DroneWatch: Die Eurodrohne wird eine Turboprop-Maschine

Die europäische Militär-Drohne, die Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien gemeinsam mit Luftfahrtunternehmen aus den vier Ländern entwickeln wollen, soll keinen Jetantrieb bekommen – sondern Turobprop-Triebwerke. Auf dieses grundsätzliche Design des unbemannten Flugsystems, das auch bewaffnet eingesetzt werden soll, verständigten sich die vier Nationen und die Industrie, wie die Rüstungsagentur OCCAR bereits Ende Juli mitgeteilt hatte:

After an intensive 10 months trade-off period, the European MALE RPAS (Medium Altitude Long Endurance Remotely Piloted Aircraft System) Co-Contracting Group (CCG) – Airbus Defence and Space, Dassault Aviation and Leonardo s.p.a. – provided a substantial set of data that allowed the Participating States (France, Germany, Italy and Spain) to agree on the basic remotely piloted aircraft (RPA) configuration and several main design drivers for the system.
The selected twin engine turbo-prop configuration will be the basis for further trade-off studies until the upcoming Systems Requirements Review (SRR). Under the lead of the OCCAR, the Participating States and CCG will prepare the development phase of a MALE-class RPA system during the year following the SRR.

Das ist eine gewisse Überraschung, wie auch das Fachblatt Jane’s anmerkt (durch dessen Bericht am heutigen Dienstag ich erst auf diese Information gestoßen bin): Das geplante neue unbemannte Flugsystem soll zwar ein MALE (Medium Altitude, Long Endurance) für mittlere Höhen und lange Ausdauer werden, vergleichbar den als Zwischenlösung genutzten Heron-Drohnen (Foto oben). Dennoch war die Erwartung gewesen, dass die Eurodrohne ein Strahltriebwerk bekommt, ähnlich wie die Versuchsdrohne Talarion von Airbus.

Zur Entwicklung des neuen Fluggeräts, das bis 2025 kommen soll, läuft zunächst eine zweijährige Studie. Dazu hatte das Verteidigungsministerium im Dezember 2015 unter anderem mitgeteilt:

Im Rahmen der zweijährigen Studie sollen vor allem die operationellen Forderungen der Nationen unter Kosten- und Risikogesichtspunkten untersucht werden. In einem weiteren Schritt der Studie wird dann durch die Auftragnehmer Airbus Defence and Space, Dassault Aviation und Finmeccanica ein Systemdesign entwickelt, das die Grundlage für eine mögliche Entwicklungs- und Beschaffungsentscheidung bildet.Durch dieses Vorgehen, werden die solchen Entwicklungsvorhaben anhaftenden Risiken reduziert. Eine Eigenentwicklung hat zudem den Vorteil, dass Frankreich, Italien, Deutschland und Spanien vollen statt nur begrenzten Zugriff auf die Aufklärungstechnik hätten.
Bei einer positiven Entwicklungsentscheidung könnten die ersten Systeme 2025 ausgeliefert werden. Die Hauptaufgabe des Remotely Piloted Aircraft System wird die Aufklärung und Überwachung in zukünftigen Einsatzgebieten werden – auch mit der Möglichkeit, zur Unterstützung der Truppen am Boden Waffen einzusetzen.

(Archivbild Juli 2016: Das Aufklärungssystem Heron 1 steht für den nächsten Ausbildungsflug in Israel bereit – Bundeswehr/Susanne Hähnel)

 

 

30 Kommentare zu „DroneWatch: Die Eurodrohne wird eine Turboprop-Maschine“

  • Chris   |   01. August 2017 - 21:44

    Was ist denn mit dem Projekt NATO AGS auf Sigonella? Sollen diese Drohnen Teil des Projekts werden?

  • T.Wiegold   |   01. August 2017 - 21:59

    @Chris

    AGS sind keine MALE.

    /edit: Stelle gerade fest, dass Ihre Kommentare bisher schon immer nur aus der Frage bestehen: Was ist mit AGS? Nicht besonders zielführend.

  • CRM-Moderator   |   02. August 2017 - 0:31

    MALE bekommt einen Turboprop.

    Echt total überraschend.

    Das Gras ist grün.
    Der Himmel blau.
    Wow.
    So viel Erkenntnis.

    P.S.: Wer hat denn ein Strahltriebwerk erwartet? Jane´s?

