Gendern bis die Feindin kommt? (m. Nachtrag)

Ob dieses Foto (bzw. das Schriftstück) echt ist, dass seit gestern (oder schon eher?) in der Bundeswehr kursiert, habe ich bislang noch nicht klären können: Der Schießausbildungszug des Studierendenfachbereichs C der Bundeswehruniversität Hamburg teilt in diesem Schreiben mit, die nächste Gefechtsdienst-Übung am 6. November stehe unter der Überschrift Lösen vom Feind/von der Feindin.

Nun kann das eine etwas überschießende Anwendung von Vorschriften zur geschlechterneutralen Sprache in der Bundeswehr sein, ebenso aber auch ein Studentenulk (oder heißt das heute Studierendenulk?) Vielleicht gibt es dieses offizielle Schreiben auch gar nicht, und jemand hat das eigens angefertigt…

Wie auch immer, ich bemühe mich um Klärung. Der Sprecher der Universität hatte am (heutigen) Mittwochabend noch keine Erklärung dafür, warten wir es also mal ab.

Wenn jemand von diesem Schreiben noch andere Fotos hat, oder gar ein (elektronisches) Original – das würde doch helfen.

Nachtrag:  Zum einen betone ich auch hier noch mal, was ich schon in den Kommentaren geschrieben habe: Es war zu befürchten, dass sich vor allem die melden, die ohnehin die Berücksichtigung einer weibliche Form für unsinnig halten. Es ist mir wichtig, dass es an dieser Stelle nicht ideologisch ausartet und „Neusprech“ gewittert wird, nur weil Frauen auch sprachlich berücksichtigt werden.

Es scheint nunmehr darauf hinzudeuten, dass jemand die oben gezeigte Formulierung gewählt hat, um gegen seiner Meinung nach überzogene Gender-Sprache zu protestieren. Das kann ich nachvollziehen, wenn ich diesen Auszug aus einer ZDV (auch hier die Frage: echt oder fake?) sehe:

 

Die Frage stellt sich also eher anders herum: Ist in Vorschriften und im offiziellen Sprachgebrauch die – notwendige – Berücksichtigung femininer Bezeichnungen vielleicht bewusst übertrieben worden, um sie lächerlich zu machen?

62 Gedanken zu „Gendern bis die Feindin kommt? (m. Nachtrag)

  1. Daran, dass „Student“ als lateinisches Partizip 1 „studierend“ bedeutet, wird der Irrsinn deutlich! Aber das binäre sei auch archaisch sexistisch, da es angeblich mehrere (soz.) Geschlechter gäbe, z.T. auch nicht menschliche (siehe Otherkins, die teilweise oder vollständig Tiere sein wollen ;) ).
    Hat ein Feind ein biologisches oder ein soziales Geschlecht?

  2. Der Wahnsinn ist offenbar nicht aufzuhalten. Und dann auch noch orthographisch uneinheitlich: Leerzeichen vor / nach dem forward-slash/Schrägstrich.
    Hoffentlich wird der Mensch / die Menschin dabei nicht verwirrt, oh Gott, Herr hilf.
    Wenn das gelöscht wird, sei’s drum.
    Student*innen-Ulk, oder wie geht die Vergewaltigung der Sprache derzeit?
    Ernsthaftigkeit verlange dabei niemand von mir.

    Der Sprecher der Universität wird erst Zeit haben, wenn die offizielle Sprachregelung befohlen wurde.

  3. …vieeeeeel besser ist die neue „Schießvorschrift“. Da ist die eine oder andere ulkige Genderperle versteckt.

  4. Ich halte das durchaus für authentisch. Heute kennt sich hinten und vorne keine mehr mit dem, mit Verlaub, Gender-Schwachsinn aus. Deswegen freue ich mich auch, dass die Junge Union einen Antrag in die CDU einbringen wird damit aufzuhören. Ganze Heerscharen von Menschen müssen sich heute darum kümmern politisch korrekt auszudrücken. Das hat schon manchmal eher Züge einer Diktatur als einer freiheitlichen Demokratie. Ich erinnere da an George Orwells „1984“. Der Begriff „Neusprech“ dürfte hier ein Begriff sein.

  5. Ja, das war natürlich zu befürchten: Jetzt melden sich vor allem die, die ohnehin die Berücksichtigung einer weibliche Form für unsinnig halten?

    Es wäre schon nett, wenn es jetzt nicht ideologisch ausartet und „Neusprech“ gewittert wird, nur weil Frauen auch sprachlich berücksichtigt werden. Das ist, um es mit den Worten eines früheren Verteidigungsministers aus der CSU zu sagen, intellektuell überschaubar.

  6. Ich vermute es ist eine sarkastische Reaktion darauf, dass die Studentenfachbereiche nun Studierendenfachbereiche heißen.

