Kampf gegen ISIS im Irak: Schlacht um Fallujah

Im Irak hat offensichtlich der Kampf um die Stadt Fallujah begonnen, die unter Kontrolle der ISIS-Terrormilizen steht. Die Details müssen noch vage bleiben; aus der ersten Zusammenfassung am (heutigen) Montagmorgen von Reuters:

Iraqi forces clash with Islamic State south of Falluja, bomb city center
Iraqi forces clashed with Islamic State militants near Falluja on Monday while bombing central districts in the initial hours of an offensive to retake the militant stronghold just west of Baghdad that could take several weeks.

Some of the first direct engagement occurred in al-Hayakil area on the city’s southern outskirts, a resident said. Air strikes and mortars overnight targeted neighborhoods inside the city proper where Islamic State is thought to maintain its headquarters.

Die Offensive war am (gestrigen) Sonntagabend von der irakischen Regierung angekündigt worden:

The Iraqi military on Sunday said it is planning to storm Islamic State-held Fallujah, the city that was the scene of the bloodiest fighting for U.S. Marines during the Iraq War.
In a late-night televised address, Iraqi Prime Minister Haider al-
Abadi said the operation to retake the city in the western province of Anbar had begun.
A statement from the military said counterterrorism forces, police, tribal fighters and popular mobilization units — which include an array of Shiite militias — will be involved. (…)
It’s not an order of battle that correlates to U.S. military policy, which had focused on an offensive targeting Mosul, the Islamic State-held city farther north.

berichtet die Washington Post.

Weiter dann nach Entwicklung (das dürfte dann der lange vermisste neue ISIS-Thread werden; auch wenn es zunächst vor allem um Irak geht.)

(Detail am Rande: Der im Tweet ganz oben gezeigte Hubschrauber dürfte einer der Airbus-Helikopter sein, die mit deutscher Zustimmung an den Irak geliefert wurden – 2011/2012 erhielt das Land 24 Kampfhubschrauber vom Typ EC635 aus Deutschland.)

32 Gedanken zu „Kampf gegen ISIS im Irak: Schlacht um Fallujah

  1. Zur Ergänzung, (nicht, dass erneut dupliziert wird, bin derzeit nur mobil dabei, etwas schwierig)
    „@BlogsofWar: Iraqi Leader Announces Offensive on ISIS-Controlled City of Falluja https://t.co/VkQiSO36DF
    Wie es denn so läuft, in und mit FALLUJA, nachfragen beim Marine Corps, Mai-Juni 2005!
    Ggf am Abend mehr dazu, sofern bis dahin noch nicht rekapituliert.
    Übrigens, „American Sniper“, aus 2014, von Clint Eastwood: Der Film behandelt die Lebensgeschichte des Scharfschützen Chris Kyle, der mit über 160 bestätigten Tötungen laut Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten der erfolgreichste amerikanische Scharfschütze war, spielt vor dem Hintergrund der Gefechte um FALLUJA.

  2. Falls man darüber rätselt, warum der US-„Warplan“ im Irak (Mosul first) nicht so recht vorran kommt:
    http://www.nzz.ch/international/nahost-und-afrika/interview-mit-masud-barzani-kurdistan-ist-reif-fuer-die-unabhaengigkeit-ld.84043
    Ohne die Kurden wird das nix mit Mosul und auch nicht ohne mehr shiitisch (iranische) Mitsprache, aber dafür fordern die Kurden einen Preis, den weder Bagdad noch die US bereit sind zu zahlen.
    Ich vermute einmal, dass das auch in Syrien das „Problem“ ist in Sachen Raqqa. In Syrien kommt natürlich noch Rußland dazu.
    Im Irak gehts nicht so recht vorran militärisch ohne die Kurden und Shiiten und in Syrien nicht ohne die Kurden und die Russen – und politisch blockt man die Kurden, Rußland und den Iran in beiden „Kampfzonen“ weiter ab.
    Das kann noch sehr lange dauern bis Mosul und Raqqa eingenommen werden.

  3. Na da wollen wir doch mal hoffen dass unsere amerikanischen Freunde nicht wieder “ versehentlich“ schiitische Milizen bombardieren und „versehentlich“ Nachschub im IS Gebiet absetzen.

