Somalia vor 25 Jahren: Der erste bewaffnete Auslandseinsatz der Bundeswehr

Der 16. Mai 1993 war für die Meisten in der zentralsomalischen Stadt Belet Huen ein ganz normaler Tag. Die Stadtbevölkerung und die Nomaden in der Umgebung gingen ihren Geschäften nach, die Fallschirmjäger der kanadischen Armee bereiteten ihren Abzug aus dem Einsatz der Vereinten Nationen in dem ostafrikanischen Land vor, die italienischen Bersaglieri kochten am Rande des kleinen Feldflughafens außerhalb der Stadt auf der mitgebrachten caffetiera ihren Espresso.

Für die Bundeswehr war es ein besonderer Tag.

Auf der staubigen, unbefestigten Piste des Flughafens landete am frühen Nachmittag eine Transall der Luftwaffe, an Bord das Vorauskommando der Bundeswehr für den deutschen Einsatz in der UN-Mission UNOSOM II. Die PR-Profis des deutschen Verteidigungsministeriums ließen zuerst den Hauptgefreiten Tino Hausladen aussteigen: Der Fallschirmjäger hatte an jenem Tag seien 24. Geburtstag, ein schönes Bild für die wartenden deutschen Journalisten. Erst später kletterte Generalmajor Georg Bernhardt, Kommandeur der frischgebackenen deutschen UN-Truppe, aus der Transall, und fand den Satz für den historischen Moment: Wir sind wieder in der Familie.


(Ein Beitrag von Spiegel TV aus dem Jahr 2013 mit Material aus dem Jahr 1993, in dem auch die Ankunft der Deutschen gezeigt wird)

Mit dem faktischen Start – offiziell hatte sich Bernhardt schon am Vortag beim UN-Kommandeur in Mogadischu gemeldet – des deutschen Einsatzes im von Hunger heimgesuchten Bürgerkriegsland Somalia an jenem 16. Mai vor 25 Jahren begann die Geschichte der bewaffneten Auslandseinsätze der Bundeswehr.

Die deutschen Streitkräfte hatten sich zwar auch zuvor schon in internationalen Missionen engagiert, zum Beispiel mit einem Feldlazarett für die Vereinten Nationen in Kambodscha. Aber Somalia war für die Truppe der erste bewaffnete Einsatz außerhalb des NATO-Gebiets – auch wenn die Deutschen dort keinen Kampfauftrag hatten: Sie sollten die Logistik stellen für eine indische Brigade, die für die UN-Mission in Zentralsomalia stationiert werden sollte. Darin unterschieden sie sich von den kanadischen Fallschirmjägern, die mit rund 1.100 Soldaten die rund 30.000 Quadratkilometer große Region rund um Belet Huen gesichert hatten.

Schon bei ihrem ersten bewaffneten Ausflug nach Afrika lernte die Truppe die Probleme kennen, die auch in späteren Auslandseinsätzen immer wieder auf die Tagesordnung kamen. Zum Beispiel fehlende oder die falsche Ausrüstung: Schon die Uniformen für den Somalia-Einsatz mussten bei den tropenerfahrenen Franzosen gekauft werden, weil der deutsche Flecktarn-Kampfanzug für afrikanische Temperaturen nicht ausgelegt war. (Bei den dienstlich gelieferten Tropenhüten wurde sehr schnell die rechte Seite der Krempe hochgeknöpft, in Anlehnung an die so genannten Schutztruppen des deutschen Kaiserreiches in Afrika – ein Beispiel dafür, wie Truppe sich Traditionen sucht.)

Und die Fallschirmjäger überwachten den Bereich rund um das deutsche Lager von einem Wiesel mit TOW-Panzerabwehrrakete aus – nicht etwa, weil es in Zentralsomalia Gegner mit Panzern gegeben hätte, sondern weil nur diese Version über das für die Überwachung nötige Nachtsichtgerät verfügte.

Aber auch die Debatte in der Heimat war, wie heutige Debatten über Auslandseinsätze, von Befürwortern und Gegner einer solchen Mission geprägt. Die SPD, damals in der Opposition, rief das Bundesverfassungsgericht an, weil ihrer Meinung nach ein solcher bewaffneter Auslandseinsatz ohne Grundgesetzänderung nicht zulässig war. Das Gericht beließ mit einer Entscheidung im Juni 1993 zwar die deutsche UNOSOM-Truppe in Afrika; eine endgültige Entscheidung über diesen und einen weiteren Bundeswehreinsatz fällte das Verfassungsgericht aber erst 1994 (und legte damit die Grundlage für Parlamentsvorbehalt und den Einsatz bewaffneter Streitkräfte nach Zustimmung des Bundestages).

Ungeachtet des Streits an der Heimatfront hatten die rund 1.700 deutschen Blauhelme in Belet Huen jedoch ganz andere Probleme. Eine im eigentlichen Sinne militärische Tätigkeit bekamen sie in ihrer Region nicht, weil die erwartete indische Brigade nie ankam, und konzentrierten sich auf humanitäre Hilfe bis zum (später sprichwörtlichen) Brunnenbauen. Oder auf Unterstützung für das Krankenhaus in Belet Huen.

Aus den Auseinandersetzungen mit den teilweise schwer bewaffneten Clans und ihrer Warlords, die in Belet Huen ebenso wie in ganz Somalia das Geschehen bestimmten und deren Angriffe auf UN-Hilfslieferungen für hungernde Somalis die UN-Mission erst ausgelöst hatten, hielt sich die Bundeswehr weitgehend heraus. Auch die zeitweise von den UN, vor allem aber von den USA als größtem Truppensteller geäußerten Wünsche nach bewaffneter Unterstützung durch deutsche Soldaten in der Hauptstadt Mogadischu führten nicht zu einem Kampfeinsatz der Bundeswehr.

