Weniger Auslandseinsätze? Bitte nicht, argumentieren Wissenschaftler

In der Debatte über die Schwerpunkte, die Deutschland bei seinen Streitkräften künftig setzen soll, scheint derzeit das Pendel mit sehr deutscher Gründlichkeit von einem Extrem zum anderen auszuschlagen: Galten über Jahre Auslandseinsätze der Bundeswehr als die wichtigste Aufgabe und sogar als strukturbestimmend, rückt seit einigen Jahren wieder die Landes- und Bündisverteidigung in den Vordergrund. Und bisweilen wird das so verstanden, dass ein (Wieder)Aufwachsen der Fähigkeiten für diese Verteidigungsaufgaben mit weiteren – oder gar ausgeweiteten – Auslandseinsätzen nicht in Übereinstimmung zu bringen ist.

Falsch, warnt ein Autorenteam der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), die die Bundesregierung berät. Deutschland könne sich, nicht zuletzt im Rahmen der Vereinten Nationen, seiner internationalen Verantwortung nicht entziehen. Das bedeutet dann übrigens auch, dass Ausrüstung und Ausstattung der Bundeswehr auch für Auslandseinsätze vorhanden sein und funktionieren müssten.

Nun stellen auch die Autoren der Studie nicht infrage, dass das Grundgesetz die Streitkräfte in erster Linie zur Verteidigung aufgestellt sieht. Aber der Rückzug auf diese Linie, so verstehe ich das Papier, griffe zu kurz.

Für die Debatte hier die ganze Studie zum Nachlesen auf der SWP-Seite:

Die Auslandseinsätze der Bundeswehr im Wandel

(Archivbild April 2017: Staublandung eines NH90-Hubschraubers der Bundeswehr im Norden Malis – Bundeswehr/Marc Tessensohn)

 

124 Kommentare zu „Weniger Auslandseinsätze? Bitte nicht, argumentieren Wissenschaftler“

  • Koffer   |   07. Juni 2018 - 22:52

    @Pio-Fritz | 07. Juni 2018 – 20:49
    „Aber ich bezweifele, das der vielzitierte „deutsche Michel“ sich dazu hinreißen (und überzeugen) lässt, Auslandseinsätze außerhalb Europas toll zu finden. Selbst wenn sie durch UN-Mandate abgedeckt sind.“

    1. Sicherheitspolitik ist Exekutivrecht (mit Anteilen Legislativrecht) und dafür gibt es eine repräsentative Demokratie.

    2. Dann müssten hier halt besser erklären und überzeugen!

    @Zimdarsen | 07. Juni 2018 – 21:31
    „es gibt Soldaten die legen es aus wie man es Jahrzehnte ausgelegt hätte und damit gut gefahren ist“

    Ne ist klar. Gut gefahren, doch nur weil andere für unsere die echte Arbeit gemacht haben und wir uns zurück gelehnt haben :(

    „Ihre hat m.E. zu unserem Dilemma geführt“

    Eher nicht. Sondern das die Welt nun einmal so ist wie sie ist.

    Man kann es bedauern, aber ändern können wir sie von heute auf morgen alleine nicht.

    Und solange wir im hier und heute Leben, müssen wir uns nicht nur von heeren Zukunftshoffnungen leiten lassen, sondern auch kühl abwägen, was ggf. (leider) jetzt sofort gemacht werden muss.

    „Unsere Freiheit und unser Recht wird nicht in AFG und Mali verteidigt “

    Hier haben wir offensichtlich eine unüberbrückbare Differenz.

  • Thomas Bernhardt   |   07. Juni 2018 - 23:06

    @Zimdarsen

    Unser Recht und unsere Freiheit würde nicht in Afghanistan oder Mali verteidigt werden?
    Ja wo denn sonst?
    Wir müssen und dürfen (unter gewissen Umständen) unser Recht und unsere Freiheit (mit der unsere Sicherheit verbunden ist) genau dort verteidigen, wo sie bedroht werden. Und das ist derzeit nicht in Mitteleuropa. Und genau das ermöglicht (unter gewissen Umständen) Artikel 24.
    Und unser Recht und unsere Freiheit sind unsere vitalen Interessen.
    Wenn dann damit zufällig oder absichtlich zugleich auch wirtschaftlichen Interessen gedient ist – dann erhöht das nur die Umsetzungsbereitschaft.