  • Stabstäter   |   02. August 2017 - 2:50

    Na das klingt doch mal nach einem sehr logischen Ansatz. Strahltriebwerke für MALE habe ich noch nie so recht nachvollziehen können und sind ja auch nicht wirklich üblich. Die bewusste Abgrenzung zu Talarion, was auch nicht gerade geringfügige Designmängel hatte, macht Mut…

  • politisch inkorrekt   |   02. August 2017 - 3:44

    Ist für mich nur ein weiterer Beweis der Industriesubvention. Wenn die beteiligten Staaten ernsthaft im dann beginnenden 4. Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts etwas einführen, was technologisch bereits heute marktverfügbar ist, dann brauchen sie sich an anderer Stelle nicht über strategische Unabhängigkeit unterhalten.

    Damit werden nur die Kosten für R&D zur Integration von UAS in den zivilen Luftraum auf den Steuerzahler abgewälzt. Fernziel: unbemannte Frachtflieger.

    pi

  • Manu   |   02. August 2017 - 6:57

    Sind an dieser Studie aktive Heron-Operateure, die im Saft stecken, beteiligt? Sie könnten einen entscheidenden Beitrag leisten.

  • T.Wiegold   |   02. August 2017 - 7:19

    @CRM-Moderator

    Wow. Ein so intellektuell hochstehender Kommentar, wie man ihn gar nicht gewohnt ist.

  • huey   |   02. August 2017 - 7:33

    Warum versucht man erneut, ein europäisches Entwicklungskonstrukt anzustossen, wenn es schon genug marktverfügbares gibt?

    Und ich rede nicht von den amerikanischen oder israelischen Produkten…..alleine die DA42 gibt es schon als Drone mit bis zu 28 Stunden „Endurance“.

  • ini   |   02. August 2017 - 7:35

    Meines Wissens nach fordert DEU zwei Triebwerke aus zulassungstechnischen Gründen. Weiß da jemand mehr? Ein zweites Triebwerk wird sich nicht positiv auf Gewicht und Endurance auswirken.

    „Bei einer positiven Entwicklungsentscheidung könnten die ersten Systeme 2025 ausgeliefert werden.“ Halte ich für ein Gerücht. Alleine der Streit um die Bewaffnung wird das Projekt erheblich verzögern.

  • Zimdarsen   |   02. August 2017 - 8:24

    In der Logik der europäischen militärischen Entwicklungen macht dies durchaus Sinn.
    Die europäische Triebwerksindustrie hat kein Turboprop in dieser Klasse in nennenswerter Zahl auf dem Markt und da dies ein Zukunftsmarkt ist, lässt man sich die Entwicklung bezahlen.

    Ausgangsprodukt könnt zB das MTR 390 sein oder von Turbomeca das Arrius.

  • Zimdarsen   |   02. August 2017 - 9:42

    Oder es wird ein Turboprob als Hybridausführung.

    „The E-Fan program is an expandable platform that leads to its Airbus larger program, the Distributed Electrical Aerospace Propulsion Project (DEAP Project). The program is part of Airbus’ E-Thrust Concept, which is being developed in conjunction with Rolls-Royce. The Airbus Group Innovations will take lead on the project, designing the electrical system and optimizing the integration of the propulsion system while Rolls-Royce develops an electrical system propulsion plant to build the new engines.“

    ….wir wissen es nicht ;-)

  • Micha   |   02. August 2017 - 12:12

    Die Props sind recht weit entwickelt und man kann sie leicht warten. Für eine Mediumdrohne ist das gut. Bleibt die Frage, wieviel Sigint bzw Waffen man mitführen möchte, also welche Größe der Motor haben muss.

    Die Industrie soll sich ranhalten. Je eher man fertig wird, desto günstiger die Entwicklung desto mehr kann man absetzen desto mehr könnten beschafft werden.

    Fehler in der Logik?

  • Manu   |   02. August 2017 - 12:43

    Ich frage mich bei dieser Art von Diskussion immer ob wir hier über einen Turboprobability oder Turbopropan-Antrieb reden.
    Letzterer hätte den entscheidenden Vorteil, dass man aufgrund einer Eigenentwicklung wichtige Kompetenzen in Europa halten könnte.

  • Dante   |   02. August 2017 - 15:25

    mich würde ja mal der millitärpolitische und strategische Ansatz bei dieser ganzen Drohnendebatte interessieren. Den ost-west Konflikt gibt es in der Form nicht mehr und Deu mit einer ausdehnung von ca 800 *600 Km kann auf sich selber aufpassen.

