzen. Glücklicherweise musste ich bisher nie „soldatische“ Tätigkeiten im eigentlichen Sinn erfüllen (DP bedingt). Aber ich halte es trotrzdem für unverantwortlich, mangels körperlicher Eignung diese im Zweifel nicht abrufen zu können.

    Und nebenbei zur Info:
    Ich bin A15, habe in meiner BW Karriere (auch wenn es nicht für möglich hält) – und die begann wie bei allen ganz „unten“, wirklich niemals einen Leistungsmarsch, PFT, BFT, IGF, Sportabzeichen oder sonstiges machen müssen – in Mangelverwendungen wurde da auch in der Vergangenheit nicht drauf geschaut – nicht mal bei der BS Auswahl. Deshalb weiss ich sehr wohl, was geht und was nicht. Wenn man dann aber nicht selbstverantwortlich genug ist …..

    Deshalb halte ich die grundsätzliche Möglichkeit der Herabsetzung von Eintrittshürden für unklug und sollten wirklich im schlechstesten Fall Einzelfallentscheidungen sein und bleiben. Wenn das aber schon in einer gewissen Breite diskutiert wird, sind wir von Einzelfällen weg ….

  • Sommerbiwak   |   20. Juli 2018 - 2:07

    Unsportlicher | 19. Juli 2018 – 23:13:“Das Problem ist einfach, dass man sich nicht einigen kann (auch hier nicht), ob man wirklich alle 180.000 Soldaten so fit haben muss, dass sie z.B. ohne Probleme am nächsten Tag einen 30km Marsch schaffen würden oder diesen Sporttest bestehen könnten.“

    mens sana in corpore sano wie die alten Lateiner sagen. Wie ihr Beispiel mit dem dicken IT-Fw zeigt: mit Dienstsport wäre das nicht passiert. Außerdem ,wenn der Kreislauf gut läuft, macht man nicht vor dem Bildschirm schlapp und kann besser denken.

  • Wa-Ge   |   20. Juli 2018 - 6:52

    @Unsportlicher | 19. Juli 2018 – 23:13

    „Beispiel IT-Feldwebel… Der kann dick und runzelig sein und trotzdem die Kampfkraft der Kompanie erhöhen.“

    Mal sehen wie es mit der Kampfkraft der Kompanie aussieht, nachdem diese ihn aus dem angesprengten Fahrzeug bergen musste und zum Sanni tragen musste.

    Es gibt zig Studien die belegen, dass körperliche Fitness die Gesundheit fördert. Leute, wenn unsere Feldwebel und Mannschafter bis in die 60er Jahre aktiven Dienst betreiben sollen, dann wird das ohne Fitness nicht gehen, weder beim Infanteristen noch beim IT Feldwebel. Der nutzt der Komapnie eben auch nichts wenn er wegen Diabetis/Rückenschaden/… krankgeschrieben oder in Behandlung ist.

    Wie man es dreht oder wendet, jeder Soldat braucht eine Grundfitness und diese muss schon aus dem Selbstverständnis heraus höher sein als im Zivilleben.

  • Zimdarsen   |   20. Juli 2018 - 8:04

    @Wa_Ge

    „Wie man es dreht oder wendet, jeder Soldat braucht eine Grundfitness und diese muss schon aus dem Selbstverständnis heraus höher sein als im Zivilleben.“

    Darüber sind sich alle einig!

    Es geht nicht um das was man gerne hätte, sich wünscht, sein müsste, sondern um die Wahrnehmung des ist und was zu tun ist um das max Erreichbare zu ermöglichen und selbst das sind dann nicht 100% fitte Soldaten.

    Wenn man nur die Wahl zwischen Stelle nicht besetzt und fachlich fähig aber nicht ganz fit, dann ist klar für was man sich entscheidet.

    Unsere Kampftruppen sind in einem guten Zustand wenn es um die Fitness geht unsere Probleme sind wo anders.

    P.S.: Soldat mit 62+ in allen Verwenduungen ist kein Modell für die Zukunft.

  • Klauspeterkaikowsky   |   20. Juli 2018 - 8:29

    @Zimdarsen
    Ich hoffe sehr, mit der Fitness der Kampftruppe liegen Sie richtig.

  • Koffer   |   20. Juli 2018 - 8:30

    @Zimdarsen | 20. Juli 2018 – 8:04
    „P.S.: Soldat mit 62+ in allen Verwenduungen ist kein Modell für die Zukunft.“

    Das sehe ich genauso wie Sie aber da es vermutlich Realität werden wird (für Offiziere ist es das ja fast schon), zieht das Argument von @Wa-Ge halt umso mehr.

    Und selbst wenn es bei 61 bleibt: Sport verringert den Krankenstand langfristig signifikant!