Die großen Auseinandersetzungen liefen ohnehin nicht in Zentralsomalia ab, obwohl es auch dort Schießereien gab, sondern in Mogadischu. Wie zum Beispiel bei einem Angriff der internationalen Truppen auf eine Radiostation des maßgeblichen Clanchefs Mohammed Farah Aidid im Juli 1993 (als dessen Folge unter anderem der deutsche Fotojournalist Hansi Krauss von der Nachrichtenagentur AP und drei Journalisten der Agentur Reuters von aufgebrachten Somalis erschlagen wurden).

Die folgenschwerste Auseinandersetzung in Mogadischu fand dann im Oktober 1993 statt, berüchtigt angesichts der größten Verluste der US-Streitkräfte seit dem Vietnamkrieg und berühmt geworden durch das Buch und den Film Black Hawk Down: Beim Versuch, Aidid und die wesentlichen Führer seiner Milizen festzusetzen, scheiterten die US-Truppen. Die Bilder abgeschossener Hubschrauber und durch die Straßen von Mogadischu geschleifter US-Soldaten führten in den USA zu erheblichem innenpolitischen Druck und der Entscheidung des damaligen Präsidenten Bill Clinton, diesen Einsatz zu  beenden.

Auch die Bundeswehr peilte bereits im Herbst 1993 ihren Abzug aus Somalia für das Frühjahr 1994 an. In einer immer angespannteren Sicherheitslage gingen dann im Februar 1994 die deutschen Soldaten an Bord mehrerer Fregatten der Marine, die für diesen Abzug in den Hafen von Mogadischu einliefen. Die noch nicht mal einjährige Mission hatte den deutschen Steuerzahler rund 500 Millionen D-Mark gekostet.

Entscheidend war allerdings, was dieser erste bewaffnete Auslandseinsatz für die deutsche Innenpolitik bedeutete. Der Vorstoß des damaligen Verteidigungsministers Volker Rühe (CDU) in der CDU/FDP-Regierungskoalition, unter Kritik des kleinen Koalitionspartners, öffnete den Weg für die Beteiligung der Bundeswehr an internationalen Einsätzen im Rahmen der Vereinten Nationen, der NATO und der EU.

Folgerichtig kamen in den Jahren danach die Einsätze auf dem Balkan hinzu – bis zur deutschen Beteiligung am NATO-Krieg gegen Serbien wegen dessen Unruheprovinz Kosovo. Und auch der deutsche Afghanistan-Einsatz Jahre später ohne diesen ersten Einsatz in Afrika kaum möglich geworden.

Genau so aber stellt sich für die Somalia-Mission wie für einige der späteren die Frage, was sie tatsächlich bewirken konnten. In Somalia besserte sich die Lage nach dem UN-Einsatz nicht, das Land ist bis heute zerrissen, die Menschen auf internationale Hilfe angewiesen, die Clans zerstritten – und islamistischer Terrorismus ist als Problem hinzugekommen. Eine Evaluation, eine Bewertung der ersten Mission in Somalia hat es aber nie richtig gegeben.

(Zu dem Einsatz bei UNOSOM II wäre noch eine Menge an Details zu ergänzen; in diesem Eintrag würde das aber den Rahmen sprengen.)

(Fotos: Bundeswehr/Archiv)

 

 

Afrika,Einsatz in aller Welt · 14:27h ·  

28 Kommentare zu „Somalia vor 25 Jahren: Der erste bewaffnete Auslandseinsatz der Bundeswehr“

  • Ex-Zivi   |   16. Mai 2018 - 15:17

    Sehr geehrter Hr. Wiegold,
    gerade der letzte Punkt ist verdammt wichtig.
    Die Prüfung, ob und in welcher Weise ein Einsatz unter welchen Bedingungen ein Erfolg/Misserfolg war, was man hätte besser oder nicht hätte machen können, einschließlich einer genauen Einschätzung der politischen, wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Situation vor Ort vor, während und nach dem Einsatz müsste doch für die Bundeswehr, das Bundesverteidigungs- und das Außenministerium (wie vielleicht auch das Entwicklungshilfeministerium) eine Selbstverständlichkeit sein?

    Wie soll man einen Erfahrungsschatz für die Beurteilung des Sinns und Zwecks und der Erfolgschancen eines zukünftigen Einsatzes aufbauen, wenn man durchgeführte Einsätze nicht offen und transparent bewertet? Oder passiert das und die Auswertungen landen in irgendwelchen Ordner mit dem Hinweis „bloß nicht anrühren, behalten wir alles für uns“? Das kann ich mir nicht vorstellen. Gerade die finanziellen Aspekte sollten doch für alle an der Festlegung, ob und unter welchen Bedingungen ein internationaler Einsatz erfolgen soll, von Interesse sein?

  • Pio-Fritz   |   16. Mai 2018 - 15:31

    Im letzten Absatz könnte man „Somalia“ auch durch „Afghanistan“ ersetzen. Ohne ein weiteres Wort zu verändern, wäre die Aussage zutreffend.

