Kommt der Bundeswehr-Korporal? Noch scheint es offen


Wird die Bundeswehr für lang dienende Mannschaftssoldaten künftig den neuen Dienstgrad Korporal einführen, den es in anderen europäischen Armeen, zum Beispiel den Niederlanden (s. Foto), schon gibt? In der vergangenen Woche versteckte das Deutsche Heer in einem  Bericht zu „Dienen 4.0“ im Spannungsfeld zwischen Einsatzbereitschaft und Attraktivität* die Ankündigung:

Korporale und Stabskorporale – so sollen zukünftig zwei neue Dienstgrade in der Laufbahn der Mannschaften heißen.

Ich habe daraufhin mal nachgefragt; meine Fragen und die Antworten (kursiv) vom Verteidigungsministerium am (heutigen) Dienstag:

Die beiden vorgesehenen Dienstgrade sind Teil einer geplanten Neuausrichtung der Laufbahn der Mannschaften des Truppendienstes, die mehr umfasst, als die beabsichtigte Einführung neuer Dienstgrade.
Wir wollen die tatsächlich anfallenden, insbesondere mit herausgehobenen Tätigkeiten und Verantwortlichkeiten verbundenen Aufgaben im Truppendienst sachgerechter und differenzierter ausbringen können.

Wie ist das Verfahren zur Einführung dieser neuen Mannschaftsdienstgrade und wann ist mit der Umsetzung in der Truppe zu rechnen?

Grundsätzlich ist zu sagen, dass die Einführung der neuen Dienstgrade weder entschieden noch deren genaue Bezeichnung endgültig festgelegt ist.
Für diese Neuausrichtung ist eine Änderung des Bundesbesoldungsgesetzes (Einfügung neuer Dienstgradbezeichnungen bei der entsprechenden Besoldungsgruppe) in Federführung des BMI sowie eine förmliche Anordnung über die Einführung der Dienstgrade und Dienstgradabzeichen erforderlich.
Dem Bundespräsidenten obliegt die Zuständigkeit für die Anordnung der Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldaten. Beide erforderlichen Vorabstimmungen sind initiiert. Mit einer tatsächlichen Umsetzung ist frühestens in 2021 zu rechnen.

In welcher Besoldungsgruppe werden die neuen Mannschaftsdienstgrade angesiedelt sein und wie wird die Abgrenzung zu Stabs/Oberstabsgefreiten einerseits und Unteroffizieren andererseits vorgenommen?

Auch über die besoldungsrechtliche Einordnung ist noch nicht abschließend entschieden worden. Hierzu ist die ressortübergreifende Abstimmung – wie oben beschrieben – notwendig.
Unsere Absicht ist es, die vorgesehenen Dienstgrade der Besoldungsgruppe A6 zuzuordnen. Damit ergäbe sich die Abgrenzung in der Laufbahn der Mannschaften des Truppendienstes zu den Oberstabsgefreiten (A5).

Welche Voraussetzungen sind an die neuen Mannschaftsdienstgrade geknüpft?

Die neuen Mannschaftsdienstgrade sollen den leistungsstärksten Soldatinnen und Soldaten ihrer Laufbahn nach dem Prinzip der Bestenauswahl vorbehalten bleiben.

Wie werden die neuen Mannschaftsdienstgrade im NATO-Raster, z.B. zwischen OR-4 und OR-5, positioniert?

Über eine Zuordnung zu einer in der NATO standardisierten Dienstgradcodierung ist noch nicht entschieden worden.

Also: Ob und wann der Korporal kommt und wie er heißt, scheint noch offen. Allerdings zeichnet sich schon eines ab: In der Marine, so höre ich, würde er oder sie dann auch Korporal heißen.

*Die Datei dazu:
„Dienen 4.0“ im Spannungsfeld zwischen Einsatzbereitschaft und Attraktivität

(Foto: Dienstgradabzeichen eines Korporaal der niederländischen Armee – am Gefechtsanzug am Hosengürtel angebracht)

79 Kommentare zu „Kommt der Bundeswehr-Korporal? Noch scheint es offen“

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   19. Juni 2018 - 22:16

    Der Korporal (Corporal [engl.], Caporal [frz.]) ist in vielen Streitkräften der unterste Rang der Unteroffiziere. In den Niederlanden ist „Korporaal“ einer Langdiener im Mannschaftsrang.
    In Preußen stand der „Corporal“ einer bis zu 30 Mann starken Korporalschaft vor. Er war der niederste Unteroffiziersdienstgrad. In früheren anderen deutschen Heeren wurde der unterste Unteroffiziersdienstgrad ebenfalls zeitweise mit Corporal bezeichnet, so z.B. in Bayern als Korporal bzw. Vize-Korporal bis 1872.
    Der Duden kennt eine „Korporalschaft“ als Unterabteilung der Kompanie im inneren Dienst.
    Die Bezeichnung Corporal wurde in Preußen 1810 begonnen, um 1853 in „Unteroffizier“ geändert zu werden. Wohlmeinende könnten mithin sogar einen Rückgriff auf Tradition der Befreiungskriege anbringen

    Eine eindeutige Differenzierung zum jüngsten Unteroffizierdienstgrad der Bundeswehr ist unzweifelhaft erforderlich, vor allem auch hinsichtlich Verantwortungsbereich und Ausbildung.
    Ob die „Dienstgradinflation“ bei Mannsch so bleiben kann (bis zum OStGefr), ist hoffentlich Teil eines Prüfauftrages.

    St. Bürokratius wiehert: „Mit einer tatsächlichen Umsetzung ist frühestens in 2021 zu rechnen“. – 3 Jahre – .
    Noch deutscher geht nicht, trotz Beachtung des ordnungsgemäßen Prozesses mit BMI und BPräs.

  • Oberleutnant   |   19. Juni 2018 - 22:16

    Früher (und damit meine ich nicht vor 30 Jahren, sondern vor weniger als 10 Jahren) waren nur bestimmte DP für den Spitzendienstgrad OSG designiert. Auf diese wurde gezielt das Spitzenpersonal unter den Msch gesetzt.
    Dann wurden, auch auf Betreiben des DBwV, alle DP gebündelt und so waren alle DP für Msch konsequent auf die DG Spanne G – OSG codiert.
    Dann hat man die Zeiten für Beförderungen zur Stärkung der Attraktivität heruntergesetzt. Nun konnte man in etwas über 4 Jahren den Spitzendienstgrad OSG erreichen.
    Dann wurden die SaZ25 eingeführt und die Erkenntnis setzte ein, dass man in den folgenden 19 Jahren noch Anreizsysteme schaffen muss. Geschichte wiederholt sich halt…
    Was haben uns diese Dienstgradinflationen gebracht? Was hat es gebracht, dass ein Unteroffizier bereits nach 7 Jahren den DG eines HF hat?
    Was bringt es, dass ein BS Offz mit Ende 30 bereits OTL (im Großteil der Fälle auch der Enddienstgrad) ist?
    Das gesamte Dienstgrad- und Beförderungssystem (sorry, meine natürlich Ernennungen) ist hinsichtlich der Aspekte Stehzeiten und individuelle Leistung inzwischen völlig verkorkst. Die Kreation neuer, zusätzlicher Dienstgrade ist da m.E nicht die Lösung.

  • Voodoo   |   19. Juni 2018 - 22:22

    Mit der stetig zunehmenden Dichte (und dem damit verbundenen und empfundenen Prestigeverlust) an OSG war dieser Schritt abzusehen. Aber noch etwas anderes treibt mich um:

    Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Jörg Vollmer, hat flankierend in seinem
    Inspekteurbrief vom 9. März die linke und rechte Grenze für die Neugestaltung der Ausbildung zum Offizier des Truppendienstes festgelegt.