  • Pio-Fritz   |   08. Juni 2018 - 9:36

    @Koffer | 07. Juni 2018 – 22:52

    „1. Sicherheitspolitik ist Exekutivrecht (mit Anteilen Legislativrecht) und dafür gibt es eine repräsentative Demokratie.“

    Ja, und genau diese Repräsentanten wollen auch gerne wiedergewählt werden. Nachdem neben den Linken auch die AfD Auslandseinsätzen durchaus kritisch gegenübersteht, werden die anderen Fraktionen genau hinsehen, wo man mitgeht und wo nicht.
    Und für überzeugende Argumente müsste man auch Erfolge vorweisen, und die sind (zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung) rar gesät.

    @Thomas Bernhardt | 07. Juni 2018 – 23:06

    Wo wird unser Recht und unsere Freiheit in Afghanistan und Mali direkt bedroht? Ich sehe da keine.
    Durch Terroristenausbildungscamps? Die weichen dann eben aus, AFG ist doch das beste Beispiel. Durch Flüchtlingsströme? Die bekommen Sie mit militärischen Einsätzen auch nicht in den Griff. Der Großteil, vor allem der afrikanischen Flüchtlinge, sind Wirtschaftsflüchtlinge. Die Ursachen bekämpft man nicht mit Militär.

  • Zimdarsen   |   08. Juni 2018 - 10:37

    @Thomas Bernhardt

    Unser Recht und unsere Freiheit würde nicht in Afghanistan oder Mali verteidigt werden?
    Ja wo denn sonst?

    Also im Moment in durch die USA und Türkei (Viele deutsche Bürger in Haft und diverse Aktionen oin DEU)

    „Wir müssen und dürfen (unter gewissen Umständen) unser Recht und unsere Freiheit (mit der unsere Sicherheit verbunden ist) genau dort verteidigen, wo sie bedroht werden.“

    Stimmt, zum Beispiel durch organisierte Kriminalität, Umweltverschmutzung, Epedemieen, um. Bei AFG sehe ich im Moment nicht wie wir das Recht und die Freiheit von uns und unseren Verbündeten schützen und irgend ein Staat in unseren Bündnissen in seinen Grundfesten gefährdet wären.

    „Und das ist derzeit nicht in Mitteleuropa. Und genau das ermöglicht (unter gewissen Umständen) Artikel 24.“

    Das mag ja sein, dass dies juristisch so ist, darauf weißt doch @Koffer ständig hin nur man muss sich dieser Auslegung für die Zukunft nicht zu eigen machen. Für Deutschland und seine Büger haben wir erst durch unser Engagement die Gefahr ins Land geholt.
    Aus Fehlern lernen lautet die Devise.

    Zudem sind wir auf Einladung der Regierung aus AFG dort im Innland tätig und Bilden dort aus. Wir verteidigen ja gerade nicht unser Recht und unsere Freiheit, auch nicht nach GG24.

    Sollten auch wir mal einen Trump oder Putin bekommen Word er sich freuen über die Instrumente welche wir ihm zur Verfügung gestellt haben.

    Vor dreißig Jahren gab es noch Offiziere die sich wenigstens Gedanken zu diesem Thema gemacht hatten (in der kritischen Auslegung) heute ist es wohl vielen eher egal oder sie gehören der Fraktion an endlich wieder auf Augenhöhe. Selbst wenn man am Ende einer Diskussion zum Ergebnis kommt, dass der eine oder andere Auslandseinsatz durchgeführt werden muss, so fehlt doch zunehmend eine wirklich kritische Betrachtung.

    Das GG ist eben nicht die Grundlage, sondern dessen Auslegung und diese unterliegt dem Zeitgeist und bedarf einer Ständigen Debatte und Ringen um die Auslegung, dann gibt es eben mehrere Meinungen und keine Richtige, sondern nur mehrheitlich akzeptierte.

