Heer stellt Grundausbildung um: Erste sechs Wochen für die Fitness

Als eine Konsequenz aus den Vorfällen in Munster und Pfullendorf, bei denen Rekruten auf dem Marsch oder bei einem Lauf zusammenbrachen, will das Deutsche Heer die Struktur der Grundausbildung umstellen. Die ersten sechs Wochen der neu angetretenen Soldaten sollten vor allem der Bildung körperlicher Fitness dienen, erläuterte ein Sprecher des Heeres am (heutigen) Freitag auf Anfrage von Augen geradeaus!. Erst nach diesen sechs Wochen solle dann die eigentliche Gefechtsausbildung beginnen.

Die Bundeswehr sieht sich zunehmend mit freiwilligen Bewerbern konfrontiert, die zwar die Einstellungsprüfungen bestehen, körperlich aber nicht auf die Anforderungen des Dienstes in der Truppe eingestellt sind. Die körperliche Leistungsfähigkeit soll deshalb in den ersten eineinhalb Monaten der Ausbildung gezielt gestärkt werden, und vor allem differenzierter als bisher.

Die Rekruten werden künftig in drei verschiedene Leistungsgruppen eingeteilt, um individuell den Leistungsstand erhöhen oder halten zu können. In dieser Zeit soll es herkömmlichen Sport, aber auch Märsche geben; neben den verschiedenen Arten des Fitness-Trainings dürfte nicht allzuviel an Ausbildung passieren. Nach den sechs Wochen ist ein Zwischentest als Erfolgskontrolle sowie am Ende der Grundausbildung ein Abschlusstest vorgesehen.

Der bereits 2010 eingeführte Basis Fitness Test (BFT) soll dabei in die Feststellung der körperlichen Leistungsfähigkeit integriert werden. Zusätzlich ist ein so genannter Handlungsparcours als Eingangstest zur Erfassung der Leistungsfähigkeit geplant. Neben die im BFT geforderten Disziplinen Pendellauf, Klimmhang und 1.000-Meter-Lauf tritt dann die gezielte Stärkung – und Überprüfung – von Bewegung, Ziehen, Tragen und Heben, angelehnt an spätere praktische Anforderungen an einen Soldaten.

Die neu strukturierte Grundausbildung soll ab Juni zunächst in einem Pilotprojekt beim Panzergrenadierbataillon 401 in Hagenow erprobt werden, begleitet von Sportlehrern und der Sportschule der Bundeswehr. Im ganzen Heer könnte die neue Ausbildung mit den ersten sechs Wochen Fitness-Schwerpunkt ab Mitte kommenden Jahres eingeführt werden.

Mit der geplanten Neustrukturierung will das Heer verpflichtend umsetzen, was bereits jetzt in der Praxis möglich ist, aber offensichtlich zu selten genutzt wird: Die Rekruten abhängig von ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit bei Dienstantritt fitter zu machen. Heeresinspekteur Jörg Vollmer dürften bei der jetzt angekündigten Umsetzung der schon länger geplanten Veränderung vor Augen gestanden haben, was in Pfullendorf Anfang Januar passierte: Untrainierte Rekruten, die sieben Tage nach Dienstantritt auf einen 15-Kilometer-Lauf geschickt wurden, ohne dass sie körperlich darauf vorbereitet waren. Ebenso auch den Marsch im Juli vergangenen Jahres in Munster, bei dem ein Offizieranwärter ums Leben kam.

(Der Vollständigkeit halber: Auf der Webseite des Deutschen Heeres gibt es dazu auch eine Meldung.)

(Archivbild: Fahnenjunker bei der Grundausbildung auf der Hindernisbahn – Bundeswehr/Detmar Modes)

 

An der Heimatfront · 12:00h ·  

71 Kommentare zu „Heer stellt Grundausbildung um: Erste sechs Wochen für die Fitness“

  • closius   |   23. März 2018 - 12:11

    Sicher mal eine gute Idee des Heeres. Aber was ist mit dem Seebataillon und den Objektschützern der Luftwaffe? Oder den Pionieren der Streitkräftebasis? Sollte die Ausbildung nicht in der gesamten BW gleich sein für infanteristische Kräfte?

    Oder soll das Ganze erst nach einer Bewährung im Heer in die anderen Teilstreitkräfte übertragen werden?

  • T.Wiegold   |   23. März 2018 - 12:12

    Nun, der Inspekteur Heer kann das erst mal nur für seinen Verantwortungsbereich anweisen… oder?

  • marvin   |   23. März 2018 - 12:18

    Bin gespannt was sich im Detail ändert. Bei mir hat man nämlich in der AGA vor 12 Jahren in der 1. oder 2. Woche die Rekruten nach Cooper-Test and Liegestütz auch schon in 3 Leistungsgruppen eingeteilt und dann halt die morgendliche Stunde Sport mit seiner Leistungsgruppe absolviert. Der Rest der Ausbildung war dann natürlich normal mit seinem Zug, aber bis auf den wöchentlichen Marsch war das auch nicht besonders anstrengend.

  • Georg   |   23. März 2018 - 12:30

    @ Closius

    Zitat: „Sollte die Ausbildung nicht in der gesamten BW gleich sein für infanteristische Kräfte? “

    Mag sein, dass sie dies für infanteristische Kräfte ist, aber Pioniere und andere technische Spezialisten würde ich nicht zur Infantrie zählen.

  • Leichte Infanterie   |   23. März 2018 - 12:33

    Falscher Ansatz.

    SAZV einstampfen, bzw. für die GA aussetzen. Leistungsschwache machen nach Ende des regulären Dienstes Extrasport, so wie früher. Ganz einfach. Damit wurde noch jeder fit bekommen.