    Bei so einem feministischen Geschwurbel, dass dem militärischen kurzen und prägnanten Ton zuwiederläuft, kann ich den Verfasser nur zu gut verstehen.

  7. Vielen Dank für Ihren Aufruf, Herr Wiegold, doch bitte sachlich mit der Thematik „Sprachliche Gleichbehandlung von Männern und Frauen“ umzugehen.

  8. @ Klaus-Peter Kaikowsky | 25. Oktober 2017 – 19:23

    „Der Wahnsinn ist offenbar nicht aufzuhalten“

    Bei gleicher Eignung ist die weibliche Kandidatin (Feindin) gegenüber dem Kandidatin (Feind) im Rahmen der Chancengerechtigkeit zu bevorzugen.

    Vermutlich wurde die Leiterin des Studienfachbereichs jetzt schon gerügt, weil die Feinden durch die Nennung an 2. Stelle benachteiligt wurde.

    Hoffentlich wird Deutschland jetzt nicht (durch die Feindin) vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verklagt (scnr).

  9. Meine ganz sachliche Einschätzung ist, dass kein Mensch diese Genderei benötigt, außer um damit ominöse Professx-urinnen (?) zu rechtfertigen. Ich halte es da mit dem generischen Maskulinum. Deshalb gibt es bei mir auch mir Kameraden und Soldaten, egal was da wo zwischen den Beinen ist.
    Wenn das noch die gleichen Kameraden sind, die den Schießzug stellen, kann ich mir gut vorstellen, dass dies authentisch gelebter Protest an einer Uni ist, deren Führung vielleicht aus einem subversiven Reflex heraus ihre zivile Natur immer schon meinte besonders herausstellen zu müssen. Ich als Soldat und ehemaliger Student halte das für Unfug und deshalb mit nordischer Gelassenheit. Bei den Norwegern stirbt grad sprachlich auch so gut wie jede weibliche Form aus. Nur konsequent, wo (und wenn) wir doch alle gleich sind!

  10. Es ist doch noch immer erlaubt, die eigene Meinung in angemessener Form zu vertreten. Und ich schließe mich den Vorrednern an: Das ist weder zweckmäßig, noch effizient.

    Und ob sich, nur durch unnatürliche Sprache an der Situation der Frauen in unserer Gesellschaft wirklich etwas ändert? Also meine Frau wundert sich ja auch über so manche sprachliche Wirrung, aber wir sind auch verheiratet, haben ein Kind, sie nimmt den größeren Teil der Elternzeit schlicht weil ich mehr verdiene. Wahrscheinlich sind wir zu normal für diese Zeit, zu langweilig, zu konservativ.

    Grüße,
    Sebastian

  11. Ich sehe es mal zum schmunzeln über den Bürokratiewahn der BW:).

    Die Wahrscheinlichkeit, daß die Truppe im Einsatz auf Feindinnen stößt, dürfte relativ gering sein.

    Denn die meisten Soldatinnen dürften in Verbündeten Streitkräften dienen und weniger in den Armeen der potentiellen Gegner.

  12. Natürlich sind Menschen wie Herr Wiegold, deren primäres Arbeitsmittel Sprache ist, berufener die tatsächliche Macht der Sprache und damit auch möglicherweise negativen Auswirkungen einer maskulin geprägten Sprache im allgemeinen zu bewerten. Für den traditionell maskulin geprägten Bereich Bundeswehr bin ich jedoch im Speziellen davon überzeugt, dass die von „oben“ verordnete gestelzte Genderkonforme Sprache mehr Schaden anrichtet als nutzt. So wie die zur Frauenförderung gedachte Bevorzugung von Frauen (bei gleicher Leistung, Eignung und Befähigung) dazu führt dass (abseits offiziell geprägter Anlässe) in der Regel kaum ein Mann davon ausgeht, dass Frauen tatsächlich wegen solcher Attribute Führungspositionen bekleiden, so führt die erzwungen gestelzte Sprache dazu, das erst dazu dass der Eindruck entsteht, dass dem „schwachen“ Geschlecht besonderer Schutz und besondere Rücksicht zuteil werden muss. Ich bezweifle, dass dies der Effekt ist der beabsichtigt ist. Es ist jedoch nüchtern zu konstatieren, dass dies tatsächlich der Effekt ist, wie gesagt abseits offiziell geprägter und damit gezielt genderkonformer Statements.

  13. Jean-Jacques Rousseau, der Begründer der modernen Kulturkritik hat in einem seiner Hauptwerke, „Émile ou De l’éducation“, sein idealtypisches Erziehungsprogramm beschrieben, dass den „Kulturzustand“ als gesellschaftliches Endziel beschreibt.
    Was bin ich froh, dass sein Hauptwidersacher Voltaire das Werk als „Geschwätz in fünf Bänden“ (ab)qualifizierte.
    Dann dürfen sich auch deutsche „Streitkräfte, aufgestellt zur Verteidigung (87a GG)“ ja getrost um das kümmern, was dazu als wesentlich bewertet wird.