  4. @Klabautermann, KPK:

    Ihre Beiträge nebeneinander lesen sich genial. American Sniper, Posttraumatiker und Antiheld? Nun müssen die regionalen Kräfte ran, da wir Kriegsmüde sind, aber vor allem da wir auch erkannt haben, dass wir es mittel- bis langfristig nicht für die Region richten können.

    Von diesem strategischen Zielkonflikt profitiert Daesh auch vor dem Hintergrund der absoluten Unfähigkeit in Sachen politischer Organisation und Entwicklung seitens der Eliten in der Region.

    Hierzu liest sich George Friedmann ( The weakness of Targeted Killings) ganz gut, der den nächsten Zielkonflikt aufzeigt: https://geopoliticalfutures.com/

  5. @AoR

    Sie haben ja so recht – und so wird auch der vor-/gestrige „Abschuß“ des obersten Taliban sich ganz bestimmt positiv auf die Stabilisierung Afghanistans auswirken /sarc- auch hier fürchte ich, dass Daesh in Afganistan mehr von diesem kill profitieren wird als die Zentralregierung.

  6. @ AoR & klabautermann – Was wollt ihr denn immer von dem Herren George Friedmann, der war ein argentinischer Kameramann und Fotograf ungarisch-jüdischer Herkunft. Ich vermute ihr meint George Friedman.
    (Damit erspart ihr auch dem Hausherren den Verbrauch eines „n“, einem Buchstaben für den durch seine häufige Verwendung oft ein Mangel besteht.)

  7. @es-will-merr-et-in-mei-Kopp-eei: Dake für de Hiweis. De Kolumist bei der ew York – Times gibt es ja auch och. ;)

  8. @es-will-merr-net-in-mei-Kopp-enei

    Au weia, guter Punkt.
    Bei mir ist das wahrscheinlich ein unterbewußter Reflex, denn mein irl Nachname endet mit 2 „n“ – wie in klabautermann – aber die Amerikaner haben ihn immer nur mit einem geschrieben; wahrscheinlich nimmt mein Unterbewußtsein denen das noch immer übel und deshalb hänge ich an jedes „man“ ein „n“ dran.
    Aber ich sollte wirklich etwas sparsamer mit den „n“ des Hausherren umgehen……..;-))

  9. Heute vor genau 75 Jahren(!) waren auch deutsche Kräfte am Kampf um Fallujah beteiligt!

    Damals auf Seiten der Iraker gegen die Anglos

    On 22 May, the Iraqi 6th Infantry Brigade, of the Iraqi 3rd Infantry Division, conducted a counter-attack against the British forces within Fallujah. The Iraqi attack started at 02:30 hours supported by a number of Italian-built L3/35 light tanks. By 03:00 the Iraqis reached the north-eastern outskirts of the town. Two light tanks, which had penetrated into the town, were quickly destroyed. By dawn British counter-attacks had pushed the Iraqis out of north-eastern Fallujah. […]
    On 23 May, aircraft of Fliegerführer Irak made a belated appearance. British positions at Fallujah were strafed on three separate occasions. But, while a nuisance, the attacks by the Luftwaffe accomplished little. Only one day earlier an air assault coordinated with Iraqi ground forces might have changed the outcome of the counter-attack.

