Auf den letzten Metern: Stotternde Rüstungsbeschaffung (m. Nachtrag)

Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte sich für den heutigen Mittwoch eine lange Liste an Rüstungsprojekten vorgenommen, die vor der parlamentarischen Sommerpause und damit vor der Bundestagswahl beschlossen werden sollten. Dieser Endspurt ist allerdings ein wenig ins Stottern gekommen: Nach dem vorläufigen Stand am Mittwochvormittag wurden einige Projekte abgesetzt und auf den 28. Juni verschoben, die wirklich letzte Möglichkeit vor der Sommerpause.

Bereits am Vortag war bekannt geworden, dass sich bei der geplanten Beschlussfassung über das Leasing bewaffneter Drohnen neue rechtliche, aber auch politische Probleme abzeichnen. Dass dieser Punkt von der Tagesordnung des Ausschusses genommen werden würde, war deshalb absehbar. Allerdings wurde damit auch die nicht unmittelbar verbundene Verlängerung des Leasingvertrages für die bereits vorhandenen Heron1-Drohnen ebenfalls verschoben.

Recht überraschend wurden jedoch noch weitere Projekte vorerst abgesetzt:

• Einstieg in den digitalen Funk: Die Beschaffung erster Geräte der streitkräftegemeinsamen verbundfähige Funkausstattung (SvFuA), praktisch der Start des Programms Mobile Taktische Kommunikation (MoTaKo)  wird verschoben – im Beschluss des Haushaltsausschusses soll sichergestellt werden, dass die so genannte Wellenform des Digitalfunks zwar vom deutschen Hersteller Rohde&Schwarz entwickelt, aber dafür auch Hardware anderer Anbieter genutzt werden kann. Der Bundesrechnungshof hatte zuvor die Befürchtung geäußert, dass sonst bei der Beschaffung der Geräte kein Wettbewerb möglich wäre.

Nachtrag: Dazu gibt es eine aktuelle Aussage von Rohde&Schwarz:

Dieser Punkt konnte mittlerweile ausgeräumt werden. Eine Nutzung der im Rahmen von MoTaKo SVFuA von Rohde&Schwarz zu beschaffenden HDR-Wellenformfamilie auf anderen Geräten wird ermöglicht.

• Einsatzsichernde Maßnahmen A400M: Die verschiedenen Beschaffungsprojekte für das Transportflugzeug sollen auf mehrere Vorlagen aufgeteilt werden; insbesondere die zeitlich begrenzte Bestellmöglichkeit für neue Triebwerke soll gesondert aufgeführt werden.

• Munition DM11 für den Kampfpanzer Leopard (warum das geschoben wird, habe ich noch nicht verstanden)

• Schützenpanzer Puma: Von den insgesamt vier Projekten wird die Integration der Turmunabhängigen Sekundärwaffenanlage zunächst herausgenommen (auch da ist mir der Grund noch nicht ganz klar).

Allerdings: Genaueres wissen wir erst, wenn der Haushaltsausschuss getagt hat, also irgendwann am Nachmittag.

(Archivbild: Kampfpanzer Leopard im scharfen Schuss bei der Informationslehrübung 2010 – Bundeswehr/Miriam Langner)

Ausrüstung und so · 11:55h ·  

38 Kommentare zu „Auf den letzten Metern: Stotternde Rüstungsbeschaffung (m. Nachtrag)“

  • Klauspeterkaikowsky   |   21. Juni 2017 - 12:01

    Bei der Turmunabhängigen Sekundärwaffenanlage, SPz PUMA, kann der Massezuwachs von Belang sein: Luftverladefähigkeit A400 in Schutzstufe A, obwohl dies nicht ausschlaggebend sein darf.