  • S. Kaletta   |   23. März 2018 - 12:48

    Grundsätzlich keine schlechte Idee, die körperliche Leistungsfähigkeit muss gegen sein, vor allem zur Verletzungsvorbeugung. Gerade Rumpfstabilität und Kondition sind unersetzlich und bei vielen nicht mehr ausreichend vorhanden.
    Da es in der Phase nur um die körperliche Leistungsfähigkeit und nicht um die Willensbildung geht, könnte man einen gut strukturierten Plan ausarbeiten mit Dehnübungen, Intervalltraining, etc., aber auch mit Pausentagen, an denen dann die ganzen Unterrichte stattfinden.
    Allerdings muss man sich schon überlegen, die Grundausbildung nicht zu verlängern, wenn schon jetzt Grundlagen mit der P8 erst in der SGA durchgeführt werden. In den verbleibenden 1 1/2 Monaten ist es nicht möglich, einem Menschen die soldatischen Grundfertigkeiten beizubringen. Zudem muss ja trotzdem weiterhin Sportausbildung stattfinden und das alles mit der 41h-Woche.

  • paramedic   |   23. März 2018 - 12:50

    @Leichte Infanterie:
    Setzen, 6. Entspricht in keinster Weise den (hundert Jahre alten) Erkenntnissen der Trainingslehre, geschweige denn irgendeiner physiologischen Erklärung. Ist nur dummes Gerede der ewig gestrigen, die man aus der Ausbildung der neuen Generation raus halten möchte.

    Übertraining führt nie zu einer Besserung der Kondition – und gerade schwach trainierte müssen weniger stark belastet werden, um schon zu Beginn des Trainings negative Auswirkungen zu vermeiden. GUTE infanteristische Einheiten haben das übrigens immer schon so gemacht :-)

  • Dennis Jung   |   23. März 2018 - 12:54

    @Leiche Infanterie

    Ich freue mich dann wenn Sie am Abend dann endlich Ihre technischen Geräte lernen, sodass ich nicht immer alle 2 h in der Nacht wieder rausfahren muss weil das Notebook wieder nicht funktioniert.
    Dann lernt auch der Infanterist wo das Ladekabel rein kommt!

    Und ja, mit Technik kann man heute auch Kriege gewinnen.

  • Daniel K.   |   23. März 2018 - 12:55

    Soweit ich informiert bin hat der GenInsp den Inspekteuren der Teilstreitkräfte eine Frist gesetzt bis zu dem ein Konzept vorliegen sollte, welches solche Zwischenfälle in Zukunft annähernd ausschließt.

    Ich nehme einmal an, dass dies zu diesem zu erprobenden Konzept geführt haben könnte. Meiner Meinung nach, eine typische Truppenlösung aus dem Heer, kurz und zweckmäßig.

    In Zeiten von Bewerbern, deren körperliche Leistungsfähigkeit nicht dem Abholpunkt der bisherigen Grundausbildung entspricht führt in letzter Konsequenz und unter Anbetracht der Rahmenlage kein Weg an solch einer Umstellung vorbei.

    Abzuwarten bleibt inwiefern 6 Wochen ausreichen um dem Körper tatsächlich die Zeit zu geben sich nachhaltig an solche Belastungen zu gewöhnen, besonders dann, wenn dazu die Dichte der Sporteinheiten zunimmt.
    Hier liegt dem aufgrund der geringeren Zeit zur Regeneration auch wieder ein erhöhtes Verletzungsrisiko vor.
    Ich denke dafür gibt es bei der Erstellung eines solchen Konzepts Sportlehrer der Truppe, die das fschlich begleiten und den Umfang sportphysiologisch dem Dienstplan anpassen.

  • klauskörper   |   23. März 2018 - 12:59

    Aha. Und als nächstes gibt es eine „Eingewöhnungsphase“ zum lesen und schreiben lernen? Die Bundeswehr passt sich also an ihre Bewerber an, nicht umgekehrt. Als Folge dessen, dass die Bewerber die Anforderungen nicht erfüllen nur logisch. Man muss nehmen, was man trotz gescheiterter Trendwende Personal kriegen kann. Nicht gerade ermutigend.

  • Koffer   |   23. März 2018 - 13:09

    Guter Ansatz. Wenn man das jetzt noch mit knackigen, körperlich fordernden 6 Wochen Außendienst danach kombinieren würde, würde ein Traum in Erfüllung gehen :)

    @closius | 23. März 2018 – 12:11
    „Sicher mal eine gute Idee des Heeres. Aber was ist mit dem Seebataillon und den Objektschützern der Luftwaffe? Oder den Pionieren der Streitkräftebasis?“

    Das liegt an den jeweiligen Inspekteuren. Diese müssen bewerten, was für ihre TSK/ihren milOrgBer das richtige ist. Es ist sicherlich nicht zwingend für alle Soldaten die richtige Antwort.

    „Sollte die Ausbildung nicht in der gesamten BW gleich sein für infanteristische Kräfte?“

    1. Infanteristische Kräfte gibt es nur im Heer.
    2. Die Planung im Heer gilt (ausweislich des Berichtes) NICHT für die Infanterie und die PzGrenTr, sondern für das GESAMTE Heer.

    Oder soll das Ganze erst nach einer Bewährung im Heer in die anderen Teilstreitkräfte übertragen werden?

  • ini   |   23. März 2018 - 13:09

    „Die Bundeswehr sieht sich zunehmend mit freiwilligen Bewerbern konfrontiert, die zwar die Einstellungsprüfungen bestehen, körperlich aber nicht auf die Anforderungen des Dienstes in der Truppe eingestellt sind.“

    Und da liegt der Hund begraben!

  • A.W.   |   23. März 2018 - 13:10

    „neben den verschiedenen Arten des Fitness-Trainings dürfte nicht allzuviel an Ausbildung passieren.“

    Natürlich. Gut 30% der Grundausbildung sind reiner Theorieunterricht.
    Dieser unauffällige nebensatz macht einen Bericht zum Kommentar, schade. Aber gut, ist ja auch ein Blog und nicht der Politikteil der SZ.

    [Kritik nehme ich immer an, dümmliches Pöbeln nicht. T.W.]

  • waYne   |   23. März 2018 - 13:12

    Schaut man sich die Anforderungen des BFT an, zeigt das doch, dass hier riesen Nachholbedarf ist.

    Da sagt selbst der Cooper-Test, welcher an vielen Schulen im Fach Sport durchgeführt wird, mehr über den Zustand der körperlichen Fitness aus.