    Die Lernkurve unserer Politiker, was sinnvollen Einsatz von Militär als Mittel der Außen- und Sicherheitspolitik angeht ist in den letzten 25 Jahren nicht gestiegen. Eher ist das Gegenteil der Fall…

  • klabautermann   |   16. Mai 2018 - 15:55

    Na ja, diese Stolpermission in Somalia mag zwar der erste bewaffnete Auslandseinsatz des deutschen Heeres gewesen sein, die BW in Form der Marine war aber schon „bewaffnet“ 1990/91 in der Operation Südflanke im Einsatz und in Form der Luftwaffe mit ihren Alphonsen im Rahmen der AMF 1991 in der Türkei. Aber so ist das nun mal …nur was das Heer macht zählt in diesem unseren Lande…….liegt wahrscheinlich daran, dass in den Schiffen/Booten der Marine und den Flugzeugen der Lw so wenig Platz für Journalisten ist/SARC
    Ich erlaube mir diesen kleinen Hinweis deswegen, weil ich damals im „Gefolge“ eines BM die Einsatzkontingente der Marine und LW (mit)“besucht“ habe – übrigens auch diese phantastischen Heeresflieger im „wilden Kurdistan“ ( Die „Geschichten“ des ersten Kontingentführes auf dem Rückflug von Ankara nach Bonn in der EX-DDR-VIP – Tupolew – courtesy Adju IBUK – haben zumindest dazu geführt, dass der Befehlshaber der damaligen OPCON – aka Heeresamt – vom „kühlen Klaren aus dem Norden“ elegant gefeuert wurde – das mit der Anzugsordnung als erste operatiev Weisung per SAT-FAX war einfach zu peinlich) ;-)
    Langer Rede kurzer Sinn: Somalia war mitnichten der erste bewaffnete Einsatz – vielleicht für den Hausherren hier, aber nicht für die BW – sorry T.W.
    Ansonsten hätte ich noch ein paar „Anekdoten“ aus der Zeit der „bewaffneten Amtshilfe“ für den damaligen BGS im Rahmen des Grenzsicherungserlasses in der Ostsee anzubieten – war damals „GEHEIM“ – aber damals ist eben damals.

  • T.Wiegold   |   16. Mai 2018 - 16:50

    @Klabautermann

    Na, Du weißt schon, dass ich nicht dazu neige, nur das Heer wahrzunehmen ;-)

    Luftwaffe in der Türkei – das Land war schon damals, wenn ich mich erinnere, NATO-Mitglied, von „out of area“ kann also nicht die Rede sein. Bei der „Operation Südflanke“ lässt sich sicherlich über die Definition „bewaffneter Einsatz“ streiten, oder?

  • Nordmann   |   16. Mai 2018 - 18:07

    Nur der Vollständigkeit halber. Der Sanitätsdienst….
    1991 UNTAC Kambodscha
    zwar „unbewaffnet“ Dennoch gab es hier, leider, ich meine den ersten, Gefallenen Kameraden
    .

    [Es gab in Kambodscha den ersten Toten im Auslandseinsatz. Allerdings wurde er Opfer eines Überfalls. So tragisch das ist, es ist nicht unter „Gefallene“ infolge kriegerischer Auseinandersetzungen zu rechnen. Der erste Gefallene im Wortsinn war der Oberstabsarzt, der im UN-Beobachtereinsatz in Georgien beim Abschuss eines UN-Hubschraubers starb. T.W.]

  • Sven Rothe   |   16. Mai 2018 - 18:22

    War die Zurückhaltung wirklich so schlecht?

    Nur weil viele Lemminge sich die Klippe herunterstürzen, ist es noch lange nich klug,
    es Ihnen gleich zu tun. Nach dem Eingreifen rufen Medien und ihnen folgend Politiker
    (manchmal auch umgekehrt) schnell. Klare Ziele oder gar das, was man eine Strategie nennen könnte, bleiben meist Fehlanzeige.

    Manche Konflikte müssen sich leider ausbluten. Nur weil man Bomben schmeißt, halbherzig
    mit einer personell und materiell unzureichenden Truppe in ein fremdes Land geht etc., führt dies nicht automatisch zur Besserung.

  • SER   |   16. Mai 2018 - 18:31

    @Klabautermann

    Und im „wilden Kurdistan“ war es damals die „humanitäre“ Hilfe für die Kurden … mal so notiert wegen damals ist eben damals … Und die deutschen CH53 im Irak waren UNO … ;-)

  • csThor   |   16. Mai 2018 - 18:57

    @ Pio-Fritz

    Die Lernkurve unserer Politiker, was sinnvollen Einsatz von Militär als Mittel der Außen- und Sicherheitspolitik angeht ist in den letzten 25 Jahren nicht gestiegen. Eher ist das Gegenteil der Fall…

    Bis zum heutigen Tag ist in diesem Land umstritten, ob die zentrale Lehre aus der Katastrophe des Dritten Reiches und zweier Weltkriege nicht die Untauglichkeit und Amoralität des Einsatzes militärischer Mittel zum Zwecke der Erreichung außenpolitischer Ziele sein sollte. Die Politik hat die 1990 fällige und 1994 überfällige Grundsatzdebatte über die Rolle und Funktion der Bundeswehr für die BRD aus Furcht vor der Debatte, ihren politischen Kosten und den eventuellen Folgen bis heute verweigert. Da wundert die fehlende Auswertung nicht wirklich. Und obendrein scheint bei keinem „Einsatz“ dieser wirklich je von Interesse gewesen zu sein, sondern eher dessen „Nebenwirkungen“ (gern als „Bündnissolidarität“ oder „Verantwortung“ blumig umschrieben, gemein hin aber bestenfalls als politische Gefälligkeit gegenüber dem Hegemon gemeint). Damit fällt dann jedwedes Interesse an einer Aufarbeitung flach, da die Mission selbst und ihr Ergebnis uninteressant sind und nur die Wahrung des Anscheins gegenüber dem Hegemon, der NATO oder der EU zählten.

