Afghanistan: Kampf um Faryab

In der vergangenen Woche hatte die Bundeswehr mitgeteilt, dass deutsche Soldaten unter anderem in der nordafghanischen Provinz Faryab unterwegs sind – sie leisteten keine Beratung, sondern untersuchten, ob die Unterstützung der afghanischen Armee-Führung im Norden durch die Nato-Truppen Erfolg habe, war eine der offiziellen Aussagen dazu.

Wie die Lage dort aussieht, hat sich das Afghanistan Analysts Network näher angeschaut. Was vermutlich hierzulande nicht so bekannt ist: Faryab ist eine der umkämpften Provinzen, die weitgehend faktisch unter Kontrolle der Taliban sind.

An intense battle is under way near the city of Maimana, the capital of Faryab. In this northern province, the Taleban gained control over a majority of districts over 2017, including all of those close to the provincial capital, which is practically under siege.

They also threaten the national ring road and important provincial roads. Government and international troops are currently trying to push the insurgents away from the city, in order to deny them the propaganda victory of taking it over.

Der AAN-Bericht Battle for Faryab: Fighting intensifies on one of Afghanistan’s major frontlines hier zum Nachlesen.

30 Kommentare zu „Afghanistan: Kampf um Faryab“

  • Pio-Fritz   |   12. März 2018 - 11:33

    Ich hoffe, die Evaluierung und der anschließende Bericht werden dann ein reales Bild aufzeigen. Nicht, das hier ein „Grünfilter“ über die Erkenntnisse gelegt wird, damit niemand in der Heimat darüber nachdenkt, wie viel Geld hier verbrannt wird.

    Die entscheidende Frage ist doch, warum erstarken die Taliban immer wieder und sind selbst im 18. Jahr des Einsatzes stärker als zuvor.
    Ehrliche Antworten darauf gab es auch in dem Perspektivbericht AFG nicht. es mangelt an der Ursachenforschung, die Bekämpfung der Symptome gestaltet sich durch Unkenntnis schwierig.

  • Memoria   |   12. März 2018 - 11:38

    All jenen die etwas mit ISAF zu tun hatten sind diese Regionen ja noch ein Begriff. Neben Kunduz/ Baghlan das zweite Krisengebiet im Norden. Oftmals in der deutschen Wahrnehmung ausgeblendet. Ghormach war hier oft das besonders prägnante Beispiel für eine Vielzahl von Problemen.
    Nunmehr breiten sich die Probleme aus.

    Auch die Informationspolitik ist in dem Bereich weiterhin seltsam. Wir erkunden dort also nur – mit einem Role 2.
    Erinnert an die Operationen Karez, Harekate Yolo I und II.

    Warum gerade wir uns dazu berufen fühlen nun Vergleichbares im Irak leisten zu wollen, mag verstehen wer will.

    Erfolge wohin man blickt.

  • Alex   |   12. März 2018 - 14:20

    Alles halb so schlimm! „propaganda victory“ bedeutet ja, dass im Zweifelsfall keine ernsthafte Niederlage eingefahren wird und offenbar die Zivilbevölkerung keine Massaker zu befürchten hat.

  • Vulpes vulpes   |   12. März 2018 - 16:14

    Zur Entwicklung in Afghanistan, kann ich nur den Kommentar von Wolfgang Bauer aus der Zeit Nr. 11/2018 empfehlen, mit dem bezeichnenden Titel „Wir sind besiegt“. Vermutlich ist er auf der Homepage der Zeit hinter der Paywall gelandet. Die Unterzeile „Deutschland ist in Afghanistan gescheitert, militärisch ebenso wie in der Entwicklungshilfe. Dabei fehlt es weniger an Truppen als an Ernsthaftigkeit. “ (Ich hoffe so viel Zitat ist akzeptabel @T.W.) fasst den Tenor aber gut zusammen, der vermutlich nicht jedermann gefallen wird.