    Verzeihung, hier stehe ich auf dem Schlauch – wie soll die OffzAusbildung den nun aussehen? So wie „früher“ mit Studium nach drei Jahren oder was ganz Neues?

  • Zimdarsen   |   19. Juni 2018 - 22:50

    Das kommt davon wenn man Erfahrung und Dienstgrad (VVO) mit Gehalt und Attraktivität verwechselt.

    Jetzt haben wir StFw und Hauptleute mit 26/27 Jahren ohne Erfahrung und ohne Prüfung auf Uffz- Offzlehrgang.

    Der Uffz und FD-Offz verliert unglaublich an Ansehen und Image.

  • Stephan L.   |   19. Juni 2018 - 22:51

    Fände ich eine gute Sache. Es wurde ja bereits darauf verwiesen, dass die meisten Mannschaftssoldaten bereits nach vier Jahren ihren Enddienstgrad erreicht haben. Mit den Korporalen hätte man dann nochmal die Möglichkeit, besonders bewährte und erfahrene Soldaten hervorzuheben.
    Ich habe schon vor ein paar Monaten über die eventuelle Einführung dieser Dienstgrade davon gelesen. Da dann aber noch mit Vizekorporal und Korporal und einem neuen Dienstgrad Oberstabsunteroffizier. Letzterer scheint es aber nicht geschafft zu haben.

    @ Voodoo
    Das steht meines Wissens nach immer noch nicht so ganz fest. Eine Rückkehr in das alte System wird es aber wohl nicht geben (fand ich aber auch nicht spitze, mit drei Jahren Ausbildung, vier Jahren Studium und einer direkten Verwendung in der Truppe). Was wohl schon feststeht, ist die Tatsache, dass Offizieranwärter ihre Laufbahn mit einer regulären Grundausbildung in einer Ausbildungseinheit ihrer späteren Truppengattung beginnen. Das Praktikum soll länger und praxisbezogener werden (also wohl kein zwischenparken in einer GA-Kompanie), der OL1 und OL2 werden wohl ebenfalls umgestellt. Was mit dem OAL und den OA-Bataillonen (und ebenso interessant: den FA-Bataillonen!) wird, wusste zumindest im vergangenen Monat nicht einmal deren Stammpersonal.

  • OTL d.R.   |   19. Juni 2018 - 23:08

    Ich wäre und war schon immer dafür , BS Mannschaften einzuführen…. für diese Personengruppe wäre es dann der passende Dienstgrad !

  • Triarius   |   19. Juni 2018 - 23:23

    Krass. Wenn man von diesen DG in andere Laufbahnen wechseln würde, würde man dann eine Besoldungsstufe (evtl. mehr) abrutschen. Schön find ichs, dass es dann bei den Msch wieder eine Leistungsbeförderung gibt – OSG war ja früher eher die Leistungsbeförderung.

  • FlaOffz   |   19. Juni 2018 - 23:27

    Wir hatten den Korporal doch, nannte sich Unteroffizier/Stabsunteroffizier Truppendienst. Der hatte die Ausbildung um Führungsverantwortung wahrzunehmen und wurde üblicherweise als Trupp- oder Gruppenführer eingesetzt. Diese Laufbahn haben wir zugunsten der „direkten“ Feldwebellaufbahn aufgegeben.
    Der User Oberleutnant beschreibt hier die weitere „Optimierung“ der letzten 10 Jahre sehr treffend.
    Oder um es mit den Worten eines Oberstabsgefreiten (Scharfschütze) zu sagen „Inzwischen wird jeder Lkw-Fahrer in der Materialgruppe OSG, pünktlich nach genau 4 Jahren Dienstzeit, weil er die AGA und sen Führerschein bestanden hat und 4 Jahre unfallfrei an der Truppenverpflegung teilgenommen hat. Spitzendienstgrad und Würdigung besondere Leistung und Befähigung?“

    @ Voodoo | 19. Juni 2018 – 22:22:
    Erwarte nicht zuviel. „Kleinklein“ statt grosser Wurf.

    Neu: Der Offizieranwärter nimmt in den ersten 3 Monaten an der Grundausbildung in einem Verband „seiner“ Truppengattung teil (bisher OA-Btl). Dann bekommt er eine Dienstpostenausbildung ( Spezialgrundausbildung) seiner Truppengattung, in den 3 Monaten in denen er bisher im OA-Btl die stv. Gruppenführer/Hilfsausbilder-Ausbildung erhielt.

    Unverändert 1: Nach 6 Monaten geht es zur Offizierschule für OL1 (mit Laufbahnprüfung) und Sprachausbildung, 6 Monate gesamt, und in den verbleibenden 3 Monaten baut der OA Urlaub ab und macht in den verbleibenden Wochen sein technisches Praktikum (sofern für den Studiengang erforderlich) oder ein Truppenpraktikum in seiner zukünftigen Truppengattung

    Unverändert 2: Der Offizieranwärter geht weiterhin nach 15 Monaten ins Studium, danach (3 – 4 Jahre später) absolviert er den OL2 an der Offizierschule (ohne Prüfung, ohne Bewertung) und den OL3 (imho auch ohne Prüfung, ohne Bewertung).

    Wird der OA früher in Führung von Soldaten ausgebildet? Nein, denn stattdessen wird er nun Richtschütze im Panzer o.ä.!
    Wird der OA früher in Führungsverantwortung gestellt? Nein, wie auch, wenn die hierfür erforderlichen Ausbildungsanteile in den Monaten 4 – 6 zu Gunsten der Dienstpostenausbildung gekürzt/gestrichen werden.

    Wirkliche Neuordnung?

    Wundern tut’s mich nicht, denn an die „heilige Kuh“, vorallem der Personalplanner „So früh wie möglich ins Studium“ traut sich keiner dran.

    Und was machen wir jetzt eigentlich mit den OA-Bataillonen?

  • Jens   |   19. Juni 2018 - 23:31

    Für mich stellt sich die Frage nach der Durchlässigkeit der DG-Gruppen (und damit der Attraktivität).

    Zitat: „Die neuen Mannschaftsdienstgrade sollen den leistungsstärksten Soldatinnen und Soldaten ihrer Laufbahn nach dem Prinzip der Bestenauswahl vorbehalten bleiben.“

    Wer als Mannschafter zu den BESTEN gehört und heraussticht, muss Uffz/Fw werden und nicht mit einem neuen höchsten Mannschaftsdienstgrad ‚abgespeist‘ werden.

  • Koffer   |   19. Juni 2018 - 23:37

    @OTL d.R. | 19. Juni 2018 – 23:08
    „Ich wäre und war schon immer dafür , BS Mannschaften einzuführen…. für diese Personengruppe wäre es dann der passende Dienstgrad !“

    Und was machen wir dann mit einem 60jährigen OStGefr MG-Schützen?

  • florian blank   |   20. Juni 2018 - 6:31

    Die Dienstgrad Inflation die von Herrn Kaikowski angesprochen wurde erstreckt sich nicht nur über die Mannschaften.

    Bei einem Planungshorizont von 20+ Jahren waren diese überlegungen überfällig.
    Ebenso sollte man über die Beförderungen der Uffz m.P nachdenken.
    Vom Uffz bis HFw wird durchbefördert bis dann beim HFw der Anker geworfen wird und man als Berufssoldat ca 10 Jahre warten muss und sich alles staut.