  10. Umfassende Darstellung der 2004er Kämpfe mit, vor allem U.S.-Marines und Unterstützung GBR- sowie IRK Truppen um FALLUJAH.
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Operation_Phantom_Fury
    Wenige Anmerkungen/Hinweise.
    1. Unter Zugrundelegung sämtlicher Kämpfe wärten die Operationen acht (!) Monate, April – November, allerdings mit „ruhigen“ Phasen in der Sommerhitze. Ob dieser Zeitraum eine Erwartung hinsichtlich der aktuellen Kämpfe zulässt, hängt von der – öffentlich – nicht bekannten Feindlage ab.
    2. In der Vorbereitungsphase wurde
    – die Zivilbevölkerung zum Verlassen der Stadt aufgefordert, ca. 50 – 60.000 folgten dem
    – die Stadt wurde abgeriegelt, durch Briten und Iraker
    – Aufkl erstmals umfassend durch UAS (Dragon Eye) betrieben.
    3. Feind, den Insurgents blieben die Angriffsvorbereitungen nicht verborgen. Er
    – legte MunVorräte an
    – traf pioniertechnische VgMaßnahmen durch Verminung von Straßen,
    – setzte erstmals VBIED in Massen ein
    – bestand aus Hussein-treuen Kämpfern, al-Quaeda und Einwohnern der Stadt
    – insgesamt 5 – 6.000 Kämpfer.
    4. Eigene Truppe
    – max 15.000 US/UK, Briten waren an direkten Kampfhandlungen nicht beteiligt, ebensowenig die
    – 2.000 Iraker
    – Die alliierte Truppenstärke entsprach damit dem Standard der reinen Lehre von
    (minimal) 3 : 1 im Angriff. Für einen sicheren Erfolg muss bei URBAN OPERATIONS ein Verhältnis von 6 : 1 angesetzt werden. Der schließliche Erfolg der Marines in der Hauptphase der Kämpfe vom 08. – 16. November 2004 war wesentlich auch der artilleristischen und CAS-Befähigung der U.S. – Truppen zuzuschreiben.
    Die 82. Luftlandedivision und, ab 20. März 2004, die 1st Marine Expeditionary Force (MEF) waren Hauptträger der Kämpfe.
    5. Durchführung, Auswertung und Fazit der Kämpfe, sollte selbst gelesen werden.
    Mit FALLUJAH begann in der Folge im Heer die Überarbeitung der Konzepte zu MOUT, bzw „Urban Operations“ und die Umsetzung in der Dv-Landschaft der Kampftruppen, sowie die konzeptionelle Grundsteinlegung zum Gefechtsübungszentrum.
    Die Anfänge zu beidem sind allerdings schon im 1. / 2. Tschetschenienkrieg, Operationen in GROZSNY, zu erkennen.
    PS: Zur Bewertung der aktuellen Lage fehlen Hinweise zur IRK und Daesh-Truppenstärke.

  11. Oder vielleicht nur ein Ablenkungsmanöver damit die Sadr Milizen nicht ständig den Regierungssitz stürmen? Kleinere Ortschaften wird man mit Massiver Luftunterstützung vom IS befreien können. Ohne US Luftunterstützung, US Einweiser und US Spezialkräfte am Boden dürfte im Kampf gegen den IS nicht viel gehen. Wenn der Druck der USA nachlassen würde, dürfte der IS wieder Gebiete gewinnen. Das mit den ständigen Luftangriffen dürfte sicher für die USA richtig ins Geld gehen. Hoffentlich haben die USA einen langen Atem.

    Nach den Drohnenangriff auf den Taliban Führer könnten sich die Taliban auch in 2 oder mehrere Fraktionen mit eigenen Führer spalten. Manche Taliban Fraktionen wollen dann verhandeln, andere wieder nicht. Da kommen die USA sicher auch nicht weiter. In Libyen gibt es wohl weiterhin die Einheitsregierung nur auf den Papier. Das reicht wohl nicht um einen Schlag dort gegen den IS zu beginnen. Das mit Yemen sieht auch nicht gut aus.

  12. @AoR
    Die Rolle der „contractors“ – immer noch – aufschlussreich zu lesen, und das alles nach „Black Water“.
    Da in Fallujah, anstehend ebenfalls Mossul und ar-Raqqa jedoch einheimische Truppen die Drecksarbeit zu leisten haben, muss zu seriöser BdL gewusst werden
    – Stärke aller der IRK Armee verfügbaren Truppen, ihre Kampfkraft, ihr Gefechtswert und
    – Gleiches hinsichtlich der Daesh-Kämpfer innerhalb der Stadt, sowie
    – folgt(e) die Bevölkerung den Aufrufen , die Stadt zu verlassen; Daesh soll das zu verhindern suchen.
    Einzig halbwegs sicher, Zahl und Auftrag der U.S.-SOF bei TAA, IntelSupport, Recce und CAS.

  13. @AoR
    Die obige Verlinkung zu AFP http://www.globalpost.com/article/6771202/2016/05/23/forces-fighting-iraqs-fallujah
    gibt gewisse Hinweise zu eingesetzten Truppen, bleibt jedoch insgesamt sehr an der Oberfläche, was hinsichtlich Daesh auch kaum anders machbar sein dürfte.
    Letztlich werden Details zu Daesh erst nach Abschluss der Operationen bekannt werden. Glauben werde ich den IRK Angaben dabei keinesfalls, das werden Zahlen aus 1000-und-einer-Nacht sein.