  • klabautermann   |   21. Juni 2017 - 12:36

    Lol….der Bundesrechnungshof möchte also von R&S, dass diese Firma ihren vom BSI zertifizierten „Digitalfunk-Quelltext“ quasi als „Open Source“ anderen „Anbietern“ zVfg stellt ?
    Ich schmeiß mich weg – das ist ja „Analog-Kameralistischer Wettbewerbs-Fetischismus“ – wenn andere Hardware-Anbieter bieten wollen, dann müssen sie eben bei R&S OEM-Lizenzgebühren entrichten für deren Digitalfunk-Software (ohne Quelltext) – so einfach ist das. Dann verdienen die eben nur an ihrer Hardware. Falls sich das nicht rechnet für andere Anbieter, dann sollen sie es halt bleiben lassen mit dem „Anbieten“.
    Der BSR lost im „Neuland“ ;-)

  • T.Wiegold   |   21. Juni 2017 - 12:39

    tagesschau.de hat einen Überblick über die div. BRH-Bedenken:

    http://www.tagesschau.de/inland/bundeswehr-ruestungspolitik-101.html

  • chris   |   21. Juni 2017 - 12:51

    @Klauspeterkaikowsky

    Eher nicht da man den SPz ja ohnehin bis zur nicht Einsetzbarkeit abrüsten muss damit die Luftverladefähigkeit gegeben ist also dann auch ohne Turmunabhängigen Sekundärwaffenanlage.

  • Hans Schommer   |   21. Juni 2017 - 12:57

    TW im Bericht:
    „• Munition DM11 für den Kampfpanzer Leopard (warum das geschoben wird, habe ich noch nicht verstanden)“
    Kaum zu glauben. Nachdem nun der Gesamtbereich Fliegerabwehr mit FLW und PUMA gefloppt ist, wird die DM11 geschoben. Das einzige, im Heer in der Beschaffung befindliche, hochwirksame Mittel zur KHS-Bekämpfung. Bleiben die Hosen also weiter unten.
    Hans Schommer

  • blauqualm   |   21. Juni 2017 - 13:19

    Eine Frage an den maritimen Teil der Kommunity: Wie ist eigentlich der Sachstand beim Thema Drohnen für die Korvetten K 130? Vielen Dank.

  • freisprech.   |   21. Juni 2017 - 13:29

    @Hans Schommer
    Ich denke, dass das Argument des Bekämpfens von Kampfhubschraubern für die Entscheidungsriege keine ist. Luftüberlegenheit kann theoretisch die Luftwaffe herstellen, die wahrscheinlich auch vollumfänglich operieren würde, wenn das Heer sich einem Feind mit KHS gegenübersieht.

    Ansonsten verlässt man sich ja auf multinationale Elemente, notfalls übernehmen halt die Rumänen, oder wer auch immer, die Luftabwehr.

    Wenn alles nichts hilft, dann wird halt Fliegerabwehrbereitschaft am MG3 hergestellt. Ich kann das Kopfschütteln aber verstehen, wenn man bedenkt, dass das Deutsche Heer keine Mittel zur Bekämpfung von KHS mehr hat.

  • wildcat   |   21. Juni 2017 - 13:36

    Aus einem Kampfpanzer mit DM-11 auf Hubschrauber zu schießen und zu treffen erscheint mir einigermaßen unrealistisch.
    DM-11 ist eine Airburst-Munition für den Kampf im urbanen Terrain und zur Bekämpfung von Gegnern hinter Mauern, Erdwällen etc.
    Ein Hubschrauber ist doch schon lange verschwunden, bis die DM11 in seiner Nähe ist.

  • ha   |   21. Juni 2017 - 13:42

    vielleicht sollte man im Ministerium nicht weiter auf McKinsey setzen, sondern die guten Beziehungen zu Israel nutzen und dort Fachkompetenz von Aussen einkaufen.

    Wenn man die Zahlen und die Leistungsfähigkeiten beider Länder vergleicht, könnte es da einiges zu lernen geben…

  • freisprech.   |   21. Juni 2017 - 13:43

    Panzerbesatzungen werden in Simulatoren teilweise darin trainiert Hubschrauber im langsamen Tief- oder Schwebeflug zu bekämpfen. Da der Leo auch etwas weiter schießen kann als ein Steinwurf, ist es vor allem mit Hinblick auf HE-Munition schon möglich KHS damit zu bekämpfen.

    Das als Grundlage für die Luftabwehr-Fähigkeit des Heeres herzunehmen wäre aber doch zuviel des Guten.

  • T.Wiegold   |   21. Juni 2017 - 13:50

    Ich verstehe schon das Interesse Einiger an der bodengebundenen Flugabwehr des Heeres; im Zusammenhang mit der jetzt debattierten Munitionsbeschaffung für den Leo ist es aber dennoch ziemlich OT.

