Denken Militärplaner ebenso falsch wie einst die Ritter?

Ein interessanter Ansatz und Stoff zum Nachdenken: Vor allem die Industrienationen denken bei Verbesserung ihrer militärischen Fähigkeiten an neue Hochtechnologiesysteme – die dann durch weitreichende, billige und massenhaft eingesetzte, wenn auch technisch unterlegene Waffensysteme vernichtet werden. Dazu gibt es bei War on the Rocks ein lesenswertes Stück, indem die Denkfalle moderner Militärpläner anhand früherer militärischer Spitzentechnologie erläutert wird:

Battleships and knights represented the end result of centuries of technical, social, and political development. They were also the most expensive and complex systems of their days – and were defeated by cheaper, simpler systems that relied on range to defeat them. Both the battleship admirals and the armored knights had decades to observe and understand the new threats. Yet, they and other leaders throughout history failed to do so.

(Der ganze Essay zum Nachlesen hier: America is Well Within Range of a Big Surprise, So Why Can’t It See?)

Mit anderen Worten: Welche Herausforderungen gibt es im Zeitalter massenhaft per 3-D-Druck hergestellter Drohnen und anderer billiger, aber weitreichender Systeme – und ist die Ausrüstungsplanung der verschiedenen Streitkräfte darauf eingestellt? Oder wird weiterhin die Rüstung der Ritter optimiert, die dann auf Distanz durch den Langbogen bekämpft werden?

Der Bendlerblogger brachte das auf die Aussage: Vielleicht ist nicht fehlendes Geld das Problem der Bundeswehr, sondern fehlende strategische Voraussicht. Könnte das der Ansatz sein?

(Foto: Die 5. Batterie des Artillerielehrbataillons 325 aus Munster trainiert im Februar 2018 das direkte Richten mit einer Panzerhaubitze 2000 auf dem Truppenübungsplatz Putlos – Bundeswehr/Torsten Kraatz)

158 Kommentare zu „Denken Militärplaner ebenso falsch wie einst die Ritter?“

  • Memoria   |   31. März 2018 - 15:43

    @Koffer:
    Dann bin ich ja mal auf den Festakt gespannt – insbesondere auf die Breite der Einladungsliste und den Raum für divergierende Meinungen gleich zu Beginn.

    Ich bin optimistisch, dass die Institution den notwendigen Freiraum bekommen kann.

    @all:
    Hier noch der aktuelle Überblick der Gedanken der „Militärplaner“ im Heer. Neben den bereits erwähnten Papieren macht man sich nun auch Gedanken zur Umsetzung einer Digitalisierung:
    https://tinyurl.com/y8a4y7k5

    Da ist schon sehr viel querdenken dabei – wirkliche Unterstützung hierfür kann ich noch nicht erkennen.

    [Der Link führt auf die Übersichtsseite – deshalb noch mal ein anderer Link..
    Die beiden ersten Papiere waren ja schon vergangenes Jahr bekannt geworden, neu ist das hier:

    Thesenpapier III – Rüstung digitalisierter Landstreitkräfte

    /edit: Im Thesenpapier III stecken Aussagen drin, die einen eigenen Eintrag rechtfertigten; den habe ich mal begonnen.

    T.W.]

  • Thomas Melber   |   31. März 2018 - 15:47

    „Gerade weil die strategischen Kulturen und nationalen Interessten so unterschiedlich sind, macht eine Denkfabrik auf EU Ebene sinn.“

    Die neue Reihe TF (Truppenführung) ist ja schon starkt auf die NATO Vorschriften zugeschnitten und z.T. sind auch neue Begriffe eingeführt worden.

  • Elahan   |   31. März 2018 - 15:53

    @Koffer

    Wir sind bereits in Verteidigungsunion mit unseren Partnern oder glauben sie, DEU könnte bezgl Verteidigung etwas alleine?

    Ein Thinktank soll nach vorne schauen und nicht die Gegenwart betrachten, wie soll das sinnvoll ihn unsere Partner geschehen?

  • Koffer   |   31. März 2018 - 16:21

    @Memoria | 31. März 2018 – 15:43
    „Ich bin optimistisch, dass die Institution den notwendigen Freiraum bekommen kann.“

    Kann –> ja.

    Wird –> da habe ich Zweifel. Die Bw in ihrer jetzigen Lage ist nach meiner Wahrnehmung nicht bereits Dissens, Querdenkertum und von der (vermeintlich) politisch gewünschten Meinung Ideen zuzulassen.

    Wir haben das im Umgang mit Hptm/Maj Bohnert und seinen studOffz/OA gesehen, wir haben das bei der Frage der von mehreren Seiten angemahnten Weiterentwicklung/Aktualisierung der Inneren Führung gesehen, wir haben das bei den diversen operativ-politischen Diskussionen in der Hochzeit des ISAF-Einsatzes gesehen und wir sehen es tagtäglich darin wie die aktuelle Leitung mit unerwünschten Personen umgeht…

    Hoffentlich irre ich mich, aber viel Hoffnung habe derzeit nicht.

    Trotzdem ist es ja schon einmal gut, dass die personellen und organisatorischen Grundlagen geschaffen werden. Wenn dereinst wieder eigenen Meinungen gefragt sind, dann hat man den Rahmen geschaffen und kann dann darauf (schnell) aufbauen.

    @Elahan | 31. März 2018 – 15:53
    „Wir sind bereits in Verteidigungsunion mit unseren Partnern oder glauben sie, DEU könnte bezgl Verteidigung etwas alleine?“

    Verteidigungsunion ist ein „terminus technicus“ und ich kann Ihnen versichern, dass wir uns derzeit NICHT in einer solche befinden.