  • Felix   |   12. März 2018 - 16:50

    @Vulpes vulpes
    Ah, danke, ich wollte auch gerade auf den Artikel verweisen. Und ich möchte ergänzen, dass der Autor nicht Armchair-General-mäßig von zuhause schreibt sondern einen schonungslosen firsthand-Blick hat. Es ist wirklich erschreckend wie die deutschen Institutionen einschließlich BW von der Realität im Land abgekoppelt und komplett gestaltungsunfähig sind. Zugleich stelle ich fest, dass es in letzter Zeit mehr solche Artikel in den Medien gibt. Steht uns da eine Debatte ins Haus? Wohl erst wenn wir Bilder wie aus Saigon 1975 kriegen.

    Der Umstand, dass wir uns so wahllos in immer mehr halbgaren Quatsch stürzen (Irak), spricht nicht für die Leadership der Regierung, weder Kanzlerin noch VdL. Der Umstand dass es keinen stört, spricht wiederum für das völlige Desinteresse der deutschen Öffentlichkeit an der Bundeswehr und was sie so macht.

  • Georg   |   12. März 2018 - 17:18

    Zitat:
    „Es ist wirklich erschreckend wie die deutschen Institutionen einschließlich BW von der Realität im Land abgekoppelt und komplett gestaltungsunfähig sind. Zugleich stelle ich fest, dass es in letzter Zeit mehr solche Artikel in den Medien gibt. Steht uns da eine Debatte ins Haus? Wohl erst wenn wir Bilder wie aus Saigon 1975 kriegen.“

    Diese Feststellung ist nicht neu und trifft auf die deutsche AFG-Politik von Anfang an, seit den Petersbergern Gesprächen 2001/2 zu. Die deutsche AFG-Politik war von Anfang an eine Selbsttäuschung und die, die diese Täuschung von Ort ausbaden mussten, wurden hinterher nicht von der Politik gehört.

    Siehe dazu auch die großartige Zeit-Reportage von 2010: „Das Kundus-Syndrom“ (vor immerhin mittlerweile 8 Jahren !)

    http://www.zeit.de/2010/10/DOS-Kundus

    Die „Saigon-Bilder“ von 1975 (Flüchtlinge auf dem Dach der amerikanischen Botschaft, die letzten Hubschrauber verbringen vietnamesiche Unterstützer zu dem Flugzeugträger vor der Küste) werden wir in absehbarer Zeit noch nicht sehen. Dazu ist die Nato-Präsenz in AFG noch zu groß. Die Frage wird jedoch sein, ob die Taliban verhandeln wollen, denn de fakto kontrollieren sie ja schon ca. 40 % des afg. Territoriums außerhalb der Städte.

  • Mustermann   |   12. März 2018 - 17:52

    Seit 2003 verfolge ich diesen sog. Kampf um „hearts and minds“ in Afghanistan, nicht nur als ehemaliger Stabsoffizier im Auslandseinsatz, sondern auch bis 2014 als Entwickliungsberater in zahlreichen Provinzen des Landes.
    Der von @Vulpes Vulpes zitierte ZEIT-Artikel gibt einen sehr guten, sicher noch fast zu optimistischen, aber doch weitgehend realistischen Eindruck von den Verhältnissen im Lande wider. Als Beobachter an der Aussenlinie ist es einfach unbegreiflich, wieviel ausgemachte Instinktlosigkeit und Unwissen bei den Helfern im Lande, in Uniform oder in Zivil, zusammenkommen. Dabei kann man diesem Land überhaupt nur helfen, wenn man versteht, dass die Menschen sich mental etwa im Zeitalter des Dreissig-jährigen Krieges bewegen, trotz Handy und Kreditkarte. Kaum einer der dort „kämpfenden“ Soldaten hat jemals einen Fuss in ein afghanisches Haus gesetzt, kaum jemand versteht die archaischen Regeln des Lebens dort. Auch die sog. Entwicklungshelfer sind mehr denn je völlig ahnungslos, niemand hat wenigstens einmal eine Nacht in einem typischen afghanischen Dorf verbracht und die Gastfreundschaft genossen. Selbst die aus Europa mitgebrachten , meist jungen sog. Sprachmittler kennen die Filme der Kinos ihrer europäischen Heimat besser als die Regeln der sozialen Netzwerke Afghanistans. Es ist für einen aufmerksamen, kenntnisreichen Beobachter am Rande immer wieder faszinierend, mit welcher Unkenntnis und mangelnden Erfahrung dort Entscheidungen getroffen werden, die auch über Leben und Tod Vieler entscheiden.
    Um einen einfachen Vergleich zu bemühen: Wenn man einen Dübel in eine Betonwand setzen will, nutzt eine noch so teure Bohrmaschine nichts, wenn man das Loch mit einem Holzbohrer zu setzen versucht. Auch der x-te Versuch wird nicht zum Erfolg führen. Bitte endlich Aufwachen!

