Deutschland vereinbart engere Zusammenarbeit des Heeres mit Tschechien und Rumänien

Fürs Archiv, weil das am (gestrigen) Mittwoch vor dem Hintergrund der Debatten beim NATO-Verteidigungsministertreffen in Brüssel bisschen untergegangen ist: Am Rande eben dieses Treffens haben Deutschland, Tschechien und Rumänien Kooperationsvereinbarungen für eine engere Zusammenarbeit ihrer Streitkräfte  unterzeichnet. Die Affiliation (so wird sie vom Verteidigungsministerium auch auf deutsch bezeichnet) betrifft auf dieser Stufe nur Heereseinheiten und ist nach dem Vorbild der Zusammenarbeit mit anderen Staaten wie den Niederlanden geplant – wenn auch noch lange nicht so eng.

Konkret soll nach der Absichtserklärung, die die deutsche Ministerin Ursula von der Leyen und ihre Kollegen Martin Stropnicky (Tschechien) und Gabriel-Beniamin Les (Rumänien) unterzeichneten, die tschechische 4. Rapid Deployment Brigade mit der deutschen 10. Panzerdivision in Veitshöchheim und die rumänische 81. Mechanisierte Brigade mit der deutschen Division Schnelle Kräfte (DSK) in Stadtallendorf zusammenarbeiten. Erste gemeinsame Übungen sind bereits für dieses Jahr geplant.

Deutschland weitet damit das Angebot im Rahmen des so genannten Framework Nations Concept weiter aus: Kleinere NATO-Nationen sollen sich der Bundeswehr anlehnen können, unter anderem, um so die Interoperabilität unter den Bündnispartnern zu fördern. Dabei spielt sicherlich auch eine Rolle, dass vor allem die rumänischen Einheiten noch mit veraltetem Gerät aus Sowjetzeiten ausgerüstet sind – und vielleicht langfristig auch Material aus deutscher Produktion gebrauchen könnten. Als Wirtschaftsförderung allerdings will das deutsche Verteidigungsministerium diese Zusammenarbeit nicht verstanden wissen: Wir beraten, aber wir vermitteln nicht.

(Archivbild: Soldiers from the Romanian Land Forces practice mounted and dismounted gunnery at the Grafenwöhr Training Area (Germany) during exercise Combined Resolve II, June 18, 2014.The exercise marks the first time the Romanian Land Forces have taken their heavy armored vehicles outside the borders of their country for training since the end of World War II – Photo courtesy of CPT Daniel Nistor, Romanian Land Forces via 7th Army Training Command Grafenwöhr)

7 Gedanken zu „Deutschland vereinbart engere Zusammenarbeit des Heeres mit Tschechien und Rumänien

  1. Ich frage mich, ob die Zuordnung der tschechisch bzw. rumänischen Verbände zu den deutschen Divisionen passt?

    Wie soll die DSK die 81 mechanisierte rumänische Brigade sinnvoll führen oder ausbilden, nachdem die DSK keine mechanisierten Kampfverbände führt, sondern Fallschirmjäger bzw. Luftlandetruppen?

    Die 4. schnelle tschechische Brigade enthält dagegen auch ein Luftlande- oder Fallschirmjägerbataillon, so daß ich eher die Tschechen der DSK zugeordnet hätte und die Rumänen der 10. Panzerdivision. Oder beruht die Zuordnung allein darauf, daß die Tschechen deutsche Marder Schützenpanzer bekommen sollen und deshalb die Tschechen der 10. Panzerdivision zugeordnet werden sollen, welche ebenfalls den Marder hat?

  2. @closius
    Das habe ich mich auch gefragt, aber vielleicht ist auch die räumliche Nähe der 10ten zu Tschechien ausschlaggebend.

  3. Auch Andere haben das Verteidigungsministertreffen von Brüssel zu Absprachen gemeinsamer Zusammenarbeit genutzt.
    http://www.paracommando.com/news.php
    Belgien, Dänemark und die Niederlande vereinbarten bei den nationalen Spezialkräften künftige Ausbildung, Führung und Einsatz zu vereinheitlichen. Mittel wird das „Composite Special Operations Component Command (C-SOCC)“ darstellen.
    Der BEL Anteil wird vom Special Operations Command (SOCOM), bestehend aus der Special Forces Group, dem Para-Commando und der noch aufzustellenden ‘Special Forces Aviation’ mit besonderen Lufteinsatzmitteln bestehen.
    Die BEL SOF genießen spätestens seit Rettung von elf Mitarbeitern der Deutschen Welle aus dem Chaos des Völkermords im zentralafrikanischen Ruanda im Jahr 1994 (durch belgische Fallschirmjäger) einen ausgezeichneten Ruf.

  4. Auch eine gute Sache…und auf dieser Ebene auch machbar!

    Aber da steckt vermutlich auch industriepolitik dahinter
    200 Marder nach Osten (geschenkt) und modernisieren lassen (für teures Geld)…
    Wir bekommen dafür 200 neue Puma
    Oder die Rumänen kaufen Boxer IFV wie Litauen!?

  5. @KPK
    Ich halte fest: statt „common effort“ zerfällt das Bündnis in einzelne Projekte ohne klare Strategie.

  6. @Thomas Melber
    Es existieren zwei historische Beweggründe für bi-/multinationale Zusammenschlüsse:
    – politische Einsicht in nationale Erfordernisse (DF-Brig) und
    – Zusammenschluss der finanziellen Habenichtse (Ursprung DEU-NLD Zusammenarbeit).
    Neuerdings werden beide ergänzt durch den Trump-Effekt. Die resultierende Einsicht europäische, militärische Einigkeit gegenüber den USA, zeitgleich RUS, kann nur in Gemeinsamkeit des alten Kontinents produziert werden.
    Ein Zusammenschluss gerade der kleineren Europäer wird sicherlich aus der finanziellen Not geboren sein, ist zweitens aber ein Schritt, der ein gewisses Maß nationaler Eigenständigkeit garantiert. Eine Maßnahme, die bei der ausschließlichen Zusammenarbeit mit „größeren“ Europäern unvermeidlich in die Abhängigkeit führt.
    Beispiel: Das NLD Heer ist ohne DEU Technik (KPz, GTK, Wolf, Fennek, PzH etc), Ausbildungsplätze, Beteiligung in Großverbänden von, schon ab Brig, besonders Div/Korps, operativ nicht existenzfähig.
    Eine gewisse Strategie sehe ich dennoch, wiewohl sie zuvorderst nicht in gewachsener Einsicht sondern prekärer Haushalte erwachsen ist.
    Dennoch, besser so als gar nicht!

  7. Ich finde die Durchführung „kleiner“, aber realer Projekte besser, statt eines genialen Masterplans, welcher a la BER umgesetzt wird. Und Zusammenarbeit auf Augenhöhe kann viel Vertrauen schaffen, was langfristig die auf und abs der normalen Politik glätten kann.

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