    (Womit, @T.W. ich rein gar nichts gegen Betonung von „Geschlechtseigenschaften einer Person in Abgrenzung zu ihrem biologischen Geschlecht“ sagen will).

  14. Falls hier keine scherzhaft verfasste Befehlsgebung vorliegt, dann lohnt erst recht der Blick auf die herausgebende Stelle und deren Geschlecht. Wundern kann man sich dann nur noch begrenzt … Ich zumindest im 31. Dienstjahr darf den Kopf heftig schütteln.

  15. Als Studierende/r der HSU kann ich die Existenz und Echtheit des Schriftstücks bestätigen.
    Nach der Vermittlung gravierender Erkenntnisse, dass auch ein Wäscheständer Gegenstand sexueller Belästigung sein kann, sowie vieler weiterer Kuriositäten des fingierten Geschlechterkampfes sah sich der Kamerad dazu gezwungen den Irrsinn zu überspitzen.

  16. …der Autor ggf auch die Autorin des Befehls scheint profunde Kenntnisse der „Schießsicherheit“ zu haben. In dieser Vorschrift (ehemals ZDv, jetzt Zentralrichtlinie [Regelungsmanagement ist übrigens auch „Spitze“]) hat man sich schon vor geraumer Zeit so richtig ausgetobt.

  17. Ich bin mittlerweile ein Befürworter des „gendern“, weil durch die Dekonstruktion und Ablösung des generischen Maskulimum heute (damit meine ich das Jahr 2017, nicht 2007 oder 1997) mit „Soldaten“ einfach nicht mehr selbstverständlich Soldat*innen aller Geschlechter gemeint sind und es für eine klare Ansprache heute daher unerlässlich ist, sofern man es mit jüngeren Menschen zu tun hat (jünger meint hier ~Jg. 1985 ff.) das gemeinte Geschlecht spezifisch anzusprechen. Daher sollte im normalen Alltags(schrift)verkehr gegendert werden – einfach schon der sprachlichen Präzision wegen.

    Ausnahme: Kommandosprache (z.B. im Gefecht), hier sollte das Geschlecht der Soldaten keine Rolle spielen, eine Differenzierung männlich/weiblich wird nicht benötigt und der schlichten Kürze wegen das generische Maskulinum („Soldaten“) verwendet werden.

    Im Alltag wird eine Geschlechtsansprache häufig benötigt und ist natürlich auch ein gewisses Kennzeichen von Respekt den Kamerad*innen gegenüber.

    Bei der Gelegenheit: Ist eigentlich bekannt ob es mittlerweile Soldat*innen anderer Geschlechter gibt? Früher oder später wird sich die BW auch mit diesem Teil (zivil-)gesellschaftlicher Realität auseinandersetzen müssen. Bei Tattoos, Bärten und Schwangeren hat es ja auch geklappt. ;)

    Bei der Gelegenheit Nr.2: Aufgrund der sprachlichen Kürze und weil man damit auch gleich für weitere Geschlechter vorbereitet ist und dann nicht wieder in 2 Jahren aufwändig nachsteuern muss wäre es am sinnvollsten einfach gleich das *Sternchen zu verwenden. Maschinengewehschütz*in ist deutlich praktikabler als Maschinengewehrschütze/Maschinengewehrschützin und letzteres grenzt schon an bewusste Provokation.

  18. Lösen vom Feind heißt nicht lösen von einer feindlichen männlichen Person, sondern von einem oder mehreren Feinden oder einer Feindgruppierung. Hier fehlt schon das grundsätzliche Verständnis der deutschen Sprache bzw. der Wille, nicht alles ideologisch-bürokratischer Sprachregelung zu unterwerfen.
    Das Einfache hat Erfolg!

    Ich würde mich auch gerne von diesen Feinden/Feindinnen in den eigenen Reihen/in lösen. Aber der/die Lottogewinn*in ist nicht da und die/der/das Pensionierung dauert noch mehr als eine Dekade / ein Dekad.

  19. @ Ex-Soldat | 25. Oktober 2017 – 20:26

    1+

    Wobei gleiche Leistung in bestimmten Bereichen ja nur deswegen „gleich“ ist, da es geschlechtsspezifische Leistungsanforderungen gibt. Diese sind allerdings nur im Routine (Standort-/Friedens-) Dienst nicht relevant.

