Trump ahnungslos bei internationalen Rüstungsabkommen?

Das ist eine Reuters-Meldung, die (wenig erstaunlich) bislang nicht bestätigt ist. Aber sie ist beunruhigend genug: Bei seinem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Waldimir Putin, so berichtet die Agentur unter Berufung auf ungenannte Quellen, habe sich der neue US-Präsident Donal Trump recht ahnungslos gezeigt, was das New START-Abkommen zur Begrenzung der strategischen Atomwaffen angehe:

In his first call as president with Russian leader Vladimir Putin, Donald Trump denounced a treaty that caps U.S. and Russian deployment of nuclear warheads as a bad deal for the United States, according to two U.S. officials and one former U.S. official with knowledge of the call.
When Putin raised the possibility of extending the 2010 treaty, known as New START, Trump paused to ask his aides in an aside what the treaty was, these sources said.

Trump then told Putin the treaty was one of several bad deals negotiated by the Obama administration, saying that New START favored Russia.

Die ganze Reuters-Meldung hier:

Exclusive: In call with Putin, Trump denounced Obama-era nuclear arms treaty – sources

Die Debatte über die sicherheitspolitischen Auswirkungen der US-Präsidentschaft dürfte das weiter anheizen, ungeachtet der fehlenden Bestätigung. Und beruhigend klingt es nicht.

(Archivbild: President Barack Obama and President Dmitry Medvedev of Russia sign the New START Treaty during a ceremony at Prague Castle in Prague, Czech Republic, April 8, 2010 – Official White House Photo by Chuck Kennedy)

14 Kommentare zu „Trump ahnungslos bei internationalen Rüstungsabkommen?“

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   09. Februar 2017 - 21:53

    Herr lass‘ Manna (2 Mos 16) oder das Impeachement regnen.
    Hoffentlich hat Pence was drauf, MSC kann’s erweisen!

  • Ghost Bear   |   09. Februar 2017 - 23:25

    Warum klingt das nicht beruhigend Herr Wiegold? Offensichtlich hat der Präsident hier seine Berater befragt. Außerdem kann man durchaus die Meinung teilen, dass New START ein „Bad Deal“ ist, da er Russland Vorteile verschafft.
    Übrigens hat Putin damals deutliche Drohungen gegenüber den gewählten Volksvertretern der USA ausgesprochen, als eine Ratifizierung ungewiß war.

    Für die angeblich friedensbewegten und atomwaffenscheuen Deutschen sollte eine Neuverhandlung des Vertrages doch äußerst willkommen sein. Vielleicht kann unser zukünftiger Bundespräsident, dank seines hervorragenden Verhältnis zum Präsidenten unserer Schutzmacht den Bedarf anmelden die taktischen Atomwaffen der Russen (ca. 15000, teilweise stationiert an Europas Grenzen) in die Neufassung aufzunehmen, zu begrenzen und zu kontrollieren.

    Aber Trump und USA bashing ist ja „in“ im Moment.

  • Hans Schommer   |   09. Februar 2017 - 23:37

    Wen wundert solches? Der Trump hat sich als Sohn eines Millionärs mit Geld und Ellenbogen seinen Platz in einer einflussreichen Nische der US-Gesellschaft erschlossen. Dazu braucht es keine Bildung. Das sollte man sich vor Augen führen, wenn man über das Verhalten und die Äußerungen des Mannes urteilt. Persönlichkeiten mit vergleichbaren Attributen gibt es in DEU auch – die würden aber nicht Kanzler oder Bundespräsident werden können. In den Staaten ist das anders. Damit müssen wir, aber auch die US-Bürger und die Welt nun umgehen (lernen).
    Hans Schommer

  • closius   |   10. Februar 2017 - 8:08

    Es ist erschreckend, wenn der mächtigste Mann der westlichen Welt keine Ahnung von einem der wichtigsten Rüstungskontrollverträgen hat, seine Mitarbeiter fragen muss, aber gleichzeitig verkündet, es sei ein schlechter Deal für Amerika!

    Frau Clinton hat den Neu Start Vertrag mit ausgehandelt und ist damit Expertin auf diesem Gebiet. Stattdessen leistet sich Amerika einen Präsidenten, der es nicht für nötig hielt, sich in der Übergangszeit schlau zu machen über die amerikanische Außen- und Sicherheitspolitik, wie es alle Präsidenten vor ‚Trump gemacht haben,

    Aufgrund seiner Wissenslücken ist Trump zum einen dem russischen Präsidenten unterlegen in Verhandlungen und zum anderen abhängig von seinen Beratern und hier wissen wir nicht, ob er auf Sicherheitspolitiker hört, die was von der Materie verstehen oder ob er da von seinem rechtsradikalen Chefberater gesteuert wird?

    Was soll eine Nichtverlängerung des Vertrages bringen, wenn nicht mehr atomare Aufrüstung? Ein neues atomares Wettrüsten wird die Welt nicht sicherer machen und bestimmt nicht die Beziehungen zwischen den USA und Russland verbessern.