    Überhaupt, nach welchen Grundsätzen soll denn der angehende Soldat körperlich fit gemacht werden?
    Meiner Meinung und sportlichen Erfahrung nach, bleibt hier eigentlich nur „Functional Fitness“ a la CrossFit.
    Ein breit angelegtes Sportprogramm, welches Ganzkörpertraining beinhaltet und notwendige Eigenschaften trainiert.
    Dazu gehört Rumpfstabilität, eine grundlegende Ausdauer und die Fähigkeit kurzeitige Hochbelastung zu verkraften.

    Nicht umsonst wird solche ein Fitnessprogramm von vielen Soldaten weltweit bevorzugt.
    Die sogenannten „Hero Workouts“ im CrossFit stehen ja als Andenken für Gefallene und stellen deren bevorzugte Workouts dar.

    Nur solch ein Fitnessprogramm lässt sich mit den neuen Grundsätzen des Ausbildung schwer umsetzen.
    Functional Fitness bringt einen schnell mal an seine mentale und auch gern mal körperliche Leistungsgrenze.
    Gerade am Anfang ist das auch erstmal ein Lernprozess über das eigene Empfinden von Belastung. Ich spreche da aus Erfahrung.
    Der Wille zu „beissen“ muss einfach da sein.
    Im übrigen ist dazu kein tägliches Training erforderlich. Auch mit 2-3h die Woche lassen sich hier Erfolge erzielen.

    Wichtig ist doch aber auch den Rekruten glaubhaft und deutlich zu vermitteln, dass es ohne sportliche Leistungsfähigkeit nicht geht
    und das hier auch eigenes Engagement erforderlich ist.

    Fakt ist einfach, mit „ein wenig Sport“ ist es einfach nicht getan.

  • klabautermann   |   23. März 2018 - 13:14

    My klabautermann | 22. März 2018 – 10:32 refers……..na also, geht doch !
    ……und zack hat der InspH auf einmal 6 Wochen Zeit „gefunden“ ;-)

  • Wa-Ge   |   23. März 2018 - 13:14

    Im Grunde genau das, was hier schon in vielen Bereichen gefordert wurde, bloß richtig „beschissen“ umgesetzt. Andererseits es ist ein Pilotprojekt und bis das neue Konzept in Kraft treten soll, werden noch 1,25 Jahre vergehen.

    Ich sehe deutliche Schwächen in der organisatorischen Durchführung dieses Konzeptes.

    Man bedenke dass es jetzt schon die Züge sich um die Ausbildungseinrichtungen (Schießanlagen, Biwakräume etc. ) kloppen. Wenn jetzt die gesamte Ausbildung in den letzten 6 Wochen stattfinden soll, wie soll da der Ablauf organisatorisch geregelt werden?

    Wie sollen Ausfallzeiten kompensiert werden …

    Die 6 Wochen Sport sind zu begrüßen, werden aber heute eigentlich schon fast genau so durchgeführt, da vor Erteilung der mittlerweile notwendigen SÜ1 keine Ausbildung an der Waffe geschehen darf, somit passiert auch heute schon die ersten 4-6 Wochen nur Sport und Unterrichte.

  • Falli_314   |   23. März 2018 - 13:15

    Die in der Presse gemeldeten Vorfälle kamen hauptsächlich aus Ausbildungen des Führungsnachwuchses und aus Ausbildungen für spezialisierte und Spezialkräfte.

    Getreu dem Motto „Führen von vorne/ Führen durch Vorbild“ muss an die Teile ein höherer Anspruch, als nur das lächerliche Bestehen der Mindestanforderungen der KLF gestellt werden.
    Es kann m.E.n. erwartet werden, dass die Kameraden unter den oberen 10-20% abschliessen. Diesen Anspruch sollten die Kameraden natürlich ebenfalls selber an sich stellen.

    Ich bin kein Sportmediziner, jedoch vermisse ich bei der Einstellung die Ausdauerkomponente, die nunmal in der Truppe, insbesondere der Infanterie, wichtig ist.

    Jeder Soldat ist zu allererst Infanterist, erst danach kommt ein Spezialisierung!!!

    12km Marsch mit 15kg Gepäck in max. 2Std., ein kurzer Eilmarsch oder gar nur 3, 5 oder 10km Dauerlauf sind für komplett Ungeübte, die lediglich die Mindestanforderungen erfüllen, eine extreme Herausforderung, wenn nicht gar Überforderung.
    Einem Nichtschwimmer bringt man auch nicht in vier bis acht Wochen bei, 100m zu kraulen oder 1000m zu schwimmen.

  • der Taucher   |   23. März 2018 - 13:32

    Was das Seebatallion betrifft, wird schon seit mehreren Jahren, vor der eigentlichen Ausbildung, ein mehrwöchige Ausbildung durchgeführt um die körperliche Fitness zu steigern. Zudem muss man berücksichtigen, das im Seebatallion keine Grundausbildung durchgeführt wird sondern nur Lehrgänge die nach der Grundausbildung stattfinden

  • A. T.   |   23. März 2018 - 13:44

    Richtiger Ansatz, Falscher Ansatz, gar kein Ansatz. Darüber kann sich jeder von uns auslassen wie er möchte. Fakt ist: Unter der jetzigen Verteidigungsministerin wird es kein Rückzug von der SAZV geben. Die einen mögen das Gut, die anderen Schlecht finden. Das ändert aber nichts daran, dass es entschieden ist und damit eine Auflage darstellt. Punkt.

    Unter der Berücksichtigung dieser Auflage ist das eine aus meiner Bewertung sehr zweckmäßige Lösung.

    Über den Zeitansatz können wir auch streiten. Fakt ist: Mit diesem Ansatz ist in der Ausbildung ein Schwerpunkt erkennbar und dieser Schwerpunkt ist dem Handlungsbedarf angepasst. Damit ist zu einer Herausforderung ein Ansatz gewählt, der zweckmäßig ist und zielführend sein wird. Der nicht leistungsfähige Soldat kann in 6 Wochen niemals ein Soldat mit körperlichen Höchstleistungen werden. Richtig. In 6 Wochen können aber allemal die körperlichen Grundlagen geschaffen werden, um den Bedürfnissen des Gefechtsdienst aller Truppen zu Lande so gerecht zu werden, dass der Soldat dort in der Ausbildung Bestehen wird.