  • klabautermann   |   21. Juni 2017 - 13:59

    Ach, hier wird halt gerade alles herausgenommen, womit man gegen gedeckte/nicht kategorisier-, diskriminierbare „Weichziele“ auf den Gefechtsfeldern in „Stadt und Land“ wirken kann – Kunduz-Trauma des BT.
    Außerdem braucht man natürlich in den letzten Vorwahlskampfsitzungen auch „Streichmasse“ für die Haushälter. Ganz großes, öffentlich-rechtliches Kino mit running gags wie „fairer Wettbewerb“.
    Bin gespannt ob der HIL-Brocken auch zerbröselt wird.

  • Grashüpfer   |   21. Juni 2017 - 14:19

    In meinen Augen wird das Instrument der 25Mio-Vorlage im Vorwahlkampf als Verhandlungsmasse missbraucht. Sachlich-rational lassen sich diese Vorgänge nicht diskutieren.

    Beste Grüße
    Grashüpfer

  • Bürger   |   21. Juni 2017 - 14:24

    Allgemeiner Hinweis: UvdL wird heute Abend in der Sendung „Farbe bekennen“ (ARD, 22:00 Uhr) zu Gast sein. Geplante Themen sind Incirlik, Pfullendorf, Franco A. und die o. g. Rüstungsprojekte.

  • Blackbox   |   21. Juni 2017 - 14:30

    @Hausherr

    Können Sie zu den einzelnen Vorhaben jeweils das Startjahr der Beschaffungsbemühungen nachtragen? Nur falls ohne großen Aufwand möglich ..

    Das wären sicher einige prächtige Kirschen auf den Sahnehäubchen der Beschaffungs-Torte…

    [Bitte um Verständnis: Ohne gewissen Aufwand, den ich im Moment nicht hinbekomme, leider nicht. T.W.]

  • Voodoo   |   21. Juni 2017 - 14:31

    wildcat | 21. Juni 2017 – 13:36

    Aus einem Kampfpanzer mit DM-11 auf Hubschrauber zu schießen und zu treffen erscheint mir einigermaßen unrealistisch.
    DM-11 ist eine Airburst-Munition für den Kampf im urbanen Terrain und zur Bekämpfung von Gegnern hinter Mauern, Erdwällen etc.
    Ein Hubschrauber ist doch schon lange verschwunden, bis die DM11 in seiner Nähe ist.

    Kann ein Hubschrauber schneller als 1100 m/s fliegen? Nein. Besatzungen sind darauf trainiert, diese Ziele auch im Flug zu bekämpfen, sofern sie denn aufgeklärt werden.

    In Zeiten von Panzerabwehrlenkflugkörpern mit LOAL-Fähigkeit ( Lock-on after launch) und Reichweiten von bis zu 10 km wird man einen PAH aber kaum mehr sehen, bevor es zu spät ist. Das ist den Besatzungen allerdings auch klar – weswegen aktive Schutzmaßnahmen gegen LFK immens wichtig geworden sind…

    Btt:
    Ggf. verursacht die Tempierung der DM11 noch Probleme, zumal sie ohne Umrüstung an den Fz ohenhin nicht verschossen werden kann. Da könnte der Hase im Pfeffer liegen: Wenn ich weiß, dass die zusätzlichen Leoparden ohnehin erst (viel) später kommen, könnte man die DM11 als neue MunSorte auch schieben… ;-) Nachtigall ick hör dir trapsen?

  • T.Wiegold   |   21. Juni 2017 - 14:37

    Haben wir das Thema „Mit dem Leo Hubschrauber und Flugzeuge abschießen“ jetzt bitte erschöpfend geklärt? Nein, die Munitionsbeschaffung ist sicherlich nicht deswegen geschoben worden, um dem Heer jegliche Flugabwehr zu nehmen. Danke.

  • Koffer   |   21. Juni 2017 - 16:10

    @ha | 21. Juni 2017 – 13:42
    „vielleicht sollte man im Ministerium nicht weiter auf McKinsey setzen, sondern die guten Beziehungen zu Israel nutzen und dort Fachkompetenz von Aussen einkaufen.