  • T.Wiegold   |   08. Juni 2018 - 10:53

    Hm, es geht ja rund, und ich bremse das trotz eines ziemlich mäandrierenden Verlaufs erst mal nicht ein…

    Allerdings möchte ich ein Narrativ gleich stoppen:

    Für Deutschland und seine Büger haben wir erst durch unser Engagement die Gefahr ins Land geholt.

    Mir scheint, diese Haltung „wir kümmern uns um nix außer uns selber und leben froh auf unserer Insel der Seligen“ ist ein bisschen kurz gedacht.

  • Pete   |   08. Juni 2018 - 11:56

    @T.W.
    „…Mir scheint, diese Haltung „wir kümmern uns um nix außer uns selber und leben froh auf unserer Insel der Seligen“ ist ein bisschen kurz gedacht…“

    Mit Verlaub Herr Wiegold, Ihre Interpretation der von Ihnen zitierten Aussage ist auch zu hinterfragen.

    Wenn man in dem Satz „uns“ durch „den Westen“ ersetzt, dann ist die Aussage zumindest diskussionswürdig. Um es zuzuspitzen:

    1. Seit dem Beginn des „war on terror“ haben wir gem.vorliegender Faktenlage nicht weniger, sondern mehr Terrorfälle in der EU.
    2. Ohne das militärische Eingreifen in Irak und Libyen hätten wir aus Sicht vieler sicherheitspolitischer Analysten erheblich weniger Probleme an der Südgrenze der EU.

    Ich verweise bei meiner Bewertung noch einmal auf.die Aussagen der Kongreßabgeordneten und Irakkriegveteranin Tulsi Gabbard, die die obige Bewertung zu 100 Prozent teilt und sicherlich nicht den Ansatz vertritt:
    „…wir kümmern uns um nix außer uns selber und leben froh auf unserer Insel der Seligen“. Auch ist sie nicht antiamerikanisch oder.antiwestlich, sondern einfach eine Gemeinwohl der USA interessierte Politikerin/Veteranin.

    Ich spreche mit diesem Beitrag keine ethische Bewertung an, sondern stelle lediglich die simple Frage, ob die militärischen Interventionen der EU/Nato den Bürgern der EU eher geschadet oder genutzt haben? Diese Frage sollte jeder Operation eine selbstverständliche sein. Aus Fehlern kann man nur lernen wenn man bereit ist ehrlich zu analysieren.

  • Zimdarsen   |   08. Juni 2018 - 17:36

    @T.W.

    Für Deutschland und seine Büger haben wir erst durch unser Engagement die Gefahr ins Land geholt.

    „Mir scheint, diese Haltung „wir kümmern uns um nix außer uns selber und leben froh auf unserer Insel der Seligen“ ist ein bisschen kurz gedacht.“

    Da gebe ich Ihnen recht, wenn man diese Aussage isoliert betrachtet, jedoch muss man Sie im Kontext sehen und da war das mili Engagement gemeint und dabei natürlich auch nicht jedes.

    Deutschland kümmert sich um viel, doch es darf doch erlaubt sein nach der Wahl der Instrumente im jeweiligen Einsatz zu schauen. Es ist doch auch weiter unbestritten, dass Deutschland durch das mili Engagement vermehrt zum Ziel von Terrorattacken wurde (zum Glück viele vereitelt).

    Deutschland und Europa muss und soll sich in der Konfliktprävention beteiligen und zwar massiv und glaubwürdig. Da gibt es viele Möglichkeiten, doch die wurden Vin unseren Partnern weder im Irak, noch in AFG und schon gar nicht in Libyen genutzt.

  • Koffer   |   08. Juni 2018 - 20:03

    @Thomas Bernhardt | 07. Juni 2018 – 23:06
    „Unser Recht und unsere Freiheit würde nicht in Afghanistan oder Mali verteidigt werden?
    Ja wo denn sonst?“

    +1

    (Natürlich an erster Stelle in der LV/BV, aber danach genau dort! Danke. Zustimmung!)