    Falli_314: Das ist falsch. Jeder Soldat ist NICHT zu aller erst Infanterist. Er ist Soldat. Zu einem Soldaten gehört es dazu, im Gefechtsdienst aller Truppen zu Lande bestehen zu können. Der Gefechtsdienst aller Truppen zu Lande ist aber NICHT die Infanterie. Sicherlich sind in diesem Konzept einige Grundsätze, die wir in der Infanterie umsetzen, vorhanden. Aber nur in Grundzügen. Der Soldat in der Instandsetzung muss grundsätzliche Tätigkeiten als Soldat kennen und können. Dazu gehört das Bedienen der Waffe und Elemente der Sicherung, um dem Grundsatz „Jeder sichert sich selbst“ gerecht zu werden. Das hat aber nichts mit der Infanterie zu tun. Die Instandsetzungstruppe wird nicht aufgestellt, um im Krieg eine Entscheidung herbeizuführen. So ist also auch der Infanterist als Spezialist zu verstehen.

    Abschließend ist aber auch klar: Das Konzept ist zweckmäßig und zielführend. Jedes Konzept steht und fällt mit der Arbeitsebene. Mit diesem Konzept ist der Arbeitsebene ein klarer Auftrag erteilt und die Zeit dazu zur Verfügung gestellt worden. Jetzt gilt es zusätzlich die Mittel und Kräfte zur Verfügung zu stellen.

  • Koffer   |   23. März 2018 - 13:45

    @Wa-Ge | 23. März 2018 – 13:14
    „Man bedenke dass es jetzt schon die Züge sich um die Ausbildungseinrichtungen (Schießanlagen, Biwakräume etc. ) kloppen. Wenn jetzt die gesamte Ausbildung in den letzten 6 Wochen stattfinden soll, wie soll da der Ablauf organisatorisch geregelt werden?“

    Hihi, ich hätte da eine ganz einfache Lösung: Woche 1-6 Kaserne, Sport/Unterrichte/San/etc., Woche 7-11 TrÜbPl, Woche 12 Org/Ausschleusung.

    Ehrlich, das könnte funktionieren!

  • Koffer   |   23. März 2018 - 13:48

    @Falli_314 | 23. März 2018 – 13:15
    „Jeder Soldat ist zu allererst Infanterist, erst danach kommt ein Spezialisierung!!!“

    Da möchte ich doch deutlich widersprechen. „Jeder Heeres-Soldat ist Kämpfer“, ja! Jeder Soldat ist ein Infanterist? LOL, das will ich sehen :)

    Haud animo trepidans – ohne Furcht im Herzen!
    Glück ab Kamerad

  • Pio-Fritz   |   23. März 2018 - 13:53

    Wie kann ich einen Einstellungstest bestehen und bin dann von der körperlichen Fitness her für die Ausbildung und meinen Beruf ungeeignet?

    Diese Frage wurde hier schon oft gestellt, nur eine schlüssige Antwort fehlt. Anscheinend ist man zu der Überzeugung gelangt, es gibt keine besseren Bewerber auf dem Markt, oder die Bundeswehr bekommt keine besseren.
    Anders ist dieser Ansatz nicht zu erklären. Bei der Einteilung in Leistungsgruppen werden die Starken dann noch stärker und die Schwachen erreichen vielleicht das Mindestniveau.
    Habe ich dann etwas gewonnen? Ich denke, nur in sehr begrenztem Umfang. Es sinkt noch nicht mal die Verletzungsgefahr bei der Ausbildung, das Eingangsniveau ist höher, also passt sich die Ausbildung an.
    Und wo kommt die Zeit für diese Fitnessausbildung her? damit es Sinn macht, müssen diese zusätzlich zur AGA vorgeschaltet werden.

    Ei Schritt in die richtige Richtung, ob das ausreicht wird sich zeigen.,

  • FlaOffz   |   23. März 2018 - 14:22

    Waere ich ein Schelm wuerde ich vermuten dass die exklusive Konzentrieren auf 6 Wochen Sport und die Unterrichtskomplexe „Dienen wofuer?“ bis interkulturelle Kompetenz dem Heer gerade recht kommen.

    Wenn man sich die Klimmzuege der letzten zwei Jahre angeschaut hat, von der Umsetztung der Soldatenarbeitszeitverordnung ueber die organisatorische Trennung von „wesentlicher“ von „unwesentlicher“ Waffenausbildung in den ersten Wochen der Grundausbildung zu trennen, um der Weisung zu folgen keine Soldaten ohne Sicherheitsueberpruefung an Waffen auszubilden, dazu die Herausforderungen jeden Soldaten zeitgerecht mit vollstaendiger persoenlicher Ausruestung innerhalb der ersten Wochen auszustatten, dann kann man 6 Wochen zusaetzliche „Galgenfrist“ gut gebrauchen…

    Ansonsten folgt man dem allgemeinen Trend. Die AGA wird immer mehr ausgeduennt,
    egal ob Gefechtsdienst oder Waffenausbildung (auch wegen SAZV), weil es kann ja alles spaeter noch ausgebildet werden, in den Stammtruppenteilen…

    …das klappt in dem einen Truppenteil besser, im anderen weniger, oder es interessiert einfach nicht mehr, weil man eben keinen Soldaten mit Grundfertigkeiten (Auftreten/Haltung, Leben in der militaerischen Gemeinschaft, Ueberleben im Gefecht) mehr will, sondern eigentlich nur von 07:30 bis 16:00 einen Kaffeekoch-, Fotokopiererbedien- oder Werkzeuganreich-Mitarbeiter. Eine ganz normales deutsches Unternehmen quasi.

  • Anonymer_Typ   |   23. März 2018 - 14:49

    Man hat so schon keine Zeit mehr, den Soldaten irgendwas beizubringen (MG3 oder P8 z.B.), und nun sollen die ersten 6 Wochen, also knapp die Hälfte der AGA, primär für die Fitness verwendet werden?
    Super, das wurde wieder absolut top durchdacht.

  • O.Punkt   |   23. März 2018 - 14:54

    Vorweg ich finde die Grundidee super. Insbesondere die Leistungsdifferenzierung. Allerdings würde mich mal von einem Sportwissenschaftler interessieren, wie viel man aus einem untrainierten Menschen (und davon muss man wohl bei den verunglückten Soldaten ausgehen) in 6 Wochen schaffen kann.