  • Daniel Lücking   |   20. Juli 2018 - 9:45

    Pio Fritz:
    „Was Ihre Einlassungen zu den Ausbildern angeht, natürlich muss ein Ausbilder besser sein als der Rekrut, und zwar in allen Belangen. Alles andere ist Quatsch.“
    Ha-Wa:
    „Wenn man sich im Klaren darüber ist was man damals durchgemacht und was man am Ende mitgenommen hat, dann steht einer guten und fordernden Ausbildung nichts mehr im Weg.“

    Meine Äußerungen schließen das ja nicht aus. Ich hinterfrage nur die charakterliche Eignung der Ausbildenden. Und die war schon zu meiner Zeit nicht immer gegeben. Da wurde versucht, eigene Unzulänglichkeiten durch Drill und übertriebene Härte zu überspielen. Und nur weil der Zugführende oft genug im Fitnessraum pumpt, macht das noch keinen methodisch kompetenten und fachlich qualifizierten Vorgesetzen aus.
    Insbesondere beim „Grenzen erkennen“ mangelt es.

    Beispiele? Auf geht’s:

    Eine junge Frau Leutant orientierte sich als Zugführerin an ihrem Oberfeldwebel-Freund, war aber nicht in der Lage zu planen, mobbte einen Fähnrich und gab Befehle, die gefährlich waren. Dem jungen Fähnrich fehlte es damals an Rückgrat. Er stand kreideweiß vor mir und berichtete, dass er einen Beinaheunfall hatte, weil Frau Leutnant einen irren Zeitplan aufgestellt hatte und er Rekrutengruppen zur Abschlussübung mit Tempo 120 über Eifellandstraßen kutschieren musste.
    Das war nur ein Beispiel aus zahlreichen, mit denen sich dann der Beauftragte für Erziehung und Ausbildung befasste bzw. der Kompaniechef auf dessen Anruf.

    Ich hab in meiner Zeit gute Ausbilder gesehen. Das haben auch alle anderen bemerkt. Es gab aber auch genug alkoholkranke Schreihälse, Möchtegernrambos und frustrierte Edeka-Oberweldwebel, die außer zu schreien nichts drauf hatten.

    Führen durch Vorbild habe ich immer geschätzt, immer angestrebt. Dazu gehört aber auch das Eingeständnis, wenn etwas nicht geht. Das betrifft auch und ganz besonders das Wetter. Wer bei Hitze nicht angemessen handelt – und das heißt eben nicht zu sagen „das muss der Soldat aushalten“ – handelt genau so fahrlässig, wie bei Gewitter keinen Schutz zu suchen.

    Die Grundausbildung ist ein Lehrgang an dessen Ende gegebenen Falles Mängel und Nachschulbedarf identifiziert sein muss. Bis zum Einsatz ist dann hoffentlich noch Zeit.

    Trevor Faith

    „Keine Ahnung, wie alt Sie sind und ob Ihnen das vielleicht bekannt ist, aber vor nicht all zu vielen Monden, wurde in der AGA ausgebildet am: G3, P1, MG3 lePzFst plus Gefechtsdienst UND Sport (zu dem üblichen Kram wie Dienstkunde und InFü).“

    Meine AGA begann am 1.9.1998 und umfasste exakt die von ihnen beschriebenen Inhalte. Das ganze innerhalb von 2 Monaten plus 2 Wochen Sicherungs- und Wachausbildung.

    Weitere AGAs habe ich zwischen 1999 und 2000 aus der Sicht des Personalbearbeiters erlebt, 2002 als Hilfsausbilder (OA) begleitet, 2003 als Fahnenkunker und GrpFhr erlebt, 2004 zunächst als KpTrpFhr i.V. geplant, dann als stellv ZgFhr begleitet, bevor ich dann wieder den KpTrpFhr vertrat. Meine letzte AGA hatte ich Ende 2004, Anfang 2005.

    Warum so ausführlich: ich habe Rekruten vom Vorzeigen des Einberufungsbescheids bis zum Ende der AGA erlebt, kenne die Lebensläufe, Qualifikationen und Motivationen derer, die sich damals für eine Verpflichtung entschieden haben und habe in allen Ebene diesen Ausbildungsabschnitt begleitet.

    Es gab kaum ehemalige Rekruten, die sich nicht darüber beklagt hätten, dass mit dem nachverfolgendem Durchgang nicht „zu lasch“ verfahren würde, denn schließlich „war das bei uns noch ganz anders“ und natürlich „viel härter“.

    Es gibt besonders dann ein Problem in AGAs, wenn Zugführende autoritär führen und zu wenig wert darauf legen, Rücksicht auf die körperlichen Gegebenheiten zu nehmen.

    Ein anderes Problem ist, wenn Kompaniechef_innen den Zugführenden nicht den Rücken frei halten. Ich hab AGA-Durchgänge erlebt, da war der Zugführende mit der Arbeit des Kompaniechefs belastet und schaffte es nur durch Schlafverzicht halbwegs Dienstaufsicht bei der Abschlussübung zu führen. 72 Stunden wach sind einfach nicht gesund und es bleibt ein Glücksfall, wenn dabei nichts gravierendes passiert.