  14. Hier werden zu Fallujah-Stadt 500-700 Kämpfer genannt.
    http://abcnews.go.com/International/wireStory/iraqi-forces-battle-militants-fallujah-39299841
    Träfe das zu, sollte die Stadt zum Monatsende genommen sein.
    http://abcnews.go.com/International/wireStory/iraqi-forces-battle-militants-fallujah-39299841
    Lehrreich auch, von ursprünglich 250.000 Einwohnern sollen „nur“ noch 60.000 bis 100.000 geblieben sein, unter Daesh-Kontrolle.
    Sorgen macht die massive Anwesenheit schiitischer Milizen außerhalb der sunnitischen Zentrale Fallujah. Bevor die wie so oft Konfession nach vorn geschoben wird, es geht weniger um den rechten Glauben als vielmehr um die Macht der eigenen Ethnie.

  15. Waehrend IS in IRQ eine weitgehend innenpolitische Unzufriedenheit der sunnitischen Mehrheit it der seinerzeitigen Marginalsierung durch al-Maliki ausnutzte, ist die Gemengelage des IS in SYR etwas anders. In SYR ist der IS attraktiv fuer syrische Rebellen, weil sie durch bessere Bezahlung, Ausruestung und straffere Organisation Erfolge erzielen konnte, die den hunderten anderen islamisch orientierten Gruppen verwehrt geblieben sind. Natuerlich profitierte der IS in SYR von der Dynamik der Geschehnisse im IRQ- und von der Schwaeche AQ’s, die ein einheitliches Vorgehen mit ihrem Ableger Al Nusra 2013 abgelehnt hatte.
    Beide IS Komponenten ist jedoch gemeinsam, dass sie mehr zu sein scheinen als eine militaerische Bedrohuing. Der IS hat bewiesen, dass er regulaere Kraefte schlagen und selbst im Westen erfolgreich komplexe Terroranschlaege ausfuehren lassen kann.
    Das erklaert zu einem guten Teil die Attraktivitaet in weiten Bereichen junger, maennlicher, oftmals arbeitsloser Muslime, die – wenn sie in Europa leben- noch dazu unzureichend integriert sind oder sich so fuehlen. Erstmals im Bewusstsein heute lebender Generationen, gibt es also eine Organisation, die hinreichend effektiv erscheint, dem immanenten Unterlegenheitsgefuehl etwas entgegenzusetzten zu koennen.
    Den IS zu bekaempfen geht aus meiner Ueberzeugung weit uber die militaerische Komponente hinaus. Wir sollten uns dabei von takt./ operativen Begriffsmustern freimachen. Raum, Zeit, Kraefte spielen in der Tat eine untergeordnete Rolle, wenn bspw. taktische Erfolge durch Misswirtschaft, Korruption und Inkompentenz staatlicher Institutionen und deren bezahlter Vertreter konterkariert werden. Bad governance im Falle des IRQ oder Abwesenheit staatlicher Strukturen wie in SYR werden auf mittlere und lange Sicht immer wieder Organisationen wie den IS generieren und verstaerken. Dabei sollte der religioese Anspruch des IS – Stichwort Kalifat- nicht vergessen werden. Auch das ist fuer Fanatiker attraktiv und ein wesentlicher Abgrenzungspunkt zu AQ. Ein Leben nach Scharia und islamischen Werten ist ein Gegenentwurf zur westlichen Lebensweise. Eigentlich nicht miteinander vereinbar, aber wir haben es als Fakt zu akzeptieren. Diese Herausforderung bleibt also bestehen.
    Die Frage ist, ob sich der Westen im IRQ immer wieder vorschieben laesst um marode gesellschaftliche Systeme kuenstlich am Leben zu erhalten oder wie in SYR es ablehnt, sich endlich entschieden in eine Anti-IS Allianz einzubinden, die RUS, IRN und das Regime dort umfasst. Das Dilemma einerseits Assad abzulehnen und die Unfaehigkeit ihn zu beseitigen verstaerkt nur den Eindruck westlicher Schwaeche in der Region.
    Da diese grundsaetzliche westliche Haltung zunaechst bestaendig ist, bleibt die (zeitweilige?) Rueckeroberung von Orten und Raeumen zweitrangig.
    Der o.a. empfohlene Beitrag von George Friedman zur Unzulaenglichkeit sog. targeted killings geht in diesselbe Richtung. Das Toeten von erkannten TIER 1/ 2 schafft Entlastung fuer einen Moment und gleichzeitig Platz fuer Nachruecker. Weder SOF- noch Drohnenangriffe haben dauerhafte Erfolge ermoeglicht, weil genau dies durch eine Nachhaltigkeit in den Gemeinden und Strukturen vor Ort geschehen muesste. Die Neutralisierung von Schluesselpersonal als militaerische Komponente wirkt nur dann, wenn einer Gesellschaft effektive Verbesserungen in allen Lebensbereichen folgt.
    Dies passiert aber nicht – weder national noch international.