  20. Um meinen Kommentar von 21:18 Uhr mit einem praktischen Beispiel anzureichern:
    „Soldaten der Jahrgänge 1990-1992 zeichnen sich überproportional häufig durch Übergewicht aus.“ Wer ist hier gemeint? Nur männliche Soldaten? Soldaten aller Geschlechter? „Soldaten der Jahrgänge…“ ist eben nicht das gleiche wie „Soldatinnen der Jahrgänge…“ oder „Soldat*innen der Jahrgänge…“ Eine Eindeutigkeit erreicht man nur durch die konsequente Berücksichtigung der letzten Variante. Dadurch werden „Soldaten“ ausschließlich zu Männern und der Beispielsatz wäre somit eindeutig auf männliche Soldaten bezogen. Daher sehe ich gendern als ein Beitrag zu sprachlicher Präzision, die eigentlich im Interesse aller liegen sollte. Die Bundeswehr ist kein Trachtenverein, ebenso wie sich Bewaffnung und Taktik ändern sind es eben auch gesellschaftliche Verhältnisse und Sprache und müssen daher laufend aktualisiert werden. Und wenn dabei eine sprachliche Eindeutigkeit dazu gewonnen wird – umso besser.

    Noch ein Zitat zum Schluss: „Es wird mit Recht befremden, daß eine weibliche Hand es wagt, ein Werk von solchem Inhalt wie das vorliegende mit einer Vorrede zu begleiten.“ Es hat sich seit 1832 eben nicht nur die deutsche Sprache geändert. ;)

  21. AB | 25. Oktober 2017 – 21:18

    „Aufgrund der sprachlichen Kürze und weil man damit auch gleich für weitere Geschlechter vorbereitet ist und dann nicht wieder in 2 Jahren aufwändig nachsteuern muss wäre es am sinnvollsten einfach gleich das *Sternchen zu verwenden. Maschinengewehschütz*in ist deutlich praktikabler […].“

    Mir sind wahrlich Leute zuwider, die ständig mit Schaum vorm Mund von „Genderwahnsinn“ und „Professuren für unterbelichtete Sozialwissenschaftler“ schwafeln. Trotzdem: Das, was Sie vorschlagen, erscheint mir als eine Vergewaltigung der dt. Sprache. Viele dt. Bezeichnungen darf man durchaus als Neutrum ansehen, sie waren nie dazu gedacht, Frauen auszuschließen. Es gäbe meiner Meinung nach wichtigere Kampffelder zur Erringung der Gleichberechtigung (z.B. Chancengleichheit bei Bewerbungen, gleiche Bezahlung bei gleicher Tätigkeit), als Sprachkonstruktionen durchsetzen zu wollen, die eine in Jahrhunderten gewachsene Sprachtradition einfach nicht hergibt, und dies dann als Aushängeschild der Gleichberechtigung zu feiern. Hier arbeitet man sich mMn an Pseudoproblemen ab. Frauen haben leider immer noch ernsthaftere Probleme auch in unserer modernen Gesellschaft, als das dringende Bedürfnis, als „Maschinengewehrschützin“ angesprochen zu werden.

    Das von Herrn Wiegold gezeigte Schriftstück fand ich klasse. Der Verfasser hat Humor, davon braucht es mehr in der BW.

  22. Diese Dschenda-Pärle ist bewusst überspitzt, aber das gilt leider nicht für die tatsächlich bereits bis zur Unlesbarkeit verstümmelten Dokumente und Vorschriften in der Truppe…

    Angenehm finde ich dieses nächste Signal der Generation Oberleutnant bis Major, die in den nächsten Jahren die Aufgabe haben werden, verloren gegangene Prinzipien einer Armee wieder zu restaurieren.

    Denn die bereits bis ins schildbürgerliche gesteigerten Ablenkungsmanöver unserer feigen Vorväter / Vormütter mit dem Aktionismus für Minderheiten aus den letzten 20 Jahren kommt an den Eruptivpunkt. Mittlerweile haben wir so wenig Armee in der Bundeswehr, dass jeder weitere Versuch der Demilitarisierung schon als solcher erkannt wird.

    Ja, es gibt homosexuelle, transsexuelle und weibliche Militärangehörige. Überhaupt keine Frage. Aber circa 85 Prozent der Soldaten sind schlichtweg Männer, die Ihrem Land dienen. Und auf diesen Anteil sollte man sich endlich mal wieder fokussieren, falls man in der heutigen und vor allem der zukünftigen Welt bestehen möchte…

    Wir werden es sehen… und bis dahin reiche man mir den Salzstreuer/ die Salzstreuer*in, denn ich muss gleich raus, bin nämlich Aufsicht/ Aufsicht*in beim Schützen/ der Schütz*in…

