DroneWatch: Sammler Oktober 2016

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Einen neuen Sammler zum Thema Drohnen mache ich jetzt schon aus eigenem Interesse auf: Immer wieder stoße ich auf Informationen zu dem Thema, die ich doch gerne irgendwo gesammelt hätte…

Zum Beispiel die jüngste Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linkspartei zum Thema unbemannte Systeme, vor allem das geplante NATO Alliance Ground Control System (AGS) mit seinen GlobalHawk-Drohnen, aber auch die deutsche Planung für das weitere Vorgehen bei den HALE-Systemen und die Flüge von US-Global Hawk von Sizilien quer über Deutschland an die russische Grenze in der Ostsee.

Die Antwort ist bislang noch nicht auf der Bundestagsseite eingestellt, aber bereits vom Fragesteller Andrej Hunko auf seiner Webseite veröffentlicht. (Nachtrag: steht jetzt beim Bundestag als Drucksache 18/9940 auf der Seite.)

Interessant scheint mir vor allem der – verzögerte – Zeitplan für AGS:

Die Auslieferung des ersten Luftfahrzeuges ist für das erste Halbjahr 2017 geplant. Die militärische Anfangsbefähigung ist für Ende des Jahres 2017 und die volle militä- rische Einsatzbefähigung für Ende des Jahres 2018 geplant. Diese Planung setzt die erfolgreiche Durchführung der zweistufigen Einsatzprüfung voraus. (…)
Die luftrechtliche Zulassung durch die italienische Zulassungsbehörde befindet sich derzeit in Bezug auf den vorgesehenen Zeitplan in einer kritischen Phase. Mit Blick auf die inhaltlichen Fragestellungen des Zulassungsprozesses steht die italienische Zulassungsbehörde in engem Kontakt mit dem Hersteller.
Der Erstflug des ersten NATO AGS Luftfahrzeuges erfolgte am 19. Dezember 2015. Die Verzögerung von ca. vier Monaten gegenüber dem ursprünglich geplanten Datum war durch die Anpassung von Softwareanteilen und der verzögerten Bereitstellung von Dokumentationsunterlagen seitens des Herstellers begründet.

Das mit der verzögerten Bereitstellung von Dokumentationsunterlagen seitens des Herstellers erinnert mich an irgendwas…

(Ehe jetzt die Frage kommt, warum ich zwar die Rubrik DroneWatch wieder aufmache, aber keinen regelmäßigen Drehflügler-Thread: Ich wäre schon gerne relativ sicher, dass es dort nicht wieder zu einem persönlichen Schlagabtausch wird…)

 

26 Gedanken zu „DroneWatch: Sammler Oktober 2016

  1. Herr Wiegold, ich bitte Sie (im eigenen Interesse) nicht alle „Drohnen“ optisch (und sinngemäß) über einen Kamm zu scheren. Dies ist doch schließlich auch ein Fachforum. Was hat Aladin mit dem Global Hawk zu tun?
    Ein A400M ist schließlich auch keine Global 5000.

  2. Der eigentliche Skandal ist die Aufnahme der EH Erprobung in 2018.
    Fünf Jahre Verzug und Millionen Mehrkosten durch TdM und Staatssekretär B.
    Dies ohne Rechenschaft und Konsequenzen für die Verantwortlichen.

  3. hartpunkt.de: DCNS and Airbus Helicopters wollen eine Marine-Drohne bauen. Dazu entstaubt Airbus ein 10 Jahre altes Konzept auf Basis VSR700, was wiederum auf dem leichten Helikopter Cabri G2 beruht, mit bis zu 100 kg Nutzlast.

  4. Weiter für die Sammlung, von DefenseTech:

    ISIS Flying Drones to Spot Artillery Near Mosul: US General

    Islamic States fighters are flying off-the-shelf drones as artillery spotters in the defense of Mosul, the U.S. and coalition commander for operations in Iraq and Syria said Wednesday.
    The small drones have been used “to control and direct indirect fire” by artillery and mortars, said Army Lt. Gen. Stephen Townsend, commander of Combined Joint Task Force-Operation Inherent Resolve.
    The drones have gone from being a nuisance to a battlefield threat to U.S., coalition and local forces, Townsend said in a video briefing from Baghdad to the Pentagon.

  5. Hm.

    Sweden bans cameras on drones

    The use of camera drones has been made illegal in Sweden unless they are granted a special surveillance permit.
    Under new rules set down by the Supreme Administrative Court of Sweden, camera drones qualify as surveillance cameras and require a licence.
    Permits can be expensive and paying to apply for one does not guarantee it will eventually be granted.
    There are no exceptions made for journalists, and critics have said the ruling could mean job losses.