  • Nils Z.   |   16. Mai 2018 - 20:35

    „Bei den dienstlich gelieferten Tropenhüten wurde sehr schnell die rechte Seite der Krempe hochgeknöpft, in Anlehnung an die so genannten Schutztruppen des deutschen Kaiserreiches in Afrika – ein Beispiel dafür, wie Truppe sich Traditionen sucht.“

    [sarc]
    Super Idee, Kameraden!
    [/sarc]

  • Spike   |   16. Mai 2018 - 20:47

    Zu den Brunnen:

    Es begann damit, dass überraschend nicht nur die deutsche Wasseraufbereitungsanlage (WAA) am Fluss stand, sondern mehrere weitere aus anderen Ländern. Man hatte Wasser im Überfluss hergestellt; hinzu kommt, dass der Verzehr dieses sterilen, toten Wassers aus der WAA über einen längeren Zeitraum nicht empfohlen werden kann.
    Als dann die Sanitäter/-innen begannen die Becken der WAA mit Bikini und Badehose zu nutzen, suchte man nach einer sinnvolleren Verwendung.
    Deshalb transportierte man das Wasser zu den ausgetrockneten Brunnenlöchern der Bevölkerung; durch die Vermischung mit dem vorhandenen Wasser, konnte man das Wasser auch unbedenklich über einen längeren Zeitraum genießen. Das Bohren selbst kam erst später nach meiner Erinnerung.
    ————–
    Ich erinnere auch, dass bereits nach relativ kurzer Zeit niemand mehr wusste, wie viele Fahrzeuge und sonstiges Material ins Land transportiert wurde.

  • Tom   |   16. Mai 2018 - 22:24

    Klar kann man leicht meckern, was sich in den 25 Jahren so alles nicht verbessert hat.

    Aber man kann auch mal die Änderung zum Guten wertschätzen.
    Dazu ist der verlinkten Beitrag von SpiegelTV gut geeignet. Exemplarisch dafür die Wortwahl („N…kind“) und das negative, geschichtsrevisionistische, deutschlandkritische Weltbild des Kommentatoren. Oder die unterschwellig überhebliche Einordnung des christlichen Glaubens durch den Militärpfarrer. Usw usf.

    Also, Kopf hoch! Früher war eben nicht alles besser. In vielen Bereichen sind wir heute weiter als damals.

  • fehlebesetzung   |   16. Mai 2018 - 22:32

    Die Kopfbedeckungen hatten an der rechten Seite einen Druckknopf und sollten so getragen werden. Von wegen Tradition suchen ….

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   16. Mai 2018 - 22:45

    „Entscheidend war allerdings, was dieser erste bewaffnete Auslandseinsatz für die deutsche Innenpolitik bedeutete“. Ja, durchaus, aber: Für die eingesetzte Truppe, hier vorzugsweise Heeressoldaten eröffneten sich (leider) andere ernüchternde Erkenntnisse, s.u.
    „Schon bei ihrem ersten bewaffneten Ausflug nach Afrika lernte die Truppe die Probleme kennen, …“. Ja, aber zunächst wurden Ausbildungslücken hinsichtlich Vorbereitung der Truppe und vor allem auch des „älteren“ Personals festgestellt, die plötzlich Mannschaftsfunktionen (wieder) übernehmen mussten.
    Beispiel: Dem Chef einer PzJgKp (mir persönlich bekannt) der 6. PzGrenDiv, eingesetzt als Konvoiführer von Mogadischu nach Belet Huen, wurde auf seinem FüTPZ ein OStFw einer KdoBeh des Heeres als FlaMGSchtz und FuGerBediener zugeteilt: Der Soldat legte den MG-Gurt 180° verdreht, Geschossspitzen nach hinten, Gurttaschenöffnung nach oben in das FlaMG ein. Das SEM 25 war ihm obendrein fremd. Der Erfahrungsbericht des Maj wurde nicht freigegeben, der Kamerad berichtetete aber im Kameradenkreis, … es gäbe mehr zu berichten.
    Erste Maßnahme, ab 1993 kam in aller Eile der „Stab Zentrale Ausbildunseinsätze/UN-Einsatz-Auswertung“ an der damaligen Kampftruppenschule 1 in Hammelburg in Funktion. Ein einwöchiger Lehrgang war eingerichtet, in dem auch auf Land/Leute in Somalia vorbereitet wurde. Es war der Beginn dessen, was später Einsatzvorbereitende Ausbildung (EVA) genannt wurde und hohe Professionalität erreichte. Wesentlicher aber, die Brigaden bildeten die Folgekontingente in allen wesentlichen Grundfertigkeiten aus.
    (Bittere) Erkenntnis: In vielen nicht zur Kampftruppe/Kampfunterstützungstruppe gehörenden Bereichen sowie bei Lebensälteren, die kurzfristig Wehrpflichtige ersetzen mussten, fehlten diese zahlreiche Grundfertigkeiten.

    Zur damals verwendeten Aussstattung:
    Die Aussage „Wiesel mit TOW-Panzerabwehrrakete aus – nicht etwa, weil es in Zentralsomalia Gegner mit Panzern gegeben hätte, sondern weil nur diese Version über das für die Überwachung nötige Nachtsichtgerät verfügte“ trifft, so wie geschrieben, nicht zu.
    Ab 1984 bis1989 erfolgte für die MILAN des SPZ MARDER die Ausrüstung mit WBG MIRA. Das Besondere, das WBG konnte abgesetzt von der PzAbwWa einsetzt werden. Die in SOM verwendete Truppe hätte also durchaus dies WBG MILAN, besser aber die eigene MIRA der MILANGrp des schweren Zuges der FSchJgKp nutzen können.
    Nur, die eingesetzten FSchJg der Luftlandebrigade 26, die das 1. Kontingent bildeten, nutzten das qua Reichweite leistungsstärkere TOW WBG , das auch zahlreicher verfügbar war. Besonderheit darüber hinaus: Das TOW WBG, das AN-TAS 4/4a kann, wie die MIRA abgesetzt von der Waffenanlage zum Einsatz kommen kann, einziges Problem die Stromversorgung. Der mögliche abgesetzte Einsatz, ohne starre Einrüstung auf den zugehörigen Waffenträger, bleibt ausschlaggebendes Argument für Wiesel – TOW, wäre es aber auch für die MIRA gewesen.
    Eine vorteilhafte und zugleich aber beklagenswerte Entwicklung begann mit Somalia:
    1. Professionalisierung bei Kenntnis und Handhabung militärischer Grundfertigkeiten
    2. Verlust der Fähigkeit zum Kampf verbundener Waffen

  • ThoDan   |   16. Mai 2018 - 23:04

    Könnte es nicht einfach praktische Gründe gehabt haben, die Seite der Boonies hochzuschlagen, diese Tradition in vielen Streitkräften kommt nicht von ungefähr

    @Ex-Zivi

    In der Hinsicht scheint sich die BW geradezu entschieden gegen Lessons learned verteidigen zu wollen.