  • Max Chavez   |   02. August 2017 - 15:32

    2025 exakt 30 Jahre nach dem Erstflug der Predator. Man da ziehen wir ja gut nach. Im BMVg muss die Freude noch so Groß sein, da man gerade erst den Vorderlader abgeschafft hat……

  • K.B.   |   02. August 2017 - 16:54

    @CRM-Moderator:
    Ich find` Ihren Kommentar gut.

    @Zimdarsen:
    Mein erstes Lachen blieb mir im Halse stecken. TP400 2.0. :-(
    Aber wahrscheinlich haben Sie recht. Auf diese Idee der Wirtschaftsförderung wäre ich gar nicht gekommen.

    @Manu:
    Wenn wir wichtige Kompetenzen in Europa halten wollen, können wir Forschungs- oder Wirtschaftsförderung betreiben. Ich erkenne keine militärische Notwendigkeit für eine Triebwerksneuentwicklung.

    @alle (u.a. Hausherr):
    Gibt es von der OCCAR (oder woanders her) schon mehr Informationen?
    Immerhin geht es ja um ein „substantial set of data that allowed the Participating States (France, Germany, Italy and Spain) to agree on the basic remotely piloted aircraft (RPA) configuration and several main design drivers for the system.“

    @Aussage des BMVg:
    „Eine Eigenentwicklung hat zudem den Vorteil, dass Frankreich, Italien, Deutschland und Spanien vollen statt nur begrenzten Zugriff auf die Aufklärungstechnik hätten.“
    War 2015 falsch und ist es heute immer noch. Was hat das RPA mit der Aufklärungstechnik zu tun?

    @Grundlegendes Vorgehen:
    Ich wiederhole mich gerne, aber wir laufen – mal wieder – in ein principal-agent-Problem rein. Welchen Anreiz haben die beteiligten Firmen schnell und kostengünstig ein einsatzfähiges Produkt zu liefern? Man könnte sich ja für einen commercial approach mit Festpreisvertrag entscheiden. ;-)
    Wie huey schreibt, gibt es schon was fertiges europäisches. Und wenn wir noch ein wenig länger warten mit RS310 oder RS320 von RS-UAS sogar was deutsches.
    Wie sähe ein zielführenderer Ansatz aus?
    Es würden max. drei Bewerber eine feste Summe für einen Demonstrator bekommen. Dann haben diese max. 24 Monate Zeit, etwas zusammenzubasteln und anschließend wird geschaut, wer den Produktionsauftrag bekommt. Nur schade, dass das europäische Konsortium da nicht mithalten kann. Während RS-UAS innerhalb von 18 Monaten einen fertigen Prototypen in die Luft bringt, brauchen die vier großen europäischen Konzerne die Hälfte der Zeit, um sich auf ein grundlegendes Konzept zu einigen.

  • Manu   |   02. August 2017 - 17:57

    Unser Staat und unsere Regierung wissen doch gar nicht, was sie wollen.
    Wir haben ein sehr gutes Aufklärungssystem bereits am Laufen, ein schnell verfügbarer und noch besser funktionierender Nachfolger mit dem Heron Tp ist wegen seiner durchschlagenden Kraft nicht gewollt.
    Nun redet man über eine europäische Eigenentwicklung und will das Rad komplett neu erfinden und zwar mit dem Argument „seine eigene Suppe im Geheimen kochen zu können, ohne sich von den Amerikanern oder Israelis in die Karten gucken lassen zu können“. Das ist wirklich lächerlich. Worüber reden wir denn hier genau? Über die Aufklärungsdaten an sich? Über Flugsteuerung?
    Soll ich euch mal was sagen Leute: Wir kochen überhaupt keine Suppe! Da ist absolut nix! Das interessiert niemanden. Es geht um reine Industriesubventionierung und Verschleppung von militärischen Forderungen, sonst nix!

  • Alex   |   02. August 2017 - 18:46

    Man nimmt das FLIR von einem Eurocopter, benötigt zwei Triebwerke, die Drohnen-Konstruktion ist relativ simpel, Automation (Software) und Datenübertragung dürften den meisten Aufwand erfordern, wobei die drei Konzerne wohl auch Erfahrung bei verschlüsselter und störsicherer Übertragung haben dürften.
    Soll die Software nun sieben Jahre in Anspruch nehmen?