    Denn nichts wäre schlimmer als wenn es sich dabei nur um ein Feigenblatt handelt, um beim nächsten Mal sagen zu können, ’schau her wir haben doch was gemacht‘

  • waYne   |   23. März 2018 - 15:26

    O.Punkt | 23. März 2018 – 14:54

    Vorweg ich finde die Grundidee super. Insbesondere die Leistungsdifferenzierung. Allerdings würde mich mal von einem Sportwissenschaftler interessieren, wie viel man aus einem untrainierten Menschen (und davon muss man wohl bei den verunglückten Soldaten ausgehen) in 6 Wochen schaffen kann.

    ———————————————————

    Bei einem untrainierten Menschen legen Sie in 6 Wochen maximal die Grundlage für ein weiteres Aufbautraining. Neben dem erkennen der Defizite in Bereichen Kraft, Ausdauer und Mobilität ist in dieser Zeit maximal ein Grundlagentraining möglich, um dem Rekrut einen Trainingsplan an die Hand zu geben und die notwendigen Übungen zu erlernen um selbstständig nach den 6 Wochen weiter zu machen.

  • POO   |   23. März 2018 - 15:27

    @ Koffer | 23. März 2018 – 13:09
    „1. Infanteristische Kräfte gibt es nur im Heer.“

    Infanteristen gibt es auch in Luftwaffe und Marine :-)

    Ich habe im vergangenen Jahr am „4. Symposium Infanterie in Hammelburg“ teilgenommen.
    Hier der Bericht dazu:
    https://bit.ly/2uiG5EK

    Auszug: „In seiner Begrüßungsrede betonte General Hannemann (Anm: der „General der Infanterie“ und Kdr AusbZInf in Hammelburg): „Auch die infanteristischen Verbände der Luftwaffe, Marine und Streitkräftebasis gehören zur Familie der Infanterie!“

    Ins Infanterie-Ausbildungzentrum in Hammelburg integriert gibt es sogar eine eigene Inspektion die Objektschutzkräfte der Luftwaffe ausbildet.

    Ende des Klugscheißer-Beitrages ;-)

  • PzPiKp360   |   23. März 2018 - 15:44

    @Koffer:
    „1. Infanteristische Kräfte gibt es nur im Heer.“

    Und was ist mit dem Seebataillon und dem Objektschutzregiment der Luftwaffe?

  • Semjon Maximilian Gehner   |   23. März 2018 - 15:45

    @der Taucher: +1

    Für Interessierte:

    Die Grundausbildung der Soldaten, die im Seebataillon dienen, findet einheitlich an der Marineunteroffizierschule (MUS) in Plön statt.

    An der MUS findet neben der AGA für alle Bootsmannanwärter für folgende Marine-Verwendungsreihen statt:

    • 34 (Kampfschwimmer)
    • 37 (Minentaucher)
    • 61 (Stabsdienst)
    • 62 (Verpflegungsdienst)
    • 63 (Materialbewirtschaftung)
    • 73 (Kraftfahrdienst)
    • 76 (Marinesicherungsdienst)

    Wer danach zum Seebataillon kommt, wird im Ausbildungszentrum des SeeBtl für die weiteren Verwendungen weiter ausgebildet.

    Die Offizieranwärter der Marine erhalten einen Teil der Grundausbildung sowie die etwa dreiwöchige Infanteristische Basisausbildung ebenfalls an der MUS.

  • Daniel Lücking   |   23. März 2018 - 15:50

    Guter Ansatz. Wer bei diesem Modell in den ersten Wochen Konditionsprobleme zeigt, sollte direkt zurückgestellt werden. 6 Wochen dürften ausreichen um festzustellen, wer auf Dauer körperlich leistungsfähig ist, ohne, dass man sich davon überraschen lässt, ob Rekrut_innen mit dem Gesicht voran und Einschlag auf dem Boden final den Dienst quittieren.

  • Bin_dabei   |   23. März 2018 - 15:51

    Auch Streitkräfte anderer Länder haben vergleichbare Probleme mit der körperlichen Leitungsfähigkeit ihrer Rekruten. Interessent finde ich den Schweizer Ansatz:

    https://www.aargauerzeitung.ch/schweiz/turnschuh-statt-kampfstiefel-die-armee-wird-zum-groessten-fitnesscenter-der-schweiz-131219274
    https://www.vtg.admin.ch/de/aktuell/themen/programme-projekte/progress.html

  • T.Wiegold   |   23. März 2018 - 15:55

    Meine Herren, die Debatte Wer ist ein echter Infanterist und kann es die nur beim Heer geben? hatten wir in den vergangenen Jahren immer wieder und zur Genüge. Wer sich daran ergötzen möchte, möge das bitte nachlesen. Hier ist diese Diskussion durch.

  • Thomas Melber   |   23. März 2018 - 16:25

    Vielleicht tut sich dann auch etwas in den Truppenküchen (Fitkost 2.0 wurde ‚mal erwähnt) bzw. wird den entsprechenden Kameraden eine Diät verpaßt (Ernährungsberatung).

  • Sascha   |   23. März 2018 - 16:33

    Gibt es hier einen Sportwissenschaftler oder Fitnesstrainer der abschätzen kann wie viel Fitness in einer relativ kurzen Zeit hergestellt werden kann?
    In meinem Fitnessstudio empfehlen die Trainer jemandem mit mäßiger Fitness nicht mehr als 4 mal die Woche ca. 1,5h zu trainieren.
    Sollte diese Aussage gültig sein, bleibt da aber seeehr viel Zeit für weitere Inhalte und führt auch nach einer so kurzen Zeit nicht gerade zu enormen Leistungssteigerrungen.

  • Nepomuk   |   23. März 2018 - 16:38

    Hm. Ein paar Punkte.

    1. Ich lese da immer „Fitneß“ und „Gefechtsausbildung“. Es gibt aber noch vieles, sehr vieles, was in der AGA so gelehrt wird und weder in das eine noch in das andere so recht hineinpassen will – etwa der Formaldienst. Ist der nun „Fitneß“?

    Aus Motivationsgründen wäre es vermutlich schädlich, wenn man ganze sechs Wochen lang den Feldanzug nur im Spind anschauen kann.