    Fazit:
    Ausbildende können nur mit dem Maß an körperlicher Belastung agieren, was der Ausbildungsgruppe angemessen ist. Dazu brauchen sie Zeit, die Gruppe kennenzulernen, Feingefühl, wo Belastung angemessen ist und Rückgrat auch eine Entscheidung zu treffen, die dem Ausbildungsziel scheinbar zuwider läuft.
    Wo immer Ausbildende in das andere Extrem verfallen, riskieren sie Gesundheit und das Leben der Rekruten. Für eine allgemeine Grundausbildung ist das nicht angemessen.

    Ich spreche mich für eine sechsmonatige IGF-Zeit aus, in der Rekruten die Grundausbildung durchlaufen und sich einen körperlichen Leistungsstand erarbeiten. In dieser Zeit können viele theoretische und praktische Inhalte mit Einsatzbezug ausgebildet werden. Fokus sollte gleichmäßig auf körperlicher Leistungsfähigkeit und Grundlagenvermittlung liegen.

    Nicht zuletzt:
    In den letzten 20 Jahren hat sich einiges geändert. Schullaufbahnen sind ein Jahr kürzer und fordernder. Die Sportausbildung in der Schule wurde auch nicht besser. Die körperlichen Aktivitäten gingen generell zurück. Darauf muss die Bundeswehr reagieren. Die Trotzhaltung „früher war alles besser“ ist keine angemessene Reaktion darauf.

  • Zimdarsen   |   20. Juli 2018 - 10:06

    @Koffer

    „Und selbst wenn es bei 61 bleibt: Sport verringert den Krankenstand langfristig signifikant!“

    Stimmt, wer schreibt was anderes?

    @all

    Es geht hier um die AGA und es sollte nicht vergessen werden, dass wir:

    1. Nicht nur aus KSK und Fallis bestehen
    2. Aus eine Absolventen der AGA keine Soldaten fürs Gefecht ausbilden.
    3. Die Ausbildung zur Befähigung zum Gefecht in den Fachlehrgängen und Übungen erfolgt.
    4. Man in 3 Monaten nicht jeden Menschen nachhaltig bis zum Austritt aus dem aktiven Dienst fit macht.
    5. Wir dringend auch Kombatanten benötigen welche evtl körperlich/sozial/psychisch eingeschränkt sind aber eben bestimmt wichtige Fähikeiten besitzen.
    6 Wir, egal was wir tun 180 000 Menschen nicht halten können wenn wir nur die Besten (Definition) der Gesellschaft haben wollen, sondern wir müssen die Besten auf den DP bringen wo ihre Fähigkeit am effektivsten zur Schlagkraft bei trägt.

    ……..da muss man dann auch in Kauf nehmen, dass in einer Extremsituation Verluste im Gefecht erlitten werden. Das trifft aber nicht nur auf Menschen mit körperlicher Einschränkung zu sondern im Besonderen auf die Eifrigen und Rambos.

  • Daniel Lücking   |   20. Juli 2018 - 10:08

    Stichwort Körperliche Leistungsfähigkeit im Regeldienst

    Wenn das BMVg nicht Willens ist, Sportzeiten fest im Rahmendienstplan zu verankern UND gleichzeitig damit zu leben, dass das ein gleichwertiger Teil des Dienstes ist, dann darf auch kein Sporttest zu irgendwelchen Leistungsermittlungen herangezogen werden.

    Wenn die „Auftagslage“ Dienstsport nicht zulässt, dann stimmt etwas mit den Ambitionen dieser Armee nicht. Dann wird wieder – wie schon zu meiner Zeit – zu viel mit zu wenig Personal gewollt. Das kann man beim Namen nennen: das sind dann Planungsfehler.

    Fehler in der Personal- und Einsatzplanung, wenn man Fähigkeiten durchhaltefähig in internationale Verpflichtungen meldet (Disclaimer: aus exakt diesen Zustand resultiert meine Einsatzschädigung).

    Fehler in der Aussen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik, die diese Verpflichtungen eingeht, aber offensichtlich nicht beurteilen kann, wozu die Armee in der Lage ist.

    Fehler in der parlamentarischen Kontrolle, die nicht wirkungsvoll bremsen kann, wo BMVg und Einsatzführungskommando Mängel verschweigen oder verstecken.

    Jeder Dienstposten im Einsatz, der perspektivisch nicht auf 2 Jahre hinweg mit 6 Namen gefüllt werden kann, die nicht schon für andere Einsatzverpflichtungen gemeldet sind, darf nicht international zugesagt werden. Punkt. 4 Monate Ausland – 20 Monate Dienst im Inland muss zur Regel werden. Besonders bei Experten. Denn die hat man sonst nicht lange.

  • Zimdarsen   |   20. Juli 2018 - 10:54

    Es wäre mal interessant wie sich die körperliche Leistungsfähigkeit in den Kampftruppen über die Jahre entwickelt hat.

    Meine subjektive Wahrnehmung ist, dass sich in vielen Bereichen welche für den direkten Feindkontakt aufgestellt sind die Professionalität erhöht hat.

    Evtl haben wir ja auch viele körperlich fitte Leistungsträger in den falschen Bereichen eingesetzt. Dass man sich grundsätzlich in der Etappe mehr Einschränkungen in der Fitness leisten kann als vorne (wo immer das ist), dürfte klar sein.