Umfrage zum deutschen Anti-ISIS-Einsatz: Mehr tun?

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Nach der Entscheidung der Bundesregierung zur Verlängerung und Ausweitung der deutschen Beteiligung am Kampf gegen ISIS am (gestrigen) Mittwoch ist es doch mal eine interessante Frage, wie dieser Einsatz der Bundeswehr in der Bevölkerung gesehen wird. Dazu habe ich zusammen mit Civey eine Umfrage gestartet, an der nicht nur die Leserinnen und Leser hier, sondern auch bei anderen Online-Publikationen teilnehmen können (einige grundsätzliche Anmerkungen dazu unten):

 

Zum Grundsätzlichen: Nach der ersten Civey-Umfrage auf Augen geradeaus! hatte es teils heftige Kritik gegeben. Zum einen wegen Befürchtungen zum Umgang mit den Daten insgesamt – dazu hat Civey selbst in den Kommentaren einiges gesagt.

Zum anderen, und das finde ich das eigentlich Schwierige: Aufgrund der technischen Vorgaben sind die Fragen und auch die Antworten extrem kurz – gerade bei komplexen Sachverhalten ein echtes Problem. Die Ursache dafür ist, dass die Umfragen möglichst viele Online-Nutzer auch auf mobilen Geräten erreichen sollen. Deshalb, so die derzeitige Vorgabe, müssen Fragen und Antworten so kurz sein, dass sie auf den Bildschirm eines Smartphones passen.

Ich bin wegen dieses Problems mit Civey im Gespräch und muss mir natürlich überlegen, ob ich angesichts der komplexen Zusammenhänge in der Sicherheitspolitik solche Umfragen in dieses technische Korsett pressen kann und will. Dennoch habe ich mich entschlossen, es auch unter diesen Rahmenbedingungen noch mal zu probieren.

(Archivbild: Tornados des Taktischen Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“ landen am 5. Januar 2016 auf der Air Base Incirlik – Bundeswehr/Falk Bärwald)

20 Gedanken zu „Umfrage zum deutschen Anti-ISIS-Einsatz: Mehr tun?

  1. Ich hätte gern die Antwortmöglichkeit „Mit Bodentruppen“ gesehen, einfach aus Interesse, wie groß die Gruppe der Befürworter da wäre. Andererseits wird die Lage jenseits vom reinen Luftkrieg wohl so komplex (bzw. zwingt mehr dazu, die Komplexität anzuerkennen), dass es sich wirklich nicht mehr in kurzen Frageformaten abbilden lässt.

    Meiner Ansicht nach (und ich hoffe, Civey liest wieder mit) sollte sich auf das Alleinstellungsmerkmal der möglichst breiten Stichprobenaufstellung konzentriert werden. Kurze Fragen für Mobilgeräte machen kann jeder, aber Civey streut halt weit. Zumindest die Möglichkeit, komplexere Sachverhalte abzufragen sollte gegeben sein. Eventuell mit einer User Präferenzeinstellung, ob er durch Fragen durchscrollen will, oder nur „ein-Blick-Fragen“ sehen möchte.

  2. Ich bin eigentlich ein Verfechter der Richtlinie, dass Belange der Diplomatie, Int. Politik, Gewalt, Waffeneinsatz etc. man eigentlich mit eigentlich gar nie zu vielen Worten behandeln kann. Dennoch hat das bei einer Umfrage halt absolut keinen Zweck. Wenn man die Frage und Antwortmöglichkeiten jetzt länger und detaillierter macht, dann wird man danach immer noch nicht detailliert genug sein. Und wenn man in dieser Weise weiter macht, hat man halt irgendwann keine allgemeine Umfrage mehr sondern eher einen Dialog mit einer einzelnen Person.

    Das ist durchaus valide wenn es um den Erkentnissgewinn geht, aber für das was sie hier wollen Herr Wiegold ist es nicht zielführend. Wenn man gezwungen ist sich unter eher unspezifischen Antworten zu entscheiden, muss man halt auch die Konsequenzen im Kopf durchgehen. Die Unklarheit in den Antwortmöglichkeiten zwingt zur genauen Auseinandersetzung mit den Konsequenzen dieser Antwort (idealer weise). Und das ist gar nicht schlecht und hilft doch auch schon sehr hinsichtlich einer allgemeinen Aussage die man nach der Umfrage treffen kann. Man muss dann halt aber auch mit dem Ergebnis entsprechend vorsichtig und verhalten umgehen.