    Dazu kommt die Frage der Attraktivität für Uffz o.P und m.P.
    Wenn der OSG ohne Materialverantwortung und Ausbildung nur 200€ weniger verdient als der HFw mit Meister und 10 Jahren Berufserfahrung, dann ist das auf den ersten Blick schwer nachvollziehbar.

  • maintainer   |   20. Juni 2018 - 6:53

    Na, immerhin bleibt da noch Luft für die nächste Ausbaustufe der Attraktivität – den Oberstabskorporal…

  • Mackkavelli   |   20. Juni 2018 - 7:30

    Was ich da gerade zur Neuordnung der Offizierausbildung lese, bestürzt mich.

    Ich hatte mich gefreut, dass man die Schwäche der neuen OA-Ausbildung ENDLICH erkannt und zugegeben hat. Und nun stellt sich heraus, dass nichts substanzielles verändert wird, sondern wieder nur an den Symtomen herumgeschraubt wird. Diese Realitätsverweigerung ist doch nicht zu fassen!
    Entweder man legt Hand an das heilige Studium (verschiebt es z.B. ans Ende der Dienstzeit der SaZ und schickt BS dafür auf eine Militärakademie), oder man reformiert die Offizierausbildung zu einem richtigen Kadettensystem, indem Studium und militärische Ausbildung Hand in Hand gehen. Was wir da zusammenschustern wird doch schon mit Ansage die nächste Krücke, mit der dann alle wieder unzufrieden sind.

    Das gleiche mit den Korporalen. Wir haben eigentlich eine gute und differenzierte Dienstgradstruktur und es wäre völlig unnötig noch weitere Dienstgrade einzuführen, wenn man diese nicht inflationär vergeben hätte, um sich die Mühe einer Besoldungsreform zu ersparen. Wir brauchen doch nicht ernsthaft 6 (!!!) Mannschaftsdienstgrade, das ist doch völlig absurd. Mit den längeren Stehzeiten der Mannschaften, könnte man die benötigten Stehzeiten der Mannschafter einfach strecken (OG nach 12 Monaten bei Abschluss aller Ausbildungen, HG nach 24 Monaten etc) und als Ausgleich die Besoldung entsprechend anheben. SG und OSG sollten wie früher nur nach Bestenauswahl befördert werden. Was diesen Dienstgraden in den letzten Jahren an Wert und Respekt verloren gegangen ist tragisch, besonders für die alten OSGs, die zum Großteil herausragende und besonders motivierte Soldaten waren.

    Bei der Überlegung sollten wir auch noch beachten, das wir ja noch die Dienstgrade Unteroffizier und Stabsunteroffizier haben, die (leider) überhaupt keine Rolle mehr spielen, seit man sie an Hans und Franz vergibt, die damit ihre Fachausbildung versilbert bekommen, aber von militärischer Führung in der Regel null Ahnung haben und dementsprechend nicht respektiert werden.

  • O.Punkt   |   20. Juni 2018 - 9:21

    Warum muss man einen Soldaten alle paar Jahre in der Besoldungsstufe anheben (befördern) um ihn für den Dienst zu motivieren?
    Ein Lehrer wird in der Regel auch mit Mitte/Ende 20 als A12 oder A13 eingestellt und erlebt in seiner 35 jährigen Laufbahn in der Regel wenn überhaupt eine Beförderung.

  • JMWSt   |   20. Juni 2018 - 9:23

    Der Rundumbetrachtung und -Bewertung von Mackkavelli schließe ich mich zu 100% an! In meiner Zeit als Zugführer und Stafelchef (Res…) war es so, dass die SG und OSG die Kameraden waren, die es drauf hatten. Das waren Respektspersonen nicht nur für G bis HG, auch für die höheren Dienstgrade, vor allem die Zauberlehrlinge. Wie es heute aussieht, muss ich nicht wiederholen. Vielleicht muss „man“ auch mal in die freie Wirtschaft schauen: Wenn ein Mensch nach seiner Berufsausbildung, z.B. Installateur, keine Weiterbildung mehr macht, sondern mit seinem Facharbeiterbrief zufrieden und fähigkeitsgerecht ausgefüllt ist, dann geht der auch als Facharbeiter in Rente. A priori wird halt immer vorausgesetzt, dass jeder Mensch auch ständig be-/gefördert werden will (und muss). Es ist ein absolutes Tabu darüber zu sprechen, dass es auch dunkle Kerzen auf dem Kuchen gibt. Das Ergebnis ist die DG-Inflation, bei der sich die Altgedienten zu Recht fragen, warum sie sich jahrelang durch den Wolf haben drehen lassen, wenn sie jetzt von den Quecksen in der Rikscha lässig überholt werden. Das gleiche Bild haben wir doch im öffentlichen Schulsystem: Jeder soll ja Abitur machen können. Da aber die Masse im Durchschnitt nicht intelligenter wird (manchmal glaube ich, das Gegenteil ist der Fall), werden halt die Ansprüche gesenkt. Da sind wir wieder beim verpönten Leistungsprinzip.
    Nur im Sport wird dies bedingungslos akzeptiert: Wer die Norm nicht schafft, fährt nicht zu Olympia – Punkt. Wir müssen wieder bedarfs- und anforderungsgerecht zurück von „Wünsch dir was!“ zu „So ist es.“! Und das nicht nur in der Armee.

  • ThoDan   |   20. Juni 2018 - 9:56

    @Jens

    Warum muß er UoP/UmP werden, anstatt zu höheren Mannschaftsdienstgrad befördert zu werden?

  • Pio-Fritz   |   20. Juni 2018 - 9:59

    Kein Wunder, wenn der EP 14 nicht reicht, bzw. seine Steigerungen durch Personalkosten aufgefressen werden.
    Wenn man so inflationär mit Dienstgraden, gerade bei den Mannschaften, um sich wirft.

    Wozu soll ich als Soldat noch Unteroffizier oder Feldwebel werden, wenn ich als Mannschaft A6 werden kann und dafür keine Laufbahnlehrgänge, Versetzungen etc. in Kauf nehmen muss? Damit ich irgendwann vielleicht OSF (Oberstabsfeldwebel) A9 werde?
    In meinen Augen nicht attraktiv. Der Unterschied in der Besoldung in Stufe 7 zwischen A6 und A9 beträgt dann gerade mal € 711,52 vor Steuern.

  • Blackbox   |   20. Juni 2018 - 10:10

    Alter 60 Jahre ist das neue 40

    Neue Perspektive Ruhestand = 70 + X

    Demografischer Wandel ist für alle da.

    Alle.

    Auch Militärbeamten.

  • Flieger   |   20. Juni 2018 - 10:59

    „Früher“ gab es 3 Mannschaftsdienstgrade. Um Hauptgefreiter werden zu können, musste eine ATN der 7er Stufe (Uffz) vorhanden sein und war trotzdem eine Leistungs- Spitzenbeförderung.

    Nun haben wir deutlich verlängerte Verweildauern durch SaZ bis 25. Aber das darf man eben nicht in Dienstgrade kleiden. Wer im zivilen Pförtner ist wird ja auch nicht auf dem Weg zur Rente, nur damit sich was tut, Oberpfördner, Hauptpfördner usw…

    Es ist eine bewußte Entscheidung des Mannes/der Frau, Mannschafter werden zu wollen und zu sein. OK, gekauft, aber das ist dann eben so.