  • f28   |   12. März 2018 - 19:39

    Mustermann | 12. März 2018 – 17:52
    „Bitte endlich Aufwachen!“

    Das wird vermutlich jetzt genauso wenig passieren wie in all den Jahren vorher.

    Die Erklärung liefern aus meiner Sicht diese beiden Schlüssel-Sätze aus dem ZEIT-Artikel:
    „Wer verstehen will, warum sich die Lage in der Provinz Kundus von Jahr zu Jahr verschlimmert hat, sollte sich auch das vor Augen führen: Die Wahrheit befördert keine Karrieren. Die Wahrheit von Kundus kennt keine Profiteure.“

    Diese beiden Sätze beschreiben den Kern des ganzen Dramas perfekt: es will tatsächlich niemand wissen. Ziemlich deprimierend: wir haben es mit einem System zu tun, das die Wahrheit systematisch ausblendet. Keine Ahnung, wohin das führen wird, aber vermutlich zu nichts Gutem.

  • Fritz   |   13. März 2018 - 19:58

    Afghanistan ist und bleibt ein Einsatzraum für Teile der NATO und eben auch der Bundeswehr.
    Probiert hat man vieles, aber noch nicht alles um zum Ziel zu kommen… und da liegt ja bekanntlich auch eines der großen Problemfelder. Offiziell / gem RS sind die Ziele klar gesteckt, dennoch ist klar das vieles nicht erreicht werden wird weil die Uhren in Afghanistan einfach anders gehen.
    Das es jetzt zur Kontingentserhöhung kommt sehe ich positiv, wenigstens sind die Forderungen des letzten Jahres umgesetzt worden. Es waren viel zu wenige Schutzkräfte vor Ort , und der Vorfall DEU GK hat gezeigt wie schnell man an die Grenzen kommt.
    Reserven waren schlichtweg nicht vorhanden. Wenn jetzt wieder Kundus und evtl. noch neue Bereiche dazukommen muss auch die Komponente Schutz erheblich wachsen.
    Die Probleme hinwieder Kräfte sehe ich allerdings ebenfalls, vor allem wenn jetzt noch IRAK als Einsatzraum dazukommen wird. Auch hier wird es Schutz für die Teile MA geben müssen, wer das macht ?? Eigentlich eine Allgemeine Aufgabe im Einsatz, dennoch zeigt die Einsatzrealität das es nicht so ist.

  • Pio-Fritz   |   13. März 2018 - 20:50

    @Fritz | 13. März 2018 – 19:58

    „Probiert hat man vieles, aber noch nicht alles um zum Ziel zu kommen…“

    Was fehlt denn Ihrer Meinung nach noch? Militärisch hat man alle Optionen gezogen, sei es bei OEF,ISAF oder RS. Es fehlt nur noch der Atomschlag.
    Und wo sehen Sie den positiven Effekt der Kontingenterhöhung? Das ist doch eher eine Anpassung an die aktuelle Bedrohungslage und versetzt den DEU-Anteil in die Lage, seinen Aufgaben nachzukommen.
    Es wird Zeit, die rosa Brille abzusetzen, in AFG ist nichts zu holen und zu wollen. Und wenn die Mission noch 20 Jahre dauert.

  • Thomas Bernhardt   |   14. März 2018 - 8:45

    In Afghanistan wäre nichts zu holen und zu wollen?