    Der IS naehrt sich also selbst und von innen heraus solange man ihm nur scheibchenweise militaerische Reaktionen entgegensetzt und so gut wie keine allumfassende politische, gesellschaftliche und soziale. Leider ist der IS so erfolgreich, weil er die Schwaechen ausgehoehlter, inkompetenter Strukturen ausnutzt, gesellschaftliches Vakuum erkannt hat und fuer einige frustrierter und gelangweilter Foreign Fighters eine Lebenslage ermoeglicht, in der sie diffuse Ideologie und kriminelle Neigung ausleben und sogar Geld verdienen und sich Frauen leisten koennen.

    Sieg oder Niederlage des IS entscheidet sich nicht in Falluja oder Raqqa.

  16. In Ramadi soll der IS auch nur 1.000 Kämpfer gehabt haben und dort haben die Iraker ganz andere Kräfte aufgefahren, die sehr lange hart gekämpft hatten. Die andere Frage ist, ob die Soldaten an der Front von Falluja wirklich kämpfen wollen oder sich mehr auf die eigene Unversehrtheit konzentrieren? Für den Staat will sicher kaum einer sterben. Mal sehen, ob überhaupt ein Angriff auf die eigentliche Stadt gestartet wird.

  17. @Benedikt

    Zynischer Weise könnte man meinen, dass die shiitischen Milizen irgendwie fern von Bagdad gehalten werden müssen, damit sie nicht irgendwann demnächst in die Grüne Zone einmarschieren.
    In der Ukraine gibt Kiew sich ja auch jede Mühe die ultra-nationalen Milizen möglichst weit im Osten beschäftigt zu halten. /SCNR

  18. @Eric Hagen: Großartig! +1

    Ich hatte auf diese Debatte gehofft, den Skaleneffekt: Bad Governance und politischer Islam in der Region, denn den lässt selbst George Friedman unter den Tisch fallen. Er ist wohl auch Geschäftsmann!

    Denn, die Sharia als einheitlichen Gesetzesentwurf existierte nie und wird nie existieren . Also was ist dieser Religiöse Wahn auch nach DC10-Psychiatrie nun wirklich? Bzw. wer instrumentalisiert ihn?

    Al-Nusra ist die stärkste Dschihadistenfraktion überhaupt. Al-Nusra ist Al-Kaida welche wiederum damals gemeinsam mit Baathisten in Falludscha mit dem Rücken an der Wand stand. Daesh speist sich aus ehemaligen Baathisten (auch viele Sufis), welche nun den politischen Islam wahhabitischer Prägung als Narrativ nutzen um polit-ökonomische Ziele zu verwirklichen.

    Daher die Frage: Woher dieser Wandel, woher die Anreize für diese bizarre politische Transformation?

  19. Herr Benedikt sterben will überhaupt kein Soldat, er versucht nur seinen Auftrag zu erfüllen
    mit den Mitteln und der Ausbildung die er hat.