  • T.Wiegold   |   16. Mai 2018 - 23:42

    @fehlebesetzung, ThoDan

    Ich will das Hut-Thema hier wahrlich nicht auswalzen, deshalb nur als kurze Antwort:

    Die Hüte hatten – wie aktuelle Tropenhut-Modelle auch – auf beiden Seiten jeweils einen Druckknopf zum Hochknöpfen der Krempe.
    Nach meiner Erinnerung wurde die Trageweise mit rechts hochgeknöpfter Krempe zu einem späteren Zeitpunkt ausdrücklich untersagt; allerdings ist das angesichts der verstrichenen Zeit keine sehr belastbare Erinnerung.
    Die praktische Bedeutung – und die Tradition in vielen Streitkräften – stammt aus einer Zeit, als die Hutkrempe beim Schießen hinderlich war; wg. der überwiegenden Zahl von Rechtshändern auch die rechtsseitig hochgeknöpfte Krempe.

  • ini   |   17. Mai 2018 - 8:11

    Guter Artikel – kurz zusammengefasst.
    Die Truppe hat in den Einsatz verlegt, der eigentliche Einsatzauftrag wurde nicht aufgenommen, stattdessen beschäftige man sich mit sich selbst, Kampf war politisch verboten.
    25 Jahre später – was macht die Truppe in Mali – Führungs-, Verbindungs-, Beobachtungs- und Beratungsaufgaben und Eigensicherung….
    Auch über diese Mission werden wir in 25 Jahre den Kopf schütteln, wenn die Truppe nicht noch vor Ort ist.

  • Mio   |   17. Mai 2018 - 8:53

    Sehr geehrter Herr Wiegold,
    leider muss ich Sie korrigieren. Der in Kambodscha umgekommene deutsche Soldat zählt sehr wohl zu den „Gefallenen“. Er wurde erschossen.

    [Wir fangen jetzt bitte nicht eine unsinnige Debatte darüber an, ob jedes Kriminalitätsopfer deswegen ein Gefallener ist, weil er im Einsatz ums Leben kam. Wenn die Bundeswehr über Jahre noch nicht mal bereit war, einen aufgrund kriegerischer Handlungen ums Leben gekommenen Soldaten als Gefallenen zu bezeichnen, muss ich mir jetzt hier nicht die umgekehrte Rechtfertigung ansehen. Ich hoffe, das ist klar geworden. T.W.]

  • EchoKilo   |   17. Mai 2018 - 9:06

    @T.W.

    Der aktuelle Tropenhut der BW hat auch nur auf der rechten Seite einen Druckknopf.

  • Steffen Siolek   |   17. Mai 2018 - 10:52

    @EchoKilo | 17. Mai 2018 – 9:06

    Meiner hat nur einen auf der linken Seite ;) Soweit ich das gerade beäugen kann, ist nämlich nicht vorgeschrieben wo vorne und wo hinten am Hut ist. Deswegen trägt der Oberst im Video die Krämpe auch auf der linken Seite.

    Entschuldigen Sie den OT- Ausrutscher @T.W

  • Carsten May   |   17. Mai 2018 - 13:52

    Mir fällt auf, dass in den Kommentaren immer häufiger vom Kernthema abgewichen wird – in diesem Fall der Tropenhut – und sich in für das jeweilige Thema unwichtigen Details verloren wird. Gerade im Hinblick auf die in diesem Blog recht häufig vorgetragene Kritik an eben dieser Detailverlorenheit in vielen Bereichen der Bundeswehr und das sich „Nichtkümmern“ um die „wichtige Dinge“, sollte sich jeder Kommentator auch selbstkritisch betrachten, ob er nicht demselben Phänomen erliegt. Ich bitte das nicht als Pauschalurteil zu verstehen, jedoch gilt auch hier, wenn jeder vor seiner Haustür kehrt ist es überall sauber.

  • Aussenstehender   |   17. Mai 2018 - 14:54

    @klabautermann:
    „bewaffneten Amtshilfe“ für den damaligen BGS im Rahmen des Grenzsicherungserlasses in der Ostsee“
    Wo kann ich dazu was nachlesen? Google war spontan nicht hilfreich.

  • Anubiswaechter   |   17. Mai 2018 - 19:15

    @Carsten May | 17. Mai 2018 – 13:52:

    Ich stimme Ihnen zu, erkenne in Ihrem Kommentar aber keine konkrete Verbindung zur Kernfrage, nämlich hier der Wirkung der Auslandseinsätzen.

    Die Antwort auf die Frage ist vielschichtig und erfordert mehrere Stufen der Prüfung.

    1. Erforderlich ist zunächst eine wertungsfreie Bestandsaufnahme, wer was wann wo wie und wozu tat, und zwar unterteilt nach wesentlichen Handlungsabschnitten bzw. Episoden, angefangen bei der relevanten Vorgeschichte über den Einsatz bis hin zur Nachwirkung. Dies ist oft gar nicht so einfach zu bestimmen. Wo fängt bspw. die relevante Vorgeschichte der Einsätze in Afghanistan an – beim 11. September 2001? Oder mit Alexander dem Großen? Entsprechendes gilt für die Nachwirkung. Die Kolonialzeit wirkt bspw. insb. in Afrika heute noch nach. Genau genommen kann also schon die Bestandsaufnahme nicht wertungsfrei erfolgen bei der Frage, was relevant ist. Oder ein Exkurs zu Putin: Wie relevant sind innenpolitische Umstände und Versäumnisse für den Einfall in der Ukraine? Alleine die Fragestellung lässt oft eine Vorab-Bewertung erkennen.