    Also zu holen war dort ohnehin nie etwas. Es ging schlicht nie darum, dort irgend etwas zu holen.
    Aber zu wollen haben wir dort nach wie vor etwas.
    Denn es wäre durchaus wünschenswert für uns, für Afghanistan, für die Region und für die afghanische Bevölkerung, daß die Taliban nicht gewinnen können.
    Das genügt schon.

  • Frag   |   14. März 2018 - 9:13

    „Damit sie nicht über ihre Handys geortet und angegriffen werden können, haben Verantwortliche der radikalislamischen Taliban in Afghanistan durchgesetzt, dass das Handynetz nachts abgeschaltet wird. Nur ein Betreiber widersetzt sich noch teilweise.“

    https://m.heise.de/newsticker/meldung/Afghanistan-Taliban-erzwingen-naechtliches-Handy-Verbot-in-fuenf-Provinzen-3991658.html

    [Ich musste erst mal gucken, ob die Meldung aktuell oder zehn Jahre alt ist.. Das gab es alles schon mal. T.W.]

  • Pio-Fritz   |   14. März 2018 - 9:19

    @Thomas Bernhardt | 14. März 2018 – 8:45

    „Zu holen“ müssen Sie im übertragenen Sinn betrachten. Seit 18 Jahren wird uns der Kampf gegen Terrorismus, Demokratie in AFG, Schulen, Gleichberechtigung der Frau, Brunnen bohren etc. etc. pp. als Grund für den Einsatz in AFG vorgebetet.
    Wenn die Politik ein offenes, ehrliches Fazit ziehen würde, würde man feststellen, das nahezu alle Anstrengungen wirkungslos verpufft sind. In Kabul mag sich die Lage verändert haben, aber außerhalb der Hauptstadt?
    Es ist offensichtlich, das ein Großteil der Bevölkerung ( und das schließt die Frauen ausdrücklich mit ein) keine Veränderung möchte. Oder wie erklären Sie die nach wie vor hohe Unterstützung der Taliban?

    Daran wird sich auch jetzt nichts ändern, solange man PAK nicht mit ins Boot holt, denn dort haben die Taliban ihren Ursprung und ihre Lager. Ebenfalls bräuchte man den IRN als Regionalmacht. Mit beiden haben die USA sich seit dem Regierungswechsel massiv überworfen, Besserung nicht in Sicht.
    Man muss nur schauen, wer Interessen in dieser Region hat und dann stößt man auch auf CHN (neue Seidenstraße und Rohstoffe) sowie RUS (der ewige Traum vom eisfreien Hafen im indischen Ozean). Dann hätte man alle Protagonisten zusammen, um dort eine Lösung zu finden. So wie es jetzt läuft, wird das nichts. Soviel zu „zu wollen“.

    BTW, DIE afghanische Bevölkerung gibt es nicht, es ist ein Konglomerat aus verschiedensten Volksgruppen, was die Lage zusätzlich erschwert.

  • Thomas Bernhardt   |   14. März 2018 - 9:46

    Die Unterstützung, die die verschiedenen Fraktionen der Taliban nachhaltig und langfristig finanziell, materiell und personell erhalten, kann man nun nicht der gesamten Bevölkerung Afghanistans anlasten.
    Daß es Stammessympathien gibt, steht außer Frage.
    Dennoch haben große Teile der Bevölkerung verständlicherweise „keinen Bock“ auf eine Wiederholung von 1996.

    Wenn man ein ehrliches Fazit zieht, dann sieht man aber auch, daß das Land in vielen Belangen einen Quantensprung gemacht hat seit 2001. Einen Post weiter oben wird von der „Mobilfunk-Politik“ der Taliban berichtet. Alles bisher Getane als „wirkungslos verpufft“
    zu bezeichnen, trifft die Entwicklung nun einmal auch nicht.

    Und ja, es wäre nett, wenn man PAK und IRN mit ins Boot holen könnte. Das versucht man mWn seit Jahren. Aber mindestens PAK hat kein tiefes Interesse an einem souveränen Afghanistan.