    @T.Wiegold | 08. Juni 2018 – 10:53
    „Mir scheint, diese Haltung „wir kümmern uns um nix außer uns selber und leben froh auf unserer Insel der Seligen“ ist ein bisschen kurz gedacht.“

    +1
    :)

  • Thomas Bernhardt   |   08. Juni 2018 - 23:13

    Nun, wer glaubt, daß wir uns erst durch unser militärisches Engagement oder den „War on Terror“ Feinde geschaffen haben, der irrt in kaum zu entschuldigender Weise.
    Wir gehören nicht zu deren Feindbild wegen dem was wir tun, sondern wegen dem was wir sind, was wir verkörpern.
    Diese Bedrohung gab es schon viele Jahre vorher. Und sie hat sich weiterentwickelt. Aber das hat sie proaktiv getan, denn auch Extremisten und Terroristen und Militaristen wissen von einer sich globalisierenden Welt zu profitieren. Sicher, es ist sehr bequem die Konflikte einseitig und vereinfacht zu betrachten und vielleicht zu glauben, an allem wären undurchdachte Interventionsabenteuer schuld. Aber das blendet einfach zu viele andere Akteure und Faktoren aus und reduziert die Handelnden auf Reaktionen gegen „den Westen“. Das ist eine eurozentristische Überheblichkeit, die wir uns nicht leisten können. Und mittlerweile sollten wir auch weiser sein.

  • Pio-Fritz   |   09. Juni 2018 - 0:03

    @Koffer | 08. Juni 2018 – 20:03

    Sie mögen applaudieren und beweisen dadurch nur, das Sie wesentliche Forderungen der Studie nicht verstanden haben. Oder eben nicht gelesen.

    Wie die Feststellung, das man in den Hauptstädten Europas ernüchtert feststellen muss, das die Stabilisierungsoperationen nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben.

    Das solche Einsätze neben ihrer Planung auch ein Ziel, einen Zielerreichungsgrad und eine Exitstrategie haben sollten, woran es im Moment mangelt. Das genau definierte Kriterien für die Beteiligung an einem Einsatz getroffen werden müssen, damit man nicht blindlings irgendwo reinrennt (z.B. UN.Mandat), etc pp.. Das man auch der Bevölkerung sagen muss, und zwar von Anfang an, der Einsatz ist nicht in zwei Jahren zu Ende, hängt eine Null an.

    Das alles fehlt in Ihrer Argumentation. Deshalb wäre eine Beteiligung an Operation Barkhane auch nicht uneingeschränkt möglich. Und wir tun uns als DEU keinen Gefallen, überall die militärischen Muskeln spielen zu lassen.

    Letztendlich haben wir als Deutsche den freizügigsten Paß der Welt, und das soll auch so bleiben. Den haben wir aber nicht, weil wir überall militärisch gefürchtet sind, das erreicht man mit anderen Qualitäten. Und die sind meistens mehr Wert als militärisches Säbelrasseln.

  • Zimdarsen   |   09. Juni 2018 - 5:56

    @Koffer

    „wir kümmern uns um nix außer uns selber und leben froh auf unserer Insel der Seligen“

    Wer hat dies in diesem Verlauf gefordert?
    Es scheint nicht möglich zu sein über das Ergebnis, die Folgen und den Preis (Menschenleben) zu diskutieren ohne das die Befürworter einer Auslegung des GG im Geiste der Verfasser der Artikel diskreditiert werden.

    Gerade Deutschland kümmert sich um viel und tausende junge Menschen haben sich im Ausland engagiert. Wer wissen will was das Engagement vor allem der USA in AFG anrichtet sollte sich dort mal umschauen.

    Auch ich bin für UN -Einsätze und bin mir beweißt, dass Deutschland „first“ kein frohes Leben auf unserer Insel der Seligen bringt. Doch wer Konflikte verhindern möchte muss sich eine ander Präventionsstrategie aussuchen und umsetzen als die USA. Aber wir werden sehen, was die nächsten Monate bringen, ggf werden wir vieles demnächst anders machen, nicht weil wir wollen, sondern weil wir müssen.

    Die Herrschaft des Rechts und unsere Freiheit schränken wir selbst immer mehr ein und Putin freut sich.

  • Thomas Melber   |   09. Juni 2018 - 8:57

    @Pio-Fritz
    „Das solche Einsätze neben ihrer Planung auch ein Ziel, einen Zielerreichungsgrad und eine Exitstrategie haben sollten,…“

    Manchmal denke ich, wir handeln nach dem olympischen Prinzip – „dabei sein ist alles“ (das war zum Glück in Libyen nicht der Fall, ‚ist uns aber dennoch auf die Füße gefallen).