    Zusätzlich ist problematisch, dass die Datengrundlage überaus lückenhaft ist. Viele Dokumente sind eingestuft, verloren oder anderweitig ohne Zugriffmöglichkeit. Dies gilt vor allem für geheim gehaltene Papiere über Ereignisse, die Einfluss auf die Strategie hatten. Dies gilt erst recht für gegnerische Parteien. Und der gemeine Taliban wird Entwicklungen wohl von vornherein nicht mit der typisch deutschen akribischen Aktenführung dokumentiert haben. Und soweit man auf die Zustimmung Dritter angewiesen ist, beschönigt man Umstände und Ziele in Kenntnis der wahren Tatsachen sehr gerne. Oder wer glaubt, der Bundestag hätte 2001 sein erstes Mandat erteilt, wenn man formuliert hätte: „Afghanistan wird seit hunderten von Jahren immer wieder von ausländischen Truppen besetzt. Alle Truppen wurden über kurz oder lang aus dem Land geworfen. Unser Einsatz hat keine Aussicht auf Erfolg. Wir wollen aber trotzdem rein.“!?

    Problematisch ist auch die Datenmenge. Es handelt in einem Konflikt nicht „der Deutsche“ in Afghanistan. Es handeln viele Personen. Alleine das Entstehen eines Mandats wäre es oft schon wert, untersucht zu werden. Und auch wenn im Mandat vielleicht etwas von sicherheitspolitischen Erwägungen und Zielen steht, spielen für bei der Entscheidungsfindung involvierte Politiker, korrigiere: Interessenvertreter, oft ganz andere Erwägungen eine Rolle, oftmals wirtschafts- und/oder innenpolitischer Natur. Oder wie war das nochmal im Irak oder mit den Luftschlägen in Syrien vor wenigen Wochen.

    Alleine also eine objektive Bestandsaufnahme scheitert aus vielerlei Gründen.

    2. Allein auf dieser Tatsachengrundlage kann aber eine eigentliche Bewertung und Beurteilung erfolgen.

    a) Dabei ist zunächst die Frage nach dem wertungsfreien Erfolg der strategischen und operativen Ziele zu stellen und zu prüfen, ob man Ziele überhaupt erreicht hat und bejahendenfalls, welche und inwieweit. Dabei spielt Nachhaltigkeit eine besondere Rolle, aber auch nur insoweit, solange es für Entscheidungsträger eine Rolle spielte, unabhängig ob derjenige in Berlin entscheidet oder als Soldat vor Ort. Es geht nur um die Frage: Hat man das Ziel erreicht, ja oder nein?

    Zur Beantwortung insb., ob man strategische Ziele erreicht hat, muss man häufig Vergleichsgruppen bilden. Wenn man, versimplifiziert, „Mali sicherer machen“ will, kann man als Vergleichgruppe Mali im Zeitpunkt vor dem Einsatz nehmen. Was aber, wenn man Risiken und Gefahren erkannt hat, noch bevor sie entstehen und zur Gefahrenabwehr, also präventiv reingeht? Dann wäre Vergleichsgruppe Mali im Zeitpunkt heute oder zukünftig, ohne Trupp. Man kann den Erfolg von Strategien nur auf Basis mehr oder weniger valider Prognosen beurteilen. Hypothetisch bleibt es auf jeden Fall.

    b) Sodann kann man einen Einsatz bewerten. Pro Ziel: War das Ziel legitim – ex tunc und ex nunc betrachtet? War der Einsatz erforderlich? Was wäre gewesen, wenn …? Wurden die mildesten Mittel angewandt? War er im übrigen verhältnismäßig und unter Berücksichtigung aller Interessen angemessen? Und dies für jegliches Ziel gesondert beurteilen, um sodann eine Gesamtbetrachtung anzustellen.

    Falls all das negativ beschieden wird: Inwieweit kann man Entscheidungsträgern heute noch ihre Entscheidung vorwerfen? Kann man sie verantwortlich machen? Handelten sie vorsätzlich? Kannten sie die Folgen? Handelten sie objektiv und subjektiv sorgfaltspflichtwidrig? Hätten sie die Folgen vorhersehen müssen? Etc. pp.

    3. Wissenschaftlich und journalistisch sind solche Aufarbeitungen sicherlich dauerhaft interessant. Vielleicht besteht sogar, zeitweise, ein öffentliches Interesse daran. Militärisch sind solche Fragen mit solcher Reichweite und Tiefe jedoch häufig gar nicht von Bedeutung. Das Militär bekommt einen Auftrag, und hat diesen durchzuführen, soweit es mit den bereitgestellten Mitteln möglich und rechtlich erlaubt ist. Sicherheitspolitisch ist eine Aufarbeitung nur insoweit zweckmäßig und vorteilhaft, um Gefahren abzuwehren – insoweit also begangene Fehler, welche ein Sicherheitsrisiko (hier vorwiegend: nur äußere Sicherheit) begründen könnten, künftig zu vermeiden (beispielhaft die westlichen Interventionen in Nahost, insb. Irak 2003, mit der Folge des Entstehens des IS; aber auch da bleibt die Frage, was vlt. sonst geschehen wäre, hypothetisch).

    4. Zusammengefasst: Es liegt im sicherheitspolitischen Interesse Deutschlands, (äußere) Gefahren für Deutschland, EU und NATO abzuwehren. Dazu hat man sich bündnissolidarisch, also symbolisch an Einsätzen mit einem (gerade) ausreichenden Kräfteansatz zu beteiligen; Konflikte sind einzudämmen, solange und soweit es erforderlich ist. Sodann geht man wieder raus, und geht nur wieder rein, wenn es erforderlich ist. Wenn die Gefahr von einem Verbündeten ausgeht, beteiligt sich Deutschland nicht.