  • Hans Wurst   |   10. Februar 2017 - 10:40

    @Ghost Bear: Ungleich der Tatsache ob USA/Trump Bashing gerade in Mode ist, verwundert mich doch die Tatsache, dass der Präsident der USA vor dem Telefonat nicht über solche Inhalte aufgestellt wurde. Die Nachfrage ist sicherlich löblich und kann das Bild vom Politiker unterstreichen, welcher nicht über Dinge referiert, über welche er keine Ahnung hat. Sie kann aber auch die mangelnde Vorbereitung zeigen.
    Gerade vor dem Hintergrund der Wichtichkeit dieses Gespräches halte ich eine vorhergehende Befassung schon für professionell und die Nachfrage als Zeichen einer schlechten Vorbereitung.

  • Magmakammer   |   10. Februar 2017 - 10:53

    Leider besitzt Trump nicht die Fähigkeit gelernter Politiker, bei eigener Unkenntnis eines Themas, erst mal mit leeren Sprachhülsen, um den heißen Brei zu reden, um sich später, nach Einarbeitung in die Materie, konkret zu äußern.

  • klabautermann   |   10. Februar 2017 - 11:36

    Das lustige daran ist, dass ja nicht nur Trump, sondern auch Putin der Auffassung ist, dass der Obama-Medvedev-„Deal“ ein schlechter ist. Also neuer Ansatz in Sachen START ? Mal schauen. Das Trumpelstilzchen ist vielleicht cleverer als viele Kommentatoren uns glauben machen wollen.

  • niemand   |   10. Februar 2017 - 12:34

    Mich verwundert viel eher die Tatsache, dass Gegenstand sowie Details der zumeist geheimen oder höher eingestuften Gespräche aus dem weißen Haus nach außen dringen, ohne dass es öffentlich bekannte Konsequenzen oder Ermittlungen gegen das Sicherheitsleck innerhalb des inner circles gibt. Gerade in den USA ist man nicht zimperlich, wenn es sich um die Bekanntgabe pikanter Informationen dreht.

    Daraus folgernd würde ich persönlich derartige Nachrichten wohl eher mit Vorsicht genießen.
    Wenn wahr, so ist dies in der Tat beunruhigend, da es mit Sicherheit zum Protokoll gehört, ausreichend über eben solche Kernfragen aufgeklärt worden zu sein. Dies würde auf mehr Konflikte innerhalb der eigenen Regierung hinweisen, als bereits öffentlich dargestellt.

  • klabautermann   |   10. Februar 2017 - 13:03

    @niemand

    Die Trump-Dompteure sind natürlich highly alerted: Erst schafft der Präsident die Protokollführung im nationalen Sicherheitsrat ab und dann führt er auch noch „private“ Telefongespräche mit Putin über Nuklearwaffen. Höchste regierungsamtliche Verunsicherung des Washingtoner Schranzensystems sozusagen – die wirklich Mächtigen unterhalten sich ohne „Kontrolle“ des „Yes Miniister-System“ über die wirklich wichtigen Fragen. Und so wird eben aus vermeintlich Mächtigen Ohnmächtige. Ich frage mich, was die Presse schreiben würde falls Trump ohne jede Beratung mit Putin über START gesprochen hätte.

  • AoR   |   10. Februar 2017 - 16:22

    Trump hat keine „Berater“ mehr. Die sind schon während der Amtsübertragung weggelaufen oder haben in den letzten Wochen gekündigt.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   10. Februar 2017 - 16:34

    Auch ein Fall Trumpscher Ahnungslosigkeit? Oder Vorsatz?
    Wolfgang Ischinger, MSC, über Trump (bei N-TV):
    Trumps designierter EU-Botschafter will mit dem Ziel „Zerschlagung der EU“ antreten.
    Ted Malloch: EU keine echte Demokratie, kann in anderthalb Jahren zusammenbrechen.
    Er vergleicht die EU mit der Sowjetunion, wettet auf den Zerfall des Euro –
    und könnte nächster US-Botschafter in Brüssel werden. (Spon)
    Europapolitiker fordern, ihm die erforderliche Akkreditierung zu verweigern.
    Diplomatisch wäre angesagt, im Vorfeld Zeichen setzen im Sinne von „diesen Kandidaten lehnen wir ab“!

  • emdeema   |   10. Februar 2017 - 19:10

    Ich finde es echt bemerkenswert wie die ganzen Trump-Trolle nicht nur im englischsprachigen Raum sondern offenbar auch hier die Unfähigkeit des amerikanischen Präsidenten auch noch für einen wertvollen Asset halten …
    Der Siegeszug des Dilettantismus ist offenbar schon weiter fortgeschritten als ich befürchtet hatte, wenn seine Anhänger jetzt schon auf dieser Seite des Atlantiks ihre neue Symbolfigur so ganz ohne Scheu preisen.

  • T. Simon   |   11. Februar 2017 - 10:08

    Die Anti-Trump-Hysterie der Medien in Deutschland gehört wohl zu den bisherigen Tiefpunkten in der Geschichte des Journalismus der Bundesrepublik, und es würde wohl einiges dazugehören, als Journalist da nicht mitzumachen und nicht mit der Herde zu laufen.

  • T.Wiegold   |   11. Februar 2017 - 12:04

    @T.Simon

    Da haben Sie doch glatt die üblichen Vokabeln wie „Lügenpresse“ oder „Systempresse“ vergessen und vor lauter Aufregung übersehen, dass es sich bei der hier zu Grunde liegenden Quelle um die Agentur Reuters mit ihrem internationalen Dienst handelt, also Ihre Beschimpfung der „Medien in Deutschland“ ziemlich OT ist (um es neutral zu sagen).

    So was lassen wir hier sein.