    Die ganzen OSGs die bei uns sind werden sich niemals in eine andere Laufbahn bewegen, warum auch? Für 50,00 € mehr zum Feldwebel langjährige Ausbildungen, Verantwortung und Versetzbarkeit?? Da winken die mal schnell ab.

    Der Koporol war früher (wie schon angemerkt) der Uffz/Stuffz, untere Verantwortungsebene, angebrütete Feldwebelausbildung. Damit war es doch gut. Die Personalführung bis Stuffz wieder auf Ebene Rgt inkl. eigener Regeneration und Aufzeigen von Aufstiegsmöglichkeiten im eigenen Verband, dann hat es deutlich mehr Hand und Fuß.

  • Luftwebel   |   20. Juni 2018 - 11:18

    Wie hier schon sehr treffend beschrieben wurde, findet damit wieder nur eine Steigerung der Inflation bei den Dienstgraden der Mschft statt. Die Dienstgrade an sich sind schon heute nichts mehr wert, weil die Regelbeförderungen die ursprüngliche Idee von „Eignung, Befähigung und Leistung“ ad Absurdum führt. Der Dienstgrad sagt auch schon lang nichts mehr aus, über Alter oder besser Dienst – bzw. Lebenserfahrung.
    Und als „ewig-gestriger“ möchte ich gern ein paar Beispiele aus der guten alten (richtigen) Bundeswehr anführen.
    Spieß war ein (im Pulverdampf ergrauter) gestandener Hauptfeldwebel, der auch die entsprechende Dienstzeit hatte (und oftmals vorher jahrelang KpTrpFhr war). Heutzutage gibts nur mehr wenige Spieße, die nicht automatisch OSF werden.
    PzZgFhr war in der Regel ein Oberfeldwebel und Kdt auf einem Leopard II war ein StUffz.
    Ein top-motivierter HG wurde TrpFhr oder Schichtführer und war auch beim Rest der Mschft seines Zuges angesehen und respektiert.
    Es gab auch (sogar im damaligen Koalitionvertrag vereinbart) mal die Bestrebung eine eigene Besoldung „S“ einzuführen. Warum daraus nix geworden ist, ist mir nicht bekannt.
    Waren denn unsere Väter so blöd oder so unfähig um die heutigen „Weihen“ zu erreichen, wo mit den Dienstgraden – unabhängig von Eignung, Leistung und Befähigung – nur so um sich geschmissen wird? Ich war im 19. Dienstjahr immer noch Oberfeldwebel und musste mit ansehen, wie Männer zum Hauptfeldwebel befödert wurden, die noch nicht mal bei der Bundeswehr waren, als ich schon Oberfeldwebel war.

  • M.B.   |   20. Juni 2018 - 11:19

    Mit den OSG’s und SG’s ist es das gleiche wie mit den Unteroffzieren/Stabsunteroffizieren zu den Feldwebeln.
    Wenn ich mal zurückdenke, gab es, zumindest in meiner Einheit, ein paar wenige Feldwebeldienstposten.
    Irgendwann kam jemand mal auf die Idee, das man fast alle Uffz/StUffz- Dienstposten zu Feldwebeldienstposten aufwerten müsse. Die Gründe kann man vermutlich nur im Bereich „Attraktivität“ suchen.

    Die Folgen dieser Aufwertung der Dienstposten bzw. gleichzeitigen Abwertung der Dienstgrade ist immer noch deutlich spürbar, so haben z.T. Gruppenführer und Zugführer die gleichen Dienstgrade.

    Anderes Beispiel: Unteroffiziere /Offiziere Fachdienst…Wieso ist es immer noch nicht geschehen, das diese Laufbahn eine extra Dienstgradgruppe bzw. zumindest eine Kennzeichnung bekommt, so wie es in vielen anderen Armeen bereits der Fall ist?

    Und so, da gebe ich Mackkavelli völlig recht, muss den einzelnen Dienstgraden wieder die Bedeutung und Aussagekraft zuerkannt werden, wie sie mal war.

  • Zimdarsen   |   20. Juni 2018 - 11:36

    @M.B.

    „Unteroffiziere /Offiziere Fachdienst…Wieso ist es immer noch nicht geschehen, das diese Laufbahn eine extra Dienstgradgruppe bzw. zumindest eine Kennzeichnung bekommt, so wie es in vielen anderen Armeen bereits der Fall ist“

    Weil der FD-Offz ein vollwertiger Offzier in seiner Laufbahngruppe ist und die volle ziv und mili Qualifikation (DQR6 und Offz-Lehrgang) hat.

  • Gutfinder   |   20. Juni 2018 - 11:39

    Ich finde diese Einführung der zusätzlichen Dienstgrade sinnvoll. Ein Vergleich mit einer Situation vor 20-30 Jahren ist hier eigentlich fehl am Platze, denn damals hatten wir noch eine Armee mit Wehrdienstleistenden , welche die Gruppe der Manschaftsdienstgrade aufgefüllt hat.
    Diese sind aber nun weggefallen, gerade im Bereich der Mannschaften ist der größte Mangel. Und ich denke, wenn man es richtig anstellt, kann man eben gerade so der „Dienstgradinflation“ entgegenwirken, indem man den Unterbau stärkt und attraktiver macht.
    Ich selbst habe eine Menge Soldaten getroffen, welche gar nicht direkt „führen“ wollen, sondern lieber Praktiker bleiben wollen bzw. direkt Dienst an der Waffe leisten.
    Die Aufgaben einer Führungskraft sind nicht nur von Vorteil und nicht jeder Manns Sache.

    Auch wenn wir in einer Zeit leben, wo im Grunde jeder „Chef“ sein will, warum dann nicht lieber Mannschaften schaffen, welche in etwa das verdienen wie ein Obermaat oder Bootsmann und dafür Mannschaft bleiben ?

    Ich denke auch an Kameraden aus z.B. den kanadischen Streitkräften, die ich getroffen habe. Bei denen sind solche Dienstgrade im hohen Alter auch normal.

    Wenn es richtig umgesetzt wird (und daran kann natürlich alles scheitern) , ist es eine sehr gute Idee.

  • ThoDan   |   20. Juni 2018 - 12:17

    @Luftwebel

    Wann war die „richtige“ BW?

    Das Problem UoP statt Spezialist Fachdienst, etc. gab es schon vor gut 25 Jahren.

    Ranginflation ist ne altehrwürdige Sache, Ränge werden bedeutungslos und verschwinden

  • Rita   |   20. Juni 2018 - 13:46

    @Mackkavelli:

    Damit haben Sie aber sowas von Recht! Diese armen, alten, verdienten OSG, die ausschließlich (!) die absoluten Spitzensoldaten waren, müssen jetzt mitansehen wie wirklich jeder Hinz und Kunz in ihren Dienstgrad aufsteigen kann.
    Auch mit den längeren Stehzeiten für Mannschaften stimme ich Ihnen rundherum zu. Allerdings nur unter der Prämisse die Differenzierung Unteroffizier/Stabsunteroffizier wieder deutlicher zu machen. Führungsverantwortung hat auch bei einem OSG nichts zu suchen.

    zu der Frage nach den OAs:
    Die Idee einer Militärakademie (wie jetzt in etwas SGL und I/NGAL) bzw. ziviles Studium für SaZ am Ende der Dienstzeit halte ich für sehr interessant. Nur sind die guten Kameraden dann doch auch meist schon Anfang 30 und der BUND hat nichts mehr von der fachlichen Expertise des Studiums. Obwohl dies nur bei technischen Verwendungen viel Sinn macht, erfordert es doch eine akademischen Ausbildung, um als Truppenoffizier ernst genommen zu werden. Was anderes (außer die Bewährung in der Truppe) kann der Offz nämlich nicht vorweisen. Er ist nun mal Abiturient mit Führerschein.
    Militärische und akademische Ausbildung Hand in Hand gehen zu lassen funktioniert garantiert nicht. Selbst gegen die geringste militärische Ausbildung/Inübunghaltung etc wird sich an den Hochschulen energisch gesträubt. Im jetzigen System m.M.n. auch zu Recht. Die Zeit dafür ist einfach nicht da (Trimester, keine Semesterferien, etc.). Darüber hinaus würden die Unis akademische Privilegien (z.B. Anerkennung als ordentliche Hochschule) verlieren, wenn der Betrieb in dieser Weise umgestellt wird. Das Studium ist nunmal eine zivile Ausbildung, daran sollte auch nichts gedreht werden – gerade im Hinblick auf die ausscheidenden SaZ, für welche erst dieses Studium einen Großteil ihrer Motivation zum Dienst ausmacht.