    Oder etwas bildlich gesprochen: Wenn die malische Hütte, oder somalische, oder afghanische, oder welche auch immer, brennt, und die Flammen drohen auf unser Häuschen überzugreifen, dann löschen wir gemeinsam mit befreundeten Nachbarn, bis ein Übergreifen nicht mehr droht. Wenn ein befreundeter Nachbar eine Hütte in Brand schießt, schießen wir jedenfalls nicht mit. Aber ob eine fremde Hütte eines nicht befreundeten Nachbarn brennt, ist uns ziemlich egal.

    Es liegt nicht nur nicht im sicherheitspolitischen Interesse Deutschlands, jeden Konflikt und jeden Missstand in der Welt zu lösen. Nein, es liegt im sicherheitspolitischen Interesse Deutschlands, das gerade nicht zu versuchen. „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ hat nachweislich nicht nur nie funktioniert, es fiel auch auf uns zurück. Oder wie würden wir empfinden, wenn plötzlich ein Somali zu uns käme und die Welt erklären möchte!? Die westliche Arroganz besteht auch heute noch darin, es besser wissen zu wollen.

    5. Diese Analyse sollte man, wenn, dann nicht nur bei Einsätzen anstellen, sondern auch auf Fälle von „Nicht-Einsätze“ anwenden, bei denen man bewusst keine Truppen geschickt hat, sondern gar nichts unternahm (zB. keine westlichen Bodentruppen in Syrien) oder Waffen und Know-how anstatt von eigenen Truppen (zB. deutsche Waffen an Peshmerga, Unterstützung von Bin Laden & Co. durch die USA zu einem früheren Zeitpunkt) schickte.

    Denn selbst wenn der Nachbar fragt, ob man nur etwas Wasser zum Löschen oder Spiritus für ein Gegenfeuer herausgeben könne, man sich aber sonst nicht beteiligt. Man kann sich nie sicher sein, ob das der Brandstifter von morgen ist.

    Man muss nicht nur Täter sein, um die Frage aufzuwerfen, was man bewirkt hat. Es reicht, andere anzustiften oder zu unterstützen. Und manchmal reicht es schon aus, gar nicht gehandelt zu haben.

  • Carsten May   |   18. Mai 2018 - 7:18

    @Anubiswächter: Ich stimme Ihnen zu, wollte jedoch in meinem Kommentar nicht auf diesen bzw. Einsätze an sich eingehen, sondern lediglich darum bitten, nicht vom eigentlichen Thema wie von Ihnen beschrieben abzuweichen, sondern sich eben genau darauf zu konzentrieren.

    Da ich selbst mehrfach im Einsatz war, kann ich bestätigen, dass alle Einsätze und insbesondere UN-Einsätze komplex sind. Interessant ist hier wirklich, dass sehr von Lessons Learned gesprochen wird. Die letzten Jahre haben oft genug gezeigt, dass Lessons Identified vorherrscht und scheinbar jedes Mal aufs Neue, die Lerneffekte jedoch häufig nicht erkennbar sind, es sei denn in formalen Dingen. Ich lasse mich gern eines Besseren belehren, aber meine Erfahrungen sind andere und glauben Sie mir. Ich spreche Dinge, die nicht in Ordnung sind an, auch dort wo Sie Unbehagen auslösen.

  • Fehlbesetzung   |   18. Mai 2018 - 9:15

    Zu einer Thematik ist ein Punkt dann relevant, wenn sich daraus Deutungen ableiten und Begründungen gefolgert werden. Zu dem Thema mit der Kopfbedeckung hat der Gastgeber gefolgert, dass hier eine Tradition im kaiserlichen militärischen Umfeld relevant gewesen sei. Damit wurde anheimgestellt, das diese Entscheidung willkürlich gefällt wurde, möglicherweise sogar von jedem Einzelnen.

    Meiner Einschätzung nach, wurde damit die Faktenebene verlassen und eine Deutung eingeführt. Dem Unkundigen liegt nun dieser Interpretationsschluss nahe, obwohl (nach meiner Meinung) faktisch schlicht falsch.
    Der Blog des Gastgebers fördert und fordert den Austausch im Dissens und hat sich die(se) Information(en) als Grundlage gewählt. Anschließend wird interpretiert und damit unterschiedliche Sichtweisen auf das gleiche Faktengebilde kommuniziert, um in der Summe eine Fülle an Alternativen anzubieten.

    So hat der Gastgeber, in seiner journalistischen Freiheit, die These aufgestellt, dass im ersten bewaffneten Auslandseinsatz der Bundeswehr für den teilnehmenden deutschen Soldaten eine traditionelle Verbindung zum kaiserlichen Kolonialdenken nahe lag, und er diese mit der trageweise der Kopfbedeckung Ausdruck verleihen wollte. Und weiter, wird dann noch schlussgefolgert, dass dies ein Beispiel für die Suche nach Tradition der Truppe (in der Truppe) sei. Nach meiner Wahrnehmung trifft das überhaupt nicht zu.

    Das mag ich nicht. Für mich ist das schlechter Stil. Das mochte ich auch so nicht stehen lassen. Aber, es obliegt einem Jeden ja selbst seine Schlüsse zu ziehen.

    Letztlich zeigt es mir etwas über die funktionale Argumentation und ich überlege mir was Toulmin doch für eine Freude daran hätte …

    @Carsten May

    Ich gebe ihnen recht, wobei auch wir beide unrecht haben. Um das Kernthema herum sind viele Einzelinformationen platziert mit denen fleißig kolportiert wird. Ausschließliche Äußerungen in der Sache sind zwar objektiv gebunden an das Thema, wobei subjektiv aber anderen, unwidersprochenen Folgerungen somit Zutreffen attestiert wird. Oder kurz gesagt: „Man kann nicht nicht kommunizieren“.