    2. Das ganze wäre *ohne* SAZV vielleicht noch so knapp möglich gewesen, mit kann ich es mir eher weniger vorstellen, zumindest nicht, wenn der Stamm Ausbildungseinheiten ja auch mal Urlaub machen will.

    Gäbe es noch die bataillonsweise Ausbildung, hätte ich gesagt: und außerdem gibt es mit dem Dienstplan vom Standortpfarrer und vom Musikkorps vermutlich Schwierigkeiten, wenn man das Gelöbnis pauschal fürs ganze Heer in die ersten sechs Wochen hineinfixiert. Mit den wenigen Ausbildungskompanien könnte das aber einfacher sein.

    (Davon abgesehen: ich kann mir generell nicht vorstellen, daß irgendein ehemaliger Wehrdienstleistender sich vorstellen kann, wie ein Militär die Einbußen an Ausbildungs-, Einsatz- etc. Zeit, wie sie sich aus der SAZV, so wie sie dasteht, ergeben, ohne Qualitätsverlust umsetzen kann.)

    3. Nachtraining in der Dienstunterbrechung? (@Leichte Infanterie) schlechte Idee. Ein Rekrut *hat* nämlich sowieso außer am Wochenende kaum Freizeit, vielleicht mal einmal in der Woche einen Abend zwischen Dienstunterbrechungsbeginn und Abendrevierreinigen (18-22 Uhr) und einmal, mit Glück ein weiteres Mal einen halben, und da ist Kleiderreinigen, Duschen, Selbststudium und Freizeitsport schon inbegriffen. Oder so war das zumindest zu Wehrpflicht- und Nicht-SAZV-Zeiten (und das Wiederaußerkrafttreten der einschlägigen Teile SAZV war ja vorausgesetzt).

    Hier, wenn auch begrenzt durch eine Stunde, eine Art Strafdienst für Unfitte einzuführen könnte sich *äußerst* demotivierend ausüben. Man braucht auch die Freizeit zur Regeneration.

    3. Was man natürlich machen *kann* wäre, die AGA (vielleicht plus SGA, aber dann wird das mit der Versetzung in die Stammeinheit schwierig) auf ganze sechs Monate verlängern – wir haben ja jetzt keine Wehrpflicht mehr und regelmäßig mindestens zwölf Monate Dienst, habe ich gehört, dann haut das auch mit den Quartalen wieder hin; ob für alle Soldaten oder nach US-Vorbild für die erst noch in der Fitness auszubildenden Soldaten sei einmal dahingestellt.

    Nur: dann kann man solche Soldaten nicht weiterhin nach drei Monaten zum Gefreiten ernennen (was an sich schon fragwürdig war, auch wenn ich seinerzeit davon profitiert habe).

    4. Fazit: Unter Umständen schon sinnvoll: nur wenn ich von einer 11-Wochen-AGA ausgehe, dann könnten die verbleibenden 5 Wochen für „Gefechtsausbildung, Schießen, Biwak, Wache, Rekrutenbesichtigung“ halt vielleicht ein *bißchen* zu kurz werden. Ein *bißchen* zu kurz. Schade, daß drei Monate nicht unbedingt 14 Wochen haben.

    (5. Und von Quartalen auf Tertiale übergehen? Aber das bringt vermutlich die Verwaltungsstrukturen völlig durcheinander.)

  • diba   |   23. März 2018 - 16:53

    @anonymer_typ
    wir entscheiden doch selbst, was wir Soldaten wann beibringen wollen. Und wann er welchen Level erreicht haben soll/muss. Steht in der Bibel oder in irgendeiner unveränderlichen Weisheit, dass man nach 2 Wochen 15 km in einer Stunde laufen können muss, oder die Pistole beherrschen, oder irgendwelche sonstigen Tätigkeiten, auf die die Spezialspezialisten sooooo stolz sind? Wenn das schnell ginge, wärs ja nix besonderes. Also tief durch die Hose atmen und die neue Erkenntnis und Gelegenheit nutzen.
    Wer den fitten Soldaten will, der macht ihn eben erst mal fit. Das dauert, aber wo ist das Problem? Wer FWDL 6-12 macht, ist doch nur zum reinschnuppern da und kann eh nicht den erforderlichen Level erreichen. Muss man nur wissen und endlich auch mal akzeptieren. Wer länger macht, wird aufgebaut. Dann hab ich am Ende auch was davon. Für einen der rausdummgefickt wird, gehen 2 andere mit – schöner Erfolg.

  • Thomas Melber   |   23. März 2018 - 17:43

    Meine AGA ist nun doch schon länger her. Neben der allgemeinen militärischen Ausbildung (mit Schießen G3 / P8 / MG) wurde auch intensiv Geschützdienst gemacht. Das ging alles.

    Und kein OA ging auf Lehrgang ohne DSA, egal wie er das schaffte. Die durften dann auch schon ‚mal kleine Ausbildungen vorbereiten, nach Dienst, versteht sich.

  • Weiter so!   |   23. März 2018 - 17:46

    Aktionismus! Unverändert wird der Truppe nicht vertraut und gut ist nur, was die weit entfernten Ebenen regeln. Demnächst findet die eine Grundausbildung im bendlerblock statt und die andere in strausberg.

  • FlaOffz   |   23. März 2018 - 18:56

    Vom Grundsatz könnte man problemlos die Grundausbildung auf 4, 5 oder sogar 6 Monate verlängern. Kapazitäten der Ausbildungseinheiten vorausgesetzt.
    Dann hätte man mehr als genug Zeit nicht nur trotz SAZV erstmal viel Sport zu machen und hätte nachher noch genug Zeit für ’ne gescheite Waffen- und Gefechtsdienstausbildung. Wie von einigen hier geschrieben, wir haben eigentlich garkeinen Zeitdruck in 3 Monaten „durch“ sein zu müssen.
    Problematisch ist dies nur für nicht in der Mannschaftslaufbahn verbleibenden Offizier- oder Feldwebelanwärter, die eben schnellstmöglich (zu schnell?) in und durch die verschulten Laufbahnlehrgänge gepumpt werden sollen. Ich zweifle, dass man hier bereit ist, die Gesamtdauer der Laufbahnausbildung verlängern zu wollen.

