Gendern bis die Feindin kommt? (m. Nachtrag)

Ob dieses Foto (bzw. das Schriftstück) echt ist, dass seit gestern (oder schon eher?) in der Bundeswehr kursiert, habe ich bislang noch nicht klären können: Der Schießausbildungszug des Studierendenfachbereichs C der Bundeswehruniversität Hamburg teilt in diesem Schreiben mit, die nächste Gefechtsdienst-Übung am 6. November stehe unter der Überschrift Lösen vom Feind/von der Feindin.

Nun kann das eine etwas überschießende Anwendung von Vorschriften zur geschlechterneutralen Sprache in der Bundeswehr sein, ebenso aber auch ein Studentenulk (oder heißt das heute Studierendenulk?) Vielleicht gibt es dieses offizielle Schreiben auch gar nicht, und jemand hat das eigens angefertigt…

Wie auch immer, ich bemühe mich um Klärung. Der Sprecher der Universität hatte am (heutigen) Mittwochabend noch keine Erklärung dafür, warten wir es also mal ab.

Wenn jemand von diesem Schreiben noch andere Fotos hat, oder gar ein (elektronisches) Original – das würde doch helfen.

Nachtrag:  Zum einen betone ich auch hier noch mal, was ich schon in den Kommentaren geschrieben habe: Es war zu befürchten, dass sich vor allem die melden, die ohnehin die Berücksichtigung einer weibliche Form für unsinnig halten. Es ist mir wichtig, dass es an dieser Stelle nicht ideologisch ausartet und „Neusprech“ gewittert wird, nur weil Frauen auch sprachlich berücksichtigt werden.

Es scheint nunmehr darauf hinzudeuten, dass jemand die oben gezeigte Formulierung gewählt hat, um gegen seiner Meinung nach überzogene Gender-Sprache zu protestieren. Das kann ich nachvollziehen, wenn ich diesen Auszug aus einer ZDV (auch hier die Frage: echt oder fake?) sehe:

 

Die Frage stellt sich also eher anders herum: Ist in Vorschriften und im offiziellen Sprachgebrauch die – notwendige – Berücksichtigung femininer Bezeichnungen vielleicht bewusst übertrieben worden, um sie lächerlich zu machen?

62 Gedanken zu „Gendern bis die Feindin kommt? (m. Nachtrag)

  1. Die brandneue „Truppenführung“ spricht offiziell von „TrFhr“. Ein großes Dankeschön an alle Gleichstellungsbeauftragten, die ihr Einverständnis dazu gegeben haben!

  2. @W-Brandt

    „Es ist ja schon vielsagend wenn man in weniger als 16 Stunden hier 39 Kommentare hat wegen nem / und zwei drangehängten Buchstaben.“

    Sind eben fleißige Bienen/-innen* und zur Schlagkraft der Truppenangehörigen und Truppenangerhöriginnen ist eben schon alles geschrieben worden.

  3. @ AB

    Sie vergessen dabei völlig die Umsetzung, es geht nicht nur um 3-6 Zeichen. Und da die meisten Sätze in Regelungen so anfangen:

    „Der/Die Soldat*inn soll seine/ihre…“

    Haben sie auch eine Regelung die um einiges größer ist.

    Ich hoffe der kurze Vorgeschmack auf ihren Vorschlag verdeutlicht, dass es sich leider sehr schlecht ließt und man den Blick fürs wesentliche verliert .
    Mit viel Übung und nach längerem lesen, lässt sich das einfach überlesen, aber wenn ich mal schnell was nachschlage, stört es nur.

  4. @ Maverick | 26. Oktober 2017 – 9:41:

    So absurd finde ich Ihr Szenario gar nicht. Frau GenStArzt Krüger wird auf der offiziellen Bundeswehr-Website schließlich auch als „KommandeurIN“ der SanAk bezeichnet, nicht als „Kommandeur“: https://tinyurl.com/ycbgjn7n

    Meines Erachtens hat das eher wenig mit gegendertem Sprachgebrauch zu tun, sondern vielmehr mit gesellschaftlichen Realitäten.

  5. Auch wenn sicher so manche „Genderei“ umständlich und verkomplizierend ist, der schlecht versteckte und zum Teil unverhohlene Sexismus einiger Aussagen hier zeigt doch deutlich, dass hier noch so manches dickes Brett (vor dem Kopf) zu bohren ist.