  • macintosh   |   20. Juni 2018 - 13:54

    @Jens
    Guter Punkt, es stellt sich langsam die Frage ob das System separater Mannschafts- und Unteroffizierslaufbahnen in einem modernen Berufsarmee noch Sinn macht oder ob ein angloamerikanisches System mit durchgehender Enlisted-Laufbahn nicht mehr Sinn machen würde. Ich kann mich zum Beispiel daran erinnern, dass hier bereits erwähnt wurde wie auf den F125-Fregatten es laut Plan nur noch eine Hand voll Posten für Mannschafter gibt (<8 Personen von 120 glaube ich warens).

  • Pio-Fritz   |   20. Juni 2018 - 14:16

    @Gutfinder | 20. Juni 2018 – 11:39

    Meinetwegen können die Mannschaften so viele Dienstgrade haben, wie sie wollen, die Frage ist, stimmt das dann noch im Verhältnis zu anderen Dienstgradgruppen? Hier ist die Antwort eindeutig Nein.
    Die Unterschiede zwischen UoP/UmP und Mannschaft sind schon fließend genug und manchmal kaum zu sehen, da muss man nicht noch etwas drauf schütten.
    Das Problem liegt doch, wie hier schon angemerkt wurde, an der Stellenbündelung. So lange es diese gibt, bleibt die Dienstgradinflation bestehen und macht diese (die Dienstgrade) bedeutungslos. Da haben die Kameraden vom Schützen bis zum Oberstabsgefreiten fünf Beförderungen in weniger als vier Jahren, Wahnsinn!

    Da muss eine vernünftige Regelung über Mindeststehzeiten her, dann bräuchte man auch keine neuen Dienstgrade. Wie auch schon richtig angemerkt wurde, der Pförtner bleibt auch Pförtner und wird nicht Oberstabspförtner. Letztlich bleibt Mannschaftssoldat eine Tätigkeit für einen Angelernten und ist kein Ausbildungsberuf mit anschließenden Facharbeiterbrief. Da sollte man die Kirche auch im Dorf lassen.

  • Bürger   |   20. Juni 2018 - 14:24

    Angesichts solcher Meldungen frage ich mich immer wieder, wie es eigentlich sein kann, dass die – ebenfalls nicht aus Wehrpflichtigen bestehende – British Army mit ihren sieben (!) „Other Ranks“ (Mannschaften + [!] Unteroffiziere) noch nicht kollabiert ist. Und die anarchischen Zustände innerhalb der Royal Navy, die mit gerade einmal fünf (!) OR-Dienstgraden auskommt, möchte ich mir gar nicht erst vorstellen.

  • Klauspeterkaikowsky   |   20. Juni 2018 - 14:41

    @Pio-Fritz  
    Alles richtig, nur wird sich unserer hoch wohl löblicher Verband dies Personal/Mitglieder-Steuerungsmittel zur Klientelbefriedigung nicht aus der Hand nehmen lassen.
    Und Spitze BMVg geht dazu sicherlich keinen Streit ein, Folge: In absehbar einer Dekade wird der Korporal zu erreichendes Laufbahnziel der Mannsch sein, in das sich zu guter Letzt auch noch eingeklagt werden wird.
    Spitze bedeutet Elitenförderung mit zuvor Auslese, was ja fast diskriminierend ist, den minder Begabten/Ehrgeizigen gegenüber. (Wenn es nur traurig wäre, ….)

  • Pio-Fritz   |   20. Juni 2018 - 15:21

    @Rita | 20. Juni 2018 – 13:46

    Man braucht das Rad bezüglich der Ausbildung der OA´s nicht neu zu erfinden. Es gab ein gutes System, Offiziersausbildung 36 Monate, dann als Leutnant ins Studium, als Oberleutnant wieder raus, Restdienstzeit 5-6 Jahre in der Truppe (beim Heer, Marine hat die Crew geteilt und Lw nach 15 Mon. studieren lassen). Hat super geklappt.
    Aber angeblich ist es ja attraktiver, die Kameraden gleich zu Beginn ins Studium zu schicken und dann auszubilden, denn was vorher stattfindet ist ein Witz. Dadurch hat man die Wiedergeburt des udO (unser dummer Oberleutnant) geschafft. Wie in den 70ern und Anfang der 80er. Die Geschichte wiederholt sich.

    Dieser Vergleich mit Offizier = Abiturient mit Führerschein ist genauso alt wie dümmlich. Der Spruch war schon vor 32 Jahren schlecht und ist seitdem nicht besser geworden.
    Was macht einen Haupt- oder Realschüler mit Berufsausbildung (wenn er denn eine hat) besser als einen Abiturienten? Nichts, es sei denn, man möchte seine Vorurteile pflegen.

  • Alpha November   |   20. Juni 2018 - 15:34

    @ Koffer | 19. Juni 2018 – 23:37

    Sie könnten den MG-Schützen z.B. MG schiessen lassen. Mit 60 dürfte er einer der Besten sein hinsichtlich Erfahrung usw..
    Auch der Militärbeamte darf an neuen Rentengrenze teilhaben wo er mit 60 ja noch über 10% Lebensalter drunter läge. Der Maurer muss es schließlich auch bis dahin schaffen.

    Ob man in dem Alter noch MG-Schütze bei den Fallis sein muss sei dahin gestellt, aber es gibt ja noch etliche MG mehr bei der Armee…

    Alter allein ist jedenfalls kein vernünftiger Maßstab zu implizieren jemand sei nicht mehr geeignet. Es gibt genug, die mit 40 nicht mehr geeignet wären und dafür auch welche, die das mit 70 noch könnten.

  • Werferfehler   |   20. Juni 2018 - 16:30

    Zur Offizierausbildung:
    Wurde das Studium nicht mal eingeführt, weil die akademische Ausbildung wichtig sei für einen Offizier? Ist das mittlerweile nicht nur ein Argument um die Attraktivität zu steigern? An Offizieren gibt es ja mit dem derzeitigen System keine Nachwuchsprobleme (Spezialspezialisten ausgenommen).

    Meine Gedanken dazu: Wäre es möglich, für Berufsoffiziere (bei denen der BS schon bei der Verpflichtung feststeht) das Studium an den Anfang der Ausbildung zu setzen, bei den Zeitsoldaten an das Ende der Dienstzeit? Statuswechsler beginnen das Studium zum nächstmöglichen Zeitpunkt.
    Probleme hierbei: Planung der Unis, Planung der Truppenteile bei Statuswechslern, evtl, rückgehende Bewerberzahlen.