  6. DIe OSZE hat ihre Drohnenflüge (mit gemieteten Schiebel S-100 Camcoptern) über der Ostukraine eingestellt, weil die UAVs regelmäßg beschossen oder elektronisch gestört wurden:

    International Monitor Quietly Drops Drone Surveillance of Ukraine War

    The European security organization tasked with monitoring deadly violence between government forces and Russian-backed separatists in eastern Ukraine has lost its most effective surveillance tool in the conflict: long-range unmanned aerial vehicles, or drones.
    The long-range drone program was crucial for spotting armed attacks, the stationing of prohibited weapons, and countless other cease-fire violations. But it was nixed two months ago, Foreign Policy has learned, after several of the aircraft were targeted by surface-to-air missiles and military-grade electronic jamming.
    “Long-range UAV operations were suspended in August following a series of hostile acts,” said Natacha Rajakovic, a spokeswoman for the Organization for Security and Cooperation in Europe (OSCE), the group authorized by world powers to observe the conflict.

  7. Mal im Ernst – was hat man denn erwartet? Die S-100 ist nicht wirklich klein und ich weiß nicht, ob die Konfliktparteien immer genau wissen, ob das jetzt eine feindliche oder eine OSZE-Drohne ist. Im Zweifel wird ohnehin geschossen, denn es dürfte auch abseits der Konfliktparteien etwas los sein (Stichwort: organisierte Kriminalität etc.).

  8. @T.W.:
    Viele Dank für den Hinweis auf die Dissertation.
    Ein UAS (bzw. hier als UMKS bezeichnet) ist also ein heimtückisches Waffensystem.

    Interessante Sichtweise.

    Taurus, RakArt und Scharfschütze sind hingegen unproblematisch?

    Ich verstehe weiterhin die insbesondere in Deutschland propagierte Sonderrolle der UAS nicht.

    Zur Schiebel-Drohne:
    Hier bestätigt sich erneut die erhebliche EloKa-Fähigkeit der russischen Streitkräfte und/ oder Dienste.

    Den Amerikanern macht das erhebliche Sorgen, entsprechende Beschaffungsplanungen wurden neue priorisiert. Und bei uns?

    Ach ja wir gründen ja einen neuen OrgBer – aber wann hat der entsprechende Fähigkeiten?

    Und was für Folgen muss derlei für unsere Führungsmittel, Drohnen, etc haben?

  9. @ Memoria

    Ich weiß von einer Weiterbildung auf G6-Ebene einer multinationalen Brigade, auf der ein baltischer Elokist zu gesicherten Erkenntnissen über die russische Befähigung zum elektronischen Kampf zu Lande vorgetregen hat. Danach herrschte betroffenes Schweigen im Raum, gefolgt von der Überlegung, wie man „Führen mit Lagekarte“ wieder üben könnte ;-)

    Dies ist aber ein überaus wichtiger Faktor für zukünftige Drohnen-Projekte, denn was nützt mir ein Vogel, den ich nicht mehr führen kann bzw. an dessen Aufklärungsdaten ich nicht herankomme?

  10. @Voodoo.. vor meinem geistigen Auge sehe ich schon die Sperrholzplatte im GTK Boxer auf den FüInfoSys-Monitor mit Panzertape geklebt, um darauf die Papierkarte befestigen zu können.. am Rahmen daneben ein Plastikkaffeebecher für die Stifte…/SNCR

  11. @Vodoo:
    Vielen Dank für die Rückmeldung. Sehr bezeichnend.
    Eben diese Realitäten scheinen weiter in Konzeption, Ausbildung/ Übung und Rüstung ignoriert zu werden.

    Im Kern eben auch kein G6-Thema, sondern FGG 2 und 3.

    Aber im Heer gibt es zwar hochtrabende Seminare zu Hybrid Warfare an der FüAk.

    Aber bei der diesjährigen Divisionsübung der 10. PzDiv (Schneller Degen) stützt man sich weiter stolz auf FüInfoSys ab und der Gegner verhält sich nach Drehbuch:
    http://www.tvtouring.de/mediathek/video/ueben-fuer-den-ernstfall-gefechtsstanduebung-schneller-degen-2016-in-wildflecken/

    Der Degen wird wohl nicht schnell, sondern gar nicht gezogen werden können.

    Die Drohnen sind da dann eben nur ein Teilproblem. Die KZO ist da wohl noch relativ resistent – zumindest in der Theorie. Über die OSZE könnte man ja Erkenntnisse gewinnen und diese in den Bereich Rüstung einfließen lassen. Aber wer ist da zuständig? PlgA? Heer? SKB? Lw? CIR?

  12. @ Fux

    Soweit ab von der Realität sind Sie gar nicht – denn das Führen vom „GefStd BOXER“ wird es in der Realität so aus verschiedenen Gründen nicht geben, zumindest nicht unterhalb der Brigadeebene.

    Insofern ist das ILÜ-Bild auch für die Tonne – zumal FüInfoSys(H) da auch nicht real betrieben wird / wurde. Es könnte so einfach sein, aber auch hier hat sich das Heer bzw. die Bw in eine unfassbar teure Goldrandlösung verrannt, die aus Gründen der Prestige nicht mehr schiefgehen darf, auch wenn sie einfach nichts taugt.