    Dabei gibt es die Kriterien doch schon längst: Weinberger-Doktrin, Powell-Doktrin, welche als Vorlage dienen können.

  • Pete   |   09. Juni 2018 - 9:27

    @Thomas Bernhardt
    „Nun, wer glaubt, daß wir uns erst durch unser militärisches Engagement oder den „War on Terror“ Feinde geschaffen haben, der irrt in kaum zu entschuldigender Weise.“

    Haben Sie für diese Behautung auch Belege?

    „Wir gehören nicht zu deren Feindbild wegen dem was wir tun, sondern wegen dem was wir sind, was wir verkörpern.“

    Und warum wurden dann zielgerichtet alle säkularen arabischen Staaten durch westliche Interventionen/Sanktionen destabilisiert (Irak, Libyen, Syrien)?

    Und warum wird ausgerechnet der Staat (Saudi Arabien) der eine ebenso fundamentale Auslegung des Islam wie der IS in seinem Land etabliert hat, zu einem engen Verbündetendes Westens in der Region?

    Für mich ist darin keine Logik erkennbar da der fundamentale Islam und seine Unterstützer die Quelle des islamischen Terrorismus sind.

    Die deutsche Debatte um die künftige Ausrichtung der europäischen Außen- und Sicherheitspolitik ist in meinen Augen mitunter sehr „hausbacken“ und provinziell und orientiert sich zu sehr an der Vergangenheit und emotionalen Phasen. Einen neuen Kalten Krieg wird es nicht geben. Wir leben nicht mehr in einer bipolaren Weltordnung, sondern sind auf dem Weg in eine multipolare Weltordnung. Europa hat als ernst zu nehmender „Player“ nur dann eine Chance wenn es ihm gelingt sich in eine neue kluge „Balance“ mit den anderen Playern einzufinden. Diesbezüglich ist meiner Ansicht nach noch keine strategische Ausrichtung erkennbar.

    Wer Interesse daran hat, die Verschiebung der Machtverhältnisse in der Welt aus einer nicht-europäischen Perspektive zu erfahren, dem empfehle ich folgenden Artikel aus der Asia Times von Pepe Escobar:

    „How Singapore, Astana and St Petersburg preview a new world order
    Key economic forums in cities across Eurasia point the way to new power structures rising to challenge Western dominance“.

    Der Artikel ist umsonst zu lesen. Ich habe den Link nicht gepostet, da ich nicht weiß ob das erlaubt ist. Und wer dann noch mehr Zeit und Lust zu lesen hat kann sich diese Buchbesprechung anschauen:

    https://www.amazon.com/Geoeconomic-Strategy-Rethinking-International-Relations/dp/0415791685

  • Thomas Bernhardt   |   09. Juni 2018 - 19:22

    @Pete
    Es ist schon eine sehr spezielle Sichtweise zu glauben, daß „zielgerichtet alle säkularen arabischen Staaten durch westliche Interventionen/Sanktionen destabilisiert“ worden wären. Sie entspricht der von mir schon erwähnten (und davor gewarnten) eurozentristischen Sichtweise, daß die Welt sich nur aufgrund der Aktionen Europas oder Amerikas drehen würde. Dabei waren all diese Staaten seit ihrer Unabhängigkeit nicht stabil. Von den Handlungen der innerstaatlichen Akteure und der Anrainer und der Regionalmächte ganz zu schweigen.

    Die Stabilisierungseinsätze, an denen u.a. wir uns beteiligt haben, waren erfolgreich. Fast alle sogar, meines Erachtens. Sie haben genau das erreicht, was Stabilisierungseinsätze in diesem Umfang erreichen können.
    Aber das, was danach und dazu kommen musste, war fast immer völlig unzureichend. Darum war die Nachhaltigkeit des Gesamtergebnisses auch fast immer unzureichend.
    Und so ist Instabilität kein Wunder, wenn man beispielsweise in Libyen die gleichen Fehler macht wie im Irak Jahre vorher.