    Wenn man die Zahlen und die Leistungsfähigkeiten beider Länder vergleicht, könnte es da einiges zu lernen geben…“

    1. Sollte man das sicherlich deutliche Abstriche je nach konkreter Fähigkeit/Teilfähigkeit machen. Die IDF ist sicherlich nicht querschnittlich militärisch vorbildlich.
    2. Aufgrund der vollkommen unterschiedlichen Rahmenbedingungen sind zudem Vergleiche m.E.n. auch in den Bereichen mit Vorsicht zu genießen, in denen die IDF als Maßstab gelten kann.

  • GERMANIAC   |   21. Juni 2017 - 16:45

    @klabautermann et al. zum Tageordnungspunkt 22 der heutigen HHA-Sitzung:

    Es geht lediglich darum, dass die Wellenform der Fa. Rohde&Schwarz zu PORTIERUNGSZWECKEN bereitgestellt wird, sprich auf dem jeweiligen Gerät zur Funktion gebracht wird. Die Anpassungen erfolgen im Gerät, nicht in der Wellenform. Ob und in welcher Art Lizenzgebühren zu entrichten sind, kann Gegenstand einzelvertraglicher Regelungen sein. Jedenfalls ist nur so sichergestellt, dass andere SDR-Hersteller überhaupt in die Lage versetzt werden, FuGer anzubieten. Oder meinen Sie, dass eben jene Marktbegleiter ihre „Büchsen der Pandora“ an R&S übergeben, die dann mit hardwarenaher Programmierung im Kernmodul des Radios rumfuhrwerken? Es ist doch vielmehr so, dass die Wellenform die gemeinsame Sprache darstellt. Und die soll doch bitte (eingeschränkt) verfügbar sein.

    Der Einwand des BRH war daher absolut gerechtfertigt – andere Hersteller haben ja schließlich auch performante Wellenformen im Portfolio (Schmal- und Breitband) die in Frage für eine Nutzung kämen; Nicht zuletzt um Interoperabilität mit anderen Nationen zu erreichen wäre die Klärung dieser Frage längst überfällig gewesen, ESSOR und COALWNW lassen hier grüßen. Dass im Rahmen der ersten Serienbeschaffung des SVFuA (Wir sprechen doch wohl vom Grundgerät und den V-/UHF-Modulen, denn weder die durch andere Firmen unter Ägide R&S entwickelten BB- und HF-Module werden beschafft, oder irre ich hier?) die Wellenform der Münchner Firma gleich mitbeschafft und damit zum „Standard“ erhoben wird, ist somit alles andere als wettbewerblich im Sinne des Rüsters.

    Wird also spannend, ob diese Vorlage am 28.06. zu TOP erhoben wird oder ob weitere Prüfungen durch das BMVg angestellt werden.

    Rein industriepolitisch wäre es der R&S zu wünschen, endlich den Auftrag zu erhalten, der ja bereits seit geraumer Zeit verhandelt wird. Schließlich sind sicherlich erhebliche Eigenmittel in das Thema geflossen. Da wirkt auch dieser erste „Batzen“ nur wie eine Linderung (Die Linderung der Not bei der Truppe in Bezug auf dringend benötigte, neue Funkgeräte lassen wir hier einmal ausser Acht, dies scheint ja schon ausgiebig durchgekaut).

  • Inspector Javert   |   21. Juni 2017 - 17:24

    Gibt’s was neues zum SAR Hubschrauber als Nachfolger der UH1D?

  • Münchhausen   |   21. Juni 2017 - 22:05

    Nein, wieso auch – stand nicht mehr auf der Tagesordnung. Und ja, sie hat nicht mehr als 45 Jahre in der Bundeswehr auf dem Buckel, sondern mittlerweile 51 Jahre. Und warum sollten es nicht noch ein paar Jahre mehr werden…?

  • Alex   |   21. Juni 2017 - 22:15

    Verwendet R&S denn auch ein Software defined Radio?

    Wie setzen sich die Kosten für die Triebwerke beim A400M denn nun zusammen?
    300 Mio. kann nicht sein. Dann würden 50 Maschinen 6 Mrd. € Kosten verursachen, also etwa das 8-fache einer normalen Turbine – so viel teurer kann Turboprop ja nicht sein.

