Exercise Watch: Steadfast Noon – Atomkriegsübung (auch) in Deutschland (Update: Fotos))

Die NATO hat in dieser Woche ihre jährliche Atomwaffenübung Steadfast Noon begonnen, und wie in den Vorjahren merfach (zum Beispiel 2015) findet ein Teil der Übung auf der deutschen Luftwaffenbasis in Büchel in der Eifel statt, Stationierungsort des Taktischen Luftwaffengeschwaders 33. Wie üblich ist diese Übung von großer Geheimhaltung umgeben; eigentlich gibt es als Quelle dafür bislang nur einen Bericht des Wall Street Journal (weitgehend hinter Paywall):

NATO kicked off its annual nuclear exercise on Monday with drills in Germany and Belgium, as the alliance seeks to showcase its nuclear deterrent but avoid accusations of saber rattling.
The exercise, called „Steadfast Noon“, is taking place at two air bases where the U.S. stores nuclear weapons in Europe: Kleine Brogel in Belgium and Büchel in Germany.

Mehr Analyse dazu (wenn auch weiterhin mit dem WSJ als grundlegender Quelle) findet sich bei der Federation of American Scientists, mit zusätzlichen Informationen:

NATO reportedly has quietly started its annual Steadfast Noon nuclear strike exercise in Europe.
This is the exercise that practices NATO’s nuclear strike mission with dual-capable aircraft (DCA) and the B61 tactical nuclear bombs the US deploys in Europe.
In addition to nuclear-capable aircraft from Belgium, Germany, Italy and the Netherlands, local spotters have also seen Czech Gripens and Polish F-16s. The United States will likely also participate with either F-16s from Aviano AB in Italy or F-15Es from RAF Lakenheath in England.

Zum Hintergrund findet sich auch einiges auf der Technik-Webseite thedrive.com.

Dass in Büchel US-Atomwaffen lagern, wird zwar offiziell nie bestätigt, gilt aber als gesichert. Sie stehen unter Kontrolle der USA, die deutschen Tornado-Jagdbomber sind aber dafür vorgesehen und ausgerüstet (und die Besatzungen darauf trainiert), gegebenenfalls diese Waffen ins Ziel zu bringen – als Teil der so genannten Nuklearen Teilhabe Deutschlands.

Nachtrag: Ich bemühe mich weiter um Fotos; aus Kleine Brogel in Belgien gibt es bereits Videos:

… Update: Ein paar weitere Fotos aus Büchel (wie das ganz oben von der türkischen F-16):

(Fotos mit freundlicher Genehmigung von Thomas Leicht)

13 Kommentare zu „Exercise Watch: Steadfast Noon – Atomkriegsübung (auch) in Deutschland (Update: Fotos))“

  • klabautermann   |   18. Oktober 2017 - 14:30

    „……as the alliance seeks to showcase its nuclear deterrent but avoid accusations of saber rattling…….“
    Oh liebe Presse ;.) Dat ist schlicht und einfach Routine in Sachen Ausbildung und Überprüfung der techn-logistisch-operativen Funktionsabläufe an den beiden Standorten.
    Man muß nicht aus jeder Einsatzbereitschaftspflegefliege einen geopolitischen Elefanten machen.Visible Deterrence ist eben keine Demonstrative Deterrence als kurzzeitige Reaktion auf was auch immer. Solche Übungen sind lange geplant und vorbereitet, und ich bin mir ziemlich sicher, dass die Russen bestens informiert sind. Also bitte nicht aus Staedfast Noon 2017 ein Able Archer 20117 machen ;-)

  • Milliway   |   18. Oktober 2017 - 18:37

    Die Daten für exercise Steadfast Noon sind eigentlich schon etwas länger bekannt !
    ( 16.10 – 27.10 auf KB und Büchel )

    http://www.scramble.nl/sis-summary

    Selbst in Deutsch sprachigen Flugzeug Forum findet man Infos zu dieser Übung !

    https://www.flugzeugforum.de/threads/flugbetrieb-buechel-etsb-2017.87007/page-3

    [Ja, aber das widerspricht doch den Angaben oben nicht?
    Interessant übrigens: bei einem Eintrag im Flugzeugforum wird ausdrücklich eine türkische Maschine erwähnt. T.W.]

  • ONA   |   18. Oktober 2017 - 18:50

    @klabautermann

    Zustimmung im Prinzip. Es geht primär um die Überprüfung der Sicherheitsvorkehrungen, der Einsatzbereitschaft und der Zusammenarbeit zwischen den involvierten europäischen Geschwader und den in Europa stationierten US-AirForce Komponenten, die die US-Kontrolle über die US-Nuklearwaffen ausüben.
    ABER: Seit einigen Jahren ist zu beobachten, dass in diese Überprüfung mehr als ein Standort einbezogen wird. 2015 waren dies Büchel und Nörvenich, also ein Standort mit aktiver Nuklearaufgabe und einer, der an dem diese Aufgabe technisch noch reaktiviert werden kann. In diesem Jahr sind es den Meldungen zufolge zwei aktive Standorte (Büchel und Kleine Brogel). Leider fehlt in der Berichterstattung bisher ein entscheidendes Detail: Werden beide Plätze für Übungen mit DCA genutzt oder einer nur für Flugzeuge mit nicht-nuklearen Unterstützungsaufgaben (SNOWCAT). Wäre ersteres der Fall hätte dies einen gewissen politischen Signal- und Symbolcharakter gegenüber Moskau.

  • ONA   |   18. Oktober 2017 - 18:53

    Nachtrag:

    Nicht ganz uninteressant ist eine weitere Frage, auf die es noch keine Antwort gibt: Nehmen Türkische F-16 teil oder nicht?