  6. Zum Thema wie man letztlich gendert:

    Ich gendere in meinen Schriftwerken gerne mal so:

    KameradINNen – also weder mit Stern, noch mit Schrägstrichen (aka Slashes /scnr).
    Dabei hat mich bisher weder interessiert ob das zulässig, richtig oder falsch ist. Ich tue es einfach. So ein Wort sieht deutlich weniger abgehackt aus, Sonderzeichen haben in Worten schlicht nichts verloren und dennoch kann man beide Variationen sofort erkennen und ebenso auch ganz leicht drüber lesen – auch wenn man hier beim Vorlesen nur die weibliche Form aussprechen würde – die ja oft die männliche einschließt.

    Und das mache ich ganz einfach deshalb, weil mir der Textfluss beim lesen so deutlich leichter fällt. Viele weitere Dinge formuliere ich neutral: Die Gruppenführung übernimmt die Ausbildungseinheit. Das liesst sich ein wenig steif, geht aber ohne Geschwurbel.

    Wenn ich Texte sehe mit sämtlichen Variationen a la: Der/Die Kammerad/Kammeradin führt ihr/sein Strahlrohr…. , dann hakt es bei mir aus. Das kann ich schlicht nicht mehr lesen und verstehen und es kostet somit zuviel Zeit. Wer wahrgenommen werden will kann unmöglich so schreiben wollen.

  7. @muermel | 26. Oktober 2017 – 17:00
    „Auch wenn sicher so manche „Genderei“ umständlich und verkomplizierend ist, der schlecht versteckte und zum Teil unverhohlene Sexismus einiger Aussagen hier zeigt doch deutlich, dass hier noch so manches dickes Brett (vor dem Kopf) zu bohren ist.“

    1. Ich habe meine Zweifel, ob gendern irgendetwas mit wahrer Gleichberechtigung der Geschlechter zu tun hat.
    2. Wo sehen Sie hier Sexismus in der Debatte? Vielleicht wollen Sie ihn ja auch nur sehen und interpretieren es fahrlässig in Sätze hinein, wo er in Wahrheit gar nicht ist?!

    Soviel zum Thema „andere haben ein Brett vor dem Kopf, aber ich sehe klar“…

  8. @muermel

    Vielen mir bekannten (und verwandten) weiblichen Soldaten ist eher das Gendern ein Ausdruck von Sexismus. Da muss ich Koffer ganz klar zustimmen, Gleichberechtigung muss das Ziel sein und genau das sehe ich durch die permanente Suche nach Unterscheidungsmerkmalen, im Besonderen in der Kommunikation, als eher gefährdet.
    Ist es denn auch sexistisch, dass es die Sonne aber der Mond heißt oder die Hölle aber der Garten Eden, wo soll das alles hinführen, liebe Blogger (m/w)?

  9. Ein Lösungsansatz könnte sein, analog der Einführung des Begriffs „Studierende“

    die Begriffe „Soldatische“ (statt SoldatInnen), „Feindliche“ (statt Feindinnen), „Maschinengewehrschießende“ (statt Schütze/in)

    einzuführen. Das ist zwar bis auf den Schießenden Pappkameraden sprachlicher Unfug, aber gendersensibel.

  10. Solange die Bundeswehr solche Studenten und Studentinnen als Nachwachsende hat braucht einer/einem um die Zukunft nicht bange zu sein.

    Wer in diesem Post versteckte Ironie findet, darf sie behalten.

  11. Also die sprachliche Modeerscheinung des Gendern ist zwar optisch störend aber sich nun daran so aufzuhängen wie es in diesem Thread mal wieder der Fall ist…oder mal provokativ ausgedrückt: Was macht Ihr eigentlich bei richtigen Problemen oder im Stress wenn gerade das Schlauchboot bei 2,5m Welle gekentert ist?
    Viel verstörender finde ich eigentlich die Zahl der Weisungen die bis zum Oktober ausgegeben wurden. 70? Echt jetzt? DAS ist für mich viel bedenklicher als dieser Krimskrams aus der Mottenkiste der Anpassung an jeden Trend aus sonstwo…

  12. @ Elahan

    Oder DER Panzer, DIE Bell UH-1D, DER Zerstörer, DIE Fregatte, DER Tornado… ;-)

    Und ist es der Gleichberchtigung wirklich zuträglich, daß Luftwaffe und Marine weiblich und Heer männlich sind…?

    Da steht es es ja quasi 2:1…

    Nicht zu verschweigen ist ja auch die Tatsache, daß DIE Bundeswehr ja auch schon immer weiblich war…

    Also wofür diese ganze Diskussion? Ich habe keine Ahnung.

    [Ok, Leute. Wenn die Debatte auf dieses Niveau abgleitet und behauptet wird, dass es „der Heer“ hieße, dann machen wir mal Schluss mit dem Zeug. T.W.]

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