    Wie Klabautermann schon schrieb ist es bemerkenswert, dass der Inspekteur H scheinbar 6 Wochen „gefunden“ hat, ohne dass die Qualität der Grundausbildung leidet. Oder die i.G-Schlieffenpimpfe in Strausberg haben für ihren Boss einfach die Ausbildungsstunden so angeordnet, dass der gesamte Sport jetzt in den ersten 6 Wochen liegt und alles was anstrengend sein könnte (Gefechtsdienst, Märsche) später. Das funktioniert theoretisch toll auf dem Papier oder Powerpoint, setzt aber Verfügbarkeit von Schiessbahnen, Übungsplätzen, dem ZSan für die Ersthelferausbildungswoche, dem Musikkorps für’s Gelöbnis in der 7. bis 11. Ausbildungswoche voraus. Realität?

    [Ich verstehe ja den drängenden Wunsch, ab und zu mal beschimpfende Qualifizierungen einstreuen zu wollen, als säße man am Stammtisch. Finde das allerdings hier nicht akzeptabel. T.W.]

  • UmPp   |   23. März 2018 - 19:47

    „Leichte Infanterie | 23. März 2018 – 12:33

    Falscher Ansatz.

    SAZV einstampfen, bzw. für die GA aussetzen. Leistungsschwache machen nach Ende des regulären Dienstes Extrasport, so wie früher. Ganz einfach. Damit wurde noch jeder fit bekommen.“

    Gilt besonders für Sie: Guten Abend und willkommen in einem demokratischem Land im Jahre 2018. Willkommen.

  • Hein Bloed   |   23. März 2018 - 19:54

    Meine GA und Vollausbildung (als einer der letzten W15er) liegt natürlich schon ewig zurück. Aber ich habe mich schon damals gewundert wie wenig Wert auf körperliche Fitness gelegt wurde und wie wenig systematisch das Thema angegangen wurde.
    De facto wurde in der Ausbildung dann und wann gelaufen und dann und wann auch „irgendwelche“ Fitness gemacht. Aber ein wirkliches systematisches Programm, welches aufeinander aufbaut und auch weniger sportlichen Soldaten die Erfahrung ermöglicht, dass regelmässiges Training tatsächlich funktioniert und sie stärker und ausdauernder macht.

  • Personaler   |   23. März 2018 - 19:58

    Also, meine AGA in 1992 beinhaltete in den ersten 3 Wochen fast ausschließlich im Laufschritt absolvierte Wege innerhalb der Kaserne. Ob zum Truppen(zahn)arzt, zum Essen oder zum Platz für den Formaldienst: überall kurze Wege in Laufschritt. Das führte m.E. gut an die erforderliche Basisfitness heran. In der darauffolgenden Zeit wurden die Läufe dann länger, außerdem wurden die Märsche ins Übungsgelände und zur Schießanlage verstärkt. Ich bin der Meinung, dass früher nicht alles besser war – aber auch nicht unbedingt schlechter.
    Und um das mal zu sagen: die zum Militärdienst verpflichteten GWDL waren mitnichten fitter als die Freiwilligen von heute.

  • Anonymer_Typ   |   23. März 2018 - 20:08

    @diba
    Sicher bestimmen „wir“ erstmal selber, was der Soldat wann beigebracht bekommt, aber man sollte langsam wirklich mal den Blick nach Innen kehren und darüber nachdenken, warum und wofür wir Soldaten überhaupt haben und ausbilden.
    Was war nochmal der Gedanke hinter der Grundausbildung? Richtig, dass grundsetzlicher jeder Soldat zumindest in der Verteidigung eingesetzt werden kann, da Erfahrungen aus dem (aufpassen, nicht mehr zeitgemäß!) 2.Weltkrieg es sehr deutlich gezeigt haben, wie schnell ein Gezi-Soldat oder Luftwaffenmechaniker aufgrund von Personalmangel in einem Infantriebattalion landet. Unter dem Anspruch finde ich es nicht nur traurig, sondern auch dem Soldaten gegenüber unverantwortlich ihm in der AGA vielleicht eine kurze Einweisung ins G36 zu geben und es dabei zu belassen.
    Solche Entscheidungen werden zwar größtenteils „am grünen Tisch“ auf ganz hoher Ebene beschlossen (41-Stunden-Woche lässt grüßen), aber auch hier hat sich wieder ein General, der es als Soldat ja besser wissen müsste, von Sensationalismus zu blindem Aktionismus treiben lassen.
    Man kann den Blick jetzt auch wieder ins Ausland schweifen lassen, und anmerken, dass jede andere Armee es auch schaft, ihre Soldaten in i.d.R. 3 Monaten an Waffen auszubilden, Formaldienst einzuweisen, Gefechtsdienste machen zu lassen, UND sportlich zu betätigen.
    Woum das speziell für uns nicht möglich ist, nun, darüber mag jeder seine eigenen Schlüsse ziehen.

  • Thomas Melber   |   23. März 2018 - 20:16

    @UmPp
    FRA ist sicher ein demokratisches Land. Erstaunlicherweise hat es aber weder die EUAZR noch die aktuelle Datenschutzvorgaben (ab Mai; wird spannend für die Bw) für seine Streitkräfte übernommen.

  • Bin_dabei   |   23. März 2018 - 20:17

    @Weiter so! | 23. März 2018 – 17:46,
    @FlaOffz | 23. März 2018 – 18:56 und andere
    Ich finde es schon bedenklich, wenn aus dieser doch sehr allgemein gehaltenen Ankündigung des KdoH einige hier tiefschürfende Erkenntnisse zum künftigen Ablauf der AGA gewonnen haben und dann natürlich auch die üblichen Verdächtigen im Bendlerblock und in Strausberg schnell als Schuldige dieser Misere identifiziert haben wollen.
    Vielleicht sollten manche hier mal den Pilotdurchgang und anschließend die Herausgabe der entsprechenden Ausbildungsweisungen mit den Vorgaben und Rahmenbedingungen abwarten, bevor sie hier ihren Frust ablassen. Die AGA im Heer wurde schon öfter geändert/ angepasst und dies wird sicher nicht das letzte mal sein.
    Wie ich bereits weiter oben aufgezeigt habe, haben auch andere Streitkräfte vergleibare Probleme mit der körperlichen Leistungsfähigkeit ihrer Bewerber/ Rekruten und haben Lösungsansätze entwickelt, die das Problem angehen und nirgendwo ist die Armee deswegen untergegangen.