  • Koffer   |   09. Juni 2018 - 21:26

    @Thomas Bernhardt | 08. Juni 2018 – 23:13
    „Wir gehören nicht zu deren Feindbild wegen dem was wir tun, sondern wegen dem was wir sind, was wir verkörpern.“

    +1

    In der Tat. Wer glaubt, dass wir uns als Ziel der Terroristen verstecken können weil wir „brav“ sind, handelt nicht nur unsolidarisch, sondern auch falsch, denn diese Terroristen interessieren sich wenig dafür was wir tun, sondern lehnen das ab, was wir sind…

    @Zimdarsen | 09. Juni 2018 – 5:56
    „Es scheint nicht möglich zu sein über das Ergebnis, die Folgen und den Preis (Menschenleben) zu diskutieren“

    Ich bin ganz bei Ihnen, wenn Sie eine ehrliche Diskussion über den Preis von Macht und Verantwortung einer Mittelmacht (wie es DEU nun mal ist) fordern!

    Jedem muss klar sein, dass es immer seinen Preis hat „reich, mächtig und frei“ zu sein… und diesen Preis müssen nun einmal in erster Linie wir Soldaten zahlen.

    Das sollte man übrigens auch ganz deutlich jedem jungen Soldaten sagen. Unser Beruf hat heute nur noch sehr wenig mit dem des Soldaten der 70er, 80er und 90er zu tun…

    „ohne das die Befürworter einer Auslegung des GG im Geiste der Verfasser der Artikel diskreditiert werden.“

    Wüsste nicht, warum eine „einsatzkritische“ Auslegung des GG in irgendeinerweise näher am „Geist der Verfasser“ des GG sein sollte, wie eine „einsatzpositive“ Auslegung. Zwar waren die Väter des GG durchaus „kriegsmüde“, aber dennoch gleichzeitig nicht „realitätsblind“. Wie Konrad Adenauer so schön sagt „wir aber wählen die Freiheit“ (und damals wusste man sehr wohl, dass das der Preis dieser Freiheit durchaus (viele!) Menschenleben sein können).

  • AoR   |   10. Juni 2018 - 22:24

    @Pete:

    Sehr kluge Einwände. Es wird interessant zu sehen wie die EU-GB sich gebährt. Wir haben alle Chancen der Welt.

    @Koffer:

    Nun hoffe ich doch, dass die Politik klug genug ist und die Keule „Heer“ nicht all zu oft schwingen wird. Die BW ist rein Verfassungsrechtlich nicht in der Lage, außenpolitisches Argument zu sein.

    Mal sehen wie sich die Begehrlichkeiten eines Shanghai Kooperationsrates entwickeln, wenn das Vertrauen in gemeinsamen Beistand dank Rethorikern wie Trump und Erdogan völlig den Bach runter geht.

    @Pete: Pepe Escobar, der Shakespeare unter den SCO-Trollen. Immer gerne um die Füße wieder auf den Boden zu bekommen.

  • Bürger   |   11. Juni 2018 - 11:37

    @ Thomas Bernhardt | 09. Juni 2018 – 19:22:

    „Die Stabilisierungseinsätze, an denen u.a. wir uns beteiligt haben, waren erfolgreich. Fast alle sogar, meines Erachtens. Sie haben genau das erreicht, was Stabilisierungseinsätze in diesem Umfang erreichen können.“

    Meines Erachtens ist in dieser Angelegenheit das letzte Wort noch nicht gesprochen. Das wird erst der Fall sein, wenn aus einem Land, in dem mal ein größerer Stabilierungseinsatz stattgefunden hat, auch tatsächlich alle (!) ausländischen Truppen abgezogen sind.

    Aktuell sieht es so aus, als ob der Kosovo nicht mehr allzu weit davon entfernt ist. Mal schauen, wie sehr Washington an Camp Bondsteel hängt.

  • Pio-Fritz   |   11. Juni 2018 - 14:27

    @Bürger | 11. Juni 2018 – 11:37

    In der Tat. Und wie lange so etwas dauern kann sieht man bei der UN-Mission auf Zypern. Diese läuft seit 1964! Und das in Europa.