  • Daniel Lücking   |   14. März 2018 - 9:56

    Faryab – ich erinnere mich an 2006, als wir im Februar schon eine komplette Kampagne für die Krisenkommunikation vorbereiteten, weil wir in Meymaneh kurz davor waren, dass das Lager der Norweger (damals in der Innenstadt) von Demonstranten überrannt wurde.

    Nicht nur, dass der Zeitpunkt sorgsam geplant schien – auch die Intensität des Angriffs hat überrascht.

    Ob solche Landesteile jemals kontrollierbar sind wage ich zu bezweifeln. Langfristig wird es aber keinen Frieden geben, wenn den Menschen vor Ort keine Wahl bleibt, als sich mit den marodierenden Banden (Taliban) zu verbrüdern, weil diese eine Einnahmequelle darstellen oder die (fragwürdige) Orientierung bieten, die Shuras oder Politiker nicht bieten können.

  • Pio-Fritz   |   14. März 2018 - 14:18

    Die Diskussion, ob die afghanische Bevölkerung mehrheitlich die Taliban möchte oder nicht, können wir wohl beerdigen. Es fehlen belastbare Zahlen und so argumentiert jeder nach seinem subjektiven Empfinden.
    Den „Quantensprung“, den AFG seit ISAF gemacht haben soll, den sehe ich nicht. Ich mache das auch nicht am technischen Fortschritt fest, sondern an gesellschaftlichen Veränderungen. Auch ein Afghane mit Mobiltelefon hat gesellschaftlich trotzdem noch archaisch-patriarchalische Ansichten aus der Steinzeit. Die Technik ändert da nichts dran.

    Pakistan muss ins Boot geholt werden, ansonsten sind alle möglichen Fortschritte in AFG Makulatur. Zur Not mit entsprechenden Sanktionen. Die Flüchtlingslager bestehen schon so lange, das man von palästinensischen Verhältnissen sprechen kann. Und das ist einem Frieden nicht zuträglich.

  • diba   |   14. März 2018 - 15:11

    Die Russen waren 10 Jahre mit bis zu (offiziell) 115.000 Soldaten dort und haben alles andere als zimperlich agiert. Die NATO war in Spitzenzeiten mit bis zu 130.000 Soldaten dort, einige der Koalitionstruppen haben ähnlich wie die Russen agiert … (ich weiß, es folgt der Pawlowsche Reflex bei einigen …). Die Regionen, waren und sind nach wie vor von Taliban durchsetzt und teilweise unter deren Kuratel. Egal ob die glorreichen Nationen dort als richtige Soldaten agiert haben oder die deutschen Weicheier (ACHTUNG SCR) – beiden Ansätzen gemein – Erfolglosigkeit. Und jetzt glaubt irgendeiner hier, dass die Erhöhung um 300 Soldaten, von denen wahrscheinlich am Ende ein Zug KpfTr übrigbleibt, irgendwas ändert? Was für Zeug schluckt ihr, ich will das auch.

  • Daniel Lücking   |   14. März 2018 - 15:33

    Man vergleiche, wieviele Soldaten für den fragilen Frieden im Kosovo nötig waren und beachte, dass das Kosovo flächenmäßig 66 Mal in Afghanistan passt.

    Der Konflikt ist militärisch nicht zu lösen und bleibt eine Generationenaufgabe, an der niemand ein echtes Interesse hat.

  • Thomas Bernhardt   |   14. März 2018 - 18:07

    Der Konflikt ist durchaus militärisch zu lösen – durch die Taliban.
    Was unser Militär nur beitragen kann, wäre diese Lösung zu verhindern.

    Ja, anhand der Nord-Süd-Verteilung der Bevölkerungsgruppen und des ethnischen Vorgehens der Taliban in der Vergangenheit ist es ein wenig mehr als nur subjektives Empfinden, wo diese Herrschaften nachhaltig unterstützt werden.
    Aber dort, wo sie für die Bevölkerung alternativlos geworden sind, wie Kamerad Lücking zutreffend geschrieben hat, kann man das der Bevölkerung kaum vorwerfen.
    Und daß das Gesellschaftsbild der Taliban weit hinter dem liegt, was in Afghanistan schon seit der chorasanischen Zeit usus war, sollte eigentlich auch bekannt sein.