    Wenn ich mir anschaue wie die IDF im Gazastreifen vorgegangen sind,
    erst die Zivilisten zum Verlassen der Kampfzone auffordern, dann alles platt machen und zum Schluss mit schwer gepanzerten und ferngesteuerten Planierraupen Widerstandsnester ausräumen,
    sehe ich keine Fehler darin das die Irakischen Streitkräfte in Falludjha eigenes Blut sparen wollen

  20. @AoR
    Ihre Frage zielt auf den Kern. Was macht den IS so attraktiv?
    Ein paar Erklaerungsversuche:

    – Mit dem Tod von OBL in 2011 hat AQ seinen Chefpaten verloren. Er war das Gesicht AQ, das bei uns daemonisiert und in weiten Teilen der islamischen Welt mit einem Kopfnicken bedacht, wenn nicht sogar herosiert wurde. Sein Nachfolger ist vglw. farblos. AQ- Kader leiden unter grossem Verfolgungsdruck. AQ ist daher gezwungen sehr im Verborgenen zu arbeiten. Das schraenkt den Aktionsradius deutlich ein.

    – Der IS im IRQ rekrutiert sich aus mehreren Pools: Alte Baathisten, sunnitische Staemme, Arbeitslose und Frustrierte, die sich auf lokaler Ebene organsierten. Ehemalige AQI Kaempfer auf verschiedenen Ebenen kooperieren mit Ex- Militaers. Vmtl. gewaehr(t)en korrupte Regierungsstellen Hilfestellung.
    Damit hat der IS „ein Gesicht“- eine direkte, oertliche Ansprechstelle. Den Rest besorgen religioese Fanatiker, die in dem von ihnen angerichteten Chaos einen goettlichen Willen hinein interpretieren. Erfolgreich, zumeist.

    – IS hat einen Grad der Organisation, den AQ nie hatte. Strenge Hierarchie, religioese Ausrichtung, militaerische Ausbildung und finanzielle Reichweite bedingen einander und ziehen viele junge Maenner an, die in ihrer Erfahrungswelt des irakischen Chaos der letzten 20 Jahre eine gewisse Verrohung und Naehe zu Gewalt erlebt haben.
    Der IS bietet also Perspektive, ein mutmasslich ethisch hoch stehendes Ziel und liefert noch dazu den Nachweis einer Durchschlagskraft, die auf Viele euphorisierend wirkt.

    – In gewisser Weise- das waere noch zu belegen- ist der IS eine Folge des Erfolges der USA gegenueber AQ und der (zeitweiligen) Befriedung des IRQ ( Stichwort Surge ab 2007 ff.) Die Zahl aktiver AQ -Kaempfer beziffert sich gem. US Angaben auf wenige Hundert- die des IS hingenen nach Zehntausenden, fasst man alle Ableger und Franchise- Partner zusammen.

    – Der IS hat heute ein Einflussgebiet, dass AQ niemals hatte. Der IS schafft in diesen Zonen Perzeptionen von Herrschaft, Dominanz und Macht und delektiert sich an furchteinfloessenden Video-clips niemals zuvor geuebter Brutalitaet ggue. „Feinden“, Verraetern und Gotteslaesteren.
    Der IS zieht Menschen an, fuer die AQ in einer abstrakten, weil unerreichbaren Distanz gewesen sind, heute umsomehr, als der IS hingegen mit dem Auto, dem Flugzeug und uebers Internet erreichbar geworden ist.
    Der IS ist mehr als eine temporaere Heimsuchung. Er drueckt ein radikales Lebensgefuehl aus.

  21. @eric hagen
    Nicht zu vergessen die Idee vom Kalifat, während es AQ „nur“ um die Befreiung der Hl. Stätten ging.

  22. Fallujah ist eingeschlossen.
    http://edition.cnn.com/2016/05/31/middleeast/iraq-operation-falluja/index.html
    Die tatsächlichen Schwierigkeiten werden für Bagdad nach dem Fall der Stadt auftreten.
    Das sunnitische Kernland, seine traditionell der Zentralregierung gegenüber ablehnend eingestellte Bevölkerung muss gewonnen werden. Die akuten sozialen und politisch-ethnischen Diskrepanzen lösen sich nicht von selbst, quasi über Nacht, nur weil Daesh vertrieben sein wird.
    Je höher der Anteil schiitischer Milizen am Erfolg in Fallujah ausfallen wird, desto ausgeprägter wird die Herausforderung realer Macht-Aufteilung zutage treten.