    *schöntachnoch*

  23. Persönlich halte ich diesen Kopf / Thematik der Ausbildung für Sarkasmus, der in dieser Form zumindest zu meiner Zeit an beiden Bw-Universitäten üblich war. (Es sei den es gibt tatsächlich einen Unterschied im Vorgehen zwischen lösen von dem männlichen Feind und lösen von der weiblichen Feindin.
    Und hier sehen wir schon das eigentliche Problem des Extremgendern in unserer Grammatik.
    Lösen vom Feind ist „Geschlechtsneutral“ und Feind hat „zufällig“ grammatikalisch männliches Geschlecht, obwohl er eigentlich Neutrum sein müsste.
    Wenn ich nun formuliere „lösen vom männlichen Feind“ entspricht das unserem Sprachempfinden. „lösen vom weiblichen Feindin“ wäre grammatikalisch falsch. „lösen vom weiblichen Feind“ wiederum korrekt, aber nicht die Nutzung der weiblichen Form von Feind. Also bleibt nur „lösen von der (weiblichen) Feindin“ und damit im Gegenzug bei „Gleichbehandlung“ der Geschlechter „lösen von dem (männlichen) Feind“. Letztere Formulierung ist wiederum gegen unser Sprachempfinden, auch wenn grammatikalisch und politisch korrekt. M.E. schafft man hierdurch auch keine Gleichberechtigung.
    Wohingegen als die Entscheidung fiel bei der Bundeswehr im Gegensatz zu anderen Staatsdiensten keine weiblichen Dienstgradbezeichnungen einzuführen, hatte man Festgelegt dass gerade hierdurch die Gleichbehandlung der Geschlechter umgesetzt wird, wohl wissend dass man sich ernsthafte Probleme einkauft. z.B. Frau Hauptbootsmann. Oder Frau Gefreiter. Und halt besonders schön die Frau Hauptmann mit dem Plural Hauptleute. Wobei Frau Hauptfrau natürlich auch bedenklich ist. Aber gleichzeitig hat man sich trotzdem dank unserer Grammatik Ungleichbehandlungen eingehandelt. Normaler militärischer Sprachgebrauch: „Der Leutnant hat gemeldet“ „Der Hauptmann hat befohlen“, jedoch „Die Leutnant hat gesagt“ ist zwar grammatikalisch eventuell noch vertretbar, jedoch wird man nach Sprachempfinden eher „Die Frau Leutnant hat gemeldet“ hören…. Und sicher nie „die Hauptmann hat befohlen“, da grammatikalisch falsch. Auch „die KaLeu ist die OvWA“ wird man nie hören, weil klingt komisch. Hingegen „Der KaLeu ist der OvWA“ schon. Ergo wird zumindest im natürlichen Sprachgebrauch die Frau hierdurch automatisch respektvoller behandelt. Auch wird ein weiblicher Gefreiter wohl eher nicht mit „Gefreiter Müller vortreten“ vor die Front gerufen. Hier wird entweder inkorrekt „Gefreite Müller vortreten“ befohlen oder korrekt „Frau Gefreiter Müller vertreten“ befohlen. Eventuell wird das Problem mit „Gefreiter Anne Müller vortreten“ gelöst.

  24. Wir schaffen das.

    Ja, das meine ich ernst: die Bundeswehr hat in den letzten 62 Jahren schon so manchen Unsinn verkraftet und überstanden.

    So wird es auch mit der Gendermania passieren.

  25. Ehrlich gesagt verstehe ich den Vorgang nicht.

    Egal wie man zum „Sendern“ steht (ich persönlich halte es für ein Verbrechen an der deutschen Sprache), aber hinsichtlich des „Lösen vom Feind“ ist das doch gar nicht einschlägig!

    1. Lösen vom Feind ist ein „terminus technicus“, der unmittelbar aus der Vorschrift hervorgeht und deswegen gar nicht „gegendert“ werden darf.
    2. Der „Feind“ in diesem Fall ist ja gar nicht der „Feind“ (als Person und damit mit Geschlecht), sondern der „Feind2 in diesem Fall ist ja als „die gegnerische Seite“ zu verstehen, dass heisst hier wäre ja selbst nach den derzeit gültigen Regeln der BReg kein „gendern“ notwendig/möglich…

  26. Ich musste doch etwas schmunzeln, als ich den Artikel eben sah.
    Ich persönlich denke, wenn man einem Soldaten vorschreibt er möge doch bitte alles gendern, dann wird dieser genau das tun und eben auch negativ belegte Wörter gendern. (was ja so sonst nicht/selten vor kommt).
    M.E.n ist das auch eine gute Art um Kritik am Gendering zu üben, würde es gerne sehen, wenn man auch in den Medien mal davon spricht, dass die „Täter oder Täterinnen“ noch nicht ermittelt wurden.

    Wenn ich das anspreche, dann höre ich meist als Argument, es sind eben überwiegend Männer die Verbrechen begehen, also passt das so schon. Nach der Logik, reicht auch Soldaten, da es ja auch mehr Soldaten als Soldatinnen gibt.