    Und nach meiner Wahrnehmung hat auch derzeit in EUR niemand wirklich vor mittelfristig in eine solche einzutreten. Denn eine Verteidigungsunion im Sinne der europäischen Verträge würde massive Abgabe von nationaler Souveränität bedeuten (und übrigens auch die „Vergemeinschaftung“ der kolonialen Altlasten einiger EU-Nationen!).

    Auch DEU ist m.E.n. dazu derzeit nicht bereit. Trotz aller Lippenbekenntnisse…

    „Ein Thinktank soll nach vorne schauen und nicht die Gegenwart betrachten, wie soll das sinnvoll ihn unsere Partner geschehen?“

    Ein think tank, der mehr als nur „l’art pour l’art“ sein soll muss auch zu Politikern/Gesellschaften sprechen, die INTERESSE an seinen Aussagen haben und BEREIT sind neue Wege zu gehen.

  • Elahan   |   01. April 2018 - 11:11

    @Koffer

    Das mag sein, dass Verteidigungsunion ist ein „terminus technicus“ ist aber ich kann Ihnen versichern, dass wir in der NATO und der EU sind.

    Verteidigungsunion und Verteidgungsgemeinschaft ist gleichzusetzen mit einer europäischen Armee. Wir sind mit den Europäern in Verteidigungsunion, jedoch nicht in einer Militärunion. Die Verteidigung ist vertraglich festgeschrieben, Auslandseinsätze für AFG/Mali nicht.

    „Ein think tank, der mehr als nur „l’art pour l’art“ sein soll muss auch zu Politikern/Gesellschaften sprechen, die INTERESSE an seinen Aussagen haben und BEREIT sind neue Wege zu gehen“

    Genau, ich bewundere ihre Hoffnung. Im Moment nimmt unsere politische Führung noch nicht einmal das offensichtlich Bekannte in der Gegenwart wahr und dann glauben sie, dass sie mili Einschätzungen für die Zukunft beachten und Maßnahmen ergreifen.

    [Hm, soll das wirklich „Verteidigungsunion und Verteidgungsgemeinschaft ist gleichzusetzen mit einer europäischen Armee“ heißen, oder fehlt in dem Satz was? T.W.]

  • Koffer   |   01. April 2018 - 17:06

    @Elahan | 01. April 2018 – 11:11
    „Wir sind mit den Europäern in Verteidigungsunion, jedoch nicht in einer Militärunion.“

    Sorry, aber das hilft jetzt nicht weiter. Wenn Sie Begriffe für sich selbst definieren wollen, dann ist das Ihr gutes Recht, aber in einer öffentlichen Diskussion folgt man eigentlich den üblichen und politisch oder rechtlich vorgegebenen Definition.

    Und hier ist in Bezug auf die EU der Begriff Verteidigungsunion nun einmal gemeinhin festgelegt als die „Vergemeinschaftung“ der Verteidigung, also die weitgehende Übertragung der diesbezüglichen Souveränitätsrechte auf die Union. Siehe hierzu die Montanunion oder die Wirtschafts- und Währungsunion.

    Insofern liegt die europäische Verteidigungsunion also mich SEHR weit vom hier und heute entfernt.

    Aber wie gesagt, es bleibt Ihnen natürlich unbenommen Begriffe für sich persönlich neu zu deuten ;)

    „dass sie mili Einschätzungen für die Zukunft beachten und Maßnahmen ergreifen.“

    Moment! Sie sind doch derjenige, der unbedingt einen europäischen think tank fordert! Ich hingegen hehe Zweifel an der Sinnhaftigkeit eines solchen…

  • Elahan   |   01. April 2018 - 18:20

    @Koffer

    „und hier ist in Bezug auf die EU der Begriff Verteidigungsunion nun einmal gemeinhin festgelegt als die „Vergemeinschaftung“ der Verteidigung, also die weitgehende Übertragung der diesbezüglichen Souveränitätsrechte auf die Union.“

    @Koffer

    Wir beide wissen um was es geht und das war nicht das Definieren von Begriffen. Es ging um die Verteidigung der europäischen Union im LV/BV und der hoffentlich vorher funktionierenden Abschreckung. Es ging nicht mehr und nicht weniger um das Denken für die Zukunft auf der Grundlage unseres Auftrages (siehe Grundgesetz) und da sind wir seit Lissabon in EUropa sehr eng gebunden (im Gegensatz zur NATO).

    Wir wissen beide was der Art. 42 Abs. 7 bedeutet und m.E. wäre es nicht zielführend bei solch enger vertraglicher Bindung einen Think-Tank zu unterhalten welcher nicht im EU Rahmen nach vorne denkt.

    Natürlich kann man eine andere Position haben und evtl setzt sich diese nationale wohl auch mittelfristig durch. Muss aber langfristig nicht für mehr Freiheit und Handlungssicherheit in Westeuropa führen. Wir werden sehen..

  • Koffer   |   01. April 2018 - 19:22

    @Elahan | 01. April 2018 – 18:20
    Nur damit Sie mich nicht falsch verstehen, ich bin ein großer Anhänger einer Sicherheits- und Verteidigungsunion!

    Nur haben wir diese halt noch lange nicht (trotz den von Ihnen sehr richtig ins Feld geführten eigentlich sehr deutlichen Vorgaben des Lissabon-Vertrages) und ich sehe derzeit niemand in EUR, der ernsthafte Schritte in diese Richtung unternimmt.

    Auch DEU übrigens nicht!! Denn wir haben in den letzten 10 Jahren ja alles getan, nur keine Souveränitätsrechte diesbezüglich an EUR zu übertragen (denn das würde zwingend eine Aufgabe des DEU Parlamentsvorbehaltes erfordern).