  • Hühnerschrecker   |   22. Juni 2017 - 9:15

    Und warum geht LUH-SAR micht mehr durch den Haushaltsausschuss? Da schien doch alles glatt zu laufen! Das Vorhaben wird wesentlich kleiner sein als die Korvetten, aber Mittel ungenutzt lassen? Vielleicht weiss jemand etwas?
    Ein Ersatz für die UH1D wird dringend benötigt. Bei einer Verzögerung müsste dann wieder mehr Geld für die UH-1D ausgegeben werden.

  • Klauspeterkaikowsky   |   22. Juni 2017 - 9:26

    @Hühnerschrecker
    UH 1D Ersatz. — Der Eurocopter EC-135 ist:
    ein moderner, weltweit eingesetzter und in der Luftrettung bewährter Hubschrauber. Sein Einsatzgebiet liegt hauptsächlich in der Luftrettung …

  • blauqualm   |   22. Juni 2017 - 10:20

    Ich möchte gerne nochmal meine Frage von Gestern betreff der Ausstattung der Korvetten
    mit Drohnen auf das Tablet hieven. Dies ist meines Erachtens ja auch ein mehr als stotterndes Vorhaben.

  • klabautermann   |   22. Juni 2017 - 11:10

    GERMANIAC | 21. Juni 2017 – 16:45

    Mir sind die Probleme sogenannter „proprietärer Implementierungen auf bits’n bytes level“ durch unterschiedliche Geräte-Provider durchaus bekannt, denn das ist eines der zentralen Kompatibilitäts-Probleme der gesamten Digital/Analogen „Datenfunkerei“. Kannte da einmal einen Major der Lw, der in Sachen LINK 16 an den Rand des Wahnsinns getrieben wurde in Sachen proprietäre Hersteller-Implementierung von „standardisierten“ Datenpaketen Es geht hier also nicht nur um Interoperabilität sondern um Kompatibilität bis auf Quelltext-Ebene. Kann schon ganz schön blöd sein, wenn ein Gerät von HerstellerA ein Datenpaket „Ident Green“ sendet und auf einem Gerät von Hersteller B wird „Ident Red“ angezeigt. Das ist eine sehr vereinfachte Darstellung des Problems, sie ist aber hoffentlich anschaulich.
    Und da ist eben „Wettbewerb“ nicht Teil der Lösung sondern wird zum Teil des Problems aus rein technologisch-betrieblicher Sicht.
    Der BSR hat „Wettbewerb“ zur „Heiligen Kuh“ erklärt – das kann man in einer rein analogen Kommunikations-Welt machen, in einer analog-digitalen Kommunikationswelt können „Heilige Kühe“ allerdings sehr viel Schaden anrichten, wenn so eine Kuh den sicheren, gesicherten Daten-Verkehr insbesondere in einem militärischen Datenautobahn-Netz stört. Auf subtaktischer Ebene, aka Btl-Ebene kann das sogar zum Desaster führen.
    just my 2 cents ;-)

    [Gemeint ist vermutlich nicht die Berliner Stadtreinigung, BSR, sondern der Bundesrechnungshof, BRH? T.W.]

  • klabautermann   |   22. Juni 2017 - 12:10

    @T.W

    Das nennt man wohl einen „Freud’scher Vertipper“ – lol

    ;-)

  • 0815   |   22. Juni 2017 - 12:18

    @klabautermann | 22. Juni 2017 – 11:10
    Richtig!
    Peinlicher „Hick -Hack“

    Firmen“geheimnis“ hin und her. Für mich klingt das alles nach Wahrung von Kenntnissen und technologischem Wissen! Zu Lasten von…? Richtig …der Truppe und damit der nationalen Sicherheit im groben Sinne.
    Warum geht niemand aus der Führung hin und klopft mal an die Köpfe derer, die solche „Verschleppungen“ verursachen?

    Alle (potenziellen nationalen Anbieter) an den großen Ausschreibungstisch, Vorgaben, Schnittstellen und Interoperabilität, Termine und los geht es! Jeder Bewerber für sich!
    Danach Auswahl des besten Paketes, unabhängiger (!) Feldversuch….und weiter im Geschäft.
    Funktioniert der „Krempel“ nicht in x-Monaten dann Konventionalstrafe…weil vertraglich festgeklopft!
    Ja ich weis…das wäre alles zu einfach! Zu einfach wird es m.E. aber auch den Firmen gemacht…siehe aktuelle Beschaffungskatastrophen.
    Es entsteht bisweilen der Eindruck die Rolle „Tanzkapelle und Tänzer“ (auf der Titanic)sind vertauscht worden….unbeabsichtigt!
    …und die Schuld liegt nicht nur bei der Industrie…nee nee :-/