    Aber kurz nochmal zurück zu dem Gendering bei der Bundeswehr, hier halte ich das Gendering allein wegen der vielen Regelungen, Befehlen und Schriftverkehr für unzweckmäßig, da man damit teils unglaubliche „Satzmonster“ erschafft, die keiner mehr versteht ohne besagten Satz drei vier mal zu lesen.
    Ob das den weiblichen Kameraden viel nützt oder eher den männlichen Kameraden auf die nerven geht, ist hier neben Sache, es ist einfach uneffektiv. Wenn man sich auf Geschlechter beziehen möchte, dann kann man doch auch einfach ein weiblich oder männlich davor setzten.

  27. Je suis Charlie …. StudFBer C … die Damen und Herren SozialwissenschaftlerInnen TD trollen wohl auch gerne mal …. :o)))

    da capo in die Hanseaten und im Lutherjahr stets beherzigen: „Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz“

  28. Also die Abbildung mit der „Maschinengewehrschützin“ ist nach Blick in eine entsprechende Zentralrichtlinie wohl ein Fake. Gleichwohl hat man sich in dieser Regelung bemüht, – wozu man ja auch verpflichtet wurde, die Genderisierung der Sprache zu berücksichtigen. Man spricht also von „Schützen bzw. Schützinnen“. Beim potentiellen Feind, der sich dort in Form von Schießscheiben –Abbildungen manifestiert, hat man sich aber (noch) aus irgendwelchen Gründen zurückgehalten. Warum eigentlich? Wenn schon, denn schon. Und um es mal mit einem meiner Lieblingssprüche zu sagen: Es gibt für Untergebene kein besseres Mittel unsinnige Befehle ad absurdum zu führen, als sie mal exakt und konsequent zu befolgen. Realität ist, das eine Vielzahl von Vorschriften und Weisungen durch die Anwendung der Regeln der Genderisierung derart verkorkst wurden, das man einige Passagen fünfmal lesen muss, um den Sinngehalt auch wirklich zu verstehen.
    Es gab mal einen Entwurf einer Regelung/Weisung, wo ein Autor (oder Autorenteam) sich getraut hat, im Vorwort aufzunehmen, das auf Anwendung der Genderisierung im Dokument bewusst verzichtet wurde und alle Formulierungen geschlechtsneutral und absolut nicht diskriminierend gemeint seien. Das wurde dann bei der nächsten Kommentierungsrunde natürlich wieder einkassiert. Aber alle Achtung, – mutig war das schon.

  29. Zur Sprachverpanschung der Genderei sollte mal der gesunde Verstand ein Germanistik-Gutachten anfordern, denn ein Professor kann weibl. oder auch männl. sein und bekommt daher in „alter Zeit“ schlichtweg die Zusatztitulierung Herr/Frau…..
    So ist es genau genommen auch mit dem Schützen, denn Herr/Frau Schütze beschreibt den gleichen Sachverhalt.
    Sachbezogen müsste es gegendert auch korrekt heissen: das Munition, das Handgranate und das Vorschrift…..der Rest wäre damit obsolete Ausdrucksform einer Geschlechtszuorndung wie: der/die/das Panzer…..
    Ist Dies eigentlich für Moral und Kampfkraft förderlich wie TÜV?

    Willlkommen im Neo-Deutschen GAGA-Club.

  30. Dieser ganze Gender-Unsinn. Sorry…

    Es gab doch vor langer Zeit diverse Gerichtsverfahren, weil eine Frau dagegen geklagt hatte, als „Frau xxxx“ angesprochen zu werden und nicht als „Dame xxx“.

    Sie wollte tatsächlich eine Änderung der deutschen Sprache erwirken, weil man ja auch „Herr xxx“ und nicht „Mann xxx“ als Anrede verwendet.

    Manche Menschen haben einfach unglaublich viel Zeit, um sich und andere mit Banalitäten zu beschäftigen…

    (Ob es eine männliche Gegenklage gab, die erwirken wollte, daß Männer mit „Mann xxx“ angesprochen werden, weiß ich leider nicht… ;-)

  31. Ich freue mich schon auf den Tag, wenn ich zu einer Soldatin sagen darf: „Ach, Sie sind also hier die „Standortälteste“? Sieht man Ihnen gar nicht an!“ Und ebenso bin ich gespannt auf die Reaktion …

  32. @Bumblebee:
    „Satzmonster“ sind nicht notwendiger Bestandteil des „Genderrn“. Wenn man sich auf *in/*innen einigt hat man 3 bis maximal 6 Zeichen mehr und die Verständlichkeit wird m.M.n. nicht beeinträchtigt sondern erleichtert.

    Vorteil des gendern (mit *): Präzision
    Nachteil: Geringfügig länger (ganze 3-6 Zeichen)

    Wenn Präzision im Vordergrund steht (Schriftverkehr, Ansprachen, Vorschriften,…) empfiehlt sich *innen/*in, steht kürze im Vordergrund das generische Maskulinum.