    Da braucht man einen langen Atem. Um so wichtiger, vor einem Einsatz auch die Bereitschaft abzuklären, so lange zu bleiben, bis der Job getan ist. Das begrenzt die Zahl der möglichen Einsätze.

  • Zimdarsen   |   11. Juni 2018 - 20:53

    @Koffer

    Ja, da sind wir grundsätzlich anderer Meinung. Dass der Preis der Freiheit viele Menschenleben kosten könnte dürfte jedem klar sein doch in den meisten Einsätzen geht es nicht um unsere Freiheit. Gerne können wir beim Preis der selben beginnen und den zahlt zuerst die Bevölkerung aber die will billigen Fisch, Kleidung, Palmöl, Gold uvm, gerade sie ist nicht mehr bereit einen Preis zu zahlen. Ich zahle gerne meinen Preis, wenn die BRD gefährdet ist (in ihren Grundfesten) ich zahle kein Haar für billiges Öl oder gute Absatzmärkte. Soldaten sind unsere Lebensversicherung und nicht die Hausrat.

    Evtl werden wir ja demnächst für Warenströme ganz andere Lenker haben und wir sollten einen Teufel tun ihn mit mili Mittel versuchen zu steuern.

    Zum Thema Sabilisierungseinsätze: Werden benötigt, weil enge Partner von uns dafür gesorgt hatten, dass einiges ins Wanken geriet…….und das Spiel geht weiter.

  • Thomas Bernhardt   |   11. Juni 2018 - 23:35

    @Bürger
    Bitte nicht falsch verstehen. Es ist nicht der Stabilisierungseinsatz, der dafür sorgt, daß Militär zur Stabilisierung irgendwann nicht mehr notwendig ist.
    (Darum schrieb ich „das, was danach und dazu kommen musste, war fast immer völlig unzureichend. Darum war die Nachhaltigkeit des Gesamtergebnisses auch fast immer unzureichend.“)
    Die Einsätze können immer nur die „Streitenden“ trennen. Damit das Ganze nachhaltig ist, damit die Region stabil bleibt, damit sich etwas neues entwickelt, damit es neue Strukturen gibt: Dafür muss viel mehr passieren als Einsatz. Passiert das jedoch nicht…

  • Zimdarsen   |   12. Juni 2018 - 13:04

    Warum soll eine internationale Arbeisteilung nicht auch Vorteile haben.

    Militärisch aktive gibt es auf diesem Globus ja genügend und nicht militärische Aktivitäten sind oft mit mehr Risiken und Gefahren verbunden als viele Auslandseinsätze europäischer Nationen.

    „Deutschland will eine Führungsmacht sein – doch nicht militärisch

    Deutschland bastelt an seiner aussenpolitischen Strategie. Man sieht sich als Führungsmacht, aber als eine freundliche – die Uno und ein Kerneuropa sollen dies ermöglichen“ (NZZ)

    Wir müssen mit drohenden Konflikten anders umgehen und evtl haben wir in diesem Bereich was zukunftweisende beizutragen.

    Das bedeutet aber auch, dass die Streitkräfte in Europa endlich richtig aufgestellt und geführt werden müssen, im Besonderen im Bereich des Management im Grundbetrieb. Wenn wir in der Lage sind glaubhaft abzuschrecken, dann können wir viele andere Dinge als Beifang.

  • Nikom   |   12. Juni 2018 - 15:18

    Gerade erst dazu gekommen, den Strang (weiter) zu lesen und dabei fiel mir ein ’netter‘ Freud’scher ‚Verschreiber‘ von Koffer am 07.06. um 22:56 auf:
    „von heeren Zukunftshoffnungen leiten lassen“.
    Gemeint sind wohl ‚hehre Zukunftshoffnungen‘, aber ‚wem das Herz voll, dem läuft der Mund über‘.

  • Koffer   |   12. Juni 2018 - 16:16

    @Nikom | 12. Juni 2018 – 15:18
    „Gemeint sind wohl ‚hehre Zukunftshoffnungen‘, aber ‚wem das Herz voll, dem läuft der Mund über‘.“

    :)

  • Thomas Melber   |   12. Juni 2018 - 18:50

    Na ja, UKR kommt wohl „bald“ dazu (Berliner Treffen).