  • klabautermann   |   22. Juni 2017 - 12:59

    @ll

    Noch ein paar Worte in Sachen Interoperabilität und Kompatibilität:
    Ein Führungs- und Waffeneinsatzsystem (FüWES) ist ein analog-digitales Mensch/Maschine-System mit „explosiv-kinetischem“ Wirkpotenzial auf die real existierende Mensch/Maschine Umgebung ;-)
    Was den Fü-Anteil des FüWES anbelangt, da ist Interoperabilität hinreichend in Sachen System-Safety.
    Im WES-Teil reicht das nicht aus. Da hier die Schnittstelle Mensch als mögliche Fehlerquelle (Kognitiver Flaschenhals) für „Systemversagen“ mit Blick auf den Waffeneinsatz ohnehin vorhanden ist, müssen aus Sicht System-Safety technische Fehlerquellen weitestgehend ausgeschlossen werden und das geht nur über größtmögliche technische Kompatibilität insbesondere beim Waffeneinsatz im VERBUND Aus dieser waffeneinsatzsystemischen Betrachtungsweise unterscheidet sich eben eine Stryker-Brigade nicht von einem K-130-VERBAND .
    Diese systemtechnologisch Vertändnisroblem Verbundeinsatz versus Verbandseinsatz kann man auch sehen anhand „Networg Centric Warfare“ versus „Vernetzte Operaionsführung“ – auch hier wird eben nicht wirklich zwischen „Fü“ und „WES“ sauber unterschieden.
    Und damit bin ich bei K-130 CDS. Das ist nämlich ein „Derivat“ des F-124 CDS und da hat der Bund unglaubliche Beträge/Personal und Betriebsmittel in die behördliche „Beistellungen“ bei der Entwicklung des CDS F-124 (aka FüWES) gesteckt und als Nutzer in die System-/Software-Pflege, Betreuung und Änderung.
    Man sollte den BRH doch einmal bitten, die „Sunk Cost“ für den Steuerzahler zu ermitteln im Falle einer „Ausschreibung im Wettbewerb“ für das 2.Los K-130 – vielleicht ist dann endlich Schluß mit diesem Bauernwettbewerbstheater auf dem Marktplatz für Großwaffensysteme.

  • Georg   |   22. Juni 2017 - 13:48

    @ klabautermann

    Die Bundeswehr hat anscheinend ein Problem mit softwaregetriebenen Technologien richtig umzugehen. Da die Software das Herzstück jeder modernen Technologie ist, muss man logischerweise die Software vom gleichen Hersteller wie der Hardware kaufen, wenn es keine marktgängige Schnittstelle gibt. Dieses marktgängige Schnittstelle zwischen Hard- und Software dürfte aber bei den neuen Funkgeräten nicht vorhanden sein (oder gibt es eine Norm, die alle Hersteller gleich interpretieren ?)

    Wenn ein „Software_Defined_Radio“ nur noch aus HF-Frontend (körperliche Elektronik) zum Empfang und zum Senden von Signalen besteht und alles dazwischen nur noch von Software gemacht wirde, dürfte es sehr schwierig sein eine Kompatibilität herzustellen. Entweder legt der Hardwarehersteller seine Schnittstellen offen oder der Softwarehersteller. Inwieweit ein fremder Hersteller diese Schnittstellen genau bedienen kann dürfte fraglich sein.
    Auf jeden Fall hat man einen Schuldigen, wenn ein so „zusammengestöpseltes“ Gerät nicht funktioniert. Es ist immer der jeweilige andere Hersteller !