    Und weiter würde ich dem journalistischen Instinkt des Gastgebers durchaus zugestehen, dass er weiß was er tut …

  • f28   |   18. Mai 2018 - 9:21

    klabautermann | 16. Mai 2018 – 15:55
    „Ansonsten hätte ich noch ein paar „Anekdoten“ aus der Zeit der „bewaffneten Amtshilfe“ für den damaligen BGS im Rahmen des Grenzsicherungserlasses in der Ostsee anzubieten – war damals „GEHEIM“ – aber damals ist eben damals.“

    Öffentlich bekannt wurde meines Wissens ja nur die Geschichte mit „SY Tornado“ und dem BGS-Boot „Duderstadt“ (ist sogar noch im SPON-Archiv nachzulesen). An weiteren saftigen Anekdoten aus dieser Zeit sind sicher noch mehr Leute interessiert ;)

    Zu Somalia: der Rückzug des deutschen Kontigents hört sich im Bericht von T.W irgendwie so, hm, regulär an. Aber war das damals nicht eher eine notdürftig improvisierte Evakuierung, wenn nicht gar Flucht?

    (Und dann gab es da doch noch diesen bösen Witz: was hat ein deutscher Soldat zu tun, wenn er angegriffen wird? Antwort: Waffe sichern, Mündung in den Himmel halten und rufen: „Hände hoch! Oder ich hole einen Italiener!“)

  • klabautermann   |   18. Mai 2018 - 10:00

    @f28 | 18. Mai 2018 – 9:21

    Naja, das ist hier kein Klabautermann-Anekdoten-Blog, also lassen wir das lieber ;-)
    Mit Blick auf den „geplanten“ Abzug des deutschen UNSCOM II – Kontingents aus Somalia kann ich ihnen nur zustimmen: daran war so ziemlich nix „regulär“, allerdings verfügte die BW damals noch über die Ressourcen zur „genialen“ Improvisation.
    2010 hab ich bei einem VN-Einsatz einen italienischen Bersaglieri-Oberst getroffen, der damals mit seinem Zug „Shotgun“ für die deutschen Konvois nach Mogadischu zur Einschiffung geritten ist. Der schwärmte von der Einschiffungsoperation im Hafen auf die deutschen Fregatten und die deutsche (seeseitige) „Nahsicherung“ – da waren ein paar Details dabei, die selbst ich noch nicht kannte. Tja, ohne unsere italienischen Freunde hätten war damals u.U. „ganz alt“ ausgesehen und ohne die Marine u.U. noch älter. Aber wie gesagt, das war „damals“ und die lesson learnt in Sachen Eigenschutz und -sicherung inkl. „Rückzug“ „if a mission turns sour“ ist m.A.n. nur in Teilen bei den Planern angekommen – insbesondere mit Blick auf VN-Operationen.

  • Sommerbiwak   |   18. Mai 2018 - 10:00

    Nils Z. | 16. Mai 2018 – 20:35″„Bei den dienstlich gelieferten Tropenhüten wurde sehr schnell die rechte Seite der Krempe hochgeknöpft, in Anlehnung an die so genannten Schutztruppen des deutschen Kaiserreiches in Afrika – ein Beispiel dafür, wie Truppe sich Traditionen sucht.“

    [sarc]
    Super Idee, Kameraden!
    [/sarc]“

    Jein, also mithin quatsch letzendlich. Um der einschlägigen ZDv 37/10; 10/8 et. pp. bezüglich der Grußpflichten formschön nachzukommen wurde dieselbe Lösung wie damals unterm Kaiser angewendet. Kann doch nicht angehen, daß nicht mehr *korrekt* salutiert wird. wo kämen wir denn da hin, wenn Sonnenbrand verhindert wird und das heilige salutieren behindert wird? Also wirklich. Derselbe grund warum man die Krempe rechts mit enem Druckknopf befestigen kann am Flecktarn Hut. Man muss doch saltieren können! Welchen Drehstuhlpiloten kümmert schon Sonnenschutz, wenn man selten draußen ist.

    Wer Zynismus findet darf ihn behalten.

    Zum eigentlichen Thema haben einige ja schon alles wichtige gesagt. Unsere olitische Kaste wie so oft verweigert sich einer Diskussion der Frage wie man denn nach Ende des kalten Krieges Landesverteidignung zu verstehen habe und was Deutschlands neue Rolle in der Welt denn sein soll wiedervereinigt. Herumstolpern und halbherzig Krieg führen am anderen Ende der Welt ist alternativlos. Nicht nur unter Merkel, sondern unter allen bisherigen Bundesregierungen seit 1990.

  • Pio-Fritz   |   18. Mai 2018 - 10:32

    @Anubiswaechter | 17. Mai 2018 – 19:15

    Im Grundsatz haben Sie recht. Das Dilemma fängt jedoch schon vorher an.

    Es mangelt an einer Zieldefinition und einem festgelegten Zielerreichungsgrad für die Einsätze. Hinzu käme noch eine Exitstrategie.

    Alles das hätte man aus dem Somalia-Einsatz schon als lesson learned mitnehmen können.

    @f28 | 18. Mai 2018 – 9:21

    Nach der sogenannten „Schlacht von Mogadischu“, in der 18 US-Amerikaner fielen, haben die USA als größter Truppensteller das Land überhastet verlassen. Den anderen Nationen blieb gar nichts anderes übrig, als ebenfalls abzuziehen.
    Flucht wäre es, wenn man das Gefecht oder den Krieg verloren hätte, das ist nicht der Fall. Die Bundeswehr war nicht in Kampfhandlungen verwickelt.

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