  • Geprg   |   14. März 2018 - 19:16

    @ Thomas Bernhardt

    Zitat: „Und daß das Gesellschaftsbild der Taliban weit hinter dem liegt, was in Afghanistan schon seit der chorasanischen Zeit usus war, sollte eigentlich auch bekannt sein.“

    Das Gesellschaftsbild der Taliban deckt sich zu 90 % mit den Inhalten des Gesellschaftsbildes des jetzt in Kabul regierenden Personen.

    Und nein, der Konflikt ist militärisch auch nicht durch die Taliban zu lösen, solange die westlichen Truppen in der jetzigen Stärke dort stationiert sind und die Truppe der Zentralregierung anleiten. Außerdem ist dies keine Nord- / Südverteilung der afg. Bevölkerung sondern in erster Näherung eine Aufteilung in Paschtunen und andere Ethnien. So gibt es im Raum Kunduz eine starkte paschtunische Minderheit in der Bevölkerung, bzw. paschtunische Enklaven in der Provinz, die dort das Problem verursachen. Aber ethnische Umsiedelungen a la Kosovo, Serbien und Kroation will ja auch keiner !

    Die Taliban sind nicht für die Bevölkerung von manchen Gegenden „alternativlos“ geworden, sondern sie sind die Bevölkerung der Gegend, soll heißen wenn man sie bekämpfen will, dann muss man die angestammte Bevölkerung in der entsprechenden Gegend bekämpfen. Will der Westen das ?

    Ansonsten kann ich nur auf den weiter oben beschriebenen Kommentar von @Mustermann verweisen.

    Die Unkenntnis über Land und Leute und gesellschaftliche Normen führen dazu, dass der Westen diesen Konflikt mit seinen Mitteln nicht lösen kann. Dazu müsste man bei General Dostum von der Nordallianz in die Schule gehen und seine Mittel anwenden !

    Will der „Westen“ das ?
    Wohl eher nicht !

  • Fritz   |   14. März 2018 - 20:38

    @ diba

    Sie vergleichen den Einsatz der RUS Armee mit dem was NATO Truppen seit 2002 in Afghanistan tun ?? Wenn das ihr Ernst ist frage ich mich was sie eigentlich nehmen??
    Ich habe mich positiv gegenüber der Kontingentserhöhung geäußert da sie den Soldaten / Soldatinnen 😉 vor Ort helfen wird. Es geht darum das mehr Schutzkräfte verfügbar sein werden und die Belastung somit etwas gemindert werden kann… das ist wichtig.
    Es geht nicht darum den Auftrag zu beschönigen, aber auch nicht ihn ins unendliche zu zerreden!! Wieviele Einsätze vergleichbar Afghanistan haben wir den zuvor durchgeführt??
    Das es hier einen langen Atem braucht war klar, das Fehler gemacht wurden ebenso.
    Es wurde viel ausprobiert und eben noch nicht alles.
    Ich schließe mich GEORG an – die Methoden eines Dostum kommen nicht in Frage , das will keiner von westlichen Truppen sehen.
    Und auch mit der Pashtunischen Volksgruppe hat er das Hauptproblem angesprochen.
    Pashtun Pockets oder anders gesagt Insurgent HotSpots sind nunmal meist Pashtunisch geprägt.
    Ich sehe durchaus eine Lösung in der Umsiedlung gegeben, das aber muss AFG initiiert sein.
    Afghanistan hat noch eine sehr langen Weg vor sich , und mit ihm auch wir. Ich denke das sind wir unseren Kameraden die den höchsten Preis bezahlt haben schuldig.
    Es wurde viel erreicht, nicht nur in Kabul…

  • Thomas Bernhardt   |   14. März 2018 - 21:23

    Pardon, Kamerad G., aber wie sehr das von den religiösen Extremisten vertretene Gesellschaftsbild hinter dem afghanischen zurückliegt, konnte jeder sehen, der die Jahre 1996 bis 2001 aufmerksam verfolgt hat.
    Und die ethnische Bevölkerungsverteilung zwischen Paschtunen und Hazara, Tadschiken, Usbeken u.a. ist im wesentlichen eine Nord-Süd-Verteilung.