  • arminius   |   02. August 2017 - 20:42

    3 Zulieferer? So funktioniert das in Russland und USA.

    Gebt einem Hobbymodellfliegerverein eine halbe Million und lasst diesen das entwickeln.
    Ich sah eine Fernseh-Doku, in der die Bundeswehr am Polarkreis eine E-Drohne testete und mit Erschrecken feststellte, dass die Lithium-Zellen dort nicht richtig funktionieren.
    Das ist der Unterschied in D zwischen Hobbymodellfliegern und Profis:
    Bei den Hobbyleuten ist es das Erste, was man als Nachteil des E-Antriebs erzählt bekommt: Bei Kälte Akkus isolieren.
    Die das nicht wissen und nicht fragen: „Profis“.

    RS-UAS ist Stemme: Da sind wir uns einig: Diese wissen so etwas auch.
    Grob- Sind sie aus der Inso raus?

  • Sascha   |   02. August 2017 - 21:15

    Es bleibt zu hoffen, dass man aus dem unfassbaren Workshare des Eurofighter Projektes gelernt hat, und die Aufteilung in den anstehenden Projekten, sowie in diesem, sinnvoller durchführt.
    @Alex: Ich stimme zu. Das einzige was ernsthaft „neue Technologie“ ist, ist eine beim LufABw zulassbare Flugsteuerung.

  • arminius   |   02. August 2017 - 22:20

    @Alex
    Grau ist jede Theorie. Das Problem stellt nicht das Konzept dar, sondern die Umsetzung.
    Bei einem großen deutschen Luftfahrtunternehmen in Süddeutschland wurden die Tragfläche einer Prototypen-Drohne zu früh entformt. Hat mir jemand gesteckt.
    Das Ding hätte ausgesehen wie ein Korkenzieher. Er war Flugmodellbauer und hatte genau diese Woche Urlaub.

    Jeder UL-Hersteller (Pipistrel etc.) im „billigen“ Osten kennt die Grundlagen. Die Schweizer auch. Grob, Stemme und Schleicher ebenfalls.
    Beim EF werden 40 mm UD-Carbon der Tragfläche genietet! Ich sah als Student vor 35 Jahren die Vorversuche bei der IABG München. Damals war das etwas Tolles. Gebe ich zu. Heute rolle ich darüber mit den Augen.

    Das ist fehlendes Grundlagenwissen. Und wenn dann schon einer mit einer „neuen Technologie“ anfängt. Kohlefasern sind mittlerweile Standard. 20% aller Fahrräder haben eine Kohlefaserrahmen. Hat da jemand schon einmal eine Niete gesehen? Hier gab es auch Fehler. Diese waren nach spätestens 2 Jahren ausgemerzt.

    Luftfahrtzugelassene Software- Hmm.
    Ich empfehle, diesbezüglich Piloten zu fragen, die auf den entsprechenden Mustern ihren Dienst tun.
    Welche Zulassungsverordnungen gibt es diesbezüglich überhaupt bei Drohnen?
    Die Selbe Frage wie bei autarken KFZ. Wie sieht es mit der Haftung aus?

  • Sascha   |   02. August 2017 - 22:43

    Gerade weil es an Vorschriften und Beispielen Mangelt, ist das LufABw die größte Herausforderung. Hierbei geht es nicht nur um Software , sondern im Besonderen um auch die Ausfalkwahrscheinlichkeit der für die Flugführung genutzen Sensoren.

  • Quino   |   03. August 2017 - 10:07

    K.B. | 02. August 2017 – 16:54
    Es würden max. drei Bewerber eine feste Summe für einen Demonstrator bekommen. Dann haben diese max. 24 Monate Zeit, etwas zusammenzubasteln und anschließend wird geschaut, wer den Produktionsauftrag bekommt.

    Das hat bei LUNA schon nicht funktioniert. Die „Gründe“ dafür sind bekannt.

  • FlaOffz   |   03. August 2017 - 21:38

    Turboprob!
    Stealth?
    Überlebens- und Durchsetzungsfähigkeit im „contested airspace“?

    Ab 2025 (FOC dann wohl 2035) die Drohne für zukünftige Einsätze (die Israelis und Amerikaner seit Jahren fliegen) mit (begrenzten) Fähigkeiten ausreichend für den letzten Einsatz.

    Airbus wird’s freuen…

  • Quino   |   04. August 2017 - 11:40

    arminius | 02. August 2017 – 20:42
    ich sah eine Fernseh-Doku, in der die Bundeswehr am Polarkreis eine E-Drohne ….