  • klabautermann   |   22. Juni 2017 - 14:49

    Georg | 22. Juni 2017 – 13:48

    In klabautermann | 22. Juni 2017 – 12:59 habe ich versucht zu erläutern, dass The Nature of the Beast called Network Centric Warfare durchaus in den Griff zu bekommen ist.
    Aus Sicht der Kybernetik sollte man z.Bsp damit beginnen zwischen komplexen Mensch/Mascjhine-Systemen und Komplexen M/M-Strukturen zu unterscheiden, und zwar von unten nach oben.
    Zur Erläuterung: Marine und Lw bestehen in ihrem „Wirkkern“ aus einem weitestgehend Fü-kompatiblen Verbund von autonomen, komplexen Systemen.
    Das Heer – Stichwort: „Gefecht der verbundenen Waffen“ – besteht aus einer komplexen Struktur verschiedenster Waffengattungssystemen bis hinunter auf das System IdZ, die eben nicht als autonomes Plattformsystem angesehen werden dürfen. Das kompliziert natürlich das Thema „Fü“-„WES“-„Interoperabilität“-„Kompatibilität“ extrem.
    Wir haben also kein technisches oder konzeptionelles, sondern ein strukturelles Problem beim Gefecht der verbundenen Waffen.
    Mit Blickrichtung von unten nach oben bedeutet das imho, dass das Heer bei seinen Waffengattungswirkmodulen auf weitestgehende technische Kompatibilität achten muß bei der Auswahl der digital/analogen Führungsmittel. Das wird um so wichtiger je mehr das Heer von C² by voice over IP zu C² by data ober IP übergeht.
    Mit „trivialen“ Wettbewerbsstrategien wird „The Nature of the Beast“ nicht zu zähmen sein. Mit der Auswahlentscheidung für die Rohde&Schwarz HDR-Wellenformfamilie im Kern von MoTaKo SVFuA ist eine Heeressystem-weite Grundsatzentscheidung gefallen, die es jetzt gilt ganz konsequent umzusetzen auf Waffengattungsebene – dabei müssen Joint/Combined-Interoperabilitätsaspekte m.A.n nachrangiger als bislang betrachtet werden, denn für komplexe Strukturen gilt: Vernetzte Operationsführung ohne Vernetzte Gefechtsführung ist eine Schimäre.

  • Unreal   |   22. Juni 2017 - 15:13

    @Klabautermann
    Ich bin nach längerer Zeit wieder bei Ihnen.
    Sehr gute und anschauliche Erklärung für dieses Drama.

  • klabautermann   |   22. Juni 2017 - 16:08

    @Unreal | 22. Juni 2017 – 15:13

    Danke für die Blumen. Man muß ja nicht immer poltern.
    Das Heer steckt in einem konzeptionellen Dilemma und das ist eben das Dilemma wie man planerisch das Problem Komplexität von Systemen und Strukturen in den Griff bekommt. Dieses Dilemma wird verschärft durch das „Dogma“ der fähigkeitsorientierten Planung in Form des CPM einerseits und natürlich das für mich immer nach völlig unbegreifliche Out-Sourcing der kompletten FüU Heer an die SKB inkl.FüU der komplexen Waffensystemeinsatzstrukturen. Das konnte nur „schief“ gehen.
    Fähigkeitsorientierte Planung ist eine konzeptionell nicht lösbare Formel für das Heer.
    Das Heer muß aufgabenorientiert ableiten und planen – insbesondere im Zeitalter von „Breite vor Tiefe“. Von daher haben die Kameraden vom Heer mein vollstes Verständnis für ihre „Argumentation“. Ich würde mir nur wünschen, dass sie sich konzeptionell und planerisch auf ihre – wohl begründeten – Kernaufgaben stürzen würden in ihrer ureigenen Schlammzonen, allerdings nicht in der alten Waffengattungsdenke, sondern „vernetzt“. Und da hat wohl die „Krone aller Waffen“ gegenwärtig das größte mentale Problem zu bewältigen. Also bitte nicht so viel über „Joint Fires“ philosophieren, sondern „Gefecht der verbundenen Waffen“ einmal neu von unten nach oben denken, und dabei auch den waffengattungseigenen „level of ambition“ überdenken.
    Dann poltert auch der Klabautermann nicht mehr so laut ;-)

  • Voodoo   |   22. Juni 2017 - 16:12

    @ klabautermann

    Schließe mich an, danke für den verständlichen Beitrag! Zur Verkomplizierung: Wir haben eine Heeresdivision, die mit zwei verschiedenen FüSys arbeiten muss, da eine ihrer Brigaden ausländisch ist. Ketzterisch kann man auch sagen, die Brig arbeitet tatsächlich mit ihrem nationalen System, während das Heer FüInfoSys „spielt“… ;-)

  • Koffer   |   22. Juni 2017 - 17:18

    @klabautermann | 22. Juni 2017 – 16:08
    Was hätte dies für ein guter Beitrag werden können :(

    Sie liefern eine nicht nur interessante und präzise, sondern nach meiner persönlichen Meinung auch zutreffende Analyse!