  23. Auf Basis beigefügten Links http://www.inherentresolve.mil/News/Article/791221/fights-to-retake-fallujah-manbij-city-from-isil-begin
    Informationen zur Lage um Fallujah und Manbij.
    Fallujah /Irak
    Die Stadt bildet das wirtschaftliche Zentrum der zentralen Provinz ANBAR, die gleichbedeutend mit dem sunnitischen Kernland einzuordnen ist. Für Daesh stellen Stadt und Provinz zentrale Operations-, Rekrutierungs- und auch Finanzbasis dar.
    Die beiden zentralen Ströme, Euphrat und Tigris, bestimmen den Verlauf der wesentlichen Verkehrswege aus den nördlichen (kurdischen) Erdölgebieten zum Golf. An Fallujah kommt dabei niemand vorbei. Gleiches trifft auf die einzige bedeutende Ost-Westverbinding von Bagdad zur jordanischen Grenze zu.
    Fallujah ist eingeschlossen, Bedingungen von Urban Operations dominieren das Vorgehen der Regierungstruppen, was auf Daesh in Ermangelung von Mechanisierung, großkalibriger artilleristischer Feuerkraft und vor allem CAS nicht zutrifft.
    Die schließliche Einnahme der Stadt braucht Zeit. Den Daeshkämpfern wird klar sein, ihr Kalifat hat seine Zukunft hinter sich. Entsatz aus den westlichen syrischen Kalifatsräumen wird es nicht geben, die Verbindungswege sind abgeschnitten, ar-Raqqa und Aleppo binden wesentliche Truppen. Es geht also um das nackte Überleben des einzelnen Mannes. Ihre Kampfmoral muss demzufolge bedeutend sein, der Gefechtswert der Dschihadisten entsprechend hoch. Die weiße Fahne wird niemand hissen, denn von rückwärts wird auch gefeuert.
    Die irakische Armee muss sich beweisen.
    Manbij (Manbidsch) / Syrien
    … erlebt seit dem 30. Mai enorme Anstrengungen, die Stadt vom Zugriff des Daesh zu befreien. Die Operation wird durch den – bislang – wenig hervorgetretenen „Manbij Military Council“ als lokaler Untermenge der „Syrian Arab Coalition“ vorgetragen. Die Wegnahme der Manbij-Pforte ist geeignet, die TUR Grenze vom Daeshdruck zu entblößen und den kurdischen Truppen die Operationsfreiheit zu bewahren. In gleichem Maße werden bis zu 40.000 Zivilisten dem Zugriff des Kalifats entzogen werden können. Manbij in ausschließlich kurdischer Hand kann den grenzenlosen Kämpferzustrom sowie logistische Zuarbeit aus Erdogans Türkei heraus regional am ungehinderten Zutritt hindern.

  24. Trotz erkennbarer Fortschritte in der Rekonstitution der irakischen Armee, im Vergleich zum letztjährigen Zustand, sowie Erfolgen im Raum Fallujah, bleibt der weitere Aufbau insgesamt anspruchsvoll.
    http://www.reuters.com/article/us-mideast-crisis-iraq-exclusive-idUSKCN0YP2DO?feedType=RSS&feedName=topNews&utm_source=twitter&utm_medium=Social
    Auszug:
    “ Retired U.S. Lieutenant General Mick Bednarek, who commanded the U.S. military training effort in Iraq from 2013 to 2015, said the Iraqi army has not improved dramatically in the past eight months. He blamed a variety of problems, from a lack of Iraqis wanting to join the military to the resistance of some lower-level Iraqi officers to sending units to American training.
    The Iraqi military’s capacity hasn’t improved that much – part of that is the continuing challenge of recruitment and retention,” said Bednarek. “Our (officers) train who shows up, and the issue is we are not sure who is going to show up.”
    Die zögerlichen Fortschritte innerhalb der Armee spielen den schiitischen Milizen in die Hand. Wo ein Machtvakuum infolge staatlicher Abstinenz entsteht, sind schiitische Stammesmilizen mit engen Verbindungen zu iranischen Revolutionsgarden zur Stelle. So sollen z.B. bis zu 20% der Offiziere des „Operations Command“ enge Beziehungen zum Führer der rakischen Schiiten, Muqtada al Sadr pflegen.
    Eine Entwicklung, die eine gesamtstaatliche Verständigung über Ethnien und Konfessionen hinweg nicht eben vereinfachen wird. Die Schiiten werden ihren Teil am Kuchen bei der Machtverteilung nach Zerschlagung von Daesh einzufordern wissen, die Kurden im Norden haben das bereits realisiert.

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