    Polarlichter stören die Drohnen bei der Dienstreise sicherlich auch.

  • F   |   04. August 2017 - 22:02

    @arminius:
    Ein Besuch bei der IABG ist bestimmt interessant und löblich. Warum man über Nietverbindungen in CFK Flügeln mit den Augen rollen muss, verstehe ich allerdings nicht.

    Welche Alternative käme denn außer dem Nieten in Frage? Klar, das Kleben steht in jedem Handbuch zur fasergerechten Gestaltung, natürlich am besten mit einer geschäfteten Klebfläche, etc. Oder besser noch, gleich integrale Bauteile herstellen, schließlich hat man mit CFK ja gute Möglichkeiten und kein Problem mit Rissfortschritt der eine differentielle Bauweise rechtfertigen würde. Soweit die Theorie, die man aus den Büchern erfährt, oder mit ihren Worten „Grundlagenwissen“.

    Nun ist ein Flugzeug aber weder ein Auto noch ein Fahrrad. Wenn der CFK Rahmen des 2000€ Mountain-Bikes einen Knacks kriegt… naja, dann hat er eben einen Knacks und im schlimmsten Fall fällt man dabei auf die Nase. Und beim Auto fällt mir auf Anhieb auch kein Beispiel ein, bei dem das Fahrgestell aus CFK wäre und nicht nur die Karosserie (die für die Crashsicherheit relevant sein mag, aber weniger für die Fahrsicherheit). Bei einem Flugzeug bildet das CFK – wie von ihnen schon richtig beschrieben aus UD-Lagen und nicht aus dicken/schweren Geweben wie im Kfz oder Fahrradbau – die tragende Struktur. Daher gibt es strenge Zulassungsvorschriften für Luftfahrzeuge, die eine Ausfallwahrscheinlichkeit von weniger als 10 hoch -9 fordern und deshalb ist das Kleben von lasttragender Struktur nicht gerne gesehen (mit Ausnahme von zwei Bauteilen die im Autoklav „verklebt“ bzw. dann ja eher verbacken werden). Inzwischen mag es Ausnahmen geben, bspw. geklebte Reperatur Patches, aber generell bekommen sie Verklebungen nicht zertifiziert, da sie mit nichtzerstörenden Prüfverfahren nicht mit Sicherheit sagen können, ob die Klebung funktioniert oder nicht. Noch dazu sind Klebungen vor allem auf Schub belastbar, bei „out of plane“ Belastungen, ziehen sich die Klebung im schlimmsten Fall ab wie ein Tesa Film von der Rolle. Und bei dünnwandigen Strukturen unter Biegung oder bei Druck-/Schubbeulen sind solche Belastungen nicht zu vernachlässigen – auch dort helfen „state-of-the-art“ nur Niete.

    Manchmal sind die Dinge eben doch komplexer als sie im Grundlagenwissen dargestellt werden. Und auch deshalb würde ein Hobbymodellfliegerverein oder eine Truppe aus Internet-Experten ziemlich schnell auf dem Boden der Tatsachen landen. Es gibt eben einen Unterschied zwischen Theorie/Hobby und realen Anwendungen. Und auch wenn ich weder die Doku, noch den dortigen konkreten Fall mit den Akkus kenne, würde ich tippen, dass es auch dafür Gründe gab (Temperaturen in der Anforderungsliste, Gewichtsbeschränkungen,…?), bevor ich sofort auf eine falsche Auslegung schließe (welche natürlich auch bei Leuten vom Fach nicht/nie ausgeschlossen ist).

  • Fgraf   |   06. August 2017 - 11:58

    Milestone eingehalten, nachvollziebare Entscheidung über den Antrieb getroffen. Aus meiner Sicht gibt es da erstmal nichts zu meckern.
    Ich glaube auch nicht das die Strucktur oder der Antrieb die Herausforderung sind. Entscheident und innovativ sind die Punkte, Sens and avoid, Missionsplanung und Datenverbindung. Gerade bei ersterem haben die anderen keine Jahrzenhnte Vorsprung.

    Klar man hätte das Projekt auch vor 5 Jahren starten können/sollen, aber dann hätte man wieder die alten Struckturen mit den vielen Köchen gehat. Hier wird erstmals der Ansatz einer Führungsnation bei der Entwicklung gewählt. Das ist aus meiner Sicht das spannendste an dem Projekt.

    —-

    Im Juli fand auch der Erstflug des Airbus-Demonstrators Sagitta in Südafrika statt. Ich dachte schon das Projekt wurde heimlich beerdigt.