    Die Taliban können den Konflikt derzeit trotz der NATO-Präsenz nachhaltig erfolgreich führen. Und sie können ihn auch gewinnen, wenn „wir“ es nicht verhindern.
    Dieses Patt, das zu einer anderen Lösung zwänge, ist der anzustrebende strategische Erfolg – weil wir, im Gegensatz zu den Taliban, keine Extremmaßnahmen einsetzen können. (Und die Taliban machen das seit ihrer Formierung im Süden überaus rücksichtslos.)
    Die vorwiegend paschtunischen Insurgenten können aus den afghanisch-pakistanischen Regionen unter Druck einfach wieder in der Zivilbevölkerung aufgehen und dort nicht von uns bekämpft werden. Was auch okay ist, niemand von uns möchte hier Menschenjagden in der Zivilbevölkerung veranstalten.

    Und ja, sie sind die Bevölkerung. Aber eben nicht überall. Sie sind nur ein extremer Teil der Bevölkerung. Aber leider können die Taliban aus dieser Zivilbevölkerung immer wieder auferstehen und sich neu rekrutieren. So weit, so bekannt.

  • Thomas Melber   |   14. März 2018 - 21:27

    „Afghanistan hat noch eine sehr langen Weg vor sich , und mit ihm auch wir.“

    Warum? Wollen Sie den Einsatz perpetuieren? In wie weit sind die Pashtunen eine Gefahr für uns in Deutschland?

    „… das sind wir unseren Kameraden die den höchsten Preis bezahlt haben schuldig.“

    Potentiell noch mehr Opfer? Das macht die Kameraden auch nicht lebendig oder wieder gesund.

  • Pio-Fritz   |   15. März 2018 - 13:55

    @Fritz | 14. März 2018 – 20:38

    „Afghanistan hat noch eine sehr langen Weg vor sich , und mit ihm auch wir.“

    @Thomas Bernhardt | 14. März 2018 – 21:23

    „Die Taliban können den Konflikt derzeit trotz der NATO-Präsenz nachhaltig erfolgreich führen. Und sie können ihn auch gewinnen, wenn „wir“ es nicht verhindern.“

    Zwei Aussagen, die ein „wir“, also die im Einsatz befindlichen westlichen Kräfte, in den Mittelpunkt stellen. Das ist der völlig falsche Ansatz. Das ist nicht unser Konflikt. Es ist ein innerafghanischer Konflikt in einem Land, das sich mittlerweile seit 45 Jahren in Krieg oder kriegsähnlichen Zuständen befindet.
    „Wir“ sind nur dort, weil die Bekämpfung des internationalen Terrorismus nach 9/11 uns dorthin geführt hat. dabei will man AFG gesellschaftlich auf den westlichen Weg führen, was nicht funktioniert hat und auch nicht funktionieren wird.
    Entweder steht die Mehrheit der Bevölkerung hinter den Taliban und will diese als politische Führung, dann ist es nicht „unsere“ Aufgabe ihnen eine andere Führung aufzudrücken. Oder die Mehrheit der Bevölkerung möchte die Taliban nicht. Dann soll diese Mehrheit aber auch aufstehen und dafür kämpfen. Die ANA wird es alleine nicht schaffen.
    Starthilfe hat der Westen genug geleistet, die endgültige Lösung des konflikts müssen die Afghanen selber herbeiführen.

  • Klauspeterkaikowsky   |   15. März 2018 - 22:44

    Allen berechtigten Fragen zu Strategien, Absichten und sogar Exitüberlegungen zum Trotz:
    Bei allen diesen Beratungen über Auslandseinsätze der Bundeswehr (im Bundestag) darf eines nicht vergessen werden: Nur sachgerechte und ausreichende Ausstattung, bedrohungsgerechte Vorbereitung geeigneten Personals gewährleistet die Missionserfüllung und schützt das Leben unserer Truppe.