    Neue Mannschaftsdiensgrade:
    Den hier bereits geposteten Anmerkungen kann ich mich größtenteils anschließen:
    Dadurch, dass die Bezahlung am Dienstgrad hängt und man die Bezahlung als wichtigsten Punkt der Attraktivität ausgemacht hat fing es an.
    Als ich auf dem OAL 2 als Zugführer in den Zugführerwolf (gestellt von einem Feld-, Wald- und Wiesenbataillon) stieg war ich heilfroh einen OG als Fahrer zu haben. Leider war in der Zwischenzeit, also während des Lehrgangs, die Beförderungszeit gekürzt worden Also kein Soldat mit mehr als einem Jahr Erfahrung, sondern ein Soldat mit bestandener SGA.
    Meine Gedanken dazu, hier fehlen mir aber Informationen: Wenn das Gehalt eines Gefreiten ausreicht um eine Familie zu ernähren sind sie unnötig. Stichwort „Oberstabspförtner“.
    Werferfehler

  • Stephan L.   |   20. Juni 2018 - 18:17

    @ Pio-Fritz

    Auch das aktuelle Ausbildungssystem hat zahlreiche Schwächen, aber eine Rückkehr zum alten System halte ich dennoch nicht für sinnvoll. Die Soldaten kommen militärisch ausgebildet an die Unis, studieren dann und kommen direkt auf den neuen Dienstposten – wenn man nicht in der Heeresflugabwehrtruppe gelandet ist und während des Studiums auf einmal keine Truppengattung mehr hat. Zeit für Praktika in der Truppe ist meistens nicht da.
    Da gefällt mir das aktuelle System, zumindest den OL3 nach dem Studium absolvieren zu lassen, deutlich besser.

  • Jochen   |   20. Juni 2018 - 18:38

    @ Oberleutnant: ‚Bündelung auf Betreiben des DBwV‘. Das ist eine Falschaussage. Ich war damals im FF Referat. Der DBwV hatte explizit gewarnt, genauso wie der GVPA. Es gab andere im FüS, die das durchsetzten. Übrigens fordert der DBwV in Anlehnung an das System einiger Verbündeter einen sogenannten ‚BS-Vario‘ a la BO41 (mit unterschiedlichen Festsetzungszeiträumen) und nach wie vor eine eigene Besoldugsordnung (ähnlich wie die Besoldungsordnung R) die wieder eine Grundordnung im Verhältnis Aufgabe – Verantwortung – Besoldung ermöglicht.

    Ich persönlich halte den Ansatz ‚Korporal‘ für nur teilweise klug. Eine erste Untersuchung ergab, dass man mit rund 30.000 zusätzlichen Beurteilungen rechnen müsse – DANKE! Ebenso gibt es wohl keinen definierten Bedarf, den bei den Mannschaften ist die Bewerberlage sehr, sehr gut. Wenn es um die besten Mannschaftsdienstgrade geht (davon haben wir wirklich viele), dann brauchen wir diese für die Laufbahn der Feldwebel. Dort ist übrigens der größte Bedarf und die größte Lücke. Und natürlich muss diese Laufbahn attraktiv sein. Mit Einführung des Korporals wird diese jedoch unattraktiver. Hier felhlt meines Erachtens der ganzheitlichen Ansatz für den mil. Personalkörper.

  • Werferfehler   |   20. Juni 2018 - 19:13

    @Pio-Fritz
    Abiturient mit Führerschein:
    Als einer der wenigen Offiziere ohne Studium meines Jahrganges traf diese Aussage auf mich auch zu.
    Die Aussage ist richtig, ich konnte damit leben. Behindert hat sie mich später nicht, ich hatte keine Probleme mit meinen Feldwebeln oder Unteroffizieren, warum auch?
    Befehlen mussten sie wegen meines Dienstgrades folgen, den Rest (Einsicht) habe ich selber abgedeckt.
    Weferfehler

  • Koffer   |   20. Juni 2018 - 19:48

    @Alpha November | 20. Juni 2018 – 15:34
    „Sie könnten den MG-Schützen z.B. MG schiessen lassen. Mit 60 dürfte er einer der Besten sein hinsichtlich Erfahrung usw..“

    Das ist fachlich falsch! Die allermeisten Menschen können schon ab 40 nicht mehr die notwendigen Lasten über lange Strecken tragen. Wir reden hier über 20+ kg über 20+ km etc. etc.

    Darüber hinaus: selbst wenn es zukünftig massenhaft biologische Wunder geben sollte, die auch noch mit über 40 so fit sind, wie bisher 20-30jährige.

    Was würde uns das alles bringen?! Wir haben keinen eklatante Mangel an MG-Schützen. Dh. wir würden einen Bedarf decken, der gar nicht besteht…

    Und würden darüber hinaus noch mehr für weniger Leistung zahlen, denn ein 60jähriger ist natürlich an Personalkosten wesentlich (!) teuer als ein 30jähriger.

    Also: In der Tat müssen wir uns auch bei den Landsern über den richtigen Mix zwischen Kurz- und Langdienern unterhalten, aber an BS Mannschaften besteht derzeit kein Bedarf.

    Das würde ich (vielleicht) ändern, wenn man alles wieder „runterdotieren“ würde. Also wenn z.B. zukünftig ein Kfz-Mechaniker ohne besondere Qualifikation nicht mehr Uffz/StUffz/Fw wäre, sondern z.B. OStGefr oder eben auch Korporal. Aber dann wäre ja auch nur der Bedarf an den BS-Mannschaften vorhanden, die eine Tätigkeit ausüben, die bisher auf der Ebene UoP/UmP angesiedelt ist.

  • Hendrik   |   20. Juni 2018 - 20:27

    Wie bereits erwähnt, ist mir die Beförderung nach einer gewissen Zeitdauer sowieso irgendwie unerklärlich.

    In der gesamten Beamtenschaft ist das normalerweise nicht der Fall.

  • Sommerbiwak   |   20. Juni 2018 - 20:29

    Zimdarsen |19. Juni 2018 – 22:50:“Das kommt davon wenn man Erfahrung und Dienstgrad (VVO) mit Gehalt und Attraktivität verwechselt.“

    Exakt. Ist aber überall im öffentlichen Dienst so. Alle sind Häuptlinge ohne Indianer. Am markantesten wohl bei der Polizei zu sehen, denn in vielen LaPos gibt es nur noch Kommissare als Streifenbullen wobei früher einmal ein Kommissar einem Leutnant entsprach. Aber nach Jahrzehnten des nach oben schiebens ist der Dienstgrad neuer Polizisten Kommissar. Und am oberen Ende wird dann sowas wie 2Erster Leitender Polizeihauptkommissar“ eingeführt, damit man überhaupt eine benutzbare Rangstaffelung hat.

    „Jetzt haben wir StFw und Hauptleute mit 26/27 Jahren ohne Erfahrung und ohne Prüfung auf Uffz- Offzlehrgang.

    Der Uffz und FD-Offz verliert unglaublich an Ansehen und Image.“

    Hauptleute waren auch früher schonmal unter dreißig, wenn sie schnell Abitur gemacht und sofort zur Bundeswehr sind und spät im Jahr geboren. Selten, aber kam vor. Besonders aus der ex-DDR mit nur 12 Jahren Schule bis zur Matura.