    Deswegen finde ich brauchen sie sich da nicht großartig zu rechtfertigen. Auch mit mehr Details wäre die Umfrage nicht perfekt oder auch nur zwingend besser.

  3. Das ist zwar aufgrund der Bewaffnung des IS eine militärische Aufgabe, aber ganz und gar nicht unser Kampf. Selbst wenn der IS massenweise Attentäter nach Deutschland schicken würde, wäre es klüger, diese mit den Mitteln normaler Polizeiarbeit (vielleicht nicht gerade nach sächsischen Qualitätsstandards) abzuwehren, als uns in einen Krieg hinein ziehen zu lassen, in dem wir nichts, aber auch gar nichts gewinnen könnten.

  4. @T.W.

    Mal weg vom Inhalt und hin zur Form: bei mir verweigert Civey ständig die Registrierung, weil die e-Mailadresse angeblich im System schon existiert… bei drei Adressen, die noch nie was mit Civey zu tun hatten… etwas komisch diese Platform ;)

  5. @ingo heinscher
    Mit Polizeiarbeit in Deutschland können Sie höchstens die Folgen aber nicht die Ursachen von ISIS bekämpfen
    Wie kommen Sie darauf die Polizeiarbeit in Sachsen zu kritisieren?

  6. Zumindestens hier ist die Mehrheit dafür, mehr gegen die ISIS zu tun, was ich schon interessant finde.

    Auch die anderen Fragen/Umfragen, sind teilweise sehr interessant. Am schwierigsten sind allerdings die Berliner Fragen, wenn man nicht in Berlin lebt.

    Ich hoffe, es gibt bald weitere Umfragen hier.

    Die meisten Terroristen haben keinen Staat. Da die ISIS sich aber einen Staat leistet hätte dieser längst erobert werden müssen, und dies geht nur mit Bodentruppen.

  7. Komplexe Fragen in einfacher Formen kann man ausdiskutieren und sachlich beantworten oder einfach emotional beantworten. Ohne Diskussion neige ich zur zweiten Lösung, dabei erfährt man zwar nicht was die beste Lösung ist aber immerhin was man dem Volk zumuten kann und und mal ehrlich, im Zeitalter von Twitter&Co hat sowieso keiner Zeit sachlich zu diskutieren (wer Sarkasmus findet darf ihn behalten).

  8. @Bundy Natürlich wird man damit nicht die Ursache beseitigen, aber unser Land halbwegs vor den Symptomen schützen. Die Ursache ist nichts, an dem wir irgend etwas machen können, ohne noch mehr Terrorismus zu züchten. Wenn wir irgend etwas tun wollen, dann besser die wirtschaftliche Unterstützung des Irak und der anderen betroffenen Regierung, damit die in der Lage sind, das Problem (das nun mal in erster Linie ihres ist) zu lösen.

    Ein militärisches Vorgehen gegen den IS, selbst wenn es mit Zustimmung der dortigen Regierungen erfolgt und damit rechtlich möglich ist, wäre aber auch davon abgesehen dumm. Wir würden Soldaten verlieren, von denen wir ohnehin zu wenige haben, um etwas zu erreichen, das nur einen sehr mittelbaren Nutzen für uns hat. So macht man keine Außenpolitik.

  9. Reichen Afghanistan und nun Mali nicht langsam bald aus um auch dem zugedröhntesten Interventionsfreund aufzuzeigen, daß ohne politische Zielsetzungen und daran ausgerichtete Mittelzuteilung der Einsatz militärischer Mittel eher Feigenblatt denn Anzeichen von politischer Reife ist? Ein politisches Konzept sehe ich nirgendwo, bei keinem der Beteiligten. Und daher auch keine „adequate Mittelzuteilung“. Ergo? Man tut „etwas“ um nicht des Nichtstuns beschuldigt zu werden. Toller Grund!

    Kurzum: Einsatz der Tornados beenden, Bundeswehr nicht in noch mehr Gefälligkeitsveranstaltungen „mit anderen Mitteln“ aufreiben und der Truppe daheim Zeit geben die politischen Versäumnisse der letzten 25 Jahre zu verarbeiten.