  • CRM-Moderator   |   08. August 2017 - 19:44

    @K.B.:
    Danke!

    Wer Anno 2017 mit der bahnbrechenden Erkenntnis aufwartet, dass bei einem

    Medium
    Altitude
    Long
    Endurance

    UAS kein Jetantrieb das Mittel der Wahl sein wird, der bekommt leider nur einen intellektuell hochstehenden Kommemtar von mir.
    Die Message kam rüber. Da freu‘ ich mich.
    Es gilt der Empfängerhorizont.

  • Georg   |   08. August 2017 - 20:53

    @ K.B.

    Zitat: „Ich wiederhole mich gerne, aber wir laufen – mal wieder – in ein principal-agent-Problem rein. Welchen Anreiz haben die beteiligten Firmen schnell und kostengünstig ein einsatzfähiges Produkt zu liefern?“

    Es ist zwar schon zigmal geschrieben worden, aber es geht nur um einen Entwicklungsauftrag für eine MALE-Drohne aber nicht um deren Produktion.

    Airbus ist voll und ganz zufrieden, wenn die beteiligten Regierungen die Entwicklung der Systeme, insbensonders des „autonomen Sense and Avoid – Systems“ finanzieren. Dies ist neben der autonomen Flugsteuerung die Kernanwendung für pilotenlose Frachtflugzeuge. Wer von den beiden Konkurrenten Airbus und Boing im weltweiten Wettbewerb als erster mit einem pilotenlosen Frachtflugzeug auf den Markt kommt (ca. 2030 – 2040), der hat das große Los gezogen. Dies wollen sich beide Wettbewerber von den jeweiligen Staatshaushalten mit finnanzieren lassen.

    Ob dann hinterher überhaupt Drohnen produziert werden und wenn ja welche (bewaffnete oder unbewaffnete) ist völlig offen und für Airbus weit weniger wichtig als die Entwicklung der Technologie.

  • K.B.   |   09. August 2017 - 11:59

    @Quino | 03. August 2017 – 10:07

    „Das hat bei LUNA schon nicht funktioniert. Die „Gründe“ dafür sind bekannt.“

    LUNA-Beschaffung war leider vor meiner Zeit. Auch wenn ich ahne, worauf Sie hinauswollen, können Sie Ihre Aussage kurz erläutern?

    Die zentrale Frage bleibt: Wie umgeht man, dass bei einem multinationalen Auswahlverfahren entweder der nationale Anbieter zum Zuge kommt, oder der Staat mit dem unterlegenen Anbieter sich aus dem Auswahlverfahren zurückzieht?

    Zwei Ansätze:
    1. Es müssen multinationale Konsortien gegeneinander antreten, so dass unabhängig von der Auswahlentscheidung möglichst viele Staaten Anteile an der Produktion haben.
    Und wenn am Ende noch 2 von 4 Staaten übrig bleiben, ist das immer noch besser als nichts.
    2. Es wird über eine EU-Vereinbarung ein Bonus-/Malussystem für im EU-Ausland gekaufte MOTS-Produkte geschaffen.
    D.h. die Staaten verpflichten sich mind. XX % ihrer Beschaffungen im EU-Ausland zu tätigen und bekommen darauf dann eine Prämie bzw. einen Abzug.
    Dann verringert sich vielleicht der Drang, alles selbst zu machen bzw. auf Beteiligung der eigenen Industrie zu bestehen.
    Und es verringert sich hoffentlich die Neigung bei MOTS-Beschaffungen in den USA einzukaufen.

    Klar könnte man auch einfach die Einführung der Marktwirtschaft fordern, aber das geht an den politischen Realitäten vorbei.

    @Georg | 08. August 2017 – 20:53

    Da bin ich ganz bei Ihnen – oder neudeutsch FACK.

    Zu einem Problem wird es dann, wenn
    a) die Überbrückungslösungen in zu geringer Stückzahl und mit zu wenig Personal geplant werden,
    b) die Überbrückungslösungen ausgephast werden, obwohl die neuen Produkte noch gar nicht einsatzbereit sind und
    c) die für die MALE-UAV-Entwicklung eingesetzten finanziellen Mittel fehlen, um militärisch durchsetzungsfähige UCAV zu beschaffen. Frei nach dem Motto „Ihr habt doch jetzt euer neues Spielzeug, warum muss es noch ´ne Drohne sein?“