  • diba   |   16. März 2018 - 7:38

    @kpk – alles richtig, aber was ist denn die Mission, die es zu erfüllen gilt?

  • Klauspeterkaikowsky   |   20. März 2018 - 7:36

    @diba
    Antworten im Mandat. Fortlaufendes Ignorieren der RSM-Mission und dessen Behandlung im BT, ob diese dem Betrachter gefallen oder nicht, schützen nicht vor der Erkenntnis, sie sind Fakt.
    U.S. Airforce intensiviert derzeit ihre Einsätze, … employed 469 weapons against Taliban and ISIS-Khorasan targets, more than double the 200 employed in February 2017.“
    US AFCENT-report.

    (link: http://www.afcent.af.mil/Portals/82/Documents/Airpower%20summary/Airpower%20Summary%20-%20February%202018.pdf?ver=2018-03-19-034424-470)
    afcent.af.mil/Portals/82/Doc…

  • Pio-Fritz   |   20. März 2018 - 9:37

    @Klauspeterkaikowsky | 20. März 2018 – 7:36

    Die Aufgaben der RSM sind dort beschrieben, es ist nur kein klares Ziel definiert. Wann ist denn diese Mission erfolgreich abgeschlossen?
    Daran krankt es doch bei allen Auslandseinsätzen.

    Wenn man den Zeit-Artikel von Wolfgang Bauer vom 08.03.2018 genau liest, dann erfährt man, das seit dem Anschlag auf die Deutsche Botschaft nur noch 5 deutsche Diplomaten in der US-Botschaft Dienst tun. Was sollen diese ausrichten? Der politische Einfluß in AFG ist quasi gleich null.
    Das von den NGO´s keine ausländischen Mitarbeiter mehr zu den Projekten rausfahren, weil es zu gefährlich ist. Das wird dann als „Ferngesteuertes Management“ verkauft. Da muss man sich nicht wundern, wenn das Geld unkontrolliert in dubiosen Kanälen versackt.

    Alleine der Bundeswehreinsatz hat bis dato mehr als 10 Mrd. € gekostet. Wenn man auf den Output schaut, verschwendetes Geld. Und jetzt bei RS? Es beraten deutsche Offiziere, die selber keine praktische Erfahrung in Kampfeinsätzen haben, afghanische Kräfte, die nichts anderes kennen als Krieg. Was soll dabei heraus kommen?

    Das wird doch so nichts, da müssen komplett andere Ansätze her.

  • Klauspeterkaikowsky   |   21. März 2018 - 18:13

    Desaster response exercise und Abstützung auf gewachsene Befähigung der AFG Lw mit Black Hawk sowie auch, wie hinlänglich bekannt sein dürfte, der Embraer Tucano als CAS Mittel.
    We are now more prepared than we have ever been to respond to Afghans in crisis.”
    The Afghan security forces train to defend the country from the effects of floods and droughts as much as from violence.
    (link: http://www.rs.nato.int/news-center/press-releases/2018-press-releases/afghan-military-officials-lead-disaster-response-exercise.aspx)
    rs.nato.int/news-center/pr…
    @Pio-Fritz
    „… beraten deutsche Offiziere, die selber keine praktische Erfahrung in Kampfeinsätzen haben …“ – Bitte um Nachhilfe: Beraten wir bei RSM tatsächlich auf unterer taktischer Ebene, nicht vielmehr Kandak (+)?

  • Pio-Fritz   |   22. März 2018 - 12:01

    @Klauspeterkaikowsky | 21. März 2018 – 18:13

    „Bitte um Nachhilfe: Beraten wir bei RSM tatsächlich auf unterer taktischer Ebene, nicht vielmehr Kandak (+)?“

    Die Frage ist wohl eher rhetorisch von Ihnen gemeint.
    Sie reiben sich an der von mir bemängelten Erfahrung. Auch diese braucht man auf den höheren Ebenen. Es nützt kein Berater, der das nur vom grünen Tisch und dem Truppenübungsplatz her kennt, wenn überhaupt.