  10. Die Auswahl/Formulierung der Fragen bestimmt, wie immer, das Ergebnis.
    Im vorliegenden ‚Katalog‘ wird nur auf Lfz-Einsatz abgehoben.
    Das ist offenbar gewollt, ergibt biased Aussagen.

  11. @IngoHeinzer/CsThor: Bodentruppen einzusetzen sind keine Gefällligkeitsveranstaltungen!

    Wir zahlen im Moment mit toten deutschen Zivilisten, in der Türkei und in Deutschland.

    Diese Opfer würden vielleicht noch leben, wenn der Westen, einschließlich Deutschland, den Staat ISIS beseitigt hätte. Frankreich und Russland rächen ihre Opfer mit Luftschlägen, nur Deutschland tut nichts um seine Bürger zu rächen oder zu schützen.

    Im Irak wäre ein Konzept möglich und hätten Mosul und der gesamt Irak längst zurück erobert werden können. Auch Rakka und die Ölquellen der ISIS hätte man längst zurück erobern oder befreien können.

    Nur ein Konzept für Syrien gibt es nicht und kann es ohne Russland, SA usw. auch nicht geben. Wir können die ISIS in Syrien zwar zerschlagen, aber die anderen Parteien werden weiterkämpfen. Wir können damit also nur das Risiko von Terroranschlägen in Deutschland reduzieren. Denn die ISIS braucht Geld und braucht Erfolg. Ohne Öl hätte diese weniger Geld um Kämpfer zu bezahlen und uns Selbstmordattentäter zu schicken und wäre nicht mehr so anziehend für neue Kämpfer oder Attentäter.

  12. Bei allem schuldigen Respekt, Closius, aber IS ist nur die aktuelle „Identität“ des extremistischen sunnitischen Islamismus und eine „Beseitigung“ dessen ist in etwa so leistbar wie das Terraforming des Mars aus der Portokasse. Nämlich gar nicht.

    Den IS zu „beseitigen“ wird im Endeffekt nur das gleiche Machtvakuum entstehen lassen, in dem der IS selbst entstanden ist. Und dann geht der ganze Spaß von vorne los – andere Gesichter, anderer Titel, selber Bullsh**. Ein politisches Konzept zur Verhinderung dieses Machtvakuums existiert nicht und angesichts der widersprüchlichen Interessen der ganzen Beteiligten ist da nicht mal ein fauler Kompromiß realistisch betrachtet möglich. Abgesehen davon – politisch ist in Deutschland der EInsatz militärischer Mittel nur als Beruhigungspille für ausländische Partner, eigene Konzepte und Ideen existieren nicht. Kommt eben daher, daß die deutsche Politik am liebsten das ganze Thema Militär an irgendwen anderes abdrücken und dann ihre Hände in Unschuld waschen will.

  13. @csThor
    Mit Ausnahme des letzten Satzes, Zustimmung.
    Deutschland zählt militärisch nicht zu den Herzögen des globalen Königreiches, dessen König zur Zeit ohne Kleider versucht sein Reich zusammen zu halten gegen zwei rebellierende Herzöge, die ganz genau wissen, dass der König keinen Plan B hat und deswegen schon fast verzweifelt an Plan A festhält – zumindest in der Zombierealität der Medien.
    Viel Spaß beim lesen:
    http://analitik.de/2016/10/13/willkommen-in-der-multipolaren-welt/

  14. Mir ist bewußt, dass es in der Umfrage nur um eine Interessenabfrage geht.
    Aber einen Schritt weiter gedacht: Könnten wir uns überhaupt weitergehend beteiligen?
    Ich bezweifle das, weil mMn die Bundeswehr materiell (und wohl auch personell) gar nicht dafür ausgerüstet wäre.

  15. @Klabautermann: Ne aber Brüssel und da muss klar werden, dass ohne EU in Europa Leibeigenschaft ein feuchter Traum bliebe. Rom, Berlin und Paris erkennen dies zunehmend. Und Herzog ist ein Titel, der an Atomwaffen geknüpft ist.

  16. Luftangriffe nicht in Syrien sondern im Irak, oder alternativ dazu PZH2000 in Fire-bases hinter der Front wie die Amerikaner, um den Sturm auf Mosul zu unterstützen. Das wäre was handfestes was wirklich Leben rettet.

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