    @ Memoria

    Im Zweifel jede(r) TSK / OrgBereich für sich selbst – braucht ja schließlich jeder seine eigene Drohne und so… ;-)

  13. @Memoria „Ein UAS (bzw. hier als UMKS bezeichnet) ist also ein heimtückisches Waffensystem.“:

    Der Autor kommt zum gegenteiligen Ergebnis. Er schreibt auf Seite 75:

    […] Dennoch wird ihr Einsatz nicht als heimtückisch eingestuft werden können, da für die Zielpersonen und -objekte, bei aller Überraschung, keine besondere Vertrauenslage geschaffen und ausgenutzt wird.

  14. In der abschließenden Zusammenfassung auf S. 79 kommt der Autor jedoch zu folgendem Ergebnis:

    „UMKS können mit unterschiedlichsten Wirkmitteln bestückt werden und ihre Einsatzvarianten sind mannigfaltig. Insoweit besteht durchaus eine gewisse technisch-rechtliche Neutralität von UMKS als Trägersystem. Eine ethische Neutralität wird ihnen jedoch aufgrund der mit ihrem Einsatz zwangsläufig verbundenen Heimlichkeit und den sich daraus ergebenden psychologischen und gesellschaftlichen Folgen für Zivilbevölkerungen in betroffenen Einsatzgebieten nicht attestiert werden können“.

    Also eine ethische Einordnung und Bewertung, die sich mir so zwangsläufig nicht erschließt.

  15. @Memoria

    „…aufgrund der mit ihrem Einsatz zwangsläufig verbundenen Heimlichkeit und den sich daraus ergebenden psychologischen und gesellschaftlichen Folgen für Zivilbevölkerungen…“

    …..und die trifft u.a. auch auf weitreichende Artilleriesysteme, U-Boote und hochfliegende bemannte Systeme zu.

  16. @zimdarsen:
    Eben. Deswegen kann ich die Gründe für eine Ablehnung von Drohnen oftmals nicht nachvollziehen (siehe Beitrag von 11:48)..

    Allzuoft werden besonders in der deutschen Drohnendebatte lediglich politische Meinungen in quasiwissenschaftliche Argumentationslinien gekleidet – und somit die Meinung zur wissenschaftlichen Erkenntnis erhoben.

    Mit erheblichen Auswirkungen auf den politischen Willrnsbildungsprozess.

  17. @Memoria:

    Ich habe jetzt aus Zeitmangel nur sehr bruchstückhaft in der Arbeit gelesen, verstehe seine Argumentation aber folgendermaßen:

    1. Die Verfügbarkeit von Drohnen ermöglicht die Durchführung von Einsätzen, die man mit anderen Waffensystemen nicht oder nicht in dieser Frequenz (!) durchgeführt hätte.
    Diverse Einsätzmöglichkeiten erscheinen dank der Verfügbarkeit von Drohnen als Schnäppchen, und damit steigt die Gefahr, dass sie unbedacht und exzessiv eingesetzt werden.

    2. Das Beispiel Nord-Waziristan
    Dazu siehe Seite 50 und Seite 76.
    Er bezieht sich auf Quellen, nach denen zum einen die Belastung für die Zivilbevölkerung sehr hoch ist, mit massiven Folgen quer durch alle Bereiche des Lebens, und zum anderen aus dieser Belastung heraus ein Potential für Radikalisierung entsteht und das Gegenteil von „winning hearts & minds“ passiert.

  18. @Ein Leser:
    Genau diese Argumentation ist eben nicht rechtswissenschaftlich – wie der Titel der Dass suggeriert – sondern eine Wiederholung von immer mehr verbreiteten Thesen, denen weiterhin Logik, Stringenz und Realitätsbezug fehlt.

    Das erste Argument ist reiner Unsinn: Nur weil ein Waffensystem verfügbar ist, wird es häufiger und exzessiv genutzt?

    Das zweite Argument wird durch die Wiederholung nicht besser: Signature strikes haben nichts mit dem Einsatz in Konflikten im Sinne des HVR zu tun.

    Fazit: Erneut werden verschiedene Anti-Drohnen-Thesen in einer juristischen Dissertation vermengt.

    Sagt einiges über unser Bildungsystem.

    Die Arbeit wird aber sicherlich bald im politischen Diskurs aufgegriffen.

    Die Diskussion scheint jedoch immer schiefer zu werden, leider war der offizielle Start schon merkwürdig:

    http://augengeradeaus.net/2014/06/dronewatch-sammlung-fuer-bundestagsanhoerung-30-juni/

    [sorry, dieser Kommentar blieb aus unerklärlichen Gründen im Spam-Filter hängen… T.W.]

  19. @Ein Leser:
    Irgendwie bleibt ein Kommentar hier trotz mehrerer Versuche hängen.

    Daher nur kurz:
    Beide Argumente sind nicht juristische Logik, sondern pflegen besonders in der deutschen Debatte gepflegte ungeeignete Vergleiche (Signature strikes sind nicht mit UAS gleichzusetzen!).

    Aber diese schiefe Argumentation kann man nun auch mit Verweis auf eine Dissertation verbreiten.

    Der Herausgeber hat also ein weiteres Zwischenzeit erreicht.

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