    Aber stimmt schon, wie schon im modernen Kindergarten ist jeder etwas ganz besodneres und ein vierter, fünfter, sechster Sieger. Daß ein bloßer Titel und damit verbundene Bezahlung nichts mit Attraktivität zu tun haben wird institutionell offenbar nirgends verstanden. Ist doch egal, wenn in absehbarer Zeit alle Feldmarshall sind. Haben dann zwar alle eine tolle Uniform und einen Mashallsstab (oder Großadmiral), aber dann wird man immernoch dauernd versetzt, in seltenen Verwendungen immer ins Ausland geschickt und keine brauchbare Infrastruktur an den Standorten für die Familienangehörigen. aber wozu auch, die Transformation kommt bestimmt und man wird schon wieder versetzt. Aber hey, jeder ist ein König und hat einen tollen (wertlosen) Titel zum herumzeigen und gut fühlen. (Anmerkung dieser Kommentar wurde in einem Betrieb verarbeitet, der auch Zynismus und Resignation verarbeitet)

    Wie schon andere hier anmerkten, die ganze Handhabung der Angelegenheit Dienstgrad ist völlig kaputt. Aber anstatt mal einen Plan zu entwerfen wie das eigentlich aussehen soll in der zukünftigen professionellen schlanken Berufsbundeswehr wird gestückelt und geflickschustert um kurzsichtige Gier (hoher Dienstgrad, mehr Bezahlung) zu befreidigen. Aber warum sollte da die Bundeswehr besser sein als der Rest der Bundesrepublik?

  • Oberleutnant   |   20. Juni 2018 - 20:43

    @Jochen
    Vielen Dank für die vertiefenden Ausführungen

  • Pio-Fritz   |   20. Juni 2018 - 21:00

    @Werferfehler | 20. Juni 2018 – 19:13

    Abiturient mit Führerschein:
    Als einer der wenigen Offiziere ohne Studium meines Jahrganges traf diese Aussage auf mich auch zu.
    Die Aussage ist richtig,

    Nein, die Aussage ist dümmlich, diskriminierend und falsch. Oder fanden Sie Soldat Dosenbrot mit Hauptschulabschluß ohne Erweiterung und Metzgerlehre war Ihnen damals in der Grundausbildung überlegen? Ich nicht, und ich habe meine W15 voll abgedient bevor ich SaZ12 wurde. Die Sprüche hingen mir schon nach 4 Wochen zum Hals raus, weil sie meistens von geistig minderbemittelten UoP kamen. Da half nur Zähne zusammenbeißen und ignorieren.

    Das hat sich leider bis heute nicht gebessert, aber ich bin immer noch nicht bereit, solche Sprüche zu akzeptieren. Als Zugführer und Chef habe ich das auch entsprechend sanktioniert.

  • Fux   |   20. Juni 2018 - 22:45

    @Pio-Fritz,

    bitte nicht persönlich nehmen, aber hier muss ich Werferfehler zustimmen.

    Auf dem Papier waren sie als SaZ 12 ohne Studium (hier am Bsp Offz Truppendienst) genau das.. ein Abiturient mit Führerschein. Sie hatten vielleicht diverse militärische Qualifikationen und Berechtigungen erworben, diese waren jedoch für einen klassischen Personalreferenten in einem Unternehmen nichts wert, da sie zivil entweder nicht anerkannt oder nicht vergleichbar waren. Noch viel schlimmer zeigt sich dieser Umstand bei elektronischer Datenverarbeitung in der Personalverwaltung von Großunternehmen, wo sie mit solchen „Voraussetzungen“ schlicht kein passendes Häkchen setzen können und damit der Bewerber aus dem Raster fällt. Ohne Zeugnis, Nachweis, Stempel und Beglaubigung zählt alles wenig. Selbst für das Arbeitsamt hätten sie nach 12 Jahren Dienst in der Truppe so keine „nachweisbare Qualifikation“.

    In Unternehmen der „New Economy“ und in anderen Nationen zählen erworbene Soft Skills und Lebenserfahrung bei der Einstellung oft mehr. Deutschland war da in der Vergangenheit und ist es vielfach noch heute eher „klassisch bürokratisch“ geprägt.

    Ja, das ändert sich langsam, aber deshalb die Formulierung von WF als „dümmlich, diskriminierend und falsch“ abzutun, wird der Realität (sowohl der Vergangenheit als auch noch der Gegenwart) nicht gerecht.

  • Koffer   |   20. Juni 2018 - 22:58

    @Rita | 20. Juni 2018 – 13:46
    „Darüber hinaus würden die Unis akademische Privilegien (z.B. Anerkennung als ordentliche Hochschule) verlieren, wenn der Betrieb in dieser Weise umgestellt wird.“

    Das ist falsch. Es gibt gute (und auch schlechte) Gründe für die aktuellen Struktur der UniBw, aber es spricht weder rechtlich noch inhaltlich etwas gegen eine „Militarisierung“ vielleicht von allem außerhalb des Hörsaals und des Prüfungsamtes.

  • Mariner   |   20. Juni 2018 - 23:33

    Aus historischer Perspektive muesste die Marine Ihre Dienstgradbezeichnungen der Unteroffiziere neu ordnen – bereits im Vorlauf der Einfuehrung der „Bootsmannanwaerter“ war 2002 diskutiert worden den Dienstgrad des „Bootsmannsmaat“ wieder einzufueren.
    Vor dem hier diskutierten Model muessten der heutige Maat / Obermaat zum Bootsmannsmaat / Oberbootsmannsmaat (Korporal) werden und der heutige Stabsgefreite / Oberstabsgefreite zum Maat / Obermaat.
    Im uebrigen ist der Korporal und die Korporalschaft tatsaechlich auch in der Marine noch heute im Gebrauch befindlicher Begriff – allerdings als Funktionsbezeichnung (vgl. Kompaniechef, Kompaniefeldwebel, Zugfuehrer, Gruppenfuehrer, etc.). Die Besatzung auf der „Gorch Fock“ ist in Divisionen und Korporalschaften gegliedert.

  • Küstengang01   |   21. Juni 2018 - 1:31

    Was es bräuchte wäre ein Reset alles auf Null!!!!!
    Offz / FW nur noch aus der Truppe werben min. 24 Monate Vordienstzeit. Bei bestandener Laufbahnprüfung 25 Jahre Dienstzeit. Danach 3 Möglichkeiten zur Auswahl….
    A) verlängern wenn Eignung, Leistung, Befähigung und Bedarf da sind.
    B) ausscheiden mit der Garantie einen Arbeitsplatz im ÖD zu bekommen.
    C) mindest Ruhegeld um im privaten Sektor aufzustocken.

    Alle vernünftigen Streitkräfte der Westlichen Welt machen das so.

    Ferner muss man sich von der Bundesbesoldungsordnung trennen. Nirgendwo in der Welt werden Dienstgrade so verschenkt wie hier zu Lande…. ausgenommen die Ehrentitel irgendwelcher Monarchen oder Diktatoren. Man kann ja einem IT’ler gerne Zuschläge bezahlen, die Beförderungszeiten sollten aber eingehalten werden.
    Bei Polizei, Zoll oder Feuerwehr, die ja ein wenig vergleichbar sind. Gibt es keine Einstellung mit höherem Dienstgrad!
    Es gibt evtl. Zulagen aber die Beförderung zum Hauptkommissar oder Hauptbrandmeister erfolgt nicht einen einzigen Tag vor Erreichen der mindest Zeiten und auch dann nur bei top Beurteilungen die keiner bekommt.