    Eine zutreffende Beschreibung der allgemeinen Problemstellung („Komplexität von Systemen und Strukturen“), der verschärfenden Situation („fähigkeitsorientierten Planung in Form des CPM“), sowie eines weitgehenden Entscheidungsfehlers in der Vergangenheit („ut-Sourcing der kompletten FüU Heer an die SKB“).

    Auch Ihrer Schlussfolgerung stimme ich umfänglich zu (“ Fähigkeitsorientierte Planung ist eine konzeptionell nicht lösbare Formel für das Heer. Das Heer muß aufgabenorientiert ableiten und planen“)

    Wobei Ihre Forderungen in einem Aspekt sicherlich theoretisch nicht umbegründet aber praktisch nicht umfänglich erfüllbar ist („allerdings nicht in der alten Waffengattungsdenke, sondern „vernetzt“), da es nun einmal zum unabänderlichen und aus vielerlei Gründen auch (bis zu einem gewissen Grade) notwendigen „genetischen Code“ des Heeres gehört von den Truppengattungen her zu denken (und zu „fühlen“).

    „Also bitte nicht so viel über „Joint Fires“ philosophieren, sondern „Gefecht der verbundenen Waffen“ einmal neu von unten nach oben denken,“

    Auch hier bin ich noch bei Ihnen. Joint Fires (so wichtig es ist), wurde vielzugange viel zu sehr „gepusht“. Es gibt dringlicheres und vor allem weitreichenderes (ohne Joint Fires klein reden zu wollen).

    „und dabei auch den waffengattungseigenen „level of ambition“ überdenken.“

    In der Tat! Gerade VOR der nächsten Strukturplanung ab Sommer wäre es ja wirklich wichtig hier eine vorgeschaltete und umfassende Bewertung vorzunehmen!

    Und dann kam dieser unsachliche und inhaltlich auch vollkommen deplatzierte Satz („Und da hat wohl die „Krone aller Waffen“ gegenwärtig das größte mentale Problem zu bewältigen.“).

    Warum muss so ein böser Satz eine ansonsten m.E.n. äußerst beachtliche Stellungnahme vergiften?!

    :(

    @Voodoo | 22. Juni 2017 – 16:12
    „Zur Verkomplizierung: Wir haben eine Heeresdivision, die mit zwei verschiedenen FüSys arbeiten muss, da eine ihrer Brigaden ausländisch ist.“

    Korrekt! In der Tat ein Problem. Allerdings sind es ZWEI ausländische Brigaden (NLD) in ZWEI Divisionen!

  • Voodoo   |   23. Juni 2017 - 11:57

    @ Koffer

    Ich bezog mich tatsächlich auf die 43. NLD Brig, da ich nur hier etwas Einblick habe. Das Battlefield Management System (BMS) von Elbit wird dort vollumfänglich genutzt und funktioniert auf allen(!) Ebenen. Ich glaube kaum, dass man sich FüInfoSys ans Bein binden wird ;-)

  • Memoria   |   25. Juni 2017 - 17:45

    @klabautermann | 22. Juni 2017 – 16:08
    Das FüInfoSys sollte jedoch das erwartbare Kriegsbild reflektieren.
    Derzeit zeigen – auf taktischer Ebene – wohl eher die russischen Ansätze in die Zukunft (dabei mit starken Anleihen an deutsche taktische Innovationen der 30er/40er Jahre, aber pssst!).
    Die Amerikaner machen sich hierzu wenigstens Gedanken:
    http://www.benning.army.mil/armor/earmor/content/issues/2017/Spring/2Fiore17.pdf

    Das FüInfoSysH ist gerade nicht dazu ausgelegt ad-hoc-Gefechtsverbände zu führen.

    Wenn man diese Grubdlangen mal erarbeitet, dann kommen natürlich all die Probleme der Interoperabilität. Geredet wird von alldem seit mehr als 10 Jahren. Der Steuerzahler hat Milliarden ausgegeben. Die Ergebnisse sind mehr als dürftig. Geschadet hat es aber offenbar niemand spürbar.