    „Schüler sind heute schlechter in Mathe als vor 10 Jahren.“ Macht es nicht absolut Sinn Kollektivangaben zu gendern um klar zu machen wer jetzt eigentlich gemeint ist? Gewinnt die deutsche Sprache da nicht und entwickelt sich positiv weiter? Und profitiert nicht gerade eine Institution wie die Bundeswehr durch die gewonnene Präzision? Ich finde es macht kein Sinn diese Debatte emotional zu führen („Vergewaltigung der Sprache“). Es gibt doch klare sachliche und bewertbare Vor- und Nachteile.

  33. Der Wahnsinn hat wirklich Methode … „Gewährung einer Aufwandsentschädigung an
    Soldatinnen und Soldaten sowie Beamtinnen und Beamte, die als Diensthundeführerinnen und Diensthundeführer der Bundeswehr eingesetzt sind (Diensthundeführer-Aufwandsentschädigungsrichtlinie)“ … das ist wirklich der Originaltitel, fehlt nur noch dass die Hunde auch noch gegendert werden (Hündinnen und Hunde) … das wird immer unlesbarer und ich bin mir sehr sicher, dass diese „Vergewaltigung“ der Sprache (weil es wird dadurch schlicht und einfach FALSCH … Studierender und Student ist eben nicht inhaltsgleich) die Gleichberechtigung nicht weiter bringt. Und wir haben wirklich dringendere Probleme in der Bundeswehr, Fakt ist allerdings auch, dass ohne Gendering und Konformitätsprüfung keine Vorschrift mehr auf den Markt kommt, egal ob man sie dringend braucht oder nicht …

  34. Die „Maschinengewehrschützin“ ist kein Fake, sondern taucht so tatsächlich in der ab 2018 gültigen Regelung „Schießausbildung mit Handwaffen“ auf.

  35. Es ist ja schon vielsagend wenn man in weniger als 16 Stunden hier 39 Kommentare hat wegen nem / und zwei drangehängten Buchstaben.

    Ich bevorzuge ja *in(nen).

    *Geht in Deckung und löst sich von den „Feinden*innen“*
    /SCNR

  36. [Ich bitte um Verständnis, dass ich den „Satire“-Teil, da er die Debatte nicht wirklich voranbringt, hier entfernt habe. T.W.]

    Wer Satire nicht von der Realität unterscheiden kann, ist beim Gender-Thema in guter Gesellschaft, denn nicht selten wir die Satire von der Realität überholt. Sobald das Thema soziale Geschlechter und Geschlechtsidentitäten Einzug in die Amtsstuben hält, wird die anstehende Überarbeitung der Dienstvorschriften richtig lustig. Die ZdV mit der „Maschinengewehrschützin“ ist mindestens 20 Jahre hinter einschlägiger Gender-Wissenschaft hinterher. Wenn schon gendern, dann bitte richtig.

    ===================

    Aber jetzt mal Spaß beiseite: Das Gender-Thema hat eine ernsthafte sicherheitspolitische Komponente. Als kultureller Impact führen große Teile der Genderstudies bei primär zugewanderten Milieus (Russen/Osteuropäer, Muslime) zu kopfschüttelnder Ablehnung. Dies wiederum wirkt desintegrierend, die gendergerecht agierende autochthone Bevölkerung wird als degeneriert und dekadent wahrgenommen. Neben Putin-Verstehertum gehört Kritik am „Gender-Quatsch“ beispielsweise zum Wahlkampf-Baukasten der AfD, mit dem sie unter Deutsch-Russen sehr erfolgreich war. Entlang der Gender-Themen wird Putin als Retter der abendländischen Kultur aufgebaut, da er Mann und Frau noch den „richtigen Platz in der Gesellschaft zuweise“.
    Dies ist dann ein Baustein, auf dem Loyalität zum Putinismus oder zum Islamismus in Milieus legitimiert und kommuniziert wird. Kommunikativ ist das für entsprechende Interessen sehr fruchtbar, denn es bedarf kaum argumentativer Tiefe, weil viele gendergerechte Formulierungen gegen jegliches Gefühl für Sprache verstoßen und so nur diese Emotion angesprochen werden muss.
    Propagandistisch könnte das Gender-Thema das Bindeglied zwischen Erdogan und Putin werden, wenn es um den Kampf um die Herzen und Köpfe der europäischen Bevölkerung bei geopolitischen Veränderungen geht.

    Das Generische Maskulinum war doch eine gute Lösung, um Geschichte der Sprache, Alltagstauglichkeit und Gesichtspunkte der Gleichberechtigung unter einen Hut zu bringen. Das über Bord zu werfen, hat mehr und mehr unabsehbare Folgen. Viel Identität in einem Land wird über Sprache organisiert. Dieser Hebel wird aktuell geschwächt.