  • Werferfehler   |   21. Juni 2018 - 5:54

    @Fux:
    Danke für die Unterstützung.
    Besser hätte ich es auch nicht erklären können,

    Werferfehler

  • Rita   |   21. Juni 2018 - 7:29

    @Koffer:

    na, da glaub ich haben Sie zu schnell geschossen. EIn prominentes Beispiel kann ich zu 100% bestätigen:
    Sollte man den Campus in einen Militärischen Sicherheitsbereich umwandeln (wie jede klassische Kaserne) um z.B. eine Waffenkammer zu installieren, so ist nach hanseatischem Hochulrecht die Akkreditierung als Hochschule aufgrund fehlender öffentlicher Zugänglichkeit dahin. Also zumindest für die HSU schon mal der erste Stolperstein.

  • Pio-Fritz   |   21. Juni 2018 - 9:26

    @Fux | 20. Juni 2018 – 22:45

    Das was Sie anführen, meinte ich gar nicht. Mir ging es um die bundeswehrinterne Wertung, die vor allem durch das Unteroffizierkorps vorgenommen wurde.
    Den zivilen Arbeitsmarkt habe ich dabei überhaupt nicht im Blick.

    Haben Sie keine Diskriminierung als Abiturient in der Grundausbildung erfahren? nach dem Motto, der gelernte Haupt-/Realschüler ist der bessere Soldat? Warum das so sein sollte, wusste auch keiner, aber Sprüche über Abiturienten gab es genug, und wenn es nur die zwei berühmten linken Hände waren.
    Das wurde dann munter auf die Offiziere übertragen, wahrscheinlich aus Frust darüber, das diese in der Anfangsphase relativ schnell befördert wurden. Und das ist dümmlich etc. pp..
    Wahrscheinlich kennt jeder von uns Beispiele genug. Schlimm finde ich, das manche Offiziere das als in Ordnung empfinden.

  • FlaOffz   |   21. Juni 2018 - 9:49

    @Rita | 21. Juni 2018 – 7:29:

    Ach kommen Sie, das sind doch arg konstruierte Argumente nach dem Motto „Wer etwas nicht will sucht Gruende“. Wenn man unbedingt eine Waffenkammer braucht, und die einen militaerischen Sicherheitsbereich drum rum, dann trennt man einfach ein Gebaeude mit Zaun vom Rest der Liegenschaft ab. Oder macht die Hanseatenkaserne zum Sicherheitsbereich und die Doumont kann bleiben was sie ist.
    Erinnert aber arg an die alten Zeiten in Hamburg, wo alles militaerische durch den zivilen Fuehrungsanteil der Uni irgendwie unerwuenscht war und in keinerlei Weise gefoerdert wurd. Teilnahme an Vorlesungen in Uniform, muss das sein? Freistellung von Vorlesungen um an einer militaerischen Ausbildung teilzunehmen (ausserhalb des einen gruenen Donnnerstag Nachmittag pro Monat), unmoeglich…

    Ausserdem, wenn man den radikalen Umbau der Systematik der Offizierausbildung vom quasi zivilen Studium zur Militaerakademie wagen will, warum geht das nicht wegen dem zivilen Charakter der BwUnis? Brauchen wir diesen Charakter ueberhaupt? Die machen die Unis einfach zu, die Kohle die wir fuer die drei Grossstadtlagen in Hamburg und Muenchen rausholen stecken wir in den Aufbau der Militaerakademie in Muerwick, Roth und Dresden (oder irgendwo anders wo Platz ist).

    Letztendlich ist ihre Argumentation typisch fuer die ueblichen Pseudoargumente, die auch die Bw- oder Heeresfuehrung vorbringt um jegliches „outside the box“ und „think big“ im Keim zu ersticken, so ala „wir koennen eigentlich alles in der Offizierausbildung aendern, solange die momentane Unterbringungskapazitaet an die OSH nicht ueberschritten wird, solange jedes Jahr ein Jahrgang an die Uni geht und dort kein „Leerlauf“ entsteht, solange jeder punktgenau 3 Jahre nach Dienstantritt zum Leutnant ernannt wird und dafuer der Anwaerter eine Laufbahnpruefung ablegt bevor er an die Uni geht (und deshalb zwar die selben Faecher wie frueher geprueft werden, die Ausbildungshoehe aber eine ganz andere ist als frueher).
    Man ist im selbst geschaffenen dysfunktionalen System gefangen, weil ja die Neugestaltung nix extra kosten darf und ohne Uebergangsphase einfuehrbar sein muss. Wie ich schon oben schrieb, alles kleinklein, rumdoktorn an Symptomen und Nebenkriegsschauplaetzen und ohne Gesamtplan.

  • Bow   |   21. Juni 2018 - 9:54

    Diese Dienstgradinflationitis verstehe, wer will.
    Jeder Dienstgrad spiegelt eine Erfahrungs-, Verwendungs- und Verantwortungsstufe wider, die sich durch die Truppen in der jeweiligen Struktur ergeben.
    Das ist sinnvoll und gut. Denn es erleichtert das Führen.

    Die Entscheidung für die Laufbahn der Mannschaften ist bewusst oder durch mangelnde Flexibilität (geistig, wie örtlich) vorgegeben.

    Eine zu granuläre Dienstgradabstufung bringt hier keinerlei Vorteil, denn was kann ein SG signifikant weniger, als ein OSG?
    Die Krux ist, das bei den „niederen Rängen“, das Gehalt/die Gehaltserhöhung grundsätzlich mit dem Dienstgrad verknüpft ist.
    Aber auch das ist gut so, denn welchen Mehrwert bietet der Dienstgrad denn, dass er eine Höhergruppierung/Gehaltserhöhung rechtfertigt?

    D.h. aus meiner Sicht:
    Gehaltserhöhung ist an den Mehrwert für die Truppe weiter zu binden, als über ein Mehr an Wissen, Verantwortung und damit auch Verwendbarkeit.
    Dies sollte (Zulagen mal abgesehen) eher an Fähigkeiten, denn an Dienstgraden festgemacht werden – sich also nicht an der Schulterklappe, sondern an den Tätigkeitsabzeichen ablesen lassen.

    Wer sich dafür entscheidet, 25Jahre lang als SAZ25 Mannschaften zu dienen, macht klar, dass es ihm vor allem um ein sicheres Gehalt und eine maximale Planbarkeit der Tätigkeiten geht und er keinerlei Interesse hat, mehr Verantwortung zu übernehmen. Das ist okay, aber damit ist die Entscheidung gegen eine höhere Besoldung auch gefallen.

    Was ist der Nutzen für den Arbeitgeber: KEINER!

    Wir sehen es doch in der „feien Wirtschaft“: Da ist jeder Hansel „Executive Manager“ oder „Vice Senior President“ oder was weiß ich. Mehrwert – Keiner.
    Man muß also nicht immer jeden Schwachsinn mitmachen.

  • Ex-Heidelberger   |   21. Juni 2018 - 10:24

    Volle Zustimmung zu Beitrag von „Küstengang01“

    Die Entkopplung von Dienstgrad und Besoldung muss her!

    Als ich vor 30 Jahre anfing war ein Hauptfeldwebel ein gestandener Kerl mit riesigem Erfahrungsschatz und im „richtigen“ Alter!

    Heute springen Hauptfeldwebel durch die Gänge, da schütteln alle nur mit dem Kopf!

    Aber ich habe schon vor Jahren gesagt: „Zukünftige Absitzstärke SPZ Marder: 1 Leutnant und 5 Hauptfeldwebel“

    Jetzt über noch mehr Dienstgrade nachzudenken ist eine Farce!!!