  • Anonymer_Typ   |   23. März 2018 - 20:21

    @UmPp
    Absolut intelligente Antwort.
    Die USA sind auch ein demokratisches Land im Jahre 2018, und die bilden so aus. Genauso wie Frankreich, Belgien, die Niederlande, das UK, etc.

  • Elahan   |   23. März 2018 - 21:52

    @Anonymer_Typ

    Das ja nichts mit der Regierungsform eines Staates zu tun, sondern mit dem Rechtsrahmen, gesellschaftlichen Entwicklungen und politischen Vorgaben.

    Kein Mensch macht aus einem Fußgänger in 3Monaten einen Infanteristen und bei all den Lerninhalten bleibt in 3 Monaten auch kaum Zeit, dass man eine Waffe beherrscht.

    …..und es nützt gar nichts, wenn man wie mind 60% der Soldaten danach nur einmal zum Schießen geht. Die welche es brauchen, müssen üben, üben und nochmals üben (siehe Polizei).

    In der Grundausbildung geht es um Grundfertigkeiten, damit sich ein Soldat in der Truppe nach den Regeln und Auftrag bewegen kann und da ist das Anschnuppern von mili Grundfertigkeiten nur ein Teil neben

    – Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit und Robustheit
    -Wachausbildung
    -Grundlagen des Sanitätsdienstes
    -Innere Führung, Recht und Soldatische Ordnung

    Warten wir es ab was kommt.

  • Ruhrpottpatriot   |   23. März 2018 - 22:57

    Darf ich für die rummauldenden Leute noch einmal darauf hinweisen, dass die SAZV u.ä. Vorschriften/Gesetze schon heute nicht bei Ausbildung, im Einsatz, etc. gelten — wer hat das Gerücht eigentlich in die Welt gesetzt?
    §30c IV SG Nr.5 i.V mit Nr.1 b) sagt dazu:
    „Die Absätze 1 bis 3 [Regelmäßige Arbeitszeit eines Soldaten; der Autor] sind nicht anzuwenden bei Tätigkeiten im Rahmen von
    1. Einsätzen und einsatzgleichen Verpflichtungen, insbesondere […]
    b) zur Landesverteidigung, im Spannungsfall oder im Rahmen des inneren Notstandes,
    […]
    5. Übungs- und Ausbildungsvorhaben, bei denen Einsatzbedingungen nach den Nummern 1 und 2 simuliert werden.“
    Will mir hier wirklich einer weiß machen, dass die AGA nicht zur Vorbereitung auf Landesverteidigung dient?
    Nachzulesen direkt auf der Seite des Justizministeriums: https://www.gesetze-im-internet.de/sg/__30c.html

    Dann nochmal zur Sportausbildung: In sechs Wochen geht viel, gerade wenn ich durch Leistungsgruppen und insbesondere en bloc die Kameraden gezielt fördern kann. Viel Potential geht besonders dadurch verloren, dass ich den Sport irgendwo reinquetschen muss. Und seien wir mal ehrlich, die meiste Zeit wird entweder stumpf gelaufen oder Fußball gespielt, aber nicht gezielt die typische Fitness für einen Soldaten geübt. Dass das nicht optimal ist, sollte auch klar sein. Der falsche Weg ist aber sicherlich mit der Brechstange die Kameraden aus dem unteren Leistungsbereich einfach nach dem Motto „viel hilft viel“ auf die Aschebahn zu schicken.

    Aus der Ankündigung geht auch nicht hervor was NACH diesen sechs Wochen passiert und wie das neu gewonnene Leistungsniveau gehalten werden soll. Warten wir also mal mehr Informationen ab.
    In den Restlichen sechs Wochen kann ich den Gefechtsdienst aber dann mehr bündeln. So kann ich Ersteinweisung, Wachdienst und ersten Besuch auf der Schießbahn sicherlich in einer Woche abfrühstücken. Ob drei Monate reichen, oder ich zwei Wochen mehr brauche wird sich zeigen. Die 1,5 Jahre von Pilotprojekt bis Einführung kommen nciht von irgendwoher.

  • Koffer   |   23. März 2018 - 23:56

    @Ruhrpottpatriot | 23. März 2018 – 22:57
    „5. Übungs- und Ausbildungsvorhaben, bei denen Einsatzbedingungen nach den Nummern 1 und 2 simuliert werden.“
    „Will mir hier wirklich einer weiß machen, dass die AGA nicht zur Vorbereitung auf Landesverteidigung dient?“

    Schön wäre es, wenn Sie recht hätten, aber leider ist es nicht so einfach.

    Die Bw hat sich zu einer engen Auslegung entschieden und daher wird bisher faktisch diese Bestimmung nur selten angewandt.

    Unabhängig davon sind in der AGA aber auch gar nicht die Rekruten das Problem, sondern die Stunden der Ausbilder…

  • Carlo   |   24. März 2018 - 8:27

    Aus meiner Erfahrung kann ich sagen daß sich vor allem die Unterschiede was die körperliche Leistungsfähigkeit in den GA Zügen sehr verändert hat.
    Einerseits gibt es Rekruten die auf einem sehr hohen Fitness Level sind als auch solche die in ihrem Leben noch nie regelmäßig Sport getriebe haben.

    Zudem ist die SGA in vielen Einheiten jetzt schon einen sehr knapp kalkulierte Angelegenheit nun muss dort zusätzlich noch eine Ausbildung an der P8 erfolgen was die Sache noch schwieriger macht.

    Die Bundeswehr sollte sich zwei Fragen stellen macht es Sinn sich immer an den untersten 10% zu orientieren und ob es wirklich realistisch ist mit einer 41h Woche die jungen Soldaten in dem gleichen Zeitraum wie früher so auszubilden das sie den Anforderungen des Dienstes und des Gefechts gewachsen sind.
    Zumindest die zweite Frage würde ich und vermutlich auch die Masse der Kommentatoren und Mitleser hier mit Nein beantworten.