  37. @ GLADIUS | 25. Oktober 2017 – 23:06

    „Aber circa 85 Prozent der Soldaten sind schlichtweg Männer, die Ihrem Land dienen. Und auf diesen Anteil sollte man sich endlich mal wieder fokussieren, falls man in der heutigen und vor allem der zukünftigen Welt bestehen möchte… “

    Schön, dass Sie meinen, in der derzeitigen angespannten Personallage mal eben auf 15% der Kräfte verzichten zu können…

    Sie scheint man ja bisher sehr vernachlässigt zu haben.

  38. @ Maverick: Da würde ich an Ihrer Stelle Abstand von nehmen, da befinden Sie sich nämlich ganz schnell an der Schwelle zur sexuellen Belästigung… (siehe Sawsan Chebli)

    @ Blaumann: Interessanterweise hat man es in der gleichzeitig erscheinenden „Schießen mit Handfwaffen“ beim generischen Maskulinum der Scheiben belassen.

    Stellt sich die Frage ob nun zwei Sätze Scheiben beschafft werden – eine gegenderte Nr8 und eine ungegenderte!?

  39. @AB „Vorteil des gendern (mit *): Präzision
    Nachteil: Geringfügig länger (ganze 3-6 Zeichen)“:

    Soweit kann ich Ihnen folgen. Aber wie sprechen Sie das beim Vorlesen aus?
    Das ist die Stelle, die mir regelmäßig Probleme macht (sowohl beim lauten Vorlesen für andere als auch beim stillen Vorlesen für mich selbst).

  40. @AB

    Keiner ja was gegen den Schüler oder oder die Schülerin aber die Mehrzahl grundsätzlich zu gendern ist nicht nur ein Hindernis in der Kommunikation und nicht in der Tradition unserer (Sprache) sondern das Gegenteil von dem was man im Militär erreichen will. Kameradschaft und Gemeinsinn
    Fragen Sie junge weibliche Soldaten, sie wollen in erster Linie Soldaten sein und dass sie weiblich sind ist ihnen klar. Gemeinschaftssinn benötigt möglichst wenig trennendes.
    Ich glaube die Truppe ist da schon lange weiter.
    Das neue SBG ist unlesbar und macht ein gut gemeintes Ansinnen lächerlich.
    Die Pluralbildung ist im Deutschen komplex genug, doch Sprache sollte einfach sein und die Kommunikation und Botschaft fördern.

  41. @Blaumann

    Sie haben recht – die Abbildung ist kein Fake! Musste da bei meinem Statement einen alten Stand erwischt haben. Also auch wenn es folgerichtig ist: Mich gruselt das irgendwie ein wenig, wenn ich Formulierungen lese wie „stürmende Schützin mit Treffzonen“.

  42. @ AB:
    Sprache kommt von Sprechen.
    Sagen Sie mal „Frauen sind die besseren Soldat*innen“ ohne Gestik, Pausen oder Betonung. Macht keinen Sinn bzw. erschwert die Verständlichkeit.

    Das generische Maskulinum hingegen erkennt ja an, das ein Wort ein grammatikalisches Genus hat, schließt aber andersgeschlechtliche Personen kategorisch nicht aus.

    Wenn dann präzise das eine oder andere Geschlecht gemeint ist, bleibt Soldatinnen zum einen und die männlichen Soldaten oder, um auch hier semantische Anstössigkeiten zu vermeiden, „die Männer unter der Gruppe von…“ zum anderen.

    Man könnte sich das geschlechtsneutrale Formulieren also sparen, wenn man sich entspannt auf die Konvention einigt, das generisch gewachsene Maskulinum der Kategorien als lediglich grammatikalisch anzuerkennen und nicht per se als diskriminierend erachten würde.

  43. Na ja, der Ansatz irgendwelche Abstrakta (Feind) oder gegenständliche Konkreta (Scheibe) textlich zu „gendern“ dient dazu das Gendering im Sinne eines geschlechtsbewußten Sprachgebrauches ad absurdum zu führen und ins Lächerliche zu ziehen – bekannt als „Chauvi-Humor“. Nun sind Dienstvorschriften oder Fachbereichsbefehle ja nun keine Satire-Seiten, also frage ich mich schon wie es um die „Qualitätskontrolle“ im Bereich Geschäfts-und Schriftverkehr und Druckvorschriften bei der einen oder anderen Dienststelle der BW bestellt ist.

  44. In dem Falle greift Poe’s Law: „without a clear indicator of the author’s intent, it is impossible to create a parody of […] views so obviously exaggerated that it cannot be mistaken by some readers or viewers as a sincere expression of the parodied views“

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