  • Milliway   |   18. Oktober 2017 - 20:12

    @ ONA | 18. Oktober 2017 – 18:50

    „Werden beide Plätze für Übungen mit DCA genutzt…“

    Ja

    @ ONA | 18. Oktober 2017 – 18:53

    Nehmen Türkische F-16 teil oder nicht?

    Ja, die Türken sind in Büchel und nehmen mit der 88-0014, 91-0018 und 91-0022 F-16C/D, 192 Filo an der Übung teil. (Siehe Links im zweiten Beitrag)

    Eine Frage gibt es noch !

    Warum nimmt die Czech Air Force mit JAS-39C/D Gripen und die Polish Air Force mit Vipers ( F-16) teil ?

  • T.Wiegold   |   18. Oktober 2017 - 21:02

    Danke, da kommt ja doch einiges an Informationen zusammen…

    Falls hier jemand aus der Planespotter-Szene mitliest: Ich freue mich natürlich über Fotos von dieser Übung, die ich verwenden kann.

  • ONA   |   18. Oktober 2017 - 21:06

    @MIlliway

    Danke, hatte inzwischen auch Zeit zum Suchen und habe die Türken bzw. DCA auf beiden Plätzen gefunden.

    Offiziell handelt es sich eine Übung mit komplexen Szenarien. Dazu gehörte in den vergangen Jahren auch der Einsatz von Flugzeugen, die Abfangjäger, Begleitschutz oder Eloka-Maßnahmen simulieren.

    CZ und POL
    Das SNOWCAT Programm der NATO erlaubt zudem eine erweiterte Partizipation nicht-nuklearer NATO-Länder an der Aufgabe nuklearen Teilhabe, ohne dass diese Länder nukleare Träger stellen. GR und TR, die derzeit beide keine nuklearen Aufgaben aktiv in der Teilhabe wahrnehmen sowie POL und CZ können im Rahmen solcher Szenarien aktiv bei diesen Übungen mitwirken.
    Bei CZ kommt hinzu, dass die Gripen ziemlich gute Voraussetzungen dafür bietet „Agressor-Flugzeuge“ zu simulieren. Saab möchte sie der USAF in einer abgewandelten kostengünstigen Version in dieser Rolle nahebringen und verkaufen.

  • TOM   |   20. Oktober 2017 - 8:32

    Ich finde es nicht gerade zielführend Details solcher Übungen, vielleicht auch noch Einsatz- / Zielplanungen, Waffeneinstellungen u.ä., zu veröffentlichen. Da freuen sich doch einige, nur OSI betreiben zu müssen.

  • ONA   |   20. Oktober 2017 - 16:05

    @TOM
    alles, was in diesem Thread steht, IST open source, zumeist aus US-Quellen.

  • Milliway   |   21. Oktober 2017 - 1:27

    @ TOM | 20. Oktober 2017 – 8:32

    „Ich finde es nicht gerade zielführend Details solcher Übungen, vielleicht auch noch Einsatz- / Zielplanungen, Waffeneinstellungen u.ä., zu veröffentlichen“

    Natürlich sind auch Einsatz / Zielplanungen bekannt, da größtmögliche Transparenz immer Zielführend ist !
    Ich glaube um zu Verstehen sollten sie mal eine Übung wie Frisian Flag 2018 besuchen.

  • TOM   |   21. Oktober 2017 - 21:07

    @Milliway: 21. Oktober 2017 – 1:27

    Bzgl. der Transparenz zu diesen Themen werde ich meine Meinung ggf. nur dann ändern
    wenn es dafür vernünftige Argumente gibt. Ich war an solchen Übungen als LwOffz beteiligt, zu Zeiten als der Krieg kalt war und die nukleare Abschreckung den „Frieden“ zwischen ROT und BLAU unterstützte.
    Der Verrat von Verschlusssachen (wie jetzt mal wieder aus der NATO) erleichtert dem Gegner nun mal das Leben und im Zweifelsfall der eigenen Truppe den Tod.
    Was kann ich denn als Ü65er aus einer Übung wie Frisian Flag 2018 lernen / erkennen?

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   23. Oktober 2017 - 10:39

    USA planen nuklear bestückte B-52 wieder auf 24 Std standbye zu setzen, was erstmalig nach 1991 umgesetzt würde.
    Gem. Gen David Goldfein, Air Force chief of staff, ist der Befehl noch nicht ergangen, nötige Vorbereitungen zur Realisierung entsprechender Befehlsgebung liefen jedoch. Für ihn wäre dies ein zusätzliches Schaffen von Handlungsoptionen für den CiC im konkreten Fall.
    Die neuerliche Befähigung der B-52s steht (nicht nur) in Zusammenhang mit permanenter nordkoreanischer Unsicherheit, sondern auch wäre auch eine Reaktion auf den Fähigkeitszuwachs RUS Streitkräfte.
    http://www.defenseone.com/threats/2017/10/exclusive-us-preparing-put-nuclear-bombers-back-24-hour-alert/141957/?oref=d-topstory&utm_source=Sailthru&utm_medium=email&utm_campaign=EBB%2010.23.2017&utm_term=Editorial%20-%20Military%20-%20Early%20Bird%20Brief

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   25. Oktober 2017 - 17:33

    U.S. Air Force dementiert.
    Es werden lediglich Verbesserungen an Einrichtungen vorgenommen, die Änderungen im Bereitschaftsgrad unterstützen können, sollte das U.S. Strategic Command sich zu Änderungen bei den B-52s entschließen.
    : https://www.defensenews.com/air/2017/10/23/air-force-no-imminent-plans-to-put-